IT-Grundschutzhandbuch

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1 7.3 Beschreibung Eine dient zum Schutz eines Netzes gegen Angriffe aus einem Netz mit einem geringeren Schutzbedarf, z. B. bei der Anbindung eines zu schützenden Teilnetzes an ein organisationsumspannendes Netz oder der Anbindung eines Firmennetzes an das Internet. LAN WAN In diesem Kapitel wird mit eine Kombination von Hard- und Software bezeichnet, die als alleiniger Übergang zwischen zwei zu trennenden TCP/IP-Netzen dient, von denen das eine einen höheren Schutzbedarf hat. Da eine solche häufig zum Schutz eines internen Netzes bei der Kopplung mit dem Internet eingesetzt wird, wird sie auch als Internet- bezeichnet. In diesem Kapitel werden ausschließlich die für eine spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen beschrieben. Zusätzlich sind noch die für das IT-System, mit dem die realisiert wird, spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen zu betrachten. Es wird davon ausgegangen, daß eine auf einem Unix-System implementiert wird, daher sind zusätzlich zu den im folgenden beschriebenen Gefährdungen und Maßnahmen die in Kapitel 6.2 beschriebenen zu beachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz einer werden die folgenden typischen Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems Technisches Versagen: - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen - G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client - G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X-Client - G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten - G 5.25 Maskerade - G 5.28 Verhinderung von Diensten - G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 1

2 IT-Grundschutzhandbuch - G 5.48 IP-Spoofing - G 5.49 Mißbrauch des Source-Routing - G 5.50 Mißbrauch des ICMP-Protokolls - G 5.51 Mißbrauch der Routingprotokolle - G 5.78 DNS-Spoofing Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Es wird davon ausgegangen, daß eine auf einem Unix-System implementiert wird, daher ist zusätzlich das Maßnahmenbündel aus Kapitel 6.2 Vernetztes Unix-System umzusetzen. Die sollte in einem separaten Serverraum aufgestellt werden. Hierbei zu realisierende Maßnahmen sind in Teil 1, Kapitel beschrieben. Sollte ein als Büro genutzter Raum gleichzeitig als Serverraum dienen müssen, so sind zusätzlich die in Kapitel beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Eine schützt das interne Netz nur gegen Angriffe von außen. Um das interne Netz gegen Angriffe von Innentätern zu schützen, müssen auch bei Einsatz einer alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt sein. Wenn es sich bei dem internen Netz beispielsweise um ein Unix- bzw. PC-Netz handelt, sind die in Kapitel 6.2 bzw. Kapitel 6.1 beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Für den erfolgreichen Aufbau einer sind eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen, beginnend mit der Konzeption über die Beschaffung bis zum Betrieb einer. Die Schritte, die dabei durchlaufen werden sollten, sowie die Maßnahmen, die in den jeweiligen Schritten beachtet werden sollten, sind im folgenden aufgeführt. 1. Konzept der Netzkopplung mit Hilfe einer : (siehe M 2.70 Entwicklung eines -Konzeptes) - Festlegung der Sicherheitsziele - Anpassung der Netzstruktur - grundlegende Voraussetzungen 2. Sicherheitspolitik der : (siehe M 2.71 Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine ) - Auswahl der Kommunikationsanforderungen - Diensteauswahl (Vor der Diensteauswahl sollten die Erläuterungen und Randbedingungen aus M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste gelesen werden.) - Organisatorische Regelungen 3. Beschaffung der : - Auswahl des -Typs (siehe M 2.72 Anforderungen an eine und M 2.73 Auswahl eines geeigneten -Typs. - Beschaffungskriterien (siehe M 2.74 Geeignete Auswahl eines Packet-Filters und M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway) Teil 1 - Kapitel Seite 2 Version 1998

