Gesundheitsdialog Diabetes mellitus. Evaluationsbericht

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1 Gesundheitsdialog Diabetes mellitus Evaluationsbericht

2 Impressum INSTITUT FÜR GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND PRÄVENTION Geschäftsführerin: Mag. Beate Atzler, MPH Auswertung und Berichtlegung: Mag. Dr. Karin Tropper DI (FH) Martina Bonstingl Mag. Hubert Langmann Mag. Maria Reiter Dieser Bericht wurde am fertig gestellt. HERAUSGEBER Institut für Gesundheitsförderung und Prävention GmbH Haideggerweg Graz Ansprechpartnerin: Mag. Dr. Karin Tropper Tel.: +43 (0) 50 / DW Fax: +43 (0) 50 / DW

3 Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis... IV Tabellenverzeichnis... VI Zusammenfassung Ausgangssituation und Zielsetzung Der Gesundheitsdialog Diabetes mellitus Evaluation Projektabwicklung Ziel und Fragestellungen der Evaluation Methode Untersuchungsdesign Pseudonymisierung der Daten durch die VAEB Stichprobe Zuordnung zu den Untersuchungsgruppen Datenquellen für die Stichprobenbeschreibung Sozidemografische Merkmale Diabetestyp Dauer des Kuraufenthaltes in Breitenstein HbA 1c Ausgangswert zu Kur-Beginn Fragebogenerhebung Durchführung Inhalte der Befragungen Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung in den letzten sechs Monaten Zufriedenheit mit der Diabetes Behandlung Datenbasis für die Auswertung Zeitabstände zwischen den Befragungen KIS (Krankenhausinformationssystem) Laborbefunde Erhebung Datenbasis für die Auswertung DiabMemory Auswertung und methodische Anmerkungen Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus I

4 3 Ergebnisse: Fragebogenerhebungen Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität Gesundheitszustand Wahrgenommene Veränderung Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung Subjektiv eingeschätzte Veränderung Interventionsgruppe: Beurteilung des Gesundheitsdialoges Gesamteindruck Medizinische Betreuung Meinung zum Gesundheitsdialog Einbindung der Hausärztin/ des Hausarztes (Zweiter Messzeitpunkt) Rückmeldungen Person (Zweiter Messzeitpunkt) Anzahl der Rückmeldungen (Zweiter Messzeitpunkt) Anzahl der Rückmeldungen (Dritter Messzeitpunkt) Für die Rückmeldung verwendete Kommunikationswege (Zweiter Messzeitpunkt) Anlass der Rückmeldung (Zweiter Messzeitpunkt) Nutzung des DiabMemory durch die DiabetikerInnen (Dritter Messzeitpunkt) Zufriedenheit mit dem Gesundheitsdialog Diabetes mellitus Ergebnisse: HbA 1c Ausgangswerte und Kuraufenthalt Vergleich Ausgangswerte und Folgeuntersuchungen Veränderungen innerhalb der Interventionsgruppe Ergebnisse: DiabMemory Definition des Starttermins Häufigkeit der Selbstmessungen Blutzucker Blutdruck Gewicht und Body Mass Index Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion Stichprobe Befragungsergebnisse Datenbasis Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung Beurteilung der Versorgungsqualität Gesundheitszustand Zusammenfassung der Befragungsergebnisse zum Vergleich von Interventions- und Kontrollgruppe Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus II

5 6.2.6 Der Gesundheitsdialog Diabetes mellitus aus Sicht der TeilnehmerInnen HbA 1c Ausgangswerte und Kuraufenthalt Vergleich Ausgangswerte und Folgeuntersuchungen Veränderungen innerhalb der Interventionsgruppe Zusammenfassung der Ergebnisse zum HbA 1c Empfehlungen DiabMemory Häufigkeit der Selbstmessungen bei Blutzucker und Blutdruck Blutzucker Empfehlungen Literatur ANHANG Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus III

6 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Telemedizin Erfassung der Messwerte Abbildung 2: Gruppenzuordnung (n = 256) Abbildung 3: Geschlecht (n = 256) Abbildung 4: Altersverteilung (n = 256) Abbildung 5: Durchschnittsalter getrennt nach Untersuchungsgruppe und Geschlecht (n = 256) Abbildung 6: Diabetestyp (n = 254) Abbildung 7: Dauer des Turnus in Breitenstein (n = 256) Abbildung 8: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes (höherer Wert, bessere Beurteilung) getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe Abbildung 9: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes (höherer Wert bessere Beurteilung) getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe Abbildung 10: Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes zum ersten Messzeitpunkt getrennt nach Untersuchungsgruppe Abbildung 11: Veränderung des Gesundheitszustandes seit Teilnahme am Gesundheitsdialog erhoben zum 3. Messzeitpunkt bei Personen der Interventionsgruppe (n = 33) Abbildung 12: Veränderung des Gesundheitszustandes seit Teilnahme am Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein erhoben zum 3. Messzeitpunkt bei Personen der Kontrollgruppe (n = 9) Abbildung 13: Subjektiv wahrgenommene Häufigkeit von Unterzuckerung getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe Abbildung 14: Veränderung in der Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe Abbildung 15: Gesamteindruck vom Gesundheitsdialog, getrennt nach Messzeitpunkt Abbildung 16: Medizinische Betreuung getrennt nach Messzeitpunkt Abbildung 17: Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung (n = 41) Abbildung 18: Betreuung durch den Gesundheitsdialog (n = 48) Abbildung 19: Meinung zum Gesundheitsdialog Abbildung 20: Beteiligung der Hausärztin/ des Hausarztes am Gesundheitsdialog Diabetes (n = 54). 38 Abbildung 21: Zugriff der Hausärztin/ des Hausarztes auf das DiabMemory (n = 55) Abbildung 22: Person, die Rückmeldung über die ins DiabMemory übermittelten Daten erteilt (n =57) Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus IV

7 Abbildung 23: Anzahl der Rückmeldungen in Bezug auf die ins DiabMemory übermittelten Daten (n = 53) Abbildung 24: Anzahl der Rückmeldungen, dritter Messzeitpunkt, 1. Tranche (n = 22) Abbildung 25: Anzahl der Rückmeldungen, dritter Messzeitpunkt, 2. Tranche (n = 28) Abbildung 26: Für die Rückmeldung verwendete Kommunikationswege (n = 57) Abbildung 27: Anlass der Rückmeldung (n = 57) Abbildung 28: Übersichtsdarstellungen im DiabMemory (n = 23) Abbildung 29: Zufriedenheit mit dem Gesundheitsdialog, 1. Messzeitpunkt Abbildung 30: Zufriedenheit mit dem Gesundheitsdialog, 2. Messzeitpunkt Abbildung 31: Zufriedenheit mit dem Gesundheitsdialog, 3. Messzeitpunkt Abbildung 32: Veränderungen bei den Zufriedenheitswerten zwischen erstem und drittem Messzeitpunkt Abbildung 33: HbA 1c zu Beginn und am Ende des Kuraufenthaltes in Breitenstein, getrennt für Personen der Kontroll- und der Interventionsgruppe (dreiwöchige Turnusse) Abbildung 34: HbA 1c zu Beginn des Kuraufenthaltes in Breitenstein und bei einer Folgeuntersuchung (99 bis 555 Tage nach dem Kuraufenthalt), getrennt für Personen der Kontroll- und der Interventionsgruppe Abbildung 35: HbA 1c zu Beginn des Kuraufenthaltes und bei einer Folgeuntersuchung innerhalb eines Jahres nach Kur-Beginn, getrennt für Personen der Kontroll- und der Interventionsgruppe Abbildung 36: HbA 1c zu Beginn des Kuraufenthaltes und bei einer Folgeuntersuchung über ein Jahr nach Kur-Beginn, getrennt für Personen der Kontroll- und der Interventionsgruppe Abbildung 37: HbA 1c zu Beginn des Kuraufenthaltes in Breitenstein und bei der ersten ins DiabMemory eingetragenen Folgeuntersuchung nach der Kur Abbildung 38: HbA 1c zu Beginn und Ende des Kuraufenthaltes in Breitenstein und bei der ersten ins DiabMemory eingetragenen Folgeuntersuchung nach der Kur Abbildung 39: HbA 1c zu Kur-Beginn in Breitenstein und bei den ersten zwei ins DiabMemory eingetragenen Folgeuntersuchungen nach der Kur Abbildung 40: HbA 1c zu Kur-Beginn und Kur-Ende in Breitenstein und bei den ersten zwei ins DiabMemory eingetragenen Folgeuntersuchungen nach der Kur Abbildung 41: Anzahl Messungen pro Woche für unterschiedliche Parameter (Mittelwerte, n = 100). 53 Abbildung 42: Anzahl Messungen pro Woche für Blutzucker (Mittelwerte), getrennt für insulinpflichtige und nicht insulinpflichtige DiabetikerInnen Abbildung 43: Prozentsatz insulinpflichtiger DiabetikerInnen, die mindestens 21 Blutzuckerwerte in der jeweiligen Erhebungswoche übermittelt haben, (n = 15) Abbildung 44: Prozentsatz nicht insulinpflichtiger DiabetikerInnen, die mindestens drei Blutzuckerwerte in der jeweiligen Erhebungswoche übermittelt haben, (n = 84) Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus V

8 Abbildung 45: Prozentsatz an Personen, die mindestens drei Blutdruckwerte in der jeweiligen Erhebungswoche übermittelt haben, (n = 100) Abbildung 46: Durchschnittlicher Blutzucker pro Erhebungswoche (n: zwischen 82 und 97 Personen pro Erhebungswoche) Abbildung 47: Durchschnittlicher Blutzucker pro Zeitintervall (n = 77) Abbildung 48: Maximaler Blutzucker pro Zeitintervall (Mittelwerte über 77 Personen) Abbildung 49: Minimaler Blutzucker pro Zeitintervall (Mittelwerte über 77 Personen) Abbildung 50: Blutdruck (Mittelwerte über 77 Personen) Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Geplantes Messwiederholungsdesign mit den zwei Untersuchungsgruppen Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG) für die drei Fragebogenerhebungen und ärztlichen Untersuchungen Tabelle 2: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Geschlecht Tabelle 3: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Diabetestyp (Typ I, Typ II insulinpflichtig, Typ II nicht insulinpflichtig) Tabelle 4: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Dauer des Turnus in Breitenstein Tabelle 5: Inhalte der Fragebögen Tabelle 6: Anzahl der Messungen des Blutzuckers pro Erhebungswoche Tabelle 7: Anzahl der Messungen des Blutdrucks pro Erhebungswoche Tabelle 8: Anzahl der Messungen des Gewichts pro Erhebungswoche Tabelle 9: Anzahl der Messungen des Bauchumfangs pro Erhebungswoche Tabelle 10: Durchschnittlicher Blutzucker Tabelle 11: Durchschnittlicher systolischer Blutdruck Tabelle 12: Durchschnittlicher diastolischer Blutdruck Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus VI

9 Zusammenfassung Der Gesundheitsdialog Diabetes mellitus ist ein 2010 neu eingeführtes, innovatives Angebot für DiabetikerInnen über Telemedizin in einen intensiven Dialog mit den Gesundheitseinrichtungen der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) und dem niedergelassenen Bereich (vorzugsweise mit den behandelnden HausärztInnen) zu treten, mit dem Ziel, eine verlässliche und dauerhafte individuelle Betreuung zu gewährleisten. Die technische Realisierung erfolgt über das DiabMemory (Diabetes Telemonitoring System) der Firma AIT (Austrian Institute of Technology). Im Mai 2010 startete die VAEB in der Gesundheitseinrichtung Breitenstein mit dem Gesundheitsdialog. Zeitgleich begann die Datenerhebung für die Evaluation mit den Zielen zu überprüfen, ob ein nachhaltiger Erfolg in der Betreuung von DiabetikerInnen sichergestellt werden kann, und den Gesundheitsdialog weiterzuentwickeln, um die Versorgungs- und Betreuungsqualität zu verbessern. Die Evaluierungsstudie basiert auf einem quasiexperimentellen Messwiederholungsdesign mit Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG). Die Interventionsgruppe umfasst 100 Personen, die zwischen Mai und Dezember 2010 einen Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein absolvierten und seitdem am Gesundheitsdialog teilnehmen. 156 Personen, die ebenfalls während dieser Zeitspanne einen Turnus absolvierten, sich jedoch nicht für den Gesundheitsdialog entschieden, bilden die Kontrollgruppe. Das Durchschnittsalter der insgesamt 256 Personen umfassenden Stichprobe beträgt 59 Jahre, der Anteil an Frauen 22%. Der Großteil der Stichprobe (80%) ist am Diabetes Typ II erkrankt und nicht insulinpflichtig. Bei den DiabetikerInnen (IG und KG) wurden wesentliche Ergebnisparameter über Fragebogenerhebungen (z.b. Behandlungszufriedenheit) und medizinische Untersuchungen (z.b. HbA 1c ) zu insgesamt drei Messzeitpunkten (MZP) erhoben. Der erste Messzeitpunkt fand direkt während des Turnus in Breitenstein 2010 statt. Bei den Messzeitpunkten zwei und drei handelt es sich um postalische Befragungen mit dem Ansuchen, den beigefügten Fragebogen ausgefüllt an die VAEB zu retournieren und einen Laborbefund zu übermitteln. Die Aussendungen erfolgten in je zwei Tranchen für den zweiten Messzeitpunkt im Februar und September 2011, für den dritten im November 2011 und Jänner Die Rücklaufquoten waren bei beiden Messzeitpunkten gering, insbesondere bei der Kontrollgruppe und in Bezug auf die übermittelten Laborbefunde. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 1

