Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen

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1 Mitteldeutscher Verband für Weiterbildung e. V. Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen Herausgeber: Mitteldeutscher Verband für Weiterbildung e. V. Merseburger Straße Halle Halle (Saale), im Juli 2012 Halle (Saale), im Juli 2009

2 Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Der Europäische Sozialfonds ist das zentrale arbeitsmarktpolitische Förderinstrument der Europäischen Union. Er leistet einen Beitrag zur Entwicklung der Beschäftigung durch Förderung der Beschäftigungsfähigkeit, des Unternehmergeistes, der Anpassungsfähigkeit sowie der Chancengleichheit und der Investition in die Humanressourcen.

3 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen Halle (Saale), im Juli 2012

4 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 2 Vorwort Die Verlängerung des Projektes Netzwerk Pro Beruf Halle durch die Zuwendungsgeber eröffnete die Möglichkeit der Studienreihe, mit bisher 5 Veröffentlichungen (s. Umschlagsinnenseite) auch rund um die Zielgruppe der An- und Ungelernten und die Umsetzung der Nachqualifizierung, eine weitere Studie hinzuzufügen. In vielen Veröffentlichungen und Diskussionen werden Aufwand und Finanzierung der Nachqualifizierung unter dem Aspekt des Einsatzes von Mitteln der Regelförderung nach SGB II und III betrachtet oder bundeslandspezifische Förderprogramme nach Anwendungsmöglichkeiten überprüft. Tatsächlich lassen sich bei kreativer Ausschöpfung der Möglichkeiten alternative Finanzierungswege erschließen. Tatsache ist aber auch, dass die Finanzierung in der Regel nur die direkten Kosten abdeckt. Wenn jedoch Nachqualifizierung im Sinn des Projektes bedeutet, dass individuelle Voraussetzungen, vorhandene Kenntnisse und Fertigkeiten zu einer Verkürzung der Qualifizierungszeit führen, dann steigen auf der anderen Seite die Kosten durch die Individualisierung des Bildungsganges. Zu nennen sind hier die Bildung von Klein- oder Kleinstgruppen oder sogar die Einzelunterrichtung und -Unterweisung. Wir wollen keinem Bildungsdienstleister erklären, wie er eine Nachqualifizierung zu kalkulieren hat. Vielmehr wollen wir einen Beitrag liefern, wie indirekte Kosten durch Beratung, Coaching, Hilfestellung und aufwendigere Verfahren bei der Zulassung zur externen Prüfung, die Nachqualifizierung zusätzlich verteuern. Jedoch kann durch das Einbringen vorhandener Kompetenzen der An- und Ungelernten, ein früherer (Wieder-) eintritt in den ersten Arbeitsmarkt erfolgen. Das gesamte Kostenbild kann somit positiv, zugunsten der Nachqualifizierung gestaltet werden. Wenn es gelingt, Nachqualifizierung betriebsnah zu gestalten oder Nachqualifizierung bei beschäftigten An- und Ungelernten, unter Einbindung ihrer Unternehmen durchzuführen, dann können sich finanzielle Effekte sogar noch multiplizieren. Wir sind der Überzeugung, dass es sich unsere Gesellschaft, bei zunehmend knapper werdenden finanziellen Ressourcen und gleichzeitig wachsenden Fachkräftebedarf, nicht leisten kann, Investitionen, die durch Institutionen und Unternehmen in Form von Kompetenzbildung und Qualifikationen erbracht wurden oder die durch Menschen selbst erarbeitet wurden, zu negieren und für die Gruppe der An- und Ungelernten komplett neue Berufswege zu gestalten. Beredetes Beispiel sind Studienabbrecher, deren theoretisches Wissen in der Regel auf einem hohen Level liegt. Selbst wenn das Studium nicht erfolgreich abgeschlossenen werden konnte und erst die Exmatrikulation zur Überlegung eines Einstiegs in die Facharbeiterebene führt, müssen praktikable Wege für die Erlangung und den Nachweis praktischer Ausbildungsinhalte vorgehalten werden. Die Mitarbeiter des Netzwerkes Pro Beruf Halle und Herr Dr. Frank Schubert, als federführender Autor, haben die Erfahrungen, auch von Partnerprojekten, gewertet und zusammengefasst. Für diese Leistung innerhalb der letzten Phase des Projektes bedanken wir uns bei den Beteiligten recht herzlich und sind der Überzeugung die Reihe mit dieser Studie thematisch sinnvoll zu schließen. Halle (Saale), im August 2012 Frank Ludwig Vorsitzender des MVW e. V.

