(Heinz Mack: Großes Fabenspektrum, 2007) PREDIGTGEDANKEN ZUR BEERDIGUNG VON FRITZ WALTER

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1 (Heinz Mack: Großes Fabenspektrum, 2007) PREDIGTGEDANKEN ZUR BEERDIGUNG VON FRITZ WALTER Hilzingen 30. Mai 2005

2 "Gnade sei mit euch und Friede von IHM, der da ist und der da war und der da kommt, und von dem Heiligen Geist und von Jesus Christus. Amen." Liebe Trauergemeinde, liebe Frau Walter, lieber Herr Walter, liebe Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Schule! Am Montagmorgen hat Fritz Walter dieser Welt den Rücken gekehrt. Ganz plötzlich wurde er aus dem Leben gerissen, wie wir im Allgemein versuchen dieses Schicksal in Worte zu fassen. Wir nehmen Abschied von Fritz und denken an vielgestaltigen Erlebnisse und vielen Begegnungen, die ein jeder von uns mit ihm auf seine Weise gehabt hat. Der plötzliche Tod ist noch kaum zu begreifen; auch wenn es manchmal den einen oder anderen Hinweis gegeben hat, daß 2

3 Fritz eines Tages auf eine ihm eigene Weise der Welt Lebewohl sagen würde. An einem solchen Abschiedstag tauchen alte Erinnerungen auf: an die Zeit, in der Sie Ihren Mann kennengelernt haben, an die schönen Reisen, die Sie zusammen unternommen haben, liebe Frau Walter. Es sind Geschichten aus Ihrer Kindheit und Jugend, Herr Walter. Manch einer von uns denkt an Fritz, den Kollegen in der Schule: wie er ein bißchen liebevoll brummelig ins Lehrerzimmer kam. Wie er sich um seine Schüler gekümmert hat. Wie sollen wir diesen Abschied verstehen, ihn in Fritz, ihn in unser Leben einordnen? Vielleicht wäre es gut zu schweigen? Aber damit würde die Beklommenheit die Oberhand gewinnen. Also lieber reden. Wovon? 3

4 In der Bibel wird in dem Buch der Richter von einem Lehrer und Führer des Volkes Israel berichtet. Es ist eine Erzählung aus alter Vorzeit, es geht dabei um viel Geschichtliches. Diese Teile lasse ich hier weg (die kirchlich Versierten unter Ihnen mögen mir diese Freiheit zugestehen); ich möchte statt dessen einige Erzählteile dieser Geschichte als symbolischen Kampf des Starken gegen die dunklen Mächte des Lebens deuten und diese Deutung mit dem Leben von Fritz in Beziehung setzen. Fritz mußte lernen, schon in seiner Kindheit ein innerlich starker kleiner Junge zu sein; die Jugend in der Nachkriegszeit, die Wohnortwechsel von Stuttgart über Tübingen nach Bühlertal waren alles andere als leicht. Von dem Kämpfer in der 4

5 alten biblischen Geschichte wird erzählt, wie er auf seiner ersten Reise schon den Gefahren des Lebens ins Auge blicken mußte: er besiegte einen großen Löwen. Ich dachte bei Ihren Erzählungen über Ihren Mann, liebe Frau Walter: mit welchen Löwen hatte Fritz damals oft kämpfen müssen? Der Held der Bibel wird als immer einsatzbereit geschildert, immer kampfbereit, immer gut gerüstet - und war nicht auch Fritz immer zuverlässig, war er nicht immer fachlich hoch versiert in seinem Beruf anzutreffen? Der biblische Kämpfer setzte sich Zeit seines Lebens für die hilflosen in seinem Volk ein und Fritz? Wie verhielt er sich? Er war immer freundlich, er war ein guter Kollege und Lehrer. Einer seiner Schüler sagte einmal über ihn: Bei Herr Walter hatte ich eine 4 in Mathe, ich habe aber immer 5