10 Für die Interventionsgruppe werden auch Datensätze aus dem DiabMemory (Selbstmessungen der DiabetikerInnen) im Zeitrahmen von 52 Erhebungswochen seit Beginn der Teilnahme am Gesundheitsdialog für die Evaluierung herangezogen. Der Gesundheitsdialog stößt bei den TeilnehmerInnen (IG) auf hohe Akzeptanz und sie zeigen sich auch nach über einem Jahr (dritter MZP) mit dieser telemedizinischen Innovation zufrieden (n = 51). Selbstmessungsdaten insbesondere Blutzuckerwerte werden von allen in die Evaluierungsstudie aufgenommenen Personen der Interventionsgruppe (n = 100) an das DiabMemory übermittelt, jedoch von einigen Personen (Prozentsatz variiert je nach Parameter und Erhebungswoche) seltener als empfohlen. Die Compliance kann als zufriedenstellend mit Verbesserungspotential bezeichnet werden. Auf die Frage nach der (geschätzten) Häufigkeit an erhaltenen ärztlichen Rückmeldungen bezüglich der ins DiabMemory übermittelten Daten, reichen die Antworten von 0 bis 30 Feedbacks innerhalb der letzten sechs Monate (zweiter MZP, n = 53). Der Durchschnitt liegt bei neun und damit deutlich unter der Empfehlung im Zuge des ärztlichen Monitorings den PatientInnen ein wöchentliches Kurzfeedback zukommen zu lassen. Die Befragungsergebnisse zeigen kaum Unterschiede zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe auf. Gerade die Skalen zur Bewertung der Versorgungsqualität und der Zufriedenheit mit der aktuellen Diabetes-Behandlung decken weder Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen noch über die Zeit hinweg auf und lassen somit keinen Rückschluss auf eine bessere Bewertung des Gesundheitsdialogs im Vergleich zu herkömmlichen Therapien zu. Zum zweiten und dritten Messzeitpunkt wurden die DiabetikerInnen zusätzlich retrospektiv zu subjektiv wahrgenommenen Veränderungen in der Diabetes-Behandlung seit der Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus (IG) bzw. seit dem Kur-Aufenthalt in Breitenstein 2010 (KG) befragt. Ein positives Ergebnis im Sinne des Gesundheitsdialoges tritt dahingehend auf, dass mehr als ein Jahr nach Studienbeginn (dritter MZP) die Verbesserung in der Diabetes-Behandlung von TeilnehmerInnen des Gesundheitsdialoges (IG, n = 50) deutlicher wahrgenommen wird als von Nicht-TeilnehmerInnen (KG, n = 30). Bei TeilnehmerInnen des Gesundheitsdialoges ist eine deutliche Reduktion des HbA 1c -Wertes nachweisbar (IG, n = 49), sowohl innerhalb des ersten Jahres nach dem Start mit dem Gesundheitsdialog als auch darüber hinaus. Die Analysen zeigen ebenso einen positiven Effekt bei Personen mit Standardtherapie (KG, n = 16), der sich nicht signifikant von dem der Interventionsgruppe unterscheidet. Dieser Befund passt zu den Ergebnissen der IDEATel Studie (Shea et al., 2009), einer randomisiert kontrollierten Studie mit fünf Jahren Laufzeit und insgesamt DiabetikerInnen ab 55 Jahren. Auch in dieser Studie zeigt sich eine signifikante Reduktion des HbA 1c -Wertes innerhalb der ersten Jahre bei beiden Gruppen. Während der durchschnittliche Wert der Kontrollgruppe (herkömmliche Diabetes-Therapie, n = 821) mit der Zeit wieder ansteigt, bleibt er innerhalb der Interventionsgruppe (Telemedizin, n = 844) niedrig, so dass sich deutliche Unterschiede zwischen Personen Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 2

11 mit und ohne telemedizinischer Betreuung beim HbA 1c -Wert erst im vierten und fünften Jahr inferenzstatistisch absichern lassen. Mit dem Abschluss der Evaluationsstudie liegt nun ein wertvoller Datensatz vor, der weiter ausgebaut werden sollte, damit man den Herausforderungen beim Aufbau eines telemedizinischen Versorgungsmanagements begegnen kann ( Daten für Taten ). Eine dieser Herausforderungen stellt die exakte Identifizierung jener Subgruppe(n) unter den DiabetikerInnen dar, bei denen diese Ansätze positive Effekte gesundheitlich wie ökonomisch zeigen. Dieser Aufgabe gilt es, sich in weiteren Analysen vertieft zu widmen und in Folgeuntersuchungen mit mehrjährigem Beobachtungszeitraum systematisch voranzutreiben. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 3

12 1 Ausgangssituation und Zielsetzung 1.1 Der Gesundheitsdialog Diabetes mellitus Der von der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) initiierte Gesundheitsdialog Diabetes mellitus ist eine innovative Versorgungsform, die den Umgang mit und die Behandlung von Diabetes maßgeblich unterstützen soll. Der Gesundheitsdialog Diabetes bietet den PatientInnen die Möglichkeit, über Telemedizin in einen intensiven Dialog mit den Gesundheitseinrichtungen der VAEB und dem niedergelassenen Bereich (vorzugsweise mit den behandelnden HausärztInnen) zu treten und kann somit eine verlässliche und dauerhafte individuelle Betreuung gewährleisten. Nach dem von der VAEB & Deloitte erstellten Masterplan soll dabei das Ziel verfolgt werden, die Zuckerwerte der Diabetiker stabil in der vorgesehenen Bandbreite zu halten, kurzfristigen Schwankungen durch langfristige Steuerungen zu begegnen und somit vor allem die kostenintensiven Folgeschäden zu vermeiden oder deren Entstehung zu verzögern (2010, S. 7). Wesentliche Teile des Gesundheitsdialoges Diabetes sind das elektronische Diabetes-Tagebuch sowie der elektronische Gesundheitsakt. Eine von der Patientin/ dem Patienten sorgfältig durchgeführte elektronische Dokumentation der gemessenen Blutzuckerwerte, Broteinheiten, Blutdruckwerte, etc. ermöglicht es, die Therapie auf ihre Wirkung hin zu prüfen. Im Rahmen eines aktiven Gesundheitsdialoges zwischen der Patientin/ dem Patienten und der behandelnden Ärztin/ dem behandelnden Arzt wird das elektronische Tagebuch besprochen und die Therapie nach Bedarf adaptiert. Die elektronische Dokumentation führt zu einer klaren Gegenüberstellung von Ist- und Sollzustand der Blutzuckerwerte sowie einem genauen Überblick über die Medikation, einer Information bezüglich Ernährung, Aktivität und außergewöhnlicher Zustände, wie Stress, Fieber, etc. Darüber hinaus werden Parameter wie Körpergewicht und Blutdruck erfasst und können in die Gesamtbewertung miteinbezogen werden (VAEB & Deloitte, 2010, S. 9). Die technische Realisierung erfolgt über das DiabMemory Diabetes Telemonitoring System von AIT (Austrian Institute of Technology), welches die folgenden Funktionen beinhaltet: flexibles, mobilfunkbasiertes Therapietagebuch, automatische Datenerfassung, graphische Datenaufbereitung mit individuellen Zielwerten, effiziente Unterstützung für behandelnde HausärztInnen und telemedizinische Unterstützung (AIT, 2010). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 4

13 Die Datenerfassung seitens der PatientInnen sollte mindestens einmal pro Woche erfolgen. Für den Blutzucker lautet die Empfehlung, dass nichtinsulinpflichtige PatientInnen diesen mindestens dreimal an einem Tag pro Woche erheben sollten, insulinpflichtige PatientInnen drei bis fünfmal täglich. Der Blutdruck sollte mindestens dreimal an einem Tag in der Woche (in Ruhe und nach ca. fünfminütigem Sitzen oder Liegen) und das Gewicht einmal pro Woche gemessen werden (Badjura et al., 2010). Die Übertragung der Messwerte kann entweder mittels Handy [automatische Übertragung von den Messgeräten auf das Handy mithilfe von NFC (Near Field Communication kontaktloser Datenübertragungsstand) oder manuelle Eingabe] oder durch Eingabe über das Internet durch die Nutzung einer entsprechenden Web-Applikation erfolgen (Abbildung 1). Abbildung 1: Telemedizin Erfassung der Messwerte. (Abbildung aus VAEB & Deloitte, 2010, S. 24) Zur Einsicht der übermittelten Daten steht den PatientInnen und den teilnehmenden ÄrztInnen ein Online-Zugang für das DiabMemory zur Verfügung. Durch die Eingabe der benutzerspezifischen Zugangsdaten wird dann der Zugriff der PatientInnen auf die eigenen Daten bzw. für die betreuenden ÄrztInnen auf die Daten ihrer PatientInnen ermöglicht. Auf dieser Plattform werden die Daten pro PatientIn übersichtlich dargestellt und Auswertungen ermöglicht. Beispielsweise können mithilfe von grafischen Tageszeiten- oder Wochentagsauswertungen abnormale Werte bzw. Ausreißer, die z.b. beim Blutzucker auf Hypoglykämie bzw. Hyperglykämie hinweisen, besser und schneller erkannt und eine etwaige notwendige Therapieänderung früher vorgenommen werden. Aufgabe der am Gesundheitsdialog teilnehmenden ÄrztInnen ist es, mindestens viermal pro Monat die gesendeten Patientendaten zu kontrollieren (telemedizinisches Controlling) und bei Bedarf Interventionen in Form von Adaptierungen der Zielparameter oder der therapierelevanten Medikation (Dosierung) zu setzen. Ein Kurzfeedback (oder direkte Kontaktaufnahme mit der Patientin/ dem Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 5

14 Patienten) hat wöchentlich im Zuge des Monitorings zu erfolgen (vgl. Ärzte/Ärztinnen Vereinbarung Gesundheitsdialog Diabetes mellitus, Seite 2, o.j.). Die Implementierung des Gesundheitsdialoges erfolgt in vier aufeinanderfolgenden Phasen mit dem Ziel, die TeilnehmerInnenzahl von DiabetikerInnen (1. Jahr) auf (4. Jahr) zu steigern (VAEB & Deloitte, 2010). Der Starttermin für die Phase 1 Proof of Concept (PoC) wurde mit März 2010 festgelegt. Im Mai 2010 startete die VAEB in der Gesundheitseinrichtung Breitenstein mit dem Gesundheitsdialog Diabetes mellitus. PatientInnen, welche bei der VAEB einen Kurantrag gestellt haben und einen Kuraufenthalt für DiabetikerInnen in Breitenstein absolvieren, werden eingeladen, am Gesundheitsdialog Diabetes teilzunehmen. Sie erhalten zu Beginn des Kuraufenthaltes ausführliche Informationen zum Gesundheitsdialog und es werden die technischen Apparaturen vorgestellt. Personen, die sich für die Teilnahme am Gesundheitsdialog entscheiden, erhalten noch während ihres Aufenthaltes in Breitenstein die benötigte Ausrüstung und eine technische Schulung für das telemedizinische Leistungsangebot. Weiters wird jeder Patientin/ jedem Patienten eine behandelnde Ärztin/ ein behandelnder Arzt zugewiesen (niedergelassene/r Allgemeinmediziner/in, Internist/in, Ärztin/ Arzt aus Breitenstein). 1.2 Evaluation Projektabwicklung Zeitgleich mit dem Start des Gesundheitsdialoges in Breitenstein im Mai 2010 begann die Datenerhebung für die Evaluierung. Die Erhebung erstreckt sich über einen Zeitraum von fast zwei Jahren (Mai 2010 bis März 2012) und umfasst Daten aus unterschiedlichen Quellen (Fragebögen, Laborbefunde, Krankenhausinformationssystem, DiabMemory). DiabetikerInnen, die sich für die Teilnahme am Gesundheitsdialog entscheiden, werden der Interventionsgruppe zugeordnet, Nicht-TeilnehmerInnen der Kontrollgruppe. Ergänzend werden im Rahmen einer Prozessevaluierung Befragungen mit unterschiedlichen, am Gesundheitsdialog beteiligten AkteurInnen (DiabetikerInnen, ÄrztInnen, MitarbeiterInnen in Breitenstein) durchgeführt. Die Evaluierung des Gesundheitsdialoges Diabetes mellitus erfolgt im Rahmen von folgenden drei aufeinander aufbauenden und sich teils zeitlich und inhaltlich überschneidenden Projekten: Projekt I: Evaluationskonzept Gesundheitsdialog Diabetes Das erste Projekt umfasste die Erstellung des Evaluationskonzeptes und wurde im Mai 2010 vom IfGP (Mag. Dr. Edith Pickl und Mag. Hubert Langmann) fertig gestellt. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 6

