Regeneration des Großen Torfmoores

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1 Regeneration des Großen Torfmoores

2 Inhaltsverzeichnis Das Große Torfmoor 02 Das Europäische Schutzgebiet 03 Wasser das Wichtigste! 04 Das LIFE-Natur Projekt Regeneration des Großen Torfmoores 05 Das Moor wird wieder nasser! 06 Das Große Torfmoor verändert sich! 07 Eine offene Landschaft entsteht 08 Mensch und Natur 09 Das Moor kann wieder wachsen 10 1

3 Das Große Torfmoor Das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor (550 ha) liegt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen zwischen Wiehengebirge und Mittellandkanal in den Kommunen Lübbecke und Hille. Es beherbergt eine große Anzahl seltener, teils vom Aussterben bedrohter Tierund Pflanzenarten. Hochmoortypische Lebensgemeinschaften sind auf großer Fläche bis heute erhalten geblieben. Das Große Torfmoor besitzt eine europaweite Bedeutung für den Naturschutz. Deshalb ist es FFH-Gebiet (Flora- Fauna-Habitatrichtlinie) und EU- Vogelschutzgebiet. Das Große Torfmoor gehört somit zum Europäischen Schutzgebietssystem NATURA Das Große Torfmoor, Blick vom Nordturm 2

4 Das Europäische Schutzgebiet NATURA 2000 heißt das große System von Schutzgebieten, zu dessen Aufbau sich alle Länder der Europäischen Union verpflichtet haben. Es soll dazu beitragen, das Europäische Naturerbe zu erhalten. Die wertvollsten Lebensräume Europas sollen durch das Netzwerk NATURA 2000 geschützt werden. LIFE ist eine finanzielle Förderung für die europäischen NAT- URA 2000 Schutzgebiete. Zur Optimierung des Gebietes wurde 2003 das LIFE-Natur Projekt Regeneration des Großen Torfmoores von der europäischen Kommission bewilligt. Mit einem Finanzvolumen von 1,8 Millionen Euro erfolgte von die praktische Umsetzung der Maß- nahmen. Das LIFE-Natur Projekt wurde vom NABU durchgeführt und vom Planungsbüro Belting Umweltplanung begleitet. Die Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, der Bezirksregierung Detmold, dem Kreis Minden-Lübbecke, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und den angrenzenden Gemeinden. Das LIFE-Natur Projekt wurde je zur Hälfte von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen finanziert. Nach Beendigung des LIFE- Natur Projektes unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen weiterhin die Erhaltungsmaßnahmen. 3

5 Wasser das Wichtigste! Hochmoore entstehen nur in regenreichen Gebieten. Ein lebendes Hochmoor wird ausschließlich vom Regenwasser gespeist. Eine Verbindung zum nährstoffreichen Wasser der Umgebung gibt es nicht. Das Große Torfmoor wurde in den Randbereichen bereits vor Jahrhunderten zur Torfgewinnung genutzt. Die damit verbundene Entwässerung wurde bis in die 1960er Jahren verstärkt. Die Abtorfung erfolgte seit jeher im bäuerlichen Handtorfstichverfahren, lokal begrenzt auch zur Badetorfgewinnung. In den sechziger Jahren wurde der bäuerliche Torfabbau aufgegeben. Entwässerung und Torfgewinnung führten aber zu einem starken Rückgang der hochmoortypischen Tier- und Pflanzenarten. Im lebenden Hochmoor gibt es viele wassergefüllte Schlenken. Hochmoore haben einen eigenen Moorwasserspiegel, der mit jeder Torfschicht mit wächst. Nur spezielle Pflanzen und Tiere können hier leben. Bäume sind selten. Mit zunehmender Entwässerung sinkt der Moorwasserspiegel ab. Bäume können wachsen. Sie verdunsten sehr viel Feuchtigkeit und entziehen dem Moor zusätzlich Wasser. Die Moorzersetzung schreitet voran und das Moor sackt in sich zusammen. Um die Hochmoorflächen für den Naturschutz wieder zu entwickeln, begann das Land Nordrhein-Westfalen bereits Anfang der 70er Jahre mit dem Flächenankauf. Schon in dieser Zeit erfolgten durch Anstau der Gräben erste Wiederver- nässungsmaßnahmen. Aufgrund dieser Maßnahmen sowie weiterer Pflege- und Entwicklungsarbeiten konnte die Flora und Fauna in weiten Bereichen erhalten werden. 4

6 Das LIFE-Natur Projekt Regeneration des Großen Torfmoores Die Regeneration des Großen Torfmoores mit einer Optimierung des Gebietes im Sinne der Flora- Fauna-Habitat-Richtlinie waren die Ziele des LIFE-Natur Projektes. Der Schutz und die Entwicklung der FFH-Lebensräume und Arten sowie der sonstigen hochmoortypischen Flora und Fauna standen im Vordergrund. Moosbeere mit Torfmoosen Glockenheide Die Projektziele im Einzelnen: Flächen-Arrondierung des Hochmoorbereiches durch Ankauf letzter Privatgrundstücke im Umfang von 15 ha Abschluss der Wiedervernässung des Moores durch Errichtung von Dämmen und Stauanlagen (ca. 430 ha) Regeneration hochmoortypischer Vegetationsbestände und einer Hochmoor-Fauna durch Entbuschung, Schlegelmahd, Schafbeweidung und Flächenabschiebung in Teilbereichen Verhinderung des Zuflusses von nährstoffbelastetem Wasser in den zentralen Hochmoorbereich Eindämmung der Ausbreitung standortfremder Arten Reduzierung von Störungen durch Lenkung des Besucherverkehrs Einbindung des sozio-ökonomischen Umfeldes durch Öffentlichkeitsarbeit Erfahrungsaustausch mit anderen Moor- und LIFE-Projekten 5

