Diabetes mellitus - Zuckerkrankheit

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1 Diabetes mellitus - Zuckerkrankheit Definition: Diabetes ist eine chronisch verlaufende Stoffwechselkrankheit, bei der ein absoluter oder relativer Insulinmangel besteht, der zu einer dauerhaften Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut führt = Hyperglykämie In der Folge treten Störungen vor allem im Kohlenhydratstoffwechsel, aber auch im Fett- und Eiweißstoffwechsel auf. Ursachen: TypI = absoluter Insulinmangel: es wird kein eigenes Insulin mehr gebildet TypII = relativer Insulinmangel: genügend Insulin vorhanden, es kann aber nicht in ausreichender Menge freigesetzt werden oder an den Körperzellen nicht seine volle Wirksamkeit entfalten Leitsymptome: Polyurie, Polydipsie Gewichtsverlust, Leistungsminderung Vorkommen in Deutschland: Typ I: bis zu Erkrankte, Typ II: etwa Erkrankte; insgesamt ca. 3-4% der Gesamtbevölkerung!! Typ I- und Typ II- Diabetes sind von der Entstehung her verschiedene Erkrankungen, das Ergebnis ist in jedem Falle eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels bei intrazellulärem Glukosemangel. Dr C. Rohde 1

2 Diabetes mellitus das Insulin Insulin ist ein Hormon, das in den B-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas gebildet und über die Glucosemenge im Blut geregelt wird. Insulin reduziert die Glucosemenge im Blut durch Umbau von Glukose in Glykogen (Speicherform der Glukose in Leberund Muskelzellen) und die Aufnahme der Glukose in die Körperzellen. Viel Glukose im Blut viel Insulin wird ausgeschüttet; wenig Glukose im Blut rascher Abbau des Insulin in der Leber Folgen eines Insulinmangels: Glukose kann in der Leber nicht in Glykogen umgewandelt werden Glukose kann nicht in die Körperzellen, v.a. Muskelzellen, aufgenommen werden statt Glukose werden im Muskel Eiweiß + Fett zur Energiegewinnung verarbeitet Ketonurie: Azetongehalt des Blutes steigt durch Fettsäure-Abbau Azetose: Säuregehalt des Blutes steigt Dr C. Rohde 2

3 Diabetes mellitus Typ I (früher: juveniler bzw. insulinabhängiger Diabetes) - bricht meist vor dem 30./40. LJ aus - B-Zellen des Pankreas produzieren kein Insulin mehr = absoluter Insulinmangel Typ 1a: immunologische B-Zell-Zerstörung, absoluter Insulinmangel Typ 1b: idiopathische B-Zell-Zerstörung, absoluter Insulinmangel Ursache: Autoimmunprozess, der durch eine Virusinfektion angestoßen wird: Zerstörung der B-Zellen der Langerhaninseln des Pankreas (Insulitis) Erliegen der körpereigenen Insulinproduktion = absoluter Insulinmangel Symptome: manifestieren sich innerhalb kurzer Zeit Gewichtsverlust Leistungsminderung, Schwindel, Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen Koma Glukosurie: erhöhte Zuckerwerte im Urin großer Durst, der trotz vielen Trinkens nicht zu stillen ist Exsikkose Hyperglykämie: erhöhter Blutzuckerspiegel, über 120 mg/dl Azidose: Übersäuerung des Blutes Therapie: Insulintherapie (IT) + Diät + Bewegung - konventionelle IT: 1-2x tägl. kl.menge Normalinsulin + größere Menge Depotinsulin - intensiviert konventionelle IT.: (ICT): Basis(Depotins.)-Bolus(Insulinanaloga)-Therapie Dr C. Rohde 3

4 Diabetes mellitus Diagnostik Körperliche Untersuchung: Zeichen der Minderdurchblutung, Fußpulse, Inspektion der Haut (trocken, Furunkel, Schweißdrüsenabszesse), Palpation Leber, Reflexe, Sensibilitätsprüfung, Vibrationsempfinden Labor: BZ-Tagesprofil (BZ nüchtern, kurz vor und l Std. nach jeder Mahlzeit), Glykohämoglobine HbAl, HbAlc (Blutzuckerwert der letzten 3 Monate), oraler Glukosetoleranztest, Ketonkörper, HDL, Triglyzeride, Harnsäure, y-gt, Kreatinin, Glukose im Urin, Albumin im Urin Oraler Glucosetoleranztest (oggt): Nüchternzucker bestimmen, 75 g gelöste Glukose trinken lassen, nach 2 Stunden erneute Blutzuckerbestimmung: Nüchtern < 100 mg/dl 100-l20 mg/dl > 120 mg/dl 2-Std.-Wert < 140 mg/dl mg/dl > 200 mg/dl Glucoseschwellenwert der Nieren: mg/dl (erst dann tritt vermehrt Glucose im Harn auf = Glucosurie). Harnparameter: Glucosurie, Proteinurie, Ketonkörper, spezifisches Gewicht (erhöht), ph-wert (niedrig). Kontrollparameter: HbAlc-Wert (normal 6-8% des gesamten Hb) Apparative Diagnostik: EKG, Oberbauchsonographie, augenärztliches Konsil, Dopplersonographie, Nervenleitungsgeschwindigkeit Dr C. Rohde 4

