Rundschreiben Nr. 1/2002

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1 KOMMUNALER VERSORGUNGSVERBAND SACHSEN-ANHALT KÖRPERSCHAFT DES ÖFFENTLICHEN RECHTS MIT SITZ IN MAGDEBURG DER GESCHÄFTSFÜHRER Telefon Telefax Ansprechpartner Magdeburg, den (0391) (0391) Frau Flögel 14. Januar 2002 An die Mitglieder der ZVK Sachsen-Anhalt Personalamt/Personalabteilung Rundschreiben Nr. 1/2002 Inhalt I. Einzelheiten zum neuen Punkte-Modell II. Finanzierung III. Riester-Förderung IV. Behandlung von Anwartschaften V. Künftige Entwicklung der Renten VI. Sicherheit des Finanzierungssystems VII. Wichtige Hinweise Sehr geehrte Damen und Herren, mit unserem Rundschreiben 5/2001 haben wir Sie über den Stand der Tarifverhandlungen informiert und weitere Informationen angekündigt, sobald die Tarifergebnisse vorliegen. Am 13. November 2001 haben sich die Kommissionen der Versorgungstarifvertragsparteien des öffentlichen Dienstes auf den als Anlage beigefügten Altersvorsorgeplan geeinigt. Hierzu bestand bis zum 30. November 2001 ein Zustimmungsvorbehalt. Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite haben dem Ergebnis mittlerweile zugestimmt. Zu den wesentlichen Inhalten des neuen Systems zählen insbesondere: Das bisherige Gesamtversorgungssystem wird rückwirkend zum geschlossen und durch ein kapitalgedecktes Betriebsrentensystem nach dem sogenannten Punktemodell ersetzt. Die im Jahre 2001 noch nach dem Gesamtversorgungssystem festgesetzten Renten bleiben erhalten. Alle Rentenanwartschaften werden zum Stichtag unter Wahrung des bis zu diesem Zeitpunkt erreichten Besitzstandes umgestellt. Die Anwartschaftsbeträge werden in Versorgungspunkte umgerechnet.

2 Die laufenden Renten werden als Besitzstandsrenten weitergezahlt. Die Besitzstandsrenten und die Neurenten werden beginnend mit dem Jahr 2002 jeweils zum eines Jahres bis 2007 mit 1 v. H. jährlich dynamisiert. Die im bisherigen Versorgungssystem erworbenen Anwartschaften von Arbeitnehmern, die am nicht mehr pflichtversichert sind und die eine unverfallbare Anwartschaft haben, werden entsprechend der bisherigen Versicherungsberechnung festgestellt, transferiert und nicht dynamisiert. Das in der Lohnrunde 2000 für die Jahre 2002 und 2003 ursprünglich vereinbarte Zurückfallen oder Einfrieren der Renten und Anwartschaften auf den Stand des wurde aufgehoben und kommt daher nicht zur Anwendung. Mit dem Punktemodell wird eine Leistung zugesagt, die sich ergibt, wenn eine Gesamtbeitragsleistung von 4 v. H. in ein kapitalgedecktes System eingezahlt wird. Die rein technische Berechnung der Leistung erfolgt dabei auf der Basis der zusatzversorgungspflichtigen Entgelte ähnlich der Berechnung der gesetzlichen Rente. Allerdings sind dabei als Folge des Verzinsungseffektes die in jungen Jahren eingezahlten Beiträge mehr wert als Beiträge, die erst später entrichtet werden. Die Versorgungspunkte eines jeden Jahres werden bei Eintritt des Versicherungsfalls addiert und mit dem sogenannten Messbetrag vervielfältigt. Das Ergebnis dieser Rechnung stellt die monatliche Rente dar. Die Rentenhöhe nach dem neuen System ist abhängig von der gesamten Erwerbsbiografie im öffentlichen Dienst; es handelt sich also nicht um ein endgehaltsbezogenes System. Soziale Komponenten, die in die Leistungsberechnung mit einbezogen werden, sind: - Zurechnungszeiten bei Erwerbsminderung - Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten - Anhebung des Besitzstandes für Geringverdiener Mit dem Umstieg auf das neue Modell, das Punktemodell, erhalten auch die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes die Möglichkeit, eine zusätzliche kapitalgedeckte Altersversorgung durch eigene Beiträge unter Inanspruchnahme der steuerlichen Förderungsmöglichkeiten aufzubauen (Riester-Rente). Die Möglichkeit hierzu soll auch bei den Zusatzversorgungskassen eröffnet werden. Die Möglichkeit der Entgeltumwandlung ist noch nicht vereinbart worden; die Tarifvertragsparteien haben sich aber diesbezüglich eine Verhandlungszusage für eine tarifliche Regelung gegeben. Die Finanzierung erfolgt weiterhin durch den Arbeitgeber ohne Eigenbeteiligung des Arbeitnehmers. Der jetzt abgeschlossene Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31.Dezember I. Einzelheiten zum neuen Punkte-Modell Leistungen im neuen System sind transparenter und besser kalkulierbar Ein großer Vorteil des neuen Punktemodells ist, dass die aus der Versicherung bisher und zukünftig sich ergebenden Leistungen jederzeit erkennbar und auch kalkulierbar sind. Dem Versicherten steht damit jederzeit ein Überblick auf die bereits erreichte Versorgungsanwartschaft und die gegebenenfalls künftige Entwicklung dieser Leistung offen. Damit kann der Versicherte auch eventuelle persönliche Versorgungslücken erkennen und durch eigene zusätzliche Beitragsleistungen in seiner Zusatzversorgung schließen. 2

3 Wie errechnet sich der jährliche Zuwachs in der Zusatzversorgung (Punktemodell)? Das Einkommen des Versicherten wird in ein Verhältnis zu einem sog. Referenzeinkommen gesetzt, welches beträgt. Der Verhältniswert wird dann mit den für das jeweilige Lebensalter zustehenden Versorgungspunkten multipliziert. Entgelt Referenzentgelt x Altersfaktor = Versorgungspunkt Versorgungspunkte x Messbetrag = Zusatzrente Bei einem Referenzentgelt von entspricht der versicherungsmathematisch ermittelte Messbetrag 10. Beispiel 1: Das Jahreseinkommen eines 25-jährigen versicherten Arbeitnehmers beträgt Der Verhältniswert beträgt damit : = 0,9. Somit werden 0,9 x 2,4 (Tabellenwert) = 2,16 Versorgungspunkte in diesem Jahr erworben. Bei einem Messbetrag von 10 je Versorgungspunkt ergibt sich aus diesem Jahr ein Rentenanspruch von 2,16 x 10 = 21,60 Rente monatlich. Beispiel 2: Das Jahreseinkommen eines 50-jährigen versicherten Arbeitnehmers beträgt Der Verhältniswert beträgt damit : = 1,2. Somit werden 1,2 x 1,1 (Tabellenwert) = 1,32 Versorgungspunkte in diesem Jahr erworben. Bei einem Messbetrag von 10 je Versorgungspunkt ergibt sich aus diesem Jahr ein Rentenanspruch von 1,32 x 10 = 13,20 Rente monatlich. Die Gesamtrente ergibt sich dann aus der Summe der bis zum Rentenbeginn erworbenen Versorgungspunkte. Alter Tab.Wert Alter Tab.Wert Alter Tab.Wert Alter Tab.Wert 17 3,1 29 2,1 41 1,5 53 1,0 18 3,0 30 2,0 42 1,4 54 1,0 19 2,9 31 2,0 43 1,4 55 1,0 20 2,8 32 1,9 44 1,3 56 1,0 21 2,7 33 1,9 45 1,3 57 0,9 22 2,6 34 1,8 46 1,3 58 0,9 23 2,5 35 1,7 47 1,2 59 0,9 24 2,4 36 1,7 48 1,2 60 0,9 25 2,4 37 1,6 49 1,2 61 0,9 26 2,3 38 1,6 50 1,1 62 0,8 27 2,2 39 1,6 51 1,1 63 0,8 28 2,2 40 1,5 52 1,1 64 ff 0,8 II. Die Finanzierung Finanzierung allein durch den Arbeitgeber Auch künftig wird die grundsätzliche Finanzierung der Zusatzversorgung allein durch den Arbeitgeber erfolgen. Die Beteiligung der Arbeitnehmer an der Finanzierung ab einem Umlagesatz über 5,2 v. H. erfolgt nicht mehr. Der Arbeitnehmer kann allerdings freiwillig eigene Beiträge in die Zusatzversorgung einzahlen. 3