6 alles verstanden. Später, bei einem anderen Mathelehrer, bekam ich eine 2, aber ich habe nichts verstanden Fritz hat sich gerne um die Kinder und Jugendlichen gekümmert. Ich erinnere mich noch vage an manches Gespräch, das wir über Schüler hatten: er hat immer versucht eine Lösung für die Probleme der Jugendlichen zu finden. Der Held unserer biblischen Erzählung wurde oft auf die Probe gestellt, und mußte sich oft seines Lebens erwehren. Hier klingen schon Dinge an, die vermutlich auch im Leben von Fritz eine Rolle gespielt haben: er mußte oft kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. Nicht nur einmal hat er sich in den Kampf = Ausbildungen und Weiterbildungen gestürzt, um ein neues Ziel zu erreichen. Wie unser Held in der alten 6

7 Überlieferung hat Fritz Walter diese Herausforderungen mit seinem starkem Durchsetzungsvermögen gemeistert. Gegen Ende der alten Geschichte wird unser Mann der Tat von dunklen Mächten heimgesucht. Fremde Gewalten aus einem anderen Land bedrohen sein Leben. Immer wieder wird er gewarnt; er wehrt die Ängste ab, lacht darüber, er glaubt sogar, alles im Griff zu haben Doch dann erwischt es ihn. Er wird gefangengenommen, er wird gebunden und weggeführt. Die Parallelen zu Fritz letzten Jahren werden für mich hier sichtbar. Auch er erhielt so manchen liebevollen und drängenden Hinweis, auf die lauernden Gefahren zu achten. Doch er hat sie ignoriert. Vielleicht ist ihm seine lebenslang antrainierte Stärke letztlich zum Schicksal geworden. Wer jahrzehntelang nur 7

8 am Kämpfen ist, wer immer wieder den guten Kampf gefochten hat, der steht in Gefahr, den Überblick zu verlieren. Fritz hat sich zurückgezogen, die fremden Mächte haben ihn gebunden und schließlich fortgeführt aus dem Leben. In seinem Tod bäumt sich unser Krieger noch einmal auf, so erzählt die Bibel. Er selbst ist es, der den Zeitpunkt seines Todes bestimmt. Und im Sterben reißt er alle Mauern und Säulen ein, die zum Zeichen und Sinnbild der dunklen Gewalten geworden sind. Durch seinen Tod befreit er sein Volk und rettet es. Die Menschen sind endlich frei. Fritz hat der Welt in einem Augenblick den Rücken gekehrt, als er für sich alleine war. Vielleicht der Gedanke kann natürlich nur eine Vermutung sein! hat er mit seinem Sterben all 8

9 die Mauern zum Einsturz gebracht, die das Leben letztlich sehr beengt hatten. Fritz ist jetzt frei, er muß nicht mehr kämpfen. Und für uns könnte diese Sichtweise möglicherweise eine Hilfe sein, neuen Mut für unser Leben zu finden. Die Bibel erzählt in großen Liedern dankbar von einem Mann, der viel Gutes getan hat, aber letztlich an seiner Stärke zerbrochen ist. Wir denken dankbar an all das Gute und Schöne, das wir mit Fritz Walter erleben durften, und geben das Schwere, das er durchgemacht hat, der Erinnerung anheim. Einer Erinnerung, die mit der Zeit verblassen wird, um das Schöne und Dankbare heller leuchten zu lassen. Mit einem Wort Jesu möchte ich Fritz Walter von uns verabschieden: 'Frieden hinterlasse ich 9

10 euch, meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht!' Joh Wir hören diese Worte und ich wünsche uns, daß wir darauf vertrauen, daß Gott bei uns ist - was immer auch geschieht und was immer auch kommen mag. Gott schenkt uns neues Leben: uns, die wir weiterleben und Ihrem verstorbenen Mann, liebe Frau Walter! Amen. Psalm: Lesung: Mt Musik: Verdi: La Traviata Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 Titan (das Stück habe ich beim Schreiben der Predigt gehört; die hellen Trompetenklänge fand ich sehr tröstlich ) Jazz 10

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