VOLKSSCHULE EISENKAPPEL. Schuljahr 1917/18

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1 VOLKSSCHULE EISENKAPPEL Schuljahr 1917/18 Beginn am 13. April Klassen: I. Frl. Rink, II. Frl. Stück, III. Frl. Schartner, IV. Frl. Piskernik, V. Sch.Ln. Heinrich Roblegg. I. 66, II. 40, III. 57, IV. 68, V.a 36, V.b 24 = 291 Schüler Hiervon sommerbefreit: I. 9, II. 8, III. 16, IV. 29, V 26 = sommerschulbesuchende. R.Kr.Sammlung: 2.u.3. Juni 1917 durch Schüler der 5. Klasse. 100 K. Darunter Brot und Mehlbezug vom 10. Juni 1917 an. Bezirkssammelausschuß: 1917 Primia: Am 15. Juli 1917 fand die Primia des Herrn Widitz statt. Religionslehrer Wechsel: Am 16. Juli übersiedelte der Herr Kaplan Ignaz Malej nach Windisch-St. Michael, wohin er als Provisor versetzt wurde. - Sein Nachfolger ist der Herr Kaplan Alois Skriner, der hier neu angestellt wurde. 25jähriges Priesterjubelfest: Am 29. Juli 1917 feierte Sr. Hochwürden der Herr Pfarrer Matthäus Germ sein 25-jähriges Priesterjubelfest. Am Vorabende wurde dem Jubilar von dem Kirchensängern unter Führung der bisher bei ihm gewesenen Kapläne ein Ständchen gebracht, das eine zahlreiche Schar Zuhörer anlockte. Am Festtage selbst ging vom Pfarrhofe aus eine Prozession zur Maria-Dorn-Kirche, woselbst der Jubilar das Hochamt unter Assistenz der erschienenen Kapläne las. - Die vielen dargebrachten Geschenke, unter anderen ein von den Eisenkappler Frauen gewidmetes schönes silbernes Schreibzeug, ein von der Lehrerschaft gespendeter schöner silberner Blumenhälter, ein von den Kaplänen gestifteter goldener Kelch u.n.v.a. wie auch das Gratulationsschreiben der Eisenkappler Gemeindevertretung, beweisen die große Verehrung des Herrn Pfarrers. Auch der Lehrkörper mit der Schuljugend erschien zur Gratulation beim Jubilar, der zugleich Ortsschulratsobmann ist. Eingestellter Zugverkehr: In der Zeit vom Ende Juli bis 20. August gab es auf der Strecke Eisenkappel-Kühnsdorf keinen Zugverkehr, da beide Maschinen gebrochen waren und zur Ausbesserung fortgesandt werden mußten. Die 2 nacheinander eingetroffenen Ersatzmaschinen waren ebenfalls unbrauchbar. Erst am langte wieder eine brauchbare Maschine ein, sodaß der Zugsverkehr nun wieder aufgenommen werden konnte. Wohltätigkeitsaufführung: Am 11. August 1917 fand in den Räumen des Gasthofes des Herrn Bürgermeisters Niederdorfer eine sehr gut besuchte musikalische Aufführung statt. Das Reinerträgnis i.b. v. 240 K floß dem Fonde für die Kärntner Kriegsblinden zu. Kriegsauszeichnung: Herr Lorenz Meßner, Lehrer hieselbst u. Leutnant an einem dalmatinischen Bw.Inst.Reg. hatte die schweren Isonzoschlachten als Kommandant einer Maschinengewehrabteilung mitgemacht und wurde schon 1916 mit der Silb. Med. 2.

2 Klasse ausgezeichnet. Durch viele Monate hielt dieser tapfere Lehrerheld mit seinen braven Dalmatinern im Sturmgebraus auf der Podgora-Höhe allen Anstürmen des welschen Verräters stand. Nun wurde sein Heldenmut durch eine hohe kaiserliche Auszeichnungen belohnt, denn er erhielt das Militärverdienstkreuz 3. Klasse. Gegenwärtig befindet er sich im Krankenzustande in Neuhaus bei Cilli. Herr Karl Kogelnig, Lehrer hierselbst u. Zugskommandant des kärntn. freiw. Sch.Reg. steht seit Kriegsausbruch mit Italien gegen den welschen Verräter im Felde. Er wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuze am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Große Kälte: Von Mitte Jänner bis Mitte Feber 1917 herrschte eine sehr große Kälte. Am 9.II.1917 die elektrische Beleuchtung eingefroren. Zugsverkehrswiederaufnahme: Der seit 13. Dez.1916 infolge Überschwerung und Zerstörung der Strecke zwischen Rechberg und Miklautzhof wurde nach endlich erfolgter Wiederherstellung am 5. Feber 1917 zwischen Eisenkappel u. Miklautzhof wieder aufgenommen, so daß die ganze Lokalbahnstrecke wieder offen und befahrbar ist. - Nach Wiederaufnahme fanden auf der Strecke große Schneeverwehungen statt, so daß der Zug mit argen Verspätungen in Eisenkappel eintraf. Am 19. Februar 1917 trafen endlich die heißersehnten 22 Paar Kriegsschuhe mit Holzsohlen ein und wurden unter die Schüler, welche sie bestellten, verteilt (6 K 60 h - 8 K 20 h - 10 K 30 h). Es erfolgten späterhin noch viele Bestellungen. Auszeichnung eines Lehrers: Der an der hiesigen Volksschule angestellte Lehrer Hubert Huber, Leutnant im k.u.k. Lw. I.Reg. Nr. 4, erhielt für sein tapferes Verhalten vor dem Friede (Galizien und italienische Grenze) das Signum landis. Zucker und Kaffeeverbrauch gekürzt: Von Mitte Feber 1917 an lautet die für einen vollen Monat giltige Zuckerkarte nur auf 3/4 kg gegen früher 1 kg. Die Kaffeekarte lautet von Mitte Jänner 1917 an für 8 Wochen nur auf 1/8 kg. Fettaufnahme im Februar (Butter und Speck) Stichproben über die Getreide und Fettaufnahme ergeben in mehreren Fällen große seinerzeitige Verheimlichungen von Getreide und Fett. Einleitung des elektr. Lichtes in die Schulleiterwohnung am 8., 9. u. 10. März Sommerbefreiung: Vom k.k. L.Sch.R. wurde die Sommerbefreiung f an alle 10 - u. mehrjährigen Schüler gewährt. (Landwirtschaftliche Arbeiten). Inspektion durch Herrn k.k. B.Sch.Inspektor Josef Lackner: Am 16.III.1917 I. Kl. (Frl. Rink) u. VI. Kl. (Frl. Schartner). Der vom 10. Juni 1917 an verminderte Brot- und Mehlbezug wird vom 2. Sept an wieder auf das frühere Ausmaß erhöht. Außerdem sagt die Verordnung, daß vom Anfang Oktober 17 an außer dem Mehlbezug auch noh Zubußen (Grieß, Rollgerste, Haferreis u. Teigwaren) mittels eigener Nährmittelkarten abgegeben werden sollen u. zw. pro Person und Woche 1/4 kg.

3 Ernteschätzung: In den Monaten Juli - Oktober kamen sämtliche Feldfrüchte sowie Futtermittel zur Schätzung. Militär eingetroffen: Am 22. August 1917 langten 300 Mann ungarischen Volkstums hier ein, die zur Schlägerung von 1000 Festmeter Holz bestimmt sind. Große Dürre, die den ganzen Sommer 1917 hindurch anhielt, hatte schlechte Getreidernte und großen Futtermangel zur Folge. Die Viehbesitzer sind gezwungen bis zur Hälfte des Bestandes Vieh zu verkaufen. 2. Glockenabnahme: Am 19. Sept wurde in der Mariadorn Kirche die große und in der Pfarrkirche die 3. Glocke für Kriegszwecke abgenommen. In jeder der 2 Kirchen verbleibt nur noch eine Glocke. Kriegsauszeichnung: Herr Lorenz Meßner, Lehrer in Eisenkappel, erhielt als Leutnant und Kommandant einer Maschinengewehrabteilung in einem dalmatinischen Schützenregiment für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde an der heißumstrittenen Isonzofront um schon die 4. Auszeichnung u. zw. die bronzene Militär-Verdienst-Medaille (Signum landis). Seine früher erworbenen Auszeichnungen sind: Das M.V.Kr. III. Kl., die S.F.M. 2. Kl. und das Kaiser Karl Truppen Kreuz. Militärische Einquartierung und Durchzug: In der Zeit vom Oktober war in Eisenkappel ein kroatisches Bataillon (684 Mann) einquartiert. Auch das Ersatzschulzimmer im Bürgerspital diese zu Einquartierungszwecke. Am 29. Sept begann der Durchzug von deutschem