RW-Praxis. 1/2007 Rechnungswesen für die Praxis. Aktuelles. Fälle aus der Praxis. Rechnungswesen und Steuern. Special

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1 RW-Praxis 1/2007 Rechnungswesen für die Praxis Bernhard Winter Michael Kern Simone Kemptner Thomas Hlawenka Aktuelles Fremdkapitalzinsen für offene Gewinnausschüttungen Fälle aus der Praxis Firmenevent und Luxus-PKW Was geht und was nicht? Peter Mayr: Reverse Charge Der richtige Ausweis in der UVA GSVG-Beiträge Rückstellung und Aktivierung Rechnungswesen und Steuern Wissenswertes zur Rechnung Die Dauerrechnung Der Konzernabschluss Eine Einführung Mehr Durchblick mit den richtigen Kennzahlen Special Der Weg zum Bilanzbuchhalter NEU 1/2007, S Art.-Nr Ihr Verlag für Steuern, Recht und Wirtschaft

2 Salzburger Steuerdialog 2006 Die Protokolle mit Anmerkungen der Experten aus dem BMF! Nur in der ÖStZ-Spezial: Viele Fallbeispiele, alle Lösungen und wichtige Anmerkungen! Nur 19,50 Bestellen Sie jetzt unter Bertl/Deutsch/Hirschler Buchhaltungs- und Bilanzierungshandbuch Dieses Standardwerk gibt Studierenden und Praktikern einen Überblick über die Systematik und Technik der Finanzbuchhaltung sowie konkrete Umsetzungs- und Gestaltungshinweise. Auf die Möglichkeiten der Organisation des Rechnungswesens und auch auf die steuerlichen Aspekte einschließlich der Umsatzsteuer wird eingegangen. Anhand zahlreicher Beispiele werden die üblicherweise im Geschäftsleben vorkommenden Geschäftsvorfälle und deren Verbuchung erläutert. Die 5. Auflage berücksichtigt die seit der Vorauflage erfolgten Gesetzesänderungen, was insbesondere zu Anpassungen im Bereich des UGB und den damit geänderten unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften und der Umsatzsteuer geführt hat. 5. Auflage Wien 2007, 592 Seiten Preis 52, Hörerscheinpreis 41,60 Best.-Nr ISBN Bestellen Sie jetzt: Tel.: (01) , Fax: (01)

3 Aktuelles Editorial RW-Praxis 1/ Jahrgang Inhaltsverzeichnis Aktuelles Die Steuerpläne der neuen Regierung 2 Nicht entnommene Gewinne Das Judikat 2 Fremdkapitalzinsen für offene Gewinnausschüttungen 3 Anhebung der Intrastat- Wertgrenzen 3 Fälle aus der Praxis Firmenevent und Luxus- PKW Was geht und was nicht? (Teil 1) 4 Peter Mayr: Reverse Charge und der richtige Ausweis in der UVA 9 GSVG-Beiträge von Gewerbetreibenden Rückstellung und Aktivierung 11 Rechnungswesen und Steuern Wissenswertes zur Rechnung: Teil 1 Die Dauerrechnung 15 Ändert das UGB die Besteuerung von Grund und Boden? 17 Freibetrag für investierte Gewinne (FBiG) 20 Der Konzernabschluss Teil 1 23 Mehr Durchblick mit den richtigen Kennzahlen 26 Special Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, ein Streifzug durch die Zeitschriftenlandschaft und der Erfolg unserer Schwesterzeitschrift, der Personalverrechnung für die Praxis, haben uns ermutigt, eine Zeitschrift zu gestalten, die kompetent, praxisbezogen und verständlich Themen aus dem Rechnungswesen und dem damit verbundenen Steuerbereich aufbereitet. Nachvollziehbare Beispiele, Buchungssätze und zahlreiche Praxistipps bringen auch komplexe Themen aus dem Rechnungswesenalltag verständlich rüber. Wer wird in diesem Heft schreiben? Praktiker! Wir garantieren Ihnen: Themen, die aus der Praxis kommen, werden ausschließlich von Praktikern aufgegriffen und für die Praxis anhand von Beispielen, Checklisten und Praxistipps aufbereitet. Als besondere Herausforderung haben wir uns für den Start der neuen Zeitschrift vorgenommen, die Grundzüge des Konzernabschlusses so klar und verständlich zu vermitteln, dass auch jene, die bisher noch nicht mit dem Konzernrechnungswesen befasst waren, keine Schwierigkeiten bei ihrer Konzernabschluss-Premiere haben werden. In weiterer Folge werden wir auch die Regelungen der internationalen Rechnungslegung (IAS/IFRS) in einer eigenen Serie anschaulich darstellen. Nur für Abonnenten der RW-Praxis gibt es das Top-Leserservice zu Rechnungswesenthemen! Diesmal zu folgendem Thema: Ist die Inanspruchnahme des Freibetrags für investierte Gewinne oder die Begünstigung für nicht entnommene Gewinne günstiger? Der Vergleich macht Sie sicher, mit unserem elektronischen Vergleichsrechner, den Sie unter anfordern können. Wir gestalten diese Zeitschrift für Sie! Wir nehmen Anregungen gerne entgegen schreiben Sie uns Ihre Themenwünsche, die Sie gerne in dieser Zeitschrift praxisrelevant dargestellt lesen möchten. Viel Spaß und Nutzen mit unserer Zeitschrift RW-Praxis, denn wir garantieren: NUR WO PRAXIS DRAUFSTEHT, IST AUCH PRAXIS DRINNEN Ihr RW-Praxis-Team Der Weg zum Bilanzbuchhalter NEU 29 help-rw.at Buchtipp 32 Impressum 14 Mag. B. Winter M. Kern Mag. (FH) S. Kemptner T. Hlawenka

4 Aktuelles Die Steuerpläne der neuen Regierung RWP 2007/1, 2 Kennen Sie eine Regierung, die nicht verkündet, die größte Steuerreform aller Zeiten verwirklichen zu wollen, den Faktor Arbeit und die kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten sowie Anreize für Investitