Starke Frauen Unternehmerinnen in Brandenburg. Seite 40. Das Brandenburger Wirtschaftsmagazin

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1 forum Das Brandenburger Wirtschaftsmagazin Organ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam Postvertriebsstück Entgelt bezahlt Erscheinungsweise monatlich ISSN Jahrgang Westbrandenburg IHK-Konjunkturumfrage: Frühlingsbrise in Westbrandenburg 6 Brandenburg ILA 2010: Stärkste Beteiligung in der 100-jährigen Geschichte 44 Ratgeber Einzelhandelserfassung in vier Regionen des Landes Brandenburg 56 Magazin Reise: Tunis bietet mehr als nur einen Tagesausflug 60 Forum Exklusiv Flotten- und Fuhrparkmanagement/Automobilhandel Aus- und Weiterbildung, Personalwesen und Fachkräfte Gesundheitsmanagement & Vorsorge/Kliniken in Brandenburg 29 Seite 40 Starke Frauen Unternehmerinnen in Brandenburg Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg Landesarbeitsgemeinschaft der

2 Ideen für mehr EnergieEffizienz Wir entdecken Jetzt günstigen Gewerbestrom sichern! EMB BIZZStrom mit Festpreisgarantie bis max Ihr Einsparpotential. Unsere Energie-Experten entdecken Einsparpotentiale und informieren zu innovativen Technologien. Nutzen Sie die Kompetenz eines erfahrenen Energiepartners. Wir beraten Sie und gehen mit Ihnen gerne auf die Suche nach effizienten Energielösungen in Ihrem Betrieb. Erdgas Strom BioErdgas EMB Energie Mark Brandenburg GmbH Kunden-Hotline: * *6 ct. je Einwahl aus dt. Festnetz, max. 42 ct./min. aus Mobilfunknetzen

3 Editorial Konjunktur-Sommer Frühlingsbrise in Westbrandenburg, Reise lust ungebrochen, Unterstützer für eine starke Region die Beiträge in der Sommer- Doppelausgabe von FORUM zeugen von der konjunkturellen Belebung nach nicht einfachen Monaten der Krise. Dazu kommen laut Statistik die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit Bestehen des Landes. Angesichts dieser Meldungen ist Optimismus erlaubt trotzdem gehört ein gesundes Maß an Vorsicht zu den unternehmerischen Tugenden. Nicht ohne Sorge verfolgen wir den Ausbildungs- und Fachkräftemarkt, der die demografische Situation widerspiegelt. Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass es mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger gibt, dass die Unternehmen quer durch alle Branchen nach qualifizierten Fachkräften suchen, und dass wir deshalb auch in der Nachbarschaft verstärkt Ausschau halten. Ob Berliner, Sachsen oder Polen im Land Brandenburg werden heute und künftig noch mehr Leute gesucht, die die Geschicke in der Wirtschaft in die Hand nehmen. Dabei geht es einerseits um den Erhalt bestehender Betriebe, die nicht selten auch wegen der Überalterung neue Ideen und Konzepte brauchen. Es sind aber auch die Neugründungen, auf deren Innovationen eine gesunde Wirtschaft angewiesen ist. Auch das heißt Nachhaltigkeit. Einen Klassiker für den Fortbestand mittelständischer Firmen lesen Sie auf der Seite 20 der Vater übergibt jetzt das Unternehmen an den Sohn. Bravo von der Frühlingsbrise in den Sommer Dr.-Ing. Victor Stimming, Präsident der IHK Potsdam Anzeige PRIVATPATIENT ZU TOP-KONDITIONEN 100 % Erstattung bei ärztlicher Behandlung 65 % Erstattung bei Zahnersatz Beitragsrückerstattung bis zu 4 Monatsbeiträge Beitragssparender Selbstbehalt u.v.m.! Fordern Sie Ihr Angebot an. Falk Kauffmann Servicebüro Tel.+Fax / Tel. 0171/ FRAU: 27 Jahre 220,79 EUR 37 Jahre 249,11 EUR 47 Jahre 295,08 EUR MANN: 27 Jahre 161,10 EUR 37 Jahre 197,19 EUR 47 Jahre 251,77 EUR forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010 3

4 INHALT 8 Reiselust ungebrochen Tourismus-Konjunktur: Tourismusbetriebe der Region schauen optimistisch in die Zukunft. Das ist das wichtigste Ergebnis der aktuellen Branchenumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam Frühlingsbrise in Westbrandenburg IHK-Konjunkturumfrage: Geschäftsklimaindex erreicht nach dem Hoch im Jahre 2007 jetzt mit 118,4 den zweithöchsten Wert/Deutliche Verbesserung von Geschäftslage und Exportsituation/Optimismus bei Personalplanern/Von allgemeiner Kreditklemme kann nicht gesprochen werden. Vierter Chefsesseltausch Die vierte Auflage des Projekts PerspektivWechsel, organisiert von den Brandenburger Industrie- und Handelskammern (IHKs) und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, ermöglichte Wissenschaftlern und Unternehmern, für einen Tag ihre Jobs zu tauschen und neue Blickwinkel zu erleben. Tipps & Termine Erscheinungstag: 12. Juli August 2010 MAZ-Veranstaltungsreihe Erfolgsforum: Martin Limbeck, Die DNA der Champions - Sieger werden nicht geboren, Sieger werden gemacht Buchung: Tel , 17. September 2010 Nexxt Night Infoabend zur Unternehmensnachfolge Info: IHK Potsdam, Barbara Nitsche, Tel September 2010 Tag des Dienstleisters Info: IHK Potsdam, Nadine Petras, Tel September 2010 Seminar zur Nachfolger-Qualifizierung und Unternehmenssicherung Info: IHK Potsdam, Andreas Lehmann, Tel /25. September 2010 Seminar zur Unternehmensnachfolge Info: IHK Potsdam, Andreas Lehmann, Tel September 2010 Technologieforum der Brandenburger IHKs: Werkstoffe der Zukunft Info: IHK Potsdam, Dr. Manfred Wäsche, Tel Westbrandenburg 6 IHK-Konjunkturumfrage: Frühlingsbrise in Westbrandenburg 8 Tourismus-Konjunktur: Reiselust ungebrochen 10 Unternehmenspreis der IHK Potsdam 11 Green Ventures: Florida s Heartland in Potsdam 12 Ehrenamt: Thorsten Ladwig lebt nach strengem Terminkalender 13 MAZ-Erfolgsforum: Dr. Lord Jack Nasher 14 Ferienzeit 2010: Was Unternehmer im Urlaub bevorzugen 16 Idee-Serie: Harald Rolle macht fürs Feiern mobil 18 Perspektivwechsel: Unternehmer tauschen die Chefsessel 20 Unternehmensnachfolge bei Prignitzer Brennstoffhändler 22 Börsen 23 MediaNet: Filmfest für neue Formate 24 Aus Städten & Kreisen 29 Forum Exklusiv Flotten- und Fuhrparkmanagement/Automobilhandel Aus- und Weiterbildung, Personalwesen und Fachkräfte Gesundheitsmanagement & Vorsorge/Kliniken in Brandenburg 4 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

