Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. med. Michael Kastner

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1 Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. med. Michael Kastner Institut für ArbeitsPsychologie und ArbeitsMedizin 2009

2 Globalisierung, Share-Holder-Value-Orientierung, moderne Kommunikations- und Reisetechnologien fördern die Dynaxität. Raum wird in immer weniger Zeit überbrückt, Unternehmen folgen dem Muster follow the sun. Konkurrenzen ändern sich. Wir müssen noch besser, schneller und kostengünstiger werden, um in der wirtschaftlichen Evolution übrig zu bleiben. Langfristig gelingt dies nur, wenn wir gleichzeitig hoch innovativ sind, ein Leben lang lernen und lernende Organisationen schaffen.

3 Diese Anforderungen verlangen Schlüsselqualifikationen der Zukunft (Dynaxibility, Selbstmanagement, Sozial-, Methodenkompetenz). Zugleich müssen wir die Lebensqualität durch Vertrauens-Fehler- Lernkultur und Bemühungen um das qualifizierte Personal fördern. Lebensqualität und Gesundheit sind die Zentralthemen des 6. Kondratieff und damit auch die zukünftig größte Wachstumsreserve. Technik und Kapital sind für uns keine Konkurrenzvorteile mehr, sondern Qualifizierung und Qualität unserer Mitarbeiter. Psychosoziale Faktoren wie Führung, Kommunikation, Sozialkompetenz, Kreativität, Motivation, Kooperation, Angstfreiheit werden noch stärker zum Erfolgsfaktor.

4 Zukünftige Anforderungen bestehen verstärkt in neuen Arbeits- und Organisationsformen (Leih-, Tele-, Teilzeitarbeit, Freelancer, Outsourcing, Callcenter, virtuelle Teams und Unternehmen). Sie bieten mehr Flexibilität und Freiheit, verlangen aber mehr Selbstverantwortung, -disziplin, -wirksamkeit, -beauftragung und - motivation. Sie fördern Einsamkeit (Einzelkämpfer), Bindungslosigkeit und machen soziale Unterstützung schwerer (mehr Schichtdienste). Als Kompensation steigt der Bedarf an sozialen Kontaktmöglichkeiten, menschlicher Nähe und Tratsch. Diese werden derzeit noch in der Organisation abgedeckt, die ihre Schutz- und Ordnungsfunktion immer mehr verliert.

5 Selbstorganisation und kontrolle (Self-Leadership, Selbstmotivation, Selbstmanagement). offensivere Vermarktung von Arbeitsleistung: Arbeitender wird verstärkt zum Anbieter seiner Arbeitskraft / Dienstleister auf internen und externen Märkten. Hohe raum-zeitliche Mobilität, flexible Arbeitszeitarrangements, inhaltliche Flexibilität (selbstorganisiertes, lebenslanges Lernen). Flexible Verbindung mehrerer Tätigkeiten zur Existenzsicherung ( Portfolio-Arbeit ). Eigenverantwortung für die aktive Gestaltung des Arbeits- und Privatlebens (Wegfall stabiler Zeitmuster). Der immer schnellere Wandel verlangt unsere vorauseilende Veränderung.

6 Entwicklung des Milieus Entwicklung des Menschen

7 Komplexität -Anzahl - Vielfalt - Vernetzung 1. Anforderungen steigen schneller als intellektuelles Potenzial 2. Dynaxität fördert psychosoziale Beeinträchtigungen 3. Demographische Entwicklung 4. Brain-Drain 5. Down-Shifting 6. Attraktive Firmen bieten Work Life Balance + - A C - B Dynaxität D Dynamik + = Zustandsveränderung

8 Dezentral A B Arbeite wo, wann, wie Du willst, bzw. wie Du musst! + A B Dezentralität D Entgrenzt + - C D Work Life Balance Zentral Lebensbereiche abgegrenzt Stabil Stabilität Flexibel Neue Arbeits- und Organisationsformen Hinsichtlich: Ort, Zeit, Tätigkeit, Organisationsform, Person

9 Knappes, qualifiziertes Personal Frauenförderung Leistungsfähigkeit Flexibilität, Mobilität, Veränderungsbereitschaft Basis aller (Schlüssel)Qualifikationen Transfer auf OE und PE: Wer sich selbst führt... Persönliche Entwicklung Ethische Grundhaltung

10 Work Life Balance zur Minderung von Druck Durch Globalisierung, Share-Holder-Value-Orientierung, technische Entwicklungen und veränderte Konkurrenzen entsteht mehr: Konkurrenzdruck Dynaxitätsdruck Qualitätsdruck Veränderungsdruck Kostendruck Lern- & Qualifizierungsdruck Zeitdruck Sozialdruck (destabilisierte soziale Systeme) Innovationsdruck Markt- & Selbstmanagementdruck

11 Die Work Life Balance Wippe Belastungen und Anforderungen Person z. B. Perfektionismus Situation z. B. Aufgaben Organisation z. B. Verantwortung Person Situation Organisation Ressourcen z. B. Fähigkeiten z. B. PC-Ausstattung z. B. Belohnung Anforderungspuffer Ressourcenpuffer Person Situation Organisation z. B. Resilienz z. B. soziale Unterstützung z. B. Autonomie Person Situation Organisation z. B. Ich-Stärke, Neugier z. B. Aufgabenvielfalt z. B. Regelungen für Neues

12 Das Work Life Balance Spezialfahrrad

13 Die Work Life Balance Amplituden 2/3 vom Zahnfleisch Basislinie ungesunde Frequenz (Überforderung/Fehlbeanspruchung) gesunde Frequenz adäquate Beanspruchung 2/3 vom Zahnfleisch Basislinie 2/3 vom Zahnfleisch eingeschränkte Leistung(sfähigkeit) Unterforderung/Fehlbeanspruchung Basislinie