Militär, das von Flandern und von der galizischen Front unseren am Isonzo im harten Kampfe mit den welschen Feinden stehenden Truppen in Bundestreue zur Hilfe eilte. Batterien, Lastkraftwagen, Sanitätskraftwagen, Reiter, Fußtruppen u. a. kamen hindurch um über den Seeberg nach Krain und weiter an den Isonzo zu ziehen. Dieser Durchzug dauerte noch in den folgenden Wochen. Die Deutschen Verbündeten wurden in unserem Orte mit Freuden begrüßt und mit Obst, Zigaretten usw. beteilt. Vom an fanden wiederholte Einquartierungsen reichsdeutscher Truppen statt (u.zw. auch im Schulhause). Soldatenbegräbnis: Am 9. Oktober wurde die Leiche eines ungarischen Soldaten (Familienvater) zur letzten Ruhestätte getragen. Eine Abteilung seiner Truppe gab ihm das Ehrengeleite. 3 Gewehrsalven, Sologesang eines ungarischen Trauerliedes und knieend am Grabe erweihtete Gebete seiner Kameraden waren seine letzte Ehrung. Wettersturz: Nach der schönen Witterung trat am 5. Okt. ein Wettersturz ein. Strömender Landregen, Schneefälle besonders in der höheren Lage (6. u. 12), furchtbarer Sturm traten ein. Der Sturm der in den Nachmittagsstunden des 11. Okt. wütete, richtete in den Wäldern und bei den Obstbäumen großen Schaden an. Eine große Anzahl von Bäumen wurde entweder entwurzelt oder geknickt; das Obst fiel massenhaft ab, Äste wurden abgebrochen, Zäune umgerissen. Neuherstellung der einsturzgefährlichen Zimmerdecke in der II. Klasse. Am 8. Okt. wurde mit derselben begonnen. Die Arbeit wird bis 1. Nov. vollendet.

4 Durchzug von Deutschem Militär: In der Zeit vom 29. Sept. bis 17. Okt zog eine reichsdeutsche Division (Württemberger) durch Eisenkappel, um an die Isonzofront zu kommen. Für die Kranken der durchziehenden Truppen war in der Zeit vom Oktober im Schulhause eine Krankenstube errichtet. Seifenkarten zum geregelten Bezuge von Seife wurden zum erstenmal von der Gemeindevertretung am 28. Oktober 1917 ausgegeben. Zur Regelung des Kleiderbezuges werden von der Regierung Kleiderbezugsscheine ausgegeben. Vom 1. November 1917 an wird der Zuckerverbrauch derart eingeschränkt, das pro Person und Monat 1/2 kg Zucker bezogen werden kann. Hinausschiebung des Unterrichtsbeginnes: Da die Reinigung (Weißen und Reiben) der Schulräume erst am 17. November beendet wurde, konnte der regelmäßige Unterricht erst am 19. November aufgenommen werden. Die II. Klasse übersiedelte nun aus dem Ersatzschulraum am oberen Geist in das wiederhergestellte Klassenzimmer. Regelung des Milchbezuges durch die Parteien: Am 21. Nov wurde für die Bewohner Eisenkappels mit dem geregelten Milchbezuge begonnen. Geldsammlung für die Neuherstellung eines zerstörten Schulhauses im Kärntner Kriegsgebiete: Von der Kärntner-Lehrer-Bundesleitung wurde im November 1917 unter der Lehrerschaft und Schuljugend Kärntens eine Geldsammlung zum Zwecke der Neuherstellung und durch italienische Granaten zerstörten Schulhause im Kärntner Kriegsgebiete u. entweder im Gail- oder im Kanaltale eingeleitet. Da an dieser Sammlung zu errichtende Schulhaus soll die Aufschrift erhalten "Gewidmet von der Lehrerschaft und Schuljugend Kärntens", das Ergebnis der in Eisenkappel eingeleiteten Sammlung war: 1. Schulsammlung 61 K 53 h 2. Haussammlung 314 K 60 h Summe 376 K 13 h 3. Nachträgl. freiwillige Spenden 35 K 20 h = 411 K 33 h. Verkürzung der Wahlquote von Mitte Jänner 1918 an um 1/2 kg pro Person und Woche. Sammlung "Bücher ins Feld": Im Jänner 1918 wurde zufolge behördlichen Auftrages von der Schule aus eine Sammlung von unterhaltenden und belehrenden Büchern für die Soldaten im Felde und für die Krieger in Spitälern und Erholungsheimen in Eisenkappel eingeleitet. Dieselbe hatte ein Ergebnis von rund 500 Büchern, die teils an die Sammelstelle des k.k. Kriegsministeriums in Wien, XX. Nordwestbahnhof, teil an Spitäler abgesandt wurden. Bunter Abend: Zu Gunsten der Kärntner Witwen u. Waisen u.d. Kärntner Lehrer W.u.W. veranstaltete der Lehrkörper der hiesigen Volksschule am 9. Februar 1918 in Niederdorfers Theatersaal einen bunten Abend. Reinerträgnis: 130 K + 15 K. Unterrichtsentfall infolge Brennholzmangels am 9.II. I. u. IV. Kl., vom 11.II.-16.II. alle 6 Klassen. Am 18.II.1918 Wiederaufnahme des regelmäßigen Unterrichtes.