5 ger-wirtschaftstag.de 40 Titelthema Ein Drittel aller brandenburgischen Firmen werden mittlerweile von einer oder mehreren Frauen geführt. Sie haben damit einen nicht unerheblichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg. ILA bleibt in Brandenburg TITELTHEMA 40 Erfolgreiche Unternehmerinnen Brandenburg 44 ILA 2010: Stärkste Beteiligung in der 100-jährigen Geschichte 46 Sachverständigentag: Immer noch Baumängel trotz Sachverstand 47 Stabil und innovativ: Business to dialog - b2d 48 Der Rote Hahn 2010: Messe INTERSCHUTZ in Leipzig 49 Offener Brief: Ladenöffnungszeiten in Brandenburg an Berlin angleichen Wir bitten um freundliche Kenntnisnahme der Beilagen, Teilbeilagen 50 Tiere, und Beihefter Trecker, in dieser Touristen: Ausgabe: EDDA Konzert und Theater Veranstaltungsges. mbh, Industrie- und Handelskammer Potsdam, AOK Brandenburg Die Gesundheitskasse 16. Brandenburger Landpartie 44 Aus Berlin Und BRÜSSEL 52 Nachhaltige Entwicklung braucht unternehmerisches Engagement RATGEBER 5 6 Handelsflächen: Einzelhandelserfassung in vier Regionen des Landes Brandenburg MAgazin 60 Reise: Tunis bietet mehr als nur einen Tagesausflug 62 Reise: Hamburg mehr als Hans Albers Heimat 65 Satire/Impressum 66 Rätsel Inhalt ILA 2010: Stärkste Beteiligung in der 100-jährigen Geschichte/1153 Aussteller aus 47 Ländern präsentierten Hochtechnologie/Zahlreiche Welt- und ILA-Premieren bei den etwa 300 Fluggeräten/Mehr als 100 begleitende Konferenzen und Workshops/ILA Space Pavillon zeigte Schlüsseltechnologien der Raumfahrt. Wir bitten um freundliche Kenntnisnahme der Teilbeilage Autohaus Babelsberg, VW Tradeport FIAT PROFESSIONAL IMPORTEUR NR. 1 Fiat DUCATO Fiat SCUDO Fiat DOBLÒ Fiat FIORINO forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

6 WestBRANDENBURG Frühlingsbrise in Westbrandenburg IHK-Konjunkturumfrage Geschäftsklimaindex erreicht nach dem Hoch im Jahre 2007 den zweithöchsten Wert 118,4/ Deutliche Verbesserung von Geschäftslage und Exportsituation/ Optimismus bei Personalplanern/Von allgemeiner Kreditklemme kann nicht gesprochen werden. Foto: fotolia Die Frühjahrsbelebung hat auch die Westbrandenburger Unternehmen erreicht. Das sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, Dr.-Ing. Victor Stimming, zur aktuellen Frühsommer-Konjunkturumfrage der Kammer. Herrschte im vergangenen Jahr angesichts der Wirtschaftskrise bei den Unternehmern noch eine gedrückte Stimmung, so dominiert nun wieder der Optimismus. In der jüngsten Umfrage beurteilten die befragten Unternehmen aus den Branchen Handel, Bau, Dienstleistungen und Industrie sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen deutlich positiver als noch zu Jahresbeginn, bestätigte der Präsident. Nach der krisenbedingten rasanten Talfahrt des Geschäftsklimaindex (GKI), Indexpunkte ,9 88, F 97 97,9 der im Frühsommer 2009 seinen tiefsten Stand mit 82,9 Punkten hatte, hat der GKI mittlerweile wieder fast das Niveau der konjunkturellen Hochphase des Jahres 2007 (122,2) erreicht und steht nun bei 118,4. Aktuelle Lage Konjunkturbarometer GKI* = 118,4 (104,3**) 92,9 96,4 99,4 88,5 81,7 104,7 98,9 93,9 100,2 87,3 93,5 88,9 86,5 88,4 82,9 78,2 73,5 H F 98 H F 99 H F 00 H F 01 H F 02 H F 03 H F 04 H F 05 H F 06 H F 07 H F 08 S 08 H F 09 S 09 H F 10 S GeschäftsklimaindexG 122,2 120,7 113,4 116,8 116,9 88,4 108,1 104,3 98,5 118,4 Grafik: ihk Potsdam Die Geschäftslage der Westbrandenburger Unternehmen hat sich deutlich verbessert: Die Zahl der Unternehmen, die von einer schlechten Lage berichten, hat sich auf 15,1 Prozent (Vorjahr: 30) erheblich reduziert. Bei einer branchenbezogenen Betrachtung fällt auf, dass die Dienstleistungsunternehmen mit 41,6 Prozent am stärksten von einer guten Geschäftslage berichten. Auch die sehr lange eher pessimistisch eingestellten Bauunternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels (35,4 %). Bei den Industrieunternehmen ist ebenfalls von einer Verbesserung der Lage zu sprechen: Es schätzen immerhin 30,3 Prozent der befragten Unternehmen die Lage als gut ein. Der bislang trotz der Krise als resistent eingestufte Handel bewertet seine aktuelle Lage immer noch positiv (15,9 %). Jedoch ist die Zahl der Unternehmen, die nur eine befriedigende Einschätzung abgibt, auf 81,4 Prozent angestiegen. Erwartungen Die Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung haben einen enormen Schub erhalten: Nicht einmal ein Fünftel aller Unternehmen (18,3 %) blickt noch mit Skepsis in die Zukunft. Die Industrieunternehmen sind am optimistischsten gestimmt immerhin 54,5 Prozent von ihnen erwarten eine Verbesserung. Weitere 33,3 Prozent gehen von einer gleich bleibenden Lage aus. Der Optimismus ist auch bei den Dienstleistungsunternehmen ungebrochen: Insgesamt 31,1 Prozent der Unternehmen gehen von einer Besserung der Geschäftslage und 50,2 Prozent von einer gleich bleibenden Lage aus. Blickte der Handel in der Vergangenheit eher skeptisch in die Zukunft, so dominieren nun auch in dieser Branche 6 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