15 Projekt II: Prozessbegleitung und -evaluation im Rahmen des Gesundheitsdialoges Diabetes der VAEB, Juli 2010 bis Februar 2011 Auf Basis des im Rahmen des ersten Projektes erstellten Evaluationskonzeptes wurde das IfGP über das Projekt Prozessbegleitung und -evaluation im Rahmen des Gesundheitsdialoges Diabetes der VAEB, Juli 2010 bis Februar 2011 beauftragt, eine Begleitung und Evaluierung des Implementationsprozesses des Gesundheitsdialoges Diabetes zu übernehmen, wobei die umfassende Ergebnisevaluierung (Auswertung der Daten) in Absprache mit der Auftraggeberin VAEB explizit ausgenommen wurde. Die Zielsetzungen des zweiten Projektes umfassen die Planung (inklusive der Fragebogenentwicklung für den ersten und zweiten Messzeitpunkt) sowie die Begleitung der Datenerhebung (beginnend mit Mai 2010), das Datenmanagement für nachfolgende Auswertungen sowie die Prozessevaluation zur Überprüfung der Akzeptanz und Zufriedenheit mit dem Gesundheitsdialog aus Sicht der PatientInnen (IfGP, 2011c), MitarbeiterInnen in Breitenstein (IfGP, 2011d) sowie externen ÄrztInnen, IfGP, 2011b). Dieses Projekt wurde im Juli 2011 abgeschlossen. Projekt III: Evaluation PoC Gesundheitsdialog Diabetes Aufbauend auf diesen ersten zwei Projekten (Erstellung des Evaluationskonzepts und erste Prozessbegleitung und -evaluation) ergeben sich für das Projekt Evaluation PoC Gesundheitsdialog Diabetes folgende Zielsetzungen: Weiterführung des bereits begonnenen Datenmanagements sowie Planung und Durchführung von weiteren Datenerhebungen für noch ausstehende Messzeitpunkte Weiterführung der Prozessevaluation zur Akzeptanz und Zufriedenheit der ÄrztInnen mit dem telemedizinischen Betreuungsansatz (Online-Befragung von 23 ÄrztInnen, die im Rahmen des Gesundheitsdialoges über 200 PatientInnen betreuen; IfGP, 2012) Aufbereitung der Rohdaten, Zusammenführung der Daten aus unterschiedlichen Datenquellen, Qualitätssicherung Statistische Analysen Erstellung eines Zwischenberichtes, der eine Zusammenfassung der Prozessevaluation sowie Ergebnisse der Fragebogendaten der PatientInnen, die zum ersten Messzeitpunkt (Baseline) erhoben wurden, und Ergebnisse ausgewählter Variablen aus dem DiabMemory beinhaltet (IfGP, 2011a). Evaluation des Gesundheitsdialoges Diabetes mellitus unter Berücksichtigung der Daten von drei Messzeitpunkten (Verlaufsanalysen) und unterschiedlichen Erhebungsquellen: Dies ist Gegenstand des vorliegenden Berichts. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 7

16 1.3 Ziel und Fragestellungen der Evaluation Ziel der Evaluation ist es, anhand von definierten Parametern einen nachhaltigen Erfolg in der Betreuung von Diabetes-PatientInnen sicherzustellen. Auf Basis einer laufenden Evaluation soll der Gesundheitsdialog weiterentwickelt werden, um so die Versorgungs- und Betreuungsqualität zu verbessern. Der Evaluation liegt die Annahme zugrunde, dass der Gesundheitsdialog durch das Zusammenspiel von informationstechnologischer Anwendungstechnik (Telemedizin) und einem mehrdimensionalen Präventionskonzept (Bewegung, Ernährung, ) die Autonomie bzw. Eigenverantwortung der PatientInnen nachhaltig stärkt, das Gesundheitsverhalten sowie den Gesundheitszustand positiv beeinflusst. Darüber hinaus stellt der Gesundheitsdialog eine anwenderfreundliche Maßnahme dar, welches sich durch hohe Akzeptanz und Zufriedenheit der TeilnehmerInnen ausdrückt. Insgesamt trägt der telemedizinische Behandlungsansatz dazu bei, die Versorgungsqualität von DiabetikerInnen zu erhöhen (Evaluationskonzept, IfGP, 2010, S. 8). Laut Evaluationskonzept sollen konkret folgende vier Fragestellungen bearbeiten werden: 1. Verändern sich bei TeilnehmerInnen am Gesundheitsdialog definierte Parameter im zeitlichen Verlauf? 2. Unterscheiden sich TeilnehmerInnen am Gesundheitsdialog von Nicht-TeilnehmerInnen bezüglich definierter Parameter? 3. Stellt der Gesundheitsdialog eine anwenderfreundliche und akzeptable Maßnahme zur Betreuung von DiabetikerInnen dar? 4. Trägt der Gesundheitsdialog dazu bei, die Versorgungsqualität von DiabetikerInnen zu verbessern? Die in diesem Bericht vorgestellte Evaluierungsstudie basiert auf einem Messwiederholungsdesign mit zwei Untersuchungsgruppen (TeilnehmerInnen am Gesundheitsdialog und Nicht-TeilnehmerInnen). Um der Komplexität der Fragestellungen gerecht zu werden, erfolgt die Datenerhebung nach dem Mehrebenmodell unter Anwendung verschiedener Methoden, um mögliche Änderungen aus unterschiedlichen Perspektiven abbilden zu können. Nach Darstellung des Untersuchungsdesigns und der verwendeten Methoden im anschließenden Kapitel 2 werden die Ergebnisse der Studie präsentiert (Kapitel 3 bis 5). Der Bericht endet mit einer Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse (Kapitel 6). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 8

17 2 Methode 2.1 Untersuchungsdesign Für die Evaluierung des Gesundheitsdialoges kommt ein Messwiederholungsdesign mit den zwei Untersuchungsgruppen Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG) zum Einsatz. Die Interventionsgruppe umfasst Personen, die einen Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein absolvieren und am Gesundheitsdialog Diabetes teilnehmen. Personen, die ebenfalls einen Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein absolvieren jedoch nicht am Gesundheitsdialog Diabetes teilnehmen, werden der Kontrollgruppe zugeordnet. Aufgrund der fehlenden Randomisierung (Personen werden nicht per Zufall einer der beiden Untersuchungsgruppen zugeteilt, sondern entscheiden selbst über die Teilnahme am Gesundheitsdialog) handelt es sich um ein quasiexperimentelles Untersuchungsdesign. Bei den DiabetikerInnen werden wesentliche Ergebnisparameter über Fragebogenerhebungen (z.b. Behandlungszufriedenheit) und medizinische Untersuchungen (z.b. HbA 1c ) zu insgesamt drei Messzeitpunkten mit jeweils sechsmonatigem Abstand voneinander erhoben. Der erste Messzeitpunkt findet während des Kuraufenthaltes in Breitenstein statt. Bei den Messezeitpunkten zwei und drei handelt es sich um postalische Befragungen mit dem Begleitschreiben, den beigefügten Fragebogen ausgefüllt an die VAEB zu retournieren und einen Laborbefund zu übermitteln. Um eine hinreichend große Stichprobe zu erhalten, werden DiabetikerInnen aus mehreren Turnussen in die Untersuchung aufgenommen. Dementsprechend variiert auch das Datum für den ersten Messzeitpunkt (und somit auch für die zwei folgenden Messzeitpunkte) zwischen den UntersuchungsteilnehmerInnen. Der erste Turnus (und damit der erste Messzeitpunkt für die ersten UntersuchungsteilnehmerInnen) fand im Mai 2010 statt, der letzte Turnus mit TeilnehmerInnen, bei denen Daten für die Evaluierung erhoben werden, im Dezember Zusammengefasst ist das laut Evaluierungskonzept geplante Untersuchungsdesign in Tabelle 1 dargestellt. Abweichungen bei der Umsetzung des Designs betreffen insbesondere die Zeitabstände zwischen den Befragungen (Kapitel 2.4.7) und die geringe Anzahl an UntersuchungsteilnehmerInnen (insbesondere der Kontrollgruppe) beim zweiten und dritten Messzeitpunkt (Kapitel 2.4.6). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 9

18 Tabelle 1: Geplantes Messwiederholungsdesign mit den zwei Untersuchungsgruppen Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG) für die drei Fragebogenerhebungen und ärztlichen Untersuchungen. PatientInnen Breitenstein 1. Messzeitpunkt Baseline (Turnus) 2. Messzeitpunkt 6 Monate nach Turnus 3. Messzeitpunkt 12 Monate nach Turnus IG KG IG KG IG KG Turnus 1 n 1 n 2 n 1 n 2 n 1 n 2 Turnus 2 n 3 n 4 n 3 n 4 n 3 n 4 Turnus 3 n 5 n 6 n 5 n 6 n 5 n 6 Turnus k n x n y n x n y n x n y Gesamt N = ca. 200 n (IG, 1. MZP) = ca. 100 n (KG, 1. MZP) = ca. 100 n (IG, 2. MZP) = ca. 80* n (KG, 2. MZP) = ca. 80* n (IG, 3. MZP) = ca. 75* Anmerkungen: * Es ist zu erwarten, dass bei Messzeitpunkt 2 und 3 nicht mehr alle Personen der Baselineerhebung teilnehmen werden. Abkürzungen: IG = Interventionsgruppe (Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes) KG = Kontrollgruppe (Keine Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes) MZP = Messzeitpunkt n (KG, 3. MZP) = ca. 75* Einen zentralen Bestandteil der Evaluierung stellen die telemedizinischen Daten des DiabMemory dar. Hierbei sind sowohl die von den DiabetikerInnen der Interventionsgruppe (je nach Parameter, Krankheitsbild und Motivation täglich, wöchentlich oder seltener) erhobenen Daten, als auch jene, die von den behandelnden ÄrztInnen eingetragen werden (z.b. Anamnesedaten) von Bedeutung. Da der Start der Datenerhebung vom Kuraufenthalt der Teilnehmerin/ des Teilnehmers in Breitenstein abhängig ist, variieren die Starttermine im selben Ausmaß wie bei der Fragebogenerhebungen des ersten Messzeitpunktes. 2.2 Pseudonymisierung der Daten durch die VAEB Für die Evaluierung des Gesundheitsdialoges Diabetes kommen Daten aus unterschiedlichen Quellen zum Einsatz. Vor Übermittlung der Rohdaten an das IfGP werden diese von der VAEB pseudonymisiert. Unter Pseudonymisierung versteht man das Ersetzen von die Person identifizierenden Daten mit einem Kennzeichen (Pseudonym). Damit wird gewährleistet, dass die übermittelten Rohdaten keinen Identitätsbezug (wie z.b. Name oder Sozialversicherungsnummer) beinhalten und somit die Anonymität der UntersuchungsteilnehmerInnen sichergestellt ist. Durch das Pseudonym ist es möglich, personenbezogene Datensätze aus unterschiedlichen Erhebungsquellen und von mehreren Messzeitpunkten miteinander zu verknüpfen. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 10