5 Schluß des Schuljahres 1917/18 am 23. März Schuljahr 1918/19 Beginn des Schuljahres 1918/19 am 3. April I. Klasse: Rink Maria, Lehrerin 41 Kn M. = 74 II. Klasse: Stuck Anna, Lehrerin 23 " + 27 " = 50 III. Klasse: Schartner Julie, AL. 30 " + 29 " = 59 IV. Klasse: Piskernik Fried. 26 " + 35 " = 61 V. Klasse: Roblegg Heinrich, Obl. 20 " + 23 " = Kn M. = 287 Exkurrendoklasse: Roblegg Heinrich 52 Kn M. = 96 Zu schwach f.d. Schulbesuch in diesem Schuljahr: 45 Zu weit Entfernte: 51 Zu Hause Unterrichtete: 4 Die Schule in Sittersdorf besuchend: 3 Körperlich und geistig gebrechlich: 9 Schulpflichtige: 494 Verkauf des Gregorhofes: Am 7. Mai 1918 verkaufte die Frau Bartolitsch Maria ihren in Eisenkappel liegenden Besitz namens "Gregorhof" an einen kroatischen Juden, der Besitz verbleibt jedoch nicht in den Händen des Käufers, sondern wird weiter veräußert. Feuerbrunst: Am 8. Mai 1918 brach in der vlg. Hupitz-Behausung des Lipusch Georg in Renschenigg infolge Kaminbrandes ein Großfeuer aus, das in knapper Zeit das Wohnahsu samt den Wirtschaftsgebäuden bis auf die kahlen Mauern einäscherte. Nur das Vieh und das Bargeld konnten gerettet werden. Die großen Fleisch- u. Fettvorräte sowie die Einrichtungsgegenstände usw. fielen sämtlich dem Feuer zum Opfer. Der Besitzer erleidet einen großen Schaden, da er die Gebäude usw. nur mit dem Betrage der Friedenszeit versichert hatte und der Wiederaufbau in der gegenwärtigen Zeit bei den herrschenden großen Holzpreisen u.a. eine bedeutend höhere Summe verschlingen würde. Im Sommer 1917 fiel ebenfalls ein größerer Besitz, nämlich der vlg. Jereb-Besitz in Ebriach dem furchtbaren Elemente zum Opfer. Raucherkarten: Am 18. Juni 1918 wurden zum erstenmal Tabakwaren (Rauchwaren) auf Raucherkarten ausgegeben. Neue Waggone: Am 18. Juni 1918 erhielt die Lokalbahn neue Personen u.a. Waggone. Kürzung des Brotmehlbezuges: Vom 22. Juni 1918 an erfolgte eine Kürzung im Bezuge von Mehl u.zw. i.d. Art, daß Brotmehl nur noch die Hälfte des bisherigen Ausmaßes verteilt wurde, während das Kochmehl in vollen bisherigen Ausmaße zur Ausgabe gelangte.

