GESCHICHTE IM ÜBERBLICK

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1 Rolf Kammler GESCHICHTE IM ÜBERBLICK Ein Vademekum für den Kurs Geschichte (Vorschul- und Primarschullehrerausbildung) an der Autonomen Hochschule der Deutschsprachigen Gemeinschaft EUPEN Brueghel (d. Ältere), Jan ( ): Der vornehme Besuch in der Bauernstube

2 R. Kammler B 4731 Eynatten 2005 (Korrigierte der 2003 erschienen Fassung) gedruckt auf Umweltpapier 1

3 INHALTSVERZEICHNIS Anstelle eines Vorwortes (S. 4) 1. Geschichte eine Wissenschaft 1.1 Definition die Geschichtsquellen (S. 5) 1.2 Chronologie Periodisierung (S. 5 f.) 2. Zur Vorgeschichte der Menschen 2.1 Die Altsteinzeit (S. 6) 2.2 Die Jungsteinzeit (S. 7) 3. Zivilisiert? Die ersten Hochkulturen 3.1 Das Paradies? Mesopotamien (S. 7 f.) 3.2 Ohne Heimat? Die Israeliten und ihre wechselvolle Geschichte (S. 9 f.) 3.3 Ägypten ein Geschenk des Nils (S. 10 f.) 3.4 Die Griechen: Erfinder Europas? (S. 12 f.) 3.5 Rom: Vom Stadtstaat zu einem Weltreich Die römische Republik (S. 14 ff.) Die römische Kaiserzeit (S. 16 f.) 4. Eine finstere Zeit? Das Mittelalter 4.1 Der Übergang zur mittelalterlichen Welt (S. 17 ff.) 4.2 Hohes Mittelalter Abendländische Universalmächte (S. 19 f.) Die Kreuzzugsbewegung (S. 20 f.) 4.3 Wem gehört die Macht? (S. 21 ff) Die Herrschaft Friedrichs I. (S. 21) Die Entwicklung von Staat und Herrschaft im Mittelalter (S. 22) Das soziale und wirtschaftliche System im Mittelalter (S. 22 ff.)) Frankreich im Mittelalter (S. 26) Stadtluft macht frei. Wirklich? (S. 27) 5. Die Frühe Neuzeit: Wege aus der Finsternis durch Renaissance und Humanismus? 5.1 Wo liegt Indien? (S. 29) 5.2 Das Zeitalter der Reformation: Kampf gegen oder für die Kirche? (S. 30 f.) 5.3 Spaltung der Reformationsbewegung und die Gegenreformation (S. 33) 5.4 Glaubenskampf oder Machtkampf? Der Dreißigjährige Krieg (S. 34) 5.5 L État c est moi Absolutismus als absolute staatliche Ordnung? (S. 35 ff) Frankreich unter Ludwig XIV. (S. 35) Der gesellschaftliche Aufbau im absolutistischen Frankreich (S. 35 f.) Die Wirtschaft im absolutistischen Frankreich (S. 36) Die außenpolitischen Ziele Ludwigs XIV. (S. 36) Innenpolitische Schwerpunkte im absolutistischen Frankreich (S. 36) 5.6 England auf dem Weg zu mehr Demokratie? (S. 37) 5.7 Drittes Rom? Der Weg Russlands zur Großmacht (S. 38) 5.8 Endlich vernünftig? Das Zeitalter des Rationalismus und der Aufklärung (S. 38 f.) 5.9 Aufgeklärte Herrscher? (S. 40 f.) Zur Entwicklung Preußens (S. 40) Österreich im Jh. (S. 40 f.) 5.10 Sons of Liberty : Siedler in Amerika kämpfen für ihre Unabhängigkeit (S. 41 f.) 6. Die Neueste Zeit 6.1 Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - für alle? Die Französische Revolution frisst ihre Kinder (S. 43 f.) 6.2 Napoleon: Retter Frankreichs und Europas? (S. 45 f.) 6.3 Zurück zur alten Ordnung? Der Wiener Kongress (S. 47) 6.4 Eine friedliche Revolution mit unfriedlichen Folgen? Fortschritt(e) zugunsten der Menschen? Die Industrielle Revolution (S. 47 ff.) Staat, Kirche, Unternehmer, Marx & Genossen: Wege zur Linderung des sozialen Elends? (S. 49 ff.) 6.5 Europa nach dem Wiener Kongress: Restauration contra Revolution oder Revolution contra Restauration? (S. 51 ff.) : Noch kein Ende? Revolutionen in Frankreich und Belgien (S. 51 f.) : Eine Revolution mit europäischen Dimensionen? (S. 52 f.) 6.6 Bismarck: Begründer der deutschen Einheit? (S. 53) 6.7 Das 19. Jahrhundert: Die Welt im Überblick (S. 53 ff.) 6.8 Das Zeitalter des Imperialismus: Gefahr für das europäische Gleichgewicht? (S. 55) 6.9 Balkankrise: Ausbruch des Ersten Weltkrieges (S. 56 f.) 6.10 Ein dauerhafter Frieden? Der Versailler Vertrag (S. 57) 6.11 Vom Zarenreich zur Sowjetunion (S. 59 f.) 6.12 Belgien im 19. Jh. bis zum Versailler Vertrag (S. 61) 6.13 Goldene Zwanziger? (S. 61 f.) Die Weimarer Republik (S. 61 f.) Das Ende der Weimarer Republik (S. 63) Belgien in der Zwischenkriegszeit (S. 63) 6.14 Wege in das Unheil: Das Dritte Reich (S. 64 ff.) Die nationalsozialistische Diktatur (S. 64) Die NS-Außenpolitik (S. 65 f.) Der Zweite Weltkrieg (S. 66 f.) 6.15 Die Neuordnung der Welt nach 1945 (S. 67 ff.) Von den Besatzungszonen zu zwei deutschen Staaten (S. 67 f.) Kann die UNO in Zukunft den Weltfrieden sichern? (S. 68 f.) 6.16 Kalter Krieg zwischen Ost und West (S. 69 ff.) Der Koreakrieg (S. 70) Der Vietnamkrieg (S. 70 f.) Die Kubakrise (S. 71) 6.17 Die Entwicklung der beiden Großmächte USA- UdSSR nach 1945 (S. 72) 6.18 Die Dekolonisation (S. 73) Die Dekolonisation Asiens (S. 73) Die Dekolonisation Afrikas (S. 73) Der Nord-Süd-Konflikt (S. 74) 6.19 Der Nahost-Konflikt (S. 74 ff.) 6.20 Der Zusammenbruch des kommunistischen Systems (S. 77 ff.) Beispiel DDR: Wege zur Wiedervereinigung (S. 78) Krisenherd Balkan (S. 79 f.) 6.21 Die Entwicklung in Ostasien im 20. Jh. (S. 81 f.) China (S. 81 f.) Japan (S. 82) 6.22 Schritte zum Vereinten Europa (S. 82 ff.) 6.23 Belgien im 20. Jahrhundert (S. 85) 7. Wichtige (?) Daten der Geschichte (S. 87 ff.) 8. Einige Grundbegriffe der Geschichte (S. 90 ff.) Ausblick (S. 99) Bibliografie (S. 100) Die Welt 2002 Karte (S. 101) 2

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5 Anstelle eines Vorwortes Welche Geschichtskenntnisse braucht ein(e) zukünftige(r) Vorschul- / Primarschullehrer(in)? Und wozu? Ich hätte mir leichtere Fragen gewünscht! Auf der Suche nach einer Antwort fielen mir die Gedanken des Philosophen Karl R. Popper ein, der sich gegen den Zynismus in der Interpretation der Geschichte wehrt. Lassen wir ihn zu Wort kommen: Ich habe mich in meinem langen Leben niemals gelangweilt, außer bei Vorträgen, und ganz besonders bei Vorträgen in der Schule, die eine äußerst schmerzhafte Gehirnlähmung erzeugten. Insbesondere in den Fächern Geschichte und Geographie war die Wirkung der Vorträge fast tödlich. Es ist deshalb vielleicht verzeihlich, wenn manche Lehrer der Geschichte den Versuch machen, ihren Unterricht durch eine Dosis Zynismus zu würzen; und es ist verständlich, wenn auch sicherlich nicht verzeihlich, wenn sie dabei zu weit gehen und die zynische Geschichtsauffassung zur großen Mode machen. Die zynische Geschichtsauffassung sagt, daß es - in der Geschichte, wie auch überhaupt immer nur die Gier ist, die regiert: die Habsucht, die Geldgier, das Gold, das Öl, die Macht. So war es, sagt der Zyniker, und so wird es wohl immer sein; es ist so in der Despotie, und in der Demokratie ist es nicht viel anders nur daß in der Demokratie die Heuchelei womöglich noch ärger ist. Ich halte diese Lehre nicht nur für falsch, sondern auch für unverantwortlich, gerade weil eine gewisse Plausibilität für sie zu sprechen scheint. Und ich halte es für eine dringende Aufgabe, sie zu bekämpfen û (POPPER, Karl R.: Alles Leben ist Problemlösen, Taschenbuchsonderausgabe, Serie Piper, München 2002, S. 265) Den Zynismus in der Geschichtsinterpretation bekämpfen? Sicherlich eine wichtige Kompetenz, die zukünftige Lehrer(innen) erreichen - und vermitteln! - sollten. Doch als Grundlage hierfür ist Sachkenntnis erforderlich. Nicht lexikalisches Wissen, sondern eine fundierte Allgemeinbildung, die die Kenntnis über die wichtigsten Entwicklungen unserer Vergangenheit mit einschließt. Der vorliegende Überblick kann nur eine (mehr oder weniger willkürliche) Auswahl beinhalten und Auswahl ist, so Popper, auch Interpretation. Dieser Überblick soll eine (von vielen) Grundlagen für die kritische Auseinandersetzung mit dem ohnehin lückenhaften Wissen über unsere Vergangenheit sein. Darüber hinaus dürfte es einleuchtend sein, dass eine Zusammenfassung der hauptsächlich auf Europa ausgerichteten Geschichte auf knapp 100 Seiten nur bruchstückhaft sein kann. Hier sind die Kursteilnehmer(innen) gefordert, ihnen wichtig erscheinende Ergänzungen und/oder Verbesserungen vorzunehmen. Wie ist dieses kleine Werk nun zustande gekommen? Im Grunde komme ich einer Anregung der Studentinnen und Studenten nach, ihnen hiermit einen zusammenhängenden Überblick vorzuschlagen. Ich betone: vorzuschlagen. Bei der Auswahl der Themen habe ich mich an das Unterrichtsprogramm des allgemein bildenden Unterrichtes der Sekundarschule angelehnt, wobei ich bewusst unterschiedliche Literatur zu Rate gezogen habe: Schulbücher, wissenschaftliche Literatur, Nachschlagewerke einschließlich der elektronischen Medien und der Informationen aus dem Internet. Das Literaturverzeichnis verweist auf nähere Einzelheiten. Diese Übersicht kann selbstverständlich nicht die Arbeit mit der weiterführenden Fachliteratur ersetzen. Im Gegenteil! Sie soll dazu anregen, vertiefende, kritische Fragen zu stellen - und Antworten zu finden. Hierbei gilt es, die in unserem Informations- und Medienzeitalter angebotenen vielfältigen Lösungen kritisch zu überprüfen. Mit welchem Ziel? Hier noch einmal K.R. Popper: Ich behaupte, daß wir einen ganz scharfen Schnitt machen müssen zwischen der Gegenwart, die wir beurteilen können und sollen, und der Zukunft, die weit offen ist und von uns beeinflußt werden kann. Wir haben deshalb die moralische Pflicht, der Zukunft ganz anders gegenüberzustehen, als wenn sie etwa die Verlängerung der Vergangenheit und der Gegenwart wäre. Die offene Zukunft enthält unabsehbare und moralisch gänzlich verschiedene Möglichkeiten. Deshalb darf unsere Grundeinstellung nicht von der Frage beherrscht sein Was wird kommen?û, sondern von der Frage Was sollen wir tun: Tun, um womöglich die Welt ein wenig besser zu machen? Und zwar auch dann, wenn wir wissen, daß, wenn wir wirklich etwas zu verbessern imstande waren, spätere Generationen vielleicht alles wieder verschlechtern können?û (POPPER, ebd. S. 272) Schließlich sei mir an dieser Stelle die dankbare Erinnerung an meine eigenen Lehrer gestattet, vor allem aber an Prof. Dr. Reinhard Hildebrandt: Er hat mir das Interesse für die historische Forschung im Fachbereich der Frühen Neuzeit vermittelt, einer bemerkenswerten Epoche des Übergangs vom scholastisch geprägten Mittelalter zur humanistisch orientierten Neuzeit. 4

6 Klio, Muse der Geschichtsschreibung 1. GESCHICHTE EINE WISSENSCHAFT 1.1 VON DEN GESCHICHTS- QUELLEN ZUR GESCHICHTE? Geschichte ist, wie z. B. Geografie oder Mathematik, eine Wissenschaft. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Vergangenheit der Menschen. Durch die Geschichtsforschung können wir aufgrund der Quellen u. a. entdecken, wie die Menschen früher zusammen lebten und wohnten, welchen Glauben sie hatten, welche Rechte und Pflichten sie hatten, wie sie regiert bzw. geführt wurden, wie sie ihre Grundbedürfnisse (= Nahrung, Kleidung, Wohnung), später aber auch ihre Kultur- und Luxusbedürfnisse befriedigten, wie sie ihren Alltag verbrachten, welche Entdeckungen ihr Leben erleichterten, wie sie sich im Laufe der Zeiten entwickelt haben usw. Im weitesten Sinne ist Geschichte alles, was in der Vergangenheit geschehen ist (in dem Begriff "Geschichte" steckt übrigens auch das Wort "geschehen"). Im engeren Sinne verstehen wir unter Geschichte nur die Vergangenheit der Menschen, über die wir auch Zeugnisse haben, denn wir wissen ja nicht alles über unsere frühere Zeit! Für manche Geschichtsforscher beginnt die Geschichte auch erst mit den schriftlichen Zeugnissen der Menschen, die Zeit vorher heißt dann: Vorgeschichte. Die Zeugnisse, die wir aus der Vergangenheit haben, nennen wir Quellen bzw. Überreste. So teilen uns alte Werkzeuge mit, welche Geräte damals für die Arbeit benutzt wurden. Zeichnungen, Malereien, Skulpturen könnten uns verraten, w i e die Menschen sich kleideten, w i e sie Feste feierten, wie sie sich ihre Götter vorstellten... Tagebücher könnten uns über den Tagesablauf, aber auch über Gedanken und Ideen (Ideologien...) von Menschen Auskunft geben. Aber auch die "modernen" Zeugnisse, wie Tonbandaufzeichnungen, Film- und Fotodokumente sind uns wertvolle "Beweise" über die Vergangenheit... Wir unterscheiden hauptsächlich zwischen folgenden Arten von Geschichtsquellen: Stumme Zeugen = gegenständliche Überreste Schriftliche Überlieferung = alle geschriebenen Überreste Mündliche Überlieferung = Erzählungen, Berichte, Sagen... Bild-, Foto- und Filmdokumente = die bildlichen Überreste Tondokumente = Überreste auf Tonträgern, z. B. Tonbandaufnahmen Die Quellen sind also die Grundlagen der Geschichtsforschung. Ohne sie könnten Geschichtsforscher nicht arbeiten, es gäbe also keine Geschichtsforschung und -schreibung. Ernsthafte Geschichtsforscher versuchen durch Analyse und Vergleich verschiedener und unterschiedlicher Geschichtsquellen so weit wie möglich ein objektives Bild der Vergangenheit, einer Epoche oder eines Ereignisses zu vermitteln. Wir beschäftigen uns mit der Geschichte, um aus der Vergangenheit zu erfahren, warum heute dies und jenes so ist; nur so können wir unsere Gegenwart besser verstehen. Wir können und sollen aber auch aus der Geschichte Lehren ziehen! Das war und ist bis heute oft nicht der Fall. Und was hindert uns daran, die positiven Traditionen und Lehren der Vergangenheit beizubehalten? 1.2 CHRONOLOGIE: ENDLICH RICHTIGE DATEN? Eine wichtige Hilfswissenschaft der Geschichtsforschung ist die Chronologie. Die Chronologie ist die Einordnung historischer Ereignisse in unsere Zeitrechnung, d.h. vor oder nach Christi Geburt (abgekürzt: v. Chr./ n. Chr.) bzw. vor / nach unserer Zeitrechnung (abgekürzt: v. u. Z / n. u. Z.). Erst mit Hilfe der Chronologie können historische Ereignisse in ihrem Zusammenhang betrachtet werden. Dies ist gar nicht so einfach, weil andere Völker bzw. Kulturen andere Zeitrechnungen hatten (bzw. noch haben) als wir. So rechneten die Römer z.b. ihre Zeit nach dem sagenhaften Gründungsjahr der Stadt Rom, 753 v. Chr., d.h. ihr Jahr "1" war mit dem Jahr der Gründung ihrer Stadt gleich, die die Geschichtsforscher 753 v. Chr. festgelegt haben. 5

7 Bei den islamischen Gläubigen wird die Zeit nach der Hedschra, d.h. mit der Auswanderung Mohammeds, ihres Religionsgründers, von Mekka nach Medina, 622 n. Chr., berechnet. Unsere heutige Zeitrechnung geht auf die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. zurück (gregorianischer Kalender), der 1582 den von Julius Cäsar entwickelten Kalender (julianischer Kalender) verbesserte. Die Chronologie ermöglicht es uns, die Geschichte in verschiedene Epochen einzuteilen. Was uns am meisten interessiert, ist die Zeit, in der der Mensch das Leben auf dieser Erde beeinflusst und verändert hat. Immer dann, wenn sich wichtige Veränderungen im politischen, religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen... Bereich ergeben haben, sprechen wir vom Beginn einer "neuen Epoche. Wir teilen unsere Vergangenheit in 5 große Epochen (= Zeitabschnitte) ein: VORGESCHICHTE: vor etwa J., dem Beginn der Entwicklung der Menschen, bis etwa 4000 v. Chr. ALTERTUM: von etwa 3000 v. Chr. bis etwa 500 n. Chr. MITTELALTER: von etwa 500 n. Chr. bis etwa 1500 n. Chr. FRÜHE NEUZEIT: von etwa 1500 n. Chr. bis zur Französischen Revolution, 1789 NEUESTE ZEIT: von 1789 bis heute Jede dieser Epochen, oft in weitere Zwischenepochen unterteilt, ist gekennzeichnet durch besonders wichtige Merkmale; der Übergang von einer Epoche zur anderen ist jedoch fließend. So ist die Vorgeschichte dadurch gekennzeichnet, dass die Menschen noch nicht schreiben konnten. Das Altertum beginnt mit der Erfindung der Schrift und ist geprägt v. a. durch die Entwicklung der Hochkulturen im Vorderen Orient und im Mittelmeerraum. Das Mittelalter ist in Europa durch die sich ausbreitende und immer mächtiger werdende christliche Kirche, aber auch durch das Lehnswesen geprägt, der Beginn der Neuzeit durch die Spaltung des Christentums, aber auch durch die Entdeckung der Neuen Welt... Gattung der australopithecus afarensis zugeordnet. Unklar ist, wann der Mensch Mensch wird: Die Anthropologen stehen hier noch vor gewaltigen Herausforderungen! Gemeinhin wird die Herstellung und der Gebrauch von Werkzeugen (Stein-/ Holzwerkzeuge) vor etwa 2,5 Millionen Jahren durch den homo habilis ( geschickter Mensch ) als typische menschliche Eigenschaft angesehen, während der homo sapiens vor etwa Jahren die Entwicklung zum Jetztmenschen einleitete. 2.1 DIE ALTSTEINZEIT Die frühen Menschen lebten in der Wildnis und waren auf das angewiesen, was die Natur ihnen auch anbot. Deshalb sprechen wir auch von Naturvölkern. Sie hatten kein festes Zuhause, waren am nächsten Tag auch nicht sicher, ob sie überhaupt etwas Essbares fanden, um ihren Hunger zu stillen. Sie lebten in kleinen sozialen Einheiten zusammen, den Horden: Nur gemeinsam konnten die Urmenschen damals den Überlebenskampf gewinnen. Zunächst lebten die Urmenschen als Nomaden: Sie zogen von einem Ort zum anderen, ernährten sich nur von Pilzen, Beeren, Nüssen, wilden Getreidesamen. Später lernten sie aber auch, die wilden Tiere zu jagen und sich von rohem Fleisch zu ernähren. Daher sprechen wir von der Zeit der Jäger und Sammler. Erst wesentlich später gebrauchten sie auch das Feuer, so etwa vor Jahren, das sie wohl zunächst - nach einem Gewitter oder einer Feuersbrunst z. Bsp. zähmten" und hüteten", schließlich - mit Hilfe der Reibungshitze von 2 (Feuer-) Steinen -, selbst entzündeten. Im Gegensatz zum Tier wies der Mensch schon damals viele körperliche Mängel auf. Diese musste er, um überhaupt in der Wildnis überleben zu können, mit Hilfe seines Verstandes überbrücken. Der Verstand war und ist quasi die Krücke des Menschen, mit deren Hilfe er sich allmählich die Erde untertan" gemacht hat. Mit all den Folgen, die schließlich zu seinem bequemen Leben und Wohlstand, aber auch zu Armut, Hunger und zunehmender Umweltzerstörung geführt haben! 2. ZUR VORGESCHICHTE DER MENSCHEN Die ersten Vorfahren der Menschen lebten vor etwa 3,5 Millionen Jahren in Ostafrika. Der wohl bisher berühmteste Urmenschenfund ist der von LUCY in der äthiopischen Hadar- Region. Sie ging schon aufrecht und wird der 6

8 2.2 DIE JUNGSTEINZEIT Im VORDEREN ORIENT trat um v. Chr. eine gewaltige Veränderung im Leben vieler dort lebenden Volksgemeinschaften ein. Hier lernten die Menschen allmählich Getreideanbau und Viehzucht. Dies war eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Menschen, um sesshaft zu werden! Sie bauten nun zwischen ihren Äckern Dörfer mit Häusern aus Flechtwerk, Holz oder Lehmziegeln. In den Dörfern lebten mehrere Familien (Sippen), die sich gegenseitig halfen und auch bei der Arbeit unterstützten. Alles, was sie produzierten, diente zunächst einmal ihrem eigenen Überleben. Durch Ackerbau und Viehzucht konnten die Menschen Produktionsüberschüsse erzielen. Vor allem in Notzeiten konnten diese, als Vorräte angelegt, Hungersnöte überwinden oder lindern. Da es den sesshaften Menschen im Allgemeinen besser ging, verzeichnete der Vordere Orient etwa ab v. Chr. einen gewaltigen Bevölkerungsanstieg. Schließlich wurde es auch notwendig, die produzierten Güter aufzubewahren, die Lebensmittel zu garen. Hierzu waren Behälter notwendig: verschiedenartige Töpfe aus Ton wurden gebrannt, im Laufe der Zeit auch kunstvoll verziert Wie schon erwähnt, wurden die ersten jungsteinzeitlichen Gemeinschaften im Vorderen Orient sesshaft. Allmählich zogen sie weiter über den Nordbalkanraum (etwa: Ungarn) nach Mitteleuropa, wo, um 5000 v. Chr. die Jäger und Sammler sehr schnell die Vorteile von Bodenbau und Viehzucht erkannten. Sie übernahmen die neue Wirtschaftsweise, aber auch die Kultur (d.h. die Lebensweise, Kunst, Religion...) der einwandernden Völker. 3. ZIVILISIERT? DIE ERSTEN HOCHKULTUREN Nach der Kultur der Jäger und Sammler der Altsteinzeit und der Kultur der Ackerbauern und Viehzüchter der Jungsteinzeit entwickelten sich v. a. im Nahen Osten Hochkulturen: Allmählich bekamen nämlich auch die Städte immer größere Bedeutung. Diese wiederum entstanden oft aus dem Zusammenschluss mehrerer Dörfer, die immer größere Aufgaben bewältigen mussten. So mussten Kanalisationen angelegt, überschwemmende Flüsse eingedämmt oder ein Gebiet vor überfallenden Volksgruppen geschützt werden: all dies konnte nun nicht mehr von einer kleinen Dorfgemeinschaft bewältigt werden! ihre Lebensgrundlagen finden konnten. Eine solche Stadt musste aber auch verwaltet werden. An der Spitze stand oft ein König, der auch als ein Vertreter oder Sohn eines Gottes angesehen wurde. Ihm zur Seite standen Krieger, die für den inneren und äußeren Schutz des Stadtgebietes sorgten, während Priester und Beamte für die Organisation, Verwaltung und Ordnung zuständig waren. Für die Führung einer Stadt war die Entwicklung der Schrift von großer Bedeutung: Erst hierdurch konnten größere Verwaltungsaufgaben auch erledigt, Steuern eingetrieben, Besitznachweise von Grundstücken aufgestellt, Gesetze und Anordnungen aufgeschrieben werden... In folgenden Gebieten entstanden Hochkulturen, meist im 4. Jahrtausend v. Chr. und oft auch unabhängig voneinander: In Ägypten: Die Bewohner konnten hier nicht mehr die vielen Aufgaben in Zusammenhang mit der Bewältigung des Nils in kleineren Sippen erfüllen; Arbeitsteilung war notwendig, um den gewaltigen Anforderungen, die u. a. mit der jährlichen Überschwemmung dieses Flusses zusammenhingen, gerecht zu werden. Ebenso spielten die zwei Flussläufe Mesopotamiens eine wichtige Rolle im Zusammenleben der dort lebenden Menschen: Euphrat und Tigris. Zwar hatten die Bauern des nördlichen Mesopotamien gelernt, Metalle zu gießen, Häuser aus getrockneten Ziegeln zu errichten und mit Hilfe der Töpferscheibe Krüge und Töpfe herzustellen, aber das einwandernde Volk der Sumerer besetzte den Süden Mesopotamiens und brachte die Kunst einer guten Verwaltung mit, während Priesterkönige ihre Tempel mit Städten umgaben, Beamte das Land verwalteten und auch schon die Keilschrift kannten. Die Region des Nahen Ostens, die u. a. (Ägypten?), Jordanien und Mesopotamien umfasst, wird fruchtbarer Halbmond genannt. Gerade in der Nähe von Flüssen (Euphrat und Tigris in Mesopotamien, Jordan in Jordanien und Israel, Nil in Ägypten, Indus in Indien, Hoangho in China ) kam es zu ersten Stadtbildungen, natürlich auch nur dort, wo die Menschen 7

9 Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass auch im asiatischen Raum Hochkulturen entstanden: Im Indus-Tal z. Bsp. entwickelte sich im 3./2. Jahrtausend v. Chr. eine der bedeutendsten städtischen Kulturen Südasiens, deren Merkmale eine weit entwickelte Landwirtschaft (schon um 6000 v. Chr. wurden dort Rinder, Ziege, Schafe usw. gezähmt), Handel und Gewerbe waren. 3.1 MESOPTAMIEN In Vorderasien liegt das "Land, das von zwei Strömen durchflossen wird", so die Übersetzung des ursprünglich griechischen Wortes "Mesopotamien". Es ist das Gebiet, das von Euphrat und Tigris bewässert wird: eine Steppenlandschaft, die ihre Fruchtbarkeit den jährlichen Überschwemmungen der beiden Flüsse verdankt. Übrigens entspringen sie im Hochland von Armenien und erhalten ihre mächtigen Wasserfluten durch die jährlichen Schneeschmelzen in den Bergen. Mesopotamien war wegen seiner zentralen Lage und seines für die Landwirtschaft günstigen Klimas oft von fremden Nomadenvölkern heimgesucht worden, daher erlebte gerade dieses Gebiet - übrigens bis in die heutige Zeit hinein! - eine sehr wechselvolle Geschichte. Ihren Ausgangspunkt nimmt sie im Süden des Landes, einem sehr warmen Schwemmlandgebiet. Etwa um 3000 v. Chr. wanderte dort eine Bevölkerungsgruppe ein, die schon eine sehr hohe Kultur aufwies, die Sumerer. Sie gründeten dort viele Stadtstaaten, unter ihnen Ur, Uruk, Kisch, um nur die bedeutendsten zu nennen. Jeder Stadt, die ja selbständig verwaltet und regiert wurde, stand ein König vor, der gleichzeitig oberster Priester war. Er lebte in einem gewaltigen Tempel, der auch Mittelpunkt der Stadt war. Das ganze umliegende Land war Eigentum des Tempels und wurde von Bauern bewirtschaftet; die Erträge der Landwirtschaft, Getreide und Vieh, gehörten dem Tempel. Dem König standen Beamte zur Seite, die ihm halfen, die Stadt zu verwalten, u. a. verteilten sie auch, so gerecht wie möglich, das der Bevölkerung zustehende Einkommen. Gerade hierfür, für die Erstellung von Listen, für die Niederschrift von wichtigen Verträgen usw.... erfanden die Sumerer die Schrift. Sie ist wohl die älteste Schrift, die wir kennen, die Keilschrift: Die Zeichen wurden mit Hilfe eines keilförmigen Griffels in weiche Tontafeln eingeritzt, die später gebrannt wurden. Karte aus: BERTELSMANN Lexikon Geschichte, München 1993 Die Gesetzessäule des Hammurabi, der vom Gott Schamasch die Gesetze erhält Quelle: 8 Im Laufe der Zeit hatten viele Wandervölker Mesopotamien immer wieder bedroht bzw. auch erobert. Die mesopotamische Tiefebene wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. von verschiedenen Völkergruppen besetzt, zu denen auch die Sumerer gehörten, die im Süden Mesopotamiens vielen Stadtstaaten zu ihrer Blüte verhalfen. Das erste große Reich, das in diesem Gebiet gegründet wurde, war das des Königs Hammurabi, der um 17OO v. Chr. gelebt hatte. Er war der erste König, der die mesopotamischen Städte und Stadtstaaten zu einem großen Reich vereinigt hatte, mit Babylon als Hauptstadt. Er ließ Tempel errichten, Stadtmauern befestigen, aber auch neue Städte bauen. Die bedeutendste Leistung Hammurabis waren seine Gesetze: Er ließ nämlich die 282 Gesetze seines Reiches auf einer ungefähr 2 Meter hohen Steinsäule (Stele) einmeißeln. Damit haben wir zum ersten Mal den Nachweis schriftlich verfasster Gesetze. Sie enthalten viele Bestimmungen, die das damalige Zusammenleben regelten und ordneten: Strafen bei Diebstahl, Tötung oder Kindesentführung; Festlegung der Löhne, Verordnungen, wie die Häuser gebaut werden sollten... Zum ersten Mal wurde also eine Herrschaft, aber auch die Ordnung im Lande durch geschriebenes Recht begründet, während vorher die Richter nach dem Gewohnheitsrecht urteilten, also nach dem Prinzip, wie "es schon eh und je gewesen ist". Nach dem Tod Hammurabis zerfiel allerdings sein Reich. Der südliche Teil Mesopotamiens fiel einem kriegerischen Bergvolk zum Opfer, dessen Herrschaft fast 4 Jahrhunderte dauerte. Der Norden Mesopotamiens wurde von verschiedenen Völkern besetzt und durch deren Führer geleitet.