7 WestBRANDENBURG die Optimisten, denn 26,5 Prozent der Handelsunternehmen erwarten eine günstigere Geschäfts-entwicklung und fast die Hälfte (45,1 %) erwarten keine Veränderung. Lediglich im Baubereich sind die Erwartungen noch gebremst. Zwar haben sich auch hier die Erwartungen in eine positive Richtung bewegt (immerhin 10,4 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung und 65,6 Prozent eine Beibehaltung des Status quo), jedoch ist der Anteil mit 24,0 Prozent der befragten Unternehmen, die negative Zukunftserwartungen haben, noch sehr hoch. Export Die aktuelle Exportsituation hat sich bei den produzierenden Unternehmen deutlich verbessert und ist ungefähr wieder auf dem Niveau des Frühjahres 2008 angelangt. Seit Jahresanfang verbuchten die märkischen Industriebetriebe 27,3 Prozent mehr Aufträge als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei stieg die Inlandsnachfrage um 32,9 Prozent, das Fast ein Drittel der Industrieunternehmen plant Einstellungen. René Kohl, IHK-Hauptgeschäftsführer Auslandsgeschäft um 14,3 Prozent. Im März übertrafen die Bestellungen den Vorjahreswert um 38,4 Prozent. Zu den Wirtschaftszweigen der Brandenburger Industrie, die im ersten Quartal 2010 eine besonders gute Auftragslage aufwiesen, gehören die Metallerzeugungund -bearbeitung, der Fahrzeugbau und die Pharmaindustrie sowie die Hersteller von Datenverarbeitungstechnik, elektronischen und optischen Erzeugnissen. Immerhin berichtet die Hälfte der befragten Unternehmen von gestiegenen (9,4 %) bzw. unveränderten (40,3 %) Exporten. Auch die Erwartungen an die zukünftige Exportsituation haben sich verbessert: Immerhin 60 Prozent der Industrieunternehmen gehen von höheren bzw. gleich bleibenden Exporten aus. Investitionen Die Investitionsbereitschaft hat sich spürbar erhöht: Vom Anstieg sprechen 20,8 Prozent und von unveränderten Investitionen 48,1 Prozent der Unternehmen. Nur F 97 H F 98 H F 99 H F 00 H F 01 H F 02 H F 03 H F 04 H F 05 H F 06 H F 07 H F 08 S 08 H F 09 S 09 H F 10 S noch knapp ein Drittel der Unternehmen geht von fallenden Investitionen aus bzw. hat keine Investitionspläne. Dabei sind die Investitionsabsichten der produzierenden Unternehmen am umfangreichsten: Von diesen rechnen immerhin 32,3 Prozent mit steigenden und weitere 40,7 Prozent mit unverändert hohen Investitionen. Dabei ist das Hauptmotiv für die geplanten Investitionen der Ersatzbedarf in ausnahmslos allen Branchen. Die Motive Rationalisierung und Produktinnovation sind für die Handels- und Dienstleistungsunternehmen ausschlaggebend, während bei den produzierenden Unternehmen die Kapazitätsausweitung im Fokus steht. Personalplanung Wirtschaftslage und Erwartungen (Saldo aus pos. und negat. Antworten) ,1 34,7 29, ,9 29, , , ,5 8,1 10 8,3 9,5 5,5 10 8,2 17,6 5 1,8 3, ,8 4,6-6 -3,8-0, ,4-0,4-6 1,5 0, ,3-8,3-5 -2,5-10,7-11,4-10,1 3, ,1-3,5 15,7-6, ,8-13,2-10,3-7,3-7,4-6,4-6,4-14,3-11,3-7,5-7,6-6, ,4 25, , , , ,8-26,2-27,3-28, Saldopunkte Erwartungen Wirtschaftslage Auch bei den Personalplanungen herrscht Optimismus: Die Zahl der Unternehmen, die von zunehmenden (22,4 %) bzw. gleich bleibenden (63,1 %) Mitarbeiterzahlen ausgeht, hat sich erhöht. Nur noch 14,5 Prozent der Unternehmen rechnen mit sinkenden Beschäftigtenzahlen. Die positivste Veränderung beinhalten die Pläne der Industrieunternehmen, von denen 32,3 Prozent mit zunehmenden und 55,2 Prozent mit gleich bleibenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Auch bei den Bauunternehmen und beim Handel sind die Planungen eher positiv: Bei den Bauunternehmen wird zwar keine Zunahme der Mitarbeiterzahlen angenommen, allerdings gehen immerhin 92,5 Prozent von konstanten Beschäftigtenzahlen aus. Bei den Handelsunternehmen sieht die Einschätzung ähnlich aus: Hier rechnen 2,7 Prozent mit einem Anstieg der Belegschaft und weitere 87,6 Prozent gehen von einem unveränderten Status quo aus. Lediglich die Dienstleistungsunternehmen erwarten fast ein Fünftel (18,7 %) sinkende Beschäftigtenzahlen. Finanzierungskonditionen Die Zahl der Unternehmen, die von verbesserten Kreditkonditionen spricht, hat sich im Vergleich zu Jahresbeginn von 7,2 Prozent auf nunmehr 5,3 Prozent reduziert. In unserer Umfrage berichten 18,3 Prozent der Unternehmen von verschlechterten Kreditkonditionen zu Jahresbeginn äußerten sich noch 24,6 Prozent der Unternehmen in dieser Weise. Die Zahl der Unternehmen, die von abgelehnten Krediten berichtet, ist mit 3,5 Prozent nahezu konstant geblieben (Jahresbeginn 3,3 %). Teilweise hohe Zinsbelastungen sowie die geforderten Sicherheiten belasten die Unternehmen. Weitere Hauptprobleme für die Unternehmen sind die Investitions- und Betriebsmittelfinanzierungen. Der Anteil der Unternehmen, die von abgelehnten Krediten oder verschlechterten Finanzierungsbedingungen berichten, ist von 28,1 Prozent zu Jahresbeginn auf nun 21,8 Prozent zurückgegangen. Insgesamt kann nicht von einer allgemeinen Kreditklemme in Brandenburg gesprochen werden. Da jedoch die Kreditnachfrage normalerweise der konjunkturellen Entwicklung nachläuft, wird voraussichtlich erst Ende dieses Jahres eine Einschätzung möglich sein. Im Zuge der absehbaren weiteren Konjunkturbelebung werden voraussichtlich deutlich mehr Unternehmen Kredite nachfragen. FORUM/ChH/DG SaldopunktWirtschatslage Grafik: ihk Potsdam forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010 7

8 WestBRANDENBURG Reiselust ungebrochen TOURISMUS-KONJUNKTUR Tourismusbetriebe der Region schauen optimistisch in die Zukunft. Das ist das wichtigste Ergebnis der aktuellen Branchenumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. 31,7 47,0 21,3 Die Tourismuswirtschaft erweist sich weiterhin als stabiler Wirtschaftsfaktor. Das sagte René Kohl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, zu den Ergebnissen der aktuellen Tourismus- Saisonumfrage der Kammer, an der sich insgesamt 180 touristische Leistungsträger beteiligten. Zwar zeigen sich auch hier infolge der globalen Krise bestimmte Trends wie kurzfristiges Buchungsverhalten, kürzere Aufenthalte und zunehmende Preissensibilität. Die Reiselust aber ist ungebrochen. Nach der bereits zufriedenstellenden Bilanz der Wintersaison im vergangenen Jahr habe Erwartete Geschäftslage im Gastgewerbe 28,8 50,8 20,4 Frühjahr 2005 Frühjahr 2006 Frühjahr 2007 Frühjahr 2008 Frühjahr 2009 Frühjahr 2010 günstiger 45,3 43,8 10,9 gleich 27,4 48,7 23,9 ungünstiger 18,6 49,2 32,1 40,0 39,3 20,7 sich dieser Trend auch 2009/2010 fortgesetzt, so der Hauptgeschäftsführer. Die Branche hat ihre Lage weiter stabilisiert, so Kohl. Gewachsenes Selbstvertrauen schlage sich positiv in den Beurteilungen der Geschäftslage nieder. Diese schätzten 29 Prozent der Befragten als gut ein, weniger als ein Drittel der Befragten verzeichnen schlechtere Ergebnisse. Gastgewerbe: gestiegene Umsätze Wie im Vorjahr haben die Beherbergungsbetriebe, darunter die Hotellerie, die besten Ergebnisse verbucht. Rund 35 Prozent der Befragten bewerteten die Wintersaison als gut, zufrieden waren 42,1 Prozent der Befragten. Entgegen der Vorjahresentwicklung ist die Zimmerauslastung von 39,2 Prozent auf 33,6 Prozent gesunken. Der Umsatz mit allen Gästegruppen ist bei rund 33 Prozent der Befragten gestiegen, 30 Prozent konnten gleichbleibende Umsätze verbuchen. Vor dem Hintergrund des besonders heftigen Winterwetters im Januar und Februar mussten jedoch 37 Prozent der Befragten Einbußen hinnehmen. Der Sommer soll s richten Nach einer schneereichen und langen kalten Jahreszeit sind die Erwartungen an die Sommersaison hoch. Entgegen dem Vorjahr haben sich die Positivstimmen mehr 8 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

9 WESTBRANDENBURG Westbrandenburg erweist sich als erfolgreicher Gastgeber. Die Region lockt immer mehr Besucher mit ihrem reizvollen Mix aus Kultur und Geschichte sowie Naturgenuss pur wie beim Segeln auf den Havelgewässern. als verdoppelt. Weit über ein Drittel der Leistungsträger (40 Prozent) erwarten eine bessere Geschäftsentwicklung, 39 Prozent rechnen mit einer stabilen Geschäftslage. Damit starten fast 80 Prozent der Unternehmen optimistisch in die Sommersaison. Arbeitsmarkt und Investitionen Die Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahlen halten oder aufstocken: 9,5 Prozent planen Neueinstellungen. 85,5 Prozent der Unternehmen, also deutlich mehr als noch 2009, wollen ihre Belegschaft halten. Nur rund 5 Prozent der Befragten rechnen mit Kürzungen im Personalbereich. Rund 70 Prozent der Betriebe haben für die kommende Saison Investitionen vorgesehen, so viele wie zuletzt Ähnlich wie beim Fachpersonal haben die Unternehmen erkannt, dass Instandhaltung, kontinuierliche Modernisierung und Produktentwicklung neben gutem Service das Geschäft sichern. Qualifizierung, Service und Qualität Rund 58 Prozent der Unternehmen bieten Ausbildungsplätze an. Davon hatten rund 30 Prozent Probleme, diese zu besetzen. Lediglich acht Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass es im Ausbildungsjahr 2009/10 mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gab. Bei rund 21 Prozent der Befragten soll das Budget für Qualifizierungsmaßnahmen steigen, rund 42 Prozent wollen gleich viel investieren. Ein Drittel plant keine Weiterbildung ein. Immer mehr Betriebe erkennen, dass die Ausrichtung nach Service- und Qualitätsstandards ausschlaggebend für die Gästebindung ist. Mit den Qualitätsinitiativen Brandenburger Gastlichkeit und ServiceQualität Deutschland sind 72 bzw. 63,8 Prozent der Befragten vertraut. Reiseveranstalter, Reisebüros Die Geschäftslage der Reisebüros und Reiseveranstalter hat sich im Vergleich zur Vorjahressaison deutlich verbessert. 20 Prozent der Befragten schätzen die Situation als gut ein. Das sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Nachdem die Reisebüros im Vorjahr einen erheblichen Einbruch erlitten hatten, konnten 68 Prozent der Betriebe in der Wintersaison konstante Ergebnisse erzielen. FORUM/BN/mku Potsdamer Attraktion: die Langen Kerls F fotos: TMB (4), Andreas Klaer (1) Dok.-Nr Anzeige Hallen in Stahl W W W. INDUSTRIE- & STAHLBAU GmbH INT-BAU.DE Hallen-Sonderbau nach Maß + eigene Bausysteme Kompetente Beratung - hochwertige Ausführung Halle/S. - Dortmund - Berlin INT-BAU GmbH, Reichardtstraße 10, Halle/S. Tel , Fax , Bundesweit für Sie da: freecall Referenzen sprechen eine deutliche Sprache Das individuelle Bau-System für INDUSTRIE GEWERBE AUSSTELLUNG VERWALTUNG Wirtschaftlich für alle Branchen aus einer Hand. Wir beraten Sie gern persönlich: Dipl. Ing. Fr. Bartram GmbH & Co. KG Postfach Hohenwestedt Telefon / Fax MITGLIED GÜTEGEMEINSCHAFT BETON forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010 9

