Elektronische Prüfungen an der Ostfalia Hochschule

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1 Elektronische Prüfungen an der Ostfalia Hochschule Peter Riegler Institut für Medieninformatik Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft 20. April 2010 Zusammenfassung 2009 wurde an der Ostfalia Hochschule ein flexibles elektronisches Prüfungssystem entwickelt und 2010 erstmals im größeren Rahmen eingesetzt. Die Flexibilität besteht hinsichtlich räumlichem Einsatz und verwendbarer Endgeräte. Die technischen Details des Systems werden hier beschrieben und die Vor- und Nachteile auch unter Zuhilfenahme erster Einsatzerfahrungen analysiert. Daraus abgeleitet werden Empfehlungen für den weiteren Einsatz formuliert. 1 Motivation Derzeit nehmen sich immer mehr deutsche und auch europäische Hochschulen des Themas elektronische Prüfungen an. Die Gründe hierfür sind vermutlich ebenso vielfältig wie die in Abschnitt 3 beschriebenen Vor- und Nachteile dieser Technologie. Ein wichtiger Aspekt des momentanen Interesses an diesem Thema scheint jedoch zum einen die gewisse Technologiereife zu sein, die derzeit diesbezüglich vorhanden ist. Zum anderen ist die Durchführung von Prüfungen ein Kandidat auf der Liste der Hochschulprozesse, die die fortschreitende Elektronisierung in der Hochschule unterstützen kann. Die Elektronisierung anderer Prozesse wie Kommunikation, Distribution von Lehrmitteln und Hochschulverwaltung kann zumindest konzeptionell als weitestgehend abgeschlosssen betrachtet werden. Ein wichtiger Impuls, die Thematik elektronisches Prüfen aufzugreifen, kam im April 2008 vom Präsidenten der Ostfalia Hochschule auf einer Veranstaltung der ELAN AG mit dem Vorschlag, die an der Hochschule vorhandene Expertise zu formativen Assessments auf elektronische Prüfungen auszuweiten. Was ursprünglich als Machbarkeitsstudie vorgesehen war, entwickelte sich aufgrund des konkreten Bedarfs in der Hochschule schnell zur Anwendungsentwicklung. In diesem Bericht werden Details des entwickelten elektronischen Prüfungssystems und der dafür benötigten Prozesse beschrieben. Dieser Bericht ist für interessierte Hochschulangehörige und Entscheider konzipiert. Da er Hochschulinterna tangiert, ist er nicht für die allgemeine Hochschulöffentlichkeit vorgesehen. Aspekte des hier vorgestellten Prüfungssystems, insbesondere solche, die sich auf die Inhalte zukünftiger Prüfungen und Sicherheitsdetails beziehen, sind vertraulich und daher in getrennte Berichte ausgelagert. Die wesentlichen Punkte dieses Berichtes und sich daraus ergebende Konsequenzen sind im Kapitel 7 zusammengefasst. 1

2 2 Begriffsbestimmung elektronische Prüfung Der Begriff elektronische Prüfung ist unpräzise, was regelmäßig zu Missverständnissen führt. Einerseits ist die Verwendung des Begriffs elektronische Prüfung in Fachkreisen etabliert, zum anderen wird er außerhalb durchaus anders verstanden. Eine häufig anzutreffende Einschätzung besteht darin, dass das wesentliche Charakteristikum einer elektronischen Prüfung die Verwendung von Rechnern als Eingabemedium ist. An der Ostfalia Hochschule gibt es Prüfungen dieser Kategorie schon seit mindestens 10 Jahren und zwar im Kontext Programmieren und rechnerunterstützte Problemlösung. Prüflinge erstellen dabei in Entwicklungsumgebungen Programme und Problemlösungen, die anschließend manuell bewertet werden. Elektronische Prüfungen gehen weit über dieses Szenario hinaus. Im folgenden bezeichnet der Terminus elektronische Prüfungen solche, die alle der folgenden Kriterien erfüllen: Die Prüfung ist summativ. Bestehen oder Nichtbestehen haben also Konsequenzen bezüglich Abschluss des Studiums. Realisierung von Prüfungsinhalten und Aufgabenformaten, die mit etablierten Prüfungsformaten nicht oder nur schwer möglich sind. Typische Anwendungsfälle beinhalten die interaktive Darbietung bewegter Bilder oder Audiosignale und die sogenannte Personalisierung der Prüfung (siehe auch Abschnitt 3). Unterstützung bei der Bewertung von Prüfungen. Diese kann von der Unterstützung von Prozessen (z. B. automatische Verteilung auf Grading Queues) über Korrekturhilfen (z. B. automatisches Hervorheben von Schlüsselworten in studentischen Antworten oder Plagiatprüfung) bis hin zur vollautomatischen Bewertung der studentischen Antworten reichen. 3 Vor- und Nachteile Die wichtigsten Vorteile elektronischer Prüfungen im obigen Sinne umfassen: 1. Elektronische Prüfungen ermöglichen Prüfungsformate, die anderweitig nur schwer oder mit erheblichen Einschränkungen verfügbar wären. 2. Es ist ohne merklichen Aufwand möglich Prüfungen zu personalisieren. So kann die Aufgabenreihenfolge bei verschiedenen Prüflingen verschieden sein, oder numerische Werte in der Aufgabenstellung werden leicht variiert. Dadurch wird es äußert unwahrscheinlich, dass Abschreiben hilfreich ist. Maßnahmen zur Prüfungspersonalisierung, die alleine durch Zufallselemente erreicht werden, werden auch als Randomisierung bezeichnet. 3. Voll- oder teilautomatische Bewertung entlastet die Prüfenden. Dies dürfte der klassische Grund für den Einsatz elektronischer Prüfungen sein. 4. Voll- aber auch teilautomatische Bewertung verringert die Zeit bis zur Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. 2

