FACHSBEREICHSARBEIT. Information, Beratung und Schulung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ II

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1 FACHSBEREICHSARBEIT Wien, Mai 2007 Information, Beratung und Schulung von Patienten mit Diabetes Begutachterin: Mag. Petra Siffert Eingereicht durch: Maria-Magdalena Sarnthein an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege der Rudolfinerhaus BetriebsGmbH, Billrothstraße 78, 1190 Wien

2 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Diabetes mellitus Typ II Begriffserklärung Diabetes mellitus Typ II Symptome Ursachen Diagnosestellung Zusammenfassung Information, Beratung und Schulung Information Beratung Schulung Praktizierte Beratungs- und Schulungskonzepte Zusammenfassung: Kenntnisse und Fähigkeiten Blutzuckerselbstkontrolle Notwendigkeit der Blutzuckermessung Anwendungssituationen für Blutzuckerkontrolle Blutzuckermessmethoden Auswahl des geeigneten Blutzuckermessgerätes Zu beachtende Grundregeln bei der Blutzuckermessung Hilfsmittel zur Blutzuckerselbstkontrolle Durchführung der Messung Grundregeln zur richtigen Ernährung Ausgewogene Ernährung Broteinheiten Insulinhandhabung Lagerung und Transport Richtiges Aufziehen von Insulin Pens Injektion...37 Magdalena Sarnthein 2

3 Entsorgung der Spritzutensilien Diabetische Folgeschäden Hypo- und Hyperglykämie Hypoglykämie Hyperglykämie Diabetes und Sport Urlaub und Reisen Autofahrten Flugreisen Fußpflege Regeln zur richtigen Fußpflege Gefahren bei der Fußpflege Beachtenswertes zur Pflege der Füße Zusammenfassung Schlussbetrachtung, Resumée...49 Magdalena Sarnthein 3

4 1. Einleitung Ich bin nun im letzten Jahr meiner Ausbildung zur diplomierten Gesundheitsund Krankenschwester am Rudolfinerhaus, 1190 Wien und durfte während meiner Zeit der Ausbildung Theorie als auch Praxis kennen lernen. Durch die Vielzahl an Praktika konnte ich unterschiedlichste Erfahrungen und eindrucksvolle Erlebnisse sammeln. Dabei lernte ich die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen, das Gelernte anzuwenden und den sicheren Umgang mit den Patienten. In einem meiner letzen Praktika im Rudolfinerhaus im Oktober 2006, hatten wir auf der Station einen Patienten 1 mit Diabetes mellitus 2, dessen Blutzuckerspiegel 3 aufgrund eines Pankreastumors, an dem er operiert werden sollte, sehr schnell zu entgleisen drohte. Die Situation verschlechterte sich zunehmend und eines Nachmittages sank sein Blutzucker 4 innerhalb von 3 Minuten von 43mg% auf 39mg% und weiter. Rasches pflegerisches und ärztliches Handeln und engmaschige Blutzuckerkontrollen waren die Folge. Durch das Erlebnis sensibilisiert, richtete ich anschließend mehr Augenmerk auf alle Diabetes-Patienten auf unserer Station. Dadurch wurde mir bewusst wie viele unserer älteren Patienten an Diabetes mellitus II erkrankt sind, das zuständige Pflegepersonal und manchmal auch die Patienten selbst aber nichts davon bemerkt haben. Das liegt zum einen am selbständigen Umgang der Patienten mit der Krankheit, aber in einigen Fällen auch daran, dass die Patienten selbst nicht, oder nicht ausreichend, über diese, ihre Erkrankung Bescheid wissen. Im Laufe der darauf folgenden Zeit bekam ich das Gefühl, dass nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in meinem Verwandten- und 1 Zur Erleichterung des Leseflusses verwende ich für alle Personen- und Berufsgruppenbezeichnungen die männliche Form. 2 Diabetes mellitus: Zuckerkrankheit; mellitus (lat.) mit Honig versüßt; Diabet-: (gr.) hindurchgehen. Vgl. Siffert, P.(2003): Ausscheiden und Hydration. In: Pflege Schulungsunterlagen Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Teil 1, Wien, S Blutzuckerspiegel: Höhe des Anteils der Glukose im Blut, normal mg/100ml. vgl. Schwegler, Johann (2002): Der Mensch- Anatomie und Physiologie. 3. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart, New York, S Blutzucker: Glukose; ist der zentrale Energieträger des menschlichen Stoffwechsels, wobei Gehirn und Erythrozyten absolut glukoseabhängig sind. Silbernagl, S.( 1991): Taschenatlas der Physiologie. 4. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart, New York, S Magdalena Sarnthein 4