10 WestBRANDENBURG Starke Unterstützer für eine starke Region Unternehmenspreis Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) und Bürgschaftsbank Brandenburg fördern CAI den Unternehmenspreis der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam: Andreas Schulz vom Vorstand der MBS in Potsdam und Gabriele Köntopp, Geschäftsführerin der Bürgschaftsbank Brandenburg, zu ihrer Motivation. Sie unterstützen den Unternehmenspreis der IHK Potsdam bereits im zweiten Jahr. Was hat Sie dazu bewogen? Schulz: Besonderes Engagement und überragendes Unternehmertum verdienen ihre Unterstützung gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen. Erfolgreiche Unternehmen dienen als Leuchttürme einer wirtschaftlich gut aufgestellten Region und als Vorbilder für Existenzgründer. Daher möchten wir über diesen Wettbewerb gute Beispiele belohnen, die auf den Wirtschaftsraum ausstrahlen. Köntopp: Ich war wirklich beeindruckt von der Bandbreite an innovativen und sozialen Projekten im letzten Jahr. Diese Vielzahl der Bewerbungen hat uns in unserem gemeinsamen Ziel bestärkt, den unternehmerischen Einsatz in der Region bekannter zu machen. Wie können die Unternehmen durch ihre Teilnahme am Wettbewerb profitieren? Schulz: Mit ihrer Beteiligung steigern die Unternehmen ihr Ansehen und rücken ihre Leistungen in den Fokus einer intensiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei können die Teilnehmer ihre Stärken unter Beweis stellen und für sich werben. Köntopp: Nicht zuletzt können sich alle Teilnehmer in einer Broschüre präsentieren, die Nominierten werden in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt und die Sieger erhalten einen hochwertigen Imagefilm. Als Vertreter der Wirtschaft sind Sie Mitglied der Jury. Auf welche Kriterien achten Sie besonders? Schulz: Wir schauen uns die Angaben im Bewerbungsbogen genau an und achten auf eine solide Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung, gute und tragende Ideen, aber auch auf sozialen wie ökologischen Einsatz. Köntopp: Neben den harten Fakten geht es eben auch um wichtige weiche Faktoren wie Teamgeist, soziale Verantwortung und Ideenreichtum. Sie sind entscheidend in ihrer Wirkung auf das betriebliche Image und die Kundenbindung. Der Faktor Nachhaltigkeit spielt dabei eine immer größere Rolle, der nun als eigene Kategorie entsprechend gewürdigt wird. Sie gelten als starke Partner für die Region. Wie unterstützen Sie die Unternehmen vor Ort? Schulz: Wir unterstützen Existenzgründer und Firmen mit Sofortkrediten und sorgen damit für den nötigen unternehmerischen Spielraum, um Investitionen umzusetzen. Dabei arbeiten wir eng mit der IHK als Ratgeber und der Bürgschaftsbank Brandenburg als Bürgschaftsgeber zusammen, um einen Full- Service anzubieten. Für die hohe Qualität Andreas Schulz, stellvertretendes Vorstandsmitglied der MBS in Potsdam F foto: privat Gabriele Köntopp, Geschäftsführerin der Bürgschaftsbank Brandenburg foto: privat unserer Dienstleistung erhielten wir unlängst im FocusMoney CityContest die Auszeichnung als beste Bank in Potsdam und erzielten gerade in der Kategorie Kundenorientierung Spitzenwerte. Köntopp: Wichtig ist ein schneller und unbürokratischer Ablauf, um den Liquiditätsbedarf gerade von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu decken. Wir helfen bei der Stärkung der Kapitalbasis, damit sinnvolle Vorhaben nicht an fehlenden Sicherheiten scheitern. Dafür haben wir die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft gegründet und mehrere Programme aufgelegt, die den spezifischen Bedürfnissen von Unternehmern gerecht werden. Näheres erfahren die Interessenten z. B. bei unseren Beratertagen. Es fragte Michael Kunczak. i Bewerbung für CAI Unternehmenspreis der IHK Potsdam Bewerbungsfrist: 30. Juli 2010 Bewerbungskategorien: Wachstum, Innovation, Gesellschaftliches Engagement, Nachhaltigkeit Bewerbungsunterlagen: Preisverleihung: 27. Oktober 2010 in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, Breite Straße 2 a - c, Potsdam Kontakt: ariadne an der spree, Thomas Beck, Tel , Fax , 10 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

11 WestBRANDENBURG Florida s Heartland in Potsdam Green Ventures Amerikanische Unternehmen diskutierten am Templiner See Umweltfragen und knüpften Geschäftskontakte auf den 13. Green Ventures. Potsdam. O ja, das oil spilling, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, habe das beginnende Umdenken vieler Amerikaner in Sachen Nachhaltigkeit und alternativer Energien befördert auf eine sehr schmerzvolle Weise. Das sagt Lynn Topel, Executive Director von Florida s Heartland, Inc., einer regionalen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft im Südosten der USA. Nicht nur deshalb wachse das Interesse an Kooperationen und Geschäftskontakten mit Unternehmen der Grünen Branche in Europa die Green Ventures seien da eine überaus wichtige Adresse. Die USA waren Partnerland des diesjährigen internationalen Unternehmertreffens für Energie- und Umwelttechnik, Deutschlands größter Kooperationsbörse der Branche, die vom 16. bis 18. Juni in Potsdam stattfand. Vertreter von über 250 Unternehmen aus 40 Ländern diskutierten im Potsdamer Seminaris Seehotel Umweltfragen und knüpften Geschäftskontakte. Fachleute aus Florida, South Carolina, Massachusetts sowie von der Deutsch- Amerikanischen Handelskammer in Atlanta/Georgia nutzten die Plattform, um mit den Europäern ins Gespräch zu kommen. Der Südosten der USA gehört zu den Blind Date : Die Green Ventures arrangieren internationale GeschäftskontakteF foto: andreas Klaer Regionen mit dem größten Wachstums potenzial, weiß Carsten Jacobi von der AHK in Atlanta. Eine Chance gerade auch für ostdeutsche Unternehmen, die sich hier neu entwickelnden Märkte zu erschließen, bestätigte Andreas Rödel, der Vorsitzende des Umweltausschusses der IHK Potsdam. FORUM/Michael Kunczak Auftragsvergabe bald online Potsdam. Öffentliche Aufträge sind nicht leicht zu erhalten. Die Vergabe erfolgt streng gemäß dem Regelwerk der Öffentlichen Auftragsvergabe. Darauf hat der Kommunale Immobilienservice (KIS) der Landeshauptstadt Potsdam hingewiesen. Der Weg zu einem positiv betroffenen Unternehmer führe somit nur über die korrekte Beteiligung am Vergabeverfahren. Eine Erleichterung bei dieser formalen Vorgehensweise ist die Präqualifikation des Unternehmens bei zugelassenen Zertifizierungsstellen. Die Eignung des Unternehmens wird dabei zentral geprüft und bei positiver Entscheidung für ein Jahr erteilt. Die umfangreiche Zusammenstellung und Prüfung der unternehmerischen Eignungsnachweise wird durch die Zertifizierung ersetzt. Das sagte Dr. Christiane Herberg von der IHK Potsdam. Vor allem bei Beschränkten Ausschreibungen und Freihändigen Vergaben werde auf so zertifizierte Unternehmen zurückgegriffen. Alle erforderlichen Informationen zum Vergabeverfahren sollen demnächst online auf einer Internetpräsenz des KIS abrufbar sein. Bis zu ihrer Fertigstellung können sich interessierte Unternehmen direkt an den KIS der Stadt Potsdam wenden. Tel Anzeige Am Berliner Ring 2, Werder / OT Derwitz, Tel: , Fax: Selbstständige/ Freiberufler Wollen Sie nicht auch, dass Ihre Krankenversicherung in Zukunft bezahlbar bleibt? Durch rechtzeitigen Eintritt in unsere preiswerten und leistungsstarken Tarife* bleibt ihre Krankenversicherung auch in Zukunft bezahlbar. Zum Beispiel: Alter Mann ab Frau ab 20 40,70 65, ,37 98, ,13 132, ,01 171,30 * Leistungen: 100 % amb., 100 % stat., 100 % Zahnbeh., 50 % - 90 % Zahnersatz, mit und ohne SB. Anfahrt: Folgen Sie der Ausschilderung an der BAB-Abfahrt Groß-Kreuz, ca. 1 km HAUSBESICHTIGUNG SAMSTAG UND SONNTAG VON 11 BIS 17 UHR Beitragsrückerstattung: bis zu 5 Monatsbeträgen. Fordern Sie ein Angebot an. Wir beraten Sie gerne. Victoria Versicherung Generalagentur Sven Ebeling Schwibbogen Seehausen Tel / Fax / Musterhaus Derwitz 90*95 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/