3 4. Implementation der : - Filterregeln aufstellen und implementieren (siehe M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln) - Umsetzung der IT-Grundschutz-Maßnahmen für -Rechner (siehe Teil 1, Kapitel 6.2) - Umsetzung der IT-Grundschutz-Maßnahmen die IT-Systeme des internen Netzes überprüfen (siehe z. B. siehe Teil 1, Kapitel 6.1, 6.2 und 6.3) - Randbedingungen für sicheren Einsatz der einzelnen Protokolle und Dienste beachten (siehe M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste) - Einbindung weiterer Komponenten (siehe M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten) 5. Betrieb der : (siehe M 2.78 Sicherer Betrieb einer ) - Regelmäßige Kontrolle - Anpassung an Änderungen und Tests - Protokollierung der -Aktivitäten (siehe M 4.47 Protokollierung der -Aktivitäten) - Notfallvorsorge für die (ergänzend siehe Kapitel 3.3) - Datensicherung (siehe Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept) 6. Betrieb der an der angeschlossenen Clients Auf Seite der Clients ist - neben den in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen - zusätzlich die Maßnahme M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern zu beachten. Es kann verschiedene Gründe geben, sich gegen den Einsatz einer zu entscheiden. Dies können die Anschaffungskosten oder der hohe Administrationsaufwand sein, aber auch die Tatsache, daß die bestehenden Restrisiken nicht in Kauf genommen werden können.falls trotzdem ein Anschluß an das Internet gewünscht ist, kann alternativ ein Stand-alone-System eingesetzt werden (siehe M 5.46 Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets). Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "" vorgestellt. Organisation: - M 2.70 (1) Entwicklung eines -Konzeptes - M 2.71 (1) Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine - M 2.72 (1) Anforderungen an eine - M 2.73 (1) Auswahl eines geeigneten -Typs - M 2.74 (1) Geeignete Auswahl eines Packet-Filters (bei Beschaffungsbedarf) - M 2.75 (1) Geeignete Auswahl eines Application-Gateway (bei Beschaffungsbedarf) - M 2.76 (1) Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln - M 2.77 (1) Sichere Anordnung weiterer Komponenten - M 2.78 (1) Sicherer Betrieb einer Hardware / Software: - M 4.47 (1) Protokollierung der -Aktivitäten Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 3

4 IT-Grundschutzhandbuch Kommunikation: - M 5.39 (1) Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste - M 5.59 (1) Schutz vor DNS-Spoofing - M 5.45 (2) Sicherheit von WWW-Browsern (bei Clients) - M 5.46 (1) Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets (alternativ zur ) Teil 1 - Kapitel Seite 4 Version 1998

5 G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes Bei einem nicht durch eine geschützten Netz, das mit einem externen Netz wie dem Internet gekoppelt ist, können aus dem externen Netz verschiedene Daten des internen Netzes wie z. B. Mail-Adressen, IP-Nummern, Rechnernamen und Benutzernamen abgerufen werden. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die interne Netzstruktur und dessen Anwender ziehen. Je mehr Informationen ein Angreifer über potentielle Angriffsziele hat, desto mehr Angriffsmöglichkeiten hat er. Wenn ein Angreifer z. B. Benutzernamen eines IT-Systems kennt, kann er versuchen, die zugehörigen Paßwörter zu erraten oder über Wörterbuchattacken herauszufinden (siehe auch G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern). Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 5

6 IT-Grundschutzhandbuch G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen Aufgrund von Nachlässigkeit und fehlenden Kontrollen kommt es immer wieder vor, daß Personen die ihnen empfohlenen oder angeordneten IT-Sicherheitsmaßnahmen nicht oder nicht im vollen Umfang durchführen. Es können Schäden entstehen, die sonst verhindert oder zumindest vermindert worden wären. Je nach der Funktion der Person und der Bedeutung der mißachteten Maßnahme können sogar gravierende Schäden eintreten. Vielfach werden IT-Sicherheitsmaßnahmen aus einem mangelnden Sicherheitsbewußtsein heraus nicht beachtet. Ein typisches Indiz dafür ist, daß wiederkehrende Fehlermeldungen nach einer gewissen Gewöhnungszeit ignoriert werden. Beispiele: - Der verschlossene Schreibtisch zur Aufbewahrung von Disketten bietet keinen hinreichenden Schutz gegen einen unbefugten Zugriff, wenn der Schlüssel im Büro aufbewahrt wird, z. B. auf dem Schrank oder im Zettelkasten. - Geheimzuhaltende Paßwörter werden schriftlich fixiert in der Nähe eines Terminals oder PCs aufbewahrt. - Obwohl die schadensmindernde Eigenschaft von Datensicherungen hinreichend bekannt ist, treten immer wieder Schäden auf, wenn Daten unvorhergesehen gelöscht werden und aufgrund fehlender Datensicherung die Wiederherstellung unmöglich ist. Dies zeigen insbesondere die dem BSI gemeldeten Schäden, die z. B. aufgrund von Computer-Viren entstehen. - Der Zutritt zu einem Rechenzentrum sollte ausschließlich durch die mit einem Zutrittskontrollsystem (z. B. Magnetstreifenleser) gesicherte Tür erfolgen. Die Fluchttür wird jedoch, obwohl sie nur im Notfall geöffnet werden darf, als zusätzlicher Ein- und Ausgang genutzt. Teil 1 - Kapitel Seite 6 Version 1998