5 Diabetes mellitus Typ II (früher: Alters- bzw. insulinunabhängiger Diabetes) Ursachen: erbliche Prädisposition und begünstigende Risikofaktoren: Adipositas, Bewegungsmangel, Stress, Medikamente... Unempfindlichkeit gegenüber Insulin = Insulinresistenz Es ist genügend Insulin vorhanden = relativer Insulinmangel: - Insulin kann nicht in ausreichender Menge freigesetzt werden oder - an den Körperzellen nicht seine volle Wirksamkeit entfalten Pathologie: Überernährung und Adipositas = vermehrtes Glukoseangebot steigenden Insulinspiegel Hyperglykämie vermehrte Insulinproduktion = Hyperinsulinämie als Gegenreaktion: sinkende Zahl der Insulin-Rezeptoren an den Körperzellen freigesetztes Insulin reicht nicht mehr aus, um den Glukose-Überschuss abzubauen der Körper leidet unter einem relativen Insulinmangel Inselzellen werden über längere Zeit vermehrt beansprucht Erschöpfung der Inselzellen Diabetes mellitus Typ II Dr C. Rohde 5

6 Diabetes mellitus Typ II (früher: Alters- bzw. insulinunabhängiger Diabetes) Symptome: manifestieren sich langsam, über mehrere Vorstufen, oft unbemerkt - Juckreiz - Sehstörungen - Schwäche - Hautfunktionsstörungen: Furunkulose, Mykosen - Harnwegsinfekte - bei Harnzucker: Durst, große Urinmenge, Schwindel, Hunger Therapie: nach Schweregrad des TypII-Diabetes - nur Diät - Diät + Metformin - Diät + Acarbose/Metformin + Glibenclamid - Diät + Insulin (1Injektion täglich)+ Acarbose od. Metformin od. Glibenclamid - Diät + Insulin (mehrere Injektionen täglich) Folgeschäden: (Verlaufsdiagnostik: erhöhter HbA1c-Wert, > 6%Gesamt-Hb) Mikroangiopathien Diabetische Retinopathie (des Augenhintergrundes), Nephropathie (Ni-Insuffizienz), Polyneuropathien (z.b.diabetischer Fuß; Pupillenmotorik, Thermoregulation,... ) Makroangiopathien: Herzinfarkt, Schlaganfall... Dr C. Rohde 6

7 Diabetes mellitus Differenzierung (Typ IIa und IIb) Typ IIa: tatsächlich vorhandener relativer Insulinmangel der schlanke Typ-II- Diabetiker Typ-IIb: entwickelt bei ausreichender Insulineigenproduktion eine Insulinresistenz durch Überernährung (in Europa durch schlechte Ernährungsgewohnheiten besonders häufig) etwa 80% der Typ-II-Diabetiker sind übergewichtig = BMI von mind. 25, (Insulinresistenz beginnt) Gründe für das Übergewicht Vererbung viel zu energiereiche Ernährung Bewegungsmangel Medikamenteneinnahme (z.b. Beta-Blocker, Kortison-Präparate...) Dr C. Rohde 7

8 Diabetes mellitus Typische klinischen Symptome abhängig vom Grad des Insulinmangels und dem Ausmaß der daraus resultierenden Stoffwechselveränderungen: starker Durst, Mattigkeit, Abgeschlagenheit, vermehrtes Wasserlassen, Juckreiz, Heißhungerattacken, Sehstörungen Infektanfälligkeit Symptome treten mehr oder weniger stark in Erscheinung (sowohl isoliert als auch kombiniert ) Dr C. Rohde 8

9 Diabetes mellitus Komplikationen durch Insulin-Überproduktion die Überproduktion von Insulin (nicht der zu hohe Blutzucker) führt zu zahlreichen Komplikationen ohne Bedeutung, ob es körpereigenes oder zugeführtes Insulin Insulin erhöht den Blutdruck. Insulin verschlechtert den Fettstoffwechsel. Insulin begünstigt die Einlagerung von Fetten in die Gefäßwand und fördert damit die Entstehung von Arteriosklerose. Insulin erhöht also das Risiko für Herzinfarkt, Hirninfarkt und pavk. Dr C. Rohde 9

10 Diabetes mellitus Folgeerkrankungen Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte führen zu Strukturveränderungen an den kleinen Blutgefäßen = diabetische Mikroangiopathie erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwände es können Blutungen auftreten Verdickungen entstehen an den Gefäßwänden es können Gefäßverschlüsse mit entsprechenden Durchblutungsstörungen auftreten Dr C. Rohde 10

11 Diabetes mellitus - Therapie Allgemeinmaßnahmen: Patientenschulung und -kontrolle Vermeiden von Stress Verzicht auf Rauchen, Alkoholkarenz regelmäßiger Sport (Wandern, Radfahren, Schwimmen) ausreichend Schlaf regelmäßige Blutzuckerkontrollen Fußpflege Naturheilkundliche Therapie: Homöopathie Sauerstofftherapie Phytotherapie (Fuchskreuzkraut, Gartenbohne, Quecke, Heidelbeere, Löwenzahn...) Dr C. Rohde 11

12 Diabetes mellitus - Therapie Ernährungstherapie Typ I-Diabetes: regelmäßige körperliche Bewegung, Abstimmung von Nahrungsaufnahme und Insulindosis Typ II-Diabetes: Gewichtsreduktion, regelmäßige körperliche Bewegung, Diät: ballaststoffreiche Vollwertkost, optimale Nahrungszusammensetzung (reichlich Eiweiß, fettarm): 55 %Kohlenhydrate (langkettige, komplexe KH; möglichst kein Zucker, keine Weißmehlprodukte),! statt Zucker Zuckerersatzstoffe (Fruktose, Xylit) oder Süßstoffe (Saccharin, Cyclamat) zu bevorzugen, wird kontrovers diskutiert 30% Fett 15% Eiweiß (l BE = 12g Kohlenhydrate); Empfehlung: sechs bis sieben kleine Mahlzeiten täglich Dr C. Rohde 12

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