Starke Frauen im Handwerk

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1 6,90 Euro B handwerk-magazin.de Ihr starker Partner im Handwerk HANDWERKLICHES VERSORGUNGSWERK Griffecke Titel Handwerk Magazin indd :5 Studie Untreue Lehrlinge Fördermittel Geld für Kreative Ausgezeichnet mit dem Preis Unternehmerfrau 2010 : Helma Hartgen kämpfte erfolgreich für den Erhalt Ihres Metallbetriebs. Starke Frauen im Handwerk

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3 Editorial Foto: Axel Griesch Mehr Power für Frauen Kaum eine Branche ist so von Männern dominiert wie das Handwerk. Fast 84 Prozent der Betriebsinhaber sind Unternehmer. Frauen als Chefinnen sind noch die Ausnahme. Stattdessen helfen Frauen in fast jedem zweiten Betrieb als so genannte mitarbeitende Partnerinnen. Diese Zahlen fördert eine aktuelle Studie des Ludwig- Fröhler-Instituts zutage, beauftragt vom Bundesverband der Unternehmerfrauen des Handwerks. Die Untersuchung zeigt einerseits, wie wichtig die Frauen für die Betriebe sind, andererseits offenbart sie drei gravierende Missstände. Erstens: Wenn nur so wenige Frauen eigene Betriebe führen, geht ein großes Potenzial verloren. Denn Männer sind nicht per se die besseren Handwerker oder Chefs. Scheinbar gelingt es den Schulen nicht hinreichend, Mädchen auf eine Karriere im Handwerk vorzubereiten. Vielleicht braucht es auch hier eine Quote, nach der etwa jeder zweite Ausbildungsplatz von Frauen besetzt wird, um zu mehr Chefinnen zu kommen. Zweitens: Gut 16 Prozent der Frauen, die im Betrieb mit - arbeiten, tun dies ohne Arbeitsvertrag. Ein Fünftel gar ohne eigene Altersvorsorge. Dies sind Missstände, die die Frauen selber nicht länger hinnehmen sollten, die aber auch einer Organisation wie dem Handwerk nicht würdig sind. Drittens: Die deutliche Mehrheit der mitarbeitenden Frauen hat weder im kaufmännischen noch handwerklichen Bereich eine Weiterbildung erfahren. Nur ein knappes Drittel hat an Fortbildungen teilgenommen. Hier liegt großes Potenzial brach vor allem in Anbetracht des drohenden Fachkräftemangels. Dass Frauen unabhängig von statistischen Quoten für das Handwerk unverzichtbar sind, zeigt sowohl die Studie als auch die aktuelle Titelgeschichte von handwerk magazin. Darin porträtiert Cornelia Hefer drei starke Frauen, die sich in unterschiedlichen Rollen im Handwerk beweisen. Holger Externbrink, Chefredakteur HANDWERKLICHES HES VERSORGUNGSWERK Altersver- r- sorgung mit TOP-Rendite Sie brauchen eine Alters- versorgung, die sicher und rentabel ist und alle staatlichen Fördermittel nutzt! Wir bieten Ihnen: MV bav invest mit Brutto-Beitragsgarantie, antie, Haftungssicherheit für Arbeitgeber und Vorsorgegarantie für Arbeitnehmer. Infos unter Tel / ndwerk.de 6 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, höchstens 42 Cent pro Minute aus Mobilfunknetzen. Ja, bitte informieren Sie mich über MV bav invest. Vorname, Nachname Straße, Nr. PLZ, Ort Telefon HM1110 Einfach per Fax an: 089/ Partner der handwerklichen Versorgungswerke e handwerk magazin

