Kauflächengestaltung mittels CAD/CAM Stand der Technologie

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1 Alessandro Devigus ZAHNERHALTUNG Kauflächengestaltung mittels CAD/CAM Stand der Technologie Indizes CAD/CAM-Systeme, Kauflächengestaltung, Software, Vollkeramik Zusammenfassung In den letzten Jahrzehnten haben sich die Methoden und Materialien zur Herstellung von Zahnersatz stark weiterentwickelt. Die exponentielle Leistungssteigerung der Computersysteme hat dazu geführt, dass digitale Kauflächen aus dem Computer heute in Praxis und Labor weitverbreitet sind. Die CAD-Programme für die Gestaltung der Morphologie von Rekonstruktionen konnten erheblich verbessert werden und bieten verschiedene Möglichkeiten der dreidimensionalen Visualisierung. Neben Okklusalflächen aus Zahnbibliotheken hat sich die biogenerische Berechnung der Zahnmorphologie als präzise und effizient erwiesen. Limitierende Faktoren bei der Umsetzung digitaler Daten in einsetzbare Versorgungen sind die Maschinen und Werkzeuge zur Bearbeitung der verschiedenen Materialien wie Keramik, Kunststoff oder Metall. Die vorwiegend abtragend arbeitenden Systeme werden in Zukunft durch additiv arbeitende ergänzt werden, was die Möglichkeiten von CAD/CAM-Systemen stark erweitern wird. Je nach den verwendeten Materialien führen z. B. bei Versorgungen aus Keramik tiefe Fissuren auf der Okklusalfläche zu einer unnötigen Schwächung der Struktur. Die aktuellen Systeme und die mit ihrer Hilfe hergestellten Okklusalflächen können als praxistauglich bewertet werden. Relativ hohe Investitionskosten und die mehrheitlich geschlossenen Systeme behindern aber zurzeit noch eine größere Verbreitung von CAD/CAM-Systemen in Praxis und Labor. Alessandro Devigus Dr. med. dent. Privatpraxis Gartematt 7 CH-8180 Bülach Einleitung Im Hinblick auf die Methoden und Materialien zur Herstellung von Zahnersatz ist in den letzten Jahrzehnten eine enorme Weiterentwicklung zu verzeichnen. Konventionelle Methoden in der Zahntechnik wie Guss-, Modellier- und Sinterverfahren bei der Verarbeitung von Metallen, Kunststoffen und Keramiken haben sich als Labortechnologien etabliert. Die Zusammenarbeit von Zahntechniker und Zahnarzt ermöglicht mit Hilfe dieser Verfahren die zuverlässige Herstellung von hochwertigem Zahnersatz. Allerdings bleibt die Arbeit im zahntechnischen Labor zeitintensiv und hängt von der Erfahrung sowie den Fähigkeiten der Zahntechniker Quintessenz 2012;63(2):

2 ab. Die gesteigerte Nachfrage von Seiten der Patienten nach ästhetischen Versorgungen hat zur Entwicklung hochfester keramischer Werkstoffe geführt 11. Da diese neuen Materialien, vor allem Zirkonoxid, sich mit klassischen Methoden nicht bearbeiten ließen, wurden in der Zahnmedizin CAD/CAM-Technologien zur Gestaltung und Verarbeitung eingeführt. Die Entwicklung dentaler CAD/CAM-Systeme begann aber schon in den 1980er Jahren durch Pioniere wie Duret 2, Rekow 12,13, Mörmann 9 und andere Forscher weltweit. Es dauerte jedoch sehr lange, bis sich dentale CAD/CAM-Systeme durchsetzen konnten. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: relativ hohe Kosten für die Anschaffung der Geräte; steile Lernkurve, bis eine Gleichstellung der CAD/ CAM-Fabrikation mit der konventionellen Herstellung gewährleistet ist (Aufwand an Zeit und Material); Präzision der Datenerfassung; Morphologie der Zähne und digitale Artikulation; digitale Verarbeitung und Fabrikation 8. Kauflächengestaltung Der Begriff Okklusion steht für jeglichen Kontakt zwischen den Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers. Ein Okklusionskonzept ist eine auf Nachdenken, Analysieren und gewonnene Erfahrung basierende (Ideal-) Vorstellung davon, wann und wie Zähne miteinander in Kontakt treten oder Kontakte aufgehoben werden sollten. Die mechanische Sichtweise der Kontaktbeziehungen zwischen den Zahnbögen war die Grundlage des ersten okklusalen Konzeptes der Tripodisierung. Die Okklusion wurde damals noch als die mechanisch stabilisierende Konstante der Zähne im Zahnbogen und zur präzisen Referenz bzw. Gleitfläche der Kaubewegungen angesehen. Man unterscheidet drei Okklusionskonzepte für die dynamische Okklusion: die bilateral balancierte Okklusion, die unilateral balancierte Okklusion und die Front- bzw. Front-Eckzahnführung. Außerdem gibt es ebenfalls drei Konzepte für die Stellung des Unterkiefers in Schlussbissstellung, also in statischer Okklusion: point centric, long centric und freedom in centric 3. In den 1980er Jahren wurde es ruhiger um die wissenschaftlichen Bemühungen zur statischen und dynamischen Okklusion. Erst Ende der 1990er Jahre zeigte die Forschung neues Interesse am Thema der Gnathologie, was durch die weiterentwickelten technischen Möglichkeiten der computergestützten Systeme zu erklären ist. Die Gestaltung von Kauflächen am Computer folgt den oben beschriebenen Prinzipien der Okklusion, wie sie aus der Prothetik bekannt sind. Vor allem Konzepte aus der Totalprothetik wurden und werden bis heute bei der Umsetzung der Zahnformen am Computer von vielen Herstellern verwendet. Wie weiter unten in diesem Beitrag beschrieben, lassen sich mit modernen CAD/CAM-Systemen eine Vielzahl von Materialien verarbeiten. Die Wahl des Materials und die Art der Versorgung haben auch einen Einfluss auf das gewählte Okklusionskonzept. Metalle sind hierbei relativ unkritisch und auch in geringen Schichtstärken feste Materialien, die in jede Form gebracht und jedem Okklusionskonzept angepasst werden können. Der große Nachteil liegt in der geringen Akzeptanz bei den Patienten, die zahnfarbene Versorgungen vorziehen. Keramiken, die heute bei indirekten Restaurationen vermehrt eingesetzt werden, müssen nach Angaben der Hersteller minimale und möglichst homogene Schichtstärken aufweisen. Das führt dazu, dass bei der Gestaltung von Okklusionsflächen in Keramik auf tiefe Fissuren verzichtet werden sollte, um das Material nicht unnötig zu schwächen. Keramiken sind auch anfälliger für Probleme, wie sie bei Über- oder Fehlbelastungen (Parafunktionen, Vorkontakte) entstehen. Viele Autoren postulieren deshalb eine Gruppenführung bei umfangreichen Versorgungen aus Keramik, um die Kräfte besser zu verteilen. Diese Problematik hat sich besonders bei Versorgungen auf der Basis von Zirkonoxidgerüsten gezeigt, wo vermehrt Abplatzungen der Verblendkeramik beobachtet wurden. Letztere sind aber nicht nur auf Fehlbelastungen zurückzuführen, sondern auch durch falsch gestaltete Gerüste bedingt, bei denen die Verblendkeramik nicht korrekt unterstützt war. Komposite werden in der Praxis vor allem als direktes Füllungsmaterial für kleine bis mittlere Versorgun- 162 Quintessenz 2012;63(2):