3 5. Automatische Bewertung führt zwangsläufig zu einer Gleichbehandlung. Bei Handkorrektur kommt es dagegen immer wieder vor, dass praktisch gleiche Lösungen unterschiedlich bewertet werden. 6. Analysen der Prüfungsqualität sind relativ leicht möglich. Somit besteht zumindest das Potenzial für Qualitätsmaßnahmen in diesem Bereich. Siehe auch Abb Da die Prüfungsdaten in der Regel zentral gehalten werden, ist die Prüfungseinsicht elektronisch möglich. 8. Elektronische Prüfungen ermöglichen didaktische Maßnahmen wie post mortem Analysen [Hes92] oder Exam Retakes [KBBK06]. Siehe auch Anhang C. 9. Die Berechtigung zur Prüfungsteilnahme kann leichter geprüft bzw. sichergestellt werden. Gängige Verfahren zeigen ein Foto des Prüflings auf den Prüfungsunterlagen[BK08]. 10. Die Bearbeitungszeit ist zentral gesteuert. Sie umfasst für alle Teilnehmer sekundengenau denselben Zeitraum. 11. Häufig wird auch die Integrationsmöglichkeit in bestehende IT-Strukturen als Vorteil genannt. Beispielsweise können Noten sofort automatisch in Prüfungsdatenbanken verbucht werden. In der Regel dürfte jedoch der eher geringe Aufwand einer händischen Übertragung gegenüber dem Implementierungsaufwand für eine vollautomatische Übertragung auch langfristig tragbar sein. 12. Elektronische Prüfungen haben das Potenzial, den Lehrprozess zu verbessern. Durch das elektronische Format wird die Analyse typischer Probleme und ein Vergleich von Prüfungen über die Jahre hinweg erleichtert. Dies unterstützt die Entwicklung zu einer Standardisierung der Prüfung, ohne dass die oberflächlichen Prüfungsinhalte identisch sind. Die nach wie vor vorhandenen Einschränkungen in den Frageformaten können zudem zu einer Fokusierung auf das Prüfen von Lernzielen führen. Die Verwendung eines neuen Formats erleichtert mit den nachteiligen Aspekten tradierten Prüfens zu brechen. Dem stehen die folgenden Nachteile und Schwierigkeiten gegenüber: 1. Elektronische Prüfungen erfordern technischen Mehraufwand. 2. In der Regel sind Anpassungen oder Umgestaltungen an mehreren Stellen der gesamten Prüfungsprozesskette notwendig. 3. Gerade in Prüfungssituationen werden Personen durch Neues oder Ungewohntes leicht verunsichert. 4. Die juristische Bewertung elektronischer Prüfungen ist unklar, ebenwo wie die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um zu einer Rechtssicherheit zu kommen. Zumindest für den juristischen Laien stellt sich die bisherige Rechtssprechung als inhomogen dar. Hinzu kommen Problematiken, die eigentlich bei jeder Prüfungsform auftreten, bei tradierten Prüfungsformen jedoch gewöhnlich ignoriert werden. Durch die Neuartigkeit der elektronischen Prüfungsform treten sie dort in den Vordergrund. Dies birgt aber auch die Chance, dass sie dort nun ordentlich gelöst werden. 3

4 Abbildung 1: Die Qualität einer Prüfung im testtheoretischen Sinne [LR98] wird durch verschiedene Kenngrößen bestimmt. Hier ist examplarisch die Analyse der Schwierigkeiten und Trennschärfen der Aufgaben einer Prüfung [Rie10] dargestellt. Jeder Punkt in der Abbildung stellt eine Prüfungsfrage dar. Der Schwierigkeitsgrad misst den relativen Anteil von Prüfungsteilnehmern, die die betrachtete Aufgabe inkorrekt beantwortet haben. Die Trennschärfe gibt an, wie gut eine einzelne Aufgabe die Prüfungsteilnehmer, die insgesamt gut abgeschnitten haben, von denen trennen kann, die ein schlechtes Ergebnis erzielt haben. 5. Elektronische Prüfungen sind bei vielen Personen erheblich mit Vorurteilen belegt. Wie so häufig spielt hier Unkenntnis eine tragende Rolle. Beispielweise lehnen Personen elektronische Prüfungen mit dem Argument ab, dass damit nur Auswahlaufgaben möglich seien und diese bekanntermaßen untauglich seien. 1 Prüfende reagieren häufig ablehnend, wenn von ihnen verwendete Prüfungsfragen in elektronischen Prüfungen technisch nicht machbar oder wenig sinnvoll wären. Eine Hinterfragung des eigenen tradierten Prüfungsverhalten findet dabei nicht statt. Das Hergebrachte wird keiner Kritik unterzogen, an das Neue werden Anforderungen gestellt, deren Realisierung in tradierten Prüfungsformen mindestens so zweifelhaft 2 ist wie in elektronischen. 6. Prüfende und Aufsichtspersonal müssen geschult werden, um Fragen oder Probleme, die bei der Prüfungsdurchführung auftreten, beantworten bzw. lösen zu können. 7. An die Archivierung von Prüfungen werden besondere Anforderungen gestellt, inbesondere was eine langzeitige Lagerung betrifft. 4 Stand der Technik Teilaspekte des elektronischen Prüfens sind heute und teilweise auch schon lange Stand der Technik. Die schnelle Bewertung von Massenprüfungen hat eine lange Historie, insbesondere 1 Tatsächlich ist es so, dass gerade mit den Zielen hohe Zuverlässigkeit und Validität entwickelte Tests meistens Auswahlaufgaben verwenden. 2 Beispielsweise in er Hochschulfachdidaktik der Physik haben Forschungserkenntnisse über die Einflüsse tradierter Prüfungen auf das Lern- und Arbeitsverhalten Studierender zu Änderungen der Prüfungen geführt, die mit elektronischen Prüfungen kompatibel sind [Red03, PLWP10]. 4