10 Einige Paragrafen der Gesetze des Hammurabi 1. Wenn ein Bürger Kriegsbeute geworden und in seinem Hause nichts mehr zu essen vorhanden ist, darf seine Frau in das Haus eines anderen einziehen 2. Wenn ein Bürger einen anderen Bürger des Mordes bezichtigt, es ihm aber nicht beweisen kann, so wird der, der ihn bezichtigt hat, getötet. 3. Wenn ein Bürger eine Bürgerstochter geschlagen hat und wenn diese Frau stirbt, so tötet man seine Tochter. 4. Wenn ein Bürger die Magd eines Bürgers geschlagen hat und wenn diese Magd stirbt, so zahlt er 1/2 Mine Silber (= bestimmter Geldwert). [nach: LAUTEMANN, W., SCHLENKE, M. (Hrsg.), Geschichte in Quellen, Bd. 1, Altertum, München 1975, S. 63 ff.] 3.2 OHNE HEIMAT? DIE ISRAE- LITEN UND IHRE WECHSELVOLLE GESCHICHTE Die Geschichte der Israeliten beginnt mit der Einwanderung dieses semitischen Hirtenvolkes um 2000 v. Chr. in die südmesopotamische Stadt Ur. Von dort zogen sie weiter unter der Führung Abrahams durch die Syrische Wüste nach Kanaan, ins Gebiet des Jordans, wo sie sich auch für längere Zeit niederließen. Kanaan war, ähnlich wie Mesopotamien, ein Land, das sehr früh schon besiedelt wurde. In Jericho wurden z. Bsp. Mauerreste ausgegraben, die etwa 6000 bis 8000 v. Chr. errichtet worden waren; daher gilt Jericho als älteste Stadt der Welt. Nach etwa 2 Jahrhunderten musste allerdings ein Teil des israelitischen Volkes weiterziehen - höchstwahrscheinlich infolge einer Hungersnot - und so kam die Sippe des Jakob etwa im 16. Jh. v. Chr. nach Ägypten. Zunächst wurde das fremde Volk von den Pharaonen geduldet und geschätzt, später musste es aber harte Sklavenarbeit leisten. Moses sammelte 125O v. Chr. sein unterdrücktes Volk, um es in die alte Heimat Kanaan zurückzuführen. Auf dem Weg dorthin übermittelte er ihm auf der Halbinsel Sinai die Zehn Gebote. Die Wiedereroberung Kanaans gelang jedoch erst viel später. Im Gebiet des Jordantals wurden schließlich viele Israeliten sesshafte Bauern. Einer der Könige der Israeliten war Saul, der die gefährlichsten Gegner besiegte. Der Nachfolger Sauls, David, dehnte die Grenzen des israelitischen Reiches bis zum Roten Meer und zum Libanon aus. Er eroberte Jerusalem, das von nun an Hauptstadt der Israeliten wurde. Jedoch zerfiel dieses Reich bald in zwei Teile: im Norden Israel und im Süden Juda. Beide Reiche wurden allerdings schon bald von fremden Völkern erobert. So wurde Juda 586 v. Chr. von den Babyloniern erobert, wobei ein Großteil der Bevölkerung Judas nach Mesopotamien ( Babylonische Gefangenschaft") verschleppt wurde. Hiermit wurde ein weiteres Kapitel der wechselund leidvollen Geschichte der Juden eingeleitet und dauert bis heute an. Immer, unter den vielen Fremdherrschaften und in ihrem Reich, haben sich die Israeliten durch ihre Religion verbunden gefühlt: Sie waren das erste Volk, das - im Gegensatz zu dem Vielgötterglauben (= Polytheismus) der Nachbarvölker - einen einzigen unsichtbaren Gott (= Monotheismus) als den Herrn des Himmels und der Erde verehrte. Insofern haben sich die Juden oft auch als ein von Gott auserwähltes Volk gesehen. Ihre Religion ist die Grundlage für die spätere christliche Religion. Aus dem GILGAMESCH-EPOS (Eine der wichtigsten schriftlichen Erzählungen aus Mesopotamien ist das Gilgamesch-Epos, in dem von Gilgamesch erzählt wird, der von seiner Angst vor der Vernichtung menschlichen Lebens berichtet. Dieses Epos wurde zusammen mit vielen anderen Textsammlungen in der riesigen Tontafelbibliothek des Assyrerkönigs Assurbanipal in Ninive gefunden und stammt etwa aus der Zeit Hammurabis) Das Schiff war fertig am siebenten Tag, Schwierig war das Beladen des Schiffes,... Was immer ich hatte, lud ich darein: Was immer ich hatte, lud ich darein an Silber, Was immer ich hatte, lud ich darein an Gold, Was immer ich hatte, lud ich darein an allerlei Lebenssamen: Steigen ließ ich ins Schiff all mein Geschlecht und Sippe, Wild des Feldes, Getier des Feldes... Die Frist, die der Sonnengott Schamasch mir gegeben: Wenn der Gott, der den Abend bewirkt, Es auch regnen lassen wird, Dann tritt hinein ins Schiff und verschließe dein Tor. 9

11 Aus der BIBEL (Die Bibel, in diesem Falle das Alte Testament, ist das Glaubenstestament der Israeliten.) Da sprach der Herr zu Noe: "Gehe hinein in die Arche mit deiner ganzen Familie, denn dich habe ich gerecht angetroffen vor meinem Angesichte unter diesem Geschlecht. Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben Stück, je ein Männchen und ein Weibchen, von den unreinen Tieren je zwei, ein Männchen und ein Weibchen. Auch von den Vögeln des Himmels je sieben Männchen und Weibchen, damit Nachwuchs am Leben erhalten bleibe auf der ganzen Erde. Denn noch sieben Tage, dann will ich regnen lassen auf der ganzen Erde vierzig Tage und vierzig Nächte lang und will jegliches Wesen, das ich geschaffen habe, vom Erdboden vertilgen." Und Noe tat alles, was ihm der Herr befohlen. Nach Ablauf von sieben Tagen kamen nun die Wasser der Flut über die Erde... Die Flut ergoss sich über die Erde vierzig Tage lang... Alles Leben, das auf der Erde sich bewegte, Vögel, Vieh, Wild und alles Kleingetier und alle Menschen gingen unter... Noe allein und die mit ihm in der Arche waren, blieben übrig. (Nach: Weissensteiner-Chvojka-Lehn, Zeitbilder, Bd. 5, Wien 1984, S. 30f.) 3.3 ÄGYPTEN - EIN GESCHENK DES NILS Damals, vor ungefähr 5000 Jahren, also um 3000 v. Chr., begann die eigentliche Geschichte des alten Ägypten und zwar mit der Vereinigung Unter- und Oberägyptens zu einem einheitlichen "Reich" unter dem Pharao MENES (dessen Existenz inzwischen allerdings angezweifelt wird!). Doch auch schon vorher - vor etwa 7OOO Jahren - haben in Ägypten Menschen gelebt, die sich im fruchtbaren Niltal und im Nildelta niedergelassen haben, um dort v. a. als Bauern ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Um dies zu verstehen, müssen wir uns zunächst ein wenig mit Geografie und Klima dieses Gebietes beschäftigen. Die nebenstehende Karte gibt einen Überblick über den Verlauf des Nils in Ä- gypten. 10 Das fruchtbare Land ist nur ein schmaler Streifen entlang des Nils (außer im Nildelta). Er überschwemmt dieses Gebiet jährlich und hinterlässt fruchtbaren Schlamm. Die Felder erbringen reiche Erträge. Ansonsten besteht das Land fast nur aus Wüste. Durch die wachsende Einwohnerzahl im Nildelta, aber auch im Niltal, waren die Menschen gezwungen, die Wassermengen der jährlichen Überschwemmungen durch geeignete Kanalisationen bzw. Dämme aufzufangen und zu verteilen: Hierdurch war die Düngung und Bewässerung auch entlegener Gebiete möglich. Das war allerdings nur durch gemeinsame Anstrengungen und Arbeiten möglich. Der NIL zwang also die Menschen gemeinschaftlich zu handeln. Ägypten war zunächst in zwei Landesteile aufgeteilt, in Unterägypten (dem Gebiet des Nildeltas) und Oberägypten (dem Gebiet des Niltals oberhalb des Nildeltas). Erst gegen 3100 v. Chr. gelang es dem Pharao MENES, wie oben schon erwähnt, die beiden Gebiete zu einem Reich zu vereinen. Seitdem regierte nur noch ein Pharao über ganz Ägypten. Über die Art und Weise, wie ein Pharao über sein Reich herrschte, werden wir später noch Näheres erfahren. HERODOT, ein griechischer Geschichtsschreiber, der im 5. Jh. v. Chr. lebte, beschrieb Ägypten in seinen Berichten folgendermaßen:...wenn nämlich der Nil anschwillt, so tritt er nicht nur bloß innerhalb des Deltas über die Ufer, sondern überschwemmt auch einen Teil der anderen Gebiete... und zwar zwei Tagesreisen weit nach jeder Seite, manchmal mehr, manchmal weniger.... Ich hätte gerne gewusst, warum. Dies dauert von der Sommersonnenwende ab fast hundert Tage an, nach deren Ablauf das Wasser sich wieder in sein Bett zurückzieht und den ganzen Winter hindurch seinen niedrigen Wasserstand bewahrt, bis wieder die Zeit der Sommersonnenwende kommt. Kein Ägypter konnte mir aber irgendeine Auskunft darüber geben... (Nach: HERODOT, Historien, übersetzt v. A. HORNEFFER, Stuttgart 1955) Eine große Rolle im Leben der Ägypter spielte die Religion. Sehr ausgeprägt war der Glauben der Ägypter an ein Leben nach dem Tod. Wie die meisten Völker des Vorderen Orients glaubten auch die alten Ägypter an viele Götter. Zunächst jedoch war dieser Glauben von Region zu Region unterschiedlich und die religiösen

12 Vorstellungen der Ägypter wechselten häufig; außerdem gab es im gesamten ägyptischen Reich keinen einheitlichen Glauben. Insofern ist es natürlich schwierig, hier die altägyptische Religion kurz und zufrieden stellend darzustellen. Besondere Bedeutung hatte jedoch bei den alten Ägyptern die Sonne, die unter verschiedenen Namen verehrt wurde: Re, Horus, Aton sind die bekanntesten Namen des Sonnengottes. Unter dem Pharao Amenophis IV., der etwa Mitte des 14. Jh. v. Chr. gelebt hatte, erreichte die Verehrung des Sonnengottes einen Höhepunkt, da nur dieser (Aton) verehrt werden durfte; so wurden unter seiner Herrschaft die Namen aller anderen Götter auf den öffentlichen Inschriften gelöscht; auch die Tempel, die zu ihren Ehren erbaut worden waren, wurden geschlossen. Die Bevölkerung jedoch, aber auch die Priester, wehrten sich heftig gegen diese Erneuerung des Glaubens und kurz nach dem Tode Amenophis kehrten die alten Ägypter zu ihrem alten Glauben zurück. Meist stellten sich die Ägypter ihre Götter als Tiergestalten vor, später auch als Menschen mit einem bestimmten Tierkopf: So wurde z. Bsp. Horus als ein Mensch mit einem Falkenkopf dargestellt. Die Ägypter glaubten, dass sie ihr Leben nach dem Tod fortsetzten: Daher versuchten sie, so gut wie möglich, den Körper des Toten zu erhalten. Der Leichnam wurde - nach Entfernung der Eingeweide - einbalsamiert und anschließend mit mehreren hundert Meter langen mit Harz getränkten Leinenbinden eingehüllt. Die armen Menschen jedoch konnten die sehr teuere Zeremonie nicht bezahlen; sie mussten mit einfacheren Mitteln der Einbalsamierung vorlieb nehmen. Das Bild gibt eine Darstellung des Totengerichts wieder, so wie es sich die alten Ägypter vorstellten: ZUM ALLTAG IM ALTEN ÄGYPTEN Die meisten Ägypter waren Fellachen, so bezeichnen wir ägyptische Bauern. Das Land gehörte dem Pharao. Nur einen kleinen Teil der Ernte konnten die Bauern für sich behalten, den Rest mussten sie in die Getreidespeicher abliefern. Außerhalb der Saat- und Erntezeit arbeiteten die Fellachen aber auch an den Bewässerungsanlagen und auf den Baustellen des Pharao, z. Bsp. an den Pyramiden. Das war im Grunde genommen ihre "Steuer", gleichzeitig glaubten sie auch durch diese Dienste für ihren Gott Pharao ihr eigenes Seelenheil retten zu können. Die Sklaven, meist Kriegsgefangene, waren unfrei. Sie dienten oft als Soldaten oder mussten harte Arbeit für den Pharao leisten. Zur damaligen Zeit gab es schon viele andere Berufe: z. Bsp. Maurer, Weber, Goldschmiede. Diese Handwerker arbeiteten in den Dörfern, Städten oder im königlichen Palast. Da es noch kein Geld gab, wurden sie mit Naturalien bezahlt: Brot, Bier, Kleidung, Salz... Der höchst angesehene Beruf war der des Schreibers. Viele Jahre, etwa 10 Jahre lang, musste ein "Schreibschüler" zur Schule gehen (in den Tempeln bzw. im Palast), wo ihm mit strengen Unterrichtsmethoden - Schläge waren nicht selten - die vielen Schriftzeichen beigebracht wurden. Nur die Reichen konnten zur Schule gehen. Die Familie spielte im alten Ägypten eine große Rolle: Vater, Mutter und Kinder bildeten eine Kleinfamilie; jedes Kind war willkommen, im Gegensatz zu Griechenland z. Bsp., wo Kinder auch ausgesetzt werden konnten. Die Ehefrau, "Herrin des Hauses", war in vielen Dingen dem Ehemann gleichberechtigt; sie durfte auch eigenes Vermögen haben. Für die Erziehung der Söhne war aber alleine der Vater zuständig. Seinem Sohn brachte er das rechte Verhalten bei: im richtigen Augenblick zu schweigen oder zu sprechen, den Gemeinschaftssinn vor dem Eigennutz zu stellen, die Gebote der Götter zu achten... In dem oberen Bildausschnitt:1.Der Tote kniet vor 14 Göttern, die über ihn das Urteil sprechen. In dem unteren Bildausschnitt: 2. Der Tote wird vom Gott ANUBIS in das Totenreich geführt; 3. Auf einer Waage wird das Herz des Toten gewogen, rechts von der Waage der "Totenfresser", der den Toten auffrisst, wenn das Herz zu sehr von Sünden beladen ist; 4. Ein Schreiber hält das Ergebnis des Wiegens fest; 5./6. Der Tote wird vom Falkengott HORUS dem Richter der Unterwelt OSIRIS vorgeführt. Das ägyptische Reich dauerte etwa 3000 Jahre. In dieser Zeit haben die Ägypter viele Leistungen erbracht: Aufgrund der Beobachtung der jährlichen Nilüberschwemmungen haben sie den Kalender erfunden (mit den 365 Tagen), aber auch die Geometrie, da das Land immer neu vermessen werden musste. Durch die Mumifizierung der Leichen gewannen die Ägypter genaue medizinische Kenntnisse. Die erstaunlichste Leistung in Zusammenhang mit ihrem Totenkult war der Bau der Pyramiden, die als Totenkammer einiger Pharaonen und ihrer Familien dienten. 11

13 3.4 DIE GRIECHEN - ERFINDER EUROPAS? Nach der griechischen Sage herrschte in Phönizien König Agenor über die Städte Tyrus und Sidon. Er hatte eine wunderschöne Tochter mit Namen Europa. Zu dieser war der Weltenbeherrscher und Göttervater Zeus in Liebe entbrannt, da ihn der Liebesgott Eros mit seinen Pfeilen getroffen hatte. Zeus kannte keinen anderen Wunsch mehr, als die schöne Europa für sich zu gewinnen. Er wusste aber, dass er nur List das Ziel ereichen konnte, denn Hera, die Göttermutter, verfolgte argwöhnisch jeden Schritt ihres Gatten. So verwandelte sich Zeus in einen wunderschönen Stier mit goldenem Fell: Er mischte sich unter Agenors Viehherde am Strand, an dem die schöne Europa mit ihren Freundinnen spielte. Langsam näherte sich Zeus in seiner Stiergestalt den spielenden Mädchen. Und da er sich so sanft und friedvoll gab, verloren die Mädchen jede Angst vor dem Stier. Die Freundinnen drängten Europa, sich auf den Rücken des so friedlichen Tieres zu setzen.. Doch kaum saß Europa auf dem Rücken des Stiers, stand dieser auf und setzte sich in Bewegung. Erst langsam und dann immer schneller. Dann stürzte sich der Stier mit Europa auf dem Rücken in die Fluten des Meeres und schwamm hinaus den ganzen Tag und die ganze Nacht. Da endlich zeigte sich Land. Der Stier betrat den Strand und legte sich nieder. Nachdem Europa von seinem Rücken geglitten war, verwandelte sich der Stier: Ein Mann, anzusehen wie ein Gott, stand vor ihr. Sie solle sich nicht fürchten, sagte er, er sei der König dieser Insel Kreta. Er wolle für sie sorgen und sie beschützen. Da weinte Europa über ihr Schicksal, fern der Heimat und der Eltern zu sein. Plötzlich schrak sie auf: Die Göttin Aphrodite und ihr Sohn Eros kamen auf sie zu. Sie solle von ihrem Kummer lassen, sagte ihr Aphrodite tröstend, denn alles sei nach dem Willen der Götter. Zeus habe sie zu seiner irdischen Gemahlin gemacht. Und sie solle hinfort unsterblich sein, denn der Erdteil, der sie aufgenommen habe, solle für alle Zeiten ihren Namen tragen: EUROPA. (nach: Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. wanderten griechische Volksstämme nach Griechenland ein ( Hellas, so nannten die Griechen ihr Land und "Hellenen" sich selbst) und besiedelten die fruchtbaren Täler und Küstenstreifen des Landes. Griechenland liegt an der Südspitze der Balkanhalbinsel und ragt als Halbinsel weit ins Mittelmeer hinaus. Das Land ist in viele Tallandschaften geteilt. Von einem einheitlichen griechischen Reich können wir, im Gegensatz zu Ägypten, nicht sprechen: Die vielen Gebirge bewirkten, dass sich die einzelnen Städte unabhängig voneinander als Stadtstaaten (griech.: polis Politik ) entwickelten, die oft auch untereinander verfeindet waren. Die bekanntesten Stadtstaaten waren: Athen, Korinth, Sparta und Theben. Dennoch gab es unter den Hellenen ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das von drei gemeinsamen Merkmalen gekennzeichnet war: die gemeinsame Sprache; die gemeinsame Religion, wobei der Göttervater Zeus besonders verehrt wurde, neben Hera, seiner Frau und Schwester, Poseidon, dem Gott der Meere und Hades, dem Gott der Unterwelt. Auf dem Berg Olymp, so glaubten die Griechen, lebten die Götter; die gemeinsamen Olympischen Spiele, die schon seit 776 v. Chr. (übrigens beginnt damit die griechische Zeitrechnung!) alle 4 Jahre zu Ehren von Zeus im Tal von Olympia ausgetragen wurden: Zu dieser Zeit durften keine Kriege zwischen den Stadtstaaten geführt werden (= Olympischer Friede). Ein weiterer Ort von großer Bedeutung für alle Griechen war der Ort Delphi: Hier wurde die Priesterin Pythia vor wichtigen Entscheidungen um Rat gefragt, die dann im Namen des Gottes Apollo ihre Weissagungen (Orakel) machte. Der bedeutendste griechische Stadtstaat, dem wir auf kulturellem, politischem und wissenschaftlichem Gebiet viel zu verdanken haben, war sicherlich ATHEN. Lange Zeit regierten dort (nach einer kurzen Herrschaft der Könige) die vornehmen und reichen Familien (= Aristokratie), denen auch der Grundbesitz gehörte, den sie wiederum den umliegenden Bauern verpachteten. Doch ging es diesem einfachen Volk immer schlechter, da sie den Reichen immer mehr Abgaben entrichten mussten und sie oft auch die Zinsen für geliehenes Geld nicht mehr bezahlen konnten. Es drohte ein Bürgerkrieg! Im 6. Jh. v. Chr. gelang es dem athenischen Staatsmann Solon, der als Schlichter in diesem Konflikt eingesetzt wurde, eine Lösung im Streit zwischen den Adeligen und den inzwischen immer mehr verarmten und unfreien Bauern zu finden: Er erließ diesen ihre Schulden und teilte das Volk nach 4 (Vermögens-)Klassen ein, wobei zur 1. Klasse die Großgrundbesitzer, die Reichen also, zur 4. Klasse die armen Tagelöhner gehörten. Er führte eine Staatsform ein, die auf der Dreiteilung der Macht im Staate aufbaute. 12

14 Eine Volksversammlung, die aus allen männlichen, freien Bürgern Athens (ausgenommen also: Frauen, Sklaven, Fremde) bestand, wählte aus Bürgern der 4 Vermögensklassen den Rat der 400, die Regierung (= diejenigen, die die Beschlüsse der Volksversammlung ausführten, entspräche heute in etwa den Ministern). Um 500 v. Chr. wurde diese Demokratie (= die Macht geht vom Volke aus / = Herrschaft des Volkes durch das Volk für das Volk) durch die Reformen des Staatsmannes Kleisthenes noch verbessert: Die Macht in Athen + Umgebung wurde in 3 geteilt (= Gewaltentrennung): - Die Volksversammlung, der alle freien Bürger Athens angehörten (von etwa Einwohnern Athens waren "nur" freie Bürger) beschloss die Gesetze, überwachte die Regierung und entschied über Krieg und Frieden. - Der Rat der 500 bestand aus 500 freien Bürgern, die durch Losentscheid bestimmt wurden: 50 Mitglieder dieses Rates, die sich etwa jeden Monat abwechselten, stellten die Regierung: Sie führten v. a. die Beschlüsse der Volksversammlung aus. - Die Volksgerichte: Hier saßen auch freie Bürger, die von der Volksversammlung gewählt wurden, um Verbrechen aufzuklären, Urteile zu fällen und Streitigkeiten zu schlichten. Eine "Besonderheit in Athen" war das Scherbengericht: Wenn die Angst bestand, dass ein Politiker sich zuviel Macht aneignete, konnten die Bürger während einer Volksversammlung den Namen des Politikers auf eine Scherbe aufschreiben: Kamen 6000 Stimmen zusammen, wurde dieser Politiker für 10 Jahre aus Athen verbannt. Folgende Zeittafel verdeutlicht, dass gerade im 5. und 4. Jh. v. Chr. die Athener gegen viele Feinde zu kämpfen hatten: 490 v. Chr.: Ein Feldzug der Perser nach Griechenland endete mit dem Sieg Athens bei Marathon (ein Läufer überbrachte die Siegesnachricht nach Athen = Marathonlauf). 480 v. Chr.: Der Perserkönig Xerxes I. wurde beim Versuch, Griechenland zu erobern, besiegt. 477 v. Chr. schlossen sich die Athener mit anderen Stadtstaaten gegen die Perser zu einem Seebund zusammen (= Attischer Seebund): Athen wurde zu einer führenden Wirtschafts- und Seemacht Griechenlands. Es kam aber zu Spannungen zwischen Athen und Sparta. 448 v. Chr.: Friedensvertrag mit den Persern. 445 v. Chr.: Sparta erkannte die Vormachtstellung Athens in Attika an, Athen die Vormachtstellung Spartas in der Peloponnes v. Chr. : Blütezeit Athens unter Perikles v. Chr.: Kriege zwischen Athen und Sparta. 338 v. Chr.: Griechenland geriet unter die Vorherrschaft der Makedonen unter dem König Philipp II. Später eroberte Philipps Sohn, Alexander der Große, Ägypten, das Perserreich und drang sogar bis nach Indien vor ("Weltreich"). 146 v. Chr.: Zerstörung Korinths: Griechenland wurde ein Teil des Römischen Reiches. Sparta war, neben Athen, ein anderer wichtiger Stadtstaat im alten Griechenland. Die Spartiaten waren eine kleine Gruppe von Eroberern, die sich zu Herren über die Ureinwohner machten, sie unterdrückten und zum Teil sogar versklavten. Um die militärische Überlegenheit über diese Ureinwohner, die zahlenmäßig viel stärker waren, zu erhalten, mussten die Spartiaten eine harte Lebensführung in Kauf nehmen. So entschied ein Ältestenrat, ob ein Baby überhaupt kräftig genug war, um aufgezogen zu werden. Jungen wie Mädchen wurden von Kind auf dazu erzogen, mit Wenigem auszukommen und den Körper abzuhärten (auch heute gibt es noch den Ausdruck "spartanisch leben" = einfach, bescheiden, anspruchslos leben). Die Jungen mussten mit dem 7. Lebensjahr das Elternhaus verlassen, um in Lagern bis zu ihrem 30.Lebensjahr zu Kriegern erzogen zu werden. Die Bedeutung der griechischen Geschichte liegt allerdings nicht nur auf politischem Gebiet ( Erfindung" der Demokratie...). Auch in der Mathematik, den (Natur-) Wissenschaften, der Philosophie, der Literatur, der Medizin... haben uns die alten Griechen viele Quellen ihres geistigen Schaffens hinterlassen, die zum Teil auch heute noch gültig sind! Hier "nur" einige Beispiele: 13

