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1 s Sparkasse Nürnberg Jahresbericht 2013 s Sparkasse Nürnberg Jahresbericht 2013

2 Titelbild: Claudia Sigl Leiterin Personalbetreuung bei der Sparkasse Nürnberg

3 s Sparkasse Nürnberg Gegründet Geschäftsjahr Mitglied im Sparkassenverband Bayern und in der Sparkassen-Finanzgruppe Gleichstellungshinweis: Ist zur besseren Lesbarkeit im nachfolgenden Werk nur auf die weibliche oder männliche Person Bezug genommen, so sind damit beide Geschlechter gemeint.

4 Persönlich Azubis: 181 (2012: 196) Teilzeitkräfte: 615 (2012: 618) Mitarbeiter 2012: Vollzeitkräfte: (2012: 1.236) Dank engagierter Mitarbeiter und einer hohen Beratungsqualität hat die Sparkasse Nürnberg ihre Position als Marktführer in Franken erneut behauptet. Mit einem Plus bei Einlagen und Krediten, einer erstmals über 10 Milliarden Euro liegenden Bilanzsumme, einer gut laufenden Immo bilienfinanzierung sowie einem soliden Ergebnis blickt die Sparkasse Nürnberg auf ein erfolgreiches Geschäfts jahr 2013 zurück. Die Region profitiert davon durch Steuerzahlungen und gemeinwohl orientierte Aktivitäten in zweistelliger Millionenhöhe. Vor Ort Geschäftsstellen: 102 (2012: 102) Sparkassen- Kompetenzzentren: 19 (2012: 19) Geldautomaten: 155 (2012: 155) Im Ergebnis in Mio. Euro Geschäftsvolumen : Bilanzsumme : Kreditvolumen : Kundeneinlagen : Eigenkapital : 831 Engagiert in Mio. Euro Stiftungsausschüttungen: 0,6 (2012: 1,7) Erfolgreich in Mio. Euro Erträge : 274 Aufwand : 184 Jahresüberschuss : 24 Kunden : ,6 Förderung 2012: 3,8

5 Impressum Editorial Standorte 78 8 Freie Berufe Organe OnlineFiliale Jahresabschluss Frauenförderung Partner im Verbund DatensicherheiT Zahlen und Fakten Chronik und Engagement

6 Dr. Matthias Everding Vorstandsvorsitzender Matthias Benk Dr. Jonathan Daniel Roland Burgis Stv. Vorstandsvorsitzender 8 Persönlich Mit einem kleinen Zettel in der Hand kam der ältere Mann direkt auf uns zu. Als er Hartmut Igel, den Leiter unserer Sparkassen-Geschäftsstelle Aufseßplatz in der Nürnberger Südstadt erkannte, lachte er und wedelte mit dem Stück Papier. Hartmut, Du musst mir helfen. Welchen Termin habe ich da? Hartmut Igel begrüßte seinen jahrzehntelangen Kunden, blickte auf den Zettel und erklärte ihm Uhrzeit und Adresse seines Zahnarzttermins. Sein Kunde, erzählte Igel, sei ein Nürnberger Urgestein und seit 87 Jahren rund um den Aufseßplatz zuhause. In letzter Zeit komme er immer häufiger auch mit Alltagsproblemen zu den Mitarbeitern in die Geschäftsstelle. Hier kenne er eben alle und wisse, dass immer jemand da sei, der ihm helfe. Eine schöne Begegnung, die wir Ende September bei der Jubiläumsfeier unserer ältesten Geschäftsstelle im Stadtgebiet Nürnberg am Aufseßplatz erlebten. Sie ist ein Beispiel unter vielen für die persönliche Bindung zwischen unseren Mitarbeitern und Kunden und das in uns gesetzte Vertrauen. Diese Nähe entwickelt sich, weil bei der Sparkasse Nürnberg Menschen im Vordergrund stehen: Unsere Mitarbeiter geben mit ihrem Handeln unserem Kreditinstitut ein Gesicht und verbinden Themen mit ihrem Namen. Bei unseren Kunden kennen und achten wir deren Persönlichkeit und Bedürfnisse. Viele begleiten wir schon seit Jahrzehnten. Sie haben von uns ihre erste Spardose geschenkt bekommen und erhielten Geldgeschenke von den Großeltern auf das Sparbuch. Später haben sie bei uns ihr erstes Girokonto eröffnet, ihr Haus finanziert und Geld für die Altersvorsorge angelegt. Für diese umfassende Finanzberatung fühlen sich unsere Mitarbeiter persönlich verantwortlich. Vier der vielen Geschichten unserer Mitarbeiter lassen wir in diesem Jahr von Journalisten aus der Region erzählen. Sie handeln von Menschen, die sich bei uns um Datensicherheit und Förderung von Frauen kümmern, die in der virtuellen Welt einer Online- Filiale arbeiten und auf die Betreuung weißer und blauer Berufe spezialisiert sind. Die eindringlichen Nahaufnahmen von Fotograf Cristopher Civitillo zeigen die Gesichter der Menschen zu diesen Geschichten. In ihnen spiegeln sich Persönlichkeit und Charakter wider. Sie verkörpern Authentizität statt Oberflächlichkeit. Hinter all diesen Geschichten stehen aber auch Zahlen: Mit ihrem vielfältigen Einsatz machten die Mitarbeiter in den Vertriebseinheiten und in den internen Bereichen das Geschäftsjahr 2013 zu einem guten Jahr. Unsere Kunden vertrauten uns über 8 Milliarden Euro Einlagen und 2 Milliarden Euro Depotvolumen an. Die Kundenkredite konnten wir dank eines erfolgreichen Immobilienfinanzierungsgeschäfts auf über 5,3 Milliarden Euro steigern. In Folge übersprang unsere Bilanzsumme erstmals die 10-Milliarden- Marke, was uns stolz macht, aber auch mit neuen Herausforderungen verbunden sein wird. Für die Lektüre dieses Jahresberichts wünschen wir Ihnen viel Vergnügen. Nutzen Sie doch die Gelegenheit, persönlich mit unseren Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Dann wird es auch für 2014 wieder viele Geschichten zu erzählen geben. 9

7 Freie Berufe Autor: Peter Budig Peter Schreiner setzt bei seiner Tätigkeit vor allem auf Vertrauen. Seit 13 Jahren betreut er Freiberufler und leitet jetzt ein zwölf köpfiges spezialisiertes Beraterteam für diese anspruchsvolle Kundengruppe. 11