5 im militärischen Bereich. Charakteristisch für solche Massenprüfungen sind Auswahlaufgaben. 3 Die Bewertung kann dabei einfach und quasi halbautomatisch mit Korrekturstreifen geschehen. Mit der Verfügbarkeit der Scannertechnologie wurde die Bewertung automatisiert: Antwortbögen werden maschinell gelesen und die Bewertung erfolgt durch geeignete Software. Scannerbasierte Systeme zur automatischen Bewertung von Prüfungen, aber auch zur Evaluation von Lehrveranstaltungen sind insbesondere in den U.S.A. seit Jahrzehnten etabliert und werden dort nach wie vor stark eingesetzt [KR10]. Seit Ende der 1990er Jahre wird vermehrt die Prüfungsbearbeitung per Rechner als Papieralternative eingesetzt und somit der Prüfungsablauf voll elektronisiert. Die bisher entstandenen Prüfungssysteme können dabei grob in drei Kategorien gegliedert werden: Hochschulen stellen zentral Räumlichkeiten und Technik für elektronische Prüfungen zur Verfügung. Das Testcenter der Universität Bremen [Uni] mit 120 festinstallierten Prüfungsplätzen kann hier prototypisch genannt werden. Hochschulen stellen bis auf die Endgeräte die Infrastruktur zur Verfügung. Als Endgeräte werden Notebook Rechner der Studierenden verwendet. Das e exam Projekt [Fre] der FU Berlin fällt in diese Kategorie. Elektronische Prüfungen werden mittels mobiler technischer Infrastruktur ausgeführt. Eine Raumbindung wie in der ersten Kategorie entfällt also. Deutschlandweit Vorreiter in dieser Kategorie ist die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) [KPHM09]. Dort werden reguläre Hörsäle vor der Prüfung mit WLAN-fähigen Eingabegeräten und dem Prüfungsserver bestückt. Das Prüfungs WLAN wird dediziert, abgeschottet und überwacht betrieben. Eine weitere Besonderheit der MHH Lösung besteht darin, dass sie im Rahmen eines kompletten Outsourcing betrieben wird. Die gesamte Prüfungstechnik und Datenhaltung wird von der Firma Codiplan [COD] zur Verfügung gestellt. 4 5 Anforderungen 5.1 Prüfungsräume und Endgeräte Für elektronische Prüfungen werden zur Prüfungszeit technisch geeignet ausgestatte Räumlichkeiten mit einer ausreichenden Zahl von Endgeräten benötigt. Derzeit verfolgen die meisten Hochschulen die Strategie, die erforderliche Technologie zentral in speziell ausgestatteten Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Dies ist an der Ostfalia Hochschule aufgrund der vier Standorte zunächst keine Option. Die Alternative, studentische Rechner zu Prüfungszwecken zu konfigurieren, erfordert unter anderem einen regelmäßigen hohen Personalaufwand. Dies gilt auch für die Verwendung der Rechner in den Poolräumen der Hochschule. Aufgrund der räumlichen Verteilung der Ostfalia Hochschule ist ein mobiles Prüfungssystem vergleichbar zu dem an der MHH verwendeten die beste Alternative. 3 Die Gründe hierfür liegen nicht ausschließlich in der einfachen technischen Realisierbarkeit von Auswahlaufgaben. Ein wesentliches Plus dieser Aufgabenart besteht darin, dass in diesem Bereich die Testtheorie besonders gut entwickelt bzw. leicht anwendbar ist [LR98]. 4 An der MHH werden derzeit 90 der jährlich 120 Prüfungen elektronisch durchgeführt. Die Teilnehmerzahl liegt bei etwa 100. Die von Codiplan jährlich berechneten Kosten sollen im fünfstelligen Eurobereich liegen. 5

6 Die benötigten Endgeräte müssen entweder von der Hochschule in ausreichender Stückzahl gekauft oder angemietet werden. Werden PCs als Endgeräte verwendet, müssen Stückkosten von mindestens 500 e kalkuliert werden. Dies führt bei großen Prüfungen zu hohen Anschaffungskosten. Hinzu kommt, dass PCs relativ schnell veralten, so dass mit einer Neubeschaffung spätestens alle drei Jahre gerechnet werden muss. Die resultierenden Investitionen sind allenfalls vertretbar, wenn diese PCs auch für andere Zwecke verwendet werden. Ein Anbieter, der PCs für Prüfungszwecke vermietet, konnte bisher nicht identifiziert werden. 5 Für PC basierte Prüfungen steht daher derzeit nur der Notebook Pool des Instituts für Medieninformatik zur Verfügung. Damit können Prüfungen für bis zu 20 Teilnehmer durchgeführt werden. 6 Technische Details zur Prüfung mit diesen Notebooks werden in Abschnitt beschrieben. Im Anhang A werden die Erfahrungen bei der Durchführung einer Prüfung mit diesen Geräten zusammengefasst. Um Massenprüfungen durchführen zu können, ohne viele PCs anschaffen zu müssen, wurde ein Classroom Response System ( Clicker ) zu Prüfungszwecken weiterentwickelt. Trotz einiger Einschränkungen kann so ein gutes Kosten Nutzen Verhältnis erzielt werden. Clicker sind mit Stückpreisen von knapp unter 50 e auch in hohen Stückzahlen erschwinglich. Darüber hinaus verfügt die Hochschule derzeit über ca. 160 dieser Endgeräte, die im Vorlesungsbetrieb der Fakultäten I und V eingesetzt werden. Weitere technische Details werden in Abschnitt beschrieben, Erfahrungen aus einer mit diesen Geräten durchgeführten Prüfung im Anhang B. 5.2 Sicherheit Während einer Prüfung dürfen keine unerlaubten Hilfsmittel verwendet werden. Dies zu kontrollieren ist schon bei herkömmlichen Prüfungen schwierig und bekommt bei elektronischen Prüfungen aufgrund der heute verfügbaren vielfältigen elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten einen herausragenden Stellenwert. Kontrolliert werden müssen insbesondere Netzwerk-Routing und Ports innerhalb der Prüfungsräume in der Weise, dass die Computer-Endgeräte nur mit dem Prüfungsserver kommunizieren können. Der Zugriff auf die Prüfungsaufgaben muss auf die Prüfungsräume (z. B. durch IP-Adressenkontrolle) beschränkt sein. Ferner müssen Computer-Endgeräte unter der Kontrolle des Testgebers sein, da andernfalls keine Kontrolle über darauf gespeicherte Daten, vorhandene Software, und Kommunikationsmöglichkeiten besteht. Selbst wenn das Netzwerk innerhalb des Prüfungsraumes kontrolliert ist, besteht keine Kontrolle über peer-to-peer Wi- Fi oder BlueTooth, sowie ad-hoc WiFi Access Points und zelluläre Modems. Daher wurden folgende Anforderungen an das Prüfungssystem gestellt: 1. Endgeräte dürfen nur mit einem festgelegten Zentralrechner kommunizieren. 2. Endgeräte dürfen untereinander nicht kommunizieren können. 3. Die auf den Endgeräten verfügbare Software muss unter der alleinigen Kontrolle des Testgebers liegen. 5 Codiplan ist derzeit nur bereit ihre Rechner im Komplettpaket mit dem hauseigenen Prüfungssystem zu vermieten. 6 Außerhalb der Prüfungsperiode werden diese Rechner für speziell entwickelte, didaktisch besonders wirksame Lehrveranstaltungen genutzt, sowie zur Erweiterung des Rechnerpools bei nicht summativen Massentests wie dem Eingangstest des Mathematik Brückenkurses. 6

