Erinnerungen eines Schülers (geb.1928) der Ottakringer Realschule an seine Kindheit und Jugend.

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1 Erinnerungen eines Schülers (geb.1928) der Ottakringer Realschule an seine Kindheit und Jugend. Das Ulnfeld: Rund um den Schuhmei rplatz war die Situation fast ähnlich wie sie heute erscheint. Anstell des Wohnhaus zdr Thaliasträsse hin ständ eine Häuptshule, die nadr dem Krieg den Russen als Kommentatura und der KPO als Bezirkszentrum diente. Freiflächen Tn etwas weiterer Fntfemung gab es viele zum Herurntollen und Spielen. Der Bereich zwischen zagoßkigässe und Pfenniggeldgasse war die soqenannte "Gruam", Eine Vertretung, die sich im wint r zum Rodeln eignete. Di se "Gtuam" wu.de dänn während des Kneges mit Bombenschutt aufgefüllt, sodass eine hohe. Hügel entstand, der sich zum Drachsteigen eignete und vor allem auch arr aeobachtung von feindli hen Flugzeugen, die aluminiumstreifen öbwarfen um die ortung durch die Luftwaffe zu rschweren. Ein and r r Rod lplatz war oicht weit: vom Rohrauerpar& zu cablenzgisse, di dämals keine Durchzugsstraß war. Heute sind dort eane Tiefgarage und eine Hof rfiliale. Die Pfenninggeldgasse zwischen Koppströs* und und spetterbrücke war ziemlich tiefgelegen, sodass sie beaeinem G witter.egen einig Stunden überflutet war und sich so zum "Boot fahren" mit einem alten waschtrog eignete, Erst nach dem Krieg wurde dieser Straßenteil äuf däs heutige l'liveau Der westliche Teil von d r Pfenninqgeldgasse bis zur KendleEtraoe nutzten zwei Gärtnereien (Exner und Kl m nt) ond eanagen Gewerbebetriebe. Längs der Kendl rsträße wären dre

2 einige Großhändler lür Brennstoffe. In den 5oer "Kohlerutschen", Jähren üb.siedelte an diese stelle die Fa, Od lga/ die bis dahin chirurgis.te B stecke an der Panikengasse ((oppstrasse) rertigt. Der gögte Teil diees Areals (zur Koppstraße hin) war "Gstäften". Ideales Geländ zum Spiel n und beliebter Standplatz für zirkusse. unsere.kulturellen Aktivität n" an Sonntagen bestanden im Besuch der KindeNoßtellungen im Roseggerkino ( nenk lst.abe). wild' Westfilme mit dem Schauspieler Tom-Mix waren immer wi cler am zwei Stegreiftühnen, der Tschaun r in d r Gangelbauergasse und der Walcher in d r Eisnergasse locken lung und alt an. Lange rahre später betrieb wal her eine Puppenbühne am heutigen Und "Ischaun r" heißt noch immer ein Stegreirbühne in der Eislauf plätze - Sportplätze Im Winter naüen wir viele Gelegenheiten zum Eislaufen: Hinter der Helligengelstkirche (zur Koppstrassse hin) war das im winter Eislaufplatz mit lvlusik, im Sommer "Kirch nplatzl': Spielplatz. Später war aufdies m Gelände eine Holzhandlung, 1967 wurde darauf der "weinheberhof erichtet. Ein weit rer beliebter EislauFlatz wär beim "Kinstler", auf der K ndleßtraße unter der sp tt örücke lm Sommer ein v rgnügungsviertel mit Ringelspiel, Huts.h n, Schießständ, Käspertheäter und Artisten (Kinstlem). Verewigt ist der Kinstler b i H.C.Artmann "Oer Ringelspülbsitzef. später wurde dieses Gelände von einer Firma (Ebbs & Radinger?), die Belonmis hmas hinen und Gabelstapler erzeugte bzw. damit handelte), qenutd. Heute hat sich dort das Bundesheer einquartiert. am südlichen Teil st ht das umsoannwerk. Oie s hnierölfabrik ön der Ecke zu Gablenzgasse musst der Ee iterung des Helfortplatzes weichen,