8 Ohne Bank, die dir vertraut, der du vertraust, geht das alles nicht. Dr. Johann Rietzler Eine private Klinik, viel weiß, moderne Möbel, ein ganz kleines Wartezimmer. Diese private Atmosphäre ist ganz bewusst gewählt, sagt der Klinikchef. Ein Anwalt. Es riecht nach Kaffee, Möbelpolitur und Leder die gediegene Atmosphäre einer Kanzlei in zweiter Generation. Ein Ingenieurbüro. Menschen in weißen Kitteln, Computerbildschirme, chemische Apparaturen. Ein Architekturbüro, viel Glas und Licht unterm Dach, auf einem hellen, polierten Holztisch steht das Modell einer Wohnanlage. Dr. Johann Rietzler startete als Chemielaborant und besitzt heute die größte Unternehmensgruppe für Umweltanalysen in Bayern. Die Sparkasse Nürnberg finanzierte sein erstes technisches Gerät und ist seitdem enger Begleiter. Welten von Freiberuflern erscheinen vollkommen unter schiedlich, doch deren Betriebsinteressen, ihr Bedürfnis nach Betreuung durch einen Geldexperten, hat etwas gemein, so dass die Sparkasse Nürnberg für sie spezielle Berater ausgebildet hat

9 Bei uns in der Sparkasse werden konkrete Lösungen nachgefragt, die einerseits dauerhaft tragfähig sind und sich gleichzeitig rasch wandelnden Bedingungen anpassen. Das bedeutet Spezialistenarbeit. Roland Burgis 14 1,1 Millionen ein Fünftel aller Selbstständigen arbeiten im Bereich der Freien Berufe (Zahlen von 2011, Institut für Freie Berufe, IFB, in Nürnberg. Die bekannteste Gruppe sind die weißen, die heilenden Berufe: Ärzte, Apotheker, Psycho- oder Physiotherapeuten. Die meisten Angehörigen der blauen Berufe sind Juristen, Notare, Anwälte, Steuerberater. Auch Ingenieure, Bio logen, Architekten, Grafiker, Tanzlehrer und die bildenden Künstler werden als Freiberufler klassifiziert. Ihr Handeln so ein Merkmal ist nicht allein auf den Lebensunterhalt ausgerichtet, sondern es besitzt Gemeinwohl stützende Funktion. Das sieht auch der Gesetzgeber so und grenzt gegenüber den Gewerbetreibenden ab: Die freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. Ihr Lebenswerk steht bei den Freiberuflern hoch im Kurs. Das Anliegen geht weit über materiellen Erfolg hinaus. Doch damit dieses Lebenswerk Kristin Köllner betreut mit ihrem Team 180 beratende Freiberufler. Die studierte Betriebswirtin hat über zehn Jahre hinweg ein Spezialwissen und Gespür für die Ansprüche ihrer Kundengruppe entwickelt. Diese Kunden sind anspruchsvoll. Sie haben studiert, sich weitergebildet, ihre Erfolge sind hart erarbeitet. Tempo ist entscheidend. Bei Bedarf muss sofort entschieden werden. Kristin Köllner gelingt und stabil gehalten wird, sind Stützpfeiler wie die finanzielle Basis und der Rat von Experten nötig. Je erfolgreicher etwa Ärzte oder Anwälte sind, desto komplexer werden die Ansprüche an ihre Berater. Die Anforderungen an betriebswirtschaftlichem Know-how bei den Freien Berufen sind in den letzten Jahren noch gewachsen. Bei uns in der Sparkasse werden konkrete Lösungen nachgefragt, die einerseits dauerhaft tragfähig sind und sich gleichzeitig rasch wandelnden Bedingungen anpassen. Das bedeutet Spezialistenarbeit, re sümiert Roland Burgis, der als stellvertreten der Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Nürnberg für das gesamte Firmen kundengeschäft zuständig ist. Leiter von Burgis Spezialistenteam für die Betreuung der Kundengruppe Freie Berufe ist Sparkassenbetriebswirt Peter Schreiner. Früher gab es bei der Stadtsparkasse Nürnberg kein Betreuerteam für Freiberufler. Die Ärzte, Anwälte oder Steuerberater waren, wie alle Kunden, alphabetisch einsortiert, erinnert sich Schreiner. Eine historische Zäsur die Fusion von Stadt- und Kreissparkasse 2001 zur Sparkasse Nürnberg erforderte die Neuorganisation zweier Geschäftskulturen, blickt Burgis zurück. Im Zuge der Neustrukturierung wurden die Freiberufler als Gruppe mit speziellem Beratungsbedarf definiert. Peter Schreiner wurde ihr persönlicher Kundenberater. Aus diesen Anfängen ist mit den Jahren ein Spezialistenteam von zwölf Mitarbeitern entstanden. Sie sind in vier Dreier teams aufgeteilt, Vertrauen muss wachsen. Nur Kontinuität ermöglicht eine langfristig stabile Beziehung. Peter Schreiner die sich um weiße und blaue Berufsgruppen kümmern. Diese kunden orientierte Segmentierung ist ein Kunstgriff und von Burgis beabsichtigt. Die Berater Freie Berufe mit Jochen Reiter (zuständig für die weißen Heilberufe), Kristin Köllner (verantwortlich für die blauen beratenden Berufe) und Ramung Ranninger (Heilberufe) können jeweils auf ein eigenes Backoffice mit zwei Kollegen zurückgreifen. Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich organisiert, das Binnenverhältnis funktioniert weitgehend hierarchiefrei. Freiberufler betreuung ist ein äußerst personenbezogenes Geschäft, 15