7 4. Verwendete Kommunikationskanäle müssen unter der vollen Kontrolle des Testgebers liegen und von diesem überwacht werden, um ein unerlaubtes Eindringen detektieren zu können. 5. Prüfungsteilnehmer dürfen während der Prüfung nicht eine andere elektronische Identität annehmen können. Wenn dies der Fall ist, muss dies zumindest mit Sicherheit detektierbar sein. Wie diese Anforderungen von den unterschiedlichen Endgeräten erfüllt werden, wird in den Abschnitten und beschrieben. 5.3 Autarkie und Redundanz Die gesamte im Rahmen einer Prüfung benötigte Technologie muss verlässlich und ausfallsicher funktionieren. Wo dies nicht der Fall ist bzw. das Risko hoch ist, muss die Technologie redundant vorgehalten werden oder Alternativen realisiert werden, die wesentlich ausfallsicherer sind. Auf Grundlage der Analyse und bisherigen Erfahrungen betrifft dies vor allem folgende Systemkomponenten: Endgeräte: Diese können ausfallen. Selbst wenn auftretende Defekte behebbar sind, ist die dafür benötigte Zeit in der Regel zu lange, um nicht zu einer Benachteiligung des betroffenen Prüflings oder zumindest zu Nervositätszunahme zu führen. Bei Ausfall eines Endgerätes muss dieses daher schnell durch ein Ersatzgerät ausgetauscht werden. 7 Dies erfordert natürlich die Bereithaltung einer ausreichenden Anzahl von zusätzlichen Endgeräten. Aufgrund eigener Erfahrungen und denen von der MHH sollte die Anzahl der Austauschgeräte etwa zehn Prozent der für die Prüfungsdurchführung benötigten Endgeräte betragen. Rechnernetze: LANs weisen geringere Redundanz auf als das Internet insgesamt. Ausfälle räumlich naher Kompententen wie Switches sind daher kritisch. Wie bereits beschrieben, sollten alle Systemkomponenten unter Kontrolle des Aufsichtspersonals stehen. Für das Intranet ist dies nicht der Fall. Ohnehin wären Fehlerdedektion und -behebung kaum in kurzer Zeit zu bewerkstelligen. Der Prüfungsserver sollte daher im Prüfungsraum lokalisiert sein. Energieversorgung: Stromausfall führt unweigerlich zu Prüfungsabbruch, 8 es sei denn alle Geräte können für die Dauer der Prüfung mit Batterien betrieben werden. Das entwickelte Prüfungssystem ist so ausgelegt, dass alle Komponenten (Endgeräte, Prüfungsserver, Radiokommunikation, Switches) batteriebetrieben werden können. 5.4 Flexibilität Ein System für elektronische Prüfungen sollte eine möglichst große Flexibilität ermöglichen. Diese Flexibilität umfasst verschiedene Aspekte: 7 Auch in herkömmlichen Prüfungen weisen Endgeräte Defekte auf (z.b. Stifte, fehlende Seiten in Aufgabenstellung). In solchen Fällen werden auch dort die Endgeräte ausgetauscht. 8 Auch in herkömmlichen Prüfungen wird Stromausfall zum Prüfungsabbruch führen, wenn zur Prüfungszeit nicht ausreichend Tageslicht vorhanden ist. 7

8 Flexibilität im räumlichen Einsatz Modularer Aufbau: Systemkomponenten müssen bei Bedarf mit andersartigen Komponenten austauschbar sein. Beispielsweise sollten Endgeräte austauschbar sein (z.b. Notebooks durch Clicker oder auch einscanbare Papierformulare) und das System nicht alleine auf eine Prüfungsserversoftware ausgelegt sein. Prüfende sollten nicht zu stark in der Art der Aufgabentypen eingeschränkt sein. Das Format einer Prüfungsaufgabe sollte also recht flexibel wählbar sein. 5.5 Rechtliches Die juristische Einordnung elektronischer Prüfungen ist unklar. Eine häufig geäußerte Empfehlung fordert dazu auf, in den Prüfungsordnungen die Gleichwertigkeit von elektronischen Prüfungen mit traditionellen schriftlichen Prüfungen festzuschreiben. 6 Beschreibung des entwickelten Prüfungssystems und des damit verbundenen Workflows Aus technischer Sicht lassen sich elektronische Prüfungssysteme in Front End und Back End aufteilen. Die Front End Technologie dient den Prüflingen zur Anzeige der Prüfungsfragen und der Eingabe der Antworten. Das Back End liefert die benötigten Daten ans Front End, erhält von diesem die Prüfungsantworten und bewerkstelligt die Bewertung dieser Antworten. 6.1 Back End Das Back End System bildet LON CAPA [LON], das an der Ostfalia Hochschule bereits seit 2006 eingesetzt wird vorrangig für formative Assessments. Für die Verwendung von LON CAPA sprichen eine Vielzahl von Gründen. Die wichtigsten sind: 1. LON CAPA ist multi target fähig, d. h. es unterstützt mehrere generische Front Ends, z. B. Webbrowser, PDF Formular und Scanner. 2. LON CAPA ermöglicht die automatische Bewertung einer Vielzahl von Aufgabentypen, inbesondere die automatische Bewertung mathematischer Ausdrücke. 3. LON CAPA bietet Zugriff auf zurzeit ca für Lehrende frei verfügbare, automatisch bewertbare Prüfungsfragen. Der Zugriff auf den LON CAPA Aufgabenpool ermöglicht substantielle Kostenersparnis bei der Erstellung von Aufgaben. 4. LON CAPA wird seit Jahren v. a. in Nordamerika mit unterschiedlichen Front Ends auch für summative Prüfungen eingesetzt. Somit kann auf die Expertise anderer zurückgegriffen werden. 5. Neben den Positionen Server und Serverbetrieb fallen praktisch keine Infrastrukturkosten an. Alle benötigten Softwarekomponenten sind komplett frei. Der Zusatzaufwand für Installation und Pflege von LON CAPA liegt bei wenigen Stunden im Jahr. 6. Das LON CAPA Entwicklerteam umfasst inzwischen auch Mitglieder der Ostfalia Hochschule. Bei eventuellen Erweiterungsbedarf besteht somit Expertise im Haus. 8