5 Bekanntenkreis, die Anzahl von an Diabetes mellitus Typ II Erkrankten stark zunimmt. Laut der St. Vincent-Deklaration, auf deren Bedeutung ich im Verlauf der Arbeit noch zu sprechen komme, betrug die Zahl der Betroffenen in Europa im Jahre 1989 bereits 10 Millionen Menschen. Diabetes hat somit die Ausmaße einer Epidemie angenommen die alle Altersgruppen in allen Ländern erfasst. Experten rechnen bei anhaltendem Trend im Jahre 2010 mit einer Zahl von mindestens 13 Millionen Betroffenen. Hinzu kommt noch eine hohe Dunkelziffer an Diabetes mellitus erkrankten Menschen, die nicht mit eingerechnet wurde. 5 Mit dem Hintergedanken, dass ich in meiner Zukunft als diplomierte Pflegeperson zunehmend mit dieser Erkrankung zu tun haben werde, stellten sich für mich folgende Fragen: Welches Wissen und welche Fähigkeiten muss ein Mensch mit Diabetes mellitus Typ II im Umgang mit dieser Erkrankung erworben haben, um nach der Diagnosestellung wieder in die häusliche Umgebung entlassen werden zu können? Welchen Beratungs- und Schulungsanteil übernehmen dabei Pflegepersonen? Wie sehen derzeit praktizierte Beratungs- und Schulungsangebote für Diabetes mellitus Typ II Patienten aus? Bald kam mir der Gedanke, dass dies ein interessantes Thema für meine Fachbereichsarbeit wäre und ich beschloss über diesen Bereich meine Abschlussarbeit zu verfassen. In meiner Arbeit möchte ich versuchen diese Fragen für mich als auch für alle anderen Personen, die im Laufe ihres Lebens mit der Krankheit Diabetes mellitus Typ II in Berührung kommen, oder Interesse an diesem Thema haben, zu beantworten. Im ersten Kapitel möchte ich zunächst einmal einige relevante Begriffe definieren, um etwaige Missverständnisse nicht aufkommen zu lassen und für alle Leser die gleichen Vorraussetzung zu schaffen. Als erstes werde ich beschreiben was unter Diabetes mellitus zu verstehen ist, welche Formen es gibt, welche Ursachen dazu führen, mit welchen Symptomen sich die 5 Vgl. o. A. ( ): Magdalena Sarnthein 5

6 Erkrankung äußert und wie die Diagnose gestellt wird. Dieses Grundwissen ist Vorraussetzung um die folgenden Kapitel verstehen zu können und eventuelle Handlungsschritte nachvollziehen zu können. Das darauf folgende Kapitel dient dazu, die Begriffe Information, Beratung und Schulung genau zu erläutern, weil dieser Aufgabenbereich der Pflege in der Betreuung von Diabetes-Patienten unverzichtbar ist. Des Weiteren werden praktizierte Beratung- und Schulungskonzepte beschrieben, wie sie in Österreich und Deutschland zum Einsatz kommen und angewendet werden, um den Betroffenen die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Ich werde drei unterschiedliche Varianten aufzeigen und deren Vor- und Nachteile erläutern. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich auf wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten eingehen, die ein an Diabetes mellitus Typ II Erkrankter unbedingt erlangen und können muss um Folgeschäden verhindern zu können. Dabei geht es darum, die betroffenen Menschen soweit im Umgang mit der Krankheit zu befähigen, dass nicht die Krankheit den Alltag bestimmt, sondern die Krankheit ein Teil des Alltags ist. Zur Bearbeitung meiner Fragestellungen habe ich Bücher und Zeitschriften aus der schulinternen Bibliothek, der Zentralbibliothek für Medizin im AKH Wien, sowie Literatur aus dem Internet gewählt. Ganz herzlich möchte ich mich bei allen bedanken die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben. Ganz besonders bei der Betreuerin meiner Arbeit, Mag. Petra Siffert. Vielen Dank auch an Frau Veronika Kleibel, die mit ihrer hervorragend ausgestatteten Pflegebibliothek und ihrem Wissen eine sehr große Unterstützung war, sowie an alle anderen Mitarbeiter der Gesundheitsund Krankenpflegeschule des Rudolfinerhauses. Und nicht zuletzt meinen Eltern, Familie und Freunden, die während meiner Ausbildung und der Erarbeitungsphase immer für mich da waren und stets ein offenes Ohr für mich hatten. Vielen herzlichen Dank. Magdalena Sarnthein 6

7 2. Diabetes mellitus Typ II 2.1. Begriffserklärung Diabetes mellitus Typ II Diabetes mellitus, oder auch Zuckerkrankheit genannt, bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten, deren Leitbefund eine Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie) ist. Das Wort Diabetes mellitus bedeutet übersetzt honigsüßer Durchfluss, Diabetes (gr.) hindurchgehen, mellitus (lat.) mit Honig versüßt, und beschreibt deren ursprüngliches Hauptsymptom: das Ausscheiden von Zucker im Urin. 6 Charakterisiert ist die Erkrankung durch einen teilweisen oder absoluten Ausfall der Insulinproduktion in den Beta-Zellen der Langerhans`schen Inseln, die sich im Pankreas (Bauchspeicheldrüse) befinden. Je nach Ursachen gibt es unterschiedliche Diabetestypen, die jedoch verbindende Gemeinsamkeiten aufweisen. 7 Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen zwei wesentlichen Formen des Diabetes mellitus: Typ I-Diabetes entsteht durch den Mangel des Hormons Insulin und beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Durch körpereigene Abwehrstoffe werden die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört und somit in weiterer Folge kein Insulin mehr gebildet. 8 Beim Typ II-Diabetes handelt es sich um eine Störung, bei der Insulin zwar vorhanden ist, an seinem Zielort, den Zellmembranen, aber nicht richtig wirken kann (Insulinresistenz). In den ersten Lebensjahrzehnten kann die Bauchspeicheldrüse dies durch die Produktion hoher Insulinmengen kompensieren. Irgendwann kann das Pankreas die überhöhte Insulinproduktion aber nicht mehr aufrechterhalten. Die produzierte Insulinmenge reicht dann nicht mehr aus, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und der Diabetes mellitus Typ II manifestiert sich. 6 vgl. o. A. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 260 Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York, S vgl. Farr/Watkinson (1997): Diabetesschulung und -beratung. Ullstein/Mosby, Berlin/ Wiesbaden, S.1 8 vgl. o. A. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 260 Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York, S. 392 Magdalena Sarnthein 7

