AUTOMATION-GUIDE. Ihr persönlicher Leitfaden für Ihre Automatisierungstechnik. with N E W B U SIN E S S S E S S

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1 AUTOMATION-GUIDE Ihr persönlicher Leitfaden für Ihre Automatisierungstechnik MORE BUSINESS with N E W B U SIN E S S S E S S NEW BUSINESS Guides sind Produkte der NEW BUSINESS Verlag GmbH

2 Mess- und Projekttechnik Schüttgut Durchfluss Füllstand Grenzwert 3D Volumen/Halden Feuchtigkeit Filterbruch Prozess Füllstand Grenzwert Druck Temperatur Durchfluss Interface Technik Abfüll-/Dosierschlauch Oberflächenbeheizung Stipanitz Mess- und Projekttechnik, Burgerstraße 29, 4060 Leonding

3 Analyse Beheizte Schläuche Trennschicht Dichte Konzentration Schaumdetektion Öl-/Wasserdetektion Inventory Tankgauging Füllstand Volumen Visualisierung Batchhandling Öl-/Wasser Detektion Trennschichtmessung Batchabtrennung 0732 / , Fax DW 7

4 Automation-Guide 2015 Alle Beiträge im Überblick Vorwort. Von WKO-Präsident Dr. Christoph Leitl S. 05 Product-Shots. Intelligente Lösungen für effiziente Automatisierung S. 06 Denkende Maschinen. Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch S. 14 Teamgeist 4.0. Mensch-Roboter-Teams erobern neue Wirtschaftszweige S. 24 Fachkommentar. Von Josef Kranawetter, Geschäftsführer Weidmüller GmbH S. 30 Packende Partnerschaft. Strategische Zusammenarbeit von Lighthouse und Bosch S. 34 Energie für Südafrika. Großer Automationstechnik-Auftrag für ABB S. 40 Wachstumsmotor Industrie 4.0. Neue industrielle Revolution als Chance für Österreich S. 44 Nach dem Vorbild der Natur. Wie lässt sich die smarte Produktion erreichen? S. 52 Auf zur Integrated Industry. HARTING joins the network S. 64 Zukunftsorientierte Lernsysteme. Nicht nur Akademiker werden gebraucht S. 70 Switches. Die Basis der Kommunikation S. 76 Play now! Spielend in die vierte industrielle Revolution S. 86 Daten, Daten, Daten. Orchestrierte Nutzung und Auswertung S. 94 Fehler in der Produktionsstraße. Security im Rahmen der smarten Produktion S. 106 Weltweit modernster Schweißroboter. Neue Hightech-Anlage geht in Betrieb S. 120 Effizienz durch Prozessintegration. Neue Qualitätshorizonte werden eröffnet S. 126 Automation in der Textilbranche. Innovation sorgt für die smarte Textilfabrik S. 136 Minds, Machines & Management. 450 Teilnehmer bei der MIT Europe Conference S. 146 Wirtschaftlicher Quantensprung. Rittal bringt neue Kühlgerätegeneration auf den Weg S. 154 Überall und nirgendwo. Verliert der physische Standort bald an Bedeutung? S. 160 IMPRESSUM Medieneigentümer-, Herausgeber- und Chefredaktionsanschrift: New Business Verlag GmbH Geschäftsführung: Lorin Polak Chefredaktion: Bettina Ostermann Art-Direktion: Genious Graphics Gabriele Sonnberger Redaktion: Thomas N. C. Mach Lektorat: Julia Teresa Friehs Anzeigenleitung: Lorin Polak Coverfoto: Festo Verlagsanschrift: New Business, 1060 Wien, Otto-Bauer-Gasse 6/4, Tel.: +43/1/ ; Fax: +43/1/ , newbusiness.at Verlagspostamt: 1060 Wien Druck: Stadtdrucker 2012 GmbH, 1180 Wien, Eduardgasse 6. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach 44 Abs. 1 und 2 Urheber rechts gesetz, sind vorbehalten. 4 AUTOMATION-GUIDE 2015