4 Teilweise Steuer- und Beitragsfreiheit bei Umlagezahlungen durch den Arbeitgeber Die Tarifeinigung eröffnet der Zusatzversorgungskasse die Möglichkeit, für die neuen Ansprüche auf eine kapitalgedeckte Finanzierung umzusteigen. Die Renten und bisher entstandenen Anwartschaften werden weiterhin durch Umlagen finanziert. Die Entscheidung über die Umstellung des Finanzierungsverfahrens obliegt dem Kassenausschuss der Zusatzversorgungskasse. Zu diesem Zweck müssen noch versicherungsmathematische Berechnungen durchgeführt werden. Unabhängig von dem Ergebnis dieser Berechnungen muss mit deutlichen Umlagesteigerungen ab dem Jahr 2003 gerechnet werden. Die Entscheidung über das künftige Finanzierungsverfahren wird im Jahr 2002 getroffen. Wir werden Sie hierüber unverzüglich informieren. Bis zu dieser Entscheidung gilt weiterhin der bereits beschlossene Umlagesatz für das Jahr 2002 in Höhe von 1,6 v. H. III. Riester-Förderung Riester-Förderung bei Eigenleistungen durch die Arbeitnehmer in die Zusatzversorgung Ab dem Jahr 2002 fördert der Gesetzgeber Beitragszahlungen zum Aufbau einer eigenen kapitalgedeckten zusätzlichen Altersversorgung (sog. Riester-Rente) über die Gewährung von Zulagen und ggf. auch im Rahmen von steuerlichen Sonderausgabenabzügen. Die Zusatzversorgungskasse Sachsen-Anhalt wird den bei ihr versicherten Arbeitnehmern und ggf. auch deren Ehegatten die Möglichkeit eröffnen, innerhalb der Zusatzversorgung die Riester-Förderung zu nutzen. Damit haben die Versicherten die Möglichkeit, die vom Arbeitgeber finanzierte Zusatzversorgung durch eigene, geförderte Beitragsleistungen zu erhöhen und zugleich die staatliche Förderung zu nutzen. Die volle Förderung für das Jahr 2002 kann auch noch am Ende des Jahres 2002 in Anspruch genommen werden. Wir warnen deshalb davor, voreilig anderweitig die Riester- Förderung in Anspruch zu nehmen. Wir werden in Kürze konkrete Angebote vorlegen, wie die Riester-Förderung durch freiwillige Beiträge in der Zusatzversorgung genutzt werden kann. Wir werden ein attraktives und konkurrenzfähiges Angebot für die Riester-Rente präsentieren. Betriebliche Vorsorge ist günstiger als private Vorsorge Wenn ein Arbeitnehmer eigene Finanzierungsleistungen in die Zusatzversorgung einbringt, wird dies in der Regel günstiger sein, als wenn solche Leistungen in eine Kapitallebensversicherung investiert werden. Während bei Kapitallebensversicherungen meist rund 0,10 von jedem Beitragseuro für Vertrieb und Verwaltung eingesetzt werden (siehe auch Stiftung Warentest, Heft 12/2001), fällt dieser Anteil bei der Zusatzversorgung erheblich geringer aus (unter 2 v. H.). Im Gegensatz zu Versicherungsgesellschaften muss die Zusatzversorgungskasse keine Gewinne erwirtschaften, keine Vermittlerprovisionen und Rückversicherungsprämien finanzieren. Damit kommen die Beiträge in der Zusatzversorgung in weitaus höherem Maße den Versicherten zugute als bei anderen Anbietern. Entgeltumwandlungen Ab dem hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung bis zu 4 v. H. der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Macht ein Arbeitnehmer von diesem Recht Gebrauch, so muss der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung oder ersatzweise durch Direktversicherung in eine entsprechende Versorgungsleistung umwandeln. Dieser Anspruch kann jedoch durch Tarifvertrag eingeschränkt werden. 4