8 Beim Diabetes mellitus (Insulinmangel oder verminderte Insulinwirkung) kann also keine Glucose in die Zelle aufgenommen werden, sondern die Glucose verbleibt im Blut und die Traubenzuckerneubildung in der Leber verläuft ungebremst, was beides zu einem Zuckeranstieg im Blut führt. 9 Da beim DM-II 10 jedoch nur ein relativer Mangel an Insulin vorliegt, sind die Patienten nicht notwendigerweise auf die exogene Zufuhr von Insulin angewiesen. 11 Das Hormon Insulin wird in den Betazellen der Langerhans` schen Inseln des Pankreas gebildet, wirkt blutzuckersenkend und ist beteiligt an der Einstellung der normalen Blutzuckerkonzentration. 12 Aufgabe des Insulins ist die Speicherung von Nährstoffen im Körper. 13 Das Hormon erreicht über das Blut alle Körperzellen, hat aber in Abhängigkeit von der Zellart unterschiedliche Wirkungen. Für die Regulation der Blutzuckerkonzentration stehen vor allem die Wirkungen auf die Leber- und Muskelzellen im Vordergrund. Einerseits wird durch den Insulineinfluss mehr Glukose in das Zellinnere aufgenommen und in Form eines Kohlenhydrates (Glykogen) gespeichert. Andererseits wird die Glukose in den Zellen abgebaut und in Energie umgewandelt. Beide Mechanismen bewirken, dass die Blutzuckerkonzentration sinkt. Darüber hinaus hat Insulin weitere wichtige Wirkungen, zum Beispiel auf den Fett- und Aminosäurestoffwechsel. Es bewirkt den Aufbau von Körperfett und sorgt dafür, dass das Fett in den Depots bleibt. Zusammengefasst bedeutet das: Insulin ist das Speicherhormon des Körpers, senkt den Blutzucker und hemmt den Abbau von Fetten und Eiweißen. 14 Im 9 Vgl. Silbernagl, Stefan(1998): Taschenatlas der Pathophysiologie. Thieme Verlag, Stuttgart, New York, S.286 Vgl. Klinke Rainer; Silbernagl, Stefan (2003): Lehrbuch der Physiologie. 4., korrigierte Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart, New York, S DM-II wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit immer wieder als Abkürzung für Diabetes mellitus Typ II verwendet. 11 Vgl. Silbernagl, Stefan(1998): Taschenatlas der Pathophysiologie. Thieme Verlag, Stuttgart, S Vgl. o.a. (2002): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York, S Vgl. Klinke, Rainer (1994,2003): Lehrbuch der Physiologie. 4.Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, S Vgl. Klinke, Rainer (1994,2003): Lehrbuch der Physiologie. 4.Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart, S.488 Magdalena Sarnthein 8

9 Gegensatz zu anderen endokrinen 15 Hormonen, wirkt es unter fast allen Bedingungen anabol 16 und energiespeichernd und nimmt somit eine besondere Stellung im Stoffwechsel ein Symptome Die üblichen Anzeichen für diese Erkrankung sind Polyurie (oftmalige und reichliche Harnausscheidung), Polydipsie (Vieltrinken, Durstgefühl als Folge der Polyurie), Glykosurie (erhöhte Glukoseausscheidung im Harn), Gewichtsverlust (meist nur beim Typ I-Diabetes), sowie Hautjucken. 18 Bei Menschen mit Diabetes mellitus II Erkrankung sind die oben genannten Erstsymptome jedoch milder und verlaufen meist schleichend. Obwohl ein Teil der betroffenen Personen durch diabetesspezifische Symptomatik auffällig wird, ist meist eine Zufallsdiagnose durch Routineblutzuckerbestimmung im Rahmen anderer Erkrankungen wie Infektionen, Bluthochdruck, kardiovaskulären Ereignissen, Fettleibigkeit oder Sehverschlechterung, üblich. Dabei sei zu erwähnen dass neun von zehn Menschen mit DM-II adipös sind. 19 Darüber hinaus gibt es noch andere Symptome die das Pflegepersonal auf einen eventuell erhöhten Blutzuckerspiegel aufmerksam machen können. Als Beispiele wären hier Zuckerkristallablagerungen auf den Schuhen von Männern durch Urinspritzer und die Angabe des Betroffenen nur noch verschwommen zu sehen, zu nennen. Das verschwommene Sehen kann 15 Endokrin: in das Blut absondernd. o.a. (2002): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York, S Anabol: die Anabolie betreffend, Anabolismus: Aufbau der Stoffe im Körper durch den Stoffwechsel. O.A. (2001): Duden Das Fremdwörterbuch. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, S Hausmann, L. (1978): Diabetologie für die Praxis. 1.Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart, S.3 18 Vgl. Bankl, Hans (1998): Pathologie. Lehrbuch für Krankenpflegeschulen und medizinischtechnische Assistenzberufe. 7. Auflage, Facultas Universitätsverlag, Wien, S.188 Vgl. Matthaei, S; Häring HU (2007): Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. In : Diabetologie 2007, 2 Suppl, S Vgl. Gerlach, Ulrich/ Wagner, Hermann (2000): Innere Medizin für Pflegeberufe. 5. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart, New York, S.366 Vgl. Mehnert, Hellmut/ Standl, Eberhard (2003): Diabetologie in Klinik und Praxis. 5. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart, New York, S. 68 Vgl. Matthaei, S; Häring HU (2007): Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. In : Diabetologie 2007, 2 Suppl, S. 173 Magdalena Sarnthein 9