3 weitere Eislaufplätze wa. n in der Gälitzinsträße - dies war auch der Platz, den die Realschule im winter frequenti rte. Aufder Schmelz waren zweiweit r Plälze: der heutig ASKO-Platz und einer. äufdem heute eine Kirche steht (Oeverseestaße- Die Ecke Possingergass -Gablenzgasse benütze die Tschechische Schule (heute Mod*chule-Heöstraße) als Sportplatz, und wurd vor 1938 von den Ts hechen im Winte. auch als Eisstockplatz ge.ützt. Näch 1938 war e. sportplät2 für die Reälschule. während der Schulzeit am Schuhmeaerplatz (nach 1938) waren wöchentli h 6 Tumstunden im Stundenplän vorgesehen, sod.ss im winte. die Eisläufplätze frequentiert wurden oder auch im Wienerwald Rodelpartien stattfanden, im sommer waren wir am Böhmischen Platz tumen oder irn wienerwald Kräut rsammeln (die dänn in den zeichensälen zurn Trocknen ausgelegt wurde Einkauf smöglichkeitenl Am Schuhmei rplatz (Arltgass zur Thaliästrasse hin) gab es eine Buchhandlung (Kury) mit einem relchnaltig n Antiquariat. Di se übersied lle dann in die Thaliastrass (bei der Brunnenqsse ) und in späterer zeit wiederzürück - es ist die heutige Thaliabuchhandlung Büch r, l'4usikalien, Papierua.en emärb man auch beim Maye.- Ottakringerstraoe. Oieses Geschäft ist noch im Famili nbesitz und wird h ute von einem ehemaligen schüler Hr. rvlargaritella gefiihrt. Er ist der Urent l vom alten l,laye.. Oie dritte Suchhandlung (Mück) war in der OttakrangerstraBe beam Nepumuk-Aerger Plätz. PapieMäreo, Schulheft erhielt man in dr i Geschöften in unmjttelbarer Nähe: beim worf (Ecke Possingergasse), bei der wentz (Arltgasse) und bei de. Seidenberg r (Hasnerstrasse).

4 8 im Hasenöhd (Ottakringerst.a8e) konnte man auch während des Krieges Hefte mit schönem wei0 n, holzfreien Päpier käufen; diese reich sortierte Papierhandlungibt es auch nicht m hr, sie schloss um die lahnausendw nde. Wesentlich fijr das Wohlergehen von Kindern waren auch die zuckerlgeschäne in der Häsnedm8 und in der Ffenninggeldgasse. Im Sommer versorgte uns das Eisgeschöft Fischer (Po$ingergässe- Thaliastrasse) mit köstlichen Eissort n Eintrin in die Deuts.he Oberschule für,ungen. 1.(lasse 1938/39. Nach elner Aurnahmsprüfung wurde ich im Herbst 1938 mlt anderen 41 Kindern in die 1b Klasse aufgenommen. Einige lnserer Lehrer waren: l.mb rger, neeer, Reichhard, Panc& Z Gh, Zätovcct, Läüterbach, Faul, aub.ndorfcr. GriEbauch, Hübl. Beeindruckend fü. uns Kleinen war, dass die Schüler der Ob rstufe Gänginspektion gehalten haben und dass ein I Klasssler mit dem Auto zu Schule gekommen ist, Später beam Studium habe jch diesen wieder getroffen lnd er war bis zu seinem Tod ein treuer Besucher der OKT - Veranstaltungen. 2. Klasse 1939/40. Die Schule sollte als Läzärett ädaptlert werden, Oie Klassen würden in die Schule Albetgasse verlegt. Einlge ältere Lehrer gingen mlt, änder mussten ehrückenr sodass wir nätürlich wieder ändere Lehrpersonen kennenle.nten (mussten). 3.(lasse 1940/41. An neuen Gegenständen kamen dazur Latein bei Frau Prof. Etzmannsdorfer (lieb aber streng) und Darstellend Geometrie beim Direktor (crn (zum auskommen). 4. Klasse L