5 Von dieser Möglichkeit haben die Tarifpartner im Altersvorsorgeplan 2001 nach 17 Abs. 3 Betriebsrentengesetz Gebrauch gemacht. Danach ist Entgeltumwandlung vorerst für alle Arbeitnehmer ausdrücklich ausgeschlossen; die Tarifvertragsparteien haben aber eine Verhandlungszusage für eine tarifvertragliche Regelung gegeben. Wir machen daher ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Sie Wünschen von Arbeitnehmern nach einer Entgeltumwandlung im Hinblick auf den tarifvertraglichen Ausschluss im Altersvorsorgeplan 2001 nicht nachkommen dürfen. Der Ausschluss gilt auch für nicht tarifgebundene Arbeitnehmer und Arbeitgeber, da die Einhaltung des Versorgungstarifrechts Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in unserer Kasse ist (vgl. 10 Abs. 2 unserer Satzung). Die Zusatzversorgungskasse Sachsen-Anhalt wird, sobald dies tariflich möglich ist, eine Entgeltumwandlung anbieten. IV. Behandlung von Anwartschaften Die bisher schon in der Zusatzversorgung entstandenen Anwartschaften aufgrund bereits bestehender Versicherungen werden in das neue Punktemodell übertragen. Die Anwartschaften der am schon und am noch pflichtversicherten Arbeitnehmer werden entsprechend den Berechnungsvorgaben des 18 BetrAVG berechnet. Der danach festgestellte Betrag wird in Versorgungspunkte unter Berücksichtigung eines Zinssatzes von 3,25 umgerechnet und in das Punktemodell transferiert. (siehe Punkt Altersvorsorgeplan 2001). Die laufenden Renten werden als Besitzstandsrenten weitergezahlt. V. Künftige Entwicklung der Renten Die bisher schon bestehenden Renten sowie neu hinzukommende Renten werden jeweils zum eines Jahres bis zum Jahr 2007 mit 1 v. H. jährlich dynamisiert. Hinzu kommt die jährlichen Steigerung der gesetzlichen Rente, die nicht mehr wie bisher auf die Zusatzrente angerechnet wird. Damit steigen also die beiden Rentenleistungen unabhängig voneinander gemeinsam an. Die Anpassung an die Entwicklung der Beamtenversorgung entfällt. Einschnitte oder Nullrunden in der Beamtenversorgung werden also künftig nicht mitvollzogen. VI. Sicherheit des Finanzierungssystems Die Presseberichte der letzten Zeit über die schlechte finanzielle Lage der Zusatzversorgung bezogen sich im Wesentlichen auf den Zustand der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). In den Veröffentlichungen wurde aber selten zwischen den verschiedenen Zusatzversorgungseinrichtungen differenziert, vielmehr wurde die prekäre finanzielle Lage der VBL auf die gesamte Zusatzversorgung übertragen. Diese Verallgemeinerung ist nicht gerechtfertigt. Die Zusatzversorgungskasse Sachsen-Anhalt hätte, auch bei Beibehaltung des bisherigen Finanzierungsverfahrens, mit moderaten Umlagesteigerungen, die Rentenleistungen der nächsten Jahre abdecken können. Durch die tarifvertragliche Einigung auf den Altersvorsorgeplan 2001 sind wir aber zu einer Umstellung des Finanzierungsverfahrens gezwungen. Das neue System hat den Übergang in ein kapitalgedecktes System zum Ziel. Dieses hat für Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Vorteil, dass die Ansprüche der Versicherten und damit die künftigen Aufwendungen auch der Höhe nach feststehen und damit für die Haushalte kalkulierbar und für rechnungslegungspflichtige Mitglieder bilanzierbar sind. 5