10 meistens auf Hyperglykämie 20, Katarakt 21, oder diabetischer Retinopathie 22 nach einem über Jahre bestehenden nicht diagnostizierten Diabetes, zurückgeführt werden. Ulcera 23 an Füßen oder Beinen, periphere Gefäßkrankheiten, sowie Furunkel 24, Karbunkel 25 und Infektionen 26 sind weitere Beispiele für auftretende Symptome Ursachen Es gibt mehrere Faktoren, die ausschlaggebend dafür sind, dass Menschen zu einer Erkrankung an Diabetes mellitus Typ II neigen. Da ein Grossteil der an DM II erkrankten Patienten übergewichtig ist, wird Übergewicht und Fettleibigkeit als eine der Hauptursachen für diesen Erkrankungstyp angesehen. Personen mit Übergewicht neigen zu einem Mangel an Insulinrezeptoren, der in Folge zu einer gestörten Glukosetoleranz führt. Eine weitere Ursache kann das Alter sein. Grund dafür ist ebenso die gestörte Glukosetoleranz, die sich während des Alterungsprozesses zunehmend einstellen kann. Ebenso spielt die genetische Veranlagung eine große Rolle. Besonders beim Typ II konnte eine familiäre Häufung an Diabetes mellitus festgestellt werden Hyperglykämie: erhöhte Konzentration von Glucose im Blutserum. (>6,7 mmol/l bzw. 120 mg/dl). o.a. (2004): Pschyrembl Klinisches Wörterbuch Auflage, S Katarakt: auch grauer Star genannt. Bezeichnung für jede Trübung der Augenlinse auf Grund von unterschiedlichen Ursachen. Vgl. o.a. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Guyter, Berlin, New York, S Diabetische Retinopathie: Netzhauterkrankung als Spätfolge von Diabetes mellitus. Vgl. o.a. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Guyter, Berlin, New York, S Ulcera: Mehrzahl von Ulcus. Ulcus: Geschwür. O.A. (2004). Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, New York, S Furunkel: akute eitrige Entzündung eines Haarfollikels u. seiner Talgdrüse. Vgl. o.a. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Guyter, Berlin, New York, S Karbunkel: Flächenhafte Entzündung mehrerer benachbarter Haarbälge mit Abszedierung, Nekrose, und Einschmelzung des dazwischenliegenden Gewebes. Vgl. o.a. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Guyter, Berlin, New York, S Vgl. Farr/Watkinson (1997): Diabetesschulung und -beratung. Ullstein Mosby, Berlin/ Wiesbaden, S.8 27 Vgl. Farr/Watkinson (1997): Diabetesschulung und -beratung. Ullstein Mosby, Berlin, Wiesbaden, S. 2-3 Magdalena Sarnthein 10

11 Nicht zu vergessen sind die ethnischen Unterschiede. Aufgrund ihrer genetischen Disposition besitzen verschiedene ethnische Gruppen unterschiedliche Prävalenzen 28 hinsichtlich des DM II. In Westeuropa beträgt der Anteil der betroffenen Bevölkerung 1-2 %, bei den nordamerikanischen Indianern hingegen zwischen %. Umweltfaktoren, wie der Wechsel von traditionell kalorienarmer Kost und häufiger körperlicher Betätigung, zu einem sesshaften Lebensstil mit vorwiegend hochkalorischer Kost, spielen wahrscheinlich zusätzlich eine Rolle Diagnosestellung Um die Diagnose Diabetes mellitus stellen zu können hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der National Diabetes Datenbank in den USA genaue Kriterien erstellt. Bestätigt wird die Diagnose durch das Vorhandensein von Symptomen wie Durst, Polyurie, Glukosurie, Gewichtsverlust in Kombination mit einem durchschnittlichen Blutzuckerspiegel von mehr als 11 mmol/l, einer Makrovaskulopathie und/ oder einer Retinopathie. Es gibt aber auch Diabetiker, die nur wenige oder gar keine der oben genannten Symptome aufweisen. 30 Ein weiteres Verfahren zur Bestätigung der Diagnose ist der Glukosetoleranz- Test (GTT). 31 Die Nüchternzeiten, die für diese Untersuchung erforderlich sind, müssen dafür eingehalten werden. Beispielsweise darf der Patient am Abend vor dem Test bis 22 Uhr essen, anschließend muss er nüchtern bleiben. Der Patient sollte ruhen und nicht rauchen. Am Morgen wird dem Patienten Blut abgenommen, am besten 28 Prävalenz: Übergewicht, Vorrang haben; Anzahl der Erkrankungsfälle einer bestimmten Erkrankung bzw. Häufigkeit eines best. Merkmals zu einem best. Zeitpunkt oder innerhalb einer bestimmten Zeitperiode; epidemiologisches Maß zur Charakterisierung des Krankheitsgeschehens in einer bestimmten Population. o.a. (2004): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch Auflage, Walter de Guyter, Berlin, New York, S Vgl. Farr/Watkinson (1997): Diabetesschulung und -beratung. Ullstein Mosby, Berlin, Wiesbaden, S Vgl. ebenda, S Vgl. Matthaei, S; Häring HU (2007): Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. In : Diabetologie 2007, 2 Suppl, S.176 Magdalena Sarnthein 11