4 Inhalt Eine starke Unternehmerin und Preisträgerin Unternehmerfrau 2010 : Helma Hartgen in ihrem Maschinenbaubetrieb. Das Handwerk braucht die Migranten als Fachkräfte und Auszubildende. Trends Markt Betrieb Steuern + Recht 6 Handwerkerporträt: Pünktliche Perlen Annette Albinus vermittelt tugendhafte Handwerkerinnen Titelthema 12 Unternehmerfrauen: Bessere Chancen für Frauen Die Rollen der Frauen im Handwerk sind vielfältig. Was Chefinnen, Partnerinnen, Gründerinnen auszeichnet. Service 76 Internet: Neues Handwerksportal 78 Leserbriefe 80 Aktionen 81 Online exklusiv 81 Vorschau 20 Migranten: Die Integrationsmeister Warum das Handwerk ausländische Fachkräfte braucht 26 Interview: Heute über morgen reden Frank Berting, der neue Bundesvorsitzende der Handwerksjunioren 28 Studie: Untreue Lehrlinge Junge Fachkräfte verlassen nach Ausbildung die Betriebe 30 Meldungen Wirtschaftsunterricht Baukonjunktur Handwerksjunioren 32 Verantwortung: Bleibende Werte statt schnelle Gewinne Wer das Gemeinwohl im Blick hat, wirtschaftet erfolgreicher 38 Technologietransfer: Oscars für Erfinderteams Vier Handwerker-/ Wissenschaftlerpaare erhalten den Seifrizpreis 42 Weiterbildung: Update fürs Know-how Warum regelmäßige Fortbildung Pflicht ist 46 Übernahme: Aus dem Schneider Neue Zukunft für die Maßschneiderei Reiser 50 Planung: Der organisierte Chef Stress vermeiden mit guter Planung 54 Weihnachtsgeld: Alle Jahre wieder Wann Betriebe verpflichtet sind, das Extra zu zahlen 58 E-Rechnung: Falle Online-Rechnung Viele Betriebe gefährden den Vorsteuer - abzug ihrer Kunden 60 Seminar: Tricks der Betriebsprüfer Keine Fehler bei Rechnungen, Umsatzsteuer, Vorsteuer 62 Meldungen Investitionen Bau BFH-Verfahren Unterschlagung Standards 3 Editorial 79 Impressum 82 Ausfahrt 52 Meldungen Bildungsrendite Smartphone Fahrzeugeinrichtung 4 handwerk magazin

5 November Fotos: Alasdair Jardine, Lutz Tölle, Stephan Minx, Antonio Bello; Titelfoto: Alasdair Jardine Dr. Markus Merk Partner der INTER Zahlt beim Weihnachtsgeld den Mindestsatz: Reinhard Daeschler. Berthold Krieger verkauft Lichtsysteme nie ohne Abfrage der Kreditwürdigkeit. Finanzen 64 Kreditversicherungen: Schutz vor Kundenpleite Die Police ist das Sicherheitsnetz für den Handwerksbetrieb 68 Serie Fördermittel: Geld für kreative Ideen Wie auch künstlerische Gewerke Finanzhilfen erhalten 70 Serie Geldanlage: Ist Ihr Berater sein Geld wert? Welche Finanzberater Chefs seriös bei der Geldanlage helfen 72 Meldungen Zahlungsziel Krankenversicherung Berufsunfähigkeit Privat 74 Wellness: Abschalten vom Alltag Sechs schöne Hotels im Alpenraum Online exklusiv Ausgewählte Internetservices unter handwerk-magazin.de /personalkosten Praktischer Rechner für die Personalkosten pro Mitarbeiter. /rundfunkgebuehren Welche Gebühren Sie nach der GEZ-Reform bezahlen müssten. /e-rechnung Linkliste zu Softwareanbietern für die richtige E-Rechnung. /weiterbildung Übersicht zu Fördermitteln für Ihre Weiterbildungsmaßnahmen Zeit zum Wechseln! Privat. Solide. Leistungsstark. INTER Krankenversicherung 6-mal in Folge SEHR GUT Jetzt informieren: PDF-Datei Bilder Rechner Meinung Film Podcast handwerk magazin