10 Wir begegnen ihnen als Berater wie ein kleines Unternehmen: Wir haben eine Durchwahl, eine Mailadresse, Als Facharzt ist für mich wichtig, dass ich den Rücken frei habe. Dr. Jens Baetge 16 erläutert Peter Schreiner. Vertrauen muss wachsen. Nur Kontinuität ermöglicht eine langfristig stabile Beziehung. Seit Jahren steigt die Kundenzahl der Freiberufler bei der Sparkasse Nürnberg kontinuierlich. Der wichtigste Vertriebsweg sind persönliche Empfehlungen. Jeder im Team ist gleichwertiger Ansprechpartner. Dieser von außen betrachtet einfache Schachzug ist für Wachstum und Kontinuität hauptverantwortlich. Die Team lösung ist die Mutter der Erfolge. Bei uns sind Beratung und Nachfolge in einer Hand, betont auch Kristin Köllner, die etwa 180 Kunden persönlich verantwortet. Mein ganzes Team sitzt nebeneinander in drei Zimmern. Der Kunde wird stets von den gleichen Personen betreut. So wachsen Vertrauen und solide Zusammenarbeit in kleinen Schritten, erläutert die Betriebswirtin, die ihr Spezialwissen seit über zehn Jahren entwickelt hat. Diese Kunden sind anspruchsvoll. Sie haben studiert, sich weitergebildet, ihre Erfolge sind hart erarbeitet. Tempo ist entscheidend. Bei Bedarf muss sofort entschieden werden, fasst Köllner zusammen. Am gleichen Bild zeichnet Kollege wir sind umfassend für sie da. Jochen Reiter Jochen Reiter. Er ist Fachberater für Ärzte, deren Ansprüche sehr speziell sind. So hat der junge Praxisbetreiber anfangs oft wenige Sicherheiten, aber eine sehr gute Bonität. Selbstständige Ärzte haben großen Kreditbedarf, die gesamte Berufslaufbahn. Es beginnt mit der Unternehmensgründung, später kommt das Eigenheim, im nächsten Schritt denken sie über Immobilien für die Altersvorsorge nach, so Reiter. Wir begegnen ihnen als Berater wie ein kleines Unternehmen: Wir haben eine Durchwahl, eine Mailadresse, wir sind umfassend für sie da. Betriebswirtschaftlicher Begleiter Als Parade beispiel eines erfolgreichen Mediziners, der als Fachmann und Unternehmer Erfolge vorweist, kann Dr. Jens Baetge gelten. Der Facharzt für Plastische Chirurgie ist im Auftreten ein sehr ruhiger, bescheiden wirkender Mensch. Sein Arbeitsplatz ist in Nürnberg berühmt: Die Nürnberger Klinik für ästhetisch-plastische Chirurgie in Erlenstegen wurde vor über 45 Jahren von Franz Gsell gegründet. Ich war Leitender Oberarzt an einer Privat klinik, erzählt Dr. Baetge aus seiner Berufsvita, als ich das Angebot bekam, diese Klinik in Nürnberg zu übernehmen. Mein Vater, mein Bruder, alle in der Familie sind erfolgreiche Betriebswirtschaftler. Unternehmer zu sein wurde mir also in die Wiege gelegt, so Baetge. Sein kompliziertes Fach beherrschte er 2010 längst aber meine Kenntnisse als Unternehmer waren bescheiden. In diesem Lernprozess hat Dr. Baetge von Beginn an auf das Sparkassenteam um Peter Schreiner gesetzt. Ob anspruchsvolle Finanzierungen, Versicherungsfragen, Steuer probleme Peter Schreiner kennt sich entweder selbst aus oder besorgt Expertenrat in kurzer Zeit, lobt Dr. Baetge, der gerade den privaten Hausbau für die vierköpfige Familie mit der Sparkasse finanziert. Als Facharzt ist für mich wichtig, dass ich den Rücken frei habe. Ich liebe meinen Beruf. Aber erst als Freiberufler mit eigener Klinik ist man wirklich frei. Ich biete nur das an, was ich verantworten kann und was ich für gut befinde, gerät Baetge ins Schwärmen. Der Sparkassen- Fachberater als betriebswirtschaftlicher Begleiter eines Praxis- oder Klinikchefs das Beispiel Baetge zeigt, warum der Aufwand für Zusatzausbildungen so groß ist. Dr. Jens Baetge leitet die Nürnberger Klinik für ästhetischplastische Chirurgie. Der Facharzt liebt seinen Beruf, beim Aufbau seines Unternehmens halfen die Sparkassenberater als betriebswirtschaftliche Begleiter. Ramung Ranninger, der jüngste im Team für Freie Berufe, ist die Zusatzausbildung noch präsent: Ein modularer Lehrgang zum zertifizierten Berater für Freie und Heil berufe. Von der Existenzgründung bis zur Praxisnachfolge auf Augenhöhe mit dem Kunden gelangen, so formuliert er die Aufgabe. Ebenso dynamisch, fachlich aber anders angelegt, sind die Anforderungen für die Betreuung technisch ausgerichteter Freiberufler wie beispielsweise Dr. Johann Rietzler. Im Nürnberger Stadtteil Rangierbahnhof hat sich der Umweltexperte in den späten Siebziger Jahren ein Siedlungshäuschen gekauft. Dahinter ragt heute der Stammsitz der Rietzler Gruppe empor, Quadratmeter auf vier Etagen. Das Haus ist schuldenfrei, 90 Mitarbeiter arbeiten hier, 140 sind es insgesamt an verschiedenen Standorten wie Ansbach, Gera und Feldkirchen bei München, resümiert der Unternehmer. Rietzler, ein sportlicher Sechsundsechzigjähriger, erzählt: Ich bin gelernter Chemielaborant, hatte kein Abitur. Dann habe ich Chemieingenieur studiert, das ging damals. Anschließend Geologie, acht Semester, die Promotion sofort hinterher. Sieben Jahre war er bei der EWAG Nürnberg als Gewässergut achter das fühlte sich zu undynamisch an. Ich habe den Keller des Häuschens eigenhändig gefliest. Die Sparkasse gab mir Mark Kredit für einen Gaschromatographen, mit dem man Verunreinigungen von Wasser misst. Ich erstellte nebenbei Auftragsgutachten und nach einem Jahr war der Kredit zurückgezahlt, schildert Rietzler die Anfänge seines Geschäfts. Heute gehört ihm die größte Unternehmensgruppe für Umweltanalysen in Bayern. Seine Firmen messen Bodenverun- reinigungen, bohren Brunnen, erstellen Wassergutachten und Rietzler selbst ist hochspezialisierter vereidigter Gutachter bei Gericht. Er hat viele Patente und Verfahren entwickelt, daraus entstanden neue Firmen, inzwischen weltweit. Rietzler investierte viel, verdiente gut, war sparsam und achtsam doch durch den Verlust eines größeren öffentlichen Auftrag gebers kam es vor zwei Jahren zu einem finanziellen Engpass, erinnert er sich. Auch hier half Peter Schreiner mit einem schnellen Überbrückungskredit. Wie so oft. Kompetent und vertrauensvoll. Nächstes Jahr ist auch diese Schuld getilgt, seufzt Rietzler. Die Nachfolgeregelung läuft, der Sohn und weitere verdiente Mitarbeiter übernehmen Führungsaufgaben. Ich wollte immer Unternehmer sein, sinniert Rietzler möchte ich mich zurückziehen. Aber beratend, das können Sie sich denken, steh ich zur Verfügung, hebt er an und lacht. Ohne Bank, die dir vertraut, der du vertraust, geht das alles nicht. Schauen Sie, wir platzen hier aus allen Nähten. Wir müssen anbauen. Es muss weitergehen. Stillstand ist Rückschritt! Der nächste Termin mit Peter Schreiner ist schon vereinbart. 17

11 Autorin: Ilona Hörath Online Filiale Markus Stichert baute den Unternehmensbereich OnlineMarketing und Vertrieb und die dazugehörige OnlineFiliale auf. Sie vernetzt online und persönlichen Kontakt und ist keine austauschbare Hotline. 19

12 Das virtuelle Zimmer lässt sich absperren, so dass niemand anderes hereinkommt. Harald Kraus 20 Als eine der ersten deutschen Sparkassen startete die Sparkasse Nürnberg Ende 2013 ihre OnlineFiliale inklusive einer inno vativen Videoberatung. Wie sich die digitale Welt und der stationäre Filialbetrieb gegenseitig ergänzen und wie Kunden von der Vernetzung der Vertriebskanäle profitieren, zeigt ein Besuch in der OnlineFiliale der Sparkasse Nürnberg. Gehen s in die Küche, holen Sie sich einen Kaffee und machen Sie es sich bequem, rät Harald Kraus. Nein, zum Plauderstündchen mit Selbstbedienung lädt der 38-Jährige seine Kunden nicht ein. Der gelernte Betriebswirt will ganz einfach, dass sich seine Kunden wohlfühlen, wenn er sie berät. Auch wenn es gerade Freitag 20 Uhr ist und Kraus ihnen nicht persönlich gegenübersitzt: Harald Kraus ist Berater in der neuen OnlineFiliale der Sparkasse Nürnberg und damit einer von insgesamt drei Sparkassenfachleuten, die ausschließlich online für die Kunden da sind und die per Textchat, Videochat oder auch telefonisch zu erreichen sind. In dem kleinen, aber schicken Büro am Nürnberger Marientorgraben setzt Harald Kraus im blütenweißen und frisch gestärkten Hemd sein Headset auf. Neben ihm steht ein Glas Wasser. Die Nürnberger Innenstadt gleich vis-á-vis würdigt er mit keinem Blick. Aus gutem Grund: Auf seinem Bildschirm hat ein Kunde auf mit ein paar Mausklicks den Videochat gestartet. Es ist Freitagabend, die Läden haben gerade geschlossen, und ein Kunde interessiert sich für eine Altersvorsorge. Kraus legt los und startet ein spezielles PC-Programm für die Videoberatung. Auch der Kunde ein Ingenieur, der sich gerade irgendwo in Deutschland auf Dienstreise befindet loggt sich ein, um sich nun mit Kraus den Bildschirm zu teilen. Eine spezielle Software musste der Kunde nicht installieren. Das Videoberatungsprogramm ist unser Hauptmedium, sagt Harald Kraus. Der Kunde sieht auf seinem Bildschirm nicht nur eine bestimmte Verkaufsfolie, die ich aufgerufen habe. Er kann auch mitverfolgen, wenn ich in einer Präsentation eine besonders wichtige Information mit der Maus gelb unterstreiche. So könne man dem Kunden ganz konkret auch zeigen, worüber man spricht. Der Befürchtung des Ingenieurs, jemand könne bei dem vertraulichen Gespräch mitlauschen, weiß Kraus mit Unterstützung der Sicherheitstechnologie entgegenzutreten: Das virtuelle Zimmer lässt sich absperren, so dass niemand anderes hereinkommt. Außerdem werden alle Daten SSL-verschlüsselt übertragen. Harald Kraus arbeitete als Berater in einer Geschäftsstelle und wechselte in die neue OnlineFiliale. Er möchte auch per Telefon oder Videochat eine persönliche Bindung zu den Kunden aufbauen. 21

13 Ulrike Notz profitiert als OnlineBeraterin von ihrem Fachwissen aus der Kunden betreuung in einer Geschäftsstelle. Für Technik und Präsentationsformen online erhielt sie intensive Schulungen. 22 Im digitalen Zeitalter sind es die Menschen längst gewohnt, ihren Bankgeschäften auf unterschiedlichen Wegen und zu den unterschiedlichsten Tageszeiten nachzugehen. Sie recherchieren Finanzthemen und beschaffen sich die gewünschten Informationen wann sie wollen und wie sie es mögen. Ob ganz klassisch in der Filiale vor Ort oder eben vom kuscheligen Sofa zuhause, aus dem Urlaub heraus oder mal eben am Arbeitsplatz. Ob mit Online- Banking am heimischen PC, mit Hilfe mobiler Bankanwendungen oder über soziale Netzwerke. Über 80 Prozent aller Überweisungen werden online ausgeführt, monatlich besuchen Hunderttausende die Website des Nürnberger Instituts, sind Facebook-Fans und nutzen gezielt die zahlreichen Sparkassenapps. Um Bankprodukte zu kaufen und weiterzuempfehlen. Nicht wenige twittern auch wie zum Beispiel Verena Hutchinson. Die junge Dame hatte gerade ihr Studium beendet und zog nach Nürnberg. Ihr Konto führte sie aber noch bei ihrer heimischen Sparkasse. Es gibt einen Sparkassen-Twitteraccount. Das Social Media-Team hatte meinen Tweet gelesen und mir geschrieben, dass man ganz unkompliziert online die Spar- kasse wechseln kann. Mit wenigen Klicks hat die ehemalige Studentin ihr nagelneues Girokonto beantragt. Kurze Zeit später spricht sie mit der Sparkassenfachwirtin und OnlineBeraterin Ulrike Notz, die sie telefonisch betreut und umsorgt. Hutchinson sagt: Ich finde, die OnlineFiliale ist ein sehr guter Service, weil das Leben vermehrt online stattfindet. Menschen mögen es, ihre Angelegenheiten möglichst einfach, unkompliziert und ohne großen Aufwand erledigen zu können. Doch trotz aller technischen Möglichkeiten: Das Bedürfnis nach persönlicher und kompetenter Beratung gibt es noch immer. Für die Verantwortlichen war die Einrichtung der OnlineFiliale daher ein konsequenter Schritt. Uns ist es wichtig, den Kunden auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten unsere Kernkompetenz die Beratung zur Verfügung zu stellen und neue Kommunikationswege zu schaffen, erklärt Privatkundenvorstand Dr. Jonathan Daniel mit Blick auf die Öffnungszeiten Der Kunde bekommt sofort eine qualifizierte und individuelle Antwort, weil ich auf seine spezielle Situation eingehe. Ulrike Notz der OnlineFiliale. Seit Dezember 2013 ist das OnlineBerater-Team montags bis freitags von 10 bis 21 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr erreichbar. Besonders stolz ist Dr. Jonathan Daniel auf den Vorschlag seiner Mitarbeiter, die Online-Beratungszeit bis 21 Uhr auszudehnen: Unsere Mitarbeiter haben sich genau überlegt, wie und wann Kunden erreicht werden sollen. Nicht der Kunde ändert sich, sondern sein Verhalten darauf haben wir die OnlineBerater vorbereitet, ergänzt Markus Stichert, der Leiter der Online- Filiale, und wir stellen die Beratung genau in dem Moment zur Verfügung, in dem sie benötigt wird. Ein Stück Innovation Für Dr. Jonathan Daniel übernimmt die OnlineFiliale eine Pilotfunktion: Mit ihr schaffen wir ein Stück Innovation, einen Leuchtturm. Jeder ist ein potenzieller Nutzer der OnlineFiliale, ob Digital Native oder Senior. Man wolle gezielt aber auch jene Kunden erreichen, die den Kontakt zur Sparkasse Nürnberg bisher nicht aktiv und aus der eigenen Motivation heraus gesucht haben und zusätzlich mehr Kundennutzen generieren. Die ersten Erfahrungen mit der Online- Filiale sind positiv. Ich gehe davon aus, dass wir in den Bereichen Neukundengewinnung und Baufinanzierung zulegen werden. So übernehme der im Herbst 2013 eigens gegründete Bereich OnlineMarketing und -Vertrieb (OMV), in dem die Abteilungen Online- Marketing und OnlineFiliale zusammengelegt wurden, eine Vorreiterrolle. OMV trägt positive Impulse ins Unternehmen hinein, sagt Daniel. Ob passgenaue Altersvorsorge, Versicherungen und vermögenswirksame Leistungen, ob Baufinanzierung, Darlehen, ob Bausparen oder Geldanlage: Wir beraten zu allen Themen außer zu Wertpapieren, da diese unter anderem eine sehr aufwendige Dokumentation erfordern, sagt Markus Stichert. So führen die OnlineBerater etwa die Erstgespräche bei einer Baufinanzierung durch. Einfache Versicherungen 23

14 Andreas Rau leitet die Geschäftsstelle in Altenfurt. Über alles, was seine Kunden in der OnlineFiliale erledigen, ist er jederzeit informiert. 24 kann der Kunde direkt abschließen, bei komplexen Versicherungsfällen wie auch bei der Baufinanzierung können jederzeit Spezialisten hinzuge zogen werden, erläutert Stichert. Diese Experten besuchen aber gerne auch den Kunden zuhause oder vereinbaren mit ihm in der Geschäftsstelle oder im ImmobilienCenter einen Termin. Stichert stellt klar: Wir wollen für unsere Kunden auf allen Vertriebskanälen zur Verfügung stehen. Durch die Vernetzung von online und dem persönlichen Kontakt sollen den Kunden alle Möglichkeiten offenstehen. Markus Stichert lobt das Engagement seiner Mitarbeiter. Alle OnlineBerater, die zuvor in den Geschäftsstellen tätig waren, wollten auf eigenen Wunsch in der neuen Online Filiale arbeiten und gemeinsam etwas Neues aufbauen. Der Leiter der OnlineFiliale und des OMV-Bereichs betont aber auch, dass man für diese Aufgabe sehr flexibel und auch ein wenig extrovertiert sein müsse. Schließlich können Kunden aus Online, mobil und persönlich vor Ort ist für die meisten Kunden die richtige Kombination. allen Geschäftssegmenten mit den Onlinern in Kontakt treten also jeder der über Privatkunden. Das ist gerade das Spannende daran: Es ist abwechslungsreich und man hat mit Anliegen aus allen Kundengruppen zu tun, sagt OnlineBerater Harald Kraus. Vertraulichkeit ist garantiert Dennoch stellt sich die Frage, ob und wie in einer virtuellen Filiale eines der Grundprinzipien der Sparkasse Nürnberg die Persönlichkeit und die Vertraulichkeit, gerade wenn es ums Geld geht gewährleistet werden kann. Markus Stichert gibt zu, dass sich die Beratungssituation Dr. Jonathan Daniel anders darstellt als in der Geschäftsstelle. Doch er betont: Der Kunde soll das Gefühl haben, dass er nicht in eine austauschbare Hotline geraten ist. Dass es in der OnlineFiliale ganz und gar persönlich zugeht, beweist auch Ulrike Notz. Freundlich und versiert nimmt die OnlineBeraterin die hereinkommenden Anrufe an noch greifen die Kunden meist zum Telefon, noch klicken sie die Videoberatung nur vereinzelt an. Notz berät charmant Der Kunde soll das Gefühl haben, dass er nicht in eine austauschbare Hotline geraten ist. Markus Stichert und erläutert etwa das Sparkassen- Finanzkonzept oder die Vorteile der unterschiedlichen Kontoarten. Die 25-Jährige sagt: Der Kunde bekommt sofort eine qualifizierte und individuelle Antwort, weil ich auf seine spezielle Situation eingehe. Notz weiß aber auch: Natürlich können die Kunden uns in der OnlineFiliale keine Blumen aus ihrem eigenen Garten vorbeibringen, wie sie es am Schalter tun. Harald Kraus verweist auf eine ganz andere Art, eine persönliche Beziehung zu den Kunden herzustellen. Wir stellen uns auf der speziellen Microsite der Sparkasse Nürnberg unter persönlich vor. Und dort sind die Vorstellungsvideos alles andere als anonym. Sie informieren über den Werdegang der Online Berater Harald Kraus, Kai Hofmann und Ulrike Notz und erlauben einen Blick hinter die Kulissen der OnlineFiliale. Alle OnlineBerater haben im Vorfeld intensive Schulungen durchlaufen, sei es in Sachen Technik und Software, wie man sich vor der Kamera verhält und worauf man achten muss, wenn es ums Schreiben von Textnachrichten geht. Beim Telefonieren muss man eine bildliche Sprache benutzen, weiß Notz. Für die OnlineBerater sei es wichtig, schnell Vertrauen herzustellen, damit Kunden möglichst schnell die Kompetenz erkennen können. Es kommt darauf an, in der Kürze eine kompetente und qualifizierte Beratung zu bieten. Wir wollen nicht das Frageund-Antwort-Zentrum sein, erläutert Markus Stichert. Die Vernetzung aller Vertriebs kanäle funktioniert und der Lückenschluss zwischen der Beratung in den Geschäfts stellen und der Selbstbedienung ist gelungen. Das weiß auch Andreas Rau, Geschäftsstellenleiter in Altenfurt. Denn selbst wenn die Kunden bei den Onlinern anrufen, bleiben sie organisatorisch den jeweiligen Geschäftsstellen zugeordnet. Der Geschäftsstellenleiter ist jederzeit darüber informiert, was der Kunde online getan hat. Es ist ein Miteinander, das uns in der Geschäftsstelle hilft, uns ganz auf die Beratung konzentrieren zu können, berichtet Andreas Rau. Es ist ein Miteinander, das uns in der Geschäfts stelle hilft, uns ganz auf die Beratung konzentrieren zu können. Andreas Rau Geschäftsstelle bleibt unverzichtbar Im Onlinegeschäft liegt die Zukunft. Darin sind sich alle einig. Doch auch im Netz geht es um Zuverlässigkeit und Qualität, bekräftigt Privatkundenvorstand Dr. Jonathan Daniel. Zukünftig werden mobile Anwendungen für uns eine große Bedeutung haben. Doch auch die stationären Filialen bleiben in der Zukunft unverzichtbar. Online, mobil und persönlich vor Ort ist für die meisten Kunden die richtige Kombination. 25