19 2.3 Stichprobe Zuordnung zu den Untersuchungsgruppen Wie im Zwischenbericht bereits ausführlich dargelegt, erwies sich die Zuordnung der DiabetikerInnen zu den Untersuchungsgruppen als aufwendig und problematisch (IfGP, 2011a). Dem IfGP wurde keine Liste mit den Pseudonymen der TeilnehmerInnen und der Gruppenzuordnung zur Verfügung gestellt, weshalb diese Information aus anderen Erhebungsquellen extrahiert werden musste. Dabei stieß man schon bei der Datenaufbereitung für den Zwischenbericht auf einige Widersprüchlichkeiten: Geplant war, dass Personen, die am Gesundheitsdialog Diabetes teilnehmen, den Fragebogen für die Interventionsgruppe, jene die nicht am Gesundheitsdialog teilnehmen, jenen für die Kontrollgruppe erhalten. Bei wenigen Personen ließen Anmerkungen auf dem Fragebogen des ersten Messzeitpunktes (Baselinerhebung in Breitenstein) darauf schließen, dass sie einen nicht passenden Fragebogen erhalten haben. So merkte eine Person, die den Fragebogen für die Interventionsgruppen ausfüllte, handschriftlich an, nicht am Gesundheitsdialog teilzunehmen, ein andere fügte bei den Gründen für die Nicht-Teilnahme (Fragebogen Kontrollgruppe) ein, am Gesundheitsdialog teilzunehmen. Weiters zeigte ein Abgleich mit den Daten aus dem DiabMemory (über das Pseudonym), dass 28 Personen, die den Fragebogen für die Interventionsgruppe erhielten, im DiabMemory gar nicht aufscheinen (21 Personen) oder dass für sie zwar ein Account im DiabMemory angelegt wurde (Pseudonym vorhanden), jedoch keine weiteren Daten (5 Personen) oder nur sehr wenige Daten vorhanden sind (2 Personen). Wie im Zwischenbericht bereits angekündigt, werden die Kriterien für die Gruppenzuordnung für die Gesamtauswertung verschärft. Es müssen mehrere Kriterien für eine Gruppenzuordnung erfüllt sein und es werden nicht mehr alle Personen, von denen Fragebogendaten vorhanden sind, in die Stichprobe inkludiert. Um trotzdem eine hinreichend große Stichprobengröße zu erzielen, ist es im Gegensatz zur Analyse des Zwischenberichts keine Voraussetzung mehr, dass ein ausgefüllter Fragebogen vorliegt. Als Ausgangsdatenquelle werden die KIS-Daten (Krankenhausinformationssystem, Kapitel 2.5), welche während des Kur-Aufenthaltes in Breitenstein erhoben wurden, herangezogen. Um überhaupt in die Stichprobe aufgenommen werden zu können, muss hier ein pseudonymisierter Datensatz vorliegen, aus dem hervorgeht, dass die entsprechende Person zwischen Mai und Dezember 2010 in Breitenstein an einem Turnus für DiabetikerInnen teilgenommen hat. Personen, die zwar einen Fragebogen bearbeitet haben, jedoch nicht im KIS aufscheinen, werden von der Studie ausgeschlossen. Dies gilt ebenso für Personen, von denen ausschließlich Daten aus dem DiabMemory vorliegen. Die Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 11

20 weiteren Einschlusskriterien für die Gruppenzuordnung sind im Folgenden getrennt für Interventions- und Kontrollgruppe aufgelistet. Einschlusskriterien für die Interventionsgruppe DiabMemory: Start der Datenübertragungen von Blutzuckerwerten zwischen Mai und Dezember 2010 DiabMemory: Datenübertragungen von Blutzuckerwerten über einen Zeitraum von mindestens 52 Wochen hinweg (nicht jede Woche Datenübertragung erforderlich) DiabMemory: Datenübertragungen von Blutzuckerwerten für mindestens 19 Wochen innerhalb der ersten 52 Wochen Differenz zwischen Start mit Datenübertragung ins DiabMemory und Start Aufenthalt in Breitenstein: maximal fünf Wochen Einschlusskriterium für die Kontrollgruppe Blutzuckerwerte im DiabMemory: Keine Daten oder nur sehr wenige Daten vorhanden (maximal zwei Wochen) Personen, die nach diesen Kriterien nicht eindeutig einer der beiden Untersuchungsgruppen zugeordnet werden können, sind von der Studie ausgeschlossen. Zwei Fallbeispiele hierfür sind: - Abbruch der Dateneingabe ins DiabMemory nach 45 Erhebungswochen - Erster Dateneintrag ins DiabMemory erfolgte 114 Tag vor Kuraufenthalt in Breitenstein Nach eingehender Qualitätssicherung konnten insgesamt 256 DiabetikerInnen in die Stichprobe aufgenommen werden. 100 Personen bzw. 61% sind der Interventions- und 156 bzw. 39% der Kontrollgruppe zugeteilt (Abbildung 2). Untersuchungsgruppe Abbildung 2: Gruppenzuordnung (n = 256). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 12

21 2.3.2 Datenquellen für die Stichprobenbeschreibung Wie die Zuteilung zu den zwei Untersuchungsgruppen (Kapitel 2.3.1) inkludiert auch die Stichprobenbeschreibung Informationen aus verschiedenen Datenquellen. Die Ausgangsbasis für die Variablen Alter, Geschlecht, Diabetestyp, Dauer des Kuraufenthaltes in Breitenstein und HbA 1c -Wert zu Kur- Beginn bilden die KIS-Daten (Kapitel 2.5), welche direkt über ÄrztInnen dokumentiert werden. Bei fehlenden Werten und zur Qualitätssicherung werden die KIS-Daten mit den Angaben auf den Fragebögen, die von den DiabetikerInnen selbst ausgefüllt werden, abgeglichen. Bei Personen der Interventionsgruppe werden bei Unstimmigkeiten und fehlenden Werten zusätzlich die im DiabMemory eingetragenen Daten zur weiteren Vervollständigung des Datensatzes herangezogen. Für die sozioökonomischen Variablen Ausbildung und Einkommen werden die Angaben auf den Fragebögen zum ersten Messzeitpunkt herangezogen Sozidemografische Merkmale Die 256 Personen umfassende Stichprobe setzt sich aus 57 Frauen (22%) und 199 Männern (78%) zusammen (Abbildung 3). Die Altersspanne zu Beginn der Untersuchungsteilnahme (Kur-Beginn in Breitenstein) reicht bei einem Durchschnittsalter von 59 Jahren von 30 bis 83 (M = 59,08, SD = 9,91, n = 256, Abbildung 4). Geschlecht Abbildung 3: Geschlecht (n = 256). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 13

22 Altersverteilung Anzahl Personen Alter in Jahren Abbildung 4: Altersverteilung (n = 256). In der Interventionsgruppe sind mit einem Anteil von 16% tendenziell weniger Frauen als in der Kontrollgruppe, in der der Frauenanteil 26% beträgt [χ 2 (df =1, n = 256) = 3,72, (p.10), Tabelle 2]. Tabelle 2: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Geschlecht. Geschlecht Frauen Männer Gesamt Interventionsgruppe Anzahl Prozent 16,0% 84,0% 100.0% Kontrollgruppe Anzahl Prozent 26,3% 73,7% 100.0% Gesamt Anzahl Prozent 22,3% 77,7% 100.0% Die Frauen der Stichprobe sind im Durchschnitt acht Jahre älter als die Männer [Frauen: M = 64,95, SD = 9,11, n = 57, Männer: M = 57,40, SD = 9,50, n = 199, F(1,252) = 18,43, p.001] und Personen der Kontrollgruppe sind durchschnittlich um vier Jahre älter als jene der Interventionsgruppe [KG: M = 60,51, SD = 10,40, n = 156; IG: M = 56,85, SD = 8,68, n = 100; F(1,252) = 6,30, p.05; Interaktion Geschlecht x Untersuchungsgruppe: n.s.; Abbildung 5]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 14

23 Durchschnittsalter Durchschnittsalter Frauen Männer Interventionsgruppe Kontrollgruppe Abbildung 5: Durchschnittsalter getrennt nach Untersuchungsgruppe und Geschlecht (n = 256). Vergleiche zwischen Interventions- und Kontrollgruppe in Bezug auf die Variablen höchste abgeschlossene Ausbildung und persönliches monatliches Netto-Einkommen zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede Diabetestyp Bei zwei der 256 Personen liegen keine Angaben zum Diabetestyp vor. Bei den übrigen 254 UntersuchungsteilnehmerInnen zeigt sich, dass 14 (5,5%) am Typ I erkrankt sind. 37 (14,6%) weisen die Diagnose Typ II insulinpflichtig und 203 (bzw. 79,9%) die Diagnose Typ II nicht insulinpflichtig auf (Abbildung 6). Der Vergleich zwischen Interventions- und Kontrollgruppe zeigt keinen statistisch signifikanten Unterschied in Bezug auf den Diabetestyp [χ2 (df = 2, n = 254) = 2,46, n.s; Tabelle 3]. Diabetestyp Abbildung 6: Diabetestyp (n = 254). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 15

24 Tabelle 3: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Diabetestyp (Typ I, Typ II insulinpflichtig, Typ II nicht insulinpflichtig). Typ I Diabetestyp Typ II insulinpflichtig Typ II nicht insulinpflichtig Gesamt Interventionsgruppe Anzahl Prozent 4,0% 11,1% 84,8% 100.0% Kontrollgruppe Anzahl Prozent 6,5% 16,8% 76,8% 100.0% Gesamt Anzahl Prozent 5,5% 14,6% 79,9% 100.0% Dauer des Kuraufenthaltes in Breitenstein Von den 256 Personen der Stichprobe nahmen 40 bzw. 16% an einem einwöchigen Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein teil und 216 bzw. 84% am dreiwöchigen. Dauer des Kuraufenthaltes in Breitenstein Abbildung 7: Dauer des Turnus in Breitenstein (n = 256). In der Interventionsgruppe liegt der Anteil der Personen, die einen einwöchigen Turnus absolvierten, mit 36% deutlich höher als in der Kontrollgruppe, in der 3% an einem einwöchigen Turnus teilnahmen [χ 2 (df = 1, n = 256) = 51,68, p.001, Tabelle 5]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 16

25 Tabelle 4: Kreuztabelle Untersuchungsgruppe und Dauer des Turnus in Breitenstein. Turnus in Breitenstein Einwöchig Dreiwöchig Gesamt Interventionsgruppe Anzahl Prozent 36,0% 64,0% 100.0% Kontrollgruppe Anzahl Prozent 2,6% 97,4% 100.0% Gesamt Anzahl Prozent 15,6% 84,4% 100.0% HbA 1c Ausgangswert zu Kur-Beginn Hämoglobin A 1c (HbA 1c ) Definition Bei Gesunden liegt ca. 4-8 % des Hämoglobins in glykierter Form vor; bei Patienten mit Hyperglykämie [v.a. Diabetes mellitus] steigt die Konzentration von Hämoglobin A 1c steil an; wegen der langen Lebensdauer von Hämoglobin erlaubt die Bestimmung von Hämoglobin A 1c im Blut von Diabetikern Rückschlüsse auf die Güte der Einstellung des Zuckerspiegels während der letzten Wochen bzw. der Compliance der Patienten mit ihren Diätvorschriften (Reuter, 2004, S. 865). Der Zielwert des HbA 1c zur Einstellung bei der Diabetes-Therapie ist 7% (Neumeister, Besenthal & Liebich, 2000). Ausgangswert bei UntersuchungsteilnehmerInnen Da in dieser Studie der HbA 1c -Wert als wichtiger Parameter für Verlaufskontrollen dient, wird der Ausgangswert zu Studienbeginn untersucht. Zu Beginn des Kuraufenthaltes in Breitenstein liegt von insgesamt 252 Personen (ein- und dreiwöchige Turnusse) der HbA 1c -Wert vor. Der durchschnittliche HbA 1c -Wert beträgt 7,74% (SD = 1,47, min = 5,60, max = 13,40). Dabei zeigt sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Personen der Kontrollgruppe (M = 7,85, SD = 1,50, n = 153) und der Interventionsgruppe [(M = 7,57, SD = 1,41, n = 99; T(250) = -1,47, n.s.]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 17