7 G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems Eine fehlerhafte Administration beeinträchtigt die Sicherheit eines IT-Systems, wenn dadurch IT- Sicherheitsmaßnahmen mißachtet oder umgangen werden. Eine fehlerhafte Administration liegt z. B. vor, wenn Netzzugangsmöglichkeiten (Daemon- Prozesse) geschaffen oder nicht verhindert werden, die für den ordnungsgemäßen Betrieb des IT-Systems nicht notwendig sind oder auf Grund ihrer Fehleranfälligkeit eine besonders große Bedrohung darstellen. Beispiele: Über das bei G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems gesagte hinaus kann der Systemadministrator durch eine fehlerhafte Installation neuer oder vorhandener Software Gefährdungen schaffen. Eine fehlerhafte Administration liegt auch vor, wenn Protokollierungsmöglichkeiten nicht genutzt oder vorhandene Protokolldateien nicht ausgewertet werden, wenn zu großzügig Zugangsberechtigungen vergeben und diese dann nicht in gewissen Abständen kontrolliert werden, wenn Login-Namen oder UIDs mehr als einmal vergeben werden oder wenn vorhandene Sicherheitstools, wie z. B. unter Unix die Benutzung einer shadow-datei für die Paßwörter, nicht genutzt werden. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 7

8 IT-Grundschutzhandbuch G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen Unter Softwareschwachstellen sollen unbeabsichtigte Programmfehler verstanden werden, die dem Anwender nicht oder noch nicht bekannt sind und ein Sicherheitsrisiko für das IT-System darstellen. Es werden ständig neue Sicherheitslücken in vorhandener, auch in weit verbreiteter oder ganz neuer Software gefunden. Beispiele: Zwei Beispiele für Softwareschwachstellen, die unter Unix auftraten, waren - ein Sendmail Bug, durch den es für jeden Benutzer möglich war, unter der UID und GID von sendmail Programme auszuführen und Dateien zu verändern, und - die Routine gets. Diese wurde vom Programm fingerd zum Einlesen einer Zeile benutzt, ohne daß eine Überprüfung der Variablengrenzen vorgenommen wurde. So konnte durch einen Überlauf der Stack so verändert werden, daß eine neue Shell gestartet werden konnte. Teil 1 - Kapitel Seite 8 Version 1998

9 G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen Im Gegensatz zu Stand-alone-Systemen, bei denen im wesentlichen der Login-Prozeß für die Zugangskontrolle verantwortlich ist und die somit nur durch schlechte oder fehlende Paßwörter korrumpiert werden können, gibt es auf Netzrechnern sehr viele komplexe Prozesse, die die verschiedensten Arten von Zugängen erlauben. So ermöglicht z. B. unter Unix der sendmail- Daemon das Einbringen von Texten (Mails) in den Netzrechner, der FTP-Daemon einen, wenn auch etwas eingeschränkten, Login, der u. U. (anonymous FTP) nicht einmal durch ein Paßwort geschützt ist, der telnet-daemon einen kompletten Login. Server-Systeme wie Windows NT oder Novell Netware vermeiden aus Sicherheitsgründen die Übertragung von Klartext-Paßwörtern. Dieser Schutzmechanismus wird jedoch durch den Einsatz von Diensten wie FTP oder Telnet unterlaufen, da hier wieder Klartext-Paßwörter Verwendung finden. Abgesehen davon, daß alle diese Prozesse durch eine falsche oder fehlerhafte Konfiguration eine Sicherheitslücke darstellen können, ist auf Grund ihres Umfanges natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, daß in einem dieser Prozesse ein sicherheitsrelevanten Programmierfehler ist, wesentlich größer. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 9