5 Innovation Das Schlagwort der Stunde Die Aufwendungen der heimischen Wirtschaft für Forschung & Entwicklung sind so hoch wie nie! Damit werden wir heuer erstmals die psychologisch wichtige Zehn-Milliarden-Euro-Marke und einen Anteil von mehr als drei Prozent des BIP überschreiten. Die hohe Unternehmensbeteiligung am heimischen Forschungsgeschehen zeigt, dass sich unsere Betriebe weiter zukunftsfit halten wollen. Aushängeschild Automationsbranche Seit jeher überzeugen die starken mittelständischen Unternehmen Österreichs durch hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung und topqualifizierte Mitarbeiter. Hightech und Produkt- sowie Anwendungsinnovationen führen dazu, dass die industrielle Automatisierungstechnik zu den Aushängeschildern des heimischen Standorts zählt. Die Trends liegen auf der Hand Die Verbesserung der Energieeffizienz ist in vielen Kundenindustrien von steigender Bedeutung. Die zunehmende Standardisierung und Verbreitung von Informationstechnologien sowie das Thema Unternehmenssicherheit bieten für die Branche ein breites Betätigungsfeld. Produkte made in A Damit führt die Branche vor, dass Produkte made in A maßgeblich daran beteiligt sind, Lösungen für die diversen Probleme zu finden. Und: Produkte made in A sind auch international sehr gefragt: Selbst wenn dieser Industriezweig global aufgestellt und lieferfähig sein muss, um kompetitiv zu sein, müssen insbesondere regional spezifische Kundenanforderungen berücksichtigt werden. Und das ist eine der Stärken der heimischen Wirtschaft. Um den Schritt auf die Weltmärkte noch professio neller bewältigen zu können, freut es mich daher, dass wir die Exportinitiative go international weiter fortschreiben und damit innovative KMU auf ihrem Weg in den Außenhandel noch zielgerichteter begleiten. Dr. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich Nähere Informationen finden Sie unter Foto: WKO 2015 AUTOMATION-GUIDE 5

6 Innovation für Automation Intelligente Lösungen für effiziente Automatisierung Die Automationsbranche baut immer stärker auf innovative Lösungen sowie den Einsatz moderner Technologien und digitaler Prozesse. Die aktuellen Highlights dieses spannenden Bereichs hat NEW BUSINESS für Sie recherchiert. Browsing-Funktion für OPC UA B&R hat einen PLCopen-Funktionsbaustein entwickelt, mit dem sich dynamische Anwendungen auf Basis von Daten beliebiger OPC- UA-Server problemlos umsetzen lassen. Mit dem Browsing-Funktionsbaustein kann ein OPC- UA-Client abfragen, welche Variablen auf einer Steuerung vorhanden sind. Diese Variablen können anschließend bei Bedarf abonniert werden. Bisher war das nur möglich, wenn Name und Struktur der Variable vorab bekannt waren. Browsing ermöglicht zum Beispiel dynamische Visualisierungslösungen, die sich automatisch an die Maschine anpassen. Robuste und einfach zu montierende Befehlsund Meldegeräte in modernem Design Mit Sirius Act stellt Siemens ein von Grund auf neu entwickeltes System von Befehls- und Melde geräten vor. Das modulare System zeichnet sich durch robuste Ausführung in Schutzart IP69K, hochwertiges Design und einfache Handhabung aus. Anwender können aus einer breiten Auswahl von Druck- und Not-Halt- Tastern, Wahl- und Schlüsselschaltern sowie akustischen und optischen Meldern wählen. Das vielseitige Portfolio in Metall- und Kunststoffausführung für Frontplattenbefestigung lässt sich zudem flexibel mit unterschiedlichen rückseitig zu montierenden Kontakt- und LED-Modulen kombinieren. 6 AUTOMATION-GUIDE 2015

7 Leichtbauarm für wechselnde Einsatzorte Den SCHUNK-Powerball-Lightweight-Arm LWA 4P gibt es ab Herbst 2015 auch als intuitiv programmierbare Embedded-Version mit integrierter Steuerung. Da die komplette Elektronik kompakt im Fuß verbaut ist, lässt sich der Leichtbauarm innerhalb kürzester Zeit per Hand oder auf einer rollbaren Plattform von A nach B transportieren. Ein zusätzlicher Schaltschrank oder PC ist nicht erforderlich. Die Inbetriebnahme ist mit allen gängigen Webbrowsern möglich. Hierfür stellt SCHUNK eine App zur Verfügung, die auf allen handelsüblichen Smartphones, Tablets und PCs genutzt werden kann. Hybridkabel für industrielle Anwendungen Für industrielle Automation, beim Einsatz und der Steuerung von Robotern oder im Maschinenbau die Spezialkabel der Ernst & Engbring GmbH (E&E) bieten unter allen Umständen Höchstleistungen. Die technologisch anspruchsvollen Hybridkabel werden immer stärker für komplexe Anwendungen eingesetzt, wenn es darum geht, ein Höchstmaß an Übertragungssicherheit und Flexibilität zu bieten. Dabei spielen eine ausgefeilte Produktionstechnik, spezielle Materialien sowie das eigentliche Innenleben, das aus unterschiedlichsten Elementen bestehen kann, für eine optimale Übertragung von Daten, Energie und Steuerbefehlen zusammen. Fotos: Ernst & Engbring GmbH, SCHUNK, Siemens AG, B&R 2015 AUTOMATION-GUIDE 7