12 venöses, und der Nüchternblutzucker wird bestimmt. Anschließend trinkt er 75g Glucose in ml Wasser. In Folge wird dem Patienten alle 30 Minuten, bis 2½ Stunden nach der Glukosebelastung, Blut entnommen und der Blutzuckerwert bestimmt Zusammenfassung Mit diesem Kapitel wollte ich einen kleinen Überblick über das Krankheitsbild DM II geben und somit allgemein gleiche Voraussetzungen für das Verständnis der nachfolgenden Kapitel schaffen. Jede Pflegeperson, die einen Diabetiker begleitet, muss in der Lage sein, Auskünfte über die Erkrankung, ihr Entstehen, ihre Behandlung und vor allem ihre Bedeutung geben zu können. Nur so kann eine umfassend Pflege garantiert werden, die auf individuelle Bedürfnisse und Anliegen des Patienten eingehen kann. 32 Vgl. Farr/Watkinson (1997): Diabetesschulung und -beratung. Ullstein Mosby, Berlin, Wiesbaden, S.7 Magdalena Sarnthein 12

13 3. Information, Beratung und Schulung Im allgemeinen Sprachgebrauch werden oft Begriffe, abweichend von ihrer eigentlichen Bedeutung, verwendet bzw. nicht immer gleich verstanden. Um sicher zu sein, von einem allgemein gleichen Begriffsverständnis der Leser ausgehen zu können, werden die nachfolgend beschriebenen Begriffe definiert, um eventuelle Missverständnisse zu verhindern. Information, Beratung und Schulung stellen meiner Meinung nach ein wichtiges Tätigkeitsfeld eines jeden Gesundheitsberufes dar und sind als Aufgabenbereich der Pflege in der Betreuung von Menschen mit Diabetes mellitus unverzichtbar. Durch Information, Beratung und Schulung soll Menschen mit der Diagnose Diabetes mellitus Wissen, Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden damit deren Krankheit ein Teil ihres Alltags werden kann. Jede Institution hat eigene Konzepte in welcher Form sie Information, Beratung und Schulung anbieten. Im diesem Kapitel werden praktizierte Beratungs- und Schulungskonzepte in Österreich und Deutschland vorgestellt und deren Vor- und Nachteile erläutert Information Information meint Mitteilung 33. Im Duden Fremdwörterbuch wird Information als Nachricht, Auskunft geben, in Kenntnis setzen; belehren 34 definiert. Nachricht; i.r. der Systemtheorie und Kommunikation gesendeter und empfangener Grundbestandteil von Austausch, Wechselwirkung bzw. Verständigung; die Ansammlung von Information führt nicht automatisch zur Erweiterung von Wissen (Verstehen), das hier als sinnvolle Verknüpfung von gesammelter Information zu verwertbaren Erkenntnissen verwendet wird. Beispiel: Die Information in medizinischer Fachsprache führt beim medizinischen Laien nicht automatisch zur Erweiterung seines Wissens oder 33 London, Fran (2003): Informieren, Schulen, Beraten Pflegehandbuch zur pflegebezogenen Patientenedukation.1. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern, S o. A. (2001): Duden Das Fremdwörterbuch. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, S. 437 Magdalena Sarnthein 13

14 Verständnisses, wenn er keine für ihn verständliche Erläuterungen oder Übersetzungen erhält. 35 Diese Erklärungen machen meines Erachtens deutlich, wie komplex Informationsvermittlung ist und welche unterschiedlichen Bedeutungen der Begriff Information hat. Weil die Informationsinhalte häufig nicht in der Sprache des Empfängers formuliert und/oder verfasst werden und somit nicht automatisch zu Wissen führen können, wird mir die Verantwortung des Informationsgebers besonders deutlich. Seine Aufgabe ist es die Informationsinhalte dem Empfänger so zu vermitteln, dass dieser sie verstehen und daraus Kenntnisse erlangen kann. Informationen lassen sich gerade in der Pflege, am besten in Form eines Pflegegesprächs, vermitteln. Es soll dazu dienen, gezielt bestimmte Sachverhalte dem Patienten näher zu bringen. Das Wissen der informierenden Person sollte vor dem Gespräch unbedingt aktualisiert werden, da die Fachkompetenz ausschlaggebend für das Gespräch ist. Sollten trotzdem Fragen des Betroffenen nicht bzw. ungenau beantwortet werden können, ist es wichtig dies zuzugeben und Bereitschaft zu zeigen, sich zu erkundigen und die Informationen nachzuliefern. Informationen können für den Betroffenen oft schwer verständlich und kompliziert erscheinen. Deshalb ist besonders darauf zu achten dass der Informationsinhalt für den zu Informierenden entsprechend aufbereitet wird. Das beinhaltet unter anderem eine Sprache zu verwenden, die sein Gegenüber anspricht und von ihm verstanden wird. Berücksichtigt werden müssen Muttersprache, Bildungs-, Bewusstseins- und Gemütszustand. Fachvokabular, schnelles Sprechen und sehr lange Sätze sollen vermieden werden. Ebenso sollten die Informationen für den Patienten gut dosiert und logisch aufgebaut sein. Sollte es sich um ein komplexes Thema handeln, kann es hilfreich sein im Vorfeld ein schriftliches Konzept zu erstellen oder es mit graphischen Darstellungen zu veranschaulichen. Der Informierende sollte sich vor dem Gespräch bewusst machen, ob das Thema für den Betroffenen emotionsbezogen ist, oder ob sachlich über den 35 o. A. (2003): Pschyrembel Wörterbuch Pflege. Walter de Gruyter, Berlin, New York, S. 340 Magdalena Sarnthein 14