5 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 3 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung Zum Hintergrund der Studie Ansatzpunkte zur Kostenbetrachtung Teilnehmerinnen/Teilnehmer Bildungsanbieter Unternehmen Gesetzliche und förderrelevante Rahmenbedingungen Vergleichende Analyse verschiedener Formen von Nachqualifizierungen Fazit... 40

6 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 4 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Transferbehindernde Faktoren Tabelle 2: Verhältnis angestrebter Berufsabschlüsse - Teilnehmerzahl Tabelle 3: Unterstützungswünsche von Bildungsdienstleistern Tabelle 4: Wichtigkeit verschiedener Lernformen für Mitarbeiter verschiedener Qualifikationsgruppen Tabelle 5: Präferierte Formen der Weiterbildungsberatung (nach Betriebsgröße) Tabelle 6: Beratung zur Nachqualifizierung und Zufriedenheit Tabelle 7: Inhalte und Finanzierung einer Nachqualifizierung Tabelle 8: Zeitliche Umfänge verschiedener Qualifizierungsmaßnahmen (lt. Ausbildungsplänen) Tabelle 9: Merkmale verschiedener Qualifizierungsmaßnahmen Tabelle 10: Teilnehmervoraussetzungen bei der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung Tabelle 11: Unterschiede im Ausgangsniveau der Teilnehmer/innen und Nachqualifizierungsdauer Tabelle 12: Durchführungsvarianten verschiedener Qualifizierungsformen... 39

7 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 5 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Aufgaben der Nachqualifizierungsinitiative... 8 Abbildung 2: Vielfalt der Finanzierungswege... 8 Abbildung 3: Engpässe und Probleme bei Nachqualifizierungen... 9 Abbildung 4: Handlungsbedarf aus Sicht von Bildungsträgern Abbildung 5: Bereiche mit Problemen bzw. Handlungsbedarf Abbildung 6: Heterogenität der Zielgruppen für Nachqualifizierungen Abbildung 7: Teilnehmerstruktur bei einer Nachqualifizierung Abbildung 8: Erfolgserschwerende Faktoren bei Nachqualifizierungen Abbildung 9: Heterogenität akzeptieren, beherrschen und gestalten Abbildung 10: Interesse an Themen der Nachqualifizierung Abbildung 11: Zielgruppenbezogene Qualifizierungsförderung der Bundesanstalt für Arbeit Abbildung 12: Kostenermittlung für AZWV-Maßnahmen Abbildung 13: Beispiel eines individualisierten Konzepts zur abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung Abbildung 14: Einflussfaktoren auf den Preis bei Vergabemaßnahmen Abbildung 15: Kostenentscheidung bei kostenintensiven FbW-Maßnahmen... 34

8 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 6 1 Einleitung Diese Studie ist dem Problemkreis der Finanzierung und der Kosten von Nachqualifizierungen gewidmet. Eine solche Thematik stößt auf mehrere Schwierigkeiten und einige typische Besonderheiten in der gegenwärtigen beruflichen Weiterbildung: die Mehrdeutigkeit des Begriffs Nachqualifizierung (die von Anpassungsqualifizierungen über Umschulungen bis hin zu Teilqualifizierungen und zu abschlussbezogenen modularen Nachqualifizierungen reicht) führt nicht selten zu Kommunikationsschwierigkeiten oder Verwirrungen und erschwert auch einen Vergleich der verschiedenen Nachqualifizierungsformen untereinander die sehr geringe Zahl von Veröffentlichungen, die Nachqualifizierungen aufwands- und kostenseitig beleuchten und das Verhältnis von Förderbedarf und finanzieller Förderung problematisieren, was besonders für abschlussorientierte modulare Nachqualifizierungen mit ihren Qualitätsstandards gilt die fehlende Verdeutlichung, unter welchen konkreten fördertechnischen, finanziellen und organisatorischen Bedingungen einzelne Nachqualifizierungsprojekte erfolgreich durchgeführt wurden und in wie weit dabei Regelförderbedingungen zu Grunde lagen die Tendenz, Nachqualifizierungen von An- und Ungelernten bzw. von Benachteiligten fördertechnisch, methodisch und organisatorisch auf traditionellen Wegen und damit ohne hinreichende Berücksichtigung der Spezifika dieser besonderen Zielgruppe und ihrer Stellung im Arbeitsmarkt umzusetzen Es wird versucht, in dieser Studie einige Antworten auf folgende Fragen zu geben: Sind die Fördermodalitäten und finanziellen Rahmenbedingungen für abschlussbezogene modulare Nachqualifizierungen so, dass durch sie der Transfer in Regelangebote nicht behindert wird? Gibt es Finanzierungsinstrumente, die stabil vorhanden, problemadäquat, relativ einfach nutzbar und ausreichend sind? Besteht gegebenenfalls bei den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ein Veränderungsbedarf partieller oder grundsätzlicher Art? Bei der Bearbeitung dieser Fragen wurde auf die umfangreich vorhandenen Erfahrungen von Projektträgern und Bildungsdienstleistern sowie auf Positionen aus den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Bildung und Wissenschaft zurückgegriffen. Auf der Ebene der empirischen Daten und Beispiele zur abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung" - die hier im Mittelpunkt steht wurden so weit wie möglich Erkenntnisse und Quellen aus den ostdeutschen Bundesländern und in Sonderheit aus dem Netzwerk Pro Beruf Halle heran gezogen.

