Zwischenbericht Austauschjahr im Rahmen des Double-Degree- Programmes mit der Ecole Centrale de Lyon

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1 Zwischenbericht Austauschjahr im Rahmen des Double-Degree- Programmes mit der Ecole Centrale de Lyon David Frenzel

2 1 Inhaltsverzeichnis Vorbemerkungen... 2 Zu meinem Profil... 2 Anrechenbarkeit der Kurse... 2 Ecole Centrale de Lyon... 3 Warum könnte das Studium an der Ecole Centrale de Lyon für Mathematikstudierende interessant sein? 3 Studieren an der Ecole Centrale de Lyon... 4 Das Leben auf dem Campus... 7 Das Leben in Lyon... 8 Vorbereitung und Erwartungen zum Studium an der ECL... 8 Schlusswort

3 2 Vorbemerkungen Dieser Zwischenbericht berichtet über Erfahrungen, die ich im Rahmen des ersten Austauschjahres an der Ecole Centrale de Lyon im Rahmen des Double-Degree-Programmes gemacht habe. Ich möchte dabei besonders auf Dinge eingehen, die mir damals unklar erschienen, damit ich im Vorfeld hoffentlich für Entwirrung sorgen kann. Zu meinem Profil Zum Zeitpunkt des Studienantritts war ich Masterstudent der Mathematik mit Studienrichtung Mathematik und Nebenfach Wirtschaft (Prüfungsordnung gültig ab WS 2011/2012) im 8. Semester an der TU Darmstadt. Ab dem WS 2013 habe ich im Rahmen des Double-Degree-Programmes (DD2-3, d.h. 2. und 3. Jahr an der ECL) an der Ecole Centrale de Lyon begonnen zu studieren. Anrechenbarkeit der Kurse Zu Beginn dürfte für viele interessant sein, inwiefern äquivalente Kurse anrechenbar sind. Da ich im ersten Studienjahr Themen studiert habe, die keinen innermathematischen Hintergrund haben, dürfte sich die Anrechenbarkeit auf das Studium Generale beschränken. Da die mathematische Vertiefung im 3. Jahr der Ecole Centrale stattfindet, werde ich erst im Abschlussbericht näher darauf eingehen können. 2

4 3 Ecole Centrale de Lyon Die Ecole Centrale de Lyon ist eine Ingenieurhochschule, die generalistische Ingenieure ausbildet. Warum könnte das Studium an der Ecole Centrale de Lyon für Mathematikstudierende interessant sein? Die Centrale bietet 2 Double-Degree-Programme an, das DD12 und das DD23. Das Studium an der Ecole Centrale dauert 3 Jahre. DD12 bedeutet demnach, dass man die ersten beiden Jahre des Zyklus besucht werden, DD23, die Jahre 2 und 3. Das Studium an der Centrale beinhaltet prinzipiell die folgenden Themenbereiche: Énergie électrique et commande des systèmes Fluide & énergie Génie mécanique Informatique Ingénierie des matériaux Mathématiques Mécanique des solides et structures Physique-chimie de la matière Sciences économiques et de management Sciences humaines et sociales Sciences et techniques de l'information Approfondissement Um der Überschrift dieses Unterpunktes gerecht zu werden, möchte ich nun schreiben, was Mathematiker dazu motivieren könnte, auf einer französischen Ingenieurhochschule zu studieren. Da das Studium sehr allgemein gehalten wird, bekommt man einen Überblick über verschiedene Themenbereiche der Arbeitsgebiete der Ingenieure und die Möglichkeit der mathematischen Vertiefung sollen dazu ausschlaggebend sein. Die Mathematische Vertiefung nennt sich Mathématiques et Décision, filière Mathématiques et Ingénierie du risque. Diese gliedert sich wiederum in einige Spezialisierungen, wovon eine zu wählen ist. Die Spezialisierungen lauten I. Parcours Finance/Assurance II. Parcours Mathématiques Appliquées III. Parcours Bio-Statistiques Nähere Informationen sind am besten der Website zu entnehmen. Hierzu der Link: Das Programm DD23 wird jedoch in der Regel Studenten vorgeschlagen, deren Studium sich bereits in fortgeschrittenem Stadium befindet. Ich empfehle bereits vorher Rücksprache mit den Verantwortlichen zu halten. 3