15 Autor: Andreas Hock Frauen förderung Barbara Räbel mit Sohn Benno lebt Frauenförderung vor: Sie leitet in Teilzeit die Geschäftsstelle in Feucht. Das klappt, weil sie sich auf ihr Team verlassen kann und Benno bei seinem Papa in den besten Händen weiß. 27

16 Für Benno Räbel ist heute Oma-Tag. Das bedeutet, dass sich wie immer ein Mal pro Woche die Großmutter um den knapp zweijäh- Günter Eisemann überzeugte als Marktbereichsleiter im südlichen Nürnberger Land Barbara Räbel davon, es doch mit Kind und einer Führungsposition mit reduzierter Arbeitszeit zu versuchen. rigen, fröhlichen Bub kümmern wird. Papa und Mama dagegen müssen arbeiten. Das an sich ist freilich nichts Besonderes. Wird es aber, wenn man weiß, dass Bennos Mutter Barbara die Leiterin der Sparkassen-Geschäftsstelle in Feucht ist. Und das in Teilzeit! Selbst bei der Sparkasse Nürnberg ist ein solches Modell eine Ausnahme. Noch wenn es nach der sympathischen 37-Jährigen und ihren Chefs geht. Dabei hatte Barbara Räbel ihren Traumjob schon abgeschrieben: Ich bekam das Angebot, die größere Filiale in Feucht leiten zu dürfen und habe sofort zugestimmt. Ein paar Wochen später habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Da dachte ich natürlich: Schade, das war s dann mit der Beförderung. Obwohl sie sich sehr auf ihr erstes Kind freute: Die neue berufliche Herausforderung reizte sie auch. Da hatte Marktbereichsleiter Günter Eisemann eine Idee: Probieren wir das doch in Teilzeit, sagte er. Barbara Räbel stutzte, besprach sich mit ihrem Mann und sagte zu. Nach acht Wochen Mutterschutz und vier Wochen angespartem Urlaub saß sie zunächst für einen Tag die Woche im neuen Feuchter Büro, das sie überhaupt erst zwei Monate vor der Geburt bezogen hatte. Das war schon eine Gratwanderung, erinnert sie sich. Aber die Kollegen haben von Anfang an super mitgezogen. Und mein Ehemann natürlich auch. Inzwischen arbeitet Barbara Räbel zu 70 Prozent und ist glücklich. Es ist für mich die perfekte Konstellation, lacht sie. Und gewissermaßen die gelebte Frauenförderung. Aus diesem Grund kann Sparkassen- Vorstandsvorsitzender Dr. Matthias Everding auch nur schmunzeln, wenn er die hektischen politischen und medialen Debatten über dieses Reizthema beobachtet. Sein Unternehmen ist diesbezüglich nämlich ein absoluter Vorreiter, ganz ohne Quote: Kaum woanders in der Metropolregion arbeiten prozentual so viele Frauen wie bei der Sparkasse Nürnberg beinahe zwei Drittel aller Beschäftigten hier sind weiblich. Der Teilzeitanteil ist mit 30 Prozent ebenfalls enorm hoch. Eigens aufgelegte Förderprogramme finden innerhalb der Belegschaft eine breite Akzeptanz