9 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 7 2 Zum Hintergrund der Studie Im Rahmen des BMBF-Programms Perspektive Berufsabschluss 1 wird seit dem Jahr 2008 die Förderinitiative Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung umgesetzt. Sie strebt an, aus der Modellphase ein Regelangebot für die Nachqualifizierung An- und Ungelernter zu entwickeln. Bis in die Gegenwart hinein wird konstatiert, dass sich die abschlussorientierte Nachqualifizierung von An- und Ungelernten auf einem quantitativ niedrigen Niveau bewegt. 2 Konkret werden pro Jahr deutschlandweit ca Personen als Teilnehmer an den sog. Externenprüfungen registriert. Dies sind 7 Prozent aller Teilnehmer an Kammerprüfungen. 3 Dabei ist zu berücksichtigen, dass die diesbezügliche Datenlage recht unbestimmt als auch heterogen und unvollständig ist. So werden unter Nachqualifizierungen bzw. nachträglichem Erwerb eines anerkannten Berufsabschlusses in der Regel sowohl Umschulungen, abschlussorientierte modulare Nachqualifizierungen und Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung zusammengefasst. Die Daten zu den externen Prüfungsteilnehmerinnen und - teilnehmern enthalten zudem weder Angaben zur Vorbildung der zugelassenen Personen noch darüber, wie und wie lange sie sich auf die Prüfungsteilnahme vorbereitet haben und inwieweit sie beruflich integriert sind. Dies alles erschwert oder verhindert eine annähernd exakte Einschätzung von Eingangs-, Prozess- und Ergebnisparametern bei Nachqualifizierungen. Die Ursachen für die noch unbefriedigende Abschlussquote sind verschiedenartig. Sie reichen vom mangelnden Bekanntheitsgrad der Nachqualifizierungsmöglichkeiten bei den Adressaten, bei Unternehmen und Bildungsanbietern über begrenztes Interesse bei eben diesen Akteuren bis hin zu Problemen, die mit dem organisatorischen, zeitlichen und finanziellen Aufwand dieser Qualifizierungsformen und folglich auch mit ihren Kosten und deren Finanzierung zu tun haben. Über diese Seiten der Nachqualifizierung liegen von den Erfahrungsträgern allerdings kaum Veröffentlichungen vor, 4 obwohl sie in der praktischen Arbeit eine dominierende Rolle spielen. Zudem lässt eine Analyse durchgeführter Nachqualifizierungsprojekte erkennen, dass sie oft mit Hilfe finanzieller Mittel von EU, Bund, Ländern oder/und Kommunen durchgeführt wurden. Auf die Tatsache, dass die Qualifizierung von An- und Ungelernten auch in der Vergangenheit schon kaum einmal problemlos umgesetzt werden konnte, häufig wechselnden arbeitsmarktund bildungspolitischen Orientierungen unterlag und selten einmal Finanzierungsinstrumente zur Verfügung standen, die dem erforderlichen Aufwand entsprachen, wurde dennoch bereits verschiedentlich hingewiesen. 5 Bei vielen Projektträgern war und ist das Problem der Kosten der Nachqualifizierung bzw. ihrer Finanzierung schon im Vorfeld der Projektdurchführung ein zentraler Problembereich, der die Rahmenbedingungen für die Nachqualifizierungen (NQ) absteckt und dem wie im folgenden Beispiel aus dem Bundesland Sachsen viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. 1 Das Programm Perspektive Berufsabschluss besteht aus zwei Förderinitiativen. Fö 1: Regionales Übergangsmanagement (RÜM) und Fö 2: Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung (NQ). 2 vgl. BMBF (Hrsg.): Berufsbildungsbericht Bonn, Berlin 2010; 3 Knoll, N.: Regionale Strukturentwicklung Entwicklungsziele und Umsetzungsstrategien. Halle 2009; Entwicklungsziele_ und_umsetzungsstrategien_-_frau_knoll.pdf 4 FBB (Hrsg.): Anhangsverzeichnis zur Auswertung des zweiten Kurzberichts der regionalen Vorhaben der Förderinitiative 2. Nürnberg 2010; 5 vgl. Rüb, H.; Gutschow, K.: Abschlussbezogene Nachqualifizierung im Spannungsfeld aktueller Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik. BWP, 1/2006, 39 42; nq_bwpb.pdf