6 Im zukünftigen System werden die eingezahlten Beiträge nicht für zukünftige Leistungen verwendete, sondern sie werden auf einem persönlichen Konto des Versicherten gutgeschrieben und nur für dessen Rente verwandt. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum bisherigen System. VII. Wichtige Hinweise: Zurzeit sollten Ihre Arbeitnehmer keine eigenen Altersvorsorgeverträge abschließen. Derzeit ist auch keine Eile geboten, da ein Riester-Förderung in allen Fällen möglich ist, in denen ein Altersvorsorgevertrag bis zum abgeschlossen wird. Gleiches gilt für eine Entgeltumwandlung. Aufgrund des tarifvertraglichen Ausschlusses würde die Vereinbarung einer Entgeltumwandlung gegen 17 Abs. 3 des Gesetzes zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (BetrAVG) verstoßen. Sobald die Tarifvertragsparteien den Arbeitnehmern des öffentlichen Dienstes die Entgeltumwandlung ermöglichen, wird die Zusatzversorgungskasse Sachsen-Anhalt die Möglichkeit schaffen, dies im Rahmen der Zusatzversorgung zu tun. Die von der Zusatzversorgung Sachsen-Anhalt in Kürze angebotenen Riester - und steuerlich förderfähigen Produkte werden eine kostengünstige Aufstockung im Rahmen der Zusatzversorgung und zugleich eine Altersvorsorge aus einer Hand ermöglichen Wir bitten um Ihr Verständnis, dass es uns aufgrund der geänderten Rechtsgrundlagen und der Umstellung auf das neue System vorläufig nicht möglich ist, Rentenauskünfte gemäß 60 a der Satzung zu erteilen. Sobald dies wieder möglich ist, werde ich Sie entsprechend unterrichten. Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne und zwar - in Versicherungs- und Rentenangelegenheiten bei Versicherungsnummern Endziffer unter Telefon Nr.: Name: 0 bis / Frau Günther 4 bis / Frau Baldofski 0391/ Frau Keune 7 bis / Frau Kohl 0391/ Frau Bendlin - zum Abrechnungsverfahren - zur Sonderregelung ( 108a) Herr Uhlitsch 0391/ Frau Mertin 0391/ Frau Hoffmann 0391/ Frau Fabian 0391/ Mitgliedschaftsangelegenheiten Mit freundlichen Grüßen Frau Flögel 0391/ Dr. Bärecke Geschäftsführer 6

7 Anlage 1(TS 99/01) Berlin, Endfassung Altersvorsorgeplan 2001 Dieser Tarifvertrag gilt einheitlich für die Tarifgebiete Ost und West 1. Ablösung des Gesamtversorgungssystems 1.1 Das bisherige Gesamtversorgungssystem wird mit Ablauf des geschlossen und durch das Punktemodell ersetzt. Zur juristischen Bewertung vgl. Anlage Auf ein Zurückfallen der Renten und Anwartschaften auf den Stand des Jahres 2000 wird verzichtet. 1.3 Durch den Systemwechsel erhalten die Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine zusätzliche kapitalgedeckte Altersversorgung durch eigene Beiträge unter Inanspruchnahme der steuerlichen Förderung aufzubauen (Riester-Rente). Diese Möglichkeit soll auch bei den Zusatzversorgungskassen eröffnet werden. Die Möglichkeit der Entgeltumwandlung besteht derzeit einheitlich für alle Arbeitnehmer nicht; die Tarifvertragsparteien geben sich eine Verhandlungszusage für eine tarifvertragliche Regelung zur Entgeltumwandlung. 1.4 Die Umlagefinanzierung wird auch nach Systemwechsel beibehalten. Sie kann schrittweise nach den Möglichkeiten der einzelnen Zusatzversorgungskassen durch Kapitaldeckung abgelöst werden (Kombinationsmodell). 2. Punktemodell 2.1 Die Leistungsbemessung erfolgt nach dem Punktemodell. Es werden diejenigen Leistungen zugesagt, die sich ergeben würden, wenn eine Gesamtbeitragsleistung von 4 v. H. vollständig in ein kapitalgedecktes System eingezahlt würde. 2.2 Soweit eine Kapitaldeckung vorhanden ist, werden die tatsächlich erzielten Kapitalerträge veranschlagt. Soweit keine Kapitaldeckung vorhanden ist, wird jährlich die laufende Verzinsung der zehn größten Pensionskassen gemäß jeweils aktuellem Geschäftsbericht des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen (bzw. Nachfolgeeinrichtung) zugrunde gelegt. Überschüsse werden wie bei einer Pensionskasse festgestellt. Von diesen Überschüssen werden nach Abzug der Verwaltungskosten (soweit fiktiv: 2 v. H.) vorrangig die sozialen Komponenten und dann Bonuspunkte finanziert. 7

8 Soziale Komponenten sind: a) Zurechnungszeiten bei Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten b) Kindererziehungszeiten Berücksichtigung eines Beitrages von 20 Euro pro Monat pro Kind für die Dauer der gesetzlichen Erziehungszeit (ohne Beschäftigung). c) Übergangsregelung für alle Versicherten mit einer Mindestpflichtversicherungszeit von 20 Jahren die monatlich weniger als DM brutto verdienen. Ihre erworbenen Anwartschaften werden unter Berücksichtigung des Beschäftigungsquotienten festgestellt und ggf. auf mindestens 0,8 Versorgungspunkte (Einbeziehung des Beschäftigungsquotienten) für jedes volle Kalenderjahr der Pflichtversicherung angehoben. 2.3 Die als Anlage beigefügte Tabelle kommt zur Anwendung. Diese Tabelle basiert auf folgenden Parametern: Ein Zinssatz entsprechend 2 der Deckungsrückstellungsverordnung von derzeit 3,25 v. H. vor Eintritt des Versorgungsfalls wird zugrunde gelegt. Nach Eintritt des Versorgungsfalls gilt ein Zinssatz von 5,25 v. H. Bei Änderungen des Verordnungs-Zinssatzes gilt dieser bis zum Wirksamwerden einer entsprechenden tarifvertraglichen Anpassung fort. Die versicherungsmathematischen Berechnungen basieren auf den Richttafeln 1998 von Klaus Heubeck. 2.4 Die Versicherungsfälle entsprechen denen in der gesetzlichen Rentenversicherung (Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten, Hinterbliebenenrenten). Bei teilweiser Erwerbsminderung wird die Hälfte des Beitrages gezahlt, der bei voller Erwerbsminderung zustünde. Abschläge werden für jeden Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme der Rente (wie gesetzliche Rentenversicherung) in Höhe von 0,3 v. H. erhoben; höchstens jedoch insgesamt 10,8 v. H. 2.5 Bei Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten vor Vollendung des 60. Lebensjahres werden Versorgungspunkte hinzugerechnet. Für ein Referenzentgelt wird für jedes Kalenderjahr vor Vollendung des 60. Lebensjahres je ein Versorgungspunkt hinzugerechnet. 2.6 Von den Verpflichtungen zur Beitragszahlung in der Textziffer 2.1 dieses Tarifvertrages kann bis zu einer Mindesthöhe von zwei v. H. für die Dauer von bis zu drei Jahren im Rahmen eines landesbezirklichen Tarifvertrages abgewichen werden, wenn sich der Betrieb in einer wirtschaftlichen Notlage befindet. Die Feststellung der wirtschaftlichen Notlage wird durch eine paritätisch besetzte Kommission der Tarifvertragsparteien getroffen. Die Regelung kann verlängert werden. 8