5 Immer wieder Lehr rwechsel: aalad. in Englisch, s haebel in Geschjchte und Geographie, Kath.ein in Math matik, Physik und s. (läße Der Ceburtstahrgang 1927 wird zur Heimatnak jngezogen und auf der Schmelz (längs der Possingergass ) saationiert. In diese zeit fällt auch die Sanieruns der Possingergasse (zwischen Herbststraße und akkonplatz), die bis dähio eine unbefestigte LandstraB war und bei Reg nwetter kaum begehbar oder fahrbär Die Schm lz wude schon anfangs des Kriegs in kleine Parzellen aufgeteilt, sodass die Bevölkerung dort Gemüse und obst anbaued konnten (GMBELAND wa. der Nam rür diese Grundstück und solche konnte män äuf vielen Freiflächen antreffen. Nach Auflassen dieser Flakstellung wurd n wieder Grabeländ r rrichtet und diese mussten erst in den 50, bzw- 60lahretr mit der verbauun9 derschmelz (5chule, Kirche, UniversitäGinslitut) 5. Klasse 1943/44. Ierbst 1943 w rden die ersten Schüler des Geburtsjahrganges 1928 zur Hcimatrl.k eingezogen (erst Station Stammersdoo. Der Rest der Klässe hatte weite.hin UnGrncht - oft unterb.och n vom Fliegeralarm, während dessen wir im K ller in lyitt n von Kohlen und alten Schulmöbel Schutz suchten. ln da se Z it tallen auch die ersten ächtdi ns!. für di älteren Schüler, die wir ja nun waren. In jedem Haus waren Luftschutzbeauftragte, da b i Brand ein9rejren, bzw. Halr herbeirufen mussten. In den Schulen fiel diese Rolle uns 6 Klasslern zu. Un*r war die Lehre. (schüle4-bibliothek im Parte.re "Dienstzimmer' recnts neben dem Tsrnsaal. Spät r wurd n aus dieser die Sanitäräume für dea Turnsaal..!änner wurd n einage Schüler (Pribil, Schindler, Batzing r,..) zur Ausbildung al3 Eri.her (Betreuer für die Unt rsturenschüler, die nach ungam verlag rt wurd n) nach Podiebräd abkommandiert. Nach einer woche Ausbildung in diesem schönen Ku.ort (vergleichbar mit Baden) wurden viele wiener wegen zu 9.oß r Laschheit wieder zurück 9eschickt.

6 Kaum in Wien angekommen, erhielt ich schon die Einbcrufung zur H.imamäk (stellungso.t wär die Käserne Küniglberg, heute ist do.t das ORF.G bä'rd, Einsatzort wurde wiene.-neustadt, 8,8er Flak). Nun begannen die starken Lunangriffe auf den Osten von Osterreich - auf wien, das Industrieviertel südlich von wien und schließlrch auch waener-neustadt, das zu Pnngsten fast völlag Bombenschäden in Ottaknng waren in der Heandlgasse, Liebhartsgasse und rund urn den lohann-nepumuk-be19er'pl.tz. Es war gedacht, dass die Luftwaffenhelfer während ihres Einsatzes auch Schulünt rricht haben sollten. Aber in diesen turbul nt n Monaten war weit und b.eit kein Lehe. zu s hen und auch keine zeit sich aufs Lernen ni konzentrieren. Meine weiteren Einsatzorte war n unter and rem auch Wa.n.rt{eudorf (8,8er Fläk, vierlingsnak), wo wir nach d m Attentat auf Hitler ein Gewehr in die Hand gedrückt bekamen- Einige Tage war Alarmbereitschaft, sodäss die v rsorgung nicht r cht klappt und wir uns in den umliegenden Feldem von jungem Möis und Mohn aber auch die xädchen bis Geburtsiahrgang 1929 hatten Kriegsdienst zu leisten: sie wurden in Luftschutzzenträlen (2.8. aud' im Schirachbünker), zur Montag von technischem G rät in Fabriken, und als Helferinnen an Bahnhöfen für.eisende {evakuierte) Mütter mit ihren Kleinkindem eanges tzt. (7. (lasse)1944/45. Irgendwann im Heöst wu.de ich aus der H imatflak ntlassen und ich konnte wieder zurück aur den Schuhmeierplätz. Aber die Schule wurde v{ieder dislociert. Der Geburtsjahr9.n musste in die Schule Henriettenplätz (?), di j{ingeren kamen in die Schule Kalvariemberg9ass Geblergasse. Natürlich meldete ich mich in der Direktion am Henriettenplatz, ledoch lehnte mich der Di.ektor ab, weil ich rür das vergangene schuljahr weder ein Zeugnis, noch eine Unterrichcbestätigung