10 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 8 Abbildung 1: Aufgaben der Nachqualifizierungsinitiative 6 Abbildung 2: Vielfalt der Finanzierungswege 7 Bei der Umsetzung der Nachqualifizierungsmaßnahmen stoßen sie auf eine Reihe weiterer Probleme. Diese betreffen sowohl die Nachqualifizierungen von Arbeitslosen als auch die von Beschäftigten sowie die bundes- und landesweit vorhandenen Förderangebote und auch die regionalen Sichtweisen auf Bedarfe und Förderungen bei Nachqualifizierungen. 8 6 Kappler, R.: Finanzierungswege für Nachqualifizierung. Dresden 2009; sprache=deu 7 ebenda 8 Forschungsinstitut Betriebliche Bildung: Nachqualifizierung möglich machen. 3. Workshop. Ergebnis-se der rotierenden Gruppenarbeit. Nürnberg 2010;

11 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 9 Auch im erweiterten Umfeld von Nachqualifizierungen, z. B. bei der Arbeit mit Ausbildungsbausteinen (AbB), wird prinzipiell auf gleiche oder ähnliche Engpässe verwiesen. Abbildung 3: Engpässe und Probleme bei Nachqualifizierungen 9 Für Bildungsanbieter dürfte die Kosten- bzw. Finanzierungsproblematik der wesentlichste Grund sein, dass ihr Interesse an der Durchführung von Nachqualifizierungsvorhaben (abgesehen von Umschulungsmaßnahmen) bisher nur eingeschränkt vorhanden ist. Dies bestätigt sich in einer Befragung zu ihren Erfahrungen mit der abschlussorientierten Nachqualifizierung und zur Beschaffenheit der Rahmenbedingungen unter denen sie sich verstärkt an Nachqualifizierungsvorhaben beteiligen würden. 10 Dabei zeigte sich zunächst, dass bei den Befragten bisher vor allem die Umschulung als wichtigstes Instrument der Nachqualifizierung genutzt wurde. Seit einiger Zeit finanzierten die Arbeitsagenturen bzw. Jobcentern jedoch keine Umschulungen mehr (außer für den Reha- Bereich). Spezielle Nachqualifizierungsangebote für Personen mit mehr oder weniger umfassender Berufserfahrung oder wenig fachpraktischen bzw. -theoretischen Kompetenzen wurden weitaus seltener realisiert. Vor diesem Hintergrund wurde gefragt, in welchen Bereichen die Bildungsträger Handlungsbedarf sehen, um abschlussorientierte modulare Nachqualifizierungen in ihrer Einrichtung durchführen oder ausbauen zu können. 9 vgl. Ekert, St.; Ornig, N.: JOBSTARTER CONNECT. Anwendungsbereich IV. Ausbildungsbausteine in der Nachqualifizierung. Bonn 2010; 18.pdf 10 BBJ Servis ggmbh: Bestandsanalyse. Befragung zum Erfahrungsstand mit der abschlussorientierten Nachqualifizierung unter den Westbrandenburger Akteuren. Potsdam 2009;

12 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 10 Abbildung 4: Handlungsbedarf aus Sicht von Bildungsträgern 11 Nach Ansicht der Autoren dieser Befragung bilden diese Auffassungen ein großes Problem der bisher bestehenden finanziellen Rahmenbedingungen ab. Denn die Bildungsangebote im Rahmen der abschlussorientierten Nachqualifizierung werden i. d. R. keine Maßnahmenstärke erreichen, da sie idealtypisch nur auf den Einzelnen/die Einzelne zugeschnitten sind. Mit der ungesicherten Teilnehmeranzahl erhöht sich das finanzielle Risiko bei den Trägern. Unter den Bedingungen ungesicherter personeller und finanzieller Planungssicherheit dürfte es schwer sein, die Bildungsangebote darüber hinaus flexibel und modular zu gestalten, damit ein Eintritt zeitnah möglich ist und den individuellen Zeitplänen und Bedürfnissen der Teilnehmenden entsprochen werden kann. Die benannten Problemstellen machen es den Bildungsträgern denn auch schwer, die Teilnehmenden in bestehende Maßnahmen zu integrieren. 12 Schließlich ist auch bereits auf Länderebene die Nachqualifizierungssituation analysiert worden. So existiert für das Bundesland Hessen eine umfassende Studie, die eine Fülle quantitativer und qualitativer Informationen dazu bereitstellt sowie Probleme, Handlungsbedarfe und Handlungsansätze ausweist. Kaum eine der dort befragten Bildungseinrichtungen (n = 48; Mehrfachnennungen) erkannte keine Probleme bzw. keinen Handlungsbedarf, um mehr abschlussorientierte Nachqualifizierungen erfolgreich durchführen zu können. Drei Viertel (75 %) der Befragten sehen große Probleme bzw. einen starken Handlungsbedarf hinsichtlich der Sicherstellung der Finanzierung der Teilnahme an einer Nachqualifizierungsmaßnahme. 11 ebenda 12 ebenda, S. 8