15 Gegenstand des Informationsgespräches gesprochen werden kann. Das bedeutet, dass die Auswirkungen der Informationen für den anderen berücksichtigt werden müssen. Nach Beendigung des Gesprächs ist zu überprüfen, ob die Informationen vom Gegenüber auch wirklich aufgenommen und verstanden wurden. Es soll zum Nachfragen ermuntert werden und Möglichkeit und Zeit für Rückfragen zur Verfügung gestellt werden Beratung Durch den enormen Zuwachs an chronischen Erkrankungen und den sich wandelnden Familien- und Versorgungsstrukturen, wird ein zunehmend verändertes Aufgabenfeld der Pflege begründet. Die demografischen Veränderungen, mit dem erheblichen Anstieg der Zahl älterer Menschen veranlasste in den letzten Jahren viele Autoren von pflegerelevanten Veröffentlichungen, Beratung als ein neues pflegerisches Handlungsfeld zu beschreiben. (z.b. A. Abt-Zegelin, C. Knelange, M. Mertin). Der Begriff der Gesundheitsförderung und das daraus abgeleitete Tätigkeitsfeld des diplomierten Pflegepersonals, das im 14 des Gesundheits- und Krankenpflegegesetztes im Eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich verankert ist, bieten weitere Gründe, der Beratung in der Pflege mehr Raum und Stellenwert zu geben. 37 In der Ottawa-Charta von 1986 wurde Gesundheitsförderung wie folgt beschrieben: Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches, und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern 36 Vgl. o. A.(2003): Pschyrembel Wörterbuch Pflege. Walter de Gruyter, Berlin, New York, S Magdalena Sarnthein 15

16 können. In diesem Sinne ist Gesundheit als wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. 38 Diese Inhalte der Gesundheitsförderung erscheinen mir sehr treffend, da daraus klar hervorgeht, dass bei den Inhalten der Gesundheitsförderung nicht nur die körperlichen Aspekte im Mittelpunkt stehen, sondern es darum geht, Lebensqualität zu steigern und Krankheiten zu vermeiden. Darin sehe ich eine Verbindung zu der Betreuung von Menschen mit Diabetes mellitus, deren Ziel es unter anderem auch ist, Folgeschäden zu vermeiden. Durch Information, Beratung und Schulung lässt sich die Krankheit gut in den Alltag integrieren, die Lebensqualität erhalten, und die gleiche Lebenserwartung wie bei Nichterkrankung zu erzielen. Chronische Krankheiten und aufwändige Behandlungsverfahren führen zu einer langfristigen Auseinandersetzung der Patienten mit ihrem Gesundheitszustand und bei den meisten Menschen besteht der Wunsch, unabhängig zu sein und die Situation selbst kontrollieren zu können. 39 Dazu brauchen Menschen für sie verständliche Informationen, die sie im Rahmen von Beratung durch Pflegende bekommen sollen. Doch was bedeutet Beratung überhaupt? Der Begriff Beratung wird nicht nur in der Pflege, sondern in zahlreichen anderen Disziplinen sowie in unterschiedlichen Institutionen und in der Alltagssprache verwendet. Dorsch beschreibt Beratung als einen Problemlösungsprozeß, der vom Berater gestaltet wird und darauf zielt die Kompetenzen des Ratsuchenden zu verbessern, um die für ihn anstehenden Aufgaben bzw. Probleme zu bewältigen. Die Eigenbemühungen des Ratsuchenden sollen unterstützt und optimiert werden. 40 Beratung bezeichnet einen ergebnisoffenen gemeinsamen Problemlösungsprozess Mertin, M.; Müller, I., Beier, J. (2005): Der Begriff Beratung in der Pflege. In: Pflegezeitschrift (2005) 2, S Vgl. Abt-Zeglin, A. (2003): Wer kommuniziert, pflegt. In: Pflege Aktuell (2003) 12, S Vgl. Dorsch (1982, 88):ohne Titel. In: Knelange, C. (2000): Beratung in der Pflege- als Aufgabe erkannt und professionell ausgeübt? In: Pflege & Gesellschaft, 5 (2000) 1, S Vgl. London, Fran (2003): Informieren, Schulen, Beraten Pflegehandbuch zur pflegebezogenen Patientenedukation.1. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern, S. 21 Magdalena Sarnthein 16