6 Kein Jahrmarkt: Am 2. Juli 1918 fand zufolge gemeindeämtlicher Verfügung kein Jahrmarkt statt. Die vorherigen Jahrmärkte waren seitens der Kaufleute u. Krämer immer schlechter besucht, da nach und nach fast alle Waren vom Staate beschlagnahmt worden waren und nicht mehr oder nur gegen Karten zum Verkaufe gelangten. Der letzte Jahrmarkt am 1. Mai 1918 wird etwa 5-6 Verkaufsbuden auf. Mord durch Wilddiebe: Am 2. August 1918 fand ein Arbeiter auf dem vlg. Kozlak-Grunde im Walde die Leiche des in gräfl. Diensten gestandenen Aufsichtsjägers Urbas Franz. Die gräfliche Kommission und Obduktion der Leiche ergab Tod durch auf ihn abegebenen Schüsse. Der Mord konnte nach der Sachlage nur durch Wilderer erfolgt sein, von denen der beruflich tüchtige Verstorbene gefürchtet und gehaßt war. Am 4. August erfolgte unter großer Beteiligung das Begräbnis. Den Hinterbliebenen, die so je ihres Ernährers beraubt worden waren, bringt man allgemeine Teilnahme entegegen. Militärische Beförderung: Im Sept wurde Karl Kogelnig, Lehrer in Eisenkappel und Schützenleutnant im k.k. Kärntner freiwilligen Schützenregiment zum Schützenoberleutnant befördert. Er ist Besitzer des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und ohne Krone mit Kriegsschmuck und den Schwertern und des Karl- Truppenkreuzes. Wettersturz: Am 2. Oktober 1918 früh trat nach länger dauernden Regen Schneefall ein, dem in den folgenden Tagen große Kälte folgte, die dem Felde und Gartenfrüchten großen Schaden verursachte. Hamsterei: Im Sommer u. Herbst 1918 blühte die Hamsterei die das behördliche Verbot um geheime Lebensmittelversorgung (Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte u.a.). am meisten. Die Züge der Lokalbahn waren täglich von Leuten mit Rucksäcken überfüllt. Auch die Anstellerei um Rindfleisch, das wöchentlich nur einmal zur Ausgabe gelangte, ging schon über alle Grenzen. Im Sommer und Herbst stellten sich manche Leute schon um 1h nachts bei der Fleischbank an, um ja nicht zu kurz zu kommen und als die ersten bedient zu werden. Die im J errichtete Bezirks-Kleiderbedarfsprüfungsstelle beim Gemeindeamte in Eisenkappel (die Herren Oberförster Nagele, Kaufmann Pribl und Bahnagent Oskar v. Pantz), die jeden Mittwoch nachmittags ihres Amtes waltet, wird bezüglich Kleider u. Schuhbedarf sehr stark in Anspruch genommen, da allseits großer Schuh- u. Kleidermangel herrscht, worunter auch der Schulbesuch leidet. Die unartige böse Kriegskrankheit "Grippe" oder Spanische Krankheit die im ganzen Reich heftig wütet, hat Mitte Okt auch hier ihren Einzug gehalten. Von dieser Krankheit werden meist die in den besseren Lebensjahren (16-40) stehenden Personen heimgesucht. Fast kein Haus blieb verschont. In manchen Familien lagen 3-4 Personen gleichzeitig krank darnieder. Mehrere Todesfälle! Der hier seit 1.I als provisorischer Schulleiter angestellte Oberlehrer Heinrich Roblegg der vorher in Reifnitz wirkte, wurde zur definitiven Oberlehrer hierselbst ernannt Erl. d. k.k. B.Sch.R. v , Z

