Welt Weit... Weg. Über ein mögliches Ende des Internet. Publishers Forum 2011 Berlin, 2. und 3. Mai

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1 Welt Weit... Weg Über ein mögliches Ende des Internet Publishers Forum 2011 Berlin, 2. und 3. Mai 2011

2 Die Thesen Neue Medien und die Inkunabeln-Zeit: es dauert immer eine Generation Der Kapitalismus ist großartig im Aneignen von neuen Medien: Langsam, aber großartig grassroot und islamische Revolutionen: Die Fiktion der Bürgerbeteiligung Wenn die Bequemlichkeit siegt: Die Masse ist weder aktiv noch interaktiv, sondern konsumtiv

3 Inkunabeln Hamlet on the Holodeck: The Future of Narrative in Cyberspace von Janet H. Murray

4 Inkunabeln Der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde 1453 von Johannes Gensfleisch erfunden Alles, was zwischen Gutenbergs erster Entwicklung und dem 31. Dezember 1500 entstand, heißt INKUNABEL Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts redet man von Büchern im heutigen Sinn. Etwa 30 Jahre vergingen von den ersten Druckwerken bis zur Entfaltung des gesamten medialen Schatzes. EINE GENERATION Inkunabeln waren in Format, Typografie und Illustration zunächst geprägt vom Erscheinungsbild mittelalterlicher Handschriften, das sich mit der technischen und ökonomischen Entwicklung seit Anfang des 16. Jahrhunderts zum modernen Buchdruck wandelte. Ihre Herstellung erfolgte durch einen namentlich genannten Drucker, der sie auch selbst vertrieb. Als Zeugnisse für den Beginn der technisch gestützten und damit zunehmend unbeschränkten Verbreitung von Inhalten und Ideen in Europa stellen die international erhaltenen Wiegendrucke heute wertvolles Kulturgut dar. (Quelle: wikipedia)

5 Fotografie Technisch erfunden von Joseph Nicéphore Niépce: ca sogenannte Heliographien ( Sonnenschriften ), ab 1839 Daguerrotypie tatsächlich benutzbar. Gegen 1870 war das Verfahren benutzbar entstanden die ersten industriell gefertigten Kameras von Kodak. Es dauerte eine Generation, um aus einer Erfindung eine Neues Medium zu machen. Die Kodak Nr. 1, rechts der Rollfilm inklusive Halterung Heliographie "View from the Study Window at Maison du Gras"

6 Film Louis Aimé Augustin Le Prince (born 28 August 1842, vanished 16 September 1890) Im Jahre 1888 dreht Louis Le Prince in England die ersten bewegten Bilder, die man als Film bezeichnen kann. Le Prince Cameraprojector Type1, Mark 2 von 1888 Die Kamera mit einem Objektiv hat er selbst gebaut baut Edison den ersten Kinematographen Die klassische Ära Hollywoods begann mit dem Tonfilm: The Jazz Singer Al Jolson in The Jazz Singer mit Al Jolson, Jahre von der Erfindung bis zum Medium Edisons Kinematograph

7 Radio Das erste Radio baute angeblich Marconi, wahrscheinlich Tesla, aber gezeigt hat es Popow: alles im Jahr 1895 Ab 1922 wird der Wirtschaftsrundspruchdienst als erster regelmäßiger und gebührenpflichtiger Rundfunk betrieben. Am 6. April 1923 wird der erste Radioclub in Berlin gegründet sowie der Verband der Rundfunkindustrie in Berlin. Als Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt der 29. Oktober An diesem Tag wird die erste Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus ausgestrahlt. Als erster offizieller Rundfunkteilnehmer in Deutschland gilt der Berliner Zigarettenhändler Wilhelm Kollhoff. 30 Jahre, eine Generation Wilhelm Kollhoff

8 Fernsehen Max Dieckmann Das erste echte elektronische Fernsehbild erzeugte 1906 in Deutschland Max Dieckmann (ein Schüler von Ferdinand Braun), der eine Braunsche Röhre umgebaut hatte. Ab dem 22. März 1935 wurde in Deutschland das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt in hochauflösender Qualität ausgestrahlt. 30 Jahre, eine Generation 22. März 1935 Paul Nipkow (Fernsehpionier) war Namensgeber für den ersten Fernsehsender, der vom Berliner Funkturm ausgestrahlt wurde. Dazu gab es eine Sondermarke. Erster Fernseher 1931

9 WWW Erster Webserver von Tim Berners-Lee Das historische WWW-Logo, entworfen von Robert Cailliau Das WWW als über das Internet abrufbares HypertextSystem für grafische Benutzeroberflächen entstand 1989 und wurde am 6. August 1991 weltweit zur allgemeinen Benutzung freigegeben. Jetzt ist es 20 Jahre später... erst 20 Jahre! Tim Berners-Lee

10 In der Inkunabelnzeit wird festgelegt... Der kreative Kern Die Sprache des Mediums, Kapitel im Buch, Szenen im Film, Sendungen im Fernsehen. Dazu die Kerntechnik: Schriften, Objektive, Röhren Die Regeln für das Medium Titelblatt, Druckort, Inhaltverzeichnis, Fotoformate, Kamerastandards, Längen und Filmformate, Vor- und Abspann, Publikationsweise, Kritik usw. Die gewerbliche Nutzung Verlag, Fotoatelier, Hollywood, Fersehsender = DIE ORGANISATIONSFORM Aus einer Technik wird ein Massenmedium im Sinne eines Systems (Luhmann) Autopoietisch (es produziert sich selbst, auch thematisch: tv total, Harald Schmid Show) Geschlossen: das Hollywood-System, die öffentlich-rechtlichen

11 Jede Entwicklung ist eine Aneignung

12 The Freedom of Press belongs to those who own one (A.J. Liebling) Die Inkunabeln-These hat zwei Seiten: Jedes neue Medium braucht eine Generation zur Entfaltung seines generischen Potenzials Der Kapitalismus braucht immer 30 Jahre, um die richtigen Formen der Aneignung für ein neues Medium zu finden Beim WWW haben Apple, Google und Facebook die ersten effektiven Möglichkeiten gefunden, das Web zu privatisieren.

13 Apps für Faule - also alle... Google Maps ist eine App, jedes Mail-Programm eigentlich auch. itunes ist eine App, genauso wie Facebook oder alle Flash-Anwendungen. Internet-Techniken werden benutzt, um abgeschlossene Warenhäuser aufzubauen, die wie Facebook gerade eben noch über Browser zugänglich sind. Malls statt Märkte: Mass Private Property (keine Meinungsfreiheit, eigene Polizei, eigene Währung, eigene Gesetze usw.) In einigen Jahren ist nicht mehr der Laptop das bevorzugte Heimgerät, sondern eine Kombination aus Smartphone, ipad und Flachbildfernseher. Die spannende Frage: wessen Sendungen kommen auf den großen Schirm? Von der ARD oder von Apple? The arcane aura that surrounds personal computers is not just a "user interface" problem. My colleagues and I at PARC think that the idea of a "personal" computer itself is misplaced, and that the vision of laptop machines, dynabooks and "knowledge navigators" is only a transitional step toward achieving the real potential of information technology. Such machines cannot truly make computing an integral, invisible part of the way people live their lives. Therefore we are trying to conceive a new way of thinking about computers in the world, one that takes into account the natural human environment and allows the computers themselves to vanish into the background. [...] "Ubiquitous computers will also come in different sizes, each suited to a particular task. My colleagues and I have built what we call tabs, pads and boards: inch-scale machines that approximate active Post-It notes, foot-scale ones that behave something like a sheet of paper (or a book or a magazine), and yard-scale displays that are the equivalent of a blackboard or bulletin board." Marc Weiser, The Computer for the 21st Century, Xerox PARC 1991