13 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 11 Abbildung 5: Bereiche mit Problemen bzw. Handlungsbedarf 13 Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen sei die Zusammenarbeit der beteiligten Personengruppen bzw. Institutionen, Kammern, Kommunen, Arbeitsagenturen auf lokaler Ebene erforderlich, wobei das Land vor allem als Impulsgeber und Moderator gefordert ist, um gemeinsame Aufgaben abzustimmen. In Niedersachsen wird in ähnlicherweise gefordert unter Einbeziehung von Erfahrungen aus der gesamten Bundesrepublik strategische Handlungsfelder zu identifizieren, um arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Entscheidungen der Zielgruppe angemessen zu fällen. Es wird vorgeschlagen, regionale Kompetenzen zu bündeln und auszubauen sowie lokale Koordinierungskapazitäten zu schaffen, um Bildung und Qualifizierung orientiert an den lokalen Bedingungen und Erfordernissen auf ein zukunftsfähiges Fundament zu stellen. 14 Auf der Bundesebene schließlich wird beispielsweise im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation von Förderprogrammen für Benachteiligte auf die wachsende Sensibilisierung für Kosten-Nutzen-Verhältnisse in der Arbeit mit Benachteiligten verwiesen. Deshalb sei es für den Transfer in die Fachpraxis mit entscheidet, ob potenzielle Multiplikatoren/Anwender relativ genau über die Höhe der konkreten Wirkungen bestimmter Programme und Instrumente informiert werden können. Bei einer großen Zahl von Vorhaben seien ihre Wirkungen nicht so aufbereitet, dass Erfolge oder Wirkungen konkret benannt wurden und für Außenstehende nachvollziehbar waren. Nach Einschätzung der Initiatoren verschiedener Vorhaben sind es aber vor allem andere Faktoren, die einer Übernahme ihrer Produkte und damit dem Transfer in die Praxis entgegenstehen. 13 Frings, K.; Kuse, St.: Nachqualifizierung An- und Ungelernter in Hessen. Wiesbaden 2011; 14 Brandt, O.; Cordes, A.; Diez, J. R.: Regionale Beschäftigungsentwicklung der gering und mittel Qualifizierten in Niedersachsen. Bestimmungsfaktoren und Handlungsempfehlungen. Hannover 2008;

14 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 12 Tabelle 1: Transferbehindernde Faktoren 15 Nicht überraschend war die hohe Zahl der Vorhaben, die in der allgemeinen Finanzsituation der Benachteiligtenförderung den größten Engpass für den Transfer der von ihnen entwickelten Ansätze sahen. Insbesondere bezogen sich Vorhaben oftmals auf die neue, mit Kostendruck einhergehende Vergabepolitik der Bundesagentur für Arbeit, die kaum Raum ließe, etablierte Qualitätsniveaus der Arbeit zu halten, geschweige denn innovative Qualitätsniveaus durchzusetzen. Aus dieser Perspektive erschienen den Vorhaben die relativen Kosten ihrer Ansätze im Vergleich zu den bereits in der Regelförderung etablierten Produkten oder Verfahren sekundär (nur neun Nennungen), da ihre Ansätze selbst dann geringe Transferchancen besäßen, wenn deren Kosten im Vergleich mit etablierten identisch seien. Darüber hinaus besaßen die Produkte einzelner Vorhaben jeweils spezifische Transferhürden, bei denen es sich zum einen eher um fehlende Information der Fachöffentlichkeit, zum anderen um fehlende Kompetenzen potenzieller Anwender (bei sehr anspruchsvollen Verfahren) oder rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen handeln konnte. Im Gutachten zur Systematisierung der Fördersysteme, -instrumente und -maßnahmen in der beruflichen Benachteiligtenförderung schließlich wird festgestellt: In unterschiedlichen Modellversuchen sind in den letzten zehn Jahren erfolgreiche Konzepte zur Nachqualifizierung entwickelt, erprobt und für einen Transfer aufbereitet worden. Es existieren auch generelle Standards wie in der Handlungsanleitung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Es fehlt jedoch nach wie vor ein Regelangebot der Nachqualifizierung im Weiterbildungssystem BMBF (Hrsg.): Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation. Band IV der Schriftenreihe zum Programm Kompetenzen fördern Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf (BQF-Programm). Bonn, Berlin 2008, S. 131; 16 BMBF (Hrsg.): Gutachten zur Systematisierung der Fördersysteme, -instrumente und maßnah-men in der beruflichen Benachteiligtenförderung. Bonn, Berlin 2009;