7 Am 1., 2. u. 3. November zogen hier ungarische Truppen durch die nach allgemeiner Auflösung der Front gegen Italien durch Krain und über den Seeberg kamen, um in ihre Heimatgarnisonen zurückzukehren. Die heimischen Krieger kehren seit 1. Nov vereinzelt in den Heimatort zurück, nachdem die Front aufgelöst ist. Die Schule wurde vom Nov. wegen Epidemiegefahr (Grippe) geschlossen. Die Schließung dauerte bis 5. Dezember. Am 12. Nov. kam eine größere deutschböhmische Trainabteilung über den Seeberg hier an (300 Mann). Von dieser wurden von Marktbewohnern und Bauern aus der Umgebung viele Pferde u. Wagen zu Schleuderpreisen ( K) gekauft. - Am Abend des gleichen Tages erschien in 2 Lastautomobilen eine mit Handgranaten und 1 Maschinengewehr wohlbewaffnete jugoslawische Abteilung, welche ankündigte, daß sie zur Besetzung gekommen sei, da alles kärntnerische Gebiet südlich der Drau bereits zum jugoslawischen Staate gehöre. Diese Abteilung sang auf dem Platze slowenische Kampflieder. Sie verlangte durch den Ämtern die Hissung der jugoslawischen Nationalflagge. - Diese Abteilung fuhr am folgenden Morgen von hier ab u.zw. zur Besetzung der Miklautzhofer- Brücke. Am 25. Nov. um 3/4 9 Uhr früh starb die hier angestellte Aushilfslehrerin Frl. Julia Schartner bei hren Eltern in Klagenfurt an einer Folgekrankheit der tückischen Grippe. (Lungenentzündung, Rippenfellentzündung, Tuberkulose). So früh mußte die allseits beliebte Lehrerin ihr junges blühendes Leben lassen. Die hier definitiv angestellten Lehrkräfte Meßner Lorenz und Kogelnig Karl sind vom Militärdienste rückgekehrt, traten den Dienstposten am 1. Dez an, erhielten jedoch Urlaub bis 31. Dez Am 10. Dez erfolgte hier die Übernahme der Ämter (Post, Kuramt, 2 Gemeindeämter u. Straßenmeisterung) durch eine jugoslawische Kommission. Zum Gemeindekommissär für die Marktgemeinde Eisenkappel wurde der hiesige Postmeister Drobitsch bestimmt. Der Straßenmeister Wohlgemuth wurde seines Amtes entsetzt. Der Bürgermeister Josef Niederdorfer u. der ganze Gemeindeausschuß der Marktgemeinde Eisenkappel wurden abgesetzt. Der Postmeister wird unter Beihilfe des Bezirksförsters Primozic die Obliegenheiten f. die Marktgemeinde Eisenkappel besorgen. Dienstantritt: Die von der Front zurückgekehrten Lehrer Karl Kogelnig und Lorenz Meßner traten am 3. Jänner 1919 den Schuldienst an. Kogelnig übernahm die 5. Klasse. Die Dienstleistung des Lehrers Meßner wurde vom O.Sch.R. Obmann abgelehnt, da er sich zu Deutschösterreich bekannte. Slowenischer Unterricht: Zufolge Erlasses des "akroyini solski svet Velikovec" vom , Z wurde an der hiesigen Volksschule der vollkommene slowenische Unterricht am in allen aufgenommen. Auch die Amtssprache ist slowenisch. Ebenso müssen die Anschriften am und im Schulgebäude slowenisch sein.

8 Schuljahr 1954/55 Das Schuljahr 1954/55 begann mit und endete mit Das zu beschreibende Schuljahr ist als lückenhaft zu bezeichnen, denn verleidende Widerartigkeiten - wie Erkrankungen der Lehrkräfte u. ansteckende Krankheiten der Schüler haben dazu den Anlaß gegeben,- worauf wir später noch zu sprechen kommen. Wie im Vorjahre wurden auch heuer 7 Kl. geführt und zwar: 1. Kl.A - 1. Kl.B - 2. Kl Kl Kl Kl.B. Die 1. Kl.B ist keine Parallelklasse - sondern setzt sie sich aus der 1. u. 2. Schulstufe zusammen (Abteilungsunterricht); dagegen sind die 2. und 5. Paralellklassen - Schülerzahlen - siehe Tabelle: Schülerbewegung. In dem abgelaufenen Schuljahr gab's im Lehrkörper keinerlei Wechsel oder Veränderung. - Es unterrichteten in 1. Kl. Hptl. [...] Anna - 1. Kl.B Hptl. [...] Maria - 2. Kl. Dir. Skofitsch, 3. Kl. Hptl. Schwif Maria, 4. Kl. Hptl. Majdic Maria, 5. Kl.A Obl. Jaindl Walter und 5. Kl.B. L. Kucher Anna. Mit trat Frau H.A.L. Grebelnig Rosa ihren Meer-Urlaub an und ab diesem Zeitpunkt mußte der Handarbeitsunterricht von den weiblichen Lehrkräften bestritten werden. - Das Übel wäre bestimmt nicht so groß, wenn sich nicht in kurzer Zeit darauf auch L. Kucher Anna aus dem gleichen Grunde (Mu!) zurückgezogen hätte! Sie