10 IT-Grundschutzhandbuch G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client Kennt man den NIS-Domain-Namen, läßt sich jeder Rechner als Client anmelden, und es lassen sich alle NIS-Maps, insbesondere also auch die passwd Map, abrufen. Ist es möglich, Administrationsrechte auf einem Rechner zu bekommen, läßt sich auf diesem ein NIS-Server-Prozeß (ypserv) an einem privilegierten Port starten. Startet man nun den Client- Prozeß ypbind auf dem zu infiltrierenden Rechner neu und sorgt dafür, daß der eigene Server- Prozeß vor dem korrekten NIS-Server antwortet, läßt sich jede beliebige Information an den Client überspielen. Teil 1 - Kapitel Seite 10 Version 1998

11 G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X- Client Für das X-Window-System gilt im besonderen Maße, daß es nur in einer vertrauenswürdigen Umgebung eingesetzt werden sollte, da es allen beteiligten Benutzern die Möglichkeit bietet, sowohl den X-Client als auch den X-Server zu korrumpieren. Den X-Server-Prozeß, der auf einem Rechner für die Ein- und Ausgabe zuständig ist, interessiert nicht, wem der X-Client- Prozeß, der mit ihm kommuniziert, gehört. Alle X-Clients können also auf alle Daten, die auf einem X-Server eingegeben werden, zugreifen, und der X-Server hat keine Möglichkeit festzustellen, von welchem X-Client er Daten erhält. So simuliert z. B. das Programm meltdown das optische "Schmelzen" des Bildschirms eines beliebigen X-Servers. Genauso ist es möglich, Daten von einem xterm-client zu lesen oder ihm eigene Daten zu schicken, also z. B. Bildschirmabzüge von einem anderen, mit X-Windows arbeitenden Rechner zu machen. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 11

12 IT-Grundschutzhandbuch G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium Jedes Speichermedium kann nur begrenzt viele Daten aufnehmen. Wenn diese Grenze erreicht ist, kann das zu Datenverlusten führen, aber auch dazu, daß Dienste nicht mehr verfügbar sind, wie z. B. daß - Benutzer keine Daten mehr abspeichern können, - eingehende abgewiesen wird, oder - keine Protokollierung mehr möglich ist bzw. daß noch nicht ausgewertete Protokolldaten überschrieben werden. Die Kapazität des Speichermediums kann aus verschiedenen Gründen plötzlich erschöpft sein, z. B. durch Fehler in Anwendungsprogrammen, erhöhten Speicherbedarf der Benutzer oder auch durch einen gezielten Angriff, bei dem vorsätzlich der vorhandene Speicherplatz reduziert wird, um eine Protokollierung zu verhindern. Teil 1 - Kapitel Seite 12 Version 1998

13 G 5.2 Manipulation an Daten oder Software Daten oder Software können auf vielfältige Weise manipuliert werden: durch falsches Erfassen von Daten, Änderungen von Zugriffsrechten, inhaltliche Änderung von Abrechnungsdaten oder von Schriftverkehr, Änderungen in der Betriebssystemsoftware und vieles mehr. Ein Täter kann allerdings nur die Daten und Software manipulieren, auf die er Zugriff hat. Je mehr Zugriffsrechte eine Person besitzt, desto schwerwiegendere Manipulationen kann sie vornehmen. Falls die Manipulationen nicht frühzeitig erkannt werden, kann der reibungslose IT-Einsatz empfindlich gestört werden. Manipulationen an Daten oder Software können aus Rachegefühlen, um einen Schaden mutwillig zu erzeugen, zur Verschaffung persönlicher Vorteile oder zur Bereicherung vorgenommen werden. Beispiel: 1993 wurde in einem Schweizer Finanzunternehmen durch einen Mitarbeiter die Einsatzsoftware für bestimmte Finanzdienstleistungen manipuliert. Damit war es ihm möglich, sich illegal größere Geldbeträge zu verschaffen. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 13