6 Trends Foto: Gunnar Geller Pünktliche Perlen Annette Albinus Kartei führt nur Top- Handwerkerinnen. Wer zu spät kommt, fliegt: Die Hamburger Handwerkerinnen- Agentur Perle vermittelt Fachfrauen mit Benehmen und Respekt. Es gibt Dinge, die Annette Albinus nicht toleriert: Unpünktlichkeit, Unordentlichkeit und Unfreundlichkeit. Handwerkerinnen, die in der Kartei der Agentur Perle geführt werden wollen, müssen mehr mitbringen als fachliche Kompetenz. Sie müssen den Willen dazu haben, Kunden rundum zufriedenzustellen. Dazu gehört vor allem, dass man dem Kunden zuhört, betont Albinus. Ein Kunde, der sich nicht ernstgenommen fühlt, wird den Handwerker kein zweites Mal rufen. Nur wenn ich freundlich bin und meine Leistung absolut top ist, dann bleibe ich im Gedächtnis. Davon ist die Agenturleiterin überzeugt. Deshalb erkundigt sie sich nach getaner Arbeit bei jedem Auftraggeber, ob alles zur vollsten Zufriedenheit erledigt wurde. Wenn nötig, wird nachgearbeitet. Warum aber vermittelt sie nur Handwerkerinnen? Sind Frauen etwa einfühlsamer? Nein, pauschalisieren will ich da nicht, betont sie. In ihrer Kartei finden sich neben den weiblichen Perlen deshalb mittlerweile auch ein paar männliche Goldstücke. Insgesamt deckt sie rund 30 Gewerke ab. Die Idee zur Agentur kam der gelernten Tischlerin, als sie nach drei Jahren Babypause wieder einsteigen wollte und keinen Teilzeitarbeitsplatz fand. Beruf und Familie das ist im Handwerk immer noch nicht gut gelöst, findet die zweifache Mutter. Seit zehn Jahren vermittelt Albinus nun Fachfrauen. Das Konzept funktioniert, trotzdem ist die Hamburger Agentur bisher bundesweit die einzige ihrer Art. Ich würde mir wünschen, dass mehr Handwerkerinnen-Agenturen entstehen, sagt sie, es gibt wirklich viele Kundinnen, die es schätzen, von einer Frau fachlich beraten und rundum gut betreut zu werden. ree 6 handwerk magazin

7 Trends Finanzierung Abgabe verteuert Förderkredite Die Bundesregierung will eine Bankenabgabe als Milliardenkrisenfonds für die Finanzwirtschaft einrichten. Der Widerstand bei den Hauptfinanziers des Handwerks, den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, ist groß. Die Begründung: Institute mit eigener umfassender Absicherung müssten von der Regelung ausgenommen werden, weil sie sonst nicht mehr ausreichend Kredite für kleinere und mittlere Unternehmen zur Verfügung stellen könnten. Die Bankenabgabe wird sich negativ auf das Förderkreditgeschäft auswirken und die Banken und deren Kunden bestrafen, die am stärksten zur Versorgung des Mittelstandes mit Krediten beigetragen haben, so Uwe Fröhlich, Präsident des Foto: imago Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Diese vom Staat geförderten Kredite, von denen auch Handwerksunternehmer profitieren, zu unterstützen und dann durch eine Abgabe zu verteuern, sei ein Widerspruch. coh Sieht die Bankenabgabe als Strafe für den Mittelstand: BVR-Präsident Uwe Fröhlich. Automarkt Lieber gebraucht als neu Der durch die Abwrackprämie ausgelöste Boom beim Neuwagenkauf ist in Deutschland gestoppt. Wie die Studie zum Gebrauchtwagen sind bei den Deutschen wieder gefragt. Foto: imago Konsum 2010 des Trendsensors der GfK-Marktforscher zeigt, wollen nur sieben Prozent der Deutschen in den nächsten zwei Jahren in einen Neuwagen investieren, elf Prozent planen den Kauf eines Gebrauchten. Während Italiener, Spanier und Russen auch nach dem Auslaufen der Verschrottungs- und Umweltprämien überwiegend auf Neuwagen setzen, favorisieren neben den Deutschen auch die Konsumenten in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Polen einen Gebrauchtwagen. Einzig bei den Österreichern ist der Wunsch nach Gebraucht- und Neuwagen fast gleichermaßen ausgeprägt. me Jeder Mensch hat etwas, das Ihn antreibt. Wir machen den Weg frei. Ihr Unternehmen verdient mehr als nur einen Partner. Deshalb bietet unser VR-FinanzPlan Mittelstand mehr: Partnerschaftlichkeit und Performance. So profitieren Sie doppelt. Von unserer individuellen Beratung und von den bestmöglichen Finanzprodukten, die unsere Spezialisten in der genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken für Sie und Ihr Unternehmen erarbeiten. handwerk magazin