12 WestBRANDENBURG Extrem schnell und präzise vom Fließband In der FlammSyscomp GmbH in Hennigsdorf laufen die Stanzteile mit hoher Präzision vom Band und werden gleich von Sebastian Gala (r.) geprüft. Genauigkeit ist unverzichtbar für sein Unternehmen und das bei hohen Stückzahlen. Auch seine Arbeit in der Vollversammlung der IHK Potsdam nimmt Thorsten Ladwig sehr genau. Als Chef gleich mehrerer Betriebe der FLAMM-Gruppe lebt er nach strengem Terminkalender-Regime. Ein wenig stolz ist Thorsten Ladwig schon auf das Werk in Hennigsdorf. Unser Motor ist unsere Geisteshaltung - unsere Stärke deren Ausleben, sagt er. Denn mit der Fusion der Barthel Werkzeugbau GmbH, gegründet 1935 im Berliner Wedding, 1999 mit der FLAMM-Gruppe wurde zum einen das Produktionsprofil umgestellt und zum anderen war es viel zu eng in der historischen Hinterhof-Fabrik im Wedding, sagt er. Vor sechs Jahren wurde dann das neue Werk der FLAMMSYSCOMP GmbH & Co. KG auf dem alten Stahlwerksgelände in Hennigsdorf errichtet, 2005 lief die Produktion an. Im Werk Hennigsdorf sind derzeit 85 Mitarbeiter auf einer Produktionsfläche von insgesamt Quadratmetern beschäftigt. Bei der Standortsuche haben wir vor allem auch auf die Nahverkehrsanbindung für unsere Mitarbeiter geachtet. Für uns ist Berlin-Brandenburg längst ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Das sähe er bei seiner Arbeit in der IHK-Vollversammlung ähnlich. Was wir als Mittelständler alle brauchen, das sind Regionale Netzwerke, die geknüpft werden, sagt er. Auch dabei sei die IHK unverzichtbar, wie etwa bei den neuen Verflechtungen von Schule und Wirtschaft. Das ist ganz wichtig, sagt er Thorsten Ladwig ist seit 2000 Geschäftsführer der FlammSyscomp GmbH. und zeigt hinüber zum Eduard-Maurer- Oberstufenzentrum. Dort werden unsere künftigen Werkzeugbauer in der Theorie ausgebildet, und das habe er vor fünf Jahren noch gar Ehren nicht gewusst. Thorsten Ladwig kommt aus Stralsund, ist nach Abitur und Wehrdienst 1984 nach Potsdam-Babelsberg gezogen, um im GRW Teltow zu arbeiten und zugleich ein Fernstudium zum Dipl.-Ing. für Fertigungsprozesse 1988 zu absolvieren. Zwei Jahre später kam die Wendezeit, Ladwig versuchte sich zunächt als Selbstständiger, kam später dann zur Barthel Werkzeugbau GmbH und begleitete die Fusion mit der von Frieder Flamm 1982 in Aachen gegründeten Flamm-Gruppe. FLAMMSYSCOMP ist ein international agierender Systemlieferant der Automobil-, Hausgeräte- und Elektroindustrie. amt Das bedeute: Etwa 2000 Stanzartikel und abgeleiteten Baugruppen werden hier hergestellt. Bei den Stanzteilen geht um Stückzahlen bis in Millionenhöhe bei einer Genauigkeit im Mikrometerbereich, sagt er stolz. Dafür braucht man motivierte Mitarbeiter, und die haben wir, sagt er und verweist auf den niedrigen Krankenstand. FORUM/Winfried Gutzeit Auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Hennigsdorf ging 2005 das neue Werk in Betrieb. fotos: W. gutzeit 12 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

13 WestBRANDENBURG Der Mund lacht, die Augen nicht MAZ Erfolgsforum Wirtschaftspsychologe Jack Nasher zeigt, woran wir erkennen, dass unser Gegenüber nicht die Wahrheit sagt Potsdam. Wahrheit oder Lüge? In nur 53 Prozent der Fälle erkennt man, ob einem sein Gegenüber das Blaue vom Himmel verspricht. Da könnte man also genauso gut eine Münze werfen, sagt der Wirtschaftspsychologe Jack Nasher. Aber es geht auch anders. Mit den richtigen Techniken lasse sich die Trefferquote auf 90 bis 95 Prozent erhöhen. Kostproben dieser Techniken gab Nasher am 15. Juni im Haus der IHK Potsdam auf dem MAZ- Erfolgsforum Von den Besten profitieren. Lügen ist nämlich gar nicht so einfach. Der Lügner muss sich eine Geschichte zurechtlegen mit Details, die sich nicht widersprechen dürfen. Das erzeugt Stress. Der wiederum lässt sich erkennen. Überhaupt ist der Körper verräterisch. Im für Lügner typischen Zwang, ihr Verhalten zu kontrollieren, um nicht aufzufallen, werden sie steif und hölzern in der Bewegung. Auch das Gesicht sagt viel. Der Mund lacht, die Augen nicht? Vorsicht! Signale des Lügens können Nasher zufolge vor allem Frauen sehr gut erkennen. Doch sie verschenkten den Vorteil, weil sie weniger misstrauisch seien. Nasher war bei seinem Auftritt misstrauisch genug. Bei fünf Leuten hat er anhand von Sprache, Mimik und Gestik erkannt, ob sie lügen. Trefferquote 100 Prozent. Beim nächsten MAZ- Erfolgsforum am 24. August wird es um die Gene der Gewinner gehen. FORUM/Ute Sommer Der Wirtschaftspsychologe und Jurist Dr. Lord Jack Nasher (l.) F foto: Michael Kunczak Anzeige