15 * Die Akropolis und eine Reihe von Tempeln gelten als Meisterwerke griechischer Baukunst. * Aus religiösen Ursprüngen entstand in Athen das Theater mit seinen berühmten Tragödien. * Noch heute sind die meisten Ärzte dem "Eid des Hippokrates" verpflichtet (nämlich alles zu unternehmen, um das Leben eines Menschen zu retten). Hier ein Auszug: Ich schwöre bei Apollon, dem Arzte, und bei Asklepios, Hygieia und Panakeia und bei allen Göttern und Göttinnen als Zeugen, dass ich nach bestem Vermögen... diesen Eid erfüllen werde: Den, der mich diese Kunst lehrte, werde achten wie meinen Eltern, mit ihm den Unterhalt teilen und ihn versorgen, falls er Not leidet, seine Kinder meinen männlichen Geschwistern gleichzustellen und, wenn sie es wünschen, sie diese Kunst lehren, ohne Entgelt... Meine Heilkunst werde ich anwenden zu Nutzen der Kranken, nach bestem Vermögen, sie schützen vor allem, was ihnen Schaden zufügen könnte. Nie werde ich, auch nicht auf eine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur einen Rat dazu erteilen. Gleicherweise werde ich niemals einer Frau ein fruchtabtreibendes Mittel geben... Staatsführung Justiz Oberbefehl über das Heer Was ich bei der Behandlung sehe und höre oder außerhalb der Behandlung im Gespräch mit den Menschen erfahren habe, werde ich verschweigen. (Nach: Hippokratischer Eid, Encarta Lexikon 2000) * Noch heute lernen die Schüler den "Satz des Pythagoras" (in einem rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Quadrate über den Katheten gleich dem Quadrat über der Hypotenuse). * Der weise Philosoph Sokrates, der zum Tod durch den Giftbecher verurteilt wurde, weil er seiner Umgebung durch seine Fragen zu unbequem wurde, erkannte schon damals: "Ich weiß, dass ich nichts weiß"...und wir??? Was "wissen" wir denn schon heute? ROM: VOM STADTSTAAT ZU EINEM WELTREICH Der Weg Roms von einigen kleinen Dörfern an dem Fluss Tiber zur Weltmacht und Hochkultur begann im 6. Jh. v. Chr. Die römische Überlieferung (Tradition) nennt das Jahr 753 v. Chr. als das Datum der Grundsteinlegung. Die Stadt wurde zuerst von sieben Königen regiert. Überliefert ist jedoch nur die Herrschaft der letzten etruskischen Könige DIE RÖMISCHE REPUBLIK König Tarquinius Brutus wurde 510 v. Chr. gestürzt und die Republik ausgerufen. Ihre Grundsätze (Volksversammlung, Annuität, Kollegialität der obersten Beamten, Senat, später auch Volkstribunat) stellten Jahrhunderte lang demokratische und aristokratische Elemente der Staatsführung. 2 Konsuln Prätoren SENAT Innere Ordnung Ädilen Veto Finanzen Quästoren Volkstribunen WAHL WAHL (Plebejer) PATRIZIER + PLEBEJER = VOLKSVERSAMMLUNG (von den Konsuln einberufen und geleitet) entscheidet über: Gesetze + Krieg und Frieden bildet RÖMISCHES VOLK, eingeteilt nach 193 Vermögensklassen, wovon 98 den Reichen und Wohlhabenden vorbehalten waren SKLAVEN (ohne Rechte) Römische Verwaltung des Staates nach Abschluss der Ständekämpfe Konsul konnte nur werden, wer die Ämterlaufbahn (als Quästor, Ädil, Prätor) hinter sich gebracht hatte Bis zum Jahr 270 v. Chr. erwies sich Rom, trotz mancher Rückschläge, als die führende Macht auf der italischen Halbinsel. Das Jahr 264 v. Chr. leitet mit der Annexion (Eroberung) Siziliens den Eintritt in die Phase des römischen Imperialismus (Ausdehnung) ein. In den drei Punischen Kriegen (241, 206 und 146 v. Chr.) wurde mit Karthago die größte Seemacht des Mittelmeers besiegt. Zur gleichen Zeit geriet Rom in die ständigen Auseinandersetzungen mit Griechenland und Makedonien. Beinahe zur gleichen Zeit gelangten Spanien, Nordafrika und Griechenland in römische Hand.

16 ZUM ALLTAG IM ALTEN ROM 1. Die römische Küche Heute verbinden wir mit den Römern oft typische italienische Speisen, wie Pizza, Schinken, Spaghetti bolognaise. Die meisten Menschen lebten jedoch von Brot, Bohnen, Weizenbrei und Gemüse. In der Küche verwendeten die Frauen jedoch Gewürze und Kräuter, um die Mahlzeiten schmackhafter zu machen. Die meisten Familien hatten nicht genug Platz um eine eigene Küche einzurichten. Deswegen kochten sie einfache Mahlzeiten in bronzenen oder eisernen Töpfen über kleinen Feuerstellen, für die sie Holzkohle verwendeten. In den kleinen Wohnungen war das Kochen so schwierig, dass viele Menschen ihre Speisen zu öffentlichen Backstuben brachten und sie dort gegen eine geringe Gebühr auf den Ofen stellten. In den Villen der reichen Römer gab es jedoch große Küchen. Dort fand man alles, was zur Vorbereitung von großen Festessen gebraucht wurde. Für sie war auch keine Speise zu exotisch. Im Gegenteil, um ihre Gäste zu beeindrucken, ließen gute Gastgeber Tiere und Gewürze aus dem ganzen Reich kommen. Zu den Speisen wurde Wein getrunken. Die meisten Römer, ob reich oder arm, tranken Wein, wovon es - nach dem römischen Schriftsteller Plinius - mehr als 200 Sorten gab. Sie mischten den Wein, wie die Griechen, stets mit Wasser. Egal was es sonst gab, die Römer aßen zu jeder Mahlzeit Brot. In den Städten mahlten professionelle Bäcker das Korn zu Mehl und buken den Großteil des Brotes für das gewöhnliche Volk. Das Mahlen von Korn war eine solch schwere Arbeit, dass sich nur Sklaven und verarmte Bürger, die sonst keine Arbeit mehr finden konnten, in den Backstuben plagten. In reichen Haushalten mussten die Sklavinnen Korn mahlen und Brot backen. 2. Haus und Heim Die meisten Römer wohnten in engen, dunklen Wohnblöcken, die insulae genannt wurden. Die reicheren Römer konnten sich Einfamilienhäuser leisten, die domus genannt wurden, die oft mit schönen Wandmalereien und Mosaiken verziert waren. Dieses verfügte meist über ein Atrium, eine offene Halle mit einem Becken zum Sammeln von Regenwasser, das zur Kühlung des Hauses diente. Dort befand sich auch das Lararium, der Hausaltar der Familie, der den Gottheiten des Hauses gewidmet war. Die meisten Häuser waren klein, hatten aber mehrere Schlafzimmer, ein Speisezimmer und eventuell ein Arbeitszimmer, wo vielleicht auch eine eigene Bibliothek mit lateinischer und griechischer Literatur untergebracht war. Pro Tag wurden Millionen Kubikmeter Wasser über Aquädukte nach Rom geleitet, aber nur wenige Menschen hatten sanitäre Anlagen im Haus. Gewöhnlich gehörten private Bäder, wie sie zum Beispiel in Pompeji gefunden wurden, den Reichen. Lebten die Menschen in einem Wohnblock, mussten sie die öffentlichen Bäder und Toiletten benutzen (damals gab es noch kein Toilettenpapier!) und sich das Wasser von einem der Brunnen in der Nachbarschaft holen. Selbst wenn der Römer selbst ein Bad besaß, ging er oft in die öffentlichen Bäder, um Bekannte zu treffen oder Verhandlungen zu führen.. 3. Aufwachsen in Rom die Familie Selbst in der strengen römischen Gesellschaft durften sich die Kinder einige Jahre mit Puppen, Holztieren und anderen Spielzeugen die Zeit vertreiben. Sie spielten mit Murmeln, Puppen, Holztieren und Bällen. Die beiden beliebtesten Brettspiele in Rom waren "Kleine Räuber" - ein Spiel ähnlich dem Schach- und "Zwölf Linien", das viel mit dem heutigen Backgammon gemeinsam hatte. Bald jedoch mussten sie sich auf ihr späteres Leben vorbereiten. In Rom gingen die Kinder, ab dem 7. Lebensjahr zumindest für einige Jahre zur Schule, wo sie viele Stunden mit Diktate, Literaturbesprechungen und Rechnen verbrachten. Die Mädchen verließen die Schule im Allgemeinen mit zwölf und wurden verheiratet. Die Jungen setzten ihre Ausbildung unter der strengen Aufsicht der Lehrer und Väter fort. Die ärmeren Kinder mussten jedoch arbeiten, sobald sie dazu in der Lage waren. Die Söhne sollten Werte und Verhaltensweisen erlernen, die auch dem Staat von Vorteil waren: Verehrung der Götter Wahrhaftigkeit und Pflichterfüllung im privaten wie öffentlichen Leben Gehorsam und Tapferkeit Achtung vor den Vorfahren In Zeiten der Republik war der "pater familias" der absolute Herrscher, dem der ganze Besitz der Familie gehörte. Er hatte über Frau und Kinder dieselbe Macht wie über seine Sklaven, die auch zur Familie gehörten. Er konnte ein Kind, das ihm seine Frau zur Welt brachte, ablehnen und aussetzen. Er hatte sogar das Recht seine Söhne und Töchter als Sklaven zu verkaufen. Auch wenn der erwachsene Sohn blieb dem Vater in allen Dingen untergeordnet. Erst wenn der Vater starb erhielt er seine Rechte. Dem Römer war nichts so wichtig wie die Familie. Die Römer verehrten ihre Vorfahren und legten großen Wert auf die Fortführung ihres Familiennamens durch ihre Söhne. (nach: Feldmann, Clemens: Wie lebten die alten Römer? in: 15

17 Der Aufstieg Roms zur Weltmacht erfolgte nicht ohne Schwierigkeiten und Hindernisse. Die Hauptlast der vielen Kriege mussten allerdings die kleinen Bauern tragen, die für den Kriegsdienst eingezogen wurden und mit ihren Familien oft nur ein jämmerliches Dasein führten. Die Kluft zwischen Arm und Reich wurde im Laufe der Zeit immer größer. So konnten in den eroberten Gebieten nur die reichen römischen Bürger das hohe Pachtgeld für die neuen Ländereien bzw. beschlagnahmten oder leeren Bauernhöfe in den Provinzen bezahlen. Außerdem erwarben die reichen Bürger oft auch die Güter der Bauern, die im Krieg gefallen waren. So entstanden im Laufe der Zeit große landwirtschaftliche Betriebe in den Händen von Großgrundbesitzern. Die kleinen Bauern konnten diesem Wettbewerb nicht standhalten, da ihre Höfe während ihrer Abwesenheit im Kriege oft verfielen und sie auch das Geld für ihren Wiederaufbau nicht aufbringen konnten. Außerdem konnte das Getreide aus den Provinzen viel preisgünstiger importiert werden, so dass die römischen Bauern ihr Getreide nicht verkaufen konnten, während die Großgrundbesitzer sich auf Olivenöl, Obst und Fleisch spezialisierten, deren Produktion große Anbauflächen erforderten. Nach einem Bericht des griechischen Schriftstellers PLUTARCH soll der Volkstribun Tiberius Gracchus um 130 v. Chr. die Lage der Bauern folgendermaßen geschildert haben: Die wilden Tiere, die Italien bevölkern, haben ihre Höhlen und kennen ihre Lagerstätte.... Die Männer aber, die für Italien kämpfen und sterben, haben nichts als Luft und Licht; unstet, ohne Haus und Heim, ziehen sie mit Weib und Kind im Land umher. Die Feldherren lügen, wenn sie in der Schlacht ihre Soldaten aufrufen, Gräber und Heiligtümer gegen die Feinde zu verteidigen. Denn keiner von diesen armen Römern hat einen Altar von seinen Vätern geerbt Für das Wohlergehen anderer setzen sie im Krieg ihr Leben ein. Herren der Welt werden sie genannt, in Wirklichkeit gehört ihnen aber kein Fleckchen Erde. (nach: Oomen, H.G., Hrsg.: Entdecken und verstehen, Berlin 1999, Bd. 1, S. 114) den ehemaligen Bauern. Außerdem verringerte sich deutlich die Zahl der Bauern, die sich überhaupt eine Kriegsausrüstung leisten konnten, so dass es schließlich auch an Soldaten fehlte. In dieser Lage versuchte nun der Volkstribun Tiberius Gracchus eine Reform herbeizuführen: Im Jahre 133 v. Chr. forderte er, dass jeder Großgrundbesitzer nur 250 ha. (= 1000 Morgen) Land besitzen dürfe, das restliche sollte nun unter den Kleinbauern aufgeteilt werden. Die Großgrundbesitzer waren mit diesem Vorschlag aber nicht einverstanden: Ein Jahr später wurde Tiberius Gracchus von erzürnten Senatoren ermordet. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens 10 Jahre später seinen Bruder Gaius Gracchus, der auch eine Landreform durchsetzen wollte. Doch die Frage nach der politischen Zukunft Roms spaltete die Verantwortlichen in zwei Lager: die Popularen, die die Reformen der Volkstribunen durchsetzen wollten, die Optimaten, die die Interessen der Reichen vertraten. Die Verwaltung eines Weltreiches überforderte im 1. Jh. v. Chr. den Staat und so kam es zu Bürgerkriegen. Mehrere Politiker hatten sich schon bisher in Triumviraten die Macht geteilt und der klassischen römischen Republik ein Ende gesetzt. Durch den Feldherrn und Politiker Gaius Iulius Caesar wurde das riesige Gallien erobert und enge Beziehungen zu Ägypten geknüpft. Das Römische Reich unter Trajan 117 n. Chr. Viele Kleinbauern verließen ihre Höfe und zogen in die Hauptstadt: Hier aber verbesserte sich ihr Los keineswegs, denn oft verrichteten Sklaven die einfachen (Handwerks-)Arbeiten, so dass gerade in Rom eine Masse erwerbsloser Menschen die Straßen säumten. Sie wurden Proletarier genannt, d.h. die proles (= Latein) besaßen nichts anderes als ihre eigenen Nachkommen und ihre Wahlstimme, die sie den meistbietenden Kandidaten, die ihnen Brot und Spiele versprachen, verkauften. Gerade diese Situation führte zunehmend zu Spannungen zwischen den armen und reichen Bürgern, den (neuen) Großgrundbesitzern und DIE RÖMISCHE KAISERZEIT Nach Caesars Ermordung durch Senatoren, die Caesars Machtmissbrauch befürchteten, ging aus dem Bürgerkrieg Octavian als Sieger hervor, der unter dem Namen Augustus ab 27 v. Chr. das Reich grundlegend reformierte und in seiner Existenz sicherte. Wir sprechen auch von der Pax Augusta (Frieden des Augustus). In der Folgezeit war Rom eine absolute Monarchie mit einem Kaiser an der Spitze (Prinzipat). Unter seinen Nachfolgern dehnte sich das Reich immer weiter aus, bis es von Schottland nach Ägypten und von Spanien bis Armenien reichte.

18 Unter Kaiser Traian erreichte das Imperium seine größte Ausdehnung. Die über 200 Jahre währende Pax Romana ( Römischer Frieden ) wurde durch den Einfall von Germanenstämmen und einem erstarkten persischen Reich im Osten beendet. Innere Wirren und die Bedrohungen von außen schwächten den Staat unter zahlreichen Soldatenkaisern. Ende des 3. Jh. n. Chr. konnte jedoch wieder eine einigermaßen stabile Ordnung errichtet werden und Kaiser Diocletian passte das Reich den neuen Umständen in Verwaltung und Organisation an. Er teilte die Macht zwischen einem Hauptkaiser im Westen und einem Mitregenten im Osten. Unter östlichem Einfluss wandelte sich das Kaisertum zum absolutistischen Dominat (Herrschaft). Das Christentum verbreitete sich rasch im Römischen Reich, nachdem Kaiser Konstantin 313 n. Chr. im Mailänder Toleranzedikt die christliche Religion in seinem Reich duldete; später trat er selber auch zum christlichen Glauben über. Später, unter dem Kaiser Theodosius, wurde die christliche Religion 391 n. Chr. zur Staatsreligion erhoben. Die christliche Religion geht auf Jesus Christus zurück, der (um 7 v. Chr.) in Bethlehem geboren wurde und durch seine Lehren der Nächsten- und Feindesliebe, der Toleranz, der Gleichheit aller Menschen schon zu seinen Lebzeiten Menschenscharen anzog. Vor allem die Armen, Ausgestoßenen und Unterdrückten schöpften in der Heilslehre des christlichen Glaubens neue Hoffnung. Die Juden sahen in dem Wirken von Jesus, der sich als Sohn Gottes bezeichnete und sogar einer Ehebrecherin die Sünden verzieh ( Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein ), eine Gotteslästerung und ließen ihn durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus hinrichten. Die Lehren und das Wirken Christi wurden später von seinen Jüngern im Neuen Testament aufgezeichnet. Konstantin gründete außerdem 330 n. Chr. mit Konstantinopel eine neue Hauptstadt für das oströmische Reich. Die Teilung des Reiches wurde endgültig 395 n. Chr. mit der Reichsteilung durch Theodosius vollzogen. Der westliche Teil zerfiel allmählich unter dem Druck der Völkerwanderung, konnte sich aber noch bis 476 n. Chr. halten. Mit Hilfe der Goten gelang es in einem letzten Kraftakt dem Westreich 451 n. Chr. in der Schlacht gegen Attila auf den Katalaunischen Feldern (Gallien = Gegend des heutigen Troyes in Frankreich) die Hunnen zurückzudrängen, die schon Teile Chinas, Indiens und Persiens bezwungen hatten. Die Ansiedlung fremder Völker innerhalb der Grenzen des römischen Reiches führte später zu eigenständigen Reichsgründungen durch die Germanen. Ostrom konnte unter Kaiser Justinian im 6. Jh. n. Chr. einige der weströmischen Provinzen für sich gewinnen, das Reich jedoch nicht mehr zu einer Einheit führen. Als Byzantinisches Reich überdauerte es nochmals 1000 Jahre. Zunächst noch eine große Macht, wurde sie ab dem 8. Jh. immer mehr durch den Islam in Bedrängnis gebracht. Erschwerend wirkten sich auch die Streitigkeiten mit Rom um die religiöse Vormachtstellung im Christentum aus. Es kam schließlich zu einer Trennung zwischen der weströmischen und oströmischen (orthodoxen) Kirche, weil Letztere den Papst als Oberhaupt nicht anerkannte. Das schließlich auf Griechenland und Kleinasien beschränkte Reich wurde durch die Kreuzzüge erheblich geschwächt und erlag 1453 dem Ansturm der Osmanen unter Mohammed II. 4. DAS MITTELALTER 4.1 ZURÜCK ZUR FINSTERNIS? Die Ostgoten, unter der Herrschaft ihres Königs Theoderich, fielen um 500 n. Chr. in Italien ein und errichteten dort das Ostgotenreich mit der Hauptstadt Ravenna. Römer und Goten blieben in diesem Reich streng voneinander getrennt. Die Römer waren weiterhin für die Verwaltung des (weströmischen) Reiches zuständig, während die Goten den Kriegsdienst versahen. Auch religiöse Gegensätze bestimmten das Verhältnis zwischen beiden Völkern: Während die Römer sich seit Kaiser Konstantin (Toleranzedikt 313 n. Chr.!) und Theodosius zum katholischen Glauben bekannten, waren die Goten Anhänger des Arianismus: Sie glaubten nicht an die Göttlichkeit Christi. Theoderich versuchte, mit anderen germanischen Stämmen verbündet, gegen Ostrom anzugehen. Dies gelang ihm aber nicht: Sein größter Gegenspieler war der Frankenkönig Chlodwig. Die Franken waren vom Rhein aus südwärts gewandert und konnten dabei unter dem Merowinger Chlodwig bis zu den Pyrenäen vordringen. Durch Verschmelzung mit den Besiegten gelang es dem Frankenreich, anders als im Ostgotenreich, sich zu einem recht dauerhaften und stabilen Staatswesen auszubauen: Es war die bedeutendste Herrschaftsgründung seit der Völkerwanderungszeit. Hierdurch wurde der Grundstein für die weitere Entwicklung Westeuropas, v. a. aber Frankreichs und Deutschlands, gelegt. 17

19 Zwar zerfiel das Reich unter den Nachfolgern Chlodwigs, konnte aber sehr schnell wieder zu einem gesamten Herrschaftsgebiet vereint werden. Erst im 7. Jahrhundert n. Chr. wurden die Merowinger allmählich von ihren Hausmeiern entmachtet und schließlich auch gestürzt. Der Hausmeier war der Vorstand der gesamten Hofhaltung der merowingischen Könige und stand gleichzeitig auch an der Spitze des Heeres; insofern hatte er das oberste und wichtigste Staatsamt inne. Über das Amt des Hausmeiers gelangte schließlich das Geschlecht der Karolinger an die Macht und löste die Merowinger ab. Chlodwig war, einer Legende entsprechend, um 500 n. Chr. nach der gewonnenen Schlacht gegen die Alemannen mit seinen Untertanen zum katholischen Glauben übergetreten Das Christentum breitete sich so allmählich westwärts aus und erfasste auch die nichtchristlichen Germanen. Der Grundstein für die christlich - abendländische Kultur war gelegt. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistete der Mönch Benedikt von Nursia, der auf dem Berg Monte Cassino in Süditalien eine Mönchsgemeinschaft um sich scharte und sie die Gelübde der Armut, des Gehorsams (dem Abt und der Kirche gegenüber) und der Keuschheit ablegen ließ. Das gesamte Leben der Benediktiner war von der Ordensregel "Bete und arbeite" geleitet, wobei die Verbreitung des Glaubens zu den wichtigsten Aufgaben der Mönche gehörte. Jedoch wurden das Christentum und die abendländische Kultur im 7. Jahrhundert vom Islam bedroht. Mohammed, ein angesehener arabischer Kaufmann aus Mekka, fühlte sich zum Propheten berufen, um das zu predigen, was ihm Gott offenbart habe. Jedoch wurde die Botschaft Mohammeds von den Bewohnern seiner Heimatstadt zurückhaltend aufgenommen. Daraufhin wanderte er 622 n. Chr. nach Medina aus (= Hedschra = Beginn der islamischen Zeitrechnung). Er verkündete, Allah sei der einzige Gott. Von seinen Anhängern forderte er, sich zu Allah zu bekennen + fünfmal täglich zu ihm beten, Almosen den Armen zu geben, im Monat Ramadan zu fasten und einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen (= 5 Säulen des Islam). Die Lehren Mohammeds wurden im Koran festgehalten. Unter den Nachfolgern Mohammeds (den Kalifen) wurde rasch der gesamte Vordere Orient dem Islam unterworfen ("Heiliger Krieg"...). Bis Spanien drang er vor und konnte erst 733 n. Chr. 18 durch Karl Martells Sieg über die Araber bei Tours und Poitiers aufgehalten werden. Dieser Sieg festigte die Macht der Karolinger im Frankenreich. Damit war auch der Ansturm der Araber auf das Abendland gebannt. Der Papst erkannte die führende Rolle der Karolinger an, die durch Karl den Großen gefestigt wurde. In mehreren Kriegszügen unterwarf er die Sachsen, die Langobarden und die Awaren, schließlich auch die Bayern. Im Jahre 800 n. Chr. wurde Karl der Große vom Papst auch zum Kaiser gekrönt und auch vom oströmischen Kaiser auch als solcher anerkannt. Karl der Große hatte Europa politisch geeint und war nun auch zu dessen Herrscher aufgestiegen. Sein Reich umfasste beinahe das ganze christliche Abendland. Es besaß aber keine Hauptstadt. Der Kaiser zog vielmehr mit seinem ganzen Hofstaat durch das gesamte Land, wo er in seinen verschiedenen Königpfalzen (u. a.: AACHEN. MAGDEBURG, GOSLAR...) wohnte, Bittsteller empfing, Urkunden ausstellte und zu Gericht saß. Er teilte das ganze Reich in Grafschaften ein. Die Grafen sicherten dort mit ihrem Heer den Frieden und sprachen auch im Namen des Königs Recht. Dieses Amt wurde von den vornehmsten Familien ausgeübt. Überwacht wurden die Grafen von den Königsboten Karls d. Großen, die er einmal im Jahr aussandte: Sie sollten Klagen über Missstände anhören, Schuldige bestrafen und dem König hierüber berichten. Die wirtschaftliche und soziale Ordnung im Reich Karls des Großen beruhte auf der Grundherrschaft mit allen rechtlichen, und gesellschaftlichen Folgen: Grund und Boden gehörten dem König, dem Adel oder der Kirche, den Grundherren. Diese bebauten ihr Land nicht selbst, sondern gaben es den Bauern zur Bewirtschaftung. Diese waren oft unfrei (hörig) oder zumindest wirtschaftlich völlig abhängig: Sie waren zu Abgaben in Form von Naturalien (später auch: Geld) an den Grundherrn verpflichtet; außerdem mussten sie auch verschiedene Arbeiten, meist Hand- und Spanndienste, unentgeltlich als Fronarbeit verrichten. Umgekehrt sollte aber auch der Grundherr für seine Untertanen in Notzeiten sorgen, z. Bsp. ihnen Schutz vor eindringenden Räuberbanden oder Soldaten gewähren. Der Grundherr übte über seine Untertanen die niedere Gerichtsbarkeit aus: Er konnte, außer bei Schwerverbrechen, über sie Recht sprechen. Weiterentwickelt wurde diese Form der Abhängigkeit im Lehnswesen, das im gesamten Mittelalter die Grundlage des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens wurde.

20 Da die Franken noch keine Geldwirtschaft kannten, ent- und belohnte der König seine Untertanen (Grafen, Königsboten usw....) mit einem Landgut: Dieses erhielten sie jedoch nicht als Geschenk, sondern als Lehen. Das heißt: Der Begünstigte konnte zwar das Gut nutzen, es war nicht sein Eigentum ( leihen"). Der König verlieh als Lehnsherr das Lehen in feierlicher Form dem Lehnsmann, dem Vasall. Als Gegenleistung verpflichtete sich dieser dem König gegenüber zu (Heeres-) Diensten und zur Treue. Aber auch der König schwor seinem Vasallen die Treue: Der Lehnsmann wurde also nicht unfrei. Der Lehnseid verband beide, den Herrn wie den Vasallen, in gegenseitiger Treue. Ein Lehnsmann, der sein Lehen vom König empfangen hatte, wurde Königsvasall genannt; er konnte dieses Lehen an einen Untervasall weiter verleihen; so konnte der Königsvasall durchaus auch selber Lehnsherr werden. Die Lehnspyramide verdeutlicht dies. Anders als in Frankreich und England schworen die deutschen Untervasallen nur ihrem Lehnsherrn den Treueid, nicht aber dem König. Insofern waren die Untervasallen auch nur ihrem Herrn gegenüber zur Treue und Heeresdienst verpflichtet, nicht unbedingt dem König. Dies wiederum hatte zur Folge, dass gerade im Deutschen Reich der Adel immer stärker wurde. Die Söhne und Enkel Karls des Großen konnten die Einheit des gewaltigen Reiches nicht aufrechterhalten. 843 wurde es unter den Enkeln Karls (Lothar I., Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle) im Vertrag von Verdun in ein Mittel-, West- und Ostreich, aufgeteilt. Das Ostfrankenreich bildete die Grundlagen des späteren Deutschen Reiches, das Westfrankenreich die Grundlagen des späteren Frankreichs, das Mittelreich wurde allmählich unter den beiden anderen Reichen aufgeteilt. Die Aufteilung des Frankenreiches 843 n. Chr. aus: Leisering, W.: Putzger, Historischer Weltatlas, Berlin, Bielefeld , S. 39/II. Die Belehnung erfolgte in der Regel auf Lebenszeit. Im Ostfränkischen Reich wurden die Lehen unter den Nachfolgern der Karolinger sogar erblich. Auf diese Weise ging im Laufe der Zeit sehr viel Königsgut verloren, was wiederum auch die Königsmacht schwächte HOHES MITTELALTER ABENDLÄNDISCHE UNIVERSALMÄCHTE Zu einem bedeutenden Herrscher des Mittelalters zählte Otto I. Sein Vater hatte ihn als Nachfolger den Herzögen des Reiches zur Wahl vorgeschlagen. In Aachen gewählt, wurde er später in Rom gekrönt. Diesem Ereignis war die erfolgreiche Abwehr der Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 vorausgegangen. Bei der Wahl Ottos handelte es sich jedoch nicht um eine freie Königswahl. Die Herzöge bzw. Fürsten waren gezwungen, dem Geblütsrecht zu folgen, d.h. einen aus der Familie des Königs zu wählen. Erst im 14. Jh. setzte sich die freie Königswahl durch. Wahl und Krönung waren rechtsgültig, wenn dem König die Herrschaftszeichen, die Reichsinsignien, überreicht wurden: Reichskrone, - zepter, -schwert und die hl. Lanze. Im Jahre 962 wurde Otto I. in Rom durch den Papst zum Kaiser gekrönt. Mit diesem Ereignis wird gemeinhin der Beginn des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) begründet, das bis 1806 existierte.