26 2.4 Fragebogenerhebung Durchführung Insgesamt wurden drei Fragebogenerhebungen im Zeitraum von Mai 2010 bis März 2012 durchgeführt. Die erste Erhebung (erster Messzeitpunkt) fand während der Kuraufenthalte der DiabetikerInnen in Breitenstein statt (Turnusse von Mai bis Dezember 2010). Für die zweite und dritte Erhebung kam die Methode der postalischen Befragung zum Einsatz. Laut Untersuchungsdesign (Kapitel 2.1, Tabelle 1) war geplant, die postalische Befragung für den zweiten Messzeitpunkt sechs Monate nach der Erstbefragung, die während des Turnus in Breitenstein stattfand (erster Messzeitpunkt), durchzuführen und jene für den dritten Messzeitpunkt 12 Monate nach der Erstbefragung. Aufgrund organisatorischer Probleme kam es zu starken zeitlichen Abweichungen. Die postalischen Befragungen wurden in jeweils zwei Tranchen ausgesendet. Die Aussendungen für den zweiten Messzeitpunkt erfolgten im Februar und im September 2011, jene für den dritten Messzeitpunkt im November 2011 und Jänner Bei der ersten Tranche der Aussendung für den dritten Messzeitpunkt (November 2011) wurde fälschlicherweise der Fragebogen des zweiten Messzeitpunktes verschickt Inhalte der Befragungen Die für die Baseline-Erhebung (erster Messzeitpunkt) verwendeten Fragebögen umfassen 144 Items für die Interventions- und 68 Items für die Kontrollgruppe. Zum zweiten Messzeitpunkt beinhalten die Erhebungsinstrumente für die Interventionsgruppe erneut 144 Items und für die Kontrollgruppe 100 Items. Die letzte Erhebung (dritter Messzeitpunkt) besteht für die Interventionsgruppe aus 151, für die Kontrollgruppe aus 103 Items. Die verwendeten Items können den in Tabelle 5 aufgelisteten Bereichen zugeordnet werden. Auf die Bereiche Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität, Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung und Zufriedenheit mit bzw. Veränderungen in der Zufriedenheit wird in den anschließenden Unterkapiteln Bezug genommen. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 18

27 Tabelle 5: Inhalte der Fragebögen. Itemanzahl Bereich 1. Messzeitpunkt 2. Messzeitpunkt 3. Messzeitpunkt Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung in den letzten 6 Monaten Zufriedenheit mit der Diabetes Behandlung Änderungen in der Zufriedenheit mit der Diabetes Behandlung Gründe für Teilnahme & Einführungsgespräch Gesundheitsdialog Diabetes Mellitus (nur IG) Ausblick und Ziele zu Beginn des GD Medizinische Betreuung Fachvortrag und praktische Einheiten Technische Schulung Technische Lösung (Handy, DiabMemory) Involviertheit der Hausärztin/des Hausarztes Rückmeldungen auf die Daten Zufriedenheit, Wichtigkeit & Gesamteindruck Ernährungs- und Bewegungsberatung (Turnus Breitenstein) Gesundheitsverhalten (körperliche Bewegung, Ernährung, Alkoholkonsum, Raucherstatus) Personenmerkmale (soziodemografische Merkmale, Diabetes, Begleiterkrankungen, Teilnahme an weiteren Studien) Offene Anmerkungen (nur IG) Gesundheitsdialog Offene Anmerkungen (nur KG) Betreuung während und nach Aufenthalt in Breitenstein Gründe für die Nicht-Teilnahme am Gesundheitsdialog (nur KG) Anmerkungen: IG = Interventionsgruppe, KG = Kontrollgruppe. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 19

28 2.4.3 Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität Bei chronischen Erkrankungen ist eine Heilung durch Behandlungsmaßnahmen nicht immer möglich, sodass Interventionen auch darauf abzielen können, die Lebensqualität und das Wohlbefinden zu steigern. Komponenten der Lebensqualität sind komplex und vielschichtig und von kulturellen, religiösen, ökonomischen und politischen Aspekten abhängig. Im Gesundheitswesen werden meist nicht diese globalen Lebensbedingungen betrachtet, sondern es werden vielmehr jene Dimensionen der Lebensqualität herangezogen, die den Gesundheitszustand der Patientin/ des Patienten direkt beeinflussen. Man spricht in diesem Zusammenhang von gesundheitsbezogener Lebensqualität. Diese wird z.b. durch Krankheiten, Verletzungen und medizinische Behandlung beeinflusst (Schöffski, 2008). Bei der Messung von Lebensqualität als Outcome-Parameter müssen zum einen die Messinstrumente der Mehrdimensionalität des Konstrukts Lebensqualität gerecht werden, zum anderen müssen neben den potentiellen Einschränkungen der Gesundheit auch Verbesserungen des Wohlbefindens aufgezeigt werden können. Zur Erfassung der Lebensqualität existierten verschiedene standardisierte und psychometrisch geprüfte Fragebögen (Übersicht hierzu z.b. McDoqwell & Newell, 1987). Für die vorliegende Studie werden der EQ-5D-3L Fragebogen (EuroQuol 5 Dimensions 3 Levels) und der SF-12 (die Kurzform decssf-36) verwendet. Beim EQ-5D-3L handelt es sich um ein Messinstrument zur Erhebung gesundheitsbezogener Lebensqualität, welches aus zwei Teilen besteht (Schulenburg et al., 1998). Im ersten Teil wird der Gesundheitszustand anhand von fünf Items erhoben, die jeweils mittels eines dreistufigen Antwort-formats (keine Probleme, einige Probleme und extreme Probleme) zu beantworten sind (Moock, 2008). Die fünf Items repräsentieren die Dimensionen Beweglichkeit/Mobilität, Für sich selbst sorgen, Allgemeine Tätigkeiten, Schmerzen/körperliche Beschwerden und Angst/ Niedergeschlagenheit und können zu einem Index zusammengefasst werden. Im zweiten Teil ist der Gesundheitszustand auf einer visuellen Analogskala einzuschätzen, die einen Werteumfang von 0 bis 100 aufweist, wobei 0 den schlechtesten und 100 den bestmöglichsten Gesundheitszustand widerspiegelt. Der EQ-5D-3L ist aktuell das am gebräuchlichste Messverfahren, welches zur Erhebung von Nutzwerten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität eingesetzt wird (Moock, 2008) und erfasst entsprechend dem Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität die psychische, physische und soziale Dimension von Gesundheit (Cramer & Spilker, 1998 zitiert nach König et al., 2005). Die Reliabilität und Validität wurde für zahlreiche Krankheitsgruppen und die Allgemeinbevölkerung nachgewiesen (König et al., 2005). Nach Schulenburg et al. (1998) sind die Testgütekriterien nur zum Teil erfüllt: Der EQ-5D-3L verfügt zwar insgesamt über eine zufriedenstellende Reliabilität, jedoch geringe Sensitivität, weshalb ein krankheitsspezifisches Instrument (bei dieser Studie der SF-12) ergänzend eingesetzt wird. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 20

29 Der SF-12 ist die Kurzversion des SF-36, der ein krankheitsübergreifendes Messinstrument zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität darstellt (Bullinger & Kirchberger, 1998). Der Fragebogen besteht aus acht Skalen, welche mittels ein bis zwei Items pro Dimension erfasst werden (Müller-Nordhorn et al, 2004). Erhoben werden die Körperliche Funktionsfähigkeit, Körperliche Rollenfunktion, Körperliche Schmerzen, Allgemeine Gesundheitswahrnehmung, Vitalität, Soziale Funktionsfähigkeit, Psychisches Wohlbefinden und emotionale Rollenfunktion (Bullinger & Kirchberger, 1998; Günther et al., 2007). Bei der Kurzversion des SF werden Summenscores für die physikalische Komponente (= körperliche Summenskala) und mentale Komponente (= psychische Summenskala) berechnet (Müller-Nordhorn et al, 2004). Die Berechnung erfolgt anhand eines komplexen Algorithmus, wobei höhere Werte für geringere Beeinträchtigungen stehen (Rüschenschmidt et al., 2008) Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung in den letzten sechs Monaten Um den Erfolg einer Behandlungsmaßnahme bewerten zu können, ist es wesentlich die Zufriedenheit unter Berücksichtigung der Beurteilung der Versorgungsqualität aus Sicht der PatientInnen zu erfassen. Zu diesem Zweck werden der PACIC und der speziell für DiabetikerInnen entwickelte DTSQ (Kapitel 2.4.5) herangezogen. Der PACIC (Patient Assessment of Chronic Illness Care) ist ein Instrument, welches bei chronisch kranken PatientInnen eingesetzt werden kann (Rosemann et al., 2007), sich auf die Behandlung der letzen sechs Monate bezieht und folgende fünf Faktoren erfasst: Aktivierung/Einbezug des Patienten, Erreichbarkeit/Organisation/Verstehbarkeit der Versorgung, Formulierung von Zielen, Problemlösung und Koordination der Weiterbehandlung. Zur Berechnung des Summenscores des PACIC werden 20 Items herangezogen und zur Ermittlung der Subskalen die jeweils drei bis fünf zugehörigen Items berücksichtigt (Glasgow et al., 2005) Zufriedenheit mit der Diabetes Behandlung Der DTSQ (Diabetes Treatment Satisfaction Questionnaire) von Bradley (1994) erfasst die behandlungsbezogene Zufriedenheit bei Diabetes mellitus mittels acht Items, die anhand eines siebenstufigen Antwortformats (0-6) zu bearbeiten sind. Sechs dieser Items erheben das Ausmaß der Zufriedenheit mit der aktuellen Diabetestherapie, während die restlichen zwei Items die subjektiv wahrgenommene Häufigkeit von Über- bzw. Unterzuckerung erfragen. Ziel des Fragebogens ist es, sensitiv auf medizinische Behandlungsmaßnahmen bzw. -veränderungen und ebenso auf psychosoziale Interventionen anzusprechen (Harb et al., 2008). Im Rahmen der Auswertung wird der Summenscore der sechs Zufriedenheitsitems berechnet, welcher im Bereich von 0 bis 36 liegen kann. Je höher der Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 21

30 Summenscore, desto höher ist die behandlungsbezogene Zufriedenheit. Bei den Items zur Erhebung der Häufigkeit von Über- bzw. Unterzuckerung stehen niedrigere Werte für die Annäherung an den Idealwert, während höhere Werte auf Probleme hinweisen. Die Erfassung des aktuellen Zufriedenheitsstatus erfolgt mittels DTSQs (s = status version) und wird in dieser Studie zu allen drei Messzeitpunkten eingesetzt. Ab dem zweiten Erhebungszeitpunkt wird zusätzlich erhoben, inwieweit sich die Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung seit der Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus (Interventionsgruppe) bzw. seit dem Turnus in Breitenstein (Kontrollgruppe) verändert hat. Hierzu wird den TeilnehmerInnen der DTSQc (c = change version) vorgelegt, der sich insofern von der ersten Version (DTSQs) unterscheidet, als insbesondere das Antwortformat anders ist, da es die Veränderung abbilden soll. Das Antwortformat ist abermals 7-stufig, umfasst jedoch die Bereiche von jetzt viel zufriedener/ öfter/ praktischer/ flexibler/ wahrscheinlicher (3) bis jetzt viel weniger zufrieden/ seltener/ weniger praktisch/ weniger flexibel/ weniger wahrscheinlich (-3). Wenn keine Veränderung erlebt wurde, so ist der mittlere Wert 0 anzukreuzen. Der über sechs Items gebildete Summenscore als Indikator für Veränderungen der Behandlungszufriedenheit umfasst einen Wertebereich von -18 bis +18. Je höher der Summenwert, umso positiver die Veränderung in der Behandlungszufriedenheit, je niedriger der Wert, desto mehr hat sich die Zufriedenheit mit der Diabetes Behandlung verringert bzw. verschlechtert. Die verbleibenden Items werden einzeln betrachtet, wobei negative Werte weniger Probleme mit dem Blutzuckerwert bedeuten und positive Werte auf mehr Probleme hinweisen. Der DTSQ ist in über 60 Sprachen verfügbar und die hier eingesetzte deutsche Version stellt nach Harb et al. (2008) ein reliables, valides und ökonomisches Instrument zur Erfassung des Ausmaßes der Zufriedenheit mit der aktuellen Diabetestherapie dar. Der DTSQ ist besonders als ergänzendes Verfahren im Rahmen der Ergebnisqualitätsmessung und der Therapie- und Verlaufskontrolle geeignet Datenbasis für die Auswertung Von 183 der 256 UntersuchungsteilnehmerInnen liegt zumindest ein ausgefüllter Fragebogen vor. 64 Personen (20 aus der Kontroll- und 44 aus der Interventionsgruppe) nahmen an allen drei Befragungen teil. Baselineerhebung (1. Messzeitpunkt) Insgesamt beteiligten sich 180 Personen bzw. 70% der 256 Personen umfassenden Stichprobe an der Befragung des ersten Messzeitpunktes, die während des Turnus in Breitenstein stattfand. Von den 100 Personen der Interventionsgruppe liegen 88 ausgefüllte Fragebögen vor (88%), von den 156 Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 22