8 Trends Windkraft Anlagen verdoppelt Die Zahl der Windenergieanlagen in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die installierte Leistung der Windturbinen stieg von 2000 bis Mitte 2010 sogar um mehr als das Vierfache. Das meldete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der Messe Husum WindEnergy Damit ist die Windenergie zum wichtigsten Pfeiler in der erneuerbaren Energieerzeugung geworden, erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW- Hauptgeschäftsführung. Ihr Anteil an der Stromerzeugung beträgt mittlerweile sieben Prozent. Bis zur Jahresmitte 2010 sind an Land Windturbinen installiert worden, im Jahr 2000 waren es Windkraftanlagen werden häufig von Handwerksunternehmen gewartet, zum Teil auch errichtet. So ist Marktführer Enercon in Aurich aus einem Handwerksbetrieb entstanden. Während vor zehn Jahren die Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen über die meisten Windenergie an - lagen verfügten, haben andere Bundesländer inzwischen aufgeholt. rm Windturbinen sind inzwischen die wichtigsten Pfeiler bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Foto: istockphoto Zahntechniker könnten von einer künftigen Reform der Mehrwertsteuer profitieren. Mehrwertsteuer Reform vertagt Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent bleibt erhalten. Zwar rät ein vom Bundesfinanzministerium beauftragtes Gutachten grundsätzlich den ermäßigten Mehrwertsteuersatz zu streichen. Nur für Lebensmittel solle der Vorteil erhalten bleiben. Davon hätten im Handwerk Bäcker, Konditoren und Metzger profitiert. Bei Zahntechnikern emp- fehlen die Experten sogar eine indirekte Steuerbefreiung, um sie mit den Zahnärzten gleichzustellen. Doch daraus wird jetzt nichts, weil die Bundesregierung sich von der Reform zu geringe Steuermehreinnahmen verspricht. Zudem ist Schwarz- Gelb mit dem Kraftakt Sparpaket beschäftigt und fürchtet Störfeuer aus einer Debatte um die Mehrwertsteuer. hbk Foto: istockphoto Selbständigkeit Mehr Mut zur Gründung Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland liegt im ersten Halbjahr 2010 bei rund Das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr, ermittelte das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). Für das ganze Jahr 2010 rechnet das Institut mit Gründungen. Der Anstieg sei ein Beleg dafür, dass sich in dem guten konjunkturellen Umfeld wieder mehr Menschen trauen, den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die Zahlen. Der Anteil der Kleingewerbegründungen liegt laut IfM bei rund 65 Prozent. Im Handwerk sind die Betriebszahlen laut ZDH im ersten Halbjahr 2010 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. rm 8 handwerk magazin

9 Jede Bestellung ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Ich brauche keinen Transporter, der unterwegs schlappmacht.

10 Trends Umsatzentwicklung des Mittelstandes ,0-12,7-4,1 1,7 19,6 22,2 15, ,9 26, In Prozent; Quelle: Creditreform Der Saldo der Umsatzentwicklung aus guter und schlechter Bewertung erreicht dieses Jahr seinen Höhepunkt. Chart: Klaus Niesen Konjunktur Weiter bergauf Gute Stimmung, höhere Umsätze, mehr Gewinn das sind die drei wichtigsten Punkte der aktuellen Studie des Verbands der Vereine Creditreform in Neuss zu Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand. 48 Prozent der über 4000 befragten Betriebe stufen ihre Geschäftslage mit den Noten gut oder sehr gut ein. Im Herbst 2009 waren nur 33 Prozent so optimistisch. Mit 41 Prozent melden fast doppelt so viel Unternehmen wie im Vorjahr (21 Prozent) steigende Auftrags- eingänge, über 42 Prozent konnten ihren Umsatz steigern (Vorjahr: 25 Prozent). Zu den Spitzenreitern im Handwerk zählen die Branchen Maschinenbau sowie Nahrungsund Genussmittel, die je 45 und 41 Prozent weiter wachsende Umsätze erwarten. Schlusslicht sind der Bau und Ausbau mit knapp 19 Prozent. Infolge der insgesamt positiven Entwicklung sind auch die Gewinne gestiegen: Fast ein Drittel der Betriebe meldet höhere Erträge (Vorjahr: 21 Prozent). hbk Ausbildung Lehrlinge aus Polen Immobilien Jeder Fünfte realisiert Gewinne Cottbus will polnische Lehrlinge anwerben. Foto: imago Die neue Freizügigkeit für Arbeitnehmer gilt ab Mai Damit können sich beispielsweise auch Polen und Tschechen uneingeschränkt eine Arbeitsstelle in Deutschland suchen oder einen Ausbildungsplatz. Die Handwerkskammer Cottbus will die neue Regelung nutzen: Wir wollen zwölf bis 16 junge Leute aus Polen für eine Ausbildung im Raum Cottbus begeistern, sagt Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Es gäbe auch schon Betriebe, die sich dafür interessieren. Geplant sei, dafür ab Mai 2011 zudem einen Deutschkurs anzubieten. Ziel sei es, so Deutscher die Grenzregionen besser zu verzahnen. Er sieht darin auch einen positiven Effekt für Polen: Die Arbeitslosigkeit in der Grenzregion hinter Cottbus liegt bei 24 Prozent. rh Die Preise für Immobilien sind deutlich gestiegen. Obwohl die gestiegenen Immobilienpreise beste Chancen für gute Gewinne bieten, zögern viele Besitzer mit dem Verkauf. Wie die Immobilien-Trendstudie 2010 der PlanetHome AG zeigt, wollen nur 21 Prozent die Möglichkeit zur Gewinnrealisierung nutzen. Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen und das Zinstief haben die Immobilienpreise teils deutlich steigen lassen wer diese Gewinne nun realisiert, kann besonders in wirtschaftlich star- ken Regionen beträchtliche Renditen abschöpfen, sagt Robert Anzenberger, Vorstand von PlanetHome. Besonders beliebt sind derzeit Eigentumswohnungen: Die Preise sind in diesem Segment binnen Jahresfrist durchschnittlich um 3,4 Prozent gestiegen. Anzensberger rät, Immobilien nicht aus der Not heraus zu verkaufen, sondern den Finanzbedarf langfristig zu planen und günstige Marktbedingungen zum Verkauf zu nutzen. me Foto: istockphoto 10 handwerk magazin