5 4 Studieren an der Ecole Centrale de Lyon Elemente des Studiums an der Centrale CM - Cours Magistrale (entspricht einer Vorlesung, Dauer 120 min) TD - Traveaux dirigés (entspricht einer Vorrechenübung, Dauer: 120 min) BE - Bureaux d études (entspricht einer Hausarbeit, Dauer min) TP - Traveaux pratiques (Veranstaltung zur Anreicherung praktischer Kenntnisse, Dauer: min) Autonomie (unbetreute Hausarbeiten) Dem Darmstädter Mathematikstudenten dürfte hier der Eigenanteil am Studium fehlen, da man sich an der ECL nicht Probleme selbst erarbeitet, sondern gezeigt wird, wie ein Problem zu lösen ist. Das Studium unterscheidet sich demnach stark vom Studium an einer Universität. Auch ist zu bemerken, dass das Studium eine große Anzahl von Themen abzudecken vermag, weswegen man die peinliche Genauigkeit, wie man sie aus der Mathematik gewohnt ist, nicht erwarten darf. Ziele liegen darin, die Studenten zu sensibilisieren und Ihnen einen Überblick zu geben. Die Struktur ist dabei wie folgt zu verstehen: Die Vorlesungen geben einen theoretischen Überblick, in den Vorrechenübungen werden Notationen und Theorie gefestigt und angewendet. In den TPs und BEs soll dies veranschaulicht bzw. vertieft werden. Aufgrund sprachlicher Barrieren, fällt das Schreiben der Berichte in der Anfangsphase oft den französischen Kollegen zu. Diese versuchen auch oft, nur mit französischen Kollegen zusammenzuarbeiten, da es für sie einfacher ist. Ich möchte deswegen darauf hinweisen, falls die Gruppe sehr unausgeglichen hinsichtlich der Nationalitäten sind, Beschwerde einzulegen. Man muss sich klar werden, dass man als Ausländer natürlicherweise sprachliche Defizite hat. Des Weiteren sollte man sich nicht scheuen, französische Mitstudenten um Hilfe zu bitten. Anwesenheitspflicht An der ECL herrscht weitgehend Anwesenheitspflicht. Ich empfehle Euch, das Angebot der Kurse weitestgehend wahrzunehmen, da es durch die sprachliche Barriere möglich ist, in Modulen schlecht abzuschneiden. Falls die Anwesenheit registriert ist, ist es somit leichter, seine Leistung zu verteidigen. Besonders ist dies für TP und BE zu empfehlen, da hier oft eine Beteiligungsnote vergeben wird, die ein sehr großes Gewicht hat, man sie letztlich für das Bestehen oder Nicht- Bestehen eines Moduls entscheidend sein kann. Noten Die Notenskala bewegt sich auf einer Skala von 0-20, jedoch, wie jeder weiß, wird diese Skala selten ausgeschöpft. In der Regel bewegen sich Noten im Rahmen von 10-16, wobei der Peak bei zu erwarten ist. Es ist eindeutig als negativ zu bemerken, dass bei vielen Noten, die man erhält, ein Feedback fehlt. Die Note eines Moduls setzt sich oft aus vielen Einzelleistungen zusammen. Genaue Informationen liegen in folgendem Dokument vor: 4

6 5 In diesem Dokument stehen auch die einzelnen Lehrinhalte der einzelnen Semester. Die Wahlbereiche des Semesters S8 sind auf folgender Seite zurhältlich: Was passiert, wenn ein Modul nicht bestanden wird? Wenn ein Modul nicht bestanden wird, werden die Examina vom jeweiligen Studenten wiederholt geschrieben. Man darf ein Modul (UE- Unité d enseignement) mit nur unter 10 Punkten belegen, ansonsten gilt es das Jahr zu wiederholen. Als ausländischer Studierenden ist man großzügiger. Die genauen Regelungen sind nicht bekannt, jedoch ist der Anwesenheit ein großes Gewicht beizumessen. Ich empfehle generell, konstant zu arbeiten, da die Nachschreibeprüfungen sehr unangenehm liegen. An Samstagen wird nachgeschrieben, dazu kommt, dass man die laufenden Kurse besuchen muss und außerdem kann es passieren, dass die nächste Prüfungsphase bereits wenige Tage nach der letzten Nachschreibeklausur beginnt (dies ist im 2. Studienjahr an der ECL der Fall). Wie sieht ein typischer Stundenplan aus? Dies ist eine typische Woche von mir im Semester S7 (erstes Semester des 2. Studienjahres) gewesen: Im Folgenden eine typische Woche des Semester S8: 5

7 6 Zu beachten ist, dass man im Semester S7, dass nicht alle Konferenzen zu besuchen sind, sondern man sich eine konsistente Auswahl zusammenstellen darf. Im Stundenplan des Semesters S8 ist noch nicht die aufzuwendende Zeit für das, je nach Wahl, Industrie- oder Forschungsprojekt vorhanden. Hierbei sind ca. 4 h zusätzlich pro Woche einzuplanen. Außerdem finden noch Treffen mit den Tutoren des Projektes und eines persönlichen Tutors statt. Darüber hinaus benötigt man Zeit, ein geeignetes Praktikum zu finden und eventuell einen Umzug zu organisieren, da das Praktikum nicht notwendigerweise in Lyon absolviert wird. Wie gliedern sich Semester? Das erste Studienjahr besteht aus den Semester S5 und S6. Das zweite Studienjahr aus den Semestern S7 und S8. Das dritte Studienjahr beginnt mit einem Metier, was im September stattfindet, dem Semester S9 und einem 5-6 monatigen Praktikum. In jedem Studienjahr sind Praktika zu absolvieren. Im ersten Studienjahr 1-2 Monate, im 2. Studienjahr 3-4 Monate, im 3. Jahr 5-6 Monate. Um die einzelnen Zeiträume abzuschätzen, nützt folgende Übersicht der ECL: 6