8 Datenbanklösung für Messtechniker Die moderne Messtechnik kennt praktisch keine physikalischen Speichergrenzen mehr. In der Folge explodieren die in Betrieb und Erprobung, am Prüfstand oder im Feld gewonnenen Messdaten. Gängige Datenbanksysteme sind hier überfordert sowohl in Bezug auf die Datenarten als auch auf die Fähigkeit der algorithmischen Datenanalyse. Mit imc SEARCH existiert nun erstmals eine Messdatenbank- Anwendung, die den veränderten Bedingungen von Big Data auf dem Weg zu Smart Data gerecht wird. Der Berliner Messtechnik-Spezialist imc legt dabei besonderen Wert auf die nahtlose Integration in seine eigene Softwarewelt sowie auf die Kompatibilität zu Mess- und Metadaten beliebiger Quellen. Ziel ist es, für den imc-kunden eine angepasste Smart-Data- Anwendung zu realisieren beziehungsweise entsprechend angepasste Werkzeuge zu liefern. Camunda 7.3 Der Softwarehersteller Camunda hat die neue Version 7.3 der gleichnamigen Open-Source- Software zur Prozessautomatisierung veröffentlicht. Die neue Version ermöglicht die Statusänderung laufender Vorgänge, sodass Prozessinstanzen on-the-fly in einen anderen Zustand überführt werden können. Damit verbunden ist eine flexible Möglichkeit zur Vergabe von Autorisierungen. Die dritte große Neuerung ist die Plug-in-Architektur der mitgelieferten Aufgabenliste Tasklist, mit der die Mitarbeiter einer Organisation die ihnen zugewiesenen Aufgaben erledigen können. Die neue Architektur erlaubt es, die Funktionen der Aufgabenliste flexibel anzupassen und zu erweitern. 8 AUTOMATION-GUIDE 2015

9 Stäubli präsentiert Robotergeneration TX2 Redefining Performances heißt, wir haben alle Leistungsmerkmale unserer Sechsachser auf den Prüfstand gestellt und neu definiert. Wir wollten den besten Stäubli-Roboter aller Zeiten bauen, und das ist uns gelungen, verkündet Gerald Vogt, Geschäftsführer Stäubli Robotics, selbstbewusst. Das Ergebnis ist die neue Sechsachser-Generation TX2. Diese neue Roboterbaureihe definiert Performance neu. Die neuen Sechsachser punkten mit überragender Performance und vereinen Geschwindigkeit, Steifigkeit, Größe und Arbeitsbereich. Dank ihrer einzigartigen Features kommen diese Sechsachsroboter, die in ihrer vollgekapselten Bauweise als Vorreiter in der Robotik gelten, in allen Industriebranchen auch in sensiblen Bereichen oder mit engsten Platzverhältnissen bestens zurecht. Radarmodul für neue Anwendungen Kompakt, anpassbar, genau: ein Radarsystem mit diesen Eigenschaften eignet sich für viele Anwendungen. Wo andere Sensortechnologie wegen hoher Temperaturen oder schlechter Sicht wenig ausrichtet, soll das neuartige Radarmodul von Fraunhofer zum Einsatz kommen in der Medizintechnik, der Logistik oder Industriesensorik. Dieses Radar arbeitet mit Millimeterwellen im Frequenzbereich von 75 bis 110 Gigahertz dem W-Band und kann selbst bei schwierigen Sichtverhältnissen auch kleine Objekte aus der Distanz erkennen. Seine Reichweite beträgt bei einer Ausgangsleistung von zehn Milliwatt bis zu 50 Meter. Fotos: Fraunhofer IPA, Camunda Services, imc Meßsysteme, Stäubli 2015 AUTOMATION-GUIDE 9