11 6,90 Euro B handwerk-magazin.de Ihr starker Partner im Handwerk HANDWERKLICHES VERSORGUNGSWERK Neue Inhalte Neues Design Jetzt handwerk magazin gratis testen! Hotline handwerk-magazin.de Studie Untreue Lehrlinge Griffecke Titel Handwerk Magazin indd :5 Fördermittel Geld für Kreative Ausgezeichnet mit dem Preis Unternehmerfrau 2010 : Helma Hartgen kämpfte erfolgreich für den Erhalt Ihres Metallbetriebs. Starke Frauen im Handwerk

12 Eine Marke der Daimler AG???Ressort???!!!Zusatz!!! Mein Transporter. Der neue Vito. Ein Transporter, auf den man zählen kann. Die für einen Mercedes typischen Qualitäts standards kommen auch beim neuen Vito voll zur Geltung. 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung und eine vollverzinkte Karosserie sorgen dafür, dass die Ausfallzeiten so gering sind wie nie zuvor. Und selbst die Inspektionsintervalle orientieren sich ganz an der Einsatzbelastung. Dieser Vito ist zuverlässiger denn je. handwerk magazin

13 Titel

14 Titel Frauen im Handwerk Position des Partners im Betrieb mitarbeitender Lebenspartner Geschäftsführer Teilhaber Sonstige in Prozent; Quelle: Deutsches Handwerksinstitut, LFI Eine aktuelle Studie des Ludwig-Fröhler- Instituts belegt, dass die Mehrheit der mitarbeitenden Partner im Betrieb Frauen sind. Nur eine Minderheit ist Teilhaberin oder Geschäftsführerin. Bessere Chancen für Frauen Unternehmerfrauen Die Rolle der Frauen im Handwerk ist vielfältig und verbessert sich für die jüngere Generation. Für das Handwerk und seine Betriebe stellen gut ausgebildete Frauen einen Gewinn dar. Text Cornelia Hefer Foto Alasdair Jardine Chart: handwerk magazin Helma Hartgen hat sich über die Auszeichnung Unternehmerfrau 2010 riesig gefreut: Für mich ist der Preis ein großes Kompliment. Er ist eine Anerkennung dafür, was ich in den vergangenen Jahren geleistet habe. Die Unternehmerin hat gute Gründe, stolz auf ihre Leistung zu sein: Nach dem Unfalltod ihres Mannes, Ralf Hartgen, 1997 musste sie von jetzt auf Unternehmerin Helma Hartgen hat nach dem Tod ihres Mannes mit Engagement und Durchsetzungskraft für den Erhalt der Hartgen GmbH Maschinen- und Mühlenbau gekämpft. Diese Leistung würdigte handwerk magazin mit dem Preis Unternehmerfrau gleich einspringen und die Unternehmensführung der Hartgen GmbH in Hude bei Bremen mit damals 15 Mitarbeitern übernehmen. Gleichzeitig hatte die Unternehmerin drei kleine Kinder alleine zu versorgen. Sicher, denkt man in einer solchen Extremsituation auch daran, aufzugeben den Betrieb einfach zu verkaufen, weil einem alles über den Kopf wächst, schildert Helma Hartgen ihre Gedanken von damals. Unterstützung einfordern Die heute 50-Jährige hat nicht aufgegeben, sie hat die Herausforderung angenommen und sich gegen alle Widerstände durchgesetzt: für die Existenz des Betriebs und den Zusammenhalt der Familie. Nach dem Tod meines Mannes bekam ich sofort praktische Unterstützung und Hilfe von handwerk magazin