3 gen eingesetzt, sind elastischer als Keramiken und können deshalb auch in dünneren Schichtstärken verarbeitet werden, was eine feinere anatomische Gestaltung ermöglicht. Bei indirekten Versorgungen werden Komposite wegen ihrer Stoßdämpferwirkung vermehrt auf Implantaten verwendet und beim Aufbau von Abrasionsgebissen als diagnostische Langzeitprovisorien eingesetzt, die sich leicht an die individuelle okklusale Situation anpassen lassen. CAD/CAM-Software Die Entwicklung der CAD/CAM-Systeme beinhaltet drei Eckpfeiler: Erfassung der Daten, Verarbeitung der Daten und Fabrikation. Die exponentielle Leistungsentwicklung der Computersysteme hat zu großen Fortschritten in allen diesen Bereichen geführt. Dabei ist es zu einer Verlagerung von konventionellen Wachsmodellationen hin zu einer virtuellen CAD-Rekonstruktion von Zahnoberflächen gekommen. Die Idee dahinter besteht darin, sowohl Zeit als auch Kosten einzusparen und gleichzeitig ein hohes Qualitätsniveau zu sichern. Hierbei gelangen verschiedene Ansätze zur Anwendung. Man kann von erfahrenen Zahntechnikern Standardzähne nach Aufwachstechniken 1,5 modellieren lassen, Abformungen natürlicher Zähne einscannen und als Datensatz zur Verfügung stellen oder die CAD-Rekonstruktion mit virtuellen Wachsmessern und Software- Werkzeugen durchführen. Aufwachsregeln und auch morphologische Analysen sind im Wesentlichen rein deskriptiver Natur und enthalten nur wenig metrische Anhaltspunkte. Dieser Ansatz erfordert oft umständliche Anpassungen, die an einem 2-D-Bildschirm nicht einfach interpretierbar sind. Die Gestaltung der Kaufläche ist aber in der restaurativen Zahnheilkunde aus funktionellen und mastikatorischen Gesichtspunkten ein wichtiges Element. Die Okklusalfläche sollte einer natürlichen Zahnform mit Höckern und Fissuren entsprechen, die sich auch an der Form der Nachbarzähne und der Antagonisten orientiert. Die Konzepte der Gestaltung korrespondieren mit den in der jeweiligen Zeit aktuellen Vorstellungen über die Funktionsweise einer Kaufläche 4. Bei den laborbasierten CAD/CAM-Systemen werden häufig maschinell Gerüste hergestellt, die der Zahntechniker anschließend von Hand auf konventionelle Weise mit Keramik oder Komposit verblendet. Dass konventionell gefertigte Kauflächen gut gelingen, liegt daran, dass neben den gelernten Regeln der Aufwachs technik vor allem die Erfahrung oft darüber entscheidet, welche Zahnoberfläche am besten in die jeweilige klinische Situation mit Nachbarzähnen und Antagonisten passt. Für einen automatisierten Rekonstruktionsprozess reichen die Aufwachsregeln alleine wahrschein lich nicht aus. Es müssen zusätzliche Informationen aus der vorhandenen klinischen Situation berücksichtigt werden, um eine zur restlichen Morphologie passende Zahnoberfläche zu erreichen. Diesen Ansatz hat die Gruppe um Prof. Albert Mehl als biogenerisches Zahn modell in verschiedenen Publikationen dargestellt 6,7,14. Das biogenerische Zahnmodell kann einen bestimmten Zahntypus anhand weniger Parameter mathematisch beschreiben. Ausgangspunkt ist eine Bibliothek mit