7 Das Moor wird wieder nasser! Mit den Wiedervernässungsmaßnahmen soll das Niederschlagswasser im Hochmoor gehalten werden. Dazu wurden 22 km Torfdämme, 17 Überlaufstaue und 1 regulierbarer Stau gebaut. 13 ha Torfmaterial wurden abgeschoben und auf 11 km die Gräben verfüllt. Das Abschrägen von Handtorfstichkanten erfolgte auf einer Länge von 3 km. Der Bau von 10 Laichgewässern soll die Lebensraumbedingungen für selten gewordene Feuchtgebietspflanzen und -tiere verbessern. 6

8 Das Große Torfmoor verändert sich! Zur Wiedervernässung wurden Torfdämme angelegt. Das Regenwasser bleibt im Hochmoor. Nachdem die obere Torfschicht abgeschoben und Mulden angelegt wurden, siedeln sich Moorpflanzen an. Entwässerungsgräben werden mit Holzbohlen angestaut oder mit Torfmaterial verschlossen. Wanderwege dienen jetzt als Staukörper und wurden mit Geozellen abgedeckt. Die veränderten Wasserstände werden untersucht. Der Wasserspiegel ist deutlich angestiegen. Das Foto vom April 2005 zeigt die Wiedervernässungsmaßnahmen. Das Wasser wird in den Poldern gehalten. 7

9 Eine offene Landschaft entsteht Mit der Entwässerung kamen die Birken. Sie entziehen dem Moor Wasser und verdrängen moortypische Pflanzen und Tiere, die eine offene Landschaft brauchen. Die Abholzungen konnten nur mit Spezialmaschinen mit einem geringen Bodendruck erfolgen. In ganz nassen Bereichen wurden Raupenfahrzeuge eingesetzt. Auf einer Fläche von 55 ha wurden große Birken abgeholzt. Das Holz wurde gehäckselt und auf Torfdämme verteilt, die jetzt als Schaftrift genutzt werden. Birken mit Pfeifengras wurden mit der Forstfräse bearbeitet. Schon nach einem Jahr wuchsen auf den Flächen hochmoortypische Pflanzen wie die Moosbeere. Die Schlegelmahd zur Entfernung von kleinen Birken erfolgte auf 57 ha. Auf besonders nassen Flächen wurden die Birken mit dem Freischneider entfernt. Nach den mechanischen Abholzungen fressen Schafe die neu ausgetriebenen Birken und schaffen offene Bereiche. Hochmoortypische Pflanzen können sich ansiedeln. 8

10 Mensch und Natur Das Große Torfmoor wird von einer großen Besucherzahl aufgesucht. In der Zeit des LIFE-Natur Projektes wurden mit dem Bau des Naturerlebnispfades und der Beobachtungstürme sowie der Erstellung der Begleitbroschüre für die Besucher viele Anreize ge- schaffen das Große Torfmoor zu erkunden. Eine naturgerechte Besucherlenkung erfolgte durch den Bau von Wegen, Wegweisern, Absperrungen, Infotafeln und der Erstellung eines Flyers mit Wanderkarte. Der Naturerlebnispfad gehört mit seinem Nachbau eines historischen Bohlenweges zu den Attraktionen. In der Matschkuhle können die Besucher Moor mit allen Sinnen erfahren. Die Tafeln an den Parkplätzen geben Informationen über das Große Torfmoor und zeigen die Wanderwege. Mit Fachleuten, Besuchern und den lokalen Akteuren wurden Erfahrungen und Informationen ausgetauscht. Weitere Informationen gibt es unter 9

11 Das Moor kann wieder wachsen Mit der Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen des LIFE-Natur Projektes hat sich das Große Torfmoor innerhalb der Projektlaufzeit stark verändert. Die Auswirkungen der Maßnahmen werden untersucht. Die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere haben sich bereits verbessert. Früher Heute Die 31 Kontrollflächen zeigen positive Vegetationsentwicklungen mit einer Zunahme der Torfmoose und einem deutlichem Rückgang der Gehölze. Die Regeneration des Großen Torfmoores braucht Zeit. Langsam geht es in Richtung Moorwachstum. Mit dem LIFE-Natur Projekt wurde ein großer Schritt in die richtige Richtung gemacht. Der Erfahrungsaustausch auch über Eine Zunahme der Offenlandarten wie Kiebitz und Bekassine ist zu verzeichnen. Seit 2007 ist regelmäßig ein Kranichpaar zu beobachten. nationale Grenzen hinaus war gut und hilfreich. Viele der geknüpften Kontakte werden auch nach Beendigung des LIFE-Natur Projekts bestehen bleiben und somit eine nachhaltige europäische Zusammenarbeit ermöglichen. 10

12 Projektmanagement NABU Kreisverband Minden-Lübbecke e.v. Erichstr. 4, Minden Belting Umweltplanung Schwatte Damm 50, Quernheim Herausgeber: NABU Kreisverband Minden-Lübbecke e.v.; Text: Belting Umweltplanung, NABU; Fotos: S. Belting, M. Bink; Layout: Umschlag J.-M. Kühn, Innenteil Belting Umweltplanung; Stand Mai 2008

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