15 Titel Frauen im Handwerk Altervorsorge für mitarbeitenden Partner Gesetzliche Rente 41,2 Private Vorsorge 28,7 Immobilien 19,9 Betriebliche Vorsorge 18,6 Keine eigene Vorsorge 19,9 in Prozent; Quelle: Ludwig-Föhler-Institut Keine Absicherung: 19,9 Prozent der mitarbeitenden Partner haben keine eigene Altersvorsorge abgeschlossen. den männlichen Kollegen der Metallinnung Oldenburg. Auch meine Mitarbeiter haben in dieser Zeit viel Verantwortung übernommen, berichtet die Unternehmerin. Ihren leitenden Ingenieur hat sie aus dem Ruhestand zurückgeholt, um den Betrieb fachlich weiterführen zu können. Unternehmerin mit Kampfgeist Ohne ihre Ideen, ihren Einsatz und den Willen, das mit ihrem Mann gemeinsam gegründete Unternehmen weiterzuführen, würde die Hartgen GmbH heute nicht mehr existieren. Die Unternehmerin ist eine Kämpfernatur: Sie verfolgte ihr Ziel, den Betrieb nach dem Tod des Chefs zu halten. Geholfen haben ihr dabei ihr Netzwerk zu anderen Unternehmern, die eigene Ausbildung als technische Zeichnerin im Maschinenbau und eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung kurz vor dem Unfall. Die Jury war beeindruckt von diesem Kraftakt: Helma Hartgen baute nach einem schweren Schicksalsschlag den Betrieb erfolgreich aus. Darüber hinaus hat sie Kinder und Beruf unter einen Hut gebracht, was unter diesen Umständen eine herausragende Leistung darstellt, begründet Holger Externbrink, Chefredakteur von handwerk magazin, die Entscheidung der Jury. Wie das Beispiel der diesjährigen Unternehmerfrau zeigt, sind Frauen im Handwerk unverzichtbar. Ihre Rolle ist heute vielfältig und nur selten festgelegt: Sie reicht von der gestandenen Unternehmerin, über die mitarbeitende Partnerin bis hin zur Gründerin, die sich bewusst für die Selbständigkeit entscheidet. Haben frühere Frauengenerationen bis zur Selbstaufgabe im Schatten des Mannes für den Betrieb als billige Arbeitskraft gearbeitet, verbessert sich heute die Position der Frauen durch gute Aus- und Weiterbildungsangebote zunehmend. Daher leben gerade jüngere Frauen in der Familie und im Betrieb das Modell einer gleichberechtigten Partnerschaft. Aufgrund einer besseren Qualifikation trauen sich gerade jüngere Frauen mehr Verantwortung zu und gestalten die Unternehmensführung aktiv mit. Die Position der Frauen im Handwerk hat sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv verändert, aber es gibt noch Raum für Verbesserungen, sagt Ruth Baumann, Vorsitzende der Unternehmerfrauen in Baden-Württemberg. Handlungsbedarf besteht zum Beispiel bei der Absicherung der mitarbeitenden Partnerin. Denn sie stellt im Handwerk immer noch die Mehrheit dar (siehe Grafik Seite 13). Eine aktuelle Studie des Gut aus - gebildete junge Frauen sind ein Gewinn für jeden Betrieb. Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. k Qualifikation Mit Weiterbildung punkten Betriebswirtin (HWK) Zielgruppe: Meisterinnen und Führungskräfte Dauer: 480 Unterrichtsstunden Inhalte: Organisation, Planung, Finanz- und Rechnungswesen, Marketing, Personalentwicklung, volkswirtschaftliche Zusammenhänge, Recht Büroleiterin im Handwerk Zielgruppe: Mitarbeitende Ehefrauen/Partnerinnen Dauer: 180 Unterrichtsstunden Inhalte: Büroorganisation, Marketing, Rechnungswesen, Zahlungsverkehr, Grundlagen Personalwesen, Grundlagen Recht Fachkauffrau Handwerkswirtschaft Zielgruppe: Frauen mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung oder Verwaltungsausbildung Dauer: 300 Unterrichtsstunden Inhalte: Rechnungswesen, Betriebswirtschaftslehre, Rechts- und Sozialwesen, EDV Die beste Absicherung für Frauen im Handwerk stellt eine gute Ausbildung und zusätzliche Qualifikation dar. handwerk magazin stellt hier verschiedene Fortbildungen für Frauen vor. Außerdem lohnt sich die individuelle Beratung bei der regionalen Handwerkskammer. Kaufmännische Fachwirtin (HWK) Zielgruppe: Frauen mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung oder Verwaltungsausbildung und mindestens zweijähriger Praxis Dauer: 416 Unterrichtsstunden Inhalte: Betriebswirtschaftslehre, Recht, Personalwesen, Berufs- und Arbeitspädagogik Fachwirtin für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk Zielgruppe: Frauen mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung oder Verwaltungsausbildung und mindestens zweijähriger Praxis Dauer: 470 Unterrichtsstunden Inhalte: Betriebswirtschaftslehre, Recht, Personalwesen, Berufs- und Arbeitspädagogik Tipp: Darüber hinaus gibt es für Handwerkerinnen natürlich auch gewerkspezifische Weiterbildungen: wie Meisterin, Gebäudeenergieberaterin oder Schweißfachingenieurin. Chart: handwerk magazin 14 handwerk magazin