21 Otto I. festigte seine Herrschaft auch dadurch, dass er seine Macht nicht nur auf den Adel, sondern auch auf die Kirche stützte: So übertrug er Reichsbischöfen und Äbten Regalien, d.h. Hoheitsrechte, die ursprünglich nur dem König vorbehalten waren und über die er alleine auch nur entscheiden konnte, so die Verfügungsgewalt über das Reichskirchengut, später aber auch die Gerichtsbarkeit, Markt-, Zoll- Münz- und Steuerrechte. So wurde den kirchlichen Würdenträgern auch weltliche Macht verliehen, die sie nur allein dem König verdankten. Allerdings konnten sie, da sie ja zur Ehelosigkeit verpflichtet waren, die Lehen nicht weitervererben. Auf der anderen Seite mussten Reichsbischöfe und -äbte 2/3 der Reichssteuern abgeben und 2/3 des Reichsheeres stellen. Diese Entwicklung führte zu einer Verweltlichung der Kirche, abgesehen davon, dass viele Kirchen und Klöster auch immer reicher wurden. Dies drängte die ehemals mönchischen Ideale (u. a. der Armut und der Bereitschaft, der "Welt zu entsagen"...) immer mehr in den Hintergrund. Gegen diese Zerfallserscheinungen wehrten sich ab dem 10. Jh. viele Klöster: Sie forderten die Rückkehr zu den ursprünglichen Idealen, aber auch die freie Wahl des Abtes durch die Klostergemeinschaft und nicht durch den König bzw. durch eine andere weltliche Macht. Am eindringlichsten und erfolgreichsten waren die Reformbestrebungen, die vom westfranzösischen Kloster CLUNY ausgingen und deshalb auch Cluniazensische Reform" genannt wird. Heinrich IV. bittet den Abt von Cluny und die Markgräfin von Tuszien um Fürsprache beim Papst Vergebung zu bitten ("Gang nach Canossa"). Dieser sprach ihn daraufhin vom Bann los. In der Zwischenzeit hatten einige Gegner Heinrichs IV. versucht, während seiner Abwesenheit, die Macht an sich zu reißen. Nach der Befreiung von seinem Bann konnte Heinrich IV. allerdings seine Gegner besiegen. Der Investiturstreit zog sich jedoch noch über Jahrzehnte hin: Erst 1122 konnte das Wormser Konkordat (= Vertrag zwischen Kaiser und Papst) abgeschlossen werden, demnach der Papst nur die Bischöfe ernennen, der Kaiser allerdings Bischöfen und Äbten die (weltlichen) Regalien bzw. Lehen weiterhin übertragen konnte. Mit dem Wormser Konkordat war der Streit zwischen Kaiser und Papst dennoch nicht beendet. So gelang es dem Staufen-Kaiser Friedrich Barbarossa sich dem Papst zu widersetzen: Er wehrte sich erfolgreich gegen den Anspruch des Papstes das Kaisertum als "päpstliches Lehen" übertragen zu bekommen. Zur Zeit Barbarossas erreichte die ritterliche Kultur ihre höchste Blüte. Diese Zeit stand ganz unter dem Einfluss der Romanik, deren Baustil durch Rundbogen und Pfeiler, Flachdecke und schwerem Mauerwerk charakterisiert war. Kirchen und Dome wurden in ihrem Grundriss aus einem Längs- und Querschiff in Kreuzesform gebaut DIE KREUZZUGSBEWEGUNG Wollte Otto I. die Macht über die Kirche gewinnen, so versuchte nun der Papst, Macht über das Königtum zu erlangen! So begann der Kampf zwischen weltlicher und geistlicher Macht um die Vorherrschaft. Die Auseinandersetzungen entzündeten sich v. a. an der Frage der Investitur, d.h.: War dem König bzw. Kaiser das Recht gegeben, wie im frühen Mittelalter selbstverständlich, den Bischof einzusetzen? Der Investiturstreit brach aus. Hierbei kam es soweit, dass z. Bsp. Papst Gregor VII. den Kaiser Heinrich IV. für abgesetzt erklärte und ihn mit dem Kirchenbann belegte: Damit war er aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgestoßen, exkommuniziert. Heinrich IV. blieb nichts anders übrig, als sich im Winter 1077 nach Canossa (Oberitalien) zu begeben, um den dort weilenden Papst um Christus als Anführer der Kreuzritter Anlass für die Kreuzzüge war die islamische Herrschaft über Jerusalem: Christen und Papst sahen darin eine Bedrohung der heiligen Stätten, v. a. des Grabes Christi. Auf der anderen Seite war allerdings auch der Wunsch sehr groß, zumindest einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zu unternehmen, um so Buße zu tun. Schließlich setzte sich die Idee immer mehr durch, dass es eine Gnade sei, gegen "Heiden" (= Nichtchristen) in den Krieg zu ziehen. 20

22 1095 rief schließlich Papst Urban II. auf einer Synode (= Versammlung der Bischöfe) alle Christen dazu auf, das Grab Christi zu befreien: Viele Menschen zogen daraufhin ins Hl. Land, oftmals schlecht ausgerüstet und organisiert; so erreichten viele Kreuzfahrer ihr Ziel nicht, sie starben oft schon vorher an Schwäche und Hunger... Nur der 1. Kreuzzug, ein gut ausgerüsteter Heerzug unter der Führung französischer Fürsten (u. a. Gottfrieds von Bouillon) erreichte 1099 schließlich Jerusalem. In der Folgezeit jedoch ging das Hl. Land immer wieder den Kreuzrittern verloren und es musste demnach auch wiedererobert werden. Bis 1291 wurden 8 Kreuzzüge durchgeführt, die jedoch oft verlustreich und militärisch erfolglos waren. Dennoch dürfen die Folgen der Kreuzzugsunternehmungen nicht unterschätzt werden: > Zwischen Morgen- und Abendland erfolgte ein Austausch zwischen den beiden Kulturen; die Kreuzfahrer brachten viel von der griechischorientalischen Denk- und Lebensweise mit in ihre Heimat zurück. > Der Handel im gesamten Mittelmeerraum (Fernhandel) fand einen enormen Aufschwung. Der Kreuzritterorden war prägend für die Kultur des Rittertums. Was die adligen wie unfreien Ritter einte, war der ehrenvolle Waffendienst zu Pferde und ihre "ritterliche" Lebensweise: Tapferkeit, Treue, Gerechtigkeit, Milde und Selbstbeherrschung waren ritterliche Tugenden und wurden im Minnesang und in den Ritter-Epen von fahrenden Sängern, "Minnesängern", auf den Burgen verherrlicht. 4.3 WER HAT DIE MACHT? Friedrich Barbarossa als Kreuzritter DIE HERRSCHAFT FRIE- DRICHS I. (BARBA- ROSSA) Friedrich I. (Barbarossa), der in der 2. Hälfte des 12. Jh. lebte, war sicherlich eine der bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten des Spätmittelalters. Über seine Wahl (1152) schreibt der Chronist Otto von Freising in seiner Chronik: Als die Fürsten über die Wahl des Königs berieten..., haben schließlich alle Herzog Friedrich von Schwaben gefordert, der dann unter dem Beifall aller zum König erhoben wurde. Dass es zu dieser Entscheidung kam und dass gerade dieser Mann die Zustimmung aller fand, hatte einen besonderen Grund. Damals gab es nämlich zwei berühmte Familien im Römischen Reich, die der Heinriche von Waiblingen und die der Welfen von Altdorf; aus der einen gingen Kaiser, aus der anderen große Herzöge hervor. Wie es nun bei bedeutenden und ruhmgierigen Männern häufig der Fall ist, herrschte zwischen ihnen oft Eifersucht und Streit, wodurch der Frieden im Reich wiederholt gestört wurde... Daher dachten die Fürsten nicht nur an die Umsicht und die Tüchtigkeit des... jungen Fürsten, sondern auch daran, dass er als Angehöriger beider Familien... die Feindschaft zwischen ihnen überwinden könnte... (SCHMID, Fragen an die Geschichte, Bd. 2, Frankfurt/M. 1980, S. 81) Friedrich I. vermochte es tatsächlich, zumindest eine Zeitlang, einen Ausgleich zwischen den beiden Geschlechtern der Welfen und Staufen herbeizuführen; dieser war jedoch nicht von Dauer. Mehrmals zog Friedrich I. auch nach Italien, wo er (v. a. in den lombardischen Stadtstaaten und in Sizilien) versuchte, die kaiserliche Macht zu sichern, dies allerdings nur mit teilweisem Erfolg. Auch gegen päpstliche Ansprüche auf Oberhoheit über das Hl. Römische Reich wehrte sich Friedrich Barbarossa energisch. So schrieb er 1152 an Papst Eugen III.: Für den Vater des Vaterlandes geziemt es sich, an den ehrwürdigen Gebräuchen früherer Könige sorgsam und beharrlich festzuhalten, damit das Reich, das ihm Gott übertragen hat,... erhalten bleibe und... verteidigt werde... Zwei Gewalten sind es, die diese Welt leiten: die hl Autorität der Päpste und die Macht der Könige; deshalb wollen wir uns in Gehorsam vor allen Priestern Christi beugen, damit während unserer Regierung Gottes Wort ungehindert durch die Lande eile und es niemand wage, die Vorschriften der Väter und die Beschlüsse der Konzilien zu verletzen... (ebd. S. 81) Gegenüber den Fürsten des Reiches zeigte Barbarossa seine Stärke, vor allem aber auch im Prozess gegen den Welfen Heinrich den Löwen: Dieser hatte ihm in Italien die Heerfolge verweigert. Der Aufforderung, vor dem kaiserlichen Hofgericht zu erscheinen, war er nicht gefolgt. Daher wurde er geächtet und er verlor seine Reichslehen, die Herzogtümer Bayern und Sachsen. Heinrich der Löwe unterwarf sich zwar später dem Kaiser, musste aber nach England in die Verbannung (zu seinem Schwiegervater, Heinrich II.) Das Herzogtum Bayern wurde Otto von Wittelsbach als Lehen übertragen; bis 1918 regierten die Wittelsbacher dieses Land. Auf dem 3. Kreuzzug ertrank Kaiser Friedrich I. Barbarossa beim Baden im Fluss Saleph in Anatolien. 21

23 4.3.2 DIE ENTWICKLUNG VON STAAT UND HERRSCHAFT IM SPÄTMITTELALTER Im Laufe des 13. Jh., nach der Regierungszeit Friedrich Barbarossas, zeichnete sich im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation eine Entwicklung ab, die auf eine Schwächung der kaiserlichen Macht und eine Stärkung der Herzöge in ihren Herzogtümern hinauslief: Bereits 1220 sah sich Friedrich II. gezwungen, geistlichen wie weltlichen Fürsten königliche Herrschaftsrechte (Regalien) zu überlassen: die hohe Gerichtsbarkeit, Markt- Münz- und Zollrechte... Mit solchen Regalien ausgestattet, entwickelten sich die Fürsten zu Landesherren, die ihre Herrschaftsgewalt über ein fest umgrenztes Territorium ausübten. Die Entwicklung der europäischen Bevölkerungszahlen im Mittelalter Das Königswahlrecht der Kurfürsten wurde endgültig von Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle von 1356, dem ersten wichtigen Verfassungsgesetz des Hl. Römischen Reichs, verankert DAS SOZIALE UND WIRTSCHAFT- LICHE SYSTEM DES MITTELALTERS Bis zum 14. Jh. können wir in Europa ein Bevölkerungswachstum feststellen, bedingt v. a. durch die Verbesserung der Landwirtschaft, so auch durch die Dreifelderwirtschaft. Dennoch darf nicht verkannt werden, dass die Menschen damals viele Hungernöte überstehen mussten und die Lebenserwartung bei höchstens 35 Jahren lag. Der Grund war die hohe Kindersterblichkeit. Auch wer die ersten zehn Jahre überlebt hatte, wurde meist nicht älter als Jahre, eine Lebenserwartung, die bis zum 19. Jh. andauerte. Geschätzte Bevölkerungszahlen (in Millionen) in einzelnen Ländern in Spätantike und Mittelalter (Quellennachweis: tuebingen.de/mittelalter/personen/widder/ws9900/tabelle.htm Aber auch in England waren die Barone bestrebt, ihre Herrschaft auf Kosten des Königs zu festigen und weiter auszubauen: 1215 bekamen sie mit der Magna Charta libertatum bedeutende Freiheitsrechte garantiert. So durfte z. B. kein freier Mann willkürlich verfolgt und er konnte nur von seinen Standesgenossen nach den Gesetzen des Landes abgeurteilt werden. Außerdem wurde den Ständen (Vertreter des A- dels und der Städte) das Steuerbewilligungsrecht eingeräumt. Im Hl. Römischen Reich spielten die Reichsstände neben dem Kaiser eine wesentliche Rolle. Dies waren die Reichsfürsten, Reichsgrafen und Reichsstädte: Sie waren auf dem Reichstag vertreten, beschlossen die Steuern und stellten die Truppen für das Reichsheer. Später, etwa Ende des 15. Jh., stellte der Reichstag die Vertretung der deutschen Reichsstände gegenüber dem Kaiser dar. Sie bestanden aus dem Kurfürstenkollegium, d.h. die Fürsten, die den Kaiser wählten: die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, der Pfalzgraf bei Rhein, der Markgraf von Brandenburg, der König von Böhmen und der Herzog von Sachsen, dem Reichsfürstenrat und dem Reichstädtekollegium TABELLE: GESCHÄTZE BEVÖLKERUNGSZAHLEN (IN MIL- LIONEN) IN EINZELNEN LÄNDERN EUROPAS IN SPÄTAN- TIKE UND MITTELALTER Der starke Bevölkerungsrückgang im 14. Jh. ist auf die große Pest zurückzuführen, die in Europa von 1347 bis 1352 wütete und ganze Landstriche entvölkerte. Da die Juden bessere hygienische Voraussetzungen hatten (u. a.: Reinheitsgebote), litten sie auch weniger unter der Seuche. Deshalb bezichtigten die Christen sie oft der Brunnenvergiftung. Mit der Seuche kamen oft auch die Judenverfolgungen. Der Bevölkerungszuwachs bis zum 14. Jh. führte, neben der Verbesserung der Landwirtschaft, zu vielen Veränderungen: Bisher unerschlossene Naturräume wurden kultiviert, es entstanden in Europa die Kulturlandschaften, so wie wir sie auch noch kennen. 22

24 EXKURS: DIE SOZIALE STRUKTUR DER MITTELALTERLICHEN GESELLSCHAFT Für die mittelalterliche Gesellschaftsordnung war die Unterscheidung zwischen Herrschaft und Dienst grundlegend. So gehörten im Frühmittelalter, das etwa von n. Chr. dauerte, die Menschen entweder der kleinen Bevölkerungsschicht von Herrschern oder der zahlenmäßig überwiegenden Schicht von Dienern an. Diese Zweiteilung der Menschheit war laut Kirche von Gott so gewollt. So verkündete der Dominikanermönch Thomas von Aquin (+ 1274), der im Jahre 1323 heilig gesprochen wurde, auch: Sklaverei unter Menschen ist etwas Naturgegebenes, denn manche sind von Natur Knechte... (Summa theol. II., II. 57, 3,2). So stellt auch nebenstehender Holzschnitt aus dem 15. Jh. die drei Stände dar: die hohe Geistlichkeit ( betet ), den Adel ( beschützt ), die Diener ( arbeiten ) Zu der herrschenden Schicht, die im Mittelalter 1-10% der Gesamtbevölkerung ausmachte, gehörten der hohe und der niedere Adel und die hohe Geistlichkeit. Die höchste Position im Adel nahm der König oder Kaiser ein. Für das Volk im Frühmittelalter spielte er eine große Rolle im alltäglichen Leben. Denn die Menschen glaubten, dass dem König und seiner Familie ein besonderes Heil innewohne, das letztendlich ihnen allen zugute komme. Starb der Herrscher, wurde sofort ein anderes männliches Mitglied dieser Heil bringenden Königsdynastie gewählt. Dabei musste es nicht unbedingt der Erstgeborene sein. Theoretisch wurde der neue König vom Volke gewählt, tatsächlich jedoch bestätigten ihn nur die Großen des Reiches. Sein offizieller Titel seit Mitte des 11. Jh.: König der Römer. Sein Reich, das man seit 962 n. Chr. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation bezeichnete, bestand aus dem deutschen Königreich, Italien und Burgund. Hier amtierte der König als oberster Gerichtsherr und als oberster Lehnsherr. So verfügte er über das Reichsgut und verpflichtete das gewöhnliche Volk und den Adel zur Heerfolge, war deren Anführer im Krieg und verteilte unter ihnen die Beute des Raubzuges. Als Zeichen seiner Herrschaft dienten die Reichsinsignien, die er nach dem Tode seines Vorgängers erhielt und die er bei der Krönung und bei anderen festlichen Anlässen trug. Diese Herrschaftszeichen wie die Krone, das Szepter, die Lanze, das Schwert und der Reichsapfel, sind auch heute noch entweder als Originale in der Wiener Schatzkammer oder als Kopien im Aachener Rathaus und im Historischen Museum in Frankfurt a. M. zu bewundern. Beraten wurde der König von den Großen oder den Fürsten seines Reiches, die auch das Königswahlrecht besaßen. Diese trafen mit ihm entweder auf den Reichstagen oder an den hohen Kirchentagen zusammen oder folgten ihm sogar an seiner jeweiligen Pfalz. Zu diesen Fürsten gehörten die Herzöge, Pfalzgrafen, die Landgrafen, die Grafen, die Erzbischöfe, die Bischöfe und die Äbte der Reichsklöster. Sie alle verfügten über die hohe Gerichtsbarkeit, waren Großgrundbesitzer und besaßen wie ihr königlicher Lehnsherr folgende Bedienstete: zumindest einen Waffenmeister, einen Hofmarschall, einen Jagdaufseher und einen Falkner, der sich um die Zucht der kostbaren Falken kümmerte, einen Stallmeister, einen Förster, einen Küchenchef o- der Oberkoch, einen Bäckermeister, einen Meister der Vorratskeller, einen Meister des Mobiliars, einen oder mehrere Ärzte, Friseure, Priester, Musiker, Schreiber und einen Haushofmeister, der das gesamte Anwesen leitete. Gegen Ende des 12. Jh. machte sich innerhalb dieses Fürstenstandes ein bedeutender Wandel bemerkbar. Einige wenige von den Großen, die im Laufe der Zeit sehr mächtig geworden waren, sonderten sich in Form eines eigenen Standes, des Reichsfürstenstandes, von den anderen Adligen ab. Um 1200 gab es schließlich nur noch weltliche und 80 geistliche Reichsfürsten, die das Recht der Königswahl besaßen. Im 13./14. Jh. löste sich noch einmal eine kleine Gruppe von Adligen - erst sechs, dann sieben Kurfürsten - aus diesem Reichsfürstenstand heraus. Diese sieben Kurfürsten - der Erzbischof von Köln, der Erzbischof von Mainz, der Erzbischof von Trier, der Pfalzgraf vom Rhein, der Markgraf von Brandenburg, der Herzog von Sachsen und der König von Böhmen - waren seit der Goldenen Bulle von 1356 die alleinigen Königswähler. 23

25 Der niedere Adel, der ebenfalls Herr über Grund, Boden und Menschen war, besaß im Gegensatz zu dem eben behandelten hohen Adel nur die niedere Gerichtsbarkeit und war von der Königswahl schon lange ausgeschlossen worden. Der Stand der Diener setzte sich aus den wenigen freien Bauern und dem überwiegenden Teil der Unfreien zusammen. Großbauern wie die Dithmarscher Bauern und die westfälischen Schulten standen - finanziell und wirtschaftlich betrachtet - den niederen Adligen in nichts nach. 90% der ländlichen Bevölkerung jedoch gehörte dem unfreien Stand an. Aber auch innerhalb dieser Schicht gab es in Bezug auf die Lebensverhältnisse und die Rechtsstellung große Unterschiede. So befanden sich auf der untersten Stufe die rechtlosen Unfreien, die Leibeigenen. Über sie konnte der Grundherr beliebig verfügen. Sie lebten auf dem Hofe ihres Herrn und bearbeiteten dessen Ländereien, leisteten unbeschränkte Dienste im Herrenhaus und waren als Handwerker, Händler und Kuriere für ihren Herrn tätig. Eine bessere Stellung nahmen die behausten Unfreien ein. Ihnen wurde vom Grundherrn ein kleiner Bauernhof zur Nutzung übertragen. Diesen Hof durften sie ohne ausdrückliche Erlaubnis ihres Herrn nicht verlassen oder veräußern. Zudem mussten sie Abgaben leisten. Der Grundherr vom Hofe Staffelsee z.b. erhielt für diese Landvergabe von jedem behausten Unfreien jährlich ein Ferkel, fünf Hühner und zehn Eier. Außerdem war der Bauer verpflichtet, vier Jungschweine seines Herrn zu mästen, ein halbes A- ckerwerk von ihm zu pflügen, an drei Tagen in der Woche auf dem Herrenhof zu helfen, Botendienste zu leisten und ein Pferd oder einen Ochsen zum Pflügen und zum Transport von Waren bereitzustellen. Die Frau des unfreien Bauern musste zudem ein Hemd und einen Chorrock anfertigen, Malz brauen und Brot backen. Aber auch als behauster Unfreie besaß der Bauer nur begrenzte persönliche Freiheit und war zudem noch zum Heeresdienst verpflichtet. Nur wenige Unfreie schafften den Aufstieg in höhere Positionen und wurden entweder zu Meiern oder Ministerialen ernannt. Als Meier hatten sie dann einen größeren Wirtschaftsverband ihres Grundherrn zu beaufsichtigen, und als Ministeriale standen sie ihren Herren militärisch und/oder verwaltungsmäßig zur Seite, oder sie Schweineschlachtung im November / Dezember Schlachtgewicht damals: ca. 38 kg 24 wurden als Truchsess, Kämmerer, Marschall, Schenk, Jägermeister am Hofe eingesetzt. Die Salier- und Stauferkaiser des 11. / 12. Jh. z.b. übergaben trotz des heftigen Protestes der Fürsten ihren unfreien Ministerialen wichtige Verwaltungsaufgaben und militärische Ämter. Und die Fürsten griffen schließlich trotz ihrer anfänglichen Proteste bald ebenfalls auf ihre begabten Unfreien für die Leitung ihrer Hof- und Burgverwaltung zurück. Um 1200 waren viele unfreie Ministerialen in ihrer Lebenshaltung kaum noch von den Adligen zu unterscheiden. Seit der zweiten Hälfte des 12. Jh. bildete sich aus den Unfreien eine neue Bevölkerungsschicht heraus: die Bürger. Seit dieser Zeit wurden von Königen und Fürsten planmäßig Städte gegründet. Als Bürger konnten die ehemaligen Unfreien ein Grundstück in freier erblicher Leihe erhalten und waren zu keinen Diensten und Abgaben verpflichtet. Die Stadtluft macht frei hieß es, und lockte viele Unfreie in die Städte. Wenn diese dort nicht innerhalb eines Jahres und eines Tages von ihren ehemaligen Besitzern zurückgefordert wurden, konnten sie als freie Bürger für immer hier leben. Obwohl alle Bürger das gleiche Recht besaßen, stellte auch die Stadtbevölkerung keinen einheitlichen Stand dar. In fast allen Städten bildete sich schon recht früh eine dünne Oberschicht heraus, die bald einen entscheidenden Einfluss auf die städtische Politik und Verwaltung nahm. Zu dieser Oberschicht zählten die Ministerialen, die von ihren Fürsten hier als deren Stellvertreter eingesetzt worden waren, die Groß- und Fernkaufleute, die Gewandschneider, die reichen Grundbesitzer und einige wenige sehr vermögende Handwerksmeister und Gewerbetreibende. Sie zusammen bildeten das Patriziat, dessen Angehörige schließlich allein die wichtigsten politischen Positionen wie das Bürgermeisteramt oder die Ämter im (Stadt-)Rat besetzten. Ab dem 13. Jh. war es sogar für Neureiche nahezu aussichtslos geworden, Einlass in diesen elitären Kreis zu erhalten. Die Patrizier bezogen die höchsten Einkommen in der Stadt und konnten ihren Kindern die beste schulische Ausbildung ermöglichen. Gegen Ende des 15. Jh. waren bei ihnen eheliche Verbindungen mit dem verarmten Landadel - der

26 begehrten Titel wegen - sehr beliebt. Zudem versuchten viele Patrizier den Lebensstil der Adligen nachzuahmen, in dem sie sich wie diese kleideten, aßen und Prachtbauten errichten ließen. Die städtische Mittelschicht setzte sich aus den Handwerkern, den wohlhabenden Kleinhändlern, den Brauern, den Fuhrunternehmern, den Schiffern, den städtischen Angestellten, den Wundärzten, den Apothekern, den Baumeistern, den Malern, den Ackerbürgern zusammen. Zur städtischen Unterschicht, die 40-60% der Stadtbevölkerung ausmachen konnte, zählten die armen Handwerksmeister, die Kleinkaufleute und die große Masse der beruflich Unselbständigen wie die Handwerksgesellen und -lehrlinge, die freien Tagelöhner und Hilfsarbeiter, die Hafenarbeiter und Seeleute, die Türmer, Tor- und Nachtwächter, die Bader, Stadtpfeifer, die Dienerschaft, das Gesinde und schließlich auch die Bettler. Zur Randgruppe der städtischen Bevölkerung gehörten die Personen, die wegen ihres Berufes, ihrer Religion oder aus anderen Gründen ausgeschlossen waren, wie z.b. der Henker und seine Gehilfen, der Müller, der Töpfer, der Schäfer, der Ziegler, der Hirt, der Totengräber, die Dirne, der Gaukler oder der Aussätzige, um nur einige zu nennen. Auch die Juden gehörten zu dieser Randgruppe. Obwohl sie Wehrdienst leisteten und eine Judensteuer für die Stadtverteidigung zahlten, konnten sie keine Bürgerrechte erwerben und keine städtischen Ämter übernehmen. Ihr Leben in den christlichen Städten war immer gefährdet. Antijüdische Hassgefühle, die sich von Zeit zu Zeit in Vertreibungen, Enteignungen und Massenermordungen entluden, waren ständig zu erwarten, so zu Beginn der Kreuzzüge im 11./12. Jh. oder im 14.Jh., als die Juden für den Ausbruch der Pest verantwortlich gemacht wurden, Vor den Kreuzzügen waren die Juden im Fernhandel tätig. Im 12. Jh. wurden sie aus diesem Berufszweig von ihren christlichen Mitbewerbern verdrängt. Das Handwerk war ihnen ebenfalls verwehrt, weil die Zünfte seit dem 14. Jh. nur noch Christen zum Handwerk zuließen. So blieb den Juden letztlich nur noch der Geldverleih übrig. Seit dem Laterankonzil im Jahre 1215 mussten die Juden zudem in einem bestimmten, von einer Mauer umschlossenen Teil der Stadt leben (Getto) und ein Abzeichen zu tragen, das gewöhnlich einen runden Flicken aus gelbem Filz, wie ein Geldstück aussehend, darstellte. Diese Judenmarken waren von beiden Geschlechtern ab dem siebten oder vierzehnten Lebensjahr an der Kleidung anzubringen. Schon kurze Zeit später wurden die Juden zusätzlich verpflichtet, spitze Hüte aufzusetzen, die Tierhörnern ähnelten. Seit dem 14. Jh. durften sie außerdem Christen weder als Diener einstellen noch ärztlich behandeln. Auch wurde ihnen verboten, Mehl, 25 Brot, Wein, Öl, Schuhe oder Kleidungsstücke an Christen zu verkaufen. Mischehen wurden ebenfalls untersagt. Außer als Pfandleiher konnten die Juden nur noch als Totengräber tätig sein. Juden, Bauern und Bürger waren allesamt steuerpflichtig. Von ihrem Geld lebten der Adel und die Geistlichkeit, die im Gegensatz zu ihnen Steuerfreiheit genossen. Bischöfe zogen Weinsteuern ein, adlige Grundherren verschafften sich die hohe Mitgift für ihre Töchter, indem sie von ihren Unfreien eine Fräuleinsteuer erhoben. Die Bürger, die im 14. Jh. neben dem Adel und dem Klerus den dritten Stand bildeten, besaßen seit dieser Zeit immerhin die Entscheidungsgewalt über die Höhe der Abgaben. Sie selbst bestimmten z.b. in Paris im Jahre 1355, dass die Reichen 4% auf ihr Einkommen, die Mittelklasse 5% und die Bewohner mit den niedrigsten steuerpflichtigen Einkommen 10% Steuern zahlen mussten. Klagen wegen ungerechter Behandlung gab es nicht. Bis ins 14. Jh. hinein nahmen die Menschen ihren Stand als gottgewollt hin. Jeder Versuch, in einen höheren Stand aufzusteigen, wurde als schwere Sünde aufgefasst und entsprechend in Predigten oder moralisierende Geschichten verkündet. So wurde die Geschichte vom Meier Helmbrecht erzählt, die ein Augustinermönch namens Wernher der Gartenaere geschrieben hatte. Der junge Helmbrecht, Sohn eines Bauern, hatte es satt, weiterhin Säcke zu schleppen, Mist zu laden und all die schweren und dreckigen Arbeiten eines Bauern zu verrichten. Er hielt sich zu etwas Besserem geboren. Sein Traum war es, Ritter zu werden. Natürlich scheiterte er, denn er handelte ja gegen Gottes Willen, der ihn als Bauern zur Welt kommen ließ. Helmbrecht lebte mit Raubrittern zusammen, wurde gefangen genommen, geblendet und verstümmelt. Als es ihm trotz allem gelang, zum väterlichen Hof zurückzufinden, wollte auch der Vater nichts mehr von ihm wissen und verstieß ihn. Die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn zeigte hier keine Wirkung! Schließlich wurde er von Bauern, Menschen seines Standes, an einem Baum aufgehängt. (nach: Vogt-Lüerssen, Maike: Die soziale Struktur der mittelalterlichen Gesellschaft, in: Der Alltag im Mittelalter, in: ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/- maike/mittelalter.html, textlich weitgehend übernommen. Ebendort auch ausführliche weiterführende Literatur und Dokumentation zum Alltagsleben im Mittelalter.)