10 Präzise, robust, langlebig und digital Yokogawas ausgewiesene Expertise in der ph- und ORP-Sensortechnologie und digitalen Kommunikation: Das ist SENCOM (digital SENsor COMmunication) eine neue Produktreihe intelligenter Sensorlösungen. Das neue Design der smarten SENCOM-Sensoren bietet besseres Wartungsmanagement, fortgeschrittene Diagnosefunktionen, hohe Zuverlässigkeit und optimiert die einfache Handhabung. SENCOM-Sensoren haben ein Ich, das heißt sie verfügen über einen eigenen permanenten Speicher für ihre Kennung und ihre aktuellen Kalibrierdaten und Einstellungen; ihre Kalibrierung kann deshalb immer am geeignetsten Ort erfolgen, sei es an der Messstelle im Betrieb oder im Labor. Die Ergebnisse sind eine höhere Messgenauigkeit bei niedrigeren Betriebskosten, kürzere Stillstandszeiten und höhere Sicherheitsstandards. Many-Core Control Many-Core-Steuerungen werden zukünftig eine zentrale Rolle spielen. Denn um den mit Industrie 4.0 steigenden Anforderungen an eine Smart Factory und an die entsprechend intelligenten Maschinen und Produktionsanlagen gerecht zu werden, sind Hochleistungssteuerungen wie der Industrie-Server C6670 erforderlich. Many-Core-Rechner unterscheiden sich von normalen Industrie-PCs durch ihre Architektur. Sie sind mit mehreren Prozessoren, den sogenannten Packages, ausgestattet, von denen jeder wiederum über mehrere Prozessorkerne verfügt. Unterschiede gibt es außerdem hinsichtlich des Speichers: Die NUMA (Non- Uniform Memory Access) genannte Technik bietet für jeden Prozessor einen individuellen separaten Speicher. Beckhoff hat dies mit dem Industrie-Server C6670 umgesetzt: mit zwei Intel -Xeon -Packages mit je sechs, zwölf oder 18 Kernen und einem von 64 bis Gigabyte reichenden Arbeitsspeicher. 10 AUTOMATION-GUIDE 2015

11 Digitale Sonde zur Messung der Leitfähigkeit Die Leitfähigkeitssonden (4-Pol-Graphit-Elektroden) Typ FYD 741 LFE01 und FYD 741 LFP messen ab zehn ms/cm bis zu 500 ms/cm und bieten eine hohe Linearität im gesamten Messbereich. Für die Temperaturkompensation der gemessenen Leitfähigkeit wurde ein NTC- Temperaturfühler eingebaut. Die Gesamtgenauigkeit wird bestimmt durch die Leitfähigkeitselektrode mit dem angeschlossenen ALMEMO -D7-Stecker. Eine vollständige Programmierung aller Parameter des Fühlers erfolgt über das Programmiermenü im ALMEMO -V7-Messgerät. Hier wird der benötigte Messbereich ausgewählt und die Temperaturkompensation ein- oder ausgeschaltet. Innovative Lineartechnik-Lösungen Die Mehrachs-Linearsysteme der WINKEL GmbH sind für verschiedene Aufgaben in der Produktion geeignet. Die robuste Stahl-Lineareinheit SLE beispielsweise hebt Lasten bis zu sechs Tonnen und ist unempfindlich gegenüber Schmutz und Staub. Sie wird unter anderem in Gießereien sowie in der Baustoff- und Glasindustrie eingesetzt. Wartungsarme Zahnstangenoder Zahnriemenantriebe sorgen für einen zuverlässigen Betrieb auch unter härtesten Bedingungen. Trotz der robusten Ausführung ist die SLE mit einer Geschwindigkeit von bis zu drei Metern pro Sekunde sehr dynamisch und mit einer Wiederholgenauigkeit von bis zu einem Millimeter auch überaus präzise. Fotos: WINKEL GmbH, Ahlborn Mess- und Regelungstechnik GmbH, Beckhoff, Yokogawa 2015 AUTOMATION-GUIDE 11