31 Personen der Kontrollgruppe haben 92 bzw. 59% einen bearbeiteten Fragebogen abgegeben. Es liegen keine Angaben darüber vor, an wie viele Personen Fragebögen ausgeteilt wurden. 2. Messzeitpunkt Beim zweiten Messzeitpunkt (Februar und September 2011) wurden 181 Personen der Stichprobe angeschrieben (91 Personen der Interventions- und 90 Personen der Kontrollgruppe). Von diesen 181 Personen retournierten insgesamt 88 bzw. 49% einen ausgefüllten Fragebogen. Gemessen an der Stichprobe (n = 256) liegen zum zweiten Messzeitpunkt mit 88 Fragebögen Daten von 34% der UntersuchungsteilnehmerInnen vor. Bezogen auf die zwei Untersuchungsgruppen haben 57 Personen (57%) der Interventions- und 31 Personen bzw. 20% der Kontrollgruppe einen Fragebogen bearbeitet. 3. Messzeitpunkt Beim dritten Messzeitpunkt (November 2011 und Jänner 2012) wurden dieselben 181 Personen wie zum zweiten Messzeitpunkt angeschrieben und es retournierten insgesamt 84 bzw. 46% einen Fragebogen. Gemessen an der Stichprobe (n = 256) liegen zum dritten Messzeitpunkt Daten von 33% der UntersuchungsteilnehmerInnen vor. Bezogen auf die zwei Untersuchungsgruppen haben 53 Personen (53%) der Interventions- und 31 Personen bzw. 20% der Kontrollgruppe an der Befragung teilgenommen Zeitabstände zwischen den Befragungen Die erste Fragebogenerhebung fand während der Kur in Breitenstein statt, die zweite mit einer zeitlich sehr hohen Schwankungsbreite zwischen 127 und 384 Tagen nach Untersuchungsstart (M = 296 Tage, SD = 61, n = 88) und die dritte Erhebung zwischen 359 und 542 Tage nach Untersuchungsstart (M = 473, SD = 42, n = 84). Die deskriptiven Werte zu den Zeitabständen basieren auf Daten jener Personen, die auf die entsprechende postalische Aussendung hin auch einen Fragebogen retourniert haben. Berechnet wurde die Zeitspanne zwischen Untersuchungsstart in Breitenstein und dem Datum der jeweiligen Aussendung. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 23

32 2.5 KIS (Krankenhausinformationssystem) Für die Evaluierung werden auch Daten aus dem KIS (Krankenhausinformationssystem) der VAEB herangezogen. Dieses System basiert auf SAP i.s.h.med und wird seit Ende 2009 in Breitenstein für die vollständige medizinische Dokumentation eingesetzt. Das KIS ermöglicht ÄrztInnen, DiätologInnen, PsychologInnen und Verwaltungsangestellten der VAEB die Arbeit in einem prozessorientierten System, das die Basis für die Anbindung von Spezialsystemen mit externen Stellen bietet. Die ÄrztInnen erfassen im KIS auf Basis von ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproblemen) Aufnahme- und Verlaufsdiagnosen und können den Behandlungsverlauf als Freitext hinterlegen. Parallel dazu dokumentieren die DiätologInnen sowie diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen Untersuchungsparameter wie Größe, Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz, Bauchumfang und Muskelmasse während des Kuraufenthaltes. Informationen über die Diabetestherapie werden also von unterschiedlichen Personen dokumentiert und können dementsprechend zweifach qualitätsgesichert sein. Die Laborwerte (Harn- und Blutwerte) werden automatisiert aus dem LIS (Laborinformationssystem) in Breitenstein eingelesen. Diese Werte werden während der Aufnahme-, Zwischen- und Enduntersuchung ermittelt und im KIS gespeichert. Durch die Exportmöglichkeiten spezifischer SAP-Auswertungen können sowohl administrative Daten wie das Datum von Kur-Beginn und Kur-Ende als auch Diagnosen und medizinische Parameter (z.b. HbA 1c ) der Versicherten während des Kuraufenthaltes bei der Auswertung berücksichtigt werden. Das KIS ist zurzeit die einzige in die Evaluierung eingebundene Datenquelle, von der Informationen von allen 256 Personen der Stichprobe vorliegen. 2.6 Laborbefunde Erhebung Zur Ermittlung weiterer Parameter über den Gesundheitszustand der Personen werden medizinische Laborwerte bei der Evaluierung berücksichtigt. Die Erhebung für den ersten Messzeitpunkt fand wie auch die erste Fragebogenerhebung noch während der Kuraufenthalte in Breitenstein statt. Im Rahmen der Anamnese werden zu Kur-Beginn Laboruntersuchungen durchgeführt und direkt im Labor Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 24

33 des Kurheimes Breitenstein ausgewertet. Diese Daten können aus dem KIS-Datenbestand (Kapitel 2.5) für die Evaluierung übernommen werden. Die Datenerhebung für den zweiten und dritten Messzeitpunkt wurde parallel zu den postalischen Fragebogenerhebungen durchgeführt. In dem den Aussendungen beiliegenden Begleitschreiben wurden die UntersuchungsteilnehmerInnen (Interventions- und Kontrollgruppe) darum gebeten, einen aktuellen (nicht älter als 4 Wochen) Laborbefund (inkl. HbA 1c ) für die Verlaufskontrolle im jeweils zuständigen (nächstgelegenen) Gesundheits- und Betreuungszentrum (GBZ) der VAEB abzugeben. Sollte kein aktueller Laborbefund vorliegen, werden die Personen ersucht, vor dem Besuch des Gesundheits- und Betreuungszentrum ein Labor aufzusuchen und einen Befund erstellen zu lassen. In diesem Zusammenhang wurde den Personen angeboten, mit der GBZ-Vertrauensärztin/ dem GBZ- Vertrauensarzt im Rahmen eines ca. 15-minütigen Gesprächs Erfahrungen seit dem letzten Aufenthalt in der Gesundheitseinrichtung Breitenstein besprechen zu können Datenbasis für die Auswertung Laborwerte zum ersten Messzeitpunkt sind aufgrund der Aufzeichnungen im KIS von nahezu allen UntersuchungsteilnehmerInnen vorhanden. Laborbefunde vom zweiten Messzeitpunkt liegen von 44 Personen vor, vom dritten Messzeitpunkt von 35 Personen. Diese Befunde wurden von der VAEB nach Entfernung sämtlicher die Person identifizierenden Daten und entsprechender Pseudonymisierung dem IfGP übermittelt. Nicht alle Befunde konnten für die Auswertung verwendet werden, da z.b. das Datum der Messung fehlte oder der Laborbefund noch vor Untersuchungsstart erstellt wurde. Wie bei den Fragebögen zeigt sich auch hier zwischen den Untersuchungspersonen eine große Streuung in Bezug auf die Zeitspanne zwischen Untersuchungsstart (erster Messzeitpunkt) und Erhebung der Laborwerte über die postalischen Anschreiben (zweiter und dritter Messzeitpunkt). Für die Evaluierung wurde der HbA 1c herangezogen. Genauere Informationen zur Anzahl gültiger Werte und zu den Zeitspannen zwischen den einzelnen Erhebungen finden sich im entsprechenden HbA 1c -Auswertungsteil (Kapitel 4). Deskriptive Angaben zu Zeitspannen beziehen sich dabei immer auf die genaue zeitliche Differenz zwischen den jeweilig angeführten Laboruntersuchungen. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 25

34 2.7 DiabMemory Die Daten für das DiabMemory werden wie bereits im Kapitel 1.1 erwähnt fortlaufend erhoben. Welche Parameter für die Selbstaufzeichnung im DiabMemory für die Patientin/ den Patienten relevant sind, werden individuell von der behandelnden Ärztin/ dem behandelnden Arzt festgelegt und im System für die Übermittlung freigeschalten. Diese sogenannten Selbstmessungswerte wie Blutzucker, Gewicht, Bauchumfang, systolischer und diastolischer Blutdruck und Herzfrequenz werden laufend im Alltag von den PatientInnen gemessen und übermittelt. Die Ärztin/ der Arzt erhebt Personenmerkmale (Geburtsdatum, Geschlecht, etc.), Anamnesedaten (z.b. Diabetestyp, Begleiterkrankungen, Rauchverhalten, eingenommene Medikamente inklusive Verabreichungsform) und die Therapieform (z.b. konventionelle Insulintherapie, funktionelle Insulintherapie, orale Antidiabetika, Pumpentherapie) zu Beginn des Gesundheitsdialoges und bei Änderungen (z.b. Umstellung der Therapie). Zusätzlich können auch Therapie- und Monitoringziele wie Zielparameter für den Blutzucker mit Unter- und Obergrenze eingegeben werden. Während Kontrollterminen können Untersuchungsparameter (z.b. Größe, Gewicht, Bauchumfang, Blutzucker; Blutdruck systolisch und diastolisch, Herzfrequenz) und Laborwerte (z.b. Cholesterin, Triglyceride, Kreatinin, Glucose, HbA 1c ) von der behandelnden Ärztin/ dem behandelnden Arzt ermittelt und dokumentiert werden. Die im CSV-Format ausgelesenen DiabMemory Daten wurden für die abschließende Evaluierung Anfang März 2012 von der Firma AIT (Austrian Institute of Technology) an die VAEB übermittelt. Die Pseudonymisierung der Daten erfolgte über die VAEB. Am 26. März 2012 wurden dem IfGP von der VAEB zwölf TXT-Dateien mit DiabMemory Daten (Anamnese, Blutzucker, Blutdruck, Gewicht und Bauchumfang, Therapie und verschiedenen Untersuchungen) zur Verfügung gestellt. Die Datei mit den Blutzuckerwerten enthält pseudonymisierte Datensätzen von insgesamt 173 Personen (inkl. Testpersonen ), die bis inkl begonnen haben, am Gesundheitsdialog teilzunehmen. Nach den in Kapitel beschriebenen Einschlusskriterien bilden 100 Personen davon die Interventionsgruppe. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 26

35 2.8 Auswertung und methodische Anmerkungen Nach Aufbereitung der Rohdaten des KIS, der Fragebögen, der Laborbefunde und des DiabMemory wurden alle deskriptiven und inferenzstatistischen Analysen mit dem Statistikpaket IBM SPSS Statistics 19 für Windows durchgeführt. Fehlende Angaben zu einzelnen Fragen (Item-Non-Response) bzw. fehlende Parameter im DiabMemory wurden für den vorliegenden Bericht nicht imputiert. Bei allen Abbildungen und Tabellen ist die Stichprobengröße n angeführt. Dies entspricht der Anzahl jener Personen, für die gültige bzw. für die Berechnungen verwendete Antworten vorliegen. Prozentwerte beziehen sich immer auf diese gültigen Fälle n. Angaben von Prozentwerten in Abbildungen wurden auf ganze Zahlen gerundet, sodass sich bei Addition eine geringe Differenz auf 100% ergeben kann. Für die deskriptiven Kennwerte zur Beschreibung der zentralen Tendenz und der Streuung werden die Abkürzungen M für Mittelwert und SD für Standardabweichung verwendet. Die inferenzstatistischen Auswertungen erfolgen nach dem Modell der deskriptiven Datenanalyse (Abt, 1987); eine Alphaadjustierung wird nicht vorgenommen und das Alpha-Niveau auf 5% festgelegt. Bei den inferenzstatistischen Analysen von Fragebogenskalen, Items mit Ratingskalen als Antwortformat und medizinischen Werten (z.b. HbA 1c ) kommen metrische Verfahren (T-Tests und Varianzanalysen nach dem allgemeinen linearen Modell) zum Einsatz. Bei den Ergebnissen von Varianzanalysen mit Messwiederholung wird der F-Wert nach Huynh-Feldt angeführt. Zur Analyse von Häufigkeitsunterschieden werden Chi-Quadrat-Verfahren verwendet und als statistische Prüfgröße wird der Chi-Quadrat-Wert nach Pearson herangezogen. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 27