14 IT-Grundschutzhandbuch G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung Ohne Mechanismen zur Identifikation und Authentisierung von Benutzern ist die Kontrolle über unberechtigte IT-Nutzung praktisch nicht möglich. Selbst bei IT-Systemen mit einer Identifikations- und Authentisierungsfunktion in Form von Benutzer-ID- und Paßwort-Prüfung ist eine unberechtigte Nutzung denkbar, wenn Paßwort und zugehörige Benutzer-ID ausgespäht werden. Um das geheimgehaltene Paßwort zu erraten, können Unbefugte innerhalb der Login-Funktion ein mögliches Paßwort eingeben. Die Reaktion des IT-Systems gibt anschließend Aufschluß darüber, ob das Paßwort korrekt war oder nicht. Auf diese Weise können Paßwörter durch Ausprobieren erraten werden. Viel erfolgversprechender ist jedoch die Attacke, ein sinnvolles Wort als Paßwort anzunehmen und alle Benutzereinträge durchzuprobieren. Bei entsprechend großer Benutzeranzahl wird damit oft eine gültige Kombination gefunden. Falls die Identifikations- und Authentisierungsfunktion mißbräuchlich nutzbar ist, so können sogar automatisch Versuche gestartet werden, indem ein Programm erstellt wird, das systematisch alle möglichen Paßwörter testet. Beispiel: 1988 nutzte der Internet-Wurm eine Schwachstelle der betroffenen Unix-Betriebssysteme aus, um gültige Paßwörter zu finden, obwohl die gültigen Paßwörter verschlüsselt gespeichert waren. Dazu probierte ein Programm sämtliche Eintragungen eines Wörterbuches aus, indem es sie mit der zur Verfügung stehenden Chiffrierfunktion verschlüsselte und mit den abgespeicherten verschlüsselten Paßwörtern verglich. Sobald eine Übereinstimmung gefunden war, war auch ein gültiges Paßwort erkannt. Teil 1 - Kapitel Seite 14 Version 1998

15 G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern Zu einfache Paßwörter lassen sich durch systematisches Ausprobieren herausfinden. Beispiel: Eine Untersuchung von Klein (Klein, Daniel V. 1990, USENIX Security Workshop Proceedings, Portland August 1990) an Accounts ergab eine Erfolgsquote von 24,2 %, wobei folgende Möglichkeiten für ein Paßwort ausprobiert wurden: ca. 130 Variationen des Login Namens (Vor- und Zuname) und anderer persönlicher Daten aus dem /etc/passwd File, häufige Namen, Namen von bekannten Personen, Namen und Orte aus Filmen, von Sportereignissen und aus der Bibel, gebräuchliche Schimpfwörter und Wörter aus Fremdsprachen, verschiedene Variationen dieser Wörter, wie z. B. Umwandlung Groß-Kleinschreibung, Einfügen von Sonder- und Kontrollzeichen, Umkehrung der Buchstabenreihenfolge, wiederholte Buchstaben (z. B. aaabbb) oder häufige Abkürzungen (z. B. rggbv für die Farben des Regenbogens) und Paare aus zwei kurzen Wörtern. Alle diese Kombinationen und mehr lassen sich mit Hilfe des Public Domain Programms crack von jedem Benutzer eines Unix-Systems, auf dem die Paßwortdatei frei zugänglich ist, ausprobieren. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit, ein Paßwort durch systematisches Probieren aller Kombinationen zu finden, bei zu kurzen Paßwörtern groß. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 15

16 IT-Grundschutzhandbuch G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten Angreifer zeichnen bei diesem Angriff eine Nachricht auf und spielen diese Information zu einem späteren Zeitpunkt unverändert wieder ein. Beispiele: - Aufzeichnen von Benutzer-ID und Paßwort, um sich unter Vortäuschen einer falschen Identität Zugang zu einem System zu verschaffen (siehe auch G 5.21 Trojanische Pferde). - Erneutes Aufgeben einer Bestellung, um finanziellen Schaden zu verursachen. Teil 1 - Kapitel Seite 16 Version 1998