12 Auf zur Produktion der vierten Art ABB präsentiert mit YuMi den weltweit ersten echten kollaborativen Zweiarmroboter Eine ganz neue Form der industriellen Wertschöpfung das ist die Idee von Industrie 4.0. Geräte, Automatisierung, Warenwirtschaft und Wartung werden zu cyberphysischen Systemen verknüpft. Mensch-Roboter-Kooperationen sind in diesem Zusammenhang auf dem Vormarsch. D ie Einführung von YuMi ist ein weiterer Schritt in der auf beschleunigte nachhaltige Wertschöpfung ausgerichteten Next-Level-Strategie von ABB. Die Strategie baut auf den drei strategischen Schwerpunktbereichen profitables Wachstum, konsequente Umsetzung und bereichsübergreifende Zusammenarbeit auf. Das Unternehmen beabsichtigt, die Rentabilität zu steigern, indem es den Schwerpunkt auf wachstumsstarke Endmärkte verlagert, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und die Risiken des Geschäftsmodells senkt. Die neue Ära einer echten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter hat begonnen und ist integraler Bestandteil unserer Next-Level-Strategie, sagt Ulrich Spiesshofer, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB. YuMi lässt die direkte Interaktion zwischen Mensch und Roboter Wirklichkeit werden. YuMi ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung und wird die Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter verändern. YuMi ist Teil unserer Strategie, mithilfe des Internets der Dinge, von Services und Menschen gemeinsam die Automatisierung der Zukunft zu gestalten. ABB hatte 1974 den weltweit ersten mikroprozessorgesteuerten elektrischen Industrie roboter vorgestellt und damit das Kapitel der modernen Roboter-Revolution eröffnet. Heute verrichten weltweit mehr als Industrieroboter von ABB ihren Dienst. Mit der Einführung von YuMi überwindet ABB wieder einmal die Grenzen der Roboterautomation und erweitert deutlich das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten für automatisierte Fertigungsprozesse in der Industrie. ABB präsentierte auf der Hannover Messe den weltweit ersten echten kollaborativen Zweiarmroboter YuMi. ABB AG 1100 Wien Clemens-Holzmeister-Straße 4 Tel.: +43/1/ Promotion 12 AUTOMATION-GUIDE 2015

13 Solar Impulse Revillard Rezo.ch Die Welt bewegen, ohne die Erde zu verbrauchen? ABB ist stolz auf die Innovations- und Technologiepartnerschaft mit Solar Impulse, das im März zur ersten Weltumrundung mit einem einzigartigen Solarflugzeug gestartet ist. Technische Innovationen in den Bereichen erneuerbare Energien, Effizienz und nachhaltiger Mobilität haben bei ABB Tradition. Wir wollen die Welt bewegen, ohne die Erde zu verbrauchen gemeinsam können wir das schaffen. Natürlich.

14 Denkende Maschinen Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch Selbstfahrende Autos sind keine Zukunftsmusik mehr, und auch bis zum alltäglichen Einsatz von Servicerobotern in Haushalten und Pflegeheimen scheint es nur noch ein kleiner Schritt. Die möglichen Implikationen einer zunehmenden Digitalisierung werfen ihre Schatten voraus, auf die Forschung, den Arbeitsmarkt, auf die Gesellschaft insgesamt. Was aber bedeutet Intelligenz überhaupt? In der Forschung ist man mit dem Begriff im Zusammenhang mit Maschinen noch sehr vorsichtig, aber unbestritten nähern sich die Systeme und Algorithmen in gewissen Bereichen der Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns an oder übertreffen es in der Rechengeschwindigkeit bereits bei Weitem. Digitalisierung verändert nicht nur die Industrie radikal Smarte Maschinen werden den Menschen schon bald bestimmte Aufgaben abnehmen. Egal ob APA-E-Business-Community: das neue Maschinenzeitalter wie die Automatisierung die Arbeitswelt verändert intelligente Industriesysteme, persönliche Assistenten oder autonome Transportroboter: Diese Umwälzungen könnten unser Arbeits- und Privatleben künftig massiv beeinflussen, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E- Business-Community. Die Entwicklungen im Bereich von Algorithmen, Hardware, Netzwerken und Big Data haben den Weg für intelligente Maschinen geebnet, die nun Arbeiten durchführen können, die bisher nur Menschen möglich waren. Das ist nicht mehr aufzuhalten, zeigte sich Peter Brandl vom Kompetenzzentrum evolaris überzeugt. Einerseits gebe es autonome Transportroboter ( Movers ), also etwa Drohnen, die Pakete zustellen, oder die selbstfahrenden Autos von Google. Andererseits die sogenannten Doers, die komplexe Interaktionen mit kleinen Objekten beherrschen wie Haushaltsroboter. Die dritte Kategorie sind die Sages : Darunter fallen informationsbasierte Assistenten, die mittels künstlicher Intelligenz Daten auswerten und Empfehlungen abgeben, verweist Brandl auf eine Einteilung der Marktforscher von Gartner. Was die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Arbeitnehmer betreffe, existiere eine enorme Bandbreite von extrem pessimistischen bis zu durchaus optimistischen Perspektiven. Tatsächlich werden Smart Machines einen großen Impact haben und viele Menschen davon betroffen sein. Aber es werden auch neue Jobs entstehen, ist der 14 AUTOMATION-GUIDE 2015