36 3 Ergebnisse: Fragebogenerhebungen 3.1 Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität Zu allen drei Messzeitpunkten wurden die BefragungsteilnehmerInnen gebeten, ihren momentanen ( heutigen ) Gesundheitszustand auf einer Analogskala mit dem Werteumfang von 0 (schlechtest denkbarer Gesundheitszustand) bis 100 (best denkbarer Gesundheitszustand) einzuschätzen (EQ- 5D-3L, Kapitel 2.4.3). Wie aus Abbildung 8 ersichtlich, weisen Personen der Interventionsgruppe zu allen drei Zeitpunkten im Durchschnitt bessere Werte auf als jene der Kontrollgruppe [1. MZP: T(151,66) = 3,52, p.001; 2. MZP: T(80) = 1,93, p.10; 3. MZP: T(78) = 2,66, p.01]. Aktueller ( heutiger ) Gesundheitszustand Gesundheitszustand Interventionsgruppe (87) Kontrollgruppe (85) 78,6 70,0 1. MZP (Baseline) Gesundheitszustand Interventionsgruppe (55) Kontrollgruppe (27) 77,1 2. MZP 70,1 Gesundheitszustand Interventionsgruppe (50) Kontrollgruppe (30) 76,5 3. MZP 66,2 Abbildung 8: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes (höherer Wert, bessere Beurteilung) getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe. Verlaufsanalysen ergeben, dass sich der subjektiv eingeschätzte, aktuelle Gesundheitszustand zwischen Kuraufenthalt (1. Messzeitpunkt) und Folgemessung innerhalb eines Jahres (2. Messzeitpunkt) bei beiden Untersuchungsgruppen tendenziell verschlechtert hat [Haupteffekt Messzeitpunkt: F(1,78) = 3,72, p.10; Haupteffekt Untersuchungsgruppe: F(1,78) = 2,80, p.10; Interaktion Messzeitpunkt x Untersuchungsgruppe: n.s.]. Beim Vergleich zwischen Kuraufenthalt (1. Messzeitpunkt) und Folgemessung nach über einem Jahr (3. Messzeitpunkt) zeigt sich eine statistisch signifikante Verschlechterung bei beiden Untersuchungsgruppen [Haupteffekt Messzeitpunkt: F(1,74) = 4,53, p Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 28

37 .05; Haupteffekt Untersuchungsgruppe: F(1,74) = 5,80, p,05; Interaktion Messzeitpunkt x Untersuchungsgruppe: n.s., Abbildung 9]. Aktueller ( heutiger ) Gesundheitszustand Gesundheitszustand ,0 76,6 73,6 68,9 1. MZP (Baseline) 3. MZP IG (49) KG (27) Abbildung 9: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes (höherer Wert bessere Beurteilung) getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe. Auf die Frage nach dem Gesundheitszustand im Allgemeinen (SF-12, Kapitel 2.4.3) zeigt sich zum ersten Befragungszeitpunkt ein signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe, indem Personen der Interventionsgruppe ihren Gesundheitszustand durchschnittlich besser bewerten als BefragungsteilnehmerInnen der Kontrollgruppe [T(171,32) = -1,99, p.05, Abbildung 10]. Beim zweiten Messzeitpunkt scheint dieser Gruppenunterschied nicht auf, tendenziell bei der dritten Befragung [T(81) = -1,90, p.10]. Verlaufsanalysen zeigen keine statistisch signifikante Veränderung bezogen auf die drei Messzeitpunkte. Wie würden Sie Ihren Gesundheitszustand im Allgemeinen beschreiben? Interventionsgruppe (86) Kontrollgruppe (90) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% ausgezeichnet sehr gut gut weniger gut schlecht Abbildung 10: Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes zum ersten Messzeitpunkt getrennt nach Untersuchungsgruppe. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 29

38 Ergänzend zum allgemeinen Gesundheitszustand wurden die BefragungsteilnehmerInnen gebeten, separate Fragen zur körperlichen und psychischen Gesundheit zu beantworten. Höhere Werte sprechen hierbei für eine geringere Beeinträchtigung. Zum ersten Messzeitpunkt schätzen Personen aus der Interventionsgruppe (M = 48,2, SD = 8,0, n = 72) den körperlichen Gesundheitszustand im Vergleich zur Kontrollgruppe (M = 44,8, SD = 9,0, n = 59) besser ein [T(129)129 = 2,31, p.05]. Die Verlaufsanalysen spiegeln keine signifikanten Veränderungen wider. In Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand zeigen sich weder in Abhängigkeit der Untersuchungsgruppe noch der Messzeitpunkte signifikante Unterschiede. 3.2 Gesundheitszustand Wahrgenommene Veränderung Beim Fragebogen des dritten Messzeitpunktes (Aussendung 2. Tranche, Jänner 2012) wurden die angeschriebenen UntersuchungsteilnehmerInnen gebeten, rückblickend zu beurteilen, ob sich ihr Gesundheitszustand seit der Teilnahme am Gesundheitsdialog (Interventionsgruppe) bzw. seit der Teilnahme am Turnus in Breitenstein 2010 (Kontrollgruppe) verbessert, nicht geändert oder verschlechtert habe. Niemand berichtet von einer Verschlechterung. Weniger als die Hälfte wählen die Antwortalternative nicht verändert und über 50% meinen, dass sich ihr Zustand verbessert habe (61% der Interventionsgruppe, 56% der Kontrollgruppe; Unterschied zwischen den Gruppen nicht signifikant). Seit der Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes hat sich mein Gesundheitszustand im Großen und Ganzen Seit der Teilnahme am Turnus in Breitenstein im Jahr 2010 hat sich mein Gesundheitszustand im Großen und Ganzen Abbildung 11: Veränderung des Gesundheitszustandes seit Teilnahme am Gesundheitsdialog erhoben zum 3. Messzeitpunkt bei Personen der Interventionsgruppe (n = 33). Abbildung 12: Veränderung des Gesundheitszustandes seit Teilnahme am Turnus für DiabetikerInnen in Breitenstein erhoben zum 3. Messzeitpunkt bei Personen der Kontrollgruppe (n = 9). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 30

39 3.3 Versorgungsqualität der medizinischen Betreuung Zur Beurteilung der Versorgungsqualität der jeweils letzten sechs Monate aus Sicht der BefragungsteilnehmerInnen wurde der PACIC (Patient Assessment of Chronic Illness Care, Kapitel 2.4.4) herangezogen. Bei der Baselineerhebung und der damit verbundenen Beurteilung der Versorgung des halben Jahres vor Kurbeginn zeigt sich weder in Bezug auf den Gesamtscore, der über 20 Items ermittelt wird, noch in Hinblick auf die fünf Skalen Aktivierung/ Einbezug der PatientInnen, Erreichbarkeit/ Organisation/ Verstehbarkeit der Versorgung, Formulierung von Zielen, Problemlösung sowie Koordination der Weiterbehandlung ein signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Auch beim zweiten Messzeitpunkt (durchschnittlich ca. 300 Tage nach Start der Untersuchungsteilnahme) und beim dritten Messzeitpunkt (durchschnittlich ca. 480 Tage nach Start der Untersuchungsteilnahme) lassen sich keine Unterschiede in der Beurteilung der Versorgungsqualität zwischen den beiden Untersuchungsgruppen abbilden. Verlaufsanalysen über die Messzeitpunkte hinweg zeigen ebenso keine statistisch signifikante Veränderung auf. 3.4 Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung Der DTSQ (Diabetes Treatment Satisfaction Questionnaire, Kapitel 2.4.5) erfasst die behandlungsbezogene Zufriedenheit bei Diabetes mellitus während der letzten Wochen. Die Zufriedenheitsskala dieses Fragebogens umfasst den möglichen Wertebereich 0 (schlechteste) bis 36 (beste Bewertung). Die Untersuchungsstichprobe weist zu allen drei Messzeitpunkten Mittelwerte auf, die auf eine hohe Zufriedenheit schließen lassen (MPZ 1: M = 29,33, SD = 6,87, n = 150; MZP 2: M = 29,49, SD = 6,60, n = 81; MZP 3: M = 28,62, SD = 6,61, n = 84). Die statistischen Analysen ergeben keine Unterschiede, weder in Bezug auf die Untersuchungsgruppe noch in Hinblick auf den Messzeitpunkt. Die UntersuchungsteilnehmerInnen werden zudem über die subjektiv wahrgenommene Häufigkeit von Über- bzw. Unterzuckerung befragt. Die Ergebnisse können im Wertebereich von 0 (nie) bis 6 (immer) liegen, wobei hohe Werte auf Probleme hinweisen, während niedrige Werte eine Annäherung an den Idealbereich darstellen. Hinsichtlich der subjektiv wahrgenommenen Häufigkeit von Überzuckerung unterscheiden sich die Untersuchungsgruppen zu keinem der drei Messzeitpunkte. Personen aus der Kontrollgruppe berichten zum ersten Messzeitpunkt häufiger von Unterzuckerung im Vergleich zur Interventionsgruppe (Abbildung 13). Dieser Unterschied deutet sich auch bei den anderen zwei Messzeitpunkten an, ist jedoch statistisch nicht signifikant [1. MZP: T(149) = -2,18, p.05; 2. MZP: T(38,73) = -1,06, n.s.; 3. MZP: T(46,49) = -1,87, p.10]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 31

40 Unterzuckerung Subjektiv wahrgenommene Häufigkeit der Unterzuckerung Interventionsgruppe (80) Kontrollgruppe (71) 0,7 1,2 Subjektiv wahrgenommene Häufigkeit der Unterzuckerung Interventionsgruppe (54) Kontrollgruppe (29) 0,8 1,1 Subjektiv wahrgenommene Häufigkeit der Unterzuckerung Interventionsgruppe (53) Kontrollgruppe (31) 0,6 1, MZP (Baseline) 0 2. MZP 0 3. MZP Abbildung 13: Subjektiv wahrgenommene Häufigkeit von Unterzuckerung getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe. 3.5 Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung Subjektiv eingeschätzte Veränderung Die subjektiv wahrgenommene Veränderungen in der Diabetes-Behandlung seit der Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus (Interventionsgruppe) bzw. seit dem Kur-Aufenthalt in Breitenstein 2010 (Kontrollgruppe) wurde zum zweiten und dritten Messzeitpunkt erhoben. Beide Untersuchungsgruppen führen an, dass sie sowohl zum zweiten als auch zum dritten Messzeitpunkt mit ihrer aktuellen Diabetestherapie im Vergleich zu jener vor ihrer Teilnahme am Turnus in Breitenstein zufriedener sind. Beim dritten Messzeitpunkt zeigt sich, dass jene, die am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus teilnehmen (Interventionsgruppe), noch größere Zufriedenheit mit ihrer aktuellen Behandlung (im Vergleich zu vorher) zeigen, als Personen, die nicht am Gesundheitsdialog teilnehmen [T(78) = 2,36, p.05, Abbildung 14]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 32

41 Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung (wahrgenommene Veränderung) Positive Veränderung in der Zufriedenheit mit der Diabetesbehandlung Interventionsgruppe (54) Kontrollgruppe (27) 12,2 10,6 Positive Veränderung in der Zufriedenheit mit der Diabetesbehandlung Interventionsgruppe (50) Kontrollgruppe (30) 12,6 9, MZP 0 3. MZP Abbildung 14: Veränderung in der Zufriedenheit mit der Diabetes-Behandlung getrennt nach Messzeitpunkt und Untersuchungsgruppe. Bei den Fragen bezüglich subjektiv wahrgenommener Häufigkeit von Über- und Unterzuckerung führen die UntersuchungsteilnehmerInnen zu beiden Messzeitpunkten an, dass Über- und Unterzuckerung nun etwas seltener auftreten. Beim dritten Messzeitpunkt berichten Personen der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe häufiger, den Eindruck zu haben, ihr Blutzucker sei jetzt (zum dritten Erhebungszeitpunkt) seltener inakzeptabel niedrig als zum Zeitpunkt vor dem Turnus in Breitenstein, [IG: M = -1,4, SD = 1,5, n = 48, KG: M = -0,5, SD = 1,7, n = 29, T(75) = -2,49, p.05]. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 33

42 3.6 Interventionsgruppe: Beurteilung des Gesundheitsdialoges In diesem Kapitel sind jene Befragungsergebnisse dargestellt, die ausschließlich die Interventionsgruppe betreffen, da nur diese die Fragen zum Gesundheitsdialog Diabetes mellitus erhalten hat Gesamteindruck Zu allen drei Messzeitpunkten führen die BefragungsteilnehmerInnen an, einen (sehr) guten Gesamteindruck vom Gesundheitsdialog zu haben (Abbildung 15). Verlaufsanalysen zeigen dabei keine Veränderungen über die Zeit. Mein Gesamteindruck vom Gesundheitsdialog ist sehr gut. 1. Messzeitpunkt (n = 86) Messzeitpunkt (n = 57) Messzeitpunkt (n = 50) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% trifft zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft nicht zu Abbildung 15: Gesamteindruck vom Gesundheitsdialog, getrennt nach Messzeitpunkt Medizinische Betreuung Die Fragen zur medizinischen Betreuung werden von den TeilnehmerInnen des Gesundheitsdialoges zum ersten Messzeitpunkt fast durchgehend positiv beantwortet. Bei Zusammenlegung der Antwortkategorien trifft zu und trifft eher zu zeigt sich folgendes Bild: Die TeilnehmerInnen am Gesundheitsdialog finden die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung hilfreich (100%) und beurteilen die Therapieeinstellung als sehr gut (96%). Sie haben das Gefühl, durch den Gesundheitsdialog intensiver betreut zu werden (100%) und finden das zur Verfügung gestellte Informationsmaterial verständlich (99%). Ein größeres Angebot an Informationsmaterial wünschen sich 39% (Abbildung 16, 1. Messzeitpunkt). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 34