17 G 5.25 Maskerade Die Maskerade benutzt ein Angreifer um eine falsche Identität vorzutäuschen. Eine falsche Identität erlangt er z. B. durch das Ausspähen von Benutzer-ID und Paßwort (siehe G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung), die Manipulation des Absenderfeldes einer Nachricht, durch die Manipulation einer Kartenadresse im Netz oder durch die Manipulation der Rufnummernanzeige (Calling Line Identification Presentation) im ISDN. Ein Benutzer, der über die Identität seines Kommunikationspartners getäuscht wurde, kann leicht dazu gebracht werden, schutzbedürftige Informationen zu offenbaren. Ein Angreifer kann durch eine Maskerade auch versuchen, sich in eine bereits bestehende Verbindung einzuhängen, ohne sich selber authentisieren zu müssen, da dieser Schritt bereits von den originären Kommunikationsteilnehmern durchlaufen wurde. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 17

18 IT-Grundschutzhandbuch G 5.28 Verhinderung von Diensten Ein solcher Angriff zielt darauf ab, die IT-Benutzer daran zu hindern, Funktionen oder Geräte zu benutzen, die ihnen normalerweise zur Verfügung stehen. Dieser Angriff steht häufig im Zusammenhang mit verteilten Ressourcen, indem ein Angreifer diese Ressourcen so stark in Anspruch nimmt, daß andere Benutzer an der Arbeit gehindert werden. Es können z. B. die folgenden Ressourcen künstlich verknappt werden: Prozesse, CPU-Zeit, Plattenplatz, Inodes, Verzeichnisse. Dies kann z. B. geschehen durch - das Starten von beliebig vielen Programmen gleichzeitig, - das mehrfache Starten von Programmen, die viel CPU-Zeit verbrauchen, - das Belegen aller freien Inodes in einem Unix-System, so daß keine neuen Dateien mehr angelegt werden können, - das Anlegen sehr vieler kleiner Dateien in einem Verzeichnis auf einem DOS-PC, so daß in diesem Verzeichnis keine neuen Dateien mehr angelegt werden können, - die gezielte Überlastung des Netzes, - das Kappen von Netzverbindungen. Teil 1 - Kapitel Seite 18 Version 1998

19 G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten Eine Kommunikationskarte (z. B. eine ISDN-Karte oder ein internes Modem, aber auch ein externes Modem) kann eingehende Anrufe automatisch entgegennehmen. Abhängig von der eingesetzten Kommunikationssoftware und deren Konfiguration besteht dann die Möglichkeit, daß ein Anrufer unbemerkt Zugriff auf das angeschlossene IT-System nehmen kann. Über eine Kommunikationskarte kann ein externer Rechner als Terminal an einen Server angeschlossen werden. Falls der Benutzer sich nach einer Terminalsitzung abmeldet, aber die Leitung ansonsten bestehen bleibt, ist vom externen Rechner ein Zugang wie über ein lokales Terminal möglich. Damit haben Dritte, die Zugang zu diesem Rechner haben, die Möglichkeit, Benutzerkennungen und Paßwörter zu testen. Wesentlich gefährlicher ist der Fall, daß die Verbindung unterbrochen wird, aber der Benutzer nicht automatisch am entfernten System ausgeloggt wird. Dann kann der nächste Anrufer unter dieser Benutzerkennung weiterarbeiten, ohne sich anmelden zu müssen. Er hat somit vollen Zugriff auf das IT-System, ohne sich identifiziert und authentisiert zu haben. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 19