15 Ob der Einzug der künstlichen Intelligenz in die Industrie Fluch oder Segen bedeutet, ist ein umstrittenes Thema. Experte überzeugt. Ziel sollte es sein, genauso viel Intelligenz in die umsichtige Nutzung der Maschinen zu investieren wie in deren Erfindung und Entwicklung. Es habe auch in der Vergangenheit Entwicklungen gegeben, die große Änderungen mit sich gebracht haben, erinnerte Brandl an die bisherigen drei industriellen Entwicklungssprünge. Außerdem sollte man die sozialen Aspekte nicht außer Acht lassen, die bei dieser Entwicklung eine große Rolle spielen: Nicht alleine die technische Machbarkeit wird über den erfolgreichen Einsatz von intelligenten Maschinen entscheiden, sondern Aspekte wie Gesetzeslage, Gewerkschaften oder Konsumentenverhalten, so Brandl. Gesellschaft muss erst Spielregeln entwickeln Tatsächlich habe es schon in den 60er-Jahren Horrorvisionen bezüglich technologischer Innovationen gegeben, die auch nicht eingetroffen seien, ergänzte Andreas Kugi von der Technischen Universität (TU) Wien. Er sieht die Gesellschaft gefordert, Spielregeln zu entwickeln wie bei vielen bisherigen Entwicklungen auch, sagte er unter Verweis auf die Möglichkeit zur automatisierten Kriegsführung. Durch die Automatisierung Stichwort Industrie 4.0 habe Österreich eine große Chance, einerseits Industriebetriebe in Österreich zu halten, andererseits bestimmte Branchen sogar wieder ins Land zurückzuholen. Die Bekleidungsbranche 2015 AUTOMATION-GUIDE 15

16 Ging es in der Vergangenheit häufig darum, menschliche Arbeit durch Roboter zu ersetzen, steht heute vielmehr der Roboter als Assistenzmedium im Vordergrund. ist aber beispielsweise noch nicht so weit, weil da noch viel per Hand gemacht wird, so Kugi. Großes Potenzial bestehe auch bei Ressourcen- und Energieeffizienz. Hier könnten die Fabriken der Zukunft der europäischen Industrie neue Möglichkeiten eröffnen. Die Frage sei, ob das Ausbildungssystem entsprechend aufgestellt ist, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Ungelernte Arbeitskräfte würden es im Industriebereich jedenfalls schwer haben. Automatisierung steht für nachhaltige Produktion, Wertschöpfung und Steigerung der Qualität des Arbeitsplatzes. Gleichzeitig fordert die Automatisierung eine höhere Qualifikation der Beschäftigten, erklärte der Experte. Industrie 4.0 braucht gut ausgebildete Fachkräfte Der Anteil einfacher manueller Tätigkeiten wird sinken. Im gleichen Maße steigt durch die Industrie 4.0 die Anzahl an neuen Berufen, wie etwa Datenwissenschafter und -analytiker, so Peter Wöhrer von Kapsch BusinessCom. Technologische Entwicklungen hätten auch in der Vergangenheit zu einem Beschäftigungsschub geführt. Die Voraussetzung dafür sei freilich, dass ausreichend qualifizierte, gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Wenn Österreich flexibel sei und sich auf Qualität konzentriere, könnte das Land durchaus einen Wettbewerbsvorteil aus dem Trend zur Individualisierung der Kundenwünsche Stichwort Losgröße eins ziehen. Wichtig sei, dass die Kleinund Mittelunternehmen (KMU) nicht den Anschluss verpassen. Hier sollten wir gemeinsam im Netzwerk agieren. Da darf es kein Kompetenzgerangel geben, sagte Wöhrer, der auch für einen Zusammenschluss in Clustern eintritt. Smarte Systeme helfen bei Entscheidungsfindung Der Arbeitsmarkt verändert sich laufend. Berufe sterben aus, gleichzeitig entstehen auch neue, wie Data-Scientist oder App-Entwickler, zeigte sich Michael Scholl von IBM überzeugt. Die jetzt mögliche Verarbeitung von Daten in hoher Geschwindigkeit habe viele Möglichkeiten 16 AUTOMATION-GUIDE 2015