dreidimensional vermessenen karies- und abrasionsfreien Zähnen (300 bis 400 Zahnoberflächen pro Zahntyp). Die Erstellung des biogenerischen Zahnmodells erfolgt zuerst über die Berechnung eines Durchschnitts zahnes (Abb. 1). Die Abbildungen 2 bis 5 zeigen Beispiele von Okklu salflächen aus den Programmen aktueller CAD-Software- Anbieter. Die Liste ließe sich beliebig verlängern, und die Auswahl der Beispiele soll keine Bewertung der einzelnen Systeme darstellen. Welches Produkt eingesetzt wird, hängt von persönlichen Präferenzen und dem gewählten CAD/CAM-System ab. Die Okklusalflächen sind meist aus Zahnbibliotheken entnommen, die Kopien von natürlichen oder aus Wachs modellierten Zähnen als Grundlage enthalten. Die Detailtreue ist bei allen aktuellen Anbietern von sehr hoher Qualität. Kritisiert werden muss zurzeit noch die mangelnde Kompatibilität. Es gibt aber Bestrebungen, den Informationsaustausch zwischen den Herstellern von CAD/ CAM-Systemen offener zu gestalten. Damit könnten die Erfassung, die Verarbeitung und die Produktion in Zukunft mit der an persönliche Bedürfnisse optimal angepassten Kombination erfolgen, was die Kosten verringern und die Effizienz steigern würde. Quintessenz 2012;63(2):

4 Abb. 1 Beispiele für die biogenerische Berechnung von Zahnoberflächen (aus: Richter und Mehl 14 ) Fertigungstechniken Heute kommt bei der Mehrheit der CAD/CAM-Systeme eine subtraktive Fertigungstechnik zum Einsatz 17. Das bedeutet, dass mit numerisch gesteuerten Maschinen die gewünschte Geometrie des Werkstückes mit Hilfe von scharfen Bohrern, Fräsen, Schleifscheiben und Sägeblättern aus einem großen Block aus Metall, Kunststoff, Wachs oder Keramik herausgeschnitten bzw. formgeschliffen wird. Diese Methode ist aber auch mit einer gewissen Materialverschwendung verbunden, was je nach verwendetem Werkstoff unnötige Kosten verursacht und den Prozess verlangsamen kann. Größere Maschinen bieten hier den Vorteil, dass aus größeren Rohlingen in einem Arbeitsgang mehrere Werkstücke formgeschliffen werden können und sich auf diese Weise sowohl der Abfall reduzieren als auch die Produktivität erhöhen lässt (Abb. 6). Subtraktive Verfahren haben den Nachteil, dass aus geometrischen Gründen keine komplexen Formen hergestellt werden können. Die Form und die Größe der Werkzeuge stellen einen zusätzlichen limitierenden Faktor dar. Präparierte Zähne sind oft nicht klar geometrisch definiert. Die Präparation oder die Form eines Zahnes kann Herstellungsverfahren an ihre technologischen Grenzen bringen (Abb. 7 bis 9). Neben subtraktiven Verfahren werden heute vermehrt auch in der Zahnheilkunde additive Verfahren eingesetzt. Dabei kommen sogenannte Rapid-Prototyping-Technologien zur Anwendung. Dies sind Fertigungsverfahren, welche vorhandene CAD-Daten direkt in Restaurationen umsetzen können. Hierbei werden Restauration oder andere Rekonstruktionen schichtweise additiv aufgebaut. Für den Einsatz in der Zahnheilkunde sind verschiedene Rapid-Prototyping- Technologien geeignet, welche unterschiedliche Materialien verarbeiten können 10 (Tab. 1). Additive Verfahren werden in naher Zukunft die subtraktiven ergänzen und ablösen, da sie jede Form reproduzieren können. Aktuell steht die Produktion von Kunststoffteilen wie z. B. Bohrschablonen im Vordergrund. An individuell geschichteten keramischen Formen wird intensiv gearbeitet. Zusätzlich kann zwischen Systemen mit zentraler und dezentraler Fertigung unterschieden werden. Manche Systeme bieten auch beide Optionen an. Die Digitalisierung der Präparationen erfolgt dabei extraoder intraoral mit Hilfe eines Scanners. Bei der dezentralen Fertigung wird die Restauration vor Ort im zahn- 164 Quintessenz 2012;63(2):