14 Ab in die Bedeutungslosigkeit Vielleicht sind Browser und WWW in zehn Jahren die Mittelwelle des Internet: überall zu haben, aber faktisch ungenutzt. Das ist dann auch das Ende der basisdemokratischen Ideen, die grassroot mit dem Web verbindet (Facebook ist App, Twitter ist App...) Es geht dem Web wie den Offenen Kanälen... In Deutschland gibt es derzeit 63 Offene Kanäle (Stand 12/2005, aus: wikipedia) Wann haben Sie zum letzten Mal offnen Kanal geschaut? Offene Kanäle, soweit sie überhaupt ein Publikum hatten, sind durch ein Konkurrenzmedium zerschrotet worden: YouTube - die App unter den A/V-Medien Für viele Schüler ist das Internet bereits heute: YouTube und FaceBook - Ende

15 Das Verschwinden

16 Die Entvölkerung des Allmählich verschwinden die redaktionellen Angebote aus dem Internet: jetzt bedeuten sie noch Reichweite, in ein paar Jahren nur noch Schlagzeilen auf einer Gratisplakatwand. Blogger sind jetzt schon auf Portalen zusammengefasst, es gibt schon haufenweise Blog-Apps. Portale werden verkauft (Huffington-Post) Da Micropayment fehlt, entvölkert sich das WWW von allen Anwendungen und Plattformen, die irgendwie Geld bringen könnten. Übrig bleibt: Werbung? Sex? Das Bürger-WWW?

17 ... durch den Siegeszug der APP Sind Apps die Zukunft der Polymedien? der Zeitungen und Zeitschriften, des Fernsehens, des Kinos und der Musik. Die App ist das Versprechen des Monomediums (vs. Multimedia ): ein Medium kann alles und verändert ällmählich die Gesetze der bestehenden Medien. Das war früher das Gespenst der Digitalen Konvergenz der Zusammenschmelzen von A/V-, Telekommunikation und Computer ALLES WIRD SPIEL

18 ... auch Bücher sind Apps Romane sind ebooks, alles andere wird App Reiseführer: iphone App, Google Goggles Wirtschaft: Simulationsspiel Gebrauchsanleitungen: IKEA-Movies, Animationen Jedes Sachbuch funktioniert besser als App

19 Ach ja: Geld verdienen Meine Vermutungen... In Film & Fernsehen werden einzelne Objekte selektierbar: die Flasche auf dem Tisch, die Bluse an der Frau, das Hotel in der Serie das ist die Integration von Fernsehen und Internet: der Bildschirm ist nicht mehr nur eine Pixelhaufen, sondern eine Versammlung von anklickbaren Objekten, deren Kontext ist: Gibt s bei Amazon und kostet 19,80.

20 Fazit In etwa 10 Jahren gibt es das Internet als Medium Es besteht aus Apps, die Geld kosten (oder nicht) Es ist das ultimative Monomedium, i.e.: Alle anderen Medien sind Teil des neuen geworden. Der Zugriff ist reguliert und nur noch schein-offen Das ganze Modell ist nicht exklusiv, sondern mehrheitlich: Es gibt noch Browser, sie sind aber fast bedeutungslos Es gibt noch Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen, aber die Arbeitsteilung zwischen AV- und Textmedien ist obsolet. man liest noch Bücher, aber Seiten sind nicht mehr aus Papier