17 eröffnet. Kognitive, selbstlernende Systeme wie das Computersystem,Watson werden den Menschen in den kommenden Jahren dabei unterstützen, in der ungeheuren Menge an Daten die relevanten Informationen für ihre Entscheidungen zu finden, sagte Scholl. Im onkologischen Bereich müsste sich ein Arzt beispielsweise 160 Stunden pro Woche fortbilden, um am neuesten Stand zu bleiben. Watson nutze die Möglichkeiten, natürliche Sprache beispielsweise Text oder Sprache verarbeiten zu können für die Erzeugung von Hypothesen und das evidenzbasierte Lernen. Dadurch erhielten Ärzte überhaupt erst Zugang zu diesem Wissen. Genutzt werde das bereits heute in Krankenhäusern in den USA und in Thailand. INFO-BOX Wiener Start-up und Silicon-Valley-Pionier kündigen Partnerschaft an Das amerikanische Unternehmen Numenta, ein Pionier in der Entwicklung maschineller Intelligenz, bildet eine strategische Partnerschaft mit Cortical. io, einem österreichischen Hightech-Start-up, dessen Engine die semantischen Inhalte von jeglichen Texten einfach und schnell vergleicht. Beide Systeme gründen auf den neurowissenschaftlichen Theorien von Jeff Hawkins, die das Funktionsprinzip der menschlichen Großhirnrinde beschreiben. Das Vereinen dieser komplementären Technologien ermöglicht die nächste Generation hocheffizienter und intelligenter Lösungen zur Verarbeitung von Sprachinformationen. Fotos: APA-Fotoservice/Juhasz, Fotolia/AGPhotography, jim 2015 AUTOMATION-GUIDE 17

18 Modernste Schaltschrankfertigung Baier Technik setzt auf Effizienz durch automatisierte Abläufe in der Schaltschrankfertigung Für seine Schaltschrankfertigung entschied sich Baier Technik für eine Perforex-NC- Bearbeitungsmaschine von Kiesling. Zusammen mit Rittal und Eplan steht Kiesling für die Optimierung entlang der Wertschöpfungskette im Anlagenbau. D ie Aufgaben im Steuerungs- und Schaltanlagenbau sind schnell formuliert: Effizienz und Innovation auf der einen Seite steigern und Kosten auf der anderen senken. Das gelingt heute hauptsächlich durch die Optimierung von Produktionsprozessen. Das sieht auch Patrick Baier, Geschäftsführer von Baier Technik im Salzburger Neumarkt am Wallersee, so. In Österreich sind die Lohnkosten relativ hoch. Daher muss man schauen, dass man die Prozesse klar gestaltet, Verschwendungen vermeidet und darauf achtet, dass die Mitarbeiter alles haben, was sie gerade für das aktuelle Projekt direkt am Arbeitsplatz brauchen. Suchzeiten dürfen wir uns nicht mehr erlauben. Einen Schritt weiter In das Horn Optimierung entlang der Wertschöpfungskette bläst Rittal zusammen mit Eplan und Kiesling bereits seit zwei Jahren. Zusammen haben die drei Unternehmen einen Leistungsverbund unter dem Namen next level geschaffen. Die Synergien, die sich durch die vernetzten Softwaretools und die automatisierte Maschinentechnik erreichen lassen, erhöhen eindeutig die Effizienz im Anlagenbau, verspricht Mag. Andreas Hrzina, Marketingleiter Rittal Österreich. Genau davon ist auch Patrick Baier überzeugt: Ich bin der Meinung, dass es im Schaltschrankbau einfach Richtung Automatisierung geht, wenn man weiterhin am Markt Seit Februar des heurigen Jahres ist die neue Bearbeitungsmaschine Perforex von Kiesling bei Baier Technik im Einsatz. Eine Kostensenkung ist nur durch eine Optimierung der Prozesskette möglich, meint Patrick Baier. 18 AUTOMATION-GUIDE 2015

19 Patrick Baier, Geschäftsführer Baier Technik: Der Automatisierungsgrad wird weiter steigen, und die IT wird immer mehr Einzug in unsere Arbeitsprozesse halten. Stichwort: Durchgängigkeit der Daten von der Onlinebestellung über die Verarbeitung bis zur Auslieferung. bestehen und bei den vom Markt geforderten Preisen mitspielen will. Die 1998 gegründete Baier Technik GmbH hat sich auf Kabelkonfektionierung, Baugruppenfertigung und Schaltschrankbau spezialisiert. Die Aufträge kommen aus den verschiedensten Branchen: von der Bauindustrie über die Leiterplatten- bis zur Spielzeugindustrie und vieles mehr. Mit seinen rund 80 Mitarbeitern plant die Geschäftsführung für heuer einen Umsatz von zehn Millionen Euro und will damit den Expansionskurs der vergangenen Jahre fortsetzen. Um weiterhin so erfolgreich zu sein, müsse man immer am aktuellen Stand bleiben, so der Geschäftsführer. Und damit meint er auch den Automatisierungsgrad im Anlagenbau. Mit Automatisierung voraus Schon seit einigen Jahren setzt Baier auf automatisierte Abläufe. Das Unternehmen hat in computergestützte Fertigungstechniken investiert. Vollund Halbautomaten beschriften, crimpen, spleißen, verzinnen oder umwickeln und ermöglichen die Lizenzfertigung von AWG 36/0,012 mm² bis 240 mm². Der nächste logische Schritt war nun, die Schaltschrankbearbeitung zu beschleunigen. Bislang hat das Unternehmen die meisten Schaltschränke fertig bearbeitet zugekauft auch vom Rittal Modification Center. Lediglich Kleinserien wurden im Haus gefertigt. Seit Februar dieses Jahres ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Denn jetzt ergänzt eine Perforex-NC- Promotion 2015 AUTOMATION-GUIDE 19