27 4.3.4 FRANKREICH IM MITTELALTER Das Westfränkische Reich erhielt 843 mit dem Vertrag von Verdun seine Eigenständigkeit. Mit Hugo Capet (987 zum König gewählt) wurde die Dynastie der Kapetinger begründet, die in Nebenlinien (Anjou, Valois, Bourbon, Orléans) bis ins 19. Jh. herrschte. Heinrich II., Herzog der Normandie und seit 1154 König von England, erwarb durch Heirat mit Eleonore von Guyenne große Teile Frankreichs und verstärkte so den Einfluss der Engländer im Land. Mit dem Aufstieg der Kapetinger erlangte Frankreich kulturell eine Blütezeit: Die Universität von Paris (Gründung Mitte des 12. Jh.) erlangte durch die 4 Fakultäten (Theologie, Geisteswissenschaften, Kirchenrecht, Medizin) in ganz Europa ein hohes Ansehen; im Süden des Landes entwickelte sich im 12./13. Jh. die Lyrik der Troubadours: Sie beeinflusste den gesamten höfischen Lebensstil. Die Zeit der Kreuzzüge, der Pilgerfahrten (v. a. nach Santiago de Compostela) war auch eine Zeit der religiösen Erneuerungsbewegungen. In Südfrankreich fanden z.b. die Katharer (griech. "die Reinen"; davon abgeleitet: "Ketzer";) großen Zuspruch. Nach ihrer Lehre stand streng entgegengesetzt dem guten Gott der Teufel als Schöpfer der Welt entgegen. Der bösen Welt suchten die Katharer durch strenge Askese zu entsagen. Da sie die Kirche zu spalten drohten, rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Katharer auf (Albigenser-Kriege ), wodurch ihre Religion schließlich vernichtet wurde. Philipp IV. (der Schöne, ) stärkte die Königsmacht und erkämpfte Frankreich bis Ende des 13. Jh. die Vormachtstellung in Europa. Unter seiner Herrschaft wurde der reiche Templerorden bekämpft, da Philipp u. a. für seine Kriege viel Geld benötigte. Er beschuldigte die Templer (ursprünglich ein militärisch strukturierter Ritterorden, der die Kreuzritter und Pilger auf ihrem Weg nach Palästina beschützte) der Gotteslästerung wurden sie verurteilt, viele verbrannt und ihr Vermögen eingezogen. Die französische Kirche wurde unterworfen, Papst Klemens V. zur Übersiedlung nach Avignon gezwungen (1309 päpstliche Residenz in Avignon bis 1376). die Kapetinger in direkter Linie ausgestorben waren. Berühmt wurde in diesem Krieg Johanna von Orleans (Jeanne d'arc), eine Bauerntochter aus Domrémy, die sich durch "göttliche Stimmen" dazu berufen fühlte, den Thronfolger Karl VII. nach Reims zur Krönung zu führen und Frankreich von den Engländern zu befreien. Ihrem Einsatz war 1429 die Aufhebung der englischen Belagerung von Orléans zu verdanken und damit trat eine entscheidende Wende im Krieg gegen England ein. Nach dem Sieg in Paty kam es zur Krönung Karls in Reims ( ). Am geriet Johanna von Orleans allerdings in die Gefangenschaft der Burgunder, die mit den Engländern verbündet waren: Johanna wurde den Engländern ausgeliefert. Der französische Hof unternahm hier nichts für ihre Freilassung. Nach einem monatelangen, qualvollen Prozess klagte das Inquisitionstribunal am 23. Mai 1431 Jeanne d Arc in 12 Schuldartikeln der Ketzerei und Zauberei an. Am folgenden Tag gestand Jeanne d Arc aus Angst vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen ihre Irrtümer und ihre Schuld ein. Weitere vier Tage später, am 28. Mai, zog sie ihr Schuldgeständnis allerdings wieder zurück; am 29. Mai verurteilte sie das kirchliche Gericht der Ketzerei und Zauberei und übergab sie der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Vollstreckung des Urteils. Am 30. Mai wurde Jeanne d Arc auf dem Marktplatz von Rouen bei lebendigem Leibe verbrannt. 25 Jahre nach ihrem Tod wurde Jeanne d Arc von der Kirche rehabilitiert, 1920 heilig gesprochen. Sie gilt heute als Schutzpatronin Frankreichs [überarbeitete Fassung des Textes: Frankreich im Mittelalter ( ) in: geschichte2.htm] Im Hundertjährigen Krieg ( ) gegen England wurde Frankreich schließlich von den Engländern bis auf Calais (das bis 1558 englisch blieb) befreit und diese somit fast vollständig vom europäischen Kontinent vertrieben. Anlass für diesen Krieg war der Anspruch des englischen Königs Eduard III. auf den französischen Thron nachdem 26 Jeanne d Arc auf dem Scheiterhaufen (aus dem Gebetbuch Karls VII.) Quelle:

28 4.3.5 STADTLUFT MACHT FREI - WIRKLICH? Das Hochmittelalter und die beginnende Neuzeit standen ganz im Zeichen der aufblühenden Städte. Kaiser und Könige, weltliche und geistliche Herren hatten die Städte gegründet bzw. ihnen Privilegien, d.h. besondere Rechte und Freiheiten gewährt: Zunächst wurde ihnen oft das Marktrecht verliehen, die Erlaubnis, an bestimmten Tagen Märkte abhalten zu dürfen. Später erlangten sie ein hohes Maß an Autonomie in der Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten. Alle Bürger der Stadt waren dem Stadtrecht unterworfen, dem innerhalb der Stadtmauern geltenden Recht. Die Bewohner der Städte waren frei, keinem Grundherren untergeordnet. Im altdeutschen Recht galt das Rechtsprinzip "Stadtluft macht frei" (d.h. nach einem Jahr und einem Tag Aufenthalt in der Stadt war auch der hörige Bauer frei). Ein Rat mit einer festgelegten Zahl an Ratsmitgliedern - an deren Spitze der Bürgermeister - führte die Stadt. Die meisten Ratsmitglieder entstammten allerdings der reichen Oberschicht, den Patriziern: Sie waren meist Kaufleute oder Zunftmeister. Der Großteil der städtischen Bürger waren Handwerker, die oft auch als Händler ihre Waren selbst verkauften. Jedes Handwerk hatte eine eigene Zunft: Unter Leitung des Zunftmeisters wurden hier die Interessen des jeweiligen Handwerks vertreten, strenge Qualitäts-, Quantitäts- und Ausbildungsvorschriften erlassen, nicht zuletzt auch auf den guten Ruf ihrer Mitglieder geachtet. Schließlich sollte die Zunft auch in Notzeiten für ihre Mitglieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten sorgen (z. B. bei Krankheit oder Tod). In den größeren Städten lebten fast immer auch Juden: Sie waren oft Händler oder Geldverleiher (wegen des Zinsverbotes den Christen verboten). Etwa seit dem 11. Jh. durften die Juden nicht mehr mit den Christen in den gleichen Stadtvierteln wohnen: Ihnen wurde ein eigenes Wohnviertel zugewiesen, das später "Getto" genannt wurde. Von den "christlichen" Stadtteilen waren diese Gettos nicht selten mit Mauern abgetrennt, deren Tore nachts verschlossen wurden. Auch heute noch weisen manche Straßennamen wie "Judengasse", "Judenhof"... auf solche früheren mittelalterlichen Gettos hin. Besondere Freiheiten genossen die freien Reichsstädte: Das waren die Städte, die von Königen auf deren Hausgut oder auf Reichsgut errichtet worden waren. Buchdruckerwerkstatt 27 Diese Städte waren unmittelbar dem Reich unterstellt und nur dem König zu Diensten und Abgaben verpflichtet. Auf dem Reichstag stellten diese Städte eine eigene Vertretung der Reichsstände. Der Landesherr, dem das umliegende Land gehörte, hatte über diese Städte keine Herrschaftsgewalt und der König war oft von der Stadt weit entfernt: So kamen gerade die Reichsstädte zu Ansehen, Macht, Reichtum und Einfluss z. Bsp. Aachen, Frankfurt/M., Bremen, Hamburg, Lübeck... Zum Schutz ihrer Rechte schlossen sich viele Städte zu Städtebünden zusammen. Eine der bedeutendsten war die Hanse, (ein ursprünglicher Zusammenschluss norddeutscher Kaufleute), die in ihrer Blütezeit fast den gesamten Ostseehandel kontrollierte; hierbei übernahm die Hansestadt Lübeck die führende Rolle. 5. DIE FRÜHE NEUZEIT: WEGE AUS DER FINSTERNIS? Das Weltbild des Mittelalters war von einer göttlichen Weltordnung bestimmt, in der jedes Geschöpf seinen ihm bestimmten Platz einnimmt: Der Sinn des irdischen Daseins wurde v. a. in der Vorbereitung auf ein Leben nach dem Tode gesehen. Dieses Bild geriet jedoch im Laufe des 15. Jh. ins Wanken. Zweifel wurden allmählich laut, die zudem noch durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Einsichten verstärkt wurden. Eine neue Zeit kündigte sich an! Die rasche Ausbreitung der Ideen und Erkenntnisse dieser neuen Zeit wäre jedoch nicht denkbar gewesen ohne die bedeutendste Erfindung der beginnenden Neuzeit, die der Buchdruckerkunst durch Johann Gutenberg um 1450 in Mainz. Diese Kunst löste die bisherigen Verfahren, ganze Bücher Seite für Seite abzuschreiben (oft in den Klöstern verwirklicht) oder mit Hilfe von mühsam erstellten Holzplatten (die Holzstiche) zu "drucken", ab. Jetzt erst war es möglich, durch die auf einer Platte aufgereihten beweglichen Bleibuchstaben und deren Druck auf Papier, Bücher in großer Stückzahl herzustellen. Als 1453 Konstantinopel von den Türken erobert wurde, bedeutete dies nicht nur, dass diese Stadt von nun an als Hauptstadt des Osmanischen Reiches den Namen Istanbul tragen sollte, sondern auch das Ende des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches.

29 Eine der Folgen des Falles von Konstantinopel war die Flucht vieler Gelehrter nach dem Westen. Sie bewirkten u. a., dass die Denkweisen der griechischen Philosophen nun auch im Abendland verbreitet wurden. Hatte das Christentum die heidnische Antike erst zurückgedrängt, so kam es jetzt zur Wiederentdeckung des klassischen Altertums: Griechisch und Latein, Literatur, Wissenschaft, Kunst, Architektur...: Die alten Griechen und Römer wurden nun wieder entdeckt, auch um hierbei mögliche Antworten auf die brennenden Fragen der damaligen Zeit zu finden: Muss das irdische Leben wirklich so finster betrachtet und gelebt werden wie bisher?" Diese Zeit der Rückbesinnung auf alte Werte der Antike wird RENAISSANCE (= Wiedergeburt) genannt. In der Rückbesinnung auf das griechische und römische Altertum wurde natürlich auch der Sinn des Lebens neu hinterfragt und bestimmt. Der Mensch sollte nicht schon zu seinen Lebzeiten nur auf ein Leben nach dem Tod ausgerichtet sein, sondern er sollte zunächst "seine" Welt und sich selbst entdecken, das Gute und Schöne auf dieser Erde und seiner Existenz. Er sollte eben auch das Diesseits genießen können. Der Mensch sollte - nach antikem Vorbild - frei und unabhängig werden; er war niemandem, auch der Kirche nicht, Rechenschaft schuldig. MENSCHLICHKEIT, MENSCHSEIN standen wieder im Mittelpunkt des Denkens und Forschens. Diese Geistes- und Lebenshaltung bezeichnen wir HUMANISMUS, ihre Vertreter Humanisten. Als charakteristisch für die Humanisten, die ja meist die Gelehrten des neu anbrechenden Zeitalters waren, erwies sich ihr großer Wissensdurst und Forscherdrang. Wirklich Mensch sein, bedeutete für sie auch, ein gebildeter Mensch sein. (???) Erasmus von Rotterdam war einer der bedeutendsten Humanisten, der durch seine literarischen und philosophischen Werke das ausgehende 15. und 16. Jh. geprägt hat: Obwohl er eine theologische Ausbildung hatte (allerdings von seinen Ordensgelübden entbunden ), kämpfte er als Gelehrter gegen Ignoranz, Aberglauben und autoritäre traditionelle Gesellschaftsstrukturen Die Beobachtung der Gestirne und die Berechnung ihrer Bahnen übten auf die Humanisten einen besonderen Reiz aus! Bis ins 16. Jh. stellten sich die Menschen die Erde als flache Scheibe im Mittelpunkt des Weltalls vor: Es war dies ein geozentrisches Weltbild, demnach sich die Gestirne auf die Erde als dem Zentrum des Weltalls ausrichteten. Astronomische Beobachtungen, die zu Beginn der Neuzeit nach der Entwicklung neuartiger Fernrohre möglich wurden, ließen jedoch vermuten, dass nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt des Weltalls ausrichtete: Das auf die Sonne ausgerichtete, d.h. heliozentrische, Weltbild löste nun das geozentrische ab. Neben den Gelehrten waren es v. a. auch die Entdecker, die das neue Weltbild nachhaltig beeinflussten: Die immer mehr nach dem Westen vordringenden Türken hatten wichtige Verkehrs- und Handelswege zerstört, die seit den Kreuzzügen zwischen Europa und dem Vorderen Orient bestanden. Auf der Suche nach neuen See- und Handelswegen wandten sich v. a. die seefahrenden Nationen, Spanien und Portugal, dem Westen zu: So wollte auch Christoph Kolumbus einen neuen Seeweg nach Indien erkunden, als er statt dessen Amerika entdeckte, bzw. wieder entdeckte, denn schon um 1000 n. Chr. hatten die Wikinger diesen Kontinent erobert. In Mittel- und Südamerika folgte den Entdeckern die Eroberer, die Konquistadoren, die die neuen Länder rücksichtslos ausbeuteten und ganze einheimische Kulturen vernichteten, so das Reich der Inkas und Azteken. Die Humanisten machten mit ihrem Denken auch vor den Lehren und dem Wirken der Kirche nicht halt. Dabei griffen sie die seit dem späten Mittelalter vorherrschende Unzufriedenheit der meisten Menschen wegen ihrer zunehmenden Verweltlichung auf und sie kritisierten die kirchlichen Missstände. Die meisten Humanisten forderten eine Reformation der Kirche, d.h. ihre Erneuerung an Haupt und Gliedern. Zwei wichtige Vertreter waren John Wiclif und Jan Hus. Wiclif (ca n. Chr.) war ein Theologieprofessor an der Universität Oxford. Er kritisierte u. a. die Geozentrisches Weltbild Machtansprüche des Papstes, auch forderte er die Rückkehr der Kirche zum Ideal der Armut und Bescheidenheit. Hus (ca ) war ein tschechischer Reformator und verteidigte die inzwischen von der Kirche verbotenen Lehren Wiclifs. Er wurde deswegen zum Tode verurteilt. 28

30 5.1 WO LIEGT INDIEN? Die Neuzeit wird sicherlich (unter anderem) auch durch die bedeutenden Entdeckungen neuer Erdteile eingeleitet, sagen wir besser durch ihre teilweise "Wiederentdeckung", denn im Grunde war Amerika (Grönland, Küste Nordamerikas) im 11. Jh. durch die Wikinger erkundet und besiedelt worden. Obwohl schon zu Beginn des 15. Jh. spanische und portugiesische Seefahrer versuchten, einen Seeweg nach Indien zu finden, nachdem der Landweg immer mehr von den Osmanen behindert bzw. gesperrt worden war (zur Erinnerung: Besetzung Konstantinopels = Istanbul durch die Osmanen und damit auch das Ende des Oströmischen Reiches 1453), war es Kolumbus, der dieses Vorhaben "erfolgreich" einleitete. Deshalb gehört er sicherlich auch zu den bedeutenden historischen Persönlichkeiten der beginnenden Neuzeit, auch wenn sein Plan letzten Endes aufgrund eines Irrtums - eines Berechnungsfehlers des Erdumfanges- durchgeführt wurde. Kolumbus, Christoph(er), ital. Cristoforo Colombo, span. Cristóbal Colón, italien. Seefahrer in span. Diensten, gilt als Entdecker Amerikas (nach den Wikingern um 1000 n. Chr.), *1451 Genua, Valladolid; angeregt durch den italien. Kosmographen Toscanelli u. durch antike Karten (Ptolemäus), glaubte er, über den Atlantik den westl. Seeweg nach Indien finden zu können gewann er die Unterstützung Isabellas von Kastilien für diesen Plan. Auf seiner 1. Reise (1492/93) entdeckte er (mit den 3 Schiffen Niña, Pinta, Santa Maria) am die Bahama- Insel Guanahani sowie Kuba u. Haiti; auf der 2. Reise ( ) erreichte er mit 17 Schiffen die Kleinen Antillen (Dominica u. Guadeloupe), Puerto Rico u. Jamaika; auf der 3. Reise ( ) entdeckte er mit 6 Schiffen die Orinocomündung (damit Südamerika) u. Trinidad. Beim span. Hof in Ungnade gefallen, wurde er in Ketten zurückgebracht, konnte sich aber rechtfertigen u. ging auf die 4. Reise ( ), die ihn mit 4 Schiffen bei Puerto Limón an die mittelamerikan. Küste brachte. Das nordamerikan. Festland hat K. nie betreten. Bis zu seinem Tode war er fest ü- berzeugt, den westl. Seeweg nach Indien gefunden zu haben (daher die Namen»Westindien«für das entdeckte Gebiet u.»indianer«für die Ureinwohner). (nach: Bertelsmann Lexikon Geschichte, Gütersloh 1991, S. 440) Allerdings begannen die großen Entdeckungsreisen der Neuzeit mit der Erkundung der Westküste Afrikas durch Heinrich den Seefahrer (= Sohn König Johanns I. von Portugal, * Porto, ø Sagres). Dadurch, dass Johann I. seit 1416 viele Seefahrer aussandte, gab er den Anstoß für die Bedeutung Portugals als Seemacht in der frühen Neuzeit So umfuhr Diaz (Bartolomëu) als erster Europäer im Winter 1487/88 die (vermeintliche) Südspitze Afrikas, der er den Namen Cabo tormentoso (Stürmisches Kap) gab (später Kap der Guten Hoffnung). Der Seeweg nach Indien wurde erst 1497/98 durch den Portugiesen Vasco da Gama (übrigens begleitet von B. Diaz) entdeckt, der, im Auftrage des portugiesischen Königs, mit vier Schiffen und 160 Mann Besatzung um das Kap der Guten Hoffnung herum segelte und in Calicut an der vorderindischen Westküste landete. Amerigo Vespucci, italienischer Seefahrer (* Florenz, ø Sevilla), bereitete 1497 die dritte Expedition von Kolumbus vor; er unternahm nach eigenen Angaben von 1497 bis 1504 vier Reisen nach Südamerika, die z. T. angezweifelt werden legte er einen Bericht über die Neue Welt (»Terra nova«) vor. In seinen Karten ist zum ersten Mal Südamerika als selbständiger Kontinent gezeichnet, Der Kartograph M. Waldseemüller (im Glauben, Vespucci sei der Entdecker) benannte 1507 in der Weltkarte Universalis cosmographia den Kontinent nach Vespuccis latinisiertem Vornamen. Um schließlich auf dem westlichen Seeweg von Europa nach China zu gelangen, musste der amerikanische Kontinent umsegelt und der Pazifische Ozean durchquert werden. Dies gelang zum ersten Mal dem in spanischen Diensten stehende portugiesische Seefahrer Ferdinand de Magellan (Magalhães, span. Magallanes, Fernão de, * um 1480 Sabrosa, ø Mataan, Philippinen). 29 Er entdeckte nicht nur diese Westroute, sondern umsegelte auch zum ersten Male die Erde brach er mit fünf Schiffen auf zu einem Abenteuer, bei dem ihm nichts erspart blieb: heftiger Seegang, die glühende Hitze nahe des Äquators, eisige Kälte und Wirbelstürme in der südlichen Erdhälfte. Nach einer dreimonatigen Reise machte er die nach ihm benannte Meerenge zwischen dem Feuerland und dem südamerikanischen Kontinent - die Verbindung zwischen Atlantik

31 und Pazifik - ausfindig. Als schwierig erwies sich die Überquerung des Pazifischen Ozeans: Hunger und Skorbut rafften die Mannschaft dahin erreichte er die Marianen- und Philippineninseln, wo er in einem Kampf mit den Eingeborenen tödlich verletzt wurde. (nach: DELOUCHE, Hrsg., Europäisches Geschichtsbuch, Stuttgart 1993, S. 204 f.) Nach Magellans Erdumsegelung wurde das Bild der Erde viel genauer und Gestalt wie Umfang der Erde ließen sich nun präziser bestimmen. Die Ausbeutung und die (falsch verstandene) Missionierung der unzivilisierten Einwohner der Neuen Welt mit allen damit verbundenen Folgen stellen sicherlich eines der unmenschlichsten Entwicklungen europäischer (Eroberungs-) Geschichte dar. Der Bericht des Paters LAS CASAS ( * ), ein spanischer Adliger, der selber Indianerland erwarb, später aber Dominikanermönch und Bischof von Mexiko wurde, kann hierüber nur einen ersten Eindruck vermitteln: Ich, Bartholome de las Casas, Bruder des Hl. Dominikus, habe mich entschlossen, den Königlichen Hof von Spanien aufzusuchen und alles daranzusetzen, dass die tiefe Not der Indianer ein Ende finde... Es ist... zu berichten, wie der Gouverneur die Verfügung seiner Majestät durchführte...: der Erziehung, Belehrung und Bekehrung der Indianer wurde nicht mehr Aufmerksamkeit zugewendet..., als wenn die Indianer... Katzen oder Hunde gewesen wären.... Die Spanier schleppten die verheirateten Männer 60 bis 400 Km... zum Goldgraben fort... und die Frauen blieben in den Häusern und auf den Farmen zurück..., um dort die Feldarbeit zu verrichten... Sie mussten die Erde... mit Pfählen... aufbrechen... So kam es, dass... die Geburten fast aufhörten. Die neugeborenen Kinder konnten sich nicht entwickeln, weil die Mütter, vor Anstrengung und Hunger erschöpft, keine Nahrung für sie hatten. Aus diesem Grunde starben zum Beispiel auf der Insel Kuba, als ich dort war, Kinder im Laufe von drei Monaten; einige Mütter erdrosselten vor Verzweiflung ihre Kinder... Und die Männer starben in den Goldminen, die Frauen auf den Farmen vor Erschöpfung.... Die Indianer sollten laut Verfügung nur auf einige Zeit... verdingt werden... Der Gouverneur aber überlieferte sie den Spaniern zur ständigen Arbeitsleistung, ohne ihnen eine Ruhepause zu gewähren... Ferner ließ er zu, dass man spanische Aufseher über sie setzte.... Sie gaben ihnen Stock- und Rutenhiebe..., Peitschenschläge, Fußtritte und nannten sie nie anders als "Hunde"... Weite Gebiete, einst von Menschen mit hoher Kultur bewohnt, sind heute entvölkert... Als Ergebnis kann man sagen, dass in den... vierzig 30 Jahren... mehr als zwölf Millionen... Männer, Frauen und Kinder getötet worden sind.... (aus: SCHMID, Fragen an die Geschichte, Bd. 2, Frankfurt/M. 1980, S. 169f. Text gekürzt + der neuen Rechtschreibung angepasst) Aufgrund des Berichtes von LAS CASAS setzte der spanische Königshof eine Experten - Kommission ein. Hier ihr Bericht: 3. Aus einem Gutachten des königlichen Beichtvaters und Mitglieds der Kommission zur Untersuchung der Indianerfrage (1512): Aristoteles sagt, eine Tyrannenherrschaft sei dann gerechtfertigt, wenn sie sich auf solche erstreckt, die von Natur Sklaven und Barbaren sind, d.h., denen Urteil und Einsicht fehlen, wie es bei diesen Indianern der Fall ist, die nach allgemeiner Aussage sprechenden Tieren gleichen.... Da... Indianer... ein träges Volk, ohne Veranlagung zum Guten sind, kann man sie rechtmäßigerweise in Dienstbarkeit versetzen.... Man verfügt über sie, weil die völlige Freiheit ihnen schadet, vor allem aber, weil das beste Mittel, wodurch sie den Glauben empfangen,..., der Umgang und die Gemeinschaft mit Christen ist.. (in: DICKMANN, Hrsg., Geschichte in Quellen, Bd. 3, München 1966, Nr. 31) 5.2 DAS ZEITALTER DER RE- FORMATION: KAMPF GEGEN ODER FÜR DIE KIRCHE? Um 1500 war die katholische Kirche sehr verweltlicht, d.h. die meisten Kirchenfürsten (Bischöfe, Kardinäle, Äbte usw.) lebten mehr wie weltliche denn geistliche Führer. Aber auch Weltund Ordensgeistliche lebten nicht mehr nach den Grundregeln der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit, so wie es Benedikt von Nursia noch forderte. So heißt es in einem Hirtenschreiben des Konstanzer Bischofs Thomas Bärlower: "... Viele unter euch Priester, sei es nun Welt- oder Ordensgeistliche, Seelsorger oder nicht, achten die heiligen Vorschriften und die in ihnen enthaltenen Strafen nur sehr gering. Sie haben keine Scham und Gottesfurcht mehr und umgeben sich mit Konkubinen oder anderen verdächtigen Frauenpersonen... Sie bemühen sich nicht, diese zu entlassen oder wegzuschicken, noch auch in sich zu gehen und angemessene Buße zu tun.... Andere wiederum achten die heiligen Bestimmungen der Kirche und unsere Beschlüsse gering, lassen ihrer Ausgelassenheit freien Lauf, ergeben sich dem Würfelspiel und anderen Arten von ungebührlichen Spielen, nehmen mit Laien und ausgelassenen Personen in Kneipen und an anderen Orten öffentlich und privat an Tanzanlässen teil,... erregen Streitigkeiten, Wortwechsel, Beschimpfungen...