20 IT-Grundschutzhandbuch G 5.48 IP-Spoofing IP-Spoofing ist eine Angriffsmethode, bei der falsche IP-Nummern verwendet werden, um dem angegriffenen IT-System eine falsche Identität vorzuspielen. Bei vielen Protokollen der TCP/IP-Familie erfolgt die Authentisierung der kommunizierenden IT- Systeme nur über die IP-Adresse, die aber leicht gefälscht werden kann. Nutzt man darüber hinaus noch aus, daß die von den Rechnern zur Synchronisation beim Aufbau einer TCP/IP- Verbindung benutzten Sequenznummern leicht zu erraten sind, ist es möglich, Pakete mit jeder beliebigen Absenderadresse zu verschicken. Damit können entsprechend konfigurierte Dienste wie rlogin benutzt werden. Allerdings muß ein Angreifer dabei u. U. in Kauf nehmen, daß er kein Antwortpaket von dem mißbräuchlich benutzten Rechner erhält. Weitere Dienste, die durch IP-Spoofing bedroht werden, sind rsh, rexec, X-Windows, RPCbasierende Dienste wie NFS und der TCP-Wrapper, der ansonsten ein sehr sinnvoller Dienst zur Einrichtung einer Zugangskontrolle für TCP/IP-vernetzte Systeme ist. Leider sind auch die in Schicht 2 des OSI-Modells eingesetzten Adressen wie Ethernet- oder Hardware-Adressen leicht zu fälschen und bieten somit für eine Authentisierung keine zuverlässige Grundlage. In LANs, in denen das Address Resolution Protocol (ARP) eingesetzt wird, sind sehr viel wirkungsvollere Spoofing-Angriffe möglich. ARP dient dazu, zu einer 32-Bit großen IP-Adresse die zugehörige 48-Bit große Hardware- oder Ethernet-Adresse zu finden. Falls in einer internen Tabelle des Rechners kein entsprechender Eintrag gefunden wird, wird ein ARP-Broadcast-Paket mit der unbekannten IP-Nummer ausgesandt. Der Rechner mit dieser IP-Nummer sendet dann ein ARP-Antwort-Paket mit seiner Hardware-Adresse zurück. Da die ARP-Antwort-Pakete nicht manipulationssicher sind, reicht es dann meist schon, die Kontrolle über einen der Rechner im LAN zu bekommen, um das gesamte Netz zu kompromittieren. Teil 1 - Kapitel Seite 20 Version 1998

21 G 5.49 Mißbrauch des Source-Routing Der Mißbrauch des Routing-Mechanismus und -Protokolls ist eine sehr einfache protokollbasierte Angriffsmöglichkeit. In einem IP-Paket läßt sich der Weg, auf dem das Paket sein Ziel erreichen soll oder den die Antwortpakete nehmen sollen, vorschreiben. Die Wegbeschreibung kann aber während der Übertragung manipuliert werden, so daß nicht die durch die Routing Einträge vorgesehenen sicheren Wege benutzt werden (z. B. über die ), sondern andere unkontrollierte Wege. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 21

22 IT-Grundschutzhandbuch G 5.50 Mißbrauch des ICMP-Protokolls Das Internet Control Message Protocol (ICMP) hat als Protokoll der Transportschicht die Aufgabe, Fehler- und Diagnoseinformationen zu transportieren. Es läßt sich in mehrfacher Weise mißbrauchen. Zum einem können über Redirect Pakete die Routingtabellen eines Rechners geändert und z. B. unerwünschte Routen konfiguriert werden. Zum anderen kann ein Angreifer gefälschte Destination Unreachable Pakete in die Verbindung einschleusen, so daß die bestehende Verbindung unterbrochen wird und somit die Verfügbarkeit der Netzverbindung nicht mehr gewährleistet ist. Teil 1 - Kapitel Seite 22 Version 1998

23 G 5.51 Mißbrauch der Routingprotokolle Routing Protokolle wie RIP (Routing Information Protocol) oder OSPF (Open Shortest Path First) dienen dazu, Veränderungen der Routen zwischen zwei vernetzten Systemen an die beteiligten Systeme weiterzuleiten und so eine dynamische Änderung der Routingtabellen zu ermöglichen. Es ist leicht möglich, falsche RIP-Pakete zu erzeugen und somit unerwünschte Routen zu konfigurieren. Der Einsatz von dynamischem Routing ermöglicht es, Routing-Informationen an einen Rechner zu schicken, die dieser in der Regel ungeprüft zum Aufbau seiner Routingtabellen benutzt. Dies kann ein Angreifer ausnutzen, um gezielt den Übertragungsweg zu verändern. Version 1998 Teil 1 - Kapitel Seite 23