14 Belastung und Beanspruchung Belastung außerhalb der Haut physikalische Einflüsse z. B. Lärm in Dezibel Anforderungen z. B. von außen gestellte Aufgaben Belastung innerhalb der Haut subjektive Wahrnehmung (subj. Belastung) der objektiven Umwelt z.b. Lärmempfinden durch Adaptation subjektive Repräsentanz dieser Anforderungen von außen = subjektive Herausforderung durch Aufgabe selbst innerhalb der Haut gestellte Anforderungen z.b. Perfektionismus externale situative und organisationale Ressourcen und Puffer z. B. soziale Unterstützung, Handlungsspielraum, Arbeitsplatzsicherheit Beanspruchung innerhalb der Haut <erfasst in den drei Welten> Körperwelt z. B. Herzfrequenz Geisteswelt z. B. Regression auf primitive Verhaltensmuster; Unsicherheit, die Situation adäquat zu bewältigen Lebenswelt z. B. Angst, Ärger Gesundheit und Sicherheit personale Ressourcen und Puffer z. B. Selbstwirksamkeit, Kohärenz, Verantwortungsbereitschaft, Selbstorganisations- und Selbstlernkompetenzen L e b e n s q u a l i t ä t

15 Komponenten, die alle Welten betreffen Gedankenwelt Widerstandsfähigkeit (Resilienz) Sicherheitsverhalten gesunde Kommunikation Motivation & Volition Gesundheitsverhalten Handlungsregulation / Stressverhalten, und -resistenz Verletzlichkeit (Vulnerabilität) Typ-A-Verhalten Gefühlswelt

16 Entwertungsprozess Arbeitslosigkeit Wertschöpfungsprozess Arbeit Geisteswelt Selbstwert Selbstwirksamkeit SOC Erlebte Sinnhaftigkeit Kontrolleerleben/Ambiguitätstoleranz Konzentration Coping Psychische Beeinträchtigungen Depression/Suizid Lebenswelt Körperwelt Objektiver Gesundheitszustand Körperliches Wohlbefinden Gesundheitsverhalten Risikoverhalten Ruhe (Erholung/Schlaf) Engagement/Tätigkeit Gesundheit/ Lebensqualität Erlebens- und Verhaltensweisen Prävention Diagnose Hilflosigkeit Genussfähigkeit Erlebte soziale Unterstützung Lebenssinn Positive Gefühle Negative Gefühle Vulnerabilität Erlebens- und Verhaltensweisen Angst Wut Krankheit (Burnout, Tinnitus, CFS) Intervention Geisteswelt Selbstwert Selbstwirksamkeit SOC Erlebte Sinnhaftigkeit Kontrolleerleben/Ambiguitätstoleranz Konzentration Coping Psychische Beeinträchtigungen Depression/Suizid Körperwelt Objektiver Gesundheitszustand Körperliches Wohlbefinden Gesundheitsverhalten Risikoverhalten Ruhe (Erholung/Schlaf) Engagement/Tätigkeit Lebenswelt Genussfähigkeit Erlebte soziale Unterstützung Lebenssinn Positive Gefühle Negative Gefühle Vulnerabilität

17 Körperwelt

18 Geisteswelt

19 Lebenswelt

20 Soziale Welt

21

22 Globalisierung moderne Kommunikations- und Reisetechnologien Share-Holder-Value-Orientierung Dynaxität veränderte Konkurrenzen veränderte Arbeits- und Organisationsformen

23 Emotio schneller als Ratio Thalamus Thalamus Mandelkern Seepferdchen Les Doux Quelle: Golemann, 1995, S.37

24 Eigner Mitarbeiter-Beteiligung Kunden Mitarbeiter Betroffene, aber nicht Beteiligte

25

26 Rückstellfähigkeit Biegsamkeit Standfestigkeit /Verwurzelung

27 Herkömmlicher Ansatz Es ist es Doktors größte Not a) die Gesundheit b) der Tod Drum hält er uns, damit er lebe, zwischen beiden in der Schwebe. Wilhelm Busch krank Krankheit versus Gesundheit gesund Es gibt zwei Klassen von Menschen: Gesunde und Kranke. Wer noch zu den Gesunden gehört, tut für diese Gesundheit wenig. Unser Organismus funktioniert in Fließgleichgewichten sowohl innerhalb der Haut als auch mit seiner Umwelt, die nicht mehr richtig aufrechterhalten werden können. Diese Fließgleichgewichte (Homöostase) sollen mit Medikamenten, Kuren etc. wieder hergestellt werden (hierfür benötigt man einen hohen Energieaufwand).

28 Moderner Ansatz Gesundheit sehr gesund fast tot Wir alle bewegen uns auf einer Dimension von fast tot bis sehr gesund Der Organismus lebt in einem ständigen Gleichgewicht innerhalb der Haut, und zugleich in einem ständigen Ungleichgewicht mit seiner Umwelt (Heterostase), er kämpft dauernd gegen den Zerfall, Entropie Es werden Ressourcen benötigt, um sich dem Ideal total gesund anzunähern Es ist effizienter, rechtzeitig wenig stetige Energie in die Erhaltung von Gesundheit zu investieren, als Krankheit zuzulassen und anschließend zu reparieren

29 Lebensqualität & Leistungsfähigkeit Fitness Tod Körperwelt Gedankenwelt Gefühlswelt Kohärenz Glück Soziale Welt Mitmenschlichkeit äußere Ressourcen soziale Unterstützung medizinische Unterstützung psychologische Unterstützung Umgebungsvariablen innere Ressourcen Resilienz Stressresistenz Gesundheitskompetenz Handlungsregulation & -steuerung Typ-A-Verhalten Kommunikation Volition

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