32 Sie betreten ohne Scham... Spelunken, dienen Mimen und Schauspielern, ergeben sich der Völlerei und Trunksucht, tragen herausfordernde Waffen, legen die ihrem Stand entsprechenden Kleider ab..., streifen nachts durch die Plätze, diskutieren, machen Lärm, Klatsch und Unruhe... und vernachlässigen vielfach den Gottesdienst, üben andere Geschäfte und verbotene Betätigungen und vieles mehr, was sich für den geistlichen Stand nicht ziemt..." (nach: HUG, Hrsg., Geschichtliche Weltkunde, Quellenlesebuch Bd. 2, Frankfurt/M, Berlin, München, 1980, S. 47 f.) In vielen Ländern wurde Kritik an der Kirche laut: Nicht nur ihr Reichtum, sondern auch die Tatsache, dass der Papst sich immer wieder in politische Angelegenheiten einmischte, wurden bemängelt. Außerdem: die vom Papst erhobenen Steuern, die Einsetzung von Bischöfen, die niemals bzw. selten ihre Diözese besuchten, sondern nur an den Pfründen (= Einnahmen) interessiert waren, die mangelnde Ausbildung vieler Priester und die unzureichende seelsorgerische Betreuung der Gläubigen, dies waren Gründe, die zur beginnenden Neuzeit viel Unzufriedenheit mit der Kirche heraufbeschwor. Offene Kritik wurde immer lauter. Großen Unmut erregte auch der Ablasshandel: Dies ist der durch käuflich erworbene Ablassbriefe versprochene "Nachlass" zeitlicher Sünden. Ursprünglich musste der Sünder Reue zeigen und zur Buße bereit sein, um von der Sündenschuld befreit zu werden; später war diese Reue nebensächlich; es ging der Kirche meist "nur" um das Geld, mit dem sie bestimmte Vorhaben ( z. Bsp. den Petersdom in Rom) finanzierte. Schon die Humanisten hatten sich oft gegen die Missstände in der Kirche gewehrt, doch dem einstigen Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther gelang der Protest gegen die Missstände in der Kirche am wirkungsvollsten und sicherlich auch am nachhaltigsten! Martin LUTHER wurde am 10. November 1483 in Eisleben (Thüringen) geboren. Sein Vater war zunächst ein Bergmann, später, als Besitzer eines kleinen Bergwerkes, hatte er es zu einem bescheidenen Vermögen gebracht begann M. Luther das Philosophiestudium an der Universität Erfurt, um nach dem Magisterexamen, dem Wunsch des Vaters entsprechend, ein Jurastudium fortzusetzen. In dieser Zeit hatte Luther ein "Schlüsselerlebnis": Auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt, während eines heftigen Gewitters, legte er das Gelübde ab, Mönch zu werden. Luther als Augustinermönch Quelle: 31 Er trat in Erfurt in den Augustinerorden ein, studierte Theologie und wurde Professor an der Universität Wittenberg. Doch bald schon plagten ihn große Zweifel, als er feststellte, dass zwischen den Lehren der Kirche und den Aussagen der Bibel große Unterschiede bestanden; den Ablasshandel verwarf er. Mit seinen 95 Thesen über den Ablass forderte er die öffentliche Diskussion; wahrscheinlich sind diese Thesen niemals an der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen, sondern nur als Flugblätter verteilt worden. Rom eröffnete gegen Luther den Ketzerprozess; die Disputation (= wissenschaftlich-theologische Auseinandersetzung) mit dem Kirchengelehrten Johannes Eck brachte kein zufrieden stellendes Ergebnis. In noch größerem Konflikt mit dem Papst geriet er, als er behauptete, dieser sei ein Antichrist. Schließlich wurde er 152O gebannt. Die Bannbulle verbrannte Luther jedoch öffentlich, ebenso einige scholastische Schriften wurde auf dem Reichstag zu Worms über Luther die Reichsacht durch Kaiser Karl V., auf Anordnung des päpstlichen Gesandten Aleander verhängt. Die Reichsacht erklärte Luther für "vogelfrei", d.h. rechtlos. Dennoch wurde er durch Friedrich den Weisen von Sachsen geschützt: Als "Junker Jörg" verbrachte Luther inkognito einige Zeit auf der Wartburg, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte und auch andere Schriften verfasste, so "Von weltlicher Obrigkeit", in der er den Gehorsam der Untertanen gegenüber der weltlichen Obrigkeit forderte. Durch die Bibelübersetzung legte Luther auch den Grundstein für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Während des Bauernkrieges beriefen sich die aufständischen Bauern z. T. auch auf Luthers Lehren (u. a. in seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen"). Luther jedoch stellte sich, nach vergeblichen Ermahnungen, auf die Seite der Obrigkeit heiratete er die frühere Nonne, Katharina von Bora.

33 Luther hatte sich im Laufe seines Lebens intensiv mit der Auslegung der Bibel bzw. des Neuen Testamentes (des Evangeliums, daher auch die Bezeichnung "evangelisch") beschäftigt. Er bestritt aufgrund seiner Bibelauslegungen, dass das Heil des Menschen von seinen guten Werken abhänge, geschweige denn vom Kauf von Ablassbriefen. Für ihn war die Gnade des Menschen nur vom Glauben bzw. auch der persönlichen Reue bestimmt. Er starb am Die lutherische Kirche, deren Anhänger auch "Protestanten" genannt wurden bzw. werden und die sich inzwischen als eine von Rom losgelöste Glaubensgemeinschaft entwickelt hatte, behielt zwar manche Tradition der katholischen Kirche bei, lehnte aber den Primat des Papstes ab und manche Kulthandlungen, die als "abergläubisch" beurteilt wurden, so z. B. die Heiligen- und Marienverehrung, die Wallfahrten, das Gebot des Zölibats (Ehelosigkeit) für die Pfarrer usw.. Die Ausbreitung der lutherischen Lehre führte bald im Reich zu einem fast dauernden Streit zwischen dem Kaiser, der die katholische Lehre und den Papst unterstützte, und vielen Landesfürsten, die auf Seiten der Protestanten standen. So kam es auch, dass Kaiser Karl V. den Protestanten den Krieg erklärte. Jedoch gab es in diesem Konflikt weder "Sieger" noch "Besiegte", allenfalls einen enttäuschten Kaiser, der sowohl im Reich ( 1555 ) als auch in Spanien ( 1556 ) abdankte und somit den Weg freimachte für den Augsburger Religionsfrieden, der 1555 auf dem Reichstag zu Augsburg verabschiedet wurde und die Gleichberechtigung beider Konfessionen - der katholischen und der lutherischen - bestimmte; jeder Fürst bzw. Rat einer (freien) Stadt konnte jetzt die Religion in seinem Herrschaftsgebiet selbst bestimmen und die Untertanen mussten den Glauben annehmen (oder das Land verlassen). Es galt das Prinzip "cuius regio, eius religio" ( Wessen Land, dessen Religion ). dies auch mit der finanziellen Unterstützung der reichen süddeutschen Kaufmannsfamilie der Fugger. Wenngleich Karl V. über ein großes Reich herrschen konnte (Sein bekannter Ausspruch: "In meinem Reich geht die Sonne niemals unter" weist auch auf seine Hausmacht in den eroberten Gebieten der Neuen Welt hin!), so war er doch gezwungen, viele Kriege zu führen, gegen Franz I. von Frankreich, gegen die "protestantischen" deutschen Fürsten während des Schmalkaldischen Krieges, Karl V. Gemälde v. A. Van Dyck Quelle: gegen die Osmanen, die bis nach Wien vorgedrungen waren..., um nur die wichtigsten zu nennen. Die Kriege damals wurden noch mit Hilfe von Söldnerheeren geführt, die einmal auf dieser, einmal auf der anderen Seite kämpften, je nach versprochenem Sold. Insofern konnte Karl V. einmal einen großartigen Sieg erringen, einmal eine katastrophale Niederlage. Eines seiner wichtigen Ziele hat Karl V. nie erreicht: die Wiedererrichtung einer Universalmonarchie nach mittelalterlichem Vorbild. Ebenso wenig konnte er im Reich die Reformation verhindern und, damit verbunden, die Spaltung der Christenheit, für deren Einheit er sich so stark eingesetzt hat. Amtsmüde und enttäuscht dankte Karl 1555 zugunsten seines Bruders (Ferdinand I.) und seines Sohnes (Philipp II.) ab. Sicherlich war KARL V. eine sehr beeindruckende Herrscherpersönlichkeit der beginnenden Neuzeit (- oder des ausgehenden Mittelalters?). Als Sohn Philipps von Habsburg- Burgund und der spanischen Königstochter Juana wurde er 1500 in Gent geboren. Nach dem Tode seines Vaters wurde er Herzog von Burgund, König der Niederlande und nach dem Tode seines Großvaters, Ferdinand von Aragon, 1516 auch König von Spanien wurde Karl von den Kurfürsten gegen seinen Widersacher, Franz I. von Frankreich, zum Kaiser des Hl. Römischen Reiches gewählt, Europa in der frühen Neuzeit 32

34 5.3 SPALTUNG DER REFORMA- TIONSBEWEGUNG - GEGENREFOR- MATION Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 breiteten sich die Lehren Luthers v. a. in Norddeutschland aus, nach dem Grundsatz: "Wessen Land, dessen Religion". Auch die skandinavischen Länder wurden protestantisch. Johannes Calvin Quelle: Die Reformation spaltete sich jedoch, da in der Schweiz die "Reformierte Kirche" nach den Lehren CALVINS entstand. Diese war strenger als die Luthers. So forderte Calvin eine feste Kirchenordnung, ein Verbot von Glücksspielen, Tanz, eine straffe Führung der Gläubigen. Auch in Glaubensaussagen unterschied sich Calvin grundsätzlich von Luther. So glaubte er an die Vorhersehung Gottes: D.h. seiner Überzeugung nach war jeder Mensch von vornherein von Gott zur Verdammnis oder zum ewigen Heil auserkoren. Diese Prädestinationslehre beeinflusste sehr stark das irdische Leben der kalvinistischen Gläubigen, sahen sie doch im möglichen Wohlstand ein "äußeres Zeichen" für ihre Auserwählung Gottes. Von der Schweiz breitete sich der Kalvinismus teilweise nach Frankreich aus, wo die Reformierten oft schweren Verfolgungen durch die zentrale (= katholische) Königsmacht ausgesetzt waren. So wurde Katharina von Medici, die Witwe Heinrichs II., 1572 die Anstifterin der Bartholomäusnacht: In Paris und in den Provinzen wurden mindestens Hugenotten, so hießen die französischen Kalvinisten, ermordet. Erst 1598 erhielten sie im Edikt von Nantes Glaubensfreiheit zugesichert, nachdem der ehemals kalvinistische Heinrich von Navarra die französische Königskrone erlangt hatte, dafür aber zum katholischen Glauben übergetreten war. "Paris ist eine Messe wert": Dieser Ausspruch wird Heinrich IV. zugesprochen. 33 In England kam es schließlich zu einer weiteren protestantischen Bewegung: Nachdem der Papst König Heinrich VIII. der Scheidung von seiner ersten Frau, Katharina von Aragon, nicht zustimmte, kam es 1538 zum Bruch mit der katholischen Kirche. So wurde schließlich die Anglikanische Kirche gegründet, in ihren Lehren mehr kalvinistisch, in ihren Riten mehr katholisch. In den Niederlanden war der Kampf um die religiöse Freiheit gleichzeitig auch ein Kampf um die politische Freiheit und die nationale Unabhängigkeit. Hier gelang es dem kalvinistischen Norden sich von der Herrschaft der katholischen, spanischen Habsburger zu lösen und die Republik der Vereinigten Niederlande (in etwa den heutigen Niederlanden gleichzusetzen) zu gründen. Die Herrschaft des Sohnes Karls V., Philipps II., wurde zunehmend als eine Last empfunden, da die spanische Bevormundung auch nationale Gefühle verletzte. Außerdem wollten die Niederländer die Verfolgung ihres wachsenden kalvinistischen Glaubens nicht mehr länger erdulden. So kam es ab 1568 zu einem Freiheitskampf, der sich nicht nur gegen die strenge Herrschaft des spanischen Herzogs Alba richtete, sondern auch ein Kampf um die Religionsfreiheit war. Die erbitterten Auseinandersetzungen sollten erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden ihren Abschluss finden, der die Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande endgültig anerkannte. Der Süden der Niederlande (etwa unser heutiges Belgien) blieb katholisch / spanisch. Die Katholische Kirche sah der Ausbreitung der neuen christlichen Konfessionen nicht tatenlos zu. Auf dem Konzil zu Trient ( ) wurden viele Reformen beschlossen. Die Kirche begann, v. a. mit Unterstützung des von Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens, die abtrünnigen Gläubigen wiederzugewinnen. Diese Gegenreformation wurde allerdings teilweise mit gewaltsamen Mitteln durchgeführt, dies oft mit Unterstützung der katholischen Herrscher. Ignatius von Loyola, spanischer Offizier, studierte 1528 bis 1534 Theologie an der Universität von Paris. Hier sammelte er eine Schar von Freunden um sich, die sich alle durch Charakterstärke und Gelehrsamkeit auszeichneten. Sie boten dem Papst ihre Dienste an: im Kampf gegen den Protestantismus und für die guten Sitten in der Kirche. Nach militärischem Vorbild organisiert, wurde der Orden eine Art "Elitetruppe" des Papstes, die schließlich in ganz Europa für die Wiederherstellung des katholischen Glaubens "kämpfte". Zwar wurden zahlreiche Missstände, v. a. in der Priesterausbildung, beseitigt, gleichzeitig aber auch in den restlichen katholischen Gebieten, z. Bsp. in Spanien, die "Ketzer" mit Hilfe der Inquisition, einer Art kirchlichen Staatsanwaltschaft, unnachgiebig verfolgt und hingerichtet.

35 5.4 MACHTKAMPF ODER GLAU- BENSKAMPF? DER DREIßIGJÄHRIGE KRIEG Im Deutschen Reich konnte der im Augsburger Religionsfrieden erzielte Kompromiss (welcher?) den Frieden nur für etwa 50 Jahre sichern. Doch dann spitzten sich die Gegensätze v. a. durch die Gegenreformation wieder zu. Protestantische Fürsten schlossen sich 1608 zur Protestantischen Union, katholische 1609 zur katholischen Liga zusammen. Als 1618 der Kaiser in Böhmen nichts gegen die Zerstörung von 2 protestantischen Kirchen durch den Erzbischof von Prag unternahm, warfen ebendort 2 protestantische Adelige zwei kaiserliche Statthalter aus einem Burgfenster heraus (= Prager Fenstersturz). Daraufhin brach ein Krieg aus, der bis 1648 dauern sollte (= Dreißigjähriger Krieg). In diesen Auseinandersetzungen, in denen es zunächst um die böhmische Königskrone ging, griffen auch bald ausländische Mächte ein. Dieser Krieg, "der sich selbst ernähren musste", brachte unglaubliche Leiden über die Bevölkerung, die von den Söldnerheeren beider Parteien ausgebeutet wurde. Hierzu kamen auch noch Seuchen, wie z. Bsp. die Pest, die sich rasch unter den schlecht ernährten Menschen ausbreiteten. Nach 30 Kriegsjahren waren 2/5 der Landbevölkerung und 1/3 der Stadtbevölkerung Krieg und Krankheiten zum Opfer gefallen, d.h. etwa 6 Millionen Menschen. Erst gegen 1800 konnte der Stand von 1618, ungefähr 20 Millionen Menschen, wieder erreicht werden. Außerdem konnten die Landesfürsten nun auch mit auswärtigen Staaten Verträge abschließen. Damit hatten sich im Deutschen Reich endgültig die Interessen der "kleinen Staaten" (= Partikularismus / Kleinstaaterei) durchgesetzt. Auf der Landkarte stellt sich das Reich nun mit über 300 souveränen Herrschaftsgebieten als eine Art Flickenteppich dar. Europa nach dem Westfälischen Frieden 1648 (Karte: Centennia, ein dynamischer Geschichtsatlas, Klett, CD-ROM 1996) Der Krieg hatte keine eindeutigen Sieger wurde der Westfälische Frieden in Münster mit Frankreich und in Osnabrück mit Schweden geschlossen. Dieser erste "Europäische Friedensvertrag" enthielt u. a. folgende Vertragsbedingungen: Die Schweiz und die Vereinigten Niederlande gehörten von nun an nicht mehr zum Reich. Frankreich erwarb Gebiete des Reiches im Südwesten, Schweden im Norden. Im Reich konnten einige Landesfürsten ihr eigenes Gebiet vergrößern; alle aber erhielten nun die Herrschaft über ihr "eigenes" Land. Im Grunde wurden sie nun die Herrscher über einen souveränen "Staat im Staate"; das Prinzip "Wessen Land, dessen Religion", wurde beibehalten. 34 Westfälischer Friede Die Gesandten von Kaiser bzw. Reich auf der einen sowie von Frankreich und seinen Verbündeten auf der anderen Seite handeln 1648 im Rathaussaal zu Münster den Westfälischen Frieden zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges aus. Kupferstich nach einem Gemälde von Gerard Terbroch. Microsoft Encarta Professional Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

36 5.5 L ÉTAT C EST MOI - ABSOLUTISMUS ALS ABSOLUT RICHTIGE STAATLICHE ORDNUNG? Nachdem Heinrich IV., der erste Bourbone auf dem Königsthron, 1610 von dem Religionsfanatiker François Ravaillac ermordet worden war, folgte ihm sein minderjähriger Sohn Ludwig XIII. auf dem Thron. Die Adligen an seinem Hof nutzten nun die Gelegenheit, um einen starken Einfluss auf ihn zu gewinnen. Gleichzeitig verlangten auch die Hugenotten weitere Religionsfreiheiten. Frankreich stand kurz vor dem Bürgerkrieg. Im Gegensatz zum Hl. Römischen Reich deutscher Nation entwickelte sich in Frankreich schon im Mittelalter eine staatliche Ordnung, die auf die zentrale Königsgewalt ausgerichtet war. Der König hatte seine Machtstellung gegenüber dem Adel ausbauen können, dies besonders nach den Religionskriegen. So hatte der König seit 1614 die Generalstände nicht mehr einberufen. Die Generalstände (États généraux) waren die Vertreter von Adel, Klerus und Bürgern der Städte. Sie waren 1302 eingesetzt worden und hatten das Recht der Steuerbewilligung. Allmählich setzte sich jedoch in Frankreich eine Staatsform durch, in der die gesamte Macht vom König ausging, die als absolute Monarchie definiert wird und am besten durch folgenden Spruch charakterisiert werden kann: Un roi, une loi, une foi ( = ein König, ein Gesetz, ein Glaube). Die philosophischen und theoretischen Grundlagen für diese Staatsform wurden u. a. durch die Staatstheoretiker und Philosophen Jean Bodin, Thomas Hobbes und Jacques Bossuet gelegt. In ihren Grundideen gingen sie davon aus, dass im gesellschaftlichen Urzustand ein dauernder Krieg aller gegen alle herrsche; daher sei es vernünftig, dass die Menschen ihre Rechte dem Staat übertragen, der wiederum am besten durch den König (Monarchen) verkörpert sei. Er vertrete eben den Willen Gottes und somit auch die göttliche Ordnung auf Erden. Insofern stehe der König auch über den Gesetzen. Ludwig XIV. Gemälde von Hyacinthe Rigaud, Louvre Paris Der Staatsmann Kardinal Richelieu vermochte es jedoch, dank einer autoritären Politik, die Zügel in die Hand zu nehmen: 1628 führte er - siegreich - den Kampf gegen die Hugenotten, die sich auf ihrer Festung von La Rochelle verschanzt hatten. Gleichzeitig gewann Richelieu aber auch einen großen Einfluss bei Hofe und stärkte die Macht gegenüber den Adligen. Die Verwaltung des Landes übertrug er (meist bürgerlichen) Beamten, die im Namen des Königs ihren Dienst versahen. Außenpolitisch stärkte Richelieu sein Land durch Bündnisse mit Schweden und den Vereinigten Niederlanden, um die Vormachtstellung der Habsburger zu schwächen. Ohnehin war das Deutsche Reich nach dem Dreißigjährigen Krieg politisch sehr geschwächt und das habsburgische Spanien dem Niedergang nahe FRANKREICH UNTER LUDWIG XIV. Nach dem Tode Ludwigs XIII. folgte ihm sein minderjähriger Sohn Ludwig XIV., dem eine lange Regierungszeit bevorstehen sollte. Von 1643 bis 1715 verhalf er Frankreich zu einem Höhepunkt absolutistischer Macht. Ludwig XIV. übernahm nach dem Tod des Kardinals Mazarin 1661 die alleinige Regierungsgewalt, unterstützt von seinen Ministern, die ihm untertan waren und ihm halfen, seine absolutistischen Ziele zu erreichen. Der Begriff Absolutismus ist vom Lateinischen solutus legibus (= von den Gesetzen befreit) abgeleitet, d.h.: Der Monarch kann Gesetze erlassen wie er will, er selber ist aber nicht an sie gebunden. Das bedeutet aber auch, dass er keinerlei Kontrolle durch eine weltliche Institution (z.b.: Parlament, Generalstände, Kirche ) unterworfen ist. Zunächst eine kurze Charakterisierung der außen- und innenpolitischen Zustände Frankreichs im 17. Jh.: DER GESELLSCHAFTLICHE AUFBAU IM ABSOLUTISTISCHEN FRANK- REICH Hoher Klerus (= Erster Stand) und Adel (= Zweiter Stand) genossen Vorrechte (Privilegien): Sie bezahlten keine Steuern. Ludwig XIV. vermochte die Macht der Adligen dadurch zu schwächen, dass er sie an seinen Hof - fern von ihren Machtbereichen - holte. Eine reiche Oberschicht (z. B. Kaufleute, Manufakturbesitzer, Bankiers ) führte ein ähnliches Leben wie die Adligen. Teilweise sehr gebildet und als Inhaber (meist käuflicher) Ämter wurden sie oftmals vom König geadelt (= Amtsadel = noblesse de robe). In dieser Schicht verbreitete sich das Gedankengut der Aufklärung

37 sehr rasch, da sie u. a. von den meisten politischen Entscheidungen ausgeschlossen war. Die Masse der kleinen Bürger, der Bauern, der kleinen Handwerker, des niederen Adels bildeten den Dritten Stand (Tiers État). Gerade sie hatten unter der Last der meisten Steuern zu leiden, von den politischen Rechten waren auch sie weitgehend ausgeschlossen DIE WIRTSCHAFT IM ABSOLU- TISTISCHEN FRANKREICH Auch die Wirtschaft stand ganz im Dienste des Staates mit einem wichtigen Ziel: Förderung des Landesreichtums. Schöpfer dieses Systems war der Finanzminister Ludwigs XIV., COLBERT. Nach seiner Ansicht war es einzig und allein der Reichtum an Geld, der die Unterschiede an Größe und Macht zwischen den Staaten begründet so in seiner Denkschrift von Daher musste der Staat auch darauf achten, dass innerhalb des Landes so viel Güter wie möglich produziert wurden, mit dem Ziel, mehr Güter zu exportieren als zu importierten. Dem Kaufmann, der also Waren exportierte und dafür Geld ins Land hineinbrachte, wurde in diesem Wirtschaftssystem viel Bedeutung beigemessen. Der Merkantilismus zielte also auf eine aktive Handelsbilanz ab: Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Ausfuhr von Rohstoffen verboten, die Ausfuhr von hochwertigen und konkurrenzfähigen Fertigwaren gefördert. Daher war es auch ein Bestreben absolutistischer Staaten, Kolonien zu erwerben, um genügend Rohstoffe zu erwerben und damit auch zusätzliche Absatzmärkte für Fertigwaren. Aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit mussten die Waren so preiswert wie möglich hergestellt, die Preise für Lebensmittel und andere Primärprodukte - zu Lasten der Landwirtschaft - niedrig gehalten werden. Anderseits wurden neue Industriezweige und Produktionsformen (z. B. die Manufakturen), der Ausbau des Verkehrsnetzes durch den Staat gefördert, der einheimische Markt durch Schutzzölle vor unliebsamer Konkurrenz geschützt AUSSENPOLITISCHE ZIELE LUDWIGS XIV. Ludwig XIV. strebte danach, die Grenzen Frankreichs zum Rhein hin zu erweitern. Sein Kampf richtete sich vornehmlich gegen die spanischen Habsburger (die ja auch das heutige Belgien beherrschten) und gegen das Deutsche Reich. In diesem Kampf machte Ludwig XIV. Erbansprüche geltend (Devolutionsrecht) oder er 36 stellte Ansprüche auf Gebiete, die früher einmal mit Frankreich in Zusammenhang standen und nun wieder mit Frankreich vereint werden sollten (Reunionen). So wollte er u. a. auch Gebiete im Elsass (Straßburg) erobern. Ludwigs Vormachtstreben führte mehrfach zum Zusammenschluss anderer europäischer Mächte, die das Gleichgewicht erhalten wollten, so z.b. im Spanischen Erbfolgekrieg: Dieser Krieg, ein Krieg unter Englands Führung gegen Frankreich, endete mit den Friedensschlüssen von Utrecht (1713) und Baden (1714): Das Erbe der spanischen Habsburger wurde geteilt entsprechend dem von England geforderten Gleichgewicht der Kräfte: Der Enkel Ludwigs XIV., Philipp, erhielt Spanien und seine Kolonien, doch durfte es nie mit Frankreich vereinigt werden. Österreich gewann die spanischen Niederlande, Mailand, Neapel, Sardinien. England besetzte mit Gibraltar den Eingang zum Mittelmeer und die spanischen Kolonien wurden dem englischen Handel geöffnet (Asiento-Vertrag) INNENPOLITISCHE SCHWER- PUNKTE IM ABSOLUTISTISCHEN FRANK- REICH Noch als Kind erlebte Ludwig XIV. einen Aufstand des Parlaments (der Fronde) gegen die zunehmende absolutistische Macht des Königs und seiner Berater. Zwar wurde der Aufstand niedergeschlagen, doch dieses Ereignis bewegte Ludwig XIV. das Schloss von Versailles außerhalb von Paris bauen zu lassen. Dieses Schloss sollte schließlich Mittelpunkt des gesamten Hofstaates werden, wo annähernd Menschen, Adelige, Diener, Künstler, Wachsoldaten lebten. Diese prunkvolle Anlage diente vielen europäischen Fürsten und Königen als Vorbild für ihre eigene Residenz. Nachdem 1598 den Hugenotten Religionsfreiheit garantiert worden war, bildeten sie eine eigenständige Macht im Staate. Getreu dem absolutistischen Anspruch hob (der katholische) Ludwig XIV. das Edikt von Nantes 1685 wieder auf. Daraufhin verließen über Hugenotten, unter ihnen viele Handwerker, Frankreich, um u. a. in Preußen eine neue Heimat zu finden. Für die Durchführung seiner Anordnungen und Gesetze war Ludwig XIV. auf eine ihm ergebene Verwaltung angewiesen, die zentralistisch aufgebaut war. Ebenso baute er - im Gegensatz zu den sonst üblichen Söldnerheeren - ein stehendes Heer auf. Als Ludwig XIV starb, hinterließ er einen stark verschuldeten Staat, dessen untere Bevölkerungsschichten völlig verarmt waren.