7 Also wänderte ich wiede. nach Oftakrin9 zurück 'ind begann mat dem jüngeren lahrgan9 an der Gebl rgase zum zw iten Maldie 6. (lasre. Wir waren ein g mischter Häufen: schüler vom Schuhmeierplätz, von der Geblergasse und einer anderen Schule aus dem 18. Bezirt. Geprägt waren die folgenden Monaten von däuemden Fliege.- alarmen, und sc1 ließlich endete die Schulzeit an daesem ort damit, dass die Schule zur Hälfte z rstört wurde (im Schulhof waren außerd m mehr als ein Dutzend Blindgi,ngerbomben). Nöch einige. zeit aufräumungsarbeiten war auch offiziell kein Unterricht mehr und das Ende des Krieges näherte sich. Eine Einbe.ufung zu. Flak, Arbeitsdienst ode. Wehrmacht b kam ich nicht mehr, sodass ich auf das Ende dieser Zeit wartete. "arbeitslos" Kriegsende Der Krieg war zu Ende, aber die Schule konnte nicht geöffnet w rden- wie viele andere ötr ntliche G bäude di nt n sie den Russ n.ls Quartier. Die rührig lvlutter ein s Schulkoll gen sorgte.larür, dass ih. Sohn und ich bei einem pensionierten schuldirekor Stenographie lemen mussten- Nach einagen Wochen Unt rricht - wir schafüen s bis zur Eilschrjft - gingen wir in eine Sommeßchule, um den Mittelschulstoff zu wt dernolen und zu erweitern. Wir lemten also eifrig in der Westbahnstraoe beim Roland und empfand n dies Zeit durchaus Schließlich kam der Sommer; dae Schulen (uns re Klassen wurden in das Gymnasium f4aroltingergasse verlegt) wurden wieder geöffnet und jch begann zum dritten Mal die 5. Klasse, die ich dann Ende August mit ein m Zeugnis.bschließen konnte.

8 7. Klarre 1945/46. Alle einserückten Kollegen der Geburtsjahr9än9e 1928 und 1929 kamen heil von ihren Einsatzorten zuraick/ aber trotzdem hatten war in der siebeoten Klasse einen Toten zu beklagen. Mein Sitznachbar Hcrb.rt Stummer slärb än Drüsenkrebs. Ab He.bst wär nun sieder weitgehend normaler Schulbetrieb. Da ifi der tlarolting rgasse nun zwei schulen einquartiert war n, konnte nur durdr inen we.hselunterricht der Betrieb bewältigt An die neuen Klassenkollegen gewöhnte ich mich bereits in den Sommermonäten- Manche Lehr r waren mir auch bereits bekannt, so manche kamen neu dazu. wir hatten die Herren latzke in Deutsch, Englisch und Philosophie, Hock in lvläthematik, Physik und Darsterlende Geometrie, Sicgloch in Geschichte und Geoqraphl, Grohs in Latein, Babij in Religion, Rolli4e. Turnen, l-autenbäch in Kunsterziehung. in r'4usik, Hübl in eine Dame, Frau Dr. Hazar ünterrichtete uns in chemie. Als Fr ifach wählten wir Russisch. vor allem äuch, weil dieses Fach als Samlnelkurs geführt w!.de, d.h. vaele f4ädchen aus dem Gymnasium waren auch Teiln hmer. Dieser Russischunterricht wurde vom Oirektor, Herrn Latzel geführt und j dem von lns Schüler war dieses Fach eine Bereicherung, weil wir nicht nur etwas Russis h und di russische Schrift lemten, sondern weil Dtrektor Latzel immer wieder QueNe.bindungen zu anderen Sprachen - Latein, Englisch. Französis.h, ltalienisch - fand. Oir ktor Latzel war ein sehr tüchtiger Organisator mlt vielen veöindungen zu d n Russen und Franzosen, sodöss es ihm gelang, die Klassen im Schuljahr 1949/48 wieder in die renovierte Schuhmeießchule zu übersiedeln.

9 S.Klasse (r Das Schuljdhr verlief nun normalweiter. Einzig die ausspeislngen 2u Mlttag (mit Kakao, Milchnudeln, Mrlchrels, silverhakes = Sardinen....) erlnnert n, dass Nachkriegszeit war und das tiigliche Leben von Entbehrungen gepr.gt war. In de. schul bemerkt n wir vor allem im winter die allgemehe Not: es mangelte an Bretrnmaterial und an viel n Tagen fand der Untericht in spärlich geheizten Kaff ehöusem (Thaliastrasse- Brunnengasse) statt- Ende gut - alles gut. (VorsiEender HR. Provatznlk) oiese zwel lahre Nachkrlegszeit in d r neuen Klasseng meins.haft scnweiote uns 22 Maturänten derartlg zusammen. dass wir s it dleser Zeltjähdich vier Mäl zusammenkommen und beirunden lubiläen durch einen Dankgottesdienst, kulturelle aktivitäten und vor allem auch durch geselliges Belsämmensein dieser zeit

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