21 ENDE (+ 2 Anhänge)

22 Anhang 1: Tim Berners-Lee

23 Web-Erfinder Tim Berners-Lee warnt vor Facebook 1 Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, hat Facebook scharf kritisiert. In einem Aufsatz für Scientific American sprach er sich zudem für offene Standards und Neutralität aus. Laut Berners-Lee ist das Netz in Gefahr. Drei große Gegner macht er aus: Regierungen, die das Nutzungsverhalten ihrer Bürger überwachen; Provider, die Anbieter gegen Geld bevorzugen; Soziale Netze, die abgeschirmt vom Rest des Internets Informationen horten. Der Wert von Facebook, LinkedIn und Friendster ergebe sich aus den Daten, die Nutzer eingeben: Geburtstag, -Adresse, Interessen sowie Links, die Auskunft geben, wer mit wem befreundet ist und wer auf welchem Foto zu sehen ist. "Diese Sites stellen aus den Daten brillante Datenbanken zusammen und verwenden die Informationen, um Werbeeinnahmen zu erzielen - aber nur innerhalb ihrer Site", schreibt Berners-Lee. Wer seine Daten bei einem Dienst eingebe, habe keine Möglichkeit, sie auch für einen anderen zu verwenden. "Jede Site ist ein Bunker, abgeschottet von den anderen. Ja, die einzelnen Webseiten Ihrer Site sind im Netz, aber Ihre Daten sind es nicht." Laut Berners-Lee besteht das Problem darin, dass die einzelnen Daten keinen Uniform Resource Identifier (URI) besitzen. Verbindungen zwischen Informationen bestünden nur innerhalb einer Site. Diese bilde dann die zentrale Plattform - "ein geschlossener Speicher von Inhalten, der Ihnen nicht die volle Kontrolle über Ihre Daten gibt. Je stärker so eine Form der Architektur genutzt wird, desto fragmentierter wird das Web und desto weniger haben wir einen einzigen, universalen Informationsraum zur Verfügung." Die größte Gefahr ist Berners-Lee zufolge die Monopolisierung eines Social Network, einer Suchmaschine oder eines Browsers. Doch er nennt auch positive Beispiele: "GnuSocial und Diaspora sind Projekte im Netz, die es jedem erlauben, sein eigenes Soziales Netz vom eigenen Server aus zu starten und es mit jedem und jeder beliebigen Site zu verbinden." Offene Standards seien der notwendige Motor für Innovation. Dabei beschränke sich der Begriff nicht auf gebührenfreie Webtechnologien. "Offenheit bedeutet auch, dass man eine eigene Website oder ein eigenes Unternehmen gründen kann, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen", schreibt Berners-Lee. Als Negativbeispiel nennt er Apples itunes. "Das itunes-system identifiziert Songs und Videos per URI, die offen sind, aber an Stelle von 'http:' beginnt die Adresse mit 'itunes:' - einem proprietären Format." Der Zugriff sei nur über Apples proprietäres Programm itunes möglich; man könne in der itunes-welt keine Informationen verlinken und auch keine Links an Dritte verschicken. "Sie befinden sich dann nicht mehr im Netz. Die itunes-welt ist zentralisiert und abgeschottet. Trotz der großartigen Möglichkeiten des Marktplatzes ist seine Entwicklung darauf limitiert, was ein einzelnes Unternehmen sich ausdenkt."

24 Anhang 2: HTML5 & Web-Apps

25 App und Web-App Was sind Unterschiede zwischen APPs... mit HTML5 mit Flash mit Java (alle anderen) mit Objective C (Apple) Alle laufen im Browser, außer Apples Objective C Alle machen aus dem Browser einen App-Player Alle laufen auch auf Android

26 HTML5 Technisch werden Apps zukünftig wohl mit HTML5 gebaut. Apples Objective C ist zu speziell, Java ist nur was für echte Programmierer. Bisher kann HTML nichts in Sachen BenutzerInteraktion: Seite bauen Klick Seite bauen Klick... HTML5 hat neuerdings viel von dem, was für echte Anwendungen benötigt wird. Paradigmenwechsel: HTML hat bisher Seiten gebaut, jetzt kann es Apps. Benutzer-Interaktion ist immer noch Aufgabe von JavaScript. Für JavaScripts gibt es seit einiger Zeit brauchbare frameworks, mit denen auch Entwickler ohne Informatikstudium brauchbare Anwendungen schreiben können.

27 Zahlen

28 Wachstum von mobilen Apps Global Smartphone and Tablet App Shipments in US$ Quelle: Forrester Research 2011

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