14 WestBRANDENBURG Ferienzeit 2010 Fotos: Fotolia Dr.-Ing. Victor Stimming Uwe Hacker Ulrich Floß Reservate für Flora und Die Ostseeküste von der Ja, immer wieder gern die Fauna auf den Kontinenten Lübecker bis zur Pommerschen Bucht, am liebsten Ostseeküste Bevorzugen Sie ein bestimmtes Urlaubsziel? der Erde: zur Anregung, dort zu unterstützen, die Artenvielfalt den folgenden Generationen zu erhalten den Nordosten von Rügen. Dort ist wirklich noch Natur pur zu finden. Verbringen Sie Ihren Erholungsurlaub lieber im Sommer oder lieber im Winter? Wäre ein Urlaubsziel in Brandenburg eine Möglichkeit für Sie? Mögen Sie es im Urlaub eher ruhig oder lieben Sie die aktive Variante? Was speziell würden Sie gern nachholen, wozu Sie das Jahr über nicht gekommen sind? Welches Buch empfehlen Sie für die Urlaubszeit? Unternehmensbedingt eher im Winter Warum nicht? Aber die Zeit ermöglicht dabei nur einen Kurzurlaub. Eine gute Mischung gefällt. Viele Orte müssen warten, bis ich beruflich weniger belastet bin. Beim Erschließen der Mark Brandenburg stets die Wanderungen Fontanes Gerne zu allen vier Jahreszeiten, jede hat ihren Reiz Das sind das Seengebiet um Rheinsberg mit der Ruppiner Schweiz und der Spreewald. Eher ganz in Ruhe auf der eigenen Scholle Alle digitalen Fotos der letzten Monate aufarbeiten und dauerhaft archivieren Prof. Dr. Lothar J. Seiwert: Wenn du es eilig hast, gehe langsam Am liebsten im Sommer Ja, zurzeit aber nur als verlängertes Wochenende in einem Wellnesshotel Auf jeden Fall bevorzuge ich die aktive Variante. Einmal den Jakobsweg gehen Der Schwarm von Frank Schätzing Anzeige VWA Weiterbildung über Betriebswirt zum Bachelor of Business Administration Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademien (VWA) bieten in fast ganz Deutschland Weiterbildung für Berufstätige in der Privatwirtschaft und öffentlichen Verwaltung auf Universitätsniveau. An den Akademien studieren bundesweit über Berufstätige, darunter über 600 an den vier Studienorten der VWA Potsdam Potsdam, Brandenburg, Neuruppin und Wittenberge. Die VWA Potsdam kann inzwischen auf 17 erfolgreiche Jahre zurückblicken und wird den 35. Studiengang in Potsdam am 4. Oktober 2009 beginnen. Durch die demografische Entwicklung wird ein Abschluss an der VWA immer interessanter, denn vielerorts wird jetzt schon Berufsnachwuchs rar. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Viele Unternehmen sind sehr an der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter interessiert, fördern die Mitarbeiter entsprechend. Die VWA bietet somit Berufstätigen in der Region die Möglichkeit, ein wirtschafts- oder verwaltungswissenschaftliches Studium neben ihrer Berufstätigkeit zu absolvieren. Das ist auch ohne Hochschulzugangsberechtigung möglich, weil Berufsausbildung und erfahrung genauso viel wie das Abitur zählen beginnen an der Akademie neue Studiengänge in Potsdam, Brandenburg und Wittenberge. Nach 6 Semestern führt das VWA-Studium zum Abschluss Betriebswirt/in (VWA), Betriebswirt/in (VWA) mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmanagement sowie zum Verwaltungs-Diplom Verwaltungs-Betriebswirt/ in (VWA). Das VWA-Studium qualifiziert für leitende Funktionen bis hin zur Geschäftsführung, das Studium jetzt ist ein wichtiger Schritt für weitere Karriere. Die Lehrveranstaltungen finden in Potsdam überwiegend abends von 18 bis Uhr statt. Die Studiengebühren betragen monatlich je nach Fachrichtung zwischen 65 und 80. Weitere Infos unter:tel.: , sowie im Internet unter Absolventen der VWA haben weiterhin die Möglichkeit in nur zwei bis 4 zusätzlichen Semestern staatlich und international anerkannte Hochschulabschlüsse Bachelor of Business Administration bzw. Diplom-Betriebswirt (FH) zu erwerben. 14 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

15 Bert Krsynowski Ingo Waffler Sylvia Weise Regina Wiesatzki Kein bestimmtes Ziel, so viel wie möglich kennenlernen einmal Inland und dann wieder Ausland Jedes Jahr mindestens eine Woche im Winter und zwei Wochen im Sommer Brandenburg ist o. k., öfter Kurztripps in die Regionen Im Winter überwiegend Ski-Abfahrt und im Sommer unterschiedlich Eine Fahrt nach Syrien von Aleppo über Homs nach Damaskus Asha Sohn von Malta von David Ball Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Eher im Sommer Das wäre vor allem Rheinsberg. Eigentlich von beidem etwas Endlich ein paar Bücher lesen Es sollte spannende und lustige Lektüre sein. Nein, wenngleich wir gern in der Mittelmeerregion Urlaub machen diesmal für zehn Tage Ibiza Wir machen lieber im Sommer Urlaub, im Winter nur selten ein paar Tage. In Brandenburg sind wir mehrmals 2-3 Tage lang in Wellnesshotels gewesen. Ich mag den ruhigen Urlaub, aber gern mit Besichtigung und Besuch bekannter Orte Ich nehme viele Bücher mit, schreibe gern Karten an Freunde und Bekannte und genieße die schöne Zeit. Eckhard von Hirschhausen oder Karen Slaughter Nein, nicht wirklich Eindeutig im Winter! Im Sommer haben wir es zu Hause sehr schön. In diesem Jahr hoffentlich Zislow am Plauer See dicht hinter der Landesgrenze Ruhig heißt trotzdem nichts verpassen, alles ansehen und das möglichst ohne Auto Freunde in der Ferne besuchen, das ist schon ewig versprochen und immer verschoben worden Stieg Larsson: Verblendung, Verdammnis, Vergebung Anzeige M+N Anzeige_90x128_rz :28 Uhr Seite 1 Kreativität und Leistung müssen geschützt werden. IDEEN & TECHNIK IN SCHAUMSTOFF UND KARTONAGE Technische Schaumteile Konstruktiv-Verpackungen Form und Stanzteile aus Kartonage und Schaumstoff ESD / EGB Schutz Beratung Entwicklung Fertigung Oltersdorf GmbH Werkstr. 10 Tel.: 03304/ Bötzow b. Berlin Fax: 03304/ Die persönliche Betreuung der Mandanten steht seit 30 Jahren im Mittelpunkt unseres strategischen Denkens und Handelns. MAIKOWSKI & NINNEMANN Patentanwälte European Patent and Trademark Attorneys Kurfürstendamm D Berlin Tel. +49/ Fax +49/ forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/