9 Details zu LON CAPA im Prüfungskontext sind u. a. in [KR10] beschrieben. Wesentliche Aspekte, die hier genannt werden müssen, sind: LON CAPA kann leicht für den Prüfungseinsatz konfiguriert werden. Serverseitige Kommunikation der Prüfungsteilnehmer wird dadurch unterbunden. Alle Transaktionen der Prüfungsteilnehmer können mitgeschrieben werden. Bei Verwendung eines Webbrowsers sind damit alle bisherigen Eingaben von Prüflingen vorhanden, selbst wenn auf der Front End Seite während des Tests Probleme auftreten. 6.2 Front End Die Hardware des Front End stellt einen wesentlichen Kostenfaktor für die Durchführung elektronischer Prüfungen dar. Die Kosten skalieren hier mit der Anzahl der Prüfungsteilnehmer, während für alle anderen Komponenten die Kosten weitestgehend unabhängig von dieser Anzahl sind. Im Rahmen dieses Projektes wurden zwei Arten von Geräten für das Front End eingesetzt, nämlich Notebooks und sogenannte Clicker. Die Gründe hierfür sind primär finanzieller Natur Notebooks Notebook Rechner erlauben ein Höchstmaß an Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten. Idealerweise sollte die Prüfung in einem Webbrowser bearbeitet werden. So können mit Hilfe von Standardtechnologie die Antworten und alle Aktionen der Prüflinge sofort an den Prüfungsserver kommuniziert werden. Die im Prüfungsraum verwendeten Systemkomponenten sind in Abb. 2 dargestellt. Die Rechner müssen so konfiguriert sein, dass nur auf für Prüfungszwecke zulässige Software zugegriffen werden kann. Beim entwickelten System [Ohm09] können Prüflinge nur den Webbrowser verwenden. Der Zugriff auf alle anderen Softwareapplikationen, insbesondere einer Shell ist nicht möglich. Ebenso ist der Zugriff auf externe Schnittstellen gesperrt. Dadurch ist es Prüflingen nicht möglich zusätzliche Geräte anzuschließen oder die Spezifika der WLAN Verbindung zu verändern. Insbesondere ist dadurch Sorge getragen, dass Rechner der Prüfungsteilnehmer untereinander nicht kommunizieren oder einen nicht erwünschten Kommunikationskanal nach außen nutzen. Die Webbrowser auf den Prüfungsrechnern sind so konfiguriert, dass Verbindungen zu anderen Servern als dem Prüfungsserver unmöglich sind. Weiterhin ist es den Prüfungsteilnehmern nicht möglich, Einstelloptionen des Webbrowsers zu verändern. Die Kommunikation der Rechner der Prüfungsteilnehmer mit dem Prüfungsserver erfolgt über WLAN. Dazu wird ein dediziertes WLAN verwendet. Dieses ist so konfiguriert, dass nur die Rechner der Prüfungsteilnehmer mit den Access Points des Prüfungssystems kommunizieren dürfen. Dadurch ist ein Zugriff von außen auf das Prüfungsnetzwerk ausgeschlossen. Zusätzlich wird über einen Prüfungsleitrechner, der die von den Access Points gesammelten Signal bündelt, überwacht, welche Rechner sich im Prüfungsnetzwerk befinden. Der Prüfungsleitrechner leitet die Prüfungsdaten an den eigentlichen Prüfungsserver weiter. Dazu kann eine sichere LAN Verbindung genutzt werden. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen ist es jedoch angebracht auch den Prüfungsserver lokal im Prüfungsraum zu platzieren. Dadurch werden zum einen eventuelle Lastprobleme über eine LAN Verbindung vermieden. Zum anderen ist das Prüfungsnetzwerk so völlig isoliert. 9

10 Abbildung 2: WLAN basiertes Front End mit Notebook PCs als Eingabegerät. Der Prüfungsrechner (1) steuert die Access Points (2) und dient als Gateway zwischen Prüfungsserver und Notebooks. Der Switch (3) dient der Verteilung auf mehrere Access Points. (Aufnahme während der Prüfung Multimediatechnik am ) Die Authentifizierung der Prüfungsteilnehmer erfolgt über ein den Prüflingen vorab bekanntes Benutzerkennung Passwort Paar. Bei LAN Anbindung des Prüfungssystems kann hierfür von jedem Prüfungsteilnehmer das hochschulweit gültige Paar verwendet werden. In einem völlig isolierten System ist dies nicht möglich. Ein praktikabler Ersatzmechanismus hierfür ist die Verwendung der Matrikelnummer. Die elektronische Authentifizierung ersetzt nicht die bei Prüfungen übliche und notwendige Identitätsprüfung. Diese sollte wie üblich vom Prüfungsaufsichtspersonal durch Ausweiskontrolle erfolgen. 9 Dabei sollte die Prüfungsaufsicht auch die ID des vom Prüfling verwendeten Rechners festhalten. Ob zwei Teilnehmer ihre Identität getauscht haben oder zeitweise gewechselt haben, kann durch Abgleich mit den elektronischen Prüfungsdaten verlässlich festgestellt werden Clicker Clicker als Prüfungsendgeräte bedingen im Vergleich zu vollwertigen PCs Einschränkungen in der Art der Prüfungsfragen. Das an der Ostfalia Hochschule verwendete Clicker System ermöglicht praktisch nur Auswahlaufgaben und numerische Antworten. 10 In der Regel werden Auswahlaufgaben den dominierenden Aufgabentyp darstellen, wenn Clicker für Prüfungszwecke verwendet werden. 9 Es ist denkbar, diese Identitätskontrolle elektronisch zu unterstützen. Dies kann dadurch geschehen, dass das Prüfungssystem Zugriff auf die Bilddaten des Studierendenausweis erhält. Die Identitätsprüfung würde dadurch weiterhin vom Prüfungsaufsichtspersonal durchgeführt werden mit dem einzigen Unterschied, dass Prüfungsteilnehmer sich über einen elektronischen Ausweis identifizieren. 10 Prinzipiell können von diesen Clickern auch Zeichenketten und damit Worte oder kurze Texte übermittelt werden. Die dafür notwendigen Bedienungsschritte sind jedoch vergleichsweise aufwändig, was eine Verwendung für Prüfungszwecke eher ausschließt. 10