17 Claudia Sigl macht sich stark für eine familienbewusste Personal politik. Als Leiterin Personalbetreuung koordiniert und entwickelt sie Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Sparkasse Nürnberg und ließ diese von externen Experten prüfen und zertifizieren. Wenn 63 Prozent aller Mitarbeiter weiblich sind und davon gegenwärtig 19 Prozent auf der Führungsebene ankommen, stellt man sich die Frage, was dazwischen passiert. Claudia Sigl Und: Schon jetzt sind nahezu 20 Prozent der Führungs positionen mit Frauen besetzt. Vor drei Jahren waren es erst 15 Prozent, sagt Everding nicht ohne Stolz. Von einer gesetzlichen Regelung hält der Vorstandsvorsitzende daher auch nicht allzu viel: Es ist natürlich wichtig, dass dieses Anliegen öffentlich diskutiert wird. Aber meiner Beobachtung nach wollen die meisten Frauen selbst vor allem über Leistung und Qualifikation in eine bestimmte Position kommen und nicht wegen ihres Geschlechts. Unsere Aufgabe als Arbeitgeber ist, diesbezüglich ent sprechende Angebote und Anreize im Haus zu schaffen. Wir wollen, dass bis 2020 jede vierte Führungskraft eine Frau ist. Zertifikat für familienbewusste Personalpolitik So wie es aussieht, kann die Sparkasse dieses ehrgeizige Bestreben das übrigens eine freiwillige Selbstverpflichtung ist sogar etwas früher erreichen. Auch wegen Familien wie den Räbels, wo beide Partner ihren Anteil dazu beitragen, dass Frauen wenn sie dies wollen nicht automatisch mit einer Geburt von der Karriereleiter katapultiert werden. Derartige Beispiele freuen Claudia Sigl. Die Leiterin Personal betreuung kämpft seit vielen Jahren dafür, dass Frauen bei ihrem Arbeitgeber bessere Aufstiegschancen bekommen und trotzdem nicht auf eine eigene Familie verzichten müssen. Schon vor sechs Jahren ließ sich die Sparkasse Nürnberg darum von der gemeinnützigen Hertie- Stiftung im Hinblick auf eine familien bewusste Personalpolitik checken und erhielt 2008 das entsprechende Zertifikat, das bei der Überprüfung 2011 prompt erneut Wir wollen, dass bis 2020 jede vierte Führungskraft eine Frau ist. erteilt wurde. Kriterien wie Arbeitszeit und -organisation wurden von der renommierten Stiftung dabei ebenso unter die Lupe genommen wie der Arbeitsort oder besondere Informations- und Serviceangebote. Insgesamt 150 einzelne Faktoren zogen die Tester heran. Aktuell geht man in die dritte Runde des Audits, die die Konsolidierung und Nachhaltigkeit im Fokus hat. Und Claudia Sigl hat keine Bedenken, dass die Sparkasse das Zertifikat drei weitere Jahre tragen wird. Auch aufgrund der wertvollen Ratschläge dieser externen Experten wurden zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Die zeigen heute längst Wirkung, während anderswo noch über die politischen Auflagen gestritten wird: So werden die Sparkassen-Mütter bei der Suche nach Betreuungsange boten vor Ort unterstützt. In den Sommerferien veranstaltet das Kredit institut zusammen mit zehn anderen Nürnberger Unternehmen ein Ferien programm Dr. Matthias Everding für mittlerweile 500 Kinder. Während ihres Mutterschutzes werden die Mitarbeiterinnen unter anderem durch das zugeschickte Mitarbeitermagazin über die aktuellen Entwicklungen im Betrieb informiert Personalbetreuer halten den Kontakt. Die Mütter werden auch zu Betriebsveranstaltungen eingeladen und ein Mal pro Jahr gibt es sogar einen eigenen Müttertreff. Es ist uns wichtig, dass die Bindung zur Spar kasse bestehen bleibt, während die Frauen zuhause in Elternzeit sind. Und wir wollen immer wieder kommunizieren, dass uns dieses Anliegen wirklich wichtig ist, betont Claudia Sigl. Sie muss trotz all dieser Bemühungen manchmal noch eine Menge Überzeugungsarbeit bei einigen Frauen leisten, dass deren interner Karriereweg nach der Geburt eines Kindes nicht zu Ende ist: Wenn 63 Prozent aller Mitarbeiter weiblich sind und davon gegenwärtig 19 Prozent auf der Führungsebene ankommen, stellt sich natürlich die Frage, was dazwischen passiert, erklärt sie. Bei der Beantwortung kristallisiert sich oft genug heraus, dass mal die mangelnde Bereitschaft der Männer, mal die Vorbehalte der betroffenen Frauen selbst ob der unbekannten Herausforderungen größer sind als die organisatorischen Hindernisse, welche die Sparkasse etwa mittels groß zügiger Teilzeitregelungen oder flexiblen Home-Office-Möglichkeiten aus dem Weg zu räumen versucht. Die Räbels profitieren davon, dass Papa Wolfgang ebenfalls bei der Sparkasse Nürnberg angestellt ist und so in seinem Aufgabenbereich als Controller teilweise von zuhause aus arbeiten und sich an diesen Tagen eben auch um Sohn Benno kümmern kann, während Mama Barbara in ihrer Geschäftsstelle ist. Das klappt wirklich toll, schwärmt Filialleiterin Räbel. Aber ich weiß auch, dass sich andere Männer damit schwertun würden. Der Wandel in den klassischen Erziehungsmustern kommt langsam. Aber er kommt, stellt Claudia Sigl an

18 32 Gute Frauen und gute Männer ergänzen sich in der Führungsarbeit. Und gute Mütter und gute Väter ergänzen sich in der Eltern arbeit. Lydwina von der Grün gesichts solcher Lebensentwürfe fest. Immerhin nehmen viele männliche Angestellte wie auch Wolfgang Räbel heute Elternzeit, wenn auch nur zwei Monate. Aber das hätte man sich vor zehn, 15 Jahren auch noch nicht vorstellen können, so das zuversichtliche Fazit der Personalbetreuerin. Mentoring-Programm für Frauen Lydwina von der Grün sieht das genauso. Wenn die traditionellen Rollen über Jahrhunderte hinweg bestehen, ist dies nicht in fünf Jahren änderbar. Auch bei mir stand nach der Geburt meiner Zwillingstöchter erstmal kein Stein mehr auf dem anderen, während bei meinem Mann das Leben irgendwie normal weiterging. Aber da braucht es eben Geduld und Vertrauen in den Prozess. Um diesen zu beschleunigen, entwarf die Organisationsentwicklerin vor drei Jahren ein Mentoring-Programm nur für Frauen. Es räumt qualifizierten Mitarbeiterinnen die Möglichkeit ein, von der Lebens- und Berufserfahrung angesehener Führungskräfte zu profitieren und sich in ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Das ist eine einmalige Chance, denn wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, den Lydwina von der Grün kann eigene Erfahrungen als arbeitende Mama von Zwillingstöchtern in das von ihr initiierte und begleitete Mentoring-Programm für Frauen in der Sparkasse Nürnberg mit einbringen. Sie ist Organisationsentwicklerin im Unternehmensbereich Personal. In meinem Fall ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich perfekt umgesetzt. Vorstand und die Bereichsleiter so direkt in ihren Führungs- und Managementaufgaben zu erleben? Jeweils zwölf Teilnehmerinnen konnten in den bisherigen zwei Runden ihren Mentoren auf den Zahn fühlen und diese knapp ein Jahr lang regel mäßig begleiten, sogar zu vertraulichen Besprechungen und internen Meetings. Auch der Vorstandsvorsitzende beteiligte sich beide Male an dem viel gelobten Projekt, in dessen Verlauf sich Mentoren und Mentees ungefähr alle vier Wochen zusammensetzten. Für Dr. Matthias Everding war die Mitwirkung Ehrensache: Das sollte nicht nur ein sichtbares Zeichen sein, dass wir es als Unternehmen absolut ernst meinen mit der Förderung von Frauen. Es hat mir auch eine Menge Spaß gemacht, in offener und lockerer Atmos phäre etwas von meinen Kenntnissen und Einsichten an jüngere Kolleginnen weiterzugeben. Selbst mit dem Ende des Mentorings hört die Begleitung nicht wirklich auf: Alle drei bis vier Monate treffen wir uns weiter und tauschen uns aus, erzählt Everding. Etwa die Hälfte der Mentees aus dem ersten Durchlauf hat es unterdessen auf einen Führungsposten geschafft oder konnte auf eine Und ich bin sehr froh, dass die Sparkasse uns hier so toll unterstützt hat. Barbara Räbel höhere Führungsebene vorrücken, und auch bei Durchgang zwei gibt es schon eine neue Führungskraft. Natürlich muss bei den Beteiligten auch eine Portion Veränderungsbereitschaft vorhanden sein, konstatiert er. Aber das Programm ist ein sehr gutes Instrument, um die vielen verschiedenen beruflichen Möglichkeiten aufzuzeigen, die Mitarbeiterinnen in unserem Hause tatsächlich haben. Dass das sogenannte S-Mentoring demnächst fortgesetzt wird, steht für ihn daher fest. Das hört Lydwina von der Grün natürlich gern. Sie räumt ein, dass beim ein oder anderen männlichen Kollegen die Vorbehalte und vielleicht auch Vorurteile gegenüber derartigen Maßnahmen durchaus vorhanden sind. Argumente, dass so manche Frau nur aufgrund ihres Geschlechts in eine höhere Position gekommen sei oder durch Förderprogramme womöglich gar ein gewisses Stigma erhält, für das sie sich dann rechtfertigen muss, will sie aber nicht gelten lassen: Ich will die Frauen ermutigen, sich nicht um Rollenstereotype zu kümmern. Entscheidend ist, dass sie an sich glauben und vielleicht auch jemanden haben, der sie unterstützt. Egal, wie die Kritiker reagieren. Daher hofft sie, dass sich ihre Vision bald erfüllt: Gute Frauen und gute Männer ergänzen sich in der Führungsarbeit. Und gute Mütter und gute Väter ergänzen sich in der Elternarbeit. Eine Vision, die für Barbara Räbel schon Realität geworden ist und die sie anderen Kollegen und Kolleginnen vorleben möchte. In meinem Fall ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich perfekt umgesetzt. Und ich bin sehr froh, dass die Sparkasse uns hier so toll unterstützt hat. Aber das alles funktioniert trotzdem nur zu 100 Prozent, weil sich mein Mann und ich uns in allen Bereichen als Team verstehen! Und vielleicht ja auch ein bisschen deshalb, weil der kleine Benno just seit dem ersten Arbeitstag seiner Mutter durchschläft. 33