16 WestBRANDENBURG Ein Bus für jede Party Auf Achse Harald Rolle sieht Leute gern Spaß haben und macht fürs Feiern mobil. Seit gut einem Jahr rollt er mit seinem Partybus durchs Land und richtet Geburtstage, Firmenfeiern, Junggesellenabschiede, Vereinsfeten oder auch Polterabende aus. Harald Rolle hatte als Kfz-Mechaniker seinen Traumjob gefunden: englische Oldtimer reparieren in die Jahre gekommenen Edelmarken wie Rolls Royce, Jaguar und MG wieder aufpolieren. Ein Arbeitsunfall verbannte ihn jäh aus der Werkstatt in die Berufsunfähigkeit. Aber Nichtstun ist nun so gar nichts für den 49-Jährigen aus dem oberhavelländischen Leegebruch. Dafür bin ich viel zu agil, sagt er. Er erinnerte sich eines Urlaubserlebnisses auf einem Campingplatz: Dort logierte ein Bus umgerüstet zu einer Party-Location mit Musikanlage und Flaschenbier-Ausschank. Keine schlechte Sache, resümierte Harald Rolle und hegte fortan die eigene Mehr Idee von einem Partybus. Seit gut einem Jahr rollt das Gefährt vorrangig durchs Havelland, aber auch schon in Dresden sorgte der Bus für Aufsehen. Bei Firmenfeiern, Geschäftsjubiläen, Kundenfesten, Geburtstagen, Junggesellenparties, Polterabenden oder Vereinsfeten rangiert Rolle den Zwölf-Tonner vor die Festgesellschaft. Er hat eine Weile gesucht auf Auktionen und Verkehrshöfen, bei Busunternehmen bis er schließlich die passende Offerte fand: einen fahrtüchtigen Schulbus in Ostfriesland, Marke Mercedes Benz, Baujahr 1983, Baureihe 307, die dann auch gleich Namenspate für das serviceteam-307 stand. Es brauchte etwas Mut, Überedungskunst, um die Gattin zu überzeugen, Tüftlergeist und handwerkliches Harald Rolle Geschick, um aus dem Schulbus eine rollende Partystätte zu machen. Wie viel Stunden Harald Rolle mit seinen Freunden geschraubt und geschweißt hat, weiß er nicht genau. Mehrere hundert werden es gewesen sein. als eine Idee Neben dem Austausch von Verschleißteilen wie Reifen und Bremsen wurden ein neuer Fußboden, neue Sitze und ein Tresen aus Edelstahl eingebaut, Strom- und Wasseranschlüsse installiert. Ein Lkw-Spezialist half, das Gewicht von ursprünglich 16 auf 11,9 Tonnen zu reduzieren, um das Sonntagsfahrverbot zu umgehen. Denn Haupteinsatzzeit des Partybusses ist das Wochenende. Um erst gar kein Kopfschütteln bei der TÜV- Abnahme zu ernten, hat sich Harald Rolle bereits vor dem ersten Handgriff mit den Experten der DEKRA zusammengesetzt und geklärt, was machbar und erlaubt ist. Die Plakette bekam er ohne Probleme. Stolze Euro stecken in der Wandlung des Gefährts. Dass es letztlich eine lohnenswerte Idee ist, hat Harald Rolle bei seiner Berufsgenossenschaft reichlich Überzeugungsarbeit gekostet. Nach einigem Hin und Her hat diese schließlich ein Darlehen bewilligt zins- und tilgungsfrei, wenn das Geschäft fünf Jahre rollt. Daran hat Harald Rolle überhaupt keinen Zweifel. Die Idee ist toll und originell. Er sehe gern, wenn die Leute Spaß am Feiern haben. Seit seine Frau und er vor 17 Jahren beim örtlichen Karnevalsverein als Prinzenpaar regierten und das Festprogramm mit organisierten, ist Harald Rolle in Partylaune. Mit dem Umbau des Busses hat er sein Talent als Automechaniker genutzt, um schwungvoll seinen neu gegründeten Veranstaltungsservice zu starten. Befriedigt ist Rolles Unternehmergeist noch nicht. Erst vor kurzem eröffnete er im benachbarten Germendorf direkt an der Bundesstraße B 273 einen Imbiss. Naheliegend der Name: Haltestelle. FORUM/Peter Könnicke foto: privat Info: Harald Rolle, Wiesenweg 64, Leegebruch Tel. ( ) , 16 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

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18 WestBRANDENBURG Der andere Chefsessel Brückenschlag PerspektivWechsel Unternehmer und Wissenschaftler tauschen für einen Tag ihren Job, um die Tätigkeit des anderen kennenzulernen und besser zu verstehen. Oftmals entstehen aus diesem Tausch dauerhafte Kontakte und sogar gemeinsame Projekte von Firmen und Forschungseinrichtungen. Perspektivwechsel lohnt. Das sagt Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD). Sie selbst tauschte für einen Tag das Büro mit der Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), Dagmar Reim. Es war äußerst spannend, einmal das Innenleben des Senders, samt der Herausforderungen und Aufgaben, zu erleben, so Münch. Sie habe aber auch viele Ähnlichkeiten in Strukturen und Entscheidungen entdeckt. Weitere Tauschpartner des diesjährigen Perspektivwechsels waren die Geschäftsführerin der Märkischen Entsorgungsgesellschaft Brandenburg mbh, Heike Friedrichs, und Prof. Dr. Katarina Löwe von der Fachhochschule Brandenburg, dann der Geschäftsführer der Aibis Informationssysteme Potsdam GmbH, Jürgen Busacker, und Prof. Dr. Frank Bittmann von der Universität Potsdam sowie der Geschäftsführer der Potsdamer D-LABS GmbH, Jörn Hartwig, und Prof. Dr. Felix Sasaki von der Fachhochschule Potsdam. Der Chefsessel-Tausch ist eine Initiative der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg sowie des Wissenschaftsministeriums. Erstmals fand der Perspektivwechsel im Jahr 2007 statt. Seit dieser Zeit haben mehr als 60 Tauschpartner im Land einen ganz besonderen Einblick in völlig andere Berufe und Tätigkeiten bekommen. Ein intensiver Tag in einem ungewohnten Arbeitsfeld verändert nicht nur die Wahrnehmung auf das eigene Unternehmen oder die eigene Hochschule, sondern kann zu greifbaren gemeinsamen Projekten von Wissenschaft und Wirtschaft führen, resümiert IHK- Initiator Dr. Manfred Wäsche, Leiter des Fachbereichs Innovation und Umwelt bei der IHK Potsdam. FORUM/Ute Sommer Produktiver Regelverstoß Es beginnt mit einer harmlosen Frage: Herr Busacker, sind Sie Rechts- oder Linksfuß?, will Frank Bittmann, Professor an der Universität Potsdam, wissen. Jürgen Busacker, Geschäftsführer der Aibis Informationssysteme Potsdam GmbH, ist passionierter Fußballspieler mit einer rechten Klebe. Also wird sein rechtes Bein getestet mit einem an der Uni entwickelten Gerät. Es misst die Kraft der Muskulatur des Oberschenkels, und zwar in Aktion. Die Tauschpartner Bittmann und Busacker haben beim Perspektivwechsel einen neuen Weg eingeschlagen. Professor und Unternehmer verbringen den Tag gemeinsam. Auch Studenten und Aibis-Beschäftigte sind mit von der Partie, um Ideen für gemeinsame Projekte zu diskutieren. Treffpunkt der Runde: der Brandenburgische Verein für Gesundheitsförderung in Potsdam. Das ist eine Ausgründung der Uni Potsdam. An der Uni ausgebildete Sporttherapeuten können hier ihr Wissen in Sport- und Präventionskursen an den Mann bringen, diesmal auch im Yoga- oder Spinning- Kurs mit Beschäftigten von Aibis. Wir gehen einander entgegen, sagt Bittmann. Und Anknüpfungspunkte zum Unternehmen Aibis, das sich auf mobile Datenerfassung spezialisiert hat, sind schnell gefunden zum Beispiel durch einen ganz besonderen Stift, einen digitalen Stift, eben IT zum Anfassen, wie Geschäftsführer Busacker es sagt. Mit diesem Stift lassen sich handschriftliche Notizen machen, die aber gleichzeitig abgespeichert und an einen Computer übertragen werden können. Aibis vertreibt den Stift und erstellt die passende Softwarelösung. Wird also ein Formular per Hand ausgefüllt, müssen die Daten nicht mehr extra in den Computer getippt werden. Alle Informationen sind im Stift und zum Abruf bereit. Das könnte die Arbeit beim Ausfüllen und Auswerten von Messprotokollen erleichtern. Ich finde es immer gut etwas zu machen, was andere nicht haben, sagt Busacker. Das nächste Treffen und der weitere Austausch sind schon vereinbart. Jürgen Busacker, Geschäftsführer der Aibis Informationssysteme Potsdam GmbH fotos: Ute Sommer Prof. Dr. Fank Bittmann, Universität Potsdam, Abteilung Regulative Physiologie und Prävention 18 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