5 Abb. 2a Mit Hilfe des Cerec-Systems eingescannte ideale Zahnoberfläche Abb. 2b Kopie dieser Oberfläche im CAD-Programm Abb. 2c Biogenerisch erzeugte Kauoberfläche, die sehr nahe an die natürliche Ausgangsform herankommt technischen Labor oder in der Praxis hergestellt. Die Konstruktion kann umgehend kontrolliert und modifiziert werden, sofern die CAD-Software dies zulässt. Neben Maschinen zur Herstellung der Werkstücke müssen ggf. auch spezielle Sinteröfen für die Fertigstellung etwa von teilgesinterten Kronen aus Zirkoniumdioxid angeschafft werden. Die zentrale Fertigung erlaubt die Herstellung der Restaurationen unter kontrollierten industriellen Bedingungen (z. B. Reinraumbedingungen). Dadurch entfallen die für das Labor oder die Praxis notwendigen Investitionen in kostspielige Fräsmaschinen. Neben der Herstellung von Rekonstruktionen werden subtraktive und additive Fertigungsverfahren auch zur Produktion von Modellen aus Gips oder Kunststoff eingesetzt. Quintessenz 2012;63(2):

6 Abb. 3 Zahnoberfläche aus einer Zahndatenbank der Software Zirkonzahn (Fa. Zirkonzahn, Gais, Italien) Abb. 4 Zahnoberfläche aus einer Zahndatenbank der Software Cares (Fa. Straumann, Freiburg) Abb. 5 Zahnoberfläche aus einer Zahndatenbank der Software 3Shape (Fa. 3Shape, Kopenhagen, Dänemark) Abb. 6 Großer Zirkonoxidrohling einer industriellen Fertigungsanlage (Fa. Zirkonzahn) Tab. 1 Rapid-Prototyping-Technologien und Werkstoffe, die damit verarbeitet werden können (aus: Quaas und Rudolph 10 ) Rapid-Prototyping-Technologie 3-D-Drucken (3D Printing, 3DP) Electron Beam Melting (EBM) Fused Deposition Modeling (FDM) Laminated Object Modeling (LOM) Selektives Lasersintern (SLS oder SLA) Stereolithographie (SLA) Materialien Wachs, Thermoplaste Titan, Titanlegierung (kein Einsatz in der Zahnheilkunde, Fertigungstoleranzen sind zu groß, für medizinische Implantate geeignet) Thermoplaste Papier (kein Einsatz in der Zahnheilkunde) Thermoplaste, Metallpulver (EM, EMF) Fotopolymere 166 Quintessenz 2012;63(2):

7 Abb. 7a Original und Kopie formgeschliffen mit einer Chairside- Schleifmaschine (Cerec, Fa. Sirona Dental Systems, Bensheim) Abb. 7b Formgeschliffene und glasierte Krone aus einer industriellen Fertigungsanlage (Fa. Zirkonzahn) Abb. 8 Chairside-Schleifeinheit (MC XL, Fa. Sirona Dental Systems) mit Werkzeugen zur Herstellung von Modellen aus Gips Abb. 9 Groß-Schleifeinheit (Fa. Zirkonzahn) mit automatisch auswechselbaren Werkzeugen Materialien Heute kann eine Vielzahl von Materialien mit Hilfe von CAD/CAM-Systemen verarbeitet werden 16. Die im Folgenden aufgeführten Materialgruppen lassen sich standardmäßig auf dentalen CAD/CAM-Maschinen bearbeiten. Metalle Derzeit werden Titan, Titanlegierungen und Kobalt-Chrom- Legierungen mit CAD/CAM-Systemen bearbeitet. Das Fräsen von Edelmetalllegierungen ist wegen des großen Materialabtrages bei hohen Materialkosten wirtschaftlich uninteressant. Kunststoffe Kunststoffe kommen sowohl indirekt als auch direkt zum Einsatz. Bei indirekten Verfahren werden ausbrennbare Lost-Wax-Gerüste gefräst und anschließend in der Gusstechnik verwendet. Verbreiteter ist die Anwendung auf direktem Wege durch Formschlei- Quintessenz 2012;63(2):