9 2.7 Entgelte aus Altersteilzeit werden in Höhe des vereinbarten Entgelts mindestens jedoch mit 90 % des vor Beginn der Altersteilzeit maßgebenden Wertes berücksichtigt (wie nach bisherigem Recht). Fälle des Vorruhestandes werden wie nach altem Recht behandelt. 3. Übergangsrecht 3.1 Die Höhe der laufenden Renten und der Ausgleichsbeträge wird zum festgestellt. 3.2 Die laufenden Renten werden als Besitzstandsrenten weitergezahlt. Die abbaubaren Ausgleichsbeträge werden in Höhe des Dynamisierungsgewinns abgebaut. 3.3 Die Besitzstandsrenten und die Neurenten werden beginnend mit dem Jahr 2002 jeweils zum eines Jahres bis 2007 mit 1 v. H. jährlich dynamisiert. 3.4 Die Anwartschaften der am schon und am noch pflichtversicherten Arbeitnehmer werden wie folgt berechnet: Es gelten die Berechnungsvorgaben des 18 Abs. 2 BetrAVG. Der danach festgestellte Betrag wird in Versorgungspunkte unter Berücksichtigung eines Zinssatzes von 3,25 umgerechnet und in das Punktemodell transferiert. Die transferierten Versorgungspunkte nehmen an der Dynamisierung nach Ziffer 2.2 teil Für Arbeitnehmer im Tarifgebiet West, die am das 55. Lebensjahr vollendet haben (rentennahe Jahrgänge), gilt folgende Besitzstandsregelung: Auf der Grundlage des am geltenden Rechts der Zusatzversorgung ist Ausgangswert für die Bemessung des in das Punktemodell zu transferierenden Betrages die individuell bestimmte Versorgungsrente im Alter von 63 (bei Behinderten Alter entsprechend gesetzlicher Rentenversicherung) unter Berücksichtigung der Mindestgesamtversorgung und des 44 a VBL-Satzung bzw. entsprechende Versorgungsregelung; die gesetzliche Rente ist nach persönlichen Daten anzurechnen; von diesem nach den Bemessungsgrößen per einmalig ermittelten Ausgangswert ist die aus dem Punktemodell noch zu erwerbende Betriebsrente abzuziehen; die Differenz ist die Besitzstandsrente; sie wird in Versorgungspunkte umgerechnet und in das Punktemodell transferiert Textziffer gilt entsprechend für solche Arbeitnehmer, die im Jahre 2001 das 55. Lebensjahr vollendet und vor Inkrafttreten des Tarifvertrages Altersteilzeit bzw. Vorruhestand vereinbart haben. 3.5 Die im bisherigen Versorgungssystem erworbenen Anwartschaften von Arbeitnehmern, die am nicht mehr pflichtversichert sind und die eine unverfallbare Anwartschaft haben, werden entsprechend der bisherigen Versicherungsberechnung festgestellt, transferiert und nicht dynamisiert. 9

10 4. Finanzierung 4.1 Jede Kasse regelt ihre Finanzierung selbst. Zusätzlicher Finanzbedarf über die tastsächliche Umlage des Jahres 2001 hinaus (Stichtag ) mindestens jedoch ab Umlagesatz von 4 v. H. wird durch steuerfreie, pauschale Sanierungsgelder gedeckt. Im Tarifgebiet West verbleibt es bei den von den Arbeitnehmern bei Zusatzversorgungskassen geleisteten Beiträgen. 