11 Für die Prüfung erhält jeder Teilnehmer einen Clicker als Endgerät. Die eigentlichen Aufgabenstellungen liegen in Papierform vor. Prüflinge übermitteln ihre Antworten direkt an das Prüfungssystem. Die Kommunikation erfolgt via Radiotechnik mit einer Basisstation am Prüfungsleitrecher. Die drahtlose Kommunikation unterscheidet sich daher nicht prinzipiell von der WLAN Verbindung, wenn Notebooks als Endgeräte verwendet werden. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Clicker ein herstellereigenes Kommunikationsprotokoll verwenden. Im Gegensatz zu einem offengelegten Kommunikationsprotokoll wie WLAN mit einer Vielzahl unterstützter Endgeräte sind daher die Möglichkeiten, mit betrügerischen Absichten in das Kommunikationsnetzwerk einzutringen, geringer. Abb. 3 zeigt die Systemkomponenten. Für Prüfungszwecke müssen Clicker besonders konfiguriert werden [RT09]. Dadurch wird erreicht, dass nur diese Clicker als Endgeräte verwendet werden können. Da Clicker an der Ostfalia Hochschule auch im Vorlesungsbetrieb für formative Assessments eingesetzt werden (in einer anderen Konfiguration), muss vor und nach Prüfungen eine Umkonfiguration erfolgen. Der Aufwand dafür ist jedoch gering und kann auch bei 100 Endgeräten von einer Person in ca. 15 Minuten erledigt werden. Die Identitätskontrolle der Prüfungsteilnehmer erfolgt wie bei herkömmlichen Prüfungen. Zusätzlich wird vom Aufsichtspersonal für jeden Prüfungsteilnehmer die Gerätenummer des verwendeten Clicker festgehalten. Auf Grundlage dieser Information erfolgt die Zuordnung der elektronsich übermittelten Antworten zu den Prüfungsteilnehmern. Aus Redundanzgründen übermitteln die Prüfungsteilnehmer zusätzlich elektronisch ihre Matrikelnummer. Eine elektronische Authentifizierung und Teilnahmebeschränkung vergleichbar zu der bei der Verwendung von PCs ist dagegen nicht möglich. Die im Prüfungsnetzwerk befindlichen Endgeräte werden auch hier ständig überwacht, so dass ein letztendlich nicht mit Sicherheit ausschließbares Eindringen von Außen detektiert werden kann. Clicker können nur mit der Clicker Basisstation kommunizieren, so dass eine elektronische Kommunikation unter den Prüfungsteilnehmern ausgeschlossen ist. Ein Wechsel der elektronischen Identität, wie er bei der Verwendung von vernetzten PCs denkbar ist, erfordert bei Clickern, dass das Endgerät des Nutzers verwendet werden muss, dessen Identität angenommen werden soll. Dies dürfte mindestens so schwierig sein, wie während einer üblichen Prüfung die Prüfungsbögen auszutauschen. Hinzu kommt, dass bei Prüfungen mit Clickern die Aufgaben ebenso leicht randomisiert werden können, wie bei anderen elektronsichen Prüfungsformaten. Die Generierung der Randomisierung (hier auf den Papierbögen) und deren Auflösung während der Bewertung der Antworten ist ja alleine Aufgabe der verwendeten Bewertungssoftware. 6.3 Workflow Die Abfolge der einzelnen Prozessschritte bei der Durchführung einer elektronischen Prüfung ist weitestgehend unabhängig von den verwendeten Endgeräten: 1. Prüfende erstellen die Prüfungsfragen. Sie bedienen sich hierbei geeigneter Autorenwerkzeuge oder ganz oder teilweise des vorhandenen Aufgabenpools. 2. Im Back End wird die Prüfung zusammengstellt und die notwendigen Konfigurationen durchgeführt. Dies beinhaltet in LON CAPA die Auswahl des Ausgabemediums und bei Prüfung via Webinterface Konfigurationen wie Kommunikationssperre, Bearbeitungszeitraum usw. 11

12 Abbildung 3: Clicker basiertes Front End. Links: Prüfungsteilnehmer bei der Bearbeitung der Klausur und Antwortübermittlung via Clicker. Rechts: Prüfungsrechner zum Überwachen der Funkverbindung und zum Einsammeln und Speichern der Prüfungsantworten. (Aufnahmen während der Prüfung Werkstoffkunde am ) 3. Die bei der Prüfung verwendeten Eingabegeräte werden für die Prüfung konfiguriert. Bei Clickern ist dies im wesentlichen die Umstellung auf den Modus closed loaner [RT09], bei Rechnern das Aufspielen eines Betriebssystem Image, das die Verwendung aller Anwendungen außer des Browsers ausschließt. 4. Der Prüfungsraum wird mit der benötigten Technik ausgestattet. 5. Die Prüflinge begeben sich an die für die Prüfung vorgesehenen Plätze. Dabei kann die Möglichkeit vorgesehen werden, dass sich die Prüflinge zunächst mit der Prüfungstechnik vertraut machen. Beim Mathematik Brückenkurs geschieht dies durch einen eigens entwickelten Vorspann, bei der Klausur Werkstoffkunde durch eine an die Wand projizierte Einführung mit Unterstützung des anwesenden Aufsichtspersonals. 6. Das Aufsichtspersonal gibt den Prüfungsbeginn bekannt und gibt die Prüfung elektronisch am Leitrechner frei. 7. Während der Prüfung wird eine Identitätskontrolle der Prüflinge durchgeführt. 8. Nach Ablauf der Prüfungsdauer beendet der Leitrechner die Prüfung automatisch. Je nach Art des Front End müssen die Prüfungsantworten ans Back End zur Bewertung übertragen werden. 9. Die Prüfungsantworten werden automatisch bewertet bzw., falls nötig, vom Prüfenden bewertet oder nachbewertet. Ab hier folgt die weitere Verarbeitung der Prüfungsergebnisse den Prozessen der traditionellen Prüfungsformate (Bekanntgabe via EPV etc.). 10. Die Front End Technik wird abgebaut. Gegebenenfalls werden die Endgeräte für andere Anwendungszwecke umkonfiguriert. 12