8 fen aus Blöcken. Diese werden monochrom oder in farblich geschichteten Varianten angeboten. Es lassen sich Kronen- und Brückengerüste für Langzeitprovisorien ebenso wie vollanatomisch gestaltete Langzeitprovisorien fabrizieren 15. Fräsbare Wachsrohlinge Neben der Firma Wieland Dental (Pforzheim) bieten heute auch andere Hersteller fräsbare Wachsrohlinge für die Lost-Wax-Technik an. Diese Wachse sind einfach fräsbar und quellen nicht. Das Material stellt eine sehr schnelle und preiswerte Alternative zur klassischen Arbeit auf dem Modell dar. Es verbrennt rückstandfrei. Glaskeramiken Schleifbare Glaskeramikblöcke sind Bestandteil mehrerer CAD/CAM-Systeme zur Herstellung von Inlays, Onlays, Veneers, Teilkronen und Vollkronen. Neben monochromen Blöcken bieten verschiedene Hersteller auch mehrfarbig geschichtete Rohlinge an, aus denen sich ästhetisch akzeptable vollanatomische Kronen schleifen lassen. Grundsätzlich kann man bei den schleifbaren Glaskeramikblöcken zwischen Feldspatkeramik (z. B. Vitablocs Mark II, Fa. Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen), leuzitverstärkter Glaskeramik (z. B. IPS Empress CAD, Fa. Ivoclar Vivadent, Ellwangen) und Lithium-Disilikat-Keramik (z. B. IPS e.max CAD, Fa. Ivoclar Vivadent) unterscheiden. Infiltrationskeramiken Schleifbare Blöcke aus Infiltrationskeramiken werden im porösen, kreidigen Zustand bearbeitet und danach mit Lanthanglas infiltriert. Alle Rohlinge für Infiltrationskeramiken stammen aus dem In-Ceram-System (Fa. Vita Zahnfabrik). Oxidische Hochleistungskeramiken Derzeit werden Rohlinge aus Aluminiumoxid und Zirkoniumdioxid für CAD/CAM-Systeme angeboten. Aluminiumoxid Die oxidische Hochleistungskeramik Aluminiumoxid (Al 2 O 3 ) wird in einem vorgesinterten Stadium beschliffen und anschließend bei C im Sinterofen dicht gesintert. Dieses Material kann für Kronenkäppchen im Frontund Seitenzahnbereich, Primärteile sowie dreigliedrige Frontzahnbrückengerüste verwendet werden. Die geschliffenen Gerüste lassen sich mit In-Ceram AL Coloring Liquid (Fa. Vita Zahnfabrik) individuell einfärben. Yttriumstabilisiertes Zirkoniumdioxid Yttriumstabilisiertes Zirkoniumdioxid (ZrO 2, Y-TZP) zeichnet sich durch hervorragende mechanische Eigenschaften aus. Seine hohe Biegefestigkeit und Risszähigkeit bieten die Möglichkeit, es als Gerüstmaterial für Kronen und Brücken sowie für individuelle Implantatabutments zu verwenden. Da in der Vergangenheit Abplatzungen der Verblendkeramik auf Zirkonoxidgerüsten als problematisch beschrieben wurden, werden Kronen und Brücken in Form von Vollkontur-Zirkonoxidversorgungen als Alternative vermarktet. In jüngster Zeit bieten verschiedene Hersteller Zirkoniumdioxidmaterialien an, die einen höheren Transluzenzgrad aufweisen als die bisher verfügbaren Rohlinge. Diese Materialien sind in verschiedenen Einfärbungen