4.2 Für die VBL-West gilt: Ab 2002 betragen die Belastungen der Arbeitgeber 8,45 v. H. Dies teilt sich auf in eine steuerpflichtige, mit 180 DM/Monat pauschal versteuerte Umlage vom 6,45 v. H. und steuerfreie pauschale Sanierungsgelder von 2,0 v. H., die zur Deckung eines Fehlbetrages im Zeitpunkt der Schließung dienen sollen. Ab 2002 beträgt der aus versteuerten Einkommen zu entrichtende Umlagebeitrag der Arbeitnehmer 1,41 v. H. 4.3 Die Verteilung der Sanierungsgelder auf Arbeitgeberseite bestimmt sich nach dem Verhältnis der Entgeltsumme aller Pflichtversicherten zuzüglich der neunfachen Rentensumme aller Renten zu den entsprechenden Werten, die einem Arbeitgeberverband bzw. bei Verbandsfreien, dem einzelnen Arbeitgebern zuzurechnen sind; ist ein verbandsfreier Arbeitgeber einer Gebietskörperschaft mittelbar oder haushaltsmäßig im wesentlichen zuzuordnen, wird dieser bei der Gebietskörperschaft einbezogen. Arbeitgebern, die seit dem 1. November 2001 durch Ausgliederung entstanden sind, sind zur Feststellung der Verteilung der Sanierungszuschüsse Renten in dem Verhältnis zuzurechnen, dass dem Verhältnis der Zahl der Pflichtversicherten des Ausgegliederten zu der Zahl der Pflichtversicherten des Ausgliedernden zum 1. November 2001 entspricht. 4.4 Bei abnehmendem Finanzierungsbedarf für die laufenden Ausgaben werden die übersteigenden Einnahmen getrennt und individualisierbar zum Aufbau einer Kapitaldeckung eingesetzt. 5. Die Tarifvertragsparteien gehen davon aus, dass mit diesem Tarifvertrag das Abwandern von Betrieben oder Betriebsteilen aus den Zusatzversorgungseinrichtungen des öffentlichen Dienstes verhindert wird. Währen der Laufzeit des Tarifvertrages überprüfen die Tarifvertragsparteien, ob es zu signifikanten Abwanderungen aus einzelnen Zusatzversorgungseinrichtungen gekommen ist. Sie beauftragen einen Gutachter, die Gründe für eventuelle Abwanderungen darzustellen. Dies gilt auch für den Tarifvertrag über sozialverträgliche Begleitmaßnahmen im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Bundeswehr. 6. Laufzeit des Tarifvertrages bis zum

11 Anlage 1 Berlin, den 08. November 2001 Juristische Zulässigkeit des rückwirkenden Systemwechsels zum Die Tarifvertragsparteien gehen davon aus, dass der rückwirkende Wechsel vom Gesamtversorgungssystem in ein.-modell zum verfassungsrechtlich zulässig ist. Dies gilt auch für den Transfer der am bestehenden Anwartschaften. Für das Jahr 2001 ist aus verwaltungstechnischen Gründen eine Einführungsphase für das neue System vorgesehen, in der sich Anwartschaften technisch weiterhin nach den Berechnungsmethoden des alten Systems fortentwickeln. Diese für die Betroffenen günstige Übergangsregelung liegt in der Normfestsetzungsbefugnis der Tarifvertragsparteien. Seit dem Ergebnis der Tarifrunde 2000 konnte niemand auf den Fortbestand des bisherigen Versorgungssystems vertrauen und deshalb davon ausgehen, dass dieses unverändert bestehen bleiben würde. Sollte ein Bundesgericht abschließend feststellen, dass Arbeitnehmern oder Versorgungsempfängern mit Vordienstzeiten (Beschäftigungen außerhalb des öffentlichen Dienste) im neuen System im Hinblick auf den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom (1 BvR 1136/96) höhere als die überführten Ansprüche zustehen, werden den Berechtigten diese Ansprüche auch dann rückwirkend erfüllt, wenn sie sie nicht vor der neuen Entscheidung geltend gemacht haben. 11

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