24 IT-Grundschutzhandbuch G 5.78 DNS-Spoofing Um im Internet mit einem anderen Rechner kommunizieren zu können, benötigt man dessen IP- Adresse. Diese Adresse setzt sich aus vier Zahlen zwischen 0 und 255 zusammen, also zum Beispiel Da solche Nummern nicht sehr einprägsam sind, wird einer solchen IP- Adresse fast immer ein Name zugeordnet. Das Verfahren hierzu nennt sich DNS (Domain Name System). So kann der WWW-Server des BSI sowohl unter als auch unter angesprochen werden, da der Name bei der Abfrage in die IP-Adresse umgewandelt wird. Die Datenbanken, in denen den Rechner-Namen die zugehörigen IP-Adressen zugeordnet sind und den IP-Adressen entsprechende Rechnernamen, befinden sich auf sogenannten Nameservern. Für die Zuordnung zwischen Namen und IP-Adressen gibt es zwei Datenbanken: In der einen wird einem Namen seine IP-Adresse zugewiesen und in der anderen einer IP-Adresse der zugehörige Name. Diese Datenbanken müssen miteinander nicht konsistent sein! Von DNS-Spoofing ist die Rede, wenn es einem Angreifer gelingt, die Zuordnung zwischen einem Rechner-Namen und der zugehörigen IP-Adresse zu fälschen, d. h. daß ein Name in eine falsche IP-Adresse bzw. umgekehrt umgewandelt wird. Dadurch sind unter anderem die folgenden Angriffe möglich: - r-dienste (rsh, rlogin, rsh) Diese Dienste erlauben eine Authentisierung anhand des Namens des Clients. Der Server weiß die IP-Adresse des Clients und fragt über DNS nach dessen Namen. - Web-Spoofing Ein Angreifer könnte die Adresse einem falschen Rechner zuweisen, und bei Eingabe von würde dieser falsche Rechner angesprochen werden. Wie leicht es ist, DNS-Spoofing durchzuführen, hängt davon ab, wie das Netz des Angegriffenen konfiguriert ist. Da kein Rechner alle DNS-Informationen der Welt besitzen kann, ist er immer auf Informationen anderer Rechner angewiesen. Um die Häufigkeit von DNS-Abfragen zu verringern, speichern die meisten Nameserver Informationen, die sie von anderen Nameservern erhalten haben, für eine gewisse Zeit zwischen. Ist ein Angreifer in einen Nameserver eingebrochen, kann er auch die zur Verfügung gestellten Informationen abändern. Der Fall eines direkten Einbruchs auf einen Nameserver soll hier nicht weiter betrachtet werden. Vielmehr geht es darum, prinzipielle Schwächen im DNS aufzuzeigen. Anhand zweier Beispiele sollen unterschiedliche Methoden aufgezeigt werden, mit denen DNS- Spoofing möglich ist. 1. Ein Anwender auf dem Rechner pc.kunde.de will zuerst auf und dann auf den Konkurrenten zugreifen. Um auf zugreifen zu können, muß er erst die zugehörige IP-Adresse bei seinem Nameserver ns.kunde.de nachfragen. Dieser kennt die Adresse auch nicht und fragt beim Nameserver von ns.firmax.de nach. Dieser antwortet mit der IP-Adresse, die von ns.kunde.de an den Anwender weitergeleitet und gespeichert wird. Befindet sich in dem Antwortpaket von ns.firma-x.de neben der IP-Adresse von auch noch eine beliebige IP-Adresse für für den Rechnernamen so wird auch diese gespeichert. Versucht der Anwender nun, auf zuzugreifen, fragt der eigene Nameserver ns.kunde.de nicht mehr bei dem Nameserver ns.firma-y.de nach, vielmehr gibt er die Informationen weiter, die ihm von ns.firma-x.de untergeschoben wurde. Teil 1 - Kapitel Seite 24 Version 1998

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