38 5.6 ENGLAND AUF DEM WEG ZU MEHR DEMOKRATIE? Schon im Jahre 1215 musste der König von England, Johann I., in der Magna Charta Libertatum den Baronen (= Hochadel) Freiheitsrechte einräumen: Kein freier Bürger durfte, diesem Freiheitsbrief entsprechend, ohne Grund verhaftet werden und die Steuern bedurften der Zustimmung der Barone. Die Versammlung der Barone hieß auch Parlament : Im Laufe der Zeit teilte sich dieses Parlament in 2 Kammern: das Oberhaus bestand aus dem Hochadel ( House of Lords), das Unterhaus ( House of Commons ) aus dem niederen Adel, später auch aus den gewählten (reichen) Bürgern der Städte. Das Parlament - zunächst ein Beratergremium des Königs - erlangte im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Macht, so dass bereits im 16. Jh. der König keine Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments erlassen konnte. Mit dem Tode der Königin Elisabeths I., einer Tochter Heinrichs VIII., endete die Dynastie der Tudors. Bekanntlich hatte die kinderlose Elisabeth I. ihre katholische Rivalin und Cousine, Maria Stuart, Königin von Schottland, hinrichten lassen und so die katholische Welt gegen sich aufgebracht. Nach ihrem Tode gelangte nun der schottische König Jakob I. an die Macht. Katholik und absolutistisch orientiert, gewann er nicht die Sympathien des englischen Volkes. Viele calvinistische Bürger (die puritanischen Pilgrim fathers ) wanderten, enttäuscht von der Politik Jakobs I., nach Amerika aus. Nach dem Tode Jakobs I. kam 1625 Karl I. an die Macht. Die Bemühungen des (wiederum katholischen) englischen Königs auch in England ein absolutistisches Machtsystem aufzubauen erfuhren nun den harten Widerstand des englischen Parlamentes. Ein langer Bürgerkrieg war die Folge: Das Heer des Parlamentes unter Oliver Cromwells Führung siegte und ließ 1649 Karl I. hinrichten. Die Republik, als Commonwealth bezeichnet, wurde ausgerufen. Jedoch kam es in der neuen Republik zu inneren Unruhen und Auflösungserscheinungen, in Schottland und Irland zu Aufständen, die Cromwell mit harten Mitteln niederschlug. In Irland v. a. wurde die katholische Bevölkerung unterdrückt: Dies war der Ursprung der bis heute andauernden Feindschaft zwischen den katholischen Iren und den anglikanischen Engländern. Cromwell herrschte von nun an im gleichen absolutistischen Stil wie Karl I. - oft auch gegen die Interessen des Parlamentes. Die Armee, die seine Macht stärkte, wurde oft gegen seine politischen Gegner eingesetzt. Nach dem Tode Cromwells, 1658, zerfiel die Republik sehr schnell. Ein König wurde wieder eingesetzt, der sich allerdings der Kontrolle des Parlamentes mit seinem Ober- und Unterhaus unterordnen musste. Karl II., der ins französische Exil geflüchtete Sohn Karls I., kehrte nun wieder auf den Thron zurück, nachdem er versprochen hatte, die Rechte des Parlamentes zu respektieren. Doch sollte dieses Versprechen nicht lange eingehalten werden! Immer häufiger ließ Karl II. Gegner verhaften, worauf das Parlament 1679 die Habeas-Corpus-Akte ( Du mögest den Körper haben ) erließ, demnach kein freier Bürger willkürlich, ohne unverzügliche gerichtliche Untersuchung, verhaftet bzw. inhaftiert werden durfte. Nach dem Tod Karls II. folgte ihm sein Bruder Jakob II. auf dem Thron. Er wiederum, von dem absolutistischen Vorbild Frankreichs geblendet, schuf ein stehendes Heer und eine neue Verwaltung, die von der katholischen Oberschicht besetzt wurde. Das Unterhaus, das sich gegen diese Politik wehrte, wurde kurzerhand aufgelöst. Einflussreiche Engländer versuchten nun einer Thronfolge durch den Sohn Jakobs II. entgegenzuwirken, indem sie der Tochter Jakobs II., Maria, und ihrem niederländischen protestantischen Ehemann, Wilhelm von Oranien, die Krone anboten. Diese mussten sich allerdings - nach der Flucht Jakobs II. nach Frankreich - vor ihrer Krönung 1689 dem Parlament gegenüber verpflichten, die Declaration of Rights (später die durch Parlament verkündeten Wilhelm III. und Maria II.. Bill of Rights) anzuerkennen. Dieses Grundgesetz sicherte den Bürgern und dem englischen Parlament Grundrechte und die Gewaltenteilung wurde eingeführt. Dies war der Beginn einer konstitutionellen, parlamentarischen Monarchie, d.h. der Monarch ist an die Verfassung gebunden und wird durch das Parlament kontrolliert. Nach dieser Glorious Revolution, im Grunde einer friedlichen Revolution, trat in England wieder Ruhe ein. Seiner Entwicklung zu einer Groß-, Kolonial- und Seemacht stand nichts mehr im Wege. Englands Kolonialpolitik in Amerika war - im Gegensatz zu Spanien und Portugal - auf eine Besiedlungs-, weniger auf eine Eroberungspolitik ausgerichtet, wobei private Kaufmannsgesellschaften, mit einem königlichen Freibrief ausgestattet, die Grundlagen für einen intensiven Handel zwischen Nordamerika und England legten. 37

39 5.7 DRITTES ROM? DER WEG MOSKAUS ZUR RUSSISCHEN GROß- MACHT Nach über 200jähriger Herrschaft der Mongolen, die 1502 vertrieben wurden, dehnte sich das Fürstentum Moskau allmählich zu einem Großreich aus. Vor allem nach der Eroberung des byzantinischen (oströmischen) Reiches 1453 n. Chr. durch Mohammed II. verstand sich nun das Fürstentum als die Hüterin der christlichorthodoxen Religion ( Drittes Rom ). Die Fürsten Moskaus nannten sich von nun an Zaren, Nachfolger der Cäsaren. Seit dem 16. Jh. nannte sich das Fürstentum Moskau Russland. Zar Iwan IV., der Schreckliche ( ), erbitterter Gegner der alteingesessenen Adligen, den Bojaren, berief 1549 erstmals eine Landesversammlung ein, die - mit Ausnahme der Bauern - aus allen Ständen bestand. Sein Ziel: Festigung seiner autokratischen Macht gegen den Widerstand der Bojaren, die er grausam entmachtete: Er ließ sie enteignen, vertreiben oder hinrichten. Der von ihm begünstigte Kleinadel erhielt klar umrissene Aufgaben in der Verwaltung oder in der Armee, während die Bauern unter der harten Last der Steuern leiden mussten. Anderseits öffnete Iwan IV. sein Land dem Westen: Er förderte Handelsbeziehungen nach Westeuropa, den Zuzug von Handwerkern, Künstlern und Gelehrten aus Westeuropa. Jedoch begann die eigentliche Orientierung Russlands an der politischen, geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung Westeuropas unter dem Zaren Peter I. ( ). Nachdem er zahlreiche Informationsreisen in Westeuropa unternommen hatte, versuchte er die dort gewonnenen Erkenntnisse über Handwerk, Organisation der Verwaltung und Armee, Schiffsbau usw. in seinem Lande umzusetzen, während er das Land nach absolutistischem Vorbild regierte, unter dem v. a. die Landbevölkerung zu leiden hatte. Außenpolitisches Ziel Russlands war der Zugang zur Ostsee (durch Schweden versperrt) und zum Schwarzen Meer (durch die osmanischen Türken versperrt). Schließlich gewann Peter I. im Nordischen Krieg gegen die Schweden ( ) die Vormachtstellung im Ostseeraum, im eroberten Gebiet erkor er Petersburg zur neuen Hauptstadt. Katharina II. ( ) schließlich gewann mehrere Kriege gegen die Türken und somit auch den Zugang zum Schwarzen Meer. Mit der Teilung Polens, wovon Russland den Hauptanteil beanspruchte, wurde das russische Reich unmittelbarer Nachbar Preußens und Österreichs VERNÜNFTIG? DAS ZEITAL- TER DES RATIONALISMUS UND DER AUFKLÄRUNG Als folgerichtige Konsequenz aus den Idealen des Humanismus (zur Erinnerung: Der Mensch steht im Mittelpunkt des Denkens und Handelns ) entwickelten sich im 17. und 18. Jh. die Ideen des Rationalismus und der Aufklärung. Doch lassen wir hier an dieser Stelle einige der wichtigsten Vertreter dieser bedeutenden philosophischen, z. T. auch gesellschaftskritischen Ideen zu Wort kommen: Im 17. Jh. lehrte der bekannte französische Philosoph René Descartes: Ich denke, also bin ich Für den Denkenden steht also nur die eigene Existenz fest, alles andere müsse mit Hilfe der ratio, der Vernunft, so Descartes, bewiesen werden, auch die Existenz Gottes. Das "Ich denke, also bin ich" (cogito, ergo sum) ist für Descartes das Prinzip allen menschlichen Wissens und damit auch der Philosophie. In seiner Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauches schrieb Descartes: Die erste (Regel) ist: Niemals eine Sache als wahr anzunehmen, die ich nicht als solche sicher und einleuchtend erkennen würde, d.h. sorgfältig die Übereilung und das Vorurteil zu vermeiden und in meinen Urteilen nur soviel anzunehmen, wie sich mir so klar und deutlich zeigt, dass ich gar keine Möglichkeit hätte, daran zu zweifeln. Die zweite (Regel): Jedes der Probleme, die ich untersuchen würde, in so viele Teile zu zerlegen als möglich und zur besseren Lösung wünschenswert wäre. Die dritte (Regel): Meine Gedanken zu ordnen; zu beginnen mit den einfachsten und fasslichsten Gegenständen und aufzusteigen allmählich und gleichsam stufenweise bis zur Erkenntnis der kompliziertesten.... (Descartes, R.: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauches und der wissenschaftlichen Wahrheitsfindung, 1637, Stuttgart 1961 in: Die Lehre, alles mit der Vernunft erfassen zu wollen, nennen wir Rationalismus. Sie war besonders in Frankreich und England ausgebreitet und richtete sich gegen Aberglauben, Hexenprozesse, Judenverfolgungen... In diesem Sinne mussten auch die Ideen über Staat und Gesellschaft neu überdacht werden. Um ein Beispiel zu nennen: Forderten die Bauern 1525 noch die Aufhebung der Leibeigenschaft aufgrund der Lehren des Neuen Testamentes, so forderten die Rationalisten und Aufklärer die Gleichstellung aller Menschen aus Gründen der Vernunft.

40 So wehrte sich John Locke in seiner Schrift "Two Treatises of Government" (Zwei Abhandlungen über die Regierung, 1689) gegen die absolute Monarchie. Die politische Ordnung beruhe für ihn auf dem Zustand völliger Gleichheit und Freiheit, die durch Rücksicht auf andere und die Notwendigkeit friedlichen Zusammenlebens begrenzt werde. Die Vernunft lehrt alle Menschen, daß wir alle gleich und unabhängig sind, daß daher keiner dem andern in Bezug auf sein Leben, seine Gesundheit, seine Freiheit und sein Eigentum schaden soll Wenn wir betrachten, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur befinden, so sehen wir: Dies ist ein Zustand völliger Freiheit (Locke, J.: Zwei Abhandlungen über die Regierung, 1689) Die Wirkung John Lockes auf die politischen Ideen der folgenden Jahrhunderte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die von ihm entwickelten Vorstellungen über Machtbegrenzung und -kontrolle, Verantwortlichkeit der Machtträger dem Volke gegenüber, die Bedeutung des Privateigentums machen Locke zu einem Vorläufer der liberalen Demokratie, auch wenn ihm und seiner Zeit diese Begriffe noch nicht geläufig waren. (Die Entwicklung der Demokratie in der Neuzeit, in: urs2/neuzeit/neuzeit.htm#übersicht = Bildungsserver der UNESCO) Ein weiterer wichtiger Vertreter der Aufklärung war Charles de Montesquieu. Er betrachtete England als Vorbild, wenn er schrieb, es sei die "Nation..., die als unmittelbaren Zweck ihrer Verfassung die politische Freiheit hat". In seinem Hauptwerk "De l'esprit des lois" (Vom Geist der Gesetze, 1748) bezeichnete er die Despotie als die schlechteste Staatsform. Die beste sei jene, in der die Bürger das Recht haben, alles zu tun, was die Gesetze erlauben. Er sah durchaus die Gefahr, dass auch in einer Demokratie diese Freiheit gefährdet sein kann. Der menschlichen Neigung zum Machtmissbrauch sollte durch Machtverteilung und -kontrolle Schranken gesetzt werden. In jedem Staat gibt es drei Arten von Gewalt: die gesetzgebende, die vollziehende und die richterliche Gewalt. Wenn in derselben Person die gesetzgebende Gewalt mit der vollziehenden vereinigt ist, gibt es keine Freiheit. Es gibt ferner keine Freiheit, wenn die richterliche Gewalt nicht von der gesetzgebenden und vollziehenden getrennt ist. (Montesquieu, Ch.: Vom Geist der Gesetze, 1748) Jean Jacques Rousseau schließlich vertrat die Auffassung, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Nur die (schon verdorbene) menschliche Gesellschaft hindere aber den einzelnen Menschen daran, sich seinen Anlagen entsprechend zu verhalten. In seinem Gesellschaftsvertrag ( contrat social 1762) entwickelte Rousseau eine Ordnung, die auf einer gemeinsamen Vereinbarung beruht: Im Grunde besitze der Mensch im Naturzustand angeborene, unveräußerliche Rechte ( Menschenrechte ), die er nur zeitweilig in einem Gesellschaftsvertrag einem Herrscher übertragen könne. Die Staatsgewalt gehe, so Rousseau, grundsätzlich vom Volke aus. Alle schließen sich zum gemeinsamen Schutz zusammen. Da jeder dies frei tut und alle gleich sind, hat keiner einen Nachteil. Jeder stellt seine Person unter die oberste Leitung eines allgemeinen Willens (volonté générale). Da es aber möglich ist, dass einzelne Bürger einen gegen den Gemeinwillen gerichteten eigenen Willen entwickeln, d.h. Sonderinteressen vertreten, muss der Staat Zwang bis hin zur Todesstrafe anwenden, um dieses zu unterdrücken. Der allgemeine Wille ist also die höchste Norm und die Verkörperung dieses allgemeinen Gesetzes nenne ich Souveränität. Daraus folgt, dass die Souveränität unteilbar, unveräußerlich ist und in jedem einzelnen Gliede des Ganzen wohnt. (J. J. Rousseau, Genfer Bergbriefe Buch VI, in: Zeiten und Menschen G2, Paderborn 1970, S. 203) Doch lassen wir schließlich noch einen der bedeutendsten Vertreter der deutschen Aufklärung zu Wort kommen, Immanuel Kant: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern zu erheben. Es ist so bequem, unmündig zu sein (Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?, 1784, in: Geschichtliche Weltkunde, Quellenlesebuch Bd. 2, Frankfurt/M. 1980, S. 133) 39

41 5.9 ENDLICH AUFGEKLÄRTE HERRSCHER? Die Aufklärungsphilosophen machten auf viele gesellschaftspolitische Probleme aufmerksam, die in den heutigen demokratischen Staaten gelöst zu sein scheinen: Recht auf Freiheit, die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, Recht auf freie Meinungsäußerung, Toleranz, Trennung von Staat und Kirche, die Aufhebung der Stände und ihrer Privilegien, die freie Entfaltung der Wirtschaft, die Förderung der Wissenschaften und Künste und Netze trockenlegen, in den Dörfern etwa Menschen neu ansiedeln. Er ließ die aus Amerika importierte Kartoffel anbauen, so wurden Hungersnöte weitgehend vermieden. Hierzu eine kleine Anekdote: Die Bauern in Preußen weigerten sich zunächst die ihnen unbekannten Kartoffeln anzubauen. Der König befahl, Saatkartoffel in die Dörfer zu bringen und durch Soldaten streng bewachen zu lassen, allerdings sollten sie es nachts mit der Aufmerksamkeit nicht so genau nehmen. Der erwartete Effekt blieb nicht aus: Alle Kartoffeln wurden gestohlen und so angepflanzt, wie der König es wünschte. Das sind stichwortartig nur einige Schwerpunkte demokratischer Grundrechte. Viele Aufklärungsphilosophen sahen damals jedoch keinen unbedingten Widerspruch zwischen der absoluten Monarchie und dem Rationalismus. Dennoch: Viele absolute Herrscher versuchten ab der 2., Hälfte des 18. Jh. Ideen der Aufklärungsphilosophen zu verwirklichen, so Friedrich der Große von Preußen, der sich selber als Erster Diener des Staates bezeichnete. In diesem Falle sprechen wir von einem aufgeklärten Absolutismus ZUR ENTWICKLUNG PREUßENS Zunächst einige Daten: Jh. In dieser Zeit entstand aus dem Havelland die Markgrafschaft Brandenburg, deren Fürsten Kurfürsten wurden; seit dem 15. Jh. entstammten sie aus dem Hause Hohenzollern. Ihre Residenz: Berlin : Der Kurfürst erwarb zusätzliche Gebiete: Kleve, Ravensberg, Mark, das Herzogtum Preußen (den früheren Ordensstaat) : Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. wurden die verschiedenen Territorien zu einem Staat vereinigt. Die Flucht vieler Hugenotten nach Preußen, denen Gewerbefreiheit zugesichert wurde, stärkte die Wirtschaft des Landes. 1701: Kurfürst Friedrich III. von Preußen ( ) wurde König in Preußen. Seine absolutistische und verschwenderische Regierungsweise führte zur Verschuldung des Landes : Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig baute eine starke Armee auf, die drittstärkste Europas. Er sorgte durch sparsame Haushaltsführung und eine gut strukturierte Staatsverwaltung dafür, dass sein Staat wieder schuldenfrei wurde, außerdem wurde 1717 die Schulpflicht eingeführt. Friedrich II. der Große ( ) ließ in seinem Staat zahlreiche Reformen durchführen: Um landwirtschaftliche Gebiete zu erschließen, ließ er Feuchtgebiete an Oder, Warthe 40 Im Sinne der Aufklärungsphilosophie wurden von nun an alle Konfessionen im Staate anerkannt, die Folter abgeschafft, die Standesunterschiede vor Gericht abgeschafft. (Kap Karte nach: Stephan-Kühn, F.: Geschichte zum schnellen Lernen, Braunschweig 1983, S. 102 f.) ZUR GESCHICHTE ÖSTER- REICHS IM JH. Zunächst wieder einige Daten: 1556: Das Reich Karls V. wurde nach seinem Tod in eine spanische und österreichische Hälfte geteilt. Österreich wurde vom Balkan her durch Ausbreitung des Osmanischen Reiches bedroht, das sich bis Ungarn ausdehnte. 1683: Die Belagerung Wiens durch die Türken wurde durch ein deutsch-polnisches Heer beendet. 1687: Nach der Zurückdrängung der Osmanen aus Ungarn erhielt das Haus Habsburg die ungarische Krone (= ungarisch-österreichische Doppelmonarchie) : Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg gelangten die spanischen Niederlande und Italien an Österreich. 1717: Eroberung Belgrads unter dem Oberbefehl Prinz Eugens. Das Habsburgerreich umfasste nun 11 Nationalitäten.

42 Maria Theresia ( ) folgte ihrem Vater, Karl IV. auf dem Thron, nachdem er durch die pragmatische Sanktion von 1713 auch die weibliche Thronfolge ermöglicht hatte. Ihr Sohn, Joseph II., wurde 1765 Mitregent und 1780 ihr Nachfolger. Beide führten zahlreiche Reformen ein, u. a. die Aufhebung der Leibeigenschaft, die Einrichtung von Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen. Die anderen Konfessionen wurden zwar geduldet, der katholischen allerdings nicht gleichgestellt. Die Verwaltung des Staatswesens konnte allerdings nicht im ganzen Land vereinheitlicht werden, bedingt durch die vielen Völker mit ihren unterschiedlichen Traditionen und Kulturen. Nur in Österreich- Böhmen wurde ein moderner Beamtenstaat aufgebaut. Gefährlicher Gegenspieler Maria-Theresias war der preußische König, Friedrich II ließ er seine Truppen in Schlesien einmarschieren. In 2 erfolgreichen Kriegen annektierte er dieses Gebiet, so dass Österreich schließlich Schlesien an Preußen abtreten musste. Mit Hilfe der Bündnispartner Frankreich, Russland, Schweden und den meisten Staaten des Deutschen Reiches leitete Maria-Theresia 1756 einen Krieg gegen Preußen ein, der 7 Jahre dauern sollte (Siebenjähriger Krieg). Bündnispartner Preußens war England, das zur gleichen Zeit mit Frankreich wegen der Kolonialansprüche in Nordamerika, Indien und Westafrika einen Krieg führte. Nach anfänglichen Siegen Österreichs, wobei 1759 fast das ganze preußische Heer in der Schlacht von Kunersdorf vernichtet wurde, musste Österreich schließlich - wegen der fehlenden Bündnisleistungen Russlands (nach dem Tode der Zarin Katharina II.) und Frankreichs - im Friedensvertrag von Hubertusburg 1763 endgültig auf Schlesien verzichten. Am 10. Februar 1763 beendeten Frankreich und Spanien einerseits und Großbritannien anderseits mit dem Frieden von Paris den Krieg um die Herrschaft in den Kolonien. Großbritannien erhielt fast das gesamte französische Territorium in Nordamerika, u. a. Kanada und Nova Scotia, außerdem bekam es Florida von Spanien. Frankreich behielt zwar seinen Besitz in Indien, allerdings nur unter strengen Auflagen. Trotz der großen Gegensätze zwischen den zwei deutschen Großmächten Österreich - Preußen ( deutscher Dualismus ), beteiligte sich Maria-Theresia an der dreimaligen Aufteilung Polens zwischen Preußen und Russland ( ), bis dass letzten Endes der Staat Polen 41 verschwand. Erst nach dem Ersten Weltkrieg sollte wieder ein neuer polnischer Staat entstehen. (Kap nach: Stephan-Kühn, F.: Geschichte zum schnellen Lernen, Braunschweig 1983, S. 104 f.) Europa 1795 (nach der 3. polnischen Teilung) (Karte: Centennia, ein dynamischer Geschichtsatlas, Klett, CD-ROM 1996) 5.10 SONS OF LIBERTY? EU- ROPÄISCHE SIEDLER KÄMPFEN FÜR IHRE UNABHÄNGIGKEIT IN AMERIKA Folgende Karte gibt einen Aufschluss über die koloniale Aufteilung Nordamerikas unter Frankreich und England vor 1763: Der Britisch-Französische Kolonialkrieg ( ) war der letzte einer ganzen Reihe von Kriegen zwischen Frankreich und Großbritannien um ihre Kolonien ( ). Er endete mit einem Sieg der Briten; der französische Besitz in Nordamerika wurde zwischen Großbritannien und Spanien aufgeteilt. Microsoft Encarta Professional Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. Der Kolonialkrieg zwischen Frankreich und England hatte Unsummen an Geld verschlungen, so dass die britische Regierung die Kolonisten durch eine ganze Reihe von Steuern an den Kosten beteiligen wollte.