15 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 13 3 Ansatzpunkte zur Kostenbetrachtung Im folgenden Abschnitt sollen einige grundsätzliche Einflussfaktoren dargestellt werden, die bei abschlussorientierten modularen Nachqualifizierungen direkt oder indirekt von kostenrelevanter Bedeutung sind. Sie werden bei der Bewertung des Umfangs und der Anforderungen der Aufgaben bei dieser Qualifizierungsform häufig nicht ausreichend gewürdigt. 3.1 Teilnehmerinnen/Teilnehmer Zum Ersten wurde bereits deutlich, dass sowohl der Bekanntheitsgrad als auch die Interessiertheit und die Nutzenserwartungen an Nachqualifizierungsmöglichkeiten in der Zielgruppe der Förderinitiative noch unzureichend bzw. verhalten sind. Dadurch ist trotz der insgesamt sehr hohen Zahl An- und Ungelernter die Quantität potenziell wirklich Interessierter insgesamt gering. Zum Zweiten ist die Gruppe der An- und Ungelernten bekanntermaßen von außerordentlicher Heterogenität. Dies betrifft vor allem ihre bisherige schulische und ausbildungsbezogene Biografie, ihre soziale Herkunft und Situation sowie ihre Verankerung im Beschäftigungssystem (vgl. Abbildung 6 und 7). Zur Verdeutlichung der Teilnehmerspezifika sei auf ein quantitativ besonders umfangreiches Projekt aus Sachsen zurückgegriffen. 17 Es diente der Nachqualifizierung von Arbeitslosen (Leistungs- und Nicht-Leistungsempfänger) und erlaubt einen sehr guten Einblick in die bei Nachqualifizierungen zu erwartende Teilnehmerstruktur. Abbildung 6: Heterogenität der Zielgruppen für Nachqualifizierungen Zum Verständnis der folgenden Projektdaten ist anzumerken, dass das Projekt auf der Basis des Landesprogramms Sachsens Qualifizierung Arbeitsloser zum Berufsabschluss und mit Hilfe von ESF- Mitteln in mehreren Landkreisen bzw. Agenturbezirken realisiert wurde. Insgesamt standen 84 Mio Euro zur Verfügung je Teilnehmer im Durchschnitt Euro. Vorauswahl und Zuweisung der Teilnehmer erfolgten mit stark differierender Qualität durch die Arbeitsagenturen, danach erfolgte eine Kompetenzbilanzierung Teilnehmer (67%) traten aus dem Qualifizierungsprozess aus (wegen Arbeitsaufnahme und aus persönlichen Gründen). 18 vgl. Kappler, R. (a. a. O.)

16 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 14 Abbildung 7: Teilnehmerstruktur bei einer Nachqualifizierung 19 Hervorhebenswert sind besonders folgende Fakten 20 : Heterogenität besonders bezüglich Alter und bisheriger Qualifikation 21 Dominanz von Maßnahmeabbrechern und Abbruchkarrieristen in fast 50 % der Fälle ist sozialpädagogische Betreuung erforderlich; der Bedarf an Stützunterricht ist noch größer die erwartete Qualifizierungsdauer bewegte sich zwischen 1 und 4 Jahren die Qualifizierung war primär an den Berufswünschen der Teilnehmer/innen, kaum am Bedarf des regionalen Arbeitsmarktes ausgerichtet (die Teilnehmer wählten insgesamt 136 Berufe für ihre Nachqualifizierung) trotz der sehr großen Teilnehmerzahl ergaben sich auf Grund der unterschiedlichen Berufsziele und der räumlichen Verteilung der Teilnehmer und Bildungsträger relativ kleine Gruppen bei den Bildungsträgern (in nicht wenigen Landkreisen konnte deshalb kein Angebot bzw. keine Auswahl unterbreitet werden) der individuelle Zuschnitt der Qualifizierungen war schwierig, gelang in vielen Fällen nicht oder wurde von den Bildungsträgern abgelehnt (Folgerung: individuelles Lehren und Lernen ist nicht verbreitet Wunschdenken ) die Finanzierung stieß auf Schwierigkeiten (auf Grund der Qualifizierungsdauer sowie insbesondere bei Fahrtkosten, Kinderbetreuung, Werkzeugen, Arbeitskleidung) 19 QAB : ein sächsisches Konzept zur modularen Nachqualifizierung. Nürnberg 2008; 20 ebenda 21 Diese Qualifikationsstruktur der Teilnehmer/innen entspricht weitgehend der, die statistisch gesehen für Geringqualifizierte deutschlandweit gilt: etwa 67% von ihnen besitzen einen Hauptschulabschluss, 13% die Mittlere Reife und 7% Abitur. Lediglich 13% sind ohne allgemein bildenden Schulabschluss (vgl. Reinberg, A.: Geringqualifizierte Modernisierungsverlierer oder Bildungsreserve? In: Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit, Nr. 12/2003, ; Auch in anderen Nachqualifizierungsprojekten liegt häufig eine ähnliche Qualifikationsstruktur bei den Teilnehmern vor (vgl. Noll-Wagner, A.: Beratung und Qualifizierung Nachhaltig und nach Maß. Workshop 7, Darmstadt 2011;