19 WestBRANDENBURG Lehrprogramm mit Unternehmer Nach getaner Arbeit haben sich die Perspektivwechsler noch zu einem kurzen Treffen verabredet. Wir kennen uns noch gar nicht, haben bisher nur miteinander telefoniert, erzählt Professor Felix Sasaki vom Fachbereich Informationswissenschaften an der Fachhochschule Potsdam. In seinem Chefbüro auf Zeit in der Potsdamer D-LABS GmbH, die Softwarekonzepte entwickelt, wartet Sasaki auf seinen Tauschpartner: D-LABS- Geschäftsführer Jörn Hartwig. Ob der Tag für Sasaki auch so interessant war wie für ihn, will Hartwig wissen. Der Unternehmer jedenfalls hat unter anderem drei Seminare hinter sich zum Thema Datenbank- und Webtechnologien. Und er war nicht etwa Zuhörer, sondern der Lehrende. Für mich war es ein traumhafter Tag, so Hartwig. Die Arbeit mit den Studenten. Sehen zu können, wie man sie aus der Reserve lockt und zur Mitarbeit bringt. Das sei spannend, meint Hartwig. Die Lehre sei für einen Professor an der Fachhochschule nun mal das Wichtigste, erklärt Sasaki. Ihm hat der Perspektivwechsel die ganz andere Art des Arbeitens in einem Unternehmen noch einmal deutlich gemacht, sagt Sasaki, der aus der Wirtschaft an die FH gegangen ist. An der Fachhochschule arbeite man normalerweise sehr viel Zeit allein. Bei D-LABS allerdings sei man viel mehr darauf angewiesen, im Team zu arbeiten. Die Potsdamer Firma hat sich darauf spezialisiert, Softwarelösungen den Wünschen der Anwender anzupassen und dabei immer noch ihre technische Machbarkeit und auch Bezahlbarkeit zu sichern. So arbeiten bei D-LABS Soziologen, Psychologen und auch Designer mit IT-Experten zusammen, um Softwarekonzepte zu erstellen. Hier sieht Hartwig Chancen zur Zusammenarbeit mit der Fachhochschule. Gemeinsame Projekte, Abschlussarbeiten von Studenten, ein Experten- Vortrag an der FH darüber, was alles möglich ist, wollen sich die beiden Tauschpartner noch einmal verständigen. Die ersten Kontakte sind geknüpft. Jörn Hartwig, Geschäftsführer der D-LABS GmbH in Potsdam F fotos: Ute Sommer Prof. Dr. Felix Sasaki von der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften Heike Friedrichs, Geschäftsführerin der Märkischen Entsorgungsgesellschaft Brandenburg mbh (MEBRA) Prof. Dr.-Ing. Katharina Löwe, Fachhochschule Brandenburg, Fachbereich Technik/Energie- und Umwelttechnik Der Reiz der Solarmodule Zwei Kannen Kräutertee das ist mein Pensum, erzählt Heike Friedrichs, Geschäftsführerin der Märkischen Entsorgungsgesellschaft Brandenburg mbh (ME- BRA). An diesem Tag wird die MEBRA- Chefin allerdings ihren Tee nicht im Büro trinken. Sie tauscht den Job für einen Tag mit Katharina Löwe, Professorin an der Fachhochschule Brandenburg im Fachbereich Technik. Und auch der Tee geht an die neue MEBRA-Chefin auf Zeit: Wenn Sie ihn trinken wollen, lädt Friedrichs ihre Vertretung ein. Dann macht sie sich auf den Weg in die Stadt Brandenburg. Auf dem Programm steht unter anderem eine Vorlesung für Maschinenbau- Studenten. Die Technik ist das eine die Wirtschaftlichkeit das andere, gibt die Betriebswirtin Friedrichs dem Nachwuchs auf den Weg. Vorhaben in der Wirtschaft müssten sich nun einmal rechnen. So könne bei der Gestaltung technologischer Prozesse das Einfachere mitunter das Bessere, weil Wirtschaftlichere sein. Beim Besuch der Labore der FH ist Friedrichs beeindruckt vom sehr hohen technischen Standard. Sie hofft, dass sich aus dem Perspektivwechsel weitere gemeinsame Projekte ergeben, zum Beispiel Re cycling von Solarmodulen. Die Module der Anfangszeit kommen so langsam in die Jahre. Friedrichs verweist auf Schätzungen, nach denen bis zu Tonnen Solarmodule pro Jahr in Deutschland entsorgt werden müssen. Tendenz steigend. Darin enthalten sind wichtige Rohstoffe. Auch die FH-Professorin Löwe weiß: Mit dem Recycling kann man Geld verdienen. Das Problem ist allerdings, dass die vielen Hersteller auch viele verschiedene Produktionsprozesse nutzen, nach denen sich dann auch das Recycling richten muss. Löwe sieht noch weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit so im Bereich der Wirtschaftsinformatik oder der Elektrotechnik. Dass sie durch den Perspektivwechsel die Umstände des Tauschpartners genauer kennengelernt hat, vereinfacht die weitere Arbeit massiv. Chancen zur Kooperation mit dem Entsorgungsunternehmen haben auch gleich ihre Studenten ausgelotet. forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/

20 WestBRANDENBURG Wenn Kurt Zander (r.) zum 2. Juli in den Ruhestand geht, wird Georg Zander ein gut vorbereitetes Unternehmen übernehmen.f fotos: Bihler Schuldenfrei und geordnet UnternehmensNACHFOLGE Der Prignitzer Brennstoff händler Kurt Zander übergibt jetzt im Juli seine Firma an seinen Sohn Georg. i Jacqueline Zander wird die Buchführung übernehmen. Seminar-Tipps 3. NEXXT-NIGHT - Info-Abend zur Unternehmensnachfolge 17. September 2010, 18 Uhr, Kongresshotel Potsdam am Templiner See Tagesseminar Nachfolger-Qualifizierung- Unternehmenssicherung 23. September 2010, IHK Potsdam Intensivseminar Unternehmer-Nachfolge 24./25. September 2010, IHK Potsdam FORUM/AL Infos: Beratungsstelle Unternehmensnachfolge, IHK Potsdam, Andreas Lehmann, Tel BRÜGGE. Wenn ich gewusst hätte, was da noch alles auf mich zukommt, ich hätte mir wohl mehrmals überlegt, ob ich mich selbstständig mache, sagt Kurz Zander. Vor zwanzig Jahren genau gründete er seinen Brennstoffhandel in Brügge, in der Nähe von Pritzwalk, Prignitz. Kohlen verkauft hat er damals. Die Umstrukturierung auf dem Energiemarkt nach dem Ende der DDR allerdings hat auch in seinem Unternehmen bereits in kurzer Zeit Konsequenzen gezeigt: Ein Tanklager für Heizöl musste ebenso gebaut werden, wie die große Halle für die Fahrzeuge. Zwanzig Jahre, nachdem er seine Firma sozusagen von Null auf Hundert gebracht hat, übergibt er sie an seinen Sohn, Georg Zander (32). Schuldenfrei. Und mit der Unterstützung des IHK-Projektes für Unternehmensnachfolge betriebswirtschaftlich und steuerlich wohlgeordnet. Eigentlich war es sein Steuerberater, der bereits den Anstoß gegeben hatte, dass sich Kurt Zander doch einmal überlegen sollte, wie es mit der Firma weiter gehen soll. Dass sie möglichst in der Familie bleiben sollte, war bereits von Anfang an Zanders erste Wahl und auch, dass es möglichst Georg sein sollte, der sie übernimmt, der ältere Bruder war längst im Baugeschäft. Georg ist bereits gut gerüstet mit Blick aufs Familienunternemen lernte er Heizungs- und Lüftungsbau und studierte anschließend Versorgungstechnik. An seinem Arbeitsplatz lernte er die Immobilienwirtin Jacqueline kennen. Kurt Zander schmunzelnd: Als klar war, dass die beiden heiraten wollen, habe ich sie natürlich ein wenig in die Prignitz gelockt und eine tolle Hochzeitsfeier ausgerichtet. Das erste Kind kündigte sich an und beschleunigte die Entscheidung: Wenn nicht jetzt, wann sonst sollten sie in die Prignitz zurückgehen? Kurt Zander baute eine Wohnung für die junge Familie aus, die zog aus Essen nach Brügge. Zuerst war ja nicht ganz klar, ob ich nicht doch noch teilweise in der Firma mithelfen sollte, hatte Zander lange gegrübelt. Dann entschied sich der 60-Jährige doch für einen echten Schnitt: Ich kann ja nicht hier im Laden stehen, und alle reden an meinem Sohn vorbei mit mir. Fünf Jahre lang hat die Vorbereitung für die Übergabe gedauert, zwei Jahre wurde intensiv gearbeitet. Der Prozess samt Wertermittlung und der Wahl der Kommanditgesellschaft als neue Unternehmensform wurde von der IHK-Beratungsstelle für Unternehmensnachfolge mit Beratungsleistungen begleitet, ohne die viele Probleme unbeachtet geblieben wären. Im Juli wird Kurt nun den Chefsessel an seinen Sohn übergeben. FORUM/cb 20 forum DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN 07-08/2010

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