13 11. Archivierung der Prüfungsergebnisse. Im Rahmen dieses Projektes werden die Ergebnisse zu diesem Zwecke gedruckt. Dies erscheint zunächst widersinnig. Die Archivierung ist dadurch jedoch identisch mit der bei traditionellen Prüfungsformaten, so dass während des Archivierungszeitraums für elektronische Prüfungen keine besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen. 11 In jedem Fall ist der Papierbedarf geringer als bei einer traditionellen papierbasierten Prüfung. Die Prüfenden haben zudem ein elektronisches Archiv aller Daten. 7 Zusammenfassung, weitere Schritte und Empfehlungen Das entwickelte Prüfungssystem zeichnet sich durch Flexibilität in der räumlichen Durchführung, der Vielzahl der Aufgabentypen und möglichen Endgeräte und einer guten Verzahnung mit existierenden Prüfungsprozessen aus. Die Realisierbarkeit des damit verbundenen Prüfungskonzeptes wurde in regulären Prüfungen bestätigt. Dabei wurden mit Notebooks und Clickern zwei verschiedene Arten von Endgeräten verwendet. Die existierende Projektgruppe kann die Durchführung von etwa vier elektronischen Prüfungen pro Semester unterstützen. Bei größerer Nachfrage oder dem Wunsch nach breiterer Nutzung elektronischer Prüfungen sollten folgende Schritte unternommen werden: 1. Die Anzahl der für Prüfungszwecke verfügbaren Notebooks muss erhöht werden. Notebooks bieten die größte Flexibilität. Der Einsatz von Clickern als Endgeräte ist eher eine Nischenlösung. 2. Sollen diese Notebooks gekauft werden, sollten weitere Verwendungszwecke außerhalb des Prüfungszeitraums identifiziert werden. 3. Sollen diese Notebooks für die Durchführung gemietet werden, müssen geeignete Anbieter identifiziert werden. 4. Um die anfallenden Kosten, insbesondere für die benötigten Endgeräte zu decken, muss ein Modell zur Finanzierung geschaffen werden. Denkbar ist neben einer zentralen Finanzierung eine Preisgestaltung in Abhängigkeit von der Anzahl der Prüfungsteilnehmer, wie dies derzeit bei Vergütung von Korrekturhilfskräften praktiziert werden kann. 5. Die Verantwortlichkeiten für die Durchführung elektronischer Prüfungen müssen definiert werden. Denkbar ist eine Task Force, die sich aus fachkundigem Personal existierender Organisationseinheiten rekrutiert. Inklusive Weiterentwicklung der Technik wird der Bedarf auf 3-6 Personenmonate pro Jahr geschätzt. 11 Letztendlich ist dies eine Umkehrung der Logik, dass bei elektronischen Prüfungen besondere Nachweise geführt werden müssen, obwohl solche Nachweise bei herkömmlichen Prüfungsformen bisher unterblieben sind. Wenn die Papierarchivierung bei letzteren die rechtlichen Anforderungen erfüllt, tut sie es auch bei erstgenannten. 13

14 Der Mehrwert elektronischer Prüfungen besteht v. a. in der automatischen Bewertung, was gerade bei Massenprüfungen attraktiv ist. Diese sind an der Ostfalia Hochschule derzeit allerdings nicht der Regelfall. Weiterer Mehrwert liegt in den didaktischen Möglichkeiten. Dieser Aspekt muss jedoch von den Lehrenden individuell erkannt werden, damit die Bereitschaft erwächst, aus diesem Grund das Prüfungsformat zu wechseln. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass die Nachfrage nach elektronischen Prüfungen ohne weitere Maßnahmen rasch wachsen wird. Der Ausbau der Nutzung dieses Prüfungsformats ist daher auch eine hochschulpolitische Entscheidung und müsste daher von der Hochschulleitung entschieden und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Dazu gehören: 6. Auf Seiten der Hochschulleitung sollte erörtert und gegebenenfalls entschieden werden, ob und in welcher Form elektronsiche Prüfungen ausgebaut werden sollen. 7. Die Möglichkeiten desformats elektronische Prüfungen sollte auch von hochschulzentraler Stelle kommuniziert werden. 8. Prozessumstellungen bedeuten anfänglich immer Mehraufwand. Es sollten Anreize geschaffen werden, die diesen Mehraufwand für nutzende Lehrende kompensieren. 9. Frühzeitige Schulung neuer Lehrender in den Möglichkeiten elektronischer Prüfungen aber auch anderer mit der verwendeten Technologie erzielbarer Lehrunterstützung und -verbesserung (z.b. formative Assessments). Unabhängig vom möglichen Ausbau sollten folgende Schritte unternommen werden: 10. Die Prüfungsordnungen der Fakultäten sollten ungeachtet eines beabsichtigten Einsatzes elektronischer Prüfungen so erweitert werden, dass diese als äquivalent zu herkömmlichen schriftlichen Prüfungen definiert werden. Juristische Unterstützung kann hier durch den ELAN e.v. geleistet werden. Das Präsidium sollte die Verankerung elektronischer Prüfungen als Kriterium in den Überprüfungsprozess neuer Prüfungsordnungen aufnehmen. 11. Da, wo eine Verzahnung mit existierenden Organisationsstrukturen und Prozessen existiert, sollte geprüft werden, ob und wie weit weitere Verbesserungen im Prüfungsdurchführungsprozess möglich sind (z. B. hinsichtlich Archivierung). Danksagung Auch kleine Projekte benötigen Unterstützung für den Erfolg. Das Präsidium der Ostfalia Hochschule hat mit seiner Offenheit gegenüber dem Thema elektronisches Prüfen und den damit verbundenen Prozessänderungen die Rahmenbedingungen geschaffen, dieses Thema überhaupt anzugehen. Frau Prof. Dr. Ina Nielsen hat mit dem tatkräftigen Vorantreiben ihrer elektronischen Prüfung einen großen Teil meiner persönlichen Skepsis gegenüber diesem Thema beseitigt. Jannis Ohms und Stefan Bisitz haben für die funktionierende Technik im Hintergrund gesorgt. Jörg Theuerkauf war wie immer eine sehr wertvolle Unterstützung bei Logistik und Prozessen. Ihnen allen gilt mein Dank! 14