8 7 Hierbei ist zu beachten, dass in Wahrheit die Kurse des Semesters S8 schon Integrierte Praktika Ein großer Pluspunkt der ECL ist, dass Zeiträume für Praktika reserviert sind. Das Praktikum im 2. Studienjahr dauert 3-4 Monate, das Praktikum im 3. Studienjahr 5-6 Monate. Man kann überlegen, das Praktikum im 3. Studienjahr als Forschungspraktikum zu arrangieren und dies versuchen als Masterarbeit anrechnen zu lassen. Der Fachbereich Mathematik der TU hat hierzu keine großen Barrieren auf seiner Website veröffentlich, lediglich, dass man einen Professor finden muss, der diese Arbeit validiert. Erfahrungen hierzu kann ich erst im Abschlussbericht weitergeben. Wie verläuft die Praktikumssuche? Ich persönlich habe nicht das Netzwerk der Centrale benutzt, sondern mich initiativ beworben. Das finden eines geeigneten Praktikums ist daher sehr individuell zu bewerten. Es werden Hilfestellungen gegeben, einen französischen Lebenslauf zu verfassen und es werden Vorstellungsgespräche simuliert. Dazu wird ein Kurs angeboten, der auch die Möglichkeit gibt, Feedback zu erhalten. Das Leben auf dem Campus Viele Studierende sind auf dem Campus untergebracht. Zu beachten ist, dass sich die ECL in einem Vorort, Ecully, befindet. Lyon ist mit dem Bus erreichbar. Die Verbindung ist sehr gut, eine Fahrt dauert ca. 10 Minuten und kostet ca. 1,2, Auf dem Campus gibt es zwei Wohnheime: Die Residence Paul Comparat und das Adoma. Im Paul Comparat kostet ein Zimmer ca Ein Einzelzimmer im Adoma bewegt sich der Preis je nach 7

9 8 Größe von Zu beachten ist, dass jeder Student eine Wohngeldunterstützung bekommt, die CAF heißt. Die Zimmer in der Residence Paul Comparat sind sehr zweckmäßig eingerichtet. Es sind möblierte Zimmer mit einem kleinem eigenem Bad. Letzteren Punkt sehe ich aber als großen Vorteil. Das Internet kostet 20 pro Jahr, dessen Qualität jedoch auch dem Preis entspricht. Auf jeder Etage, auf der ca. 16 Personen wohnen, gibt es eine Gemeinschaftsküche mit 2 Kühlschränken und einem Kochfeld. Vorteil ist, dass jeder sein eigenes Bad hat. Was Klavierspieler erfreuen dürfte, es gibt in einem Kinosaal einen Yamaha Flügel, der reserviert werden darf. Das Leben in Lyon Lyon hat einiges zu bieten, sowohl in kultureller und kulinarischer Hinsicht. Lyons Konzerthaus, das Auditorium lockt internationale Stars der Klassik- und Jazzszene an. Die Restaurants Lyons gehören zur Weltspitze. Die Stadt wird von 2 Flüssen durchzogen und bietet damit auch ein angenehmes Ambiente. Eine Eigenheit Lyons, der Bouchon, ein typisches Restaurant bürgerlicher Küche, stellen erschwingliche Restaurants dar, die vor allem im Herzen Lyons zu finden sind. Vorbereitung und Erwartungen zum Studium an der ECL Meines Erachtens ist die sprachliche Barriere die größte Hürde des Studiums, da jenes darauf ausgelegt ist, bereits in den Kurses entsprechendes Wissen zu lernen und nicht, wie es meiner Gewohnheit entspricht, im Selbststudium. Dazu sind die bereitgestellten Materialen auch nicht geeignet, die ich oft als allzu ungenügend empfinde. Schlusswort Ich möchte eindringlich vermitteln, dass die Eindrücke nicht nur positiver Natur sein werden. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass man dem Studium an der ECL mit einiger Offenheit entgegentreten muss und man das Studium in einer Gesamtperspektive betrachten muss und man auch einiges an persönlichen Lehren und Erfahrungen sammeln kann. Die langen Entscheidungswege an der Ecole Centrale wird sicherlich jeder Interessierte rechtzeitig erfahren. Es empfiehlt sich benötigte Informationen wiederholt einzufordern. Des Weiteren ist das Reglement keineswegs als strikt zu betrachten, denn gut begründet Entscheidungen finden nach einiger Zeit häufig Akzeptanz. 8

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