19 Autor: Thomas Tjiang Daten Sicherheit Klaus Seidel definiert als IT-Sicherheitsbeauftragter der Sparkasse Nürnberg die IT-Sicherheitspolitik des Kreditinstituts, sichert und entwickelt sie weiter. 35

20 Datenschutz, Datenmissbrauch und Datenklau sind in einer global vernetzten Welt neue Phänomene. Das betrifft uns alle, zum Beispiel wenn millionenfach persönliche s und Passwörter oder Martina Kreller kümmert sich als Expertin für Arbeitsschutz auch um die Sichtkontrolle an den Geldautomaten in den Geschäftsstellen. Kreditkartenverbindungen ausgespäht werden. Die US-Behörde 36 NSA demonstriert auf bedenkliche Weise, wie leicht sich technische Sicherungssysteme durch entsprechenden finanziellen Aufwand aushebeln lassen. In der Rechtsprechung hat der Europäische Gerichtshof deutliche Grenzen für eine Vorratsdatenspeicherung gezogen, um einerseits die informationelle Selbstbestimmung der EU-Bürger zu stärken, andererseits den Kampf gegen Terror und schwere Kriminalität fortzuführen. Datenschutz und Datensicherheit sind eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Öffentliche Hand, Bürger und Unternehmen vom Finanzdienstleister über Versicherungen bis hin zu Versandhäusern sind alle in der Pflicht, mit den ihnen anvertrauten Daten sorgsam umzugehen und in ihren Bereichen aktiv zu werden. Die Sparkasse Nürnberg geht hier konsequent vor. Wenn Klaus Seidel zur Besprechung oder zum Mittagessen sein Büro verlässt, macht er zwei Handgriffe immer automatisch. Er sperrt seinen Computer und schließt dann hinter sich die Tür, obwohl sein Büro ganz am Ende eines verwinkelten Ganges liegt. Das sind keine persönlichen Marotten, sondern Teil seines Sicherheitsbewusstseins, denn Seidel ist IT- Sicherheitsbeauftragter der Sparkasse Nürnberg. Ihm sind Handgriffe wie diese in Fleisch und Blut übergegangen, um die IT des Kreditinstituts vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Seidel ist unter anderem für die Definition, Qualitätssicherung und Fortschreibung der IT-Sicherheitspolitik zuständig. Dafür hat er systematisch alle neuen Entwicklungen und Rahmenbedingungen zur Informationssicherheit im Blick und informiert wiederum alle Kollegen. Darüber hinaus unterstützt er den Vorstand zu Fragen der Informationssicherheit sowie bei der Umsetzung in der gesamten Bank. Sicherheit ist allerdings von Haus aus ein relativer Begriff, gibt Seidel zu bedenken. Er verweist auf das Handy von Bundeskanzlerin Merkel, das von der US-Behörde NSA abgehört wurde. Mit entsprechendem Aufwand lässt sich technisch irgendwann jedes System knacken, räumt er sorgenvoll ein. Deshalb versteht er seine Arbeit eher als einen kontinuierlichen Wettlauf, um die Sicherheit der IT zu gewährleisten. Dabei ist die Sparkasse gut aufgestellt. Zentraler IT-Dienstleister ist die Finanz Informatik, ein Spezialist der Sparkassenorganisation, die sich um die Technik für das Kernbank system kümmert und dabei wesentliche Sicherheitsaspekte miteinschließt. Die SIZ GmbH ein Spezialdienstleister für Sicherheit, Informatik und Zentrale Services und der Sparkassenverband Bayern sind ebenfalls wichtige Partner im Bereich der Informationssicherheit. Mit dem Modul Sicherer IT-Betrieb des SIZ profitiert das Nürnberger Kreditinstitut beispielsweise von umfassenden und stets aktuellen Sicherheitsstandards, die ein Haus allein in der Geschwindigkeit nicht gewährleisten könnte. Zudem werden über den IT-Dienstleister alle relevanten nationalen und internationalen Regelungen zur Informations sicherheit integriert. Zusätzlich werden auch branchenund sparkassenspezifische Regelungen berücksichtigt. 37

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