17 Die vorher genannten Autoren sehen Beratung als Aufgabenbereich der Pflege und sind sich einig, dass diese integraler Bestandteil derjenigen sein muss. Die Erziehungswissenschaften beschreiben den Begriff Beratung als eine besondere Form des erzieherischen Handelns, die sich zwischen gezieltem Beeinflussen und direktem Lenken einerseits und einer Selbststeuerung und Hilfe zur Selbsthilfe andererseits bewegt. Es wird als prozesshaftes Geschehen verstanden, in dessen Mittelpunkt ein Problem steht, welches innerhalb eines Beratungsvorganges gelöst werden soll. Dabei sollen im Idealfall für den Ratsuchenden Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten aufgezeigt werden und seine Entscheidungsfähigkeit und bereitschaft gestärkt werden, ohne ihn zu bevormunden. Ziel ist eine Verhaltensänderung. In der Psychologie will mit Beratung eine grundlegende Verhaltensveränderung erreicht und Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Dabei sollen dem Ratsuchenden Informationen und Handlungskompetenzen vermittelt werden, die es ihm ermöglichen, Probleme zu bewältigen, an deren Lösung er vor der Beratung scheiterte. Wichtig ist jedoch, dass der Beratungsprozess freiwillig und auf Initiative des Ratsuchenden zustande kommt. Die Autoren dieses Artikels 42 schreibt, dass der Beratungsbegriff in der Pflege sich deutlich von den angrenzenden Wissenschaften, von psychologischer, pädagogischer und psychosozialer Beratung abgrenzen muss. Der durch die Wissenschaftsdisziplinen geprägte Beratungsbegriff ist auf das pflegerische Handlungsfeld nicht uneingeschränkt übertragbar. Ziele der pflegerischen Beratung sind Verhaltensänderungen beim Patienten, das Aufzeigen möglicher Handlungsalternativen zwischen denen der Patient sich frei entscheiden kann, sowie eventuelle Veränderungen im Fühlen, Denken und Handeln durch Aktivierung von Lernprozessen herbeizuführen. Für die Definition von Beratung werden allgemein die Freiwilligkeit der Beziehung, die Hilfsbedürftigkeit des Ratsuchenden bei gleichzeitiger Professionalität des Beraters und die zeitliche Begrenzung der Beratungsbeziehung verstanden. Beratung ist etwas individuelles, erfordert hohe fachliche Kompetenz von Pflegenden und bietet eine interessante 42 Vgl. Mertin, M.; Müller, I., Beier, J. (2005): Der Begriff Beratung in der Pflege. In: Pflegezeitschrift (2005) 2, S. 2-6 Magdalena Sarnthein 17

18 berufliche Herausforderung. Ratsuchende teilen auf der Basis einer partnerschaftlichen Beziehung ihre persönlichen Probleme und Ressourcen mit. Gemeinsam versuchen Betroffener und Pflegender Ziele und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Für die Disziplin der Pflege ist am ehesten der Begriff der Expertenberatung geeignet. Der Berater ist bei der Expertenberatung in erster Linie Experte, von dem der Klient Fach-Know-how zur Lösung seines Problems erhält. Dabei werden in erster Linie Informationen an den Ratsuchenden weitergegeben, über die der Ratsuchende nicht verfügt. Ein guter Berater braucht psychologisches und pädagogisches Wissen, er sollte die Situation des Gegenübers erfassen können, fremde Werte akzeptieren, Vertrauen herstellen und muss Beziehungsund Sachebene trennen können. Durch gegenseitige Akzeptanz sollen Energien und Möglichkeiten im Ratsuchenden selbst mobilisiert werden. Im Unterschied zu den anderen Disziplinen greift die Pflege eine Entscheidung des Patienten, sein Verhalten zu ändern, situativ auf. Da Pflegeinterventionen nicht nur auf die Folgen der Krankheit, sondern gerade auch auf das gesundheitliche Wohlbefinden des Patienten zielen, geht es nicht primär um die Krankheit, sondern um das Kranksein und das Leben mit Krankheitsphänomenen und deren Folgen. 43 Beratung findet als Einzelberatung oder Gruppenberatung statt Schulung Schulung wird verstanden als geplante prozesshafte Veranstaltung Vgl. Mertin, M.; Müller, I., Beier, J. (2005): Der Begriff Beratung in der Pflege. In: Pflegezeitschrift (2005) 2, S. 2-6 Vgl. Pinnkert, C.; Renneke, S.; Rutenkröger, A.(1999): Schulung und Beratung als pflegerischer Auftrag. In: Pflege Aktuell(1999) 3, S Vgl. Knelange, C.(2000): Beratung in der Pflege als Aufgabe erkannt und professionell ausgeübt? In: Pflege & Gesellschaft, 5 (2000) 1, S. 4 Vgl. Zegelin-Abt, A.; Huneke, M.(1999): Grundzüge einer systematischen Pflegeberatung. In: PR-Internet 1 (1999) 1, S Vgl. Mertin, M.; Müller, I., Beier, J. (2005): Der Begriff Beratung in der Pflege. In: Pflegezeitschrift (2005) 2, S. 2-6 Vgl. Pinnkert, C.; Renneke, S.; Rutenkröger, A.(1999): Schulung und Beratung als pflegerischer Auftrag. In: Pflege Aktuell(1999) 3, S Vgl. Knelange, C. (2000): Beratung in der Pflege als Aufgabe erkannt und professionell ausgeübt? In: Pflege & Gesellschaft, 5 (2000) 1, S. 4 Vgl. Zegelin-Abt, A.; Huneke, M. (1999): Grundzüge einer systematischen Pflegeberatung. In: PR-Internet 1 (1999) 1, S Magdalena Sarnthein 18