erhältlich, so dass sie auch in ästhetisch anspruchs vollen Regionen angewendet werden können. Schlussfolgerungen Die aktuellen CAD/CAM-Systeme und die mit ihrer Hilfe hergestellten Okklusalflächen können in ästhetischer wie in funktioneller Hinsicht als praxistauglich bewertet werden. Verschiedene Materialien wie Keramiken, Kunststoffe und Metalle lassen sich für Gerüstoder Vollkonturversorgungen bearbeiten. Vor allem anatomisch gestaltete Vollkonturversorgungen sind weiter auf dem Vormarsch, denn sie können kostengünstig und effizient in ästhetisch akzeptabler Qualität mit CAD/CAM-Verfahren hergestellt werden. Da der Preis zahntechnischer Arbeiten inzwischen zu einem zentralen Punkt bei der Behandlungsplanung geworden ist, könnte die Automatisierung helfen, kosten- 168 Quintessenz 2012;63(2):

9 günstiger zu produzieren, und die manuelle Fertigung in Billiglohnländern unattraktiv machen. Relativ hohe Investitionskosten und die mehrheitlich geschlossenen Systeme behindern aber zurzeit noch eine größere Verbreitung von CAD/CAM-Systemen in Praxis und Labor. Literatur 1. Caesar HH, Schulz D. Naturgemäße Auf - wachstechnik. Hanau: Heraeus Kulzer, Duret F, Preston JD. CAD/CAM imaging in dentistry. Curr Opin Dent 1991;1: End A. Statische und dynamische Okklusionstheorien. Untersuchung zu bestehenden Theorien, Vorkommen im natürlichen Gebiss und deren Anwendung im Artikulator. München: Zahnmed Diss, Kordaß B, Velden P. Der individuelle okklusale Kompaß. Computergestützte Aufzeichnungen der okklusalen Bewegungsfunktion für die Aufwachstechnik nach Polz und Schulz. Dent Labor 1996;44: Lotzmann U. Die Prinzipien der Okklusion. München: Neuer Merkur, Mehl A, Blanz V, Hickel R. Biogeneric tooth: a new mathematical representation for tooth morphology in lower first molars. Eur J Oral Sci 2005;113: Mehl A, Blanz V, Hickel R. A new mathematical process for the calculation of average forms of teeth. J Prosthet Dent 2005;94: Miyazaki T, Hotta Y, Kunii J, Kuriyama S, Tamaki Y. A review of dental CAD/CAM: current status and future perspectives from 20 years of experience. Dent Mater J 2009;28: Mörmann WH, Brandestini M, Lutz F, Barbakow F. Chair side computer aided direct ceramic inlays. Quintessence Int 1989;20: Quaas S, Rudolph H. CAD/CAM-gestützte Fertigungsverfahren. In: Jahrbuch Digitale Dentale Technologien Leipzig: Oemus Media, 2011: Raigrodski AJ. Contemporary materials and technologies for all-ceramic fixed partial dentures: a review of the literature. J Prosthet Dent 2004;92: Rekow ED. Dental CAD/CAM systems: what is the state of the art? J Am Dent Assoc 1991;122: Rekow ED. A review of the developments in dental CAD/CAM systems. Curr Opin Dent 1992;2: Richter J, Mehl A. Evaluation zur vollautomatischen Inlayrekonstruktion mittels biogenerischem Zahnmodell. Int J Comput Dent 2006;9: Schweiger J, Beuer F. CAD/CAM-gefertigte Langzeitprovisorien. Quintessenz Zahntech 2007;33: Schweiger J, Beuer F, Eichberger M. Fräs- und schleifbare Materialien ein Gesamtüberblick über die im CAD/ CAM-Verfahren bearbeitbaren Werkstoffe. Zahnarzt & Praxis 2008;11: Van Noort R. The future of dental devices is digital. Dent Mater 2011;28: Quintessenz 2012;63(2):

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