43 Medizinische Betreuung im Rahmen des Gesundheitsdialoges Diabetes mellitus 1. Messzeitpunkt Die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung finde ich hilfreich. (n = 82) 93 7 Die Therapieeinstellungen im Rahmen der medizinischen Betreuung sind sehr gut. ( n = 79) Durch den Gesundheitsdialog habe ich das Gefühl intensiver betreut zu werden. ( n = 81) Das zur Verfügung gestellte Informationsmaterial ist sehr verständlich. ( n = 80) Ein größeres Angebot an Informationsmaterial wäre wünschenswert. ( n = 79) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% trifft zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft nicht zu 2. Messzeitpunkt Die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung finde ich hilfreich. ( n = 56) Die Therapieeinstellungen im Rahmen der medizinischen Betreuung sind sehr gut. ( n = 56) Durch den Gesundheitsdialog habe ich das Gefühl intensiver betreut zu werden. ( n = 56) Das zur Verfügung gestellte Informationsmaterial ist sehr verständlich. ( n = 56) Ein größeres Angebot an Informationsmaterial wäre wünschenswert. ( n = 55) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% trifft zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft nicht zu 3. Messzeitpunkt Die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung finde ich hilfreich. ( n = 51) Die Therapieeinstellungen im Rahmen der medizinischen Betreuung sind sehr gut. ( n = 51) Durch den Gesundheitsdialog habe ich das Gefühl intensiver betreut zu werden. ( n = 51) Das zur Verfügung gestellte Informationsmaterial ist sehr verständlich. ( n = 51) Ein größeres Angebot an Informationsmaterial wäre wünschenswert. ( n = 51) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% trifft zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft nicht zu Abbildung 16: Medizinische Betreuung getrennt nach Messzeitpunkt. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 35

44 Diese Fragen wurden auch zum zweiten und dritten Messzeitpunkt vorgegeben. Das Antwortverhalten ist ebenfalls in Abbildung 16 dargestellt. Für inferenzstatistische Vergleiche mit parametrischen Verfahren wurden die Antwortkategorien mit 0 (trifft nicht zu), 1 (trifft eher nicht zu), 2 (trifft eher zu) und 3 (trifft zu) codiert. Verlaufsanalysen über alle drei Messzeitpunkte zeigen eine Verschlechterung beim ersten Item Die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung finde ich hilfreich [F(1,7 66,5) = 3,51, p.05, Abbildung 17]. Paarweise Vergleiche zwischen dem ersten und dritten Messzeitpunkt bestätigen dieses Ergebnis und zeigen zusätzlich, dass die TeilnehmerInnen beim dritten Messzeitpunkt dem Item Durch den Gesundheitsdialog habe ich das Gefühl intensiver betreut zu werden weniger stark zustimmen [T(47) = 2,30, p.05, Abbildung 18]. Die Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung finde ich hilfreich. 3,0 2,98 2,83 2,73 2,5 0 = trifft nicht zu 3 = trifft zu 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 1. MZP 2. MZP 3. MZP Abbildung 17: Beratung im Rahmen der medizinischen Betreuung (n = 41). Durch den Gesundheitsdialog habe ich das Gefühl intensiver betreut zu werden. 3,0 2,5 2,92 2,69 0 = trifft nicht zu 3 = trifft zu 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 1. MZP 3. MZP Abbildung 18: Betreuung durch den Gesundheitsdialog (n = 48). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 36

45 3.6.3 Meinung zum Gesundheitsdialog Beim dritten Messzeitpunkt (Aussendung 2. Tranche, Jänner 2012) wurden neue Items zur Bewertung des Gesundheitsdialoges integriert. Dabei zeigt sich das positive Bild, dass fast alle BefragungsteilnehmerInnen den Gesundheitsdialog für ein sinnvolles Instrument halten, angeben mit den technischen Geräten gut zurecht zu kommen und dass sie weiterhin am Gesundheitsdialog teilnehmen möchten. Alle stimmen dem Item Ich würde DiabetikerInnen die Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus weiterempfehlen (eher) zu (Abbildung 19). Meinung zum Gesundheitsdialog Diabetes mellitus Der Gesundheitsdialog ist ein sinnvolles Instrument zur Unterstützung der Diabetesbehandlung. (n = 30) Ich komme mit den für den Gesundheitsdialog benötigten technischen Geräten gut zurecht. (n = 30) Ich würde DiabetikerInnen die Teilnahme am Gesundheitsdialog Diabetes mellitus weiterempfehlen. (n = 28) Ich möchte auch weiterhin am Gesundheitsdialog teilnehmen. (n = 28) % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% trifft zu trifft eher zu trifft eher nicht zu trifft nicht zu Abbildung 19: Meinung zum Gesundheitsdialog Einbindung der Hausärztin/ des Hausarztes (Zweiter Messzeitpunkt) 39% der BefragungsteilnehmerInnen des zweiten Messzeitpunktes führen an, dass die Hausärztin/ der Hausarzt in den Gesundheitsdialog eingebunden ist, bei 61% ist dies nicht der Fall (Abbildung 20). 24% berichten, dass die Hausärztin/ der Hausarzt Zugriff auf das DiabMemory hat, 58% verneinen dies und 18% können darüber keine Auskunft geben (Abbildung 21). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 37

46 Ist Ihre Hausärztin/ Ihr Hausarzt in den Gesundheitsdialog Diabetes mellitus eingebunden? Hat Ihre Hausärztin/ Ihr Hausarzt Zugriff auf die Daten, die Sie ins DiabMemory eintragen? Abbildung 20: Beteiligung der Hausärztin/ des Hausarztes am Gesundheitsdialog Diabetes (n = 54). Abbildung 21: Zugriff der Hausärztin/ des Hausarztes auf das DiabMemory (n = 55) Rückmeldungen Person (Zweiter Messzeitpunkt) Fünf BefragungsteilnehmerInnen (9%) des zweiten Messzeitpunktes führen an, in den letzten sechs Monaten von keiner Person eine Rückmeldung über die ins DiabMemory übermittelten Daten erhalten zu haben. Über zwei Drittel (68%) erhielten Rückmeldungen von einer Ärztin/ einem Arzt aus Breitenstein, 12% von der Hausärztin/ dem Hausarzt und 19% führen andere Personen an, wobei hier durchgehend ÄrztInnen genannt werden (Abbildung 22). Haben Sie innerhalb der letzten sechs Monate (nach Ihrem Aufenthalt in Breitenstein) von einer Ärztin/ einem Arzt Rückmeldungen über die von Ihnen ins DiabMemory übermittelten Daten erhalten? (Mehrere Antworten möglich) Ja, von meiner Hausärztin/ meinem Hausarzt Ja, von einer Ärztin/ einem Arzt aus Breitenstein Ja, von einer anderen Person: Nein Abbildung 22: Person, die Rückmeldung über die ins DiabMemory übermittelten Daten erteilt (n =57). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 38

47 3.6.6 Anzahl der Rückmeldungen (Zweiter Messzeitpunkt) Auf die Frage nach der (geschätzten) Häufigkeit an erhaltenen Rückmeldungen bezüglich der ins DiabMemory übermittelten Daten innerhalb der letzten sechs Monate reichen die Antworten von 0 bis 30 Rückmeldungen (Abbildung 23). Der Durchschnitt liegt bei neun Rückmeldungen (SD = 8). Wie oft haben Sie in den letzten sechs Monaten eine Rückmeldung in Bezug auf die von Ihnen übermittelten Daten erhalten? (Wenn Sie es nicht genau wissen, ist eine Schätzung ausreichend.) Anzahl Personen Anzahl der Rückmeldungen Abbildung 23: Anzahl der Rückmeldungen in Bezug auf die ins DiabMemory übermittelten Daten (n = 53) Anzahl der Rückmeldungen (Dritter Messzeitpunkt) Beim dritten Messzeitpunkt war die Frage nach der Anzahl der Rückmeldungen je nach Tranche unterschiedlich. Die Aussendung im November 2011 enthielt diesbezüglich die gleiche Frage wie zum zweiten Messzeitpunkt also die geschätzte Anzahl an Rückmeldungen innerhalb der letzten sechs Monate. Der Mittelwert liegt hier bei durchschnittlich sieben Rückmeldungen und die Antworten reichen von 0 bis 48 Rückmeldungen (SD = 11, n = 22, Abbildung 24). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 39

48 Wie oft haben Sie in den letzten sechs Monaten eine Rückmeldung in Bezug auf die von Ihnen übermittelten Daten erhalten? (Wenn Sie es nicht genau wissen, ist eine Schätzung ausreichend.) Anzahl Personen " 25 " 48 Anzahl der Rückmeldungen Abbildung 24: Anzahl der Rückmeldungen, dritter Messzeitpunkt, 1. Tranche (n = 22). Die Aussendung im Jänner 2012 enthielt die adaptierte Frage, die Anzahl der Rückmeldungen innerhalb der letzten vier Wochen anzugeben bzw. zu schätzen. Die Spannweite reicht von 0 bis 10 Rückmeldungen, der Mittelwert beträgt drei Rückmeldungen (SD = 2, n = 28, Abbildung 27). Wie oft haben Sie in den letzten vier Wochen eine Rückmeldung in Bezug auf die von Ihnen übermittelten Daten erhalten? (Wenn Sie es nicht genau wissen, ist eine Schätzung ausreichend.) Anzahl Personen Anzahl der Rückmeldungen Abbildung 25: Anzahl der Rückmeldungen, dritter Messzeitpunkt, 2. Tranche (n = 28). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 40

49 3.6.8 Für die Rückmeldung verwendete Kommunikationswege (Zweiter Messzeitpunkt) Zwei Drittel der Befragten (67%) führen an, Rückmeldungen per SMS erhalten zu haben. Je etwas mehr als 10% erhielten Rückmeldungen über das Telefon, ein persönliches Gespräch in der Praxis, per oder führten bei Sonstiges das DiabMemory an (Abbildung 26). (Ergänzend sei hierzu erwähnt, dass Einträge ins DiabMemory auch mit dem Verschicken von SMS gekoppelt sein können.) Wie haben Sie die Rückmeldung erhalten? (Mehrere Antworten möglich) Telefonanruf SMS Persönliches Gespräch in der Praxis der Ärztin/ des Arztes Sonstiges: Abbildung 26: Für die Rückmeldung verwendete Kommunikationswege (n = 57) Anlass der Rückmeldung (Zweiter Messzeitpunkt) Am häufigsten erhalten die DiabetikerInnen die Rückmeldung, dass alles in Ordnung ist (77%). 18% erhielten (zumindest) eine Rückmeldung bezüglich Überzuckerung, niemand bezüglich Unterzuckerung (Abbildung 27). Als andere Gründe für Rückmeldungen (23%) werden z.b. Blutdruck, Gewicht oder die Übermittlung von Empfehlungen angeführt. Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 41

50 Was war der Anlassfall für die Rückmeldung? (Mehrere Antworten möglich) Rückmeldung, dass alles in Ordnung ist Überzuckerung Unterzuckerung Anderer Grund: Abbildung 27: Anlass der Rückmeldung (n = 57) Nutzung des DiabMemory durch die DiabetikerInnen (Dritter Messzeitpunkt) Die Aussendung im Jänner 2012 enthielt zusätzlich die Frage, wie häufig sich die DiabetikerInnen in den letzten vier Wochen Übersichtsdarstellungen (Tages- und Wochenverläufe) im DiabMemory angesehen haben. Die Befragten geben an, dies im Durchschnitt dreimal gemacht zu haben, wobei die Antworten von nie bis zehnmal reichen (SD = 3, n = 23, Abbildung 28). Wie oft haben Sie sich in den letzten vier Wochen die Übersichtsdarstellung der Daten (Tages- und Wochenverläufe) im DiabMemory (Web-Portal) angesehen? Anzahl Personen Häufigkeit des Ansehens von Übersichtstabellen Abbildung 28: Übersichtsdarstellungen im DiabMemory (n = 23). Evaluation Gesundheitsdialog Diabetes mellitus 42

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