trat den Urlaub am an und nun fehlten leider 2 Lehrkräfte und für die Klassen mußte der alternierende Unterricht eingerichtet werden, welcher vom H. Obl. Jaindl versehen wurde. - Am traf endlich Ersatz ein u. zwar in der Person der H. pr. L. [...] Hermann um Frau Kucher zu vertreten. Leider wurde uns der recht sympat. junge Kollege eine Woche vor Pfingsten schon wieder abgezogen - obwohl Frau Kucher den Dienst noch nicht übernommen hatte. - Gleichzeitig erkrankte noch zum allen Leidwesen in der gleichen Woche ( ) H. Kollege Jaindl und so waren diese Woche die beiden 5. Kl. vollkommen verwaist. Inzwischen gingen wir in die Pfingstferien und da kommt man auch ohne Lehrkräfte aus!! - So nach den Pfingsten wären wir wieder einmal komplett! - Frau Kucher beendete ihren - diesmal etwas ausgedehnten "MU" mit und war der Meinung, daß der Schulbetrieb nun doch normal weiterlaufen wird: Aber mit gleichen Datum - wie Frau Kucher eintraf ist der H. Kollege Jaindl abermals erkrankt. Eine tückische Gelenksentzündung hat ihn dreimal ganz besonders schwer erfaßt und er mußte bis zum Schulschluß das Bett hüten und wollen wir hoffen, daß er bis zum nächsten Schuljahr wieder vollkommen genesen ist. - In den beiden 5. Kl. mußten wir uns wieder mit dem alternierenden Unterricht begnügen, welchen jetzt Frau Kucher erteilen mußte. - Diese beiden Klassen haben bezügl. Unterrichtszeit wohl arg gelitten; die Schüler dürften aber anderer Meinung gewesen sein! Anfang Februar mußten wir die Feststellung machen, daß nach und nach Schüler an Masern erkrankten - bis schließlich in einigen - besonders die unteren Klassen der Schulbesuch bis unter 30% abfiel. Diese Masern-Epidemie - einige Schüler hatten sogar Diphtherie - war so stark aufgetreten und leider ein Todesopfer gefordert. Es verstarb an den Folgen von Masern die allseits beliebte u. überaus talentierte Schülerin Johanna Sadlobedek aus der 3. Klasse. - Am 10. Februar wurd auf dem Friedhof zu Eisenkappel bestattet und welche Tragik - die Mitschüler durften ihr das letzte Geleit infolge Ansteckungsgefahr nicht geben. Daraufhin wurde die Schule seitens des Amtsarztes für 14 Tage geschlossen. - Wiederum eine Lücke im Schulbetrieb des Jahres

9 Gegen Ende des Schuljahres erkrankten 3 Schüler an Scharlach und wurden in das Landeskrankenhaus eingeliefert. - In diesem Schuljahr hat es keine sogenannte Personalstandsänderungen gegeben. Die Schule bzw. die Schüler und die Lehrer wurden inspiziert: Am 17. Feber inspizierte H. Insp. Pliessnig die landwirt. Berufsschule (Jaindl.) Ebenso inspizierte Frau Insp. Haja die Mädchenklassen und zwar Ende März. - Beide waren mit der Arbeit und dem Lehrerfolg recht zufrieden. - Was aber ganz besonders zu bemerken ist, ist das - daß in diesem Schuljahr auch die Schüler der evangelischen Konfession und zwar am 13. Mai, einen Besuch seitens d. H. Superintendenten aus Villach erhielten. - Näheres wurde mir über den Besuch nicht bekannt! [...] - Selbstverständlich blieb auch der [?] Zechner aus Eberndorf [?] an. Nach seiner Mitteilung sollen die Kinder "recht brav" gewesen sein. - Doch zu allerletzt muß wohl vermerkt werden, daß uns H.Reg.Rat in [?] nur ein einziges Mal und damals nur die 4. Kl. mit einen Besuch beehrt hat. - ( ). Mit dem Erfolg der Klassenlehrerin Majdic recht zufrieden unterließ er es die übrigen Klassen zu benoten. Von besonderen Leistungen Leistungen der Schüler konnte man im abgelaufenen Schuljahr nicht sprechen. -

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