19 Sinn der Schulung ist es den Patienten über seine Krankheit aufzuklären und gemeinsam ein gesundheitsförderndes Krankheitsverständnis zu entwickeln. Sie soll Menschen in die Lage versetzen, ihre Krankheit und damit verbundene Belastungen eigenständiger und eigenverantwortlicher zu bewältigen. Alle Bemühungen der Patientenschulung dienen der Hilfe zur Selbsthilfe. Bei der Schulung sollen dem Patienten krankheits- und behandlungsbezogenes Wissen mit Hilfe von Materialien und Übungen vermittelt werden. Dabei ist auf ein strukturiertes Vorgehen zu achten. Ausgangspunkt sind die Lernbedürfnisse und Lernbereitschaften der zu Schulenden. 46 Patientenschulung beinhaltet bestimmte Aspekte, wie unter anderem die Aufklärung. Sie ist die Grundlage jeder aktiven Therapiemitarbeit und bildet ein differenziertes Krankheits- und Behandlungswissen. Durch den Aufbau einer angemessenen Einstellung zur Erkrankung und ihrer Bewältigung soll die Eigenverantwortlichkeit des Patienten im Umgang mit seiner Krankheit und die Compliance 47 gefördert werden. Die Sensibilisierung der Körperwahrnehmung soll dazu dienen Warnsignale, Symptome, Überlastungsanzeichen und Verschlimmerung der Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Gerade für chronisch kranke Menschen ist es wichtig ihnen bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten beizubringen und den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen, beispielsweise Blutzuckerselbstkontrolle bei einem Diabetiker. Der Aufbau einer gesundheitsförderlichen Lebensweise soll dazu dienen die Krankheit positiv zu beeinflussen und eventuelle Stressfaktoren auszuschalten. Es ist wichtig den Patienten zu ermutigen Befürchtungen und Bedürfnisse gegenüber dem Arzt oder Pflegepersonen anzusprechen. Das Einbeziehen von Angehörigen und Bezugspersonen soll soziale Unterstützungsressourcen mobilisieren Vgl. London, Fran (2003): Informieren, Schulen, Beraten Pflegehandbuch zur pflegebezogenen Patientenedukation.1. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern, S Vgl. Petermann, Fritz (1997): Patientenschulung und Patientenberatung. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S Compliance: Bereitschaft eines Patienten zur aktiven Mitarbeit an therapeutischen Maßnahmen. O.A. (2001): Duden Fremdwörterbuch. 7. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leibzig, Wien, Zürich, S Vgl. Petermann, Fritz (1997): Patientenschulung und Patientenberatung. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S. 3-4 Magdalena Sarnthein 19

20 Partnerschaftliches Kooperieren der Beteiligten untereinander soll die Grundlage einer Patientenschulung sein und setzt an einem neuen Verständnis von Gesundheitsversorgung an. Professionelle Helfer steuern die Vorgänge zur Gesundheitsförderung und machen die Patienten zu Experten in der Selbstversorgung. Es wird versucht eine stärkere Eigenbeteiligung der Patienten herzustellen. 49 Durch Patientenschulung sollen verbesserte Bewältigungsfähigkeiten, mehr Selbstbestimmung, erhöhte Patientenzufriedenheit und eine höhere Lebensqualität erzielt werden, sowie Behandlungskosten reduziert werden. 50 Um die Qualität der Schulungsprogramme gewährleisten zu können sind ständige Evaluationen der gesamten Interventionen notwendig und Studien vorausgesetzt. 51 Für Information und Beratung trifft dies meiner Meinung nach genauso zu, wird aber in der Literatur nicht so dezidiert beschrieben Praktizierte Beratungs- und Schulungskonzepte Jedes Krankenhaus hat sein eigenes Konzept mit Information, Beratung und Schulung von Patienten mit Diabetes mellitus umzugehen und legt fest von wem und in welcher Form es stattfinden soll. In machen Krankenhäuser gehört dies zu den allgemeinen Aufgaben des Pflegepersonals. Andere Institutionen haben eigens ausgebildetes Pflegepersonal, das diese Aufgabe in der gesamten Institution übernimmt. In Vgl. Kulzer, B. (2007): Psychosoziales und Diabetes mellitus. In: Diabetologie 2007; 2 Suppl 2, S Vgl. Petermann, Fritz (1997): Patientenschulung und Patientenberatung. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S Vgl. ebenda, S. 5 Vgl. Kulzer, B. (2007): Psychosoziales und Diabetes mellitus. In: Diabetologie 2007; 2 Suppl 2, S Vgl. Vgl. Petermann, Fritz (1997): Patientenschulung und Patientenberatung. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S. 5 Magdalena Sarnthein 20

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