16 Foto: KD Busch Ludwig-Fröhler-Instituts im Auftrag der Unternehmerfrauen des Handwerks (UFH) zeigt, dass immer noch 15,7 Prozent der Partnerinnen ohne Arbeitsvertrag mitarbeiten. Und 19,9 Prozent haben keine eigene Altersvorsorge (siehe dazu auch Checkliste rechts). Bildung ist die beste Versicherung Ein positives Beispiel für eine mitarbeitende Unternehmerfrau ist dagegen Alexandra Bezler. Als Bankfachwirtin brachte sie notwendiges Fachwissen mit in den Heizungstechnikbetrieb ihres Mannes in Kirchheim/Teck bei Stuttgart. Angefangen habe ich als Mädchen für alles. Heute verantworte ich den gesamten kaufmännischen Bereich: die Personalplanung, die Kommunikation mit der Bank und dem Steuerberater sowie die Finanzplanung des Unternehmens. Trotz einer Teilzeit-Stelle arbeitet Alexandra Bezler 35,5 Stunden für die Firma auch abends oder am Wochenende. Und das für eine geringe gesellschaftliche Anerkennung. Die Außenwelt sieht den Handwerksmeister als tollen Chef, der immer arbeitet. Die Frau bleibt auch heute noch in der Wahrnehmung im Hintergrund, so Alexandra Bezler. Zwar steht ihr Mann als Handwerker und Chef an der Spitze der Firma, die Bezlers treffen strategische Entscheidungen aber gemeinsam. Ich stehe nicht mehr hinter, sondern neben meinem Mann, betont Alexandra Bezler und spielt damit auf die Zeit an, als die Aufgabe der Frau sich darauf beschränkte, dem Meister im Betrieb und zuhause den Rücken freizuhalten. k Checkliste Auf der sicheren Seite Keiner denkt gerne an Tod oder Scheidung. Trotzdem sollten sich Frauen für den Ernstfall rüsten - und an die eigene Vorsorge denken. Basis. Auch wenn die Partnerin nur Teilzeit im Betrieb mitarbeitet, muss sie auf einem korrekten Arbeitsvertrag bestehen. Notfall. Alle wichtigen Passwörter für den Computer oder die Bank müssen von beiden Partnern an einem sicheren Ort hinterlegt werden. Dort sollten auch eine Generalvollmacht und ein Testament aufbewahrt werden. Risikoabsicherung. Mitarbeitende Partnerinnen und Mitunternehmerinnen mit kleinen Kindern sollten den Abschluss einer Risikolebensversicherung durchsetzen. Sie bietet die einfache und günstige Möglichkeit, die Familie und den Betrieb im Todesfall zu schützen. Nicht nur der Handwerksmeister, sondern auch seine Partnerin sollte außerdem eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Altersvorsorge. Frauen müssen eine eigene Absicherung fürs Alter haben - im Fall einer Scheidung oder Insolvenz ist dann zumindest in der Rente eine finanzielle Basis gegeben. Das kann eine Riester- Rente, eine betriebliche Altersvorsorge in Form einer Direktversicherung, eine klassische Renten- oder Lebensversicherung sein. Mitarbeitende Partnerin Alexandra Bezler war vor ihrem Einstieg in den Betrieb ihres Mannes, Bezler Heizungstechnik, Filialleiterin einer Bank. Heute verantwortet die 37-jährige Mutter von zwei Kindern die Kommunikation mit der Hausbank und dem Steuerberater sowie die Finanzplanung des Unternehmens in Kirchheim/Teck. handwerk magazin