43 Doch die Siedler verlangten eine Vertretung im englischen Parlament und Mitsprache bei den Angelegenheiten, die sie auch betrafen: No taxation without representation war ihre Devise. Der Protest, der durch die Vertreter aller Kolonien 1765 in New York bekräftigt wurde, hatte Erfolg: Die Steuern wurden zurückgezogen. Zwei Jahre später beschloss das englische Parlament, doch wieder Steuern zu erheben, u. a. auch auf Tee. Außerdem wurden Truppen nach Boston verlegt, mit dem Ziel, den (Tee-) Schmuggel zu bekämpfen. Dies führte zum Boykott britischer Waren der besonders radikalen Siedlergruppe Söhne der Freiheit ( Sons of liberty ). Die Situation verschärfte sich auch dadurch, dass in einem Streit britische Soldaten in Boston 5 Siedler erschossen. Zwar wurde die Teesteuer 1773 wieder aufgehoben, der von England eingeführte Tee billiger als der geschmuggelte, doch die Söhne der Freiheit gaben ihren Boykott nicht auf: In einer Dezembernacht von 1773 warfen sie eine ganze Ladung Tee aus englischen Handelsschiffen in den Hafen von Boston ( Boston Tea Party )! 1774 verlangten Abgeordnete der Kolonien in einem ersten Kontinentalkongress in Philadelphia politische Rechte, worauf das englische Mutterland 1775 mit Krieg antwortete. Erst mit Hilfe von Frankreich, den Niederlanden und Spanien konnten die Siedler schließlich den Krieg für sich gewinnen. Im zweiten Kontinentalkongress von Mai 1775 in Boston wurde nun endgültig die Trennung von England gefordert; die Kolonien verabschiedeten demokratische Verfassungen, die von den Ideen der Aufklärungsphilosophen geprägt waren. Bekannt wurde u. a. die Verfassung von Virginia ( Virginia Bill of Rights ), die die politischen Leitgedanken Rousseaus enthielt. übereinstimmten (Einhaltung der Menschenrechte, Aufhebung der Rassendiskriminierung ). DIE AUSDEHNUNG DER USA NACH WESTEN Erster Präsident der USA wurde George Washington, der von 1789 bis 1797 das höchste Amt der Exekutive wahrnahm. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte besiedelten Millionen von Auswanderern (v. a. Deutsche, Franzosen, Briten, Iren), zunächst Pioniere, später Farmer, schließlich auch Kaufleute und Handwerker, das Land. Die Folge: Der Westen musste immer mehr erschlossen werden - dies allerdings auf Kosten der einheimischen Indianer, die schonungs- und gewissenlos bekämpft, zurückgedrängt, in Reservaten abgeschoben wurden. Der Norden der USA entwickelte sich immer mehr zu einem Industriestaat, während im Süden v. a. die Plantagenbesitzer zu Reichtum kamen. Allerdings bahnte sich zwischen dem Süden und Norden ein lang andauernder Konflikt an: Während die Plantagebauern sich für Schutzzölle zugunsten ihres Baumwollmonopols aussprachen, befürwortete der industrialisierte Norden einen freien Welthandel; während der Norden aufgrund der Menschenrechte die Sklaverei ablehnte, setzten sich die Farmer im Süden weiterhin für die Beibehaltung der Sklaven auf ihren Feldern ein trennten sich 11 Südstaaten als Konföderierte Staaten von Amerika von den USA ( Sezession ). Der daraufhin unter Abraham Lincoln geführte Bürgerkrieg (Sezessionskrieg), der Soldaten das Leben kostete, endete schließlich 1865 mit der Kapitulation der Südstaaten. Wichtigstes Ergebnis war die Abschaffung der Sklaverei: Fast 4 Millionen Sklaven erhielten Ende des Krieges die Freiheit. Schließlich verkündeten die 13 Kolonien am die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. Dennoch sollte der Krieg mit England noch weitere sieben Jahre dauern, ehe es 1783 im Frieden von Paris die amerikanische Unabhängigkeit anerkannte kamen die 13 Gründerstaaten in Philadelphia zusammen, um sich eine Verfassung zu geben, die die Prinzipien der Gewaltenteilung verankerte - nach den Ideen von Montesquieu Zwar hatten die Amerikaner die modernste demokratische Verfassung, doch sollte es noch lange dauern, ehe hier Ideal und Wirklichkeit Amerika am Vorabend des Nordamerikanischen Bürgerkrieges Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 42

44 6. DIE NEUESTE ZEIT 6.1 FREIHEIT - GLEICHHEIT BRÜDERLICHKEIT FÜR ALLE? DIE FRANZÖSISCHE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER Schon am Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV. zeichnete sich in Frankreich eine weitgehende Verschuldung des Staates ab. Unter Ludwig XV. wurde die Schuldenlast noch drückender, v. a. nach dem Verlust der Kolonien in Nordamerika und Indien. Die Kritik am Ancien Régime - so wird die alte Herrschaftsform gemeinhin bezeichnet - wurde immer lauter: Frankreich war ein Agrarstaat und die Masse der Bauern forderte die Aufhebung der Grundherrschaft und der oft damit verbundenen Leibeigenschaft sowie eine Neuverteilung des Bodens. Durch die merkantilistische Politik waren die oberen Schichten des Bürgertums (Bourgeoisie) zu Reichtum und Ansehen gekommen: Sie forderten, nun auch aufgeklärt - Diderot und d Alembert gaben zu der Zeit ihre erste 35-bändige Enzyklopädie mit dem gesamten Wissen ihrer Zeit heraus - politische Mitsprache und Gleichstellung mit den ersten beiden Ständen. Sollten die etwa geistlichen und adeligen Fürsten weiterhin das Sagen über die restliche Bevölkerung von etwa 25 Millionen Menschen haben? Und weiterhin alle (Steuer)Privilegien? Ludwig XVI., der 1774 seinem Großvater auf den Thron folgte, war zwar zu Reformen bereit, sein Hofstaat hinderte ihn aber daran. Im Frühjahr 1789 stand nun Frankreich kurz vor dem Staatsbankrott. Dieser konnte nur durch die Bewilligung neuer Steuern abgewendet werden! Deshalb berief der König in seiner Not die Generalstände nach Versailles ein (zur Erinnerung: États généraux: die Versammlung der 3 Stände von Adeligen, Geistlichen, Bürgern ), die seit 1614 nicht mehr getagt hatten. In dieser Versammlung waren die Vertreter der Bürger, die ohnehin nur aus der besitzenden reichen Oberschicht stammten (gewählt werden konnte nur der, der auch Besitz hatte), zahlenmäßig den Vertretern des 1. und 2. Standes gleichgestellt. Schon im Vorfeld der Versammlung war es in der Bevölkerung zu politischen Diskussionen gekommen und zu zahlreichen Beschwerdebriefen an den König (cahiers de doléances). Der 3. Stand trägt die Lasten der anderen beiden Quelle: Paris: Bibliothèque Nationale 43 Welche Interessen verfolgten nun die Generalstände genau? 1. Sicherlich wollte der König die neuen Steuern bewilligt bekommen. 2. Dem 1. und 2. Stand ging es hauptsächlich um den Erhalt ihrer Privilegien, wobei ein Großteil des Klerus vielen Reformen gegenüber positiv eingestellt war. 3. Der 3. Stand wollte grundlegende Reformen, die weit über die Steuerdiskussion hinausgingen. Der 3. Stand also sah nun die Chance in dieser Versammlung nicht nur die Finanznot des Königs, sondern auch grundlegende gesellschaftspolitische Probleme zu lösen! Was ist der Dritte Stand? - Alles. Was ist er bis jetzt in der politischen Ordnung gewesen? - Nichts. Was verlangt er? - Etwas zu sein. Eine markante Persönlichkeit war Abbé Emmanuel-Joseph de Sieyès ( ), 1780 Generalvikar, 1788 Kanzler der Diözese Chartres, schrieb er einen Aufsatz über den Dritten Stand während der Vorbereitungen zur Einberufung der Generalstände im Jahre Sieyès wurde schließlich ein Vertreter des 3. Standes bei den Generalständen; die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte sowie die Verfassung von 1791 tragen seine Handschrift. In den nun folgenden Versammlungen der Generalstände, die ab dem 5. Mai 1789 in Versailles tagten, ging es zunächst um die Streitfrage: Abstimmung nach Köpfen oder Abstimmung nach Ständen? Trotz des Widerstandes des Königs und der ersten beiden Stände erklärten sich die Vertreter des 3. Standes als einzige rechtmäßige Vertretung der Nation zur Nationalversammlung. Ja sie schworen, nicht e- her auseinander zu gehen, bevor eine Verfassung verkündet wird ( Ballhausschwur ) Der König forderte die Auflösung der Versammlung und drohte sogar mit Militärgewalt, worauf einer der führenden Vertreter des 3. Standes, Graf Mirabeau, antwortete: Sire, wir werden nur der Macht der Bajonette weichen.

45 Der König gab schließlich nach und forderte die beiden anderen Stände auf, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Ein dreißigköpfiger Ausschuss sollte nun die Verfassung ausarbeiten. Diese Ereignisse führten nun auch zu Unruhen in Paris, wo aufständische Bürger am 17. Juli 1789 das Staatsgefängnis, Symbol der Unterdrückung und Ungerechtigkeit, stürmten ( Sturm auf die Bastille ). Dies war der Beginn einer von Gewalt begleiteten Revolution. Auch im Lande kam es zu Bauernunruhen und zu Aufständen gegen die königlichen Verwaltungen. Schließlich wurden am 26. August 1789 die Menschen- und Bürgerrechte - nach amerikanischem Vorbild - verkündet und damit auch die Steuerprivilegien, die Leibeigenschaft und andere Ungleichheiten abgeschafft: Artikel 1 - Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es. Gesellschaftliche Unterschiede dürfen nur im allgemeinen Nutzen begründet sein. Artikel 2 - Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte. Diese sind das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung. Artikel 3 - Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. Keine Körperschaft und kein einzelner kann eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihm ausgeht. Artikel 4 - Die Freiheit besteht darin, alles tun zu dürfen, was einem anderen nicht schadet: Die Ausübung der natürlichen Rechte eines jeden Menschen hat also nur die Grenzen, die den anderen Mitgliedern der Gesellschaft den Genuß eben dieser Rechte sichern. Diese Grenzen können nur durch das Gesetz bestimmt werden. Artikel 10 - Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religiöser Art, belangt werden, solange deren Äußerung nicht die durch das Gesetz begründete öffentliche Ordnung stört. Artikel 11 - Die freie Äußerung von Meinungen und Gedanken ist eines der kostbarsten Menschenrechte; jeder Bürger kann also frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Mißbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten Fällen (Quelle: Offizielle Web-Seite des Präsidialamtes der Französischen Republik in: Das Problem der Staatsverschuldung wurde durch den Beschluss der Nationalversammlung gelöst, alle Güter der Kirche zu beschlagnahmen (= Säkularisation), ebenso die der Krone und der ausgewanderten Adeligen. Der Staat wurde nun auch von Grund auf neu strukturiert: Die alten Provinzen schwanden zugunsten der Départements, Klöster und Orden 44 wurden aufgelöst, alle Schulen verstaatlicht, in den Städten wurde der Zunftzwang aufgehoben und die Gewerbefreiheit eingeführt, die weiße Fahne der Bourbonenkönige durch die blau-weißrote Trikolore der Revolution ersetzt, der Revolutionskalender eingeführt. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - das war der Leitsatz der Revolutionäre trat die Verfassung in Kraft: Frankreich wurde eine konstitutionelle Monarchie mit der Dreiteilung der Gewalten, so wie von den Aufklärungsphilosophen hinlänglich eingefordert. Ludwig XVI. versuchte 1791 mit seiner Familie aus Frankreich zu fliehen, wurde jedoch erkannt und nach Paris zurückgebracht, wo er in seinem eigenen Schloss gefangen gehalten wurde. Diese Flucht brachte ihm viele Feinde. Das 1791 neu gewählte Parlament zählte mehr Königsgegner als Königstreue. Im Parlament bildete sich eine Gruppe von radikalen Republikanern, die Jakobiner, mit ihren Anführern Robespierre, Danton, Marat. In ihrem Kampf gegen die Monarchie gewannen sie (zunächst) die Sympathie der Pariser Bevölkerung. Die Lage verschärfte sich für den König durch die Tatsache, dass Österreich und Preußen einen Angriff auf Frankreich vorbereiteten, um ein Übergreifen der neuen revolutionären Ideen zu verhindern. Die Republikaner warfen nun dem König Verrat vor, da er angeblich mit dem Ausland in Verbindung stehe. Unter der Schreckenherrschaft der Jakobiner verloren viele königstreue Bürger aber auch viele Unschuldige ihr Leben. Die Revolution frisst ihre Kinder hieß es: Etwa Menschen fielen dem Terror zum Opfer. Die Monarchie wurde abgeschafft und die Republik ausgerufen. Ludwig XVI. wurde zum Tode verurteilt: Er starb im Januar 1793 mit seiner Frau unter dem Fallbeil der gerade vom Arzt Guillotin neu erfundenen und als human bezeichnete Guillotine. Fast zwei Jahre lang wüteten die Jakobiner auch gegen die Feinde von außen, zu denen die Engländer, Holländer und Spanier gehörten. Doch bald entzweiten sich die Jakobiner: sie warfen sich gegenseitig vor, zu mild zu sein. Marat wurde ermordet, Danton und seine Anhänger wurden von Robespierre zur Guillotine gebracht, Robespierre schließlich 1794 hingerichtet. Des Blutvergießens müde, übertrugen die Franzosen dem Direktorium, einem eher gemäßigten Fünf-Männer-Gremium, die Regierungsgewalt. Außenpolitisch eher erfolgreich durch militärische Siege in den Niederlanden, erwiesen sich die Mitglieder des Direktoriums in der Innenpolitik als unfähig, um politische soziale Reformen einzuleiten bzw. durchzuführen. Der Ruf nach dem starken Führer wurde nun immer lauter.

46 6.2 NAPOLEON: RETTER FRANKREICHS UND EUROPAS? Folgende Kurzbiografie mag eine erste Übersicht über das Wirken Napoleons vermitteln: Napoleon Bonaparte wurde 1769 in Ajaccio (Korsika) als Sohn eines Advokaten, dem späteren Adelsvertreter der korsischen Generalstände (États généraux de Corse), geboren. Seine Ausbildung absolvierte er (mit mäßigem Erfolg!) an verschiedenen Militärschulen, zuletzt an der Militärschule von Paris. Beim Ausbruch der Französischen Revolution kehrte er zunächst nach Korsika zurück, schloss sich aber dann, seine Karriere vor Augen, den Jakobinern an 1793 traf der Artilleriehauptmann im englisch besetzten Toulon ein: Hier zeichnete er sich durch die erfolgreiche Einnahme der Stadt so aus, dass er 1794 zum Brigadegeneral befördert wurde. Im gleichen Jahr wurde er in den Sturz Robespierres verwickelt, verhaftet, aber kurz darauf wieder freigelassen schlug er einen royalistischen Putsch nieder. Seine erste Ehe mit Joséphine Beauharnais ermöglichte ihm den Kontakt mit dem Direktorium. Es folgten ein erfolgreicher Italienfeldzug (1796/97), der Waffenstillstand mit Österreich sowie ein Friedensschluss mit dem Papst. Der anschließende Ägypten-Feldzug (1798) wurde mangels militärischer Perspektiven abgebrochen. Am 18. Brumaire (9. November) 1799 stürzte Bonaparte das unfähige Direktorium, um nun als Erster Konsul die Staatsgewalt zu übernehmen. Der am 9. Februar 1801 in Lunéville geschlossene Frieden mit dem Deutschen Reich bestimmte, dass alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten werden mussten. Als Entschädigung für diese Gebietsverluste, die viele Fürsten erlitten, erhielten sie die ehemaligen geistlichen Fürstentümer, die ihre Selbständigkeit einbüßten (= Säkularisation); außerdem verloren auch die bisher unabhängigen Reichsritter und die meisten Reichsstädte aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses (= Beschluss eines Ausschusses des Reichstages) von 1803 ihre Autonomie. Den vorübergehenden Frieden nutzte Napoleon innenpolitisch, um die Errungenschaften der Revolution zu festigen. Doch er beseitigte alle politischen Freiheiten, um die Ordnung in Frankreich wiederherzustellen. Die wichtigsten Funktionen in Staat und Armee besetzte er selbst. Zu den bedeutendsten Leistungen zählten jedoch der Code civil (Code Napoléon), ein Gesetzeswerk, dessen Gleichheitsgrundsatz auch über die französischen Grenzen hinaus zur Grundlage eines modernen bürgerlichen Rechts wurde, die einheitliche Organisation des staatlichen Unterrichtswesens, die Reformen der Verwaltungen. Das Bürgertum stimmte in mehreren Volksabstimmungen mit überwältigender Mehrheit der Politik Napoleons und seiner Verfassungsänderung zu. Der letzte Volksentscheid von 1804 führte mit zu Stimmen zu einer Zustimmung für das erbliche Kaisertum. Dies führte dazu, dass Napoleon sich 1804 in der Kathedrale Notre Dame zu Paris, im Beisein des Papstes, zum Kaiser der Franzosen krönte. Das war schließlich das Ende der französischen Republik. Die Krönung des Kaisers und der Kaiserin Im Auftrag Napoleons malte Jacques-Louis David, der Hofmaler des Kaisers, 1805 bis 1807 das Repräsentationsgemälde Die Krönung des Kaisers und der Kaiserin gemäß der Vorgabe, dass die Kunst das Kaiserreich zu verherrlichen habe. (Louvre, Paris) Microsoft Encarta Professional Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. Napoleon herrschte nunmehr über ein Frankreich, das als bevölkerungsreichster und wirtschaftlich fortschrittlicher Staat seine Vormachtstellung in Europa beanspruchte. Cäsar und Karl den Großen vor Augen, strebte er von nun an den Zusammenschluss Europas gegen die Seemacht Großbritannien an. So wollte er London in einem Wirtschaftskrieg zur Aufgabe seiner Prinzipien vom europäischen Gleichgewicht zwingen. Den Engländern gelang es jedoch, sich mit Österreich und Russland gegen Frankreich zu verbünden. Napoleon besiegte zwar in der Dreikaiserschlacht (Russland: Alexander I., Österreich: Franz II., Frankreich: Napoleon I.) von Austerlitz 1805 die Österreicher und Russen, verlor aber die Seeschlacht gegen die Engländer bei Kap Trafalgar. Daraufhin verhängte er über England die Kontinentalsperre, d.h.: Jeglicher Warenverkehr mit England wurde verboten. 45

47 Napoleon belohnte die mit ihm verbündeten deutschen Fürsten: Bayern und Württemberg wurden 1806 Königreiche, Baden und Hessen Großherzogtümer, weitere 14 Fürstentümer schlossen sich zum Rheinbund unter der Schutzherrschaft Napoleons zusammen und trennten sich vom Deutschen Reich. Daraufhin legte Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder, blieb aber Kaiser von Österreich. Damit endete auch - nach fast neunhundert Jahren - das Heilige Römische Reich deutscher Nation griff Napoleon auch Preußen an, das sich bis dahin aus den kriegerischen Auseinandersetzungen ferngehalten hatte. In der Schlacht von Jena wurden die preußischen Truppen innerhalb kürzester Zeit geschlagen, ebenso die russischen, die dem preußischen König zu Hilfe kamen. Preußen verlor daraufhin alle Gebiete westlich der Elbe, die von Napoleon zum Königreich Westfalen zusammengeschlossen und von seinem jüngsten Bruder Jerôme regiert wurden. So stärkte er seinen Einfluss, indem er Familiemitglieder zu Königen erhob: 3 Brüder zu Königen von Neapel, Holland und Spanien, seinen Stiefsohn zum Vizekönig von Italien 1807 folgten militärische Interventionen in Portugal und die anschließende Besetzung Spaniens, die Napoleon militärisch allerdings nicht gewinnen konnte, da diese Militäraktion einen Guerillakrieg nach sich zog. Das nach dem Preußenkrieg zustande gekommene Einvernehmen mit Russland endete in dem Moment als Zar Alexander sich nicht mehr an der Kontinentalsperre beteiligte. Napoleon, seit 1811 mit der österreichischen Kaisertochter Marie Louise verheiratet, zog 1812 mit drei großen Heeren ( grande armée ), in denen auch Preußen und Österreicher ihren Dienst versahen, nach Russland. Im Winter 1812 musste Napoleon, vernichtend geschlagen, aus dem Russlandfeldzug zurückkehren. Das französische Kaiserreich war militärisch zusammengebrochen. Preußen und Österreich lösten ihre Bündnisse mit Frankreich, ebenso die meisten Rheinbundstaaten, um sich in den anschließenden Befreiungskriegen mit Großbritannien und Russland zu verbünden. In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 wurden die französischen Truppen vertrieben. Am 31. März 1814 besetzten die Verbündeten Paris und zwangen den Kaiser am 6. April 1814 zur Abdankung. Bonaparte wurde auf die Insel Elba verbannt. 46 In Frankreich wurde der Bourbonenkönig Ludwig XVIII. eingesetzt und der Pariser Frieden geschlossen: Frankreichs Grenzen wurden auf den Stand von 1792 zurückgeführt. Angesichts der Spannungen auf dem zur Neuordnung Europas einberufenen Wiener Kongress ( ) verließ Napoleon am 1. März 1815 sein Exil, um erneut die Macht zu ergreifen. Die Allianz der Siegermächte zeigte sich jedoch geschlossen. Die Herrschaft der Hundert Tage endete am 18. Juni 1815 mit der vernichtenden Niederlage Napoleons gegen die Koalitionsarmeen Blüchers ( ) und Wellingtons ( ) bei Waterloo ( Belle-Alliance ). Napoleon wurde von Großbritannien auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt, wo er sechs Jahre später, am 5. Mai 1821, starb. (nach: Schneider, L: Kurzbiogramm Napoleon, in: Europa zur Zeit Napoleons (1812) Microsoft Encarta Professional Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten on.html - durch Vf. z.t ergänzt) Abschließend eine kurze Nachbetrachtung: Die (anfänglichen) militärischen Erfolge Napoleons hatten mehrere Gründe: Napoleon hatte das Revolutionsheer mit fähigen Offizieren aus allen Berufsschichten übernommen. Zahlenmäßig den Berufsheeren des Feindes überlegen, fühlte sich die Armee Napoleons berufen, den unterdrückten Völkern Europas die Ideale der Revolution zu vermitteln: Befreiung der Bauern aus ihrer Leibeigenschaft und der Juden aus ihrer Rechtlosigkeit, Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz. Von sich selbst sagte Napoleon: Ich bin die Revolution. Er führte fortwährend Kriege. Die unterworfenen Länder waren zu (Steuer-) Abgaben verpflichtet, mussten Truppen für seine Unternehmungen stellen, mussten aber auch französische Waren kaufen. Kritik am Kaiser war bei Todesstrafe verboten. Auf Dauer wurde jedoch diese Fremdherrschaft nicht erduldet. Neues Nationalbewusstsein erstarkte in vielen Ländern.

48 6.3 ZURÜCK ZUR ALTEN ORD- NUNG? DER WIENER KONGRESS Nach dem Sieg über Napoleon berieten die Staatmänner Europas in Wien ü- ber die Neuordnung Europas. Ziel des Kongresses: die Restauration, d.h. die Wiederherstellung der alten Ordnung, so wie sie vor 1792 bestanden hatte. Federführend bei diesem Kongress war der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der die Versammlung auch leitete. Dem französischen Außenminister Tayllerand gelang es durch diplomatisches Geschick Frankreich doch wieder in die Rolle einer Großmacht zu führen, wobei die anderen Mächte jedoch darauf bestanden, die Grenzen zu Frankreich durch eine Reihe starker Nachbarstaaten zu sichern, um das Gleichgewicht in Europa zu erhalten. Folgende Karte gibt die Grenzen des neu geordneten Europa wieder: lienischen) Gebiete Lombardei und Venetien sowie den ehemals venezianischen Teil von Dalmatien (heute in Kroatien). England behielt die Kapkolonie, Ceylon (heute Sri Lanka), Mauritius, Helgoland und Malta. Italien blieb geteilt. Der König von Sardinien erhielt Piemont, Nizza und Savoyen zurück und bekam zusätzlich Genua. Ferdinand I. wurde neuerlich zum König über das Königreich Sizilien ernannt, das Herzogtum Parma wurde Napoleons Frau Marie Louise von Österreich zugesprochen. In einer Bundesakte vom 8. Juni 1815 wurde auf dem Wiener Kongress der Deutsche Bund begründet, der 41 souveräne Staaten, darunter Preußen, in einem lockeren Staatenbund unter der Führung Österreichs zusammenschloss. Zur Beratung gemeinsamer Angelegenheiten trafen sich die Vertreter der Mitgliedsstaaten im Frankfurter Bundestag. Trotzdem können wir nicht von einem einheitlichen Reich sprechen: Im Deutschen Bund waren Verkehr, Recht, Währung, Wirtschaft nicht vereinheitlicht, oftmals mussten Waren, die von einem Land ins andere transportiert wurden, mehrere Zollgrenzen passieren. Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress von 1815 (Karte: Centennia, ein dynamischer Geschichtsatlas, Klett, CD-ROM 1996) Der Wiener Kongress erließ außerdem Beschlüsse gegen den Sklavenhandel und er regelte die Schifffahrt auf länderübergreifenden Flüssen. Seine größte Leistung war die Herstellung eines Gleichgewichts der europäischen Mächte. So konnte eine nahezu vierzig Jahre andauernde Friedenszeit eingeleitet werden. (Nach : Wiener Kongress in: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional Microsoft Corporation.) Hier stichwortartig das Wichtigste: Frankreich verlor alle von Napoleon eroberten Gebiete. Norwegen und Schweden wurden vereint (Personal-Union). Holland und die vormals habsburgischen Niederlande wurden zum Königreich der Niederlande vereint. Die Schweiz erreichte die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit und Neutralität als Gesamtstaat auf föderativer Grundlage. Russland erhielt den größten Teil des Herzogtums Warschau ( Kongress-Polen ), dem Zar Alexander I. als König vorstehen sollte. Preußen erhielt das von Schweden besetzte Pommern, außerdem die nördliche Hälfte des Königreiches Sachsen und den größten Teil Westfalens und des Rheinlandes. Österreich bekam die meisten im Krieg verlorenen Gebiete zurückerstattet. Als Entschädigung für den Verlust der Österreichischen Niederlande erhielt es zusätzlich die (ehemals ita EINE FRIEDLICHE REVO- LUTION MIT UNFRIEDLICHEN FOL- GEN? FORTSCHRITT(E) UM JEDEN PREIS? DIE INDUSTRIELLE REVOLUTION Noch im frühen 18. Jh. war die Selbstversorgung mit Lebensmitteln die wichtigste Grundlage der Volkswirtschaft in Europa. Trotz steigender Bevölkerungszahl in den Städten waren die meisten Menschen damals Bauern oder Landwirte (Nahrungsmittelproduzenten), die in kleinen bäuerlichen Dorfgemeinschaften lebten. Die wenigsten Menschen konnten sich Luxusgüter leisten; das Lebensnotwendige stellten sie meist selbst her. Nur einige Handwerker produzierten das, was in den Familien bzw. in Nachbarschaftshilfe nicht erzeugt werden konnte, z. Bsp. landwirtschaftliche Geräte, Ledererzeugnisse.

49 Auch in den Städten entwickelte sich das Handwerk nur langsam, bedingt v. a. durch den Zunftzwang, der sich eher lähmend auf die Entfaltung des Handwerks auswirkte. Die handwerklichen Erzeugnisse waren ja hauptsächlich für den einheimischen Markt vorgesehen, weniger für den Fernhandel. Zwar blühte seit dem späten Mittelalter der Handel, doch die wenigsten Handwerksbetriebe profitierten hiervon, da ihnen die notwendige Infrastruktur und Logistik fehlte, um größere Mengen zu produzieren bzw. zu transportieren. Erst mit der merkantilistischen Wirtschaftspolitik der absolutistischen Herrscher änderte sich die wirtschaftliche Situation in vielen Ländern. Zunftfreie Manufakturen, wie Tuch-, Seiden-, Ledermanufakturen, die kapitalistisch aufgebaut waren entstanden: Reiche Manufakturbesitzer beschäftigten gegen Lohn Arbeiter für die Herstellung von Waren, wobei diese Arbeit oft in Heimarbeit, später allerdings auch in Fabriken verrichtet wurde. Viele Zünfte wehrten sich übrigens gegen diese Entwicklung, weil die Handwerker dadurch ihre Selbständigkeit verloren. Gemeinhin wird die Industrielle Revolution Mitte des 18. Jh. in England angesetzt. Erst ein halbes Jahrhundert später erreichte sie auch das europäische Festland. Verschiedene Faktoren begünstigten die Entwicklung in England: Die reichhaltigen Kohlevorkommen waren Grundlage für den zunehmenden Energiebedarf. Die vielen Kolonien trugen zu einer raschen Ausweitung des Handels bei und begünstigten den Investitionswillen der Kaufleute. England verzeichnete in der ersten Hälfte des 18. Jh. einen rasanten Bevölkerungsanstieg und damit auch ein zunehmendes Potential an Arbeitskräften Die Privatisierung der Landwirtschaft und die Verbesserung von Anbautechniken führten zu einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, somit zu Reichtum für die Grundbesitzer, die nun auch in die Industrieproduktion investierten. Die verarmten Kleinbauern zogen in die Städte, um dort Arbeit zu finden. Die Ausbildung der Handwerker hatte zu Beginn de 18 Jh. einen hohen Stand erreicht. Ende des 17. Jh. wurde der Zunftzwang zugunsten der Gewerbefreiheit aufgehoben. Die religiöse Einstellung vieler englischer Kalvinisten (Puritaner) spielte eine große Rolle: Im Glauben, dass Gott schon auf Erden Zeichen setze, sahen sie im materiellen Wohlstand einen Wink für ihre Auserwählung. Adam Smith, ein englischer Wirtschaftstheoretiker, verkündete Anfang des 18. Jh. in seinen Lehren, dass Wettbewerb und freier Handel (Wirtschaftsliberalismus) die Wirtschaft förderten, nicht aber der merkantilistische Protektionismus durch den Staat und die Zollschranken. Die Voraussetzungen für die Entwicklung der Industrie waren also gegeben: Kapital, Märkte, Rohstoffe, Energie, Arbeitskräfte. So ließen denn auch die ersten Entdeckungen bzw. technischen Weiterentwicklungen nicht lange auf sich warten: Die bedeutendste Erfindung war wohl die Weiterentwicklung der Dampfmaschine durch James Watt zwischen 1760 und Zwar wurden schon vorher Dampfmaschinen für das Auspumpen der Grubenschächte in den Bergwerken gebraucht, doch Watts Verdienst war es, diese Maschinen so weiterentwickelt zu haben, dass sie auch Räder drehen und somit für alle Arten von Maschinen verwendet werden konnten. Außerdem verbrauchten sie viel weniger Kohle. Für die Weiterentwicklung im industriellen Bereich war die Eisengewinnung von großer Bedeutung. Sie wurde viel kostengünstiger durch Koksfeuerung als durch die vorher übliche Holzkohlenfeuerung. Daher wurde auch bald Eisen in vielen Bereichen (Bauwesen, Industrie, Verkehrswesen...) anstatt Holz und Stein gebraucht. Die Baumwollindustrie war zwar schon sehr früh mechanisiert worden; die Erfindung der Weberschiffchen (1733 durch John Kay) und der Spinning Jenny (1767 durch Hargreave) trugen zu einer wesentlichen Beschleunigung des Webvorganges bei. Zu Beginn des 19. Jh. wurde in Manchester die erste Weberei mit einer Dampfmaschine betrieben. Die Transportwege mussten den neuen Entwicklungen angepasst werden: So wurde in England das Kanalnetz ausgebaut, die Straßen, die zu Beginn des 19. Jh. mit einem wasserfesten, widerstandsfähigen Belag versehen wurden und schließlich auch die erste Eisenbahnstrecke (Liverpool- John Bull-Lokomotive 1831 Manchester 1830). 48

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