17 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 15 Für den Bereich der Nachqualifizierung von Beschäftigten sei ein anderes Beispiel herangezogen. Für das Unternehmen Goodyear Dunlop Tires Germany wurde am Standort Riesa ein System aus modularer Zertifizierung und Externenprüfung u. a. für Verfahrensmechaniker/-in Kunststoff- und Kautschuktechnik geschaffen. 22 Die Qualifizierung erfolgte berufsbegleitend. Die Qualifizierungskosten trug das Unternehmen. Im Jahr 2011 wurden insgesamt 56 junge Frauen und Männer in Lauchhammer und Riesa im Bereich der Kunststofftechnik (Verfahrensmechaniker/Verfahrensmechanikerin für Kunststoffund Kautschuktechnik) nachqualifiziert. Das Unternehmen war von Anfang an an der Realisierung mehrerer Qualifizierungszyklen mit einer erheblichen Anzahl von Geringqualifizierten interessiert. Typische Beispiele von Nachqualifizierungen sehen jedoch anders aus. Da sowohl das Interesse der Geringqualifizierten als auch das der Unternehmen in der Regel eher begrenzt ist, führt das auf Grund stark differierender beruflicher Interessen oder/und sehr kleinteilige Qualifizierungsbedarfe in den KMU der Region zu ganz anderen zahlenmäßigen Konstellationen. In den folgenden Beispielen entschieden sich in Jena 25 Nachqualifizierungsinteressenten für 17 verschiedene Berufe und in Halle (Saale) 34 für 15 Berufe! Diese Problematik verschärft sich noch, wenn was ebenfalls die Regel ist die Teilnehmer nicht aus einem umgrenzten Einzugsgebiet (ländlicher Raum!) stammen und ev. zeitlich unterschiedliche Einstiegstermine erforderlich sind. Auch bei dem Versuch der überregionalen Gruppenbildung ergeben sich kaum größere Gruppen und die Berufswünsche klaffen noch weiter auseinander. Tabelle 2: Verhältnis angestrebter Berufsabschlüsse - Teilnehmerzahl 23 Jena Halle Berufe TN-Zahl Berufe TN-Zahl Industriekeramiker 3 Servicekraft Schutz u. Sicherheit 6 Teilezurichter 2 Bürokaufmann/-frau 6 Fachlagerist 2 Kaufmann/-frau Einzelhandel 3 Fachinformatiker 2 Servicekraft Dialogmarketing 3 Koch 1 Holzbearbeiter/-in 3 Konstruktionsmechaniker 2 Industrieelektriker/-in 2 Industriemechaniker 2 Maler/-in und Lackierer/-in 2 Elektroniker 2 Fachkraft Gastgewerbe 2 Ergotherapeutin 1 Zerspanungsmechaniker/-in 1 Gärtnerin (Zierpflanzen) 1 Fachkraft Lagerlogistik 1 Kauffrau Bürokommunikation 1 Altenpfleger/-in 1 Kosmetikerin 1 Mauerer/-in 1 Europäischer Lkw-Führerschein 1 Erzieher/-in 1 Mechatroniker 1 Verkäufer/-in 1 KFZ-Mechatroniker 1 Gebäudereiniger/-in 1 Holzbearbeiter 1 Fachverkäuferin Backwaren 1 17 Berufe 25 TN 15 Berufe 34 TN Die folgende Abbildung verweist abschließend noch einmal auf die große Bedeutung nicht nur der Finanzierung, sondern auch auf die große Breite und Intensität teilnehmerbezogener Hemmnisse bei Nachqualifizierungen Buckreus, H.: Abschlussorientierte Modulare Nachqualifizierung MoNaQu Jena. Göttingen 2009; Netzwerk Pro Beruf Halle (persönliche Mitteilung)

18 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 16 Abbildung 8: Erfolgserschwerende Faktoren bei Nachqualifizierungen Bildungsanbieter Die Landschaft der Bildungsanbieter ist sehr vielgestaltig. Das gilt für Trägerschaft, Größe, Gründungszeitpunkt, aber auch für ihre Tätigkeitsfelder. Alle Anbieter müssen mehr oder weniger als kommerzielle Unternehmen agieren. Sie richten ihre Tätigkeit aus an solchen Gegebenheiten wie Größe des Kundenmarktes, Marktwachstum, Abhängigkeit von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Risiko, Preispolitik, Wirtschaftlichkeit, unternehmenseigenes Know-how u. a. Bei objektiver Betrachtung muss eingestanden werden, dass gegenwärtig der Bereich der Nachqualifizierungen nicht zu den besonders attraktiven Marktsegmenten gehört und mit vielen offenen Fragen verbunden ist (vgl. 2. Kapitel). Besonders Marktgröße, Marktwachstum und die Abhängigkeit von wechselnden politischen Entscheidungen dürften das eher begrenzte Interesse und Engagement vieler Bildungsanbieter in diesem Bereich erklären lassen. Sofern andere Marktsegmente und Zielgruppen erfolgversprechender erscheinen, werden sie sich diesen widmen und Nachqualifizierungen bestenfalls zur Demonstration ihrer sozialen Verantwortung nutzen oder als peripheres Geschäftsfeld ansehen. War für Bildungsanbieter vor reichlich 10 Jahren umsatzseitig der Stellenwert der Arbeitsverwaltung noch sehr hoch und trug im Durchschnitt zu mehr als der Hälfte zu ihrem Umsatz bei 25, so zeigen neuere Erhebungen, dass Betriebe (besonders mit ihren Führungskräften, Meistern, Technikern) und Privatpersonen (Selbstzahler) in ihrer Bedeutung als Zielgruppen zunehmen. Die Fortbildung und Umschulung von Arbeitslosen dagegen nimmt 24 Frings, K.; Kuse, St. (a. a. O.) 25 Schuldt, K.: Vernachlässigte Märkte? Eine Analyse der Angebotsprofile Brandenburger Bildungsträger zur Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen. Potsdam 1999;