17 Gründerin Simone Heinrich-Warths Berufswunsch war schon in der Ausbildung klar: Unternehmerin. Vor zwei Jahren hat sie dann alleinverantwortlich die Heinrich Haustechnik GmbH gegründet. Vor sechs Wochen kam ihr Sohn Tim-Lean auf die Welt. Für ihn hat die Unternehmerin eine berufliche Pause von einer Woche eingelegt - als sie für die Geburt im Krankenhaus war. Gut ausgebildete Frauen, die aktiv mitarbeiten und gestalten, sind ein Gewinn für jeden Handwerksbetrieb, weil sich dann beide Partner die Verantwortung teilen, sagt Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. Außerdem ist eine gute Ausbildung und weiterführende Qualifikationen für Frauen im Handwerk die beste Absicherung bei Tod des Mannes oder Scheidung, ergänzt Ruth Baumann, Vorsitzende der Unternehmerfrauen in Baden-Württemberg. Den besten Beweis für diese Aussage liefert Helma Hartgen: Ihre Ausbildung als technische Zeichnerin und eine kaufmännische Zusatzausbildung erleichterten ihr den plötzlichen Einstieg in die Unternehmensführung (siehe Kasten Seite 14). Wissen stärkt Selbstbewusstsein Nach Aussage von Claudia Schlembach, Beraterin mit Schwerpunkt Familienunternehmen, ist Alexandra Bezler als mitarbeitende Partnerin ein Vorbild (siehe Interview rechts). Frauen, die ins Handwerk gehen, brauchen Fachwissen in allen Bereichen, die nicht an Mitarbeiter delegiert werden können wie Finanzen, Marketing oder Personalplanung. Nur so können sie strategische Entscheidungen treffen. Außerdem gewinnen sie mehr Sicherheit gegenüber Mitarbeitern und Kunden, meint Ruth Baumann. Wie wichtig Fachwissen für Frauen im Handwerk ist, unterstreicht auch die Initiative der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Foto: KD Busch k Interview Verantwortung fordern Frauen sollten sich verstärkt in der Betriebsführung engagieren und zeigen, dass sie Verantwortung tragen wollen, sagt Claudia Schlembach. handwerk magazin: Frau Schlembach, wie hat sich die Frauenrolle im Handwerk verändert? Claudia Schlembach: Deutlich mehr Frauen absolvieren heute eine Ausbildung im Handwerk - auch in den technischen Gewerken. Und Frauen, die in den Betrieben mitarbeiten, treten zunehmend aus dem Schatten des Chefs. Sie übernehmen offensiv mehr Verantwortung als früher. Welche Rollen und Positionen nehmen moderne Frauen heute im Betrieb ein? Frauen sind besser ausgebildet als früher, was das Fachwissen für die Unternehmensführung angeht. Damit meine ich Bereiche, die nicht delegiert werden können wie Investitionsplanung, Finanzierung, Marketing oder Personalplanung. Dadurch sind Frauen stärker in strategische Entscheidungen eingebunden und sie professionalisieren mit ihrem Fachwissen die Unternehmensführung im Handwerk. Was sehen Sie als die größten Probleme von mitarbeitenden Unternehmerfrauen? Oft ist die Frau im Betrieb das Mädchen für alles. Damit haben sich die Partnerinnen auch früher begnügt. Und es fehlt immer noch die gesellschaftliche Akzeptanz für den Wert der geleisteten Arbeit. Was machen Frauen falsch? Es gibt Frauen, die wollen keine Verantwortung übernehmen oder wenn, dann darf es nach außen nicht sichtbar sein. Diese Versteckspiele gehören nicht mehr in unsere Zeit. Claudia Schlembach ist Beraterin mit Schwerpunkt Familienunternehmen. Was zeichnet eine erfolgreiche Unternehmerin aus? Ohne eine gute Darstellung nach außen, die bei Frauen oft von Selbstzweifeln geprägt ist, stellt sich auch der unternehmerische Erfolg nicht ein. Was raten Sie jungen Frauen, die sich als Handwerkerin selbständig machen möchten? Sie sollten sich einen Mentor suchen, der sie unterstützt. Außerdem müssen sie netzwerken, das schafft Stabilität. Und ein helfender Partner ist das Beste, was selbständigen Frauen passieren kann. 16 handwerk magazin

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