15 A Prüfung Multimediatechnik A.1 Durchführungsdetails Prüfungsteilnehmer 17 Fakultät I Endgeräte WLAN fähige Notebooks mit Kopfhörer Anzahl Prüfungsräume 1 Verwendete Fragentypen Auswahlaufgaben mit Einfach- und Mehrfachauswahl, numerische Anwort, Formel Antwort, Essay Aufgaben Aufgetretene Schwierigkeiten teilweise langsame LAN Verbindung ins Rechenzentrum, unzuverlässige WLAN Komponenten in Notebooks und Defekt einiger Kopfhörer (wurde jeweils durch Austausch mit Ersatzgeräten behoben) Einführung in die Prüfungstechnik Probeklausur in der letzten Lehrveranstaltung A.2 Lessons learnt Redundanz ist bei der Verwendung von Notebooks als Endgeräte sehr wichtig. Diese Problematik kann vermutlich durch Verwendung höherwertiger Endgeräte gelindert werden. Die Abhängigkeit von der lokalen LAN-Infrastruktur ist kritisch. Der Prüfungsserver sollte daher im Prüfungsraum lokalisiert sein. Bei der Anschaffung von Systemkomponenten sollte nicht auf das untere Preissegment zugegriffen werden. Alle Komponenten sollten vor dem ersten Einsatz getestet werden. Ein Stichprobentest (wie bei den Kopfhörern 12 durchgeführt) ist nicht ausreichend. B Prüfung Werkstoffkunde B.1 Durchführungsdetails Prüfungsteilnehmer 105 Fakultät M Endgeräte Clicker Anzahl Prüfungsräume 4 Verwendete Fragentypen Auswahlaufgaben mit Mehrfachauswahl Aufgetretene Schwierigkeiten Ausfall eines Clicker. Wurde sofort durch Ersatzgerät ersetzt. Einführung in die Prüfungstechnik Probeklausur in der letzten Lehrveranstaltung, Einführung zu Prüfungsbeginn durch Testgeber 12 Die verwendeten Kopfhörer waren von einer anderen Organisationseinheit geliehen, aber völlig neuwertig, weil bisher niemals verwendet. 15

16 B.2 Lessons learnt Schulung für Aufsicht sollte in zwei Abschnitten stattfinden: Eine Einweisung kurz vor Testbeginn und zusätzlich eine Einführung einige Tage vorher. Letztere kann durch ein geeignetes Schulungsdokument oder -video erfolgen. C Exam Retake Die ursprüngliche Idee der Exam Retakes zielt darauf ab, eine Festigung der Lerninhalte bei den Prüflingen zu erreichen. Zu diesem Zweck bekommen diese die Gelegenheit, in der Prüfung gemachte Fehler notenwirksam zu verbessern [KBBK06]. Die Prüfung zur Notenverbesserung erfolgt dabei kurze Zeit nach der eigentlichen Prüfung in elektronischer Form, meist sogar ohne Aufsicht. Diese Wiederholungsprüfung ist im Aufbau identisch mit der ursprünglichen Prüfung, jedoch sind die Aufgabendetails aufgrund von Randomisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschiedlich. Löst ein Teilnehmer eine Aufgabe im Exam Retake, die er vorher falsch bearbeitet hatte, kann er einen Bruchteil (meist ca. 10%) der dabei erzielbaren Punkte auf die eigentliche Prüfung anrechnen lassen und somit potentiell eine Notenverbesserung erzielen. 13 Exam Retakes werfen natürlich juristische Fragestellungen auf. Dennoch können solche Prüfungswiederholungen auch ohne Teilnahmeanreiz in Form von Notenverbesserung sinnvoll sein. Dabei ist zum einen der erhoffte Lerneffekt bei Studierenden zu nennen, die aus der Korrektur ihrer Fehler lernen. Zum anderen ermöglichen solche nicht notenwirksame Exam Retakes eine bequeme Schätzung der Reliabiltät der ursprünglichen Prüfung. Dies setzt natürlich voraus, dass die Prüfungsteilnehmer solche Exam Retakes auch nutzen. An der Fakultät Informatik wurden bisher fünf solcher nicht notenwirksamer Exam Retakes elektronisch durchgeführt. Die Teilnehmerzahl lag dabei immer über der Hälfte der Teilnehmer an der Prüfung. Details wurden in [KR10] veröffentlicht. Literatur [BK08] Batchelor, R. ; Keizer, G.: LON-CAPA & Scantron TM Exams. loncapa.org/presentations/scantron.pdf, ( ) [COD] CODIPLAN: e-klausuren. ( ) [Fre] Freie Universität Berlin: FU e-examinations. e-examinations.fu-berlin.de/index.html,. ( ) [Hes92] Hestenes, David: Modeling Games in the Newtonian World. In: Am. J. Phys. 60 (1992), August, Nr. 8, S [KBBK06] Kortemeyer, G. ; Bauer, W. ; Benenson, W. ; Kashy, E.: Retaking a Test Online. In: The Physics Teacher 44 (2006), Mar, Nr. 4, S Exam Retakes unterscheiden sich also wesentlich von den in Deutschland bekannten Freiversuchen zur Notenverbesserung, denn Exam Retakes finden zeitnah statt und fokusieren auf dem Lernen aus Fehlern. 16

17 [KPHM09] Krückeberg, J. ; Paulmann, V. ; Haller, H. ; Matthies, H.K.: Elektronische Prüfungen an der Medizinischen Hochschule Hannover. In: Appelrath, H.-J. (Hrsg.) ; Schulze, Leonore (Hrsg.): Auf dem Weg zu exzellentem E Learning Vernetzung und Kooperation der Hochschullehre in Niedersachsen. Münster/New York/München/Berlin : Waxmann, 2009 [KR10] [LON] Kortemeyer, G. ; Riegler, P.: Large-Scale e-assessments, Prüfungsvor- und -nachbereitung: Erfahrungen aus den USA und aus Deutschland. In: Zeitschrift für e-learning 1 (2010), S LON CAPA: The LearningOnline Network with CAPA. org,. ( ) [LR98] Lienert, G.A. ; Raatz, U.: Testaufbau und Testanalyse. Weinheim : Beltz, 1998 [Ohm09] Ohms, J.: Erstellen eines Systems für elektronische Prüfungen / Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft, Institut für Medieninformatik Forschungsbericht. Vertraulich [PLWP10] Palazzo, David J. ; Lee, Young-Jin ; Warnakulasooriya, Rasil ; Pritchard, David E.: Patterns, correlates, and reduction of homework copying. In: Phys. Rev. ST Phys. Educ. Res. 6 (2010), Mar, Nr. 1, S /PhysRevSTPER DOI /PhysRevSTPER [Red03] Redish, E.F.: Teaching Physics with the Physics Suite. Wiley, 2003 [Rie10] Riegler, P.: Itemanalyse zur Klausur Werkstoffkunde WS09/10 / Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft, Institut für Medieninformatik Forschungsbericht. Vertraulich [RT09] Riegler, P. ; Theuerkauf, J.: Prüfungen mit Clicker als Eingabegeräte / Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft, Institut für Medieninformatik Forschungsbericht. Vertraulich [Uni] Universität Bremen, Zentrum für Multimedia in der Lehre: e- Assessment. ( ) 17

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