20 Bearbeitungs maschine von Kiesling den Maschinenpark. Wir haben uns vor circa zwei Jahren entschieden, in ein Bearbeitungszentrum zu investieren, erzählt Baier. Dann hat die Suche nach der passenden Maschine begonnen. Wir haben Anwender nach ihren Erlebnissen gefragt und haben interessante Erfahrungswerte gehört. Für die Ausschnitte eines Zwei-Meter-Schranks braucht ein geübter Schaltschrankfertiger um die vier Stunden. Das Bearbeitungszentrum soll das in nur 70 Minuten erledigen, berichtet der Geschäftsführer. Ausschlaggebend für die Perforex war ganz klar das Zusammenspiel mit Eplan. Wir verwenden schon seit Jahren Eplan Pro Panel für die Projektierung. Außerdem haben wir ein spezielles Messeangebot bekommen und haben uns gedacht, das ist die Chance zuzuschlagen, so Patrick Baier. Bislang gibt es noch keine eigene Auswertung, die die oben genannten Zahlen bestätigt, doch Baier ist zuversichtlich. Was er aber jetzt schon sagen kann: Die Maschine ist nicht nur schneller als der Mensch, sondern sie arbeitet auch genauer. Und das ergibt eine gleichbleibende Qualität. Für Baier Technik ergeben sich aus dem Unternehmensverbund Eplan, Rittal und Kiesling ganz neue Dimensionen. Beschleunigte Prozesse Das Zusammenspiel von Eplan, Rittal und Kiesling verspricht eine Prozessbeschleunigung bis zu 50 Prozent. Denn mittels der Softwaretools von Eplan konfiguriert der Schaltschrankbauer schnell und einfach seine Schaltschranklösung. Und die daraus ausgegebenen NC-Daten sind die Grundlage für eine professionelle Bearbeitung von Schaltschränken, Gehäusen und Montageplatten. Mit dem Perforex-Bearbeitungszentrum von Kiesling laufen alle Bearbeitungen wie Bohren, Ge windeschneiden oder Fräsen vollautomatisch, schnell, exakt und zuverlässig ab. Und dazwischen liegt die umfangreiche Schaltschrankwelt von Rittal mit seinen Baukastensystemen und Planungstools. 20 AUTOMATION-GUIDE 2015

21 Ein geübter Schaltschrankfertiger benötigt für einen Ausschnitt etwa vier Stunden. Die Bearbeitungsmaschine Perforex von Kiesling erledigt die Arbeit bereits in 70 Minuten. Aussicht auf neue Märkte Durch die Investition in die Bearbeitungsmaschine erhofft sich Baier Technik natürlich eine Erweiterung des Geschäftsfeldes und damit eine Umsatzsteigerung in der Sparte Schaltschrankbau. Wir haben ab sofort viel mehr Möglichkeiten und sind wettbewerbsfähiger. Dank der weiteren Automatisierung können wir unsere Schaltschränke künftig sicher günstiger anbieten. Damit sind wir wirtschaftlich attraktiver für unsere Kunden, ist Patrick Baier gewiss. Und er geht davon aus, dass die durchgängige Datenverarbeitung weiter ausgebaut wird. Unsere Kunden fordern schon jetzt eine Anbindung der Onlinebestellung an unser ERP-System und eine direkte Weiterverarbeitung der Daten. Noch sei es jedoch nicht so weit, denn auf den Menschen als Kontrollinstanz kann man derzeit nicht verzichten. Rittal GmbH 1230 Wien Laxenburger Str. 246a Tel.: +43/5/ Promotion 2015 AUTOMATION-GUIDE 21

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