19 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 17 in ihrer Bedeutung für die Bildungsanbieter ab (in Ostdeutschland jedoch moderater als in Westdeutschland). 26 Weiterhin muss damit gerechnet werden, dass An- und Ungelernte für viele Bildungsanbieter eine Zielgruppe sind, mit der sie bisher wenig oder keinen Kontakt hatten. Für sie ist der Umgang mit ihnen und ihre Qualifizierung Neuland. Die Heterogenität und Spezifität der oft pauschalierten Zielgruppe der An- und Ungelernten ist sicher ein weiterer Grund, weshalb Weiterbildner zögerlich dieses Terrain betreten. Tatsächlich wird im Bildungsbereich ja sozusagen eben erst begonnen, die Gegebenheit von Heterogenität bewusst zu erkennen, zu würdigen und zu versuchen, mit Modellprojekten Lösungen dafür zu finden sowie notwendige Unterstützungsbedarfe für das Bildungspersonal (in Schulen, Bildungseinrichtungen und Betrieben) aufzuklären. 27 Allerdings sollte hierbei freilich nicht übersehen werden, dass sich die Heterogenität bei Nachqualifizierungen nicht allein aus unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen ergibt, sondern auch und vor allem aus der Unterschiedlichkeit der individuellen beruflichen Ziele. Dieser Aspekt liegt in aller Regel jenseits dessen, was mit Heterogenität umschrieben wird. Viele der ersten Gedanken dazu (vgl. Abbildung 9) haben dennoch einen unmittelbaren Bezug zur Problematik der Organisation und Gestaltung von abschlussbezogenen modularen Nachqualifizierungen. Abbildung 9: Heterogenität akzeptieren, beherrschen und gestalten Grünert, H.; Wiener, B.; Winge, S.: Zusammenarbeit von Betrieben und Trägern der beruflichen Weiterbildung. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Halle 2011; 27 ZWH: Bildungskonzepte für heterogene Gruppen Situationsanalyse und Handlungsbedarfe. Düsseldorf 2009; Westhoff, G.: Neue Wege in die Ausbildung Heterogenität gestalten. Bonn 2010; 28 Westhoff (a. a. O.)

20 Zur Finanzierungs- und Kostenproblematik bei Nachqualifizierungen 18 Selbst Mitarbeiter von Bildungsträgern, die bereits in der Benachteiligtenqualifizierung tätig sind, räumen hin und wieder ein, dass in bestimmten Fragen ein hoher Weiterbildungsbedarf besteht. Primär gehören dazu: 29 Methodik und Didaktik (auch für Meister und Ausbilder) Fördermöglichkeiten Modularisierung individuelle Förderung arbeitsplatznahe Förderung Lernortkooperation Damit besteht bei zentralen Aspekten der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung eigener Qualifizierungsbedarf! Der äußerst mangelhaft entwickelte Wissensaustausch in den Bildungseinrichtungen trägt weiteres zu dieser Situation bei. Weiterbildung mit Benachteiligten jeglicher Art erfordert eine Professionalisierung für die spezifischen Aufgaben und ist unabdingbar. Weiterbildung von An- und Ungelernten nach dem Konzept der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung bedeutet auch, dass Anbieter in Hinsicht auf Lehrpläne, Lehrinhalte, Weiterbildungsgestaltung, Zertifizierung u. a. m. neue Wege beschreiten müssen. Ihnen ist natürlich bewusst, dass eine direkte Übertragung vorhandener Konzepte und Vorgehensweisen auf die neue Zielgruppe nicht möglich ist (vgl. Abbildung 10). Abbildung 10: Interesse an Themen der Nachqualifizierung Kramer, M.: Professionalisierung in der Benachteiligtenförderung Eine Untersuchung des internen Qualifizierungsbedarfs bei Bildungsorganisationen. Nürnberg 2008; 30 Rüb, H.: Netzwerkarbeit für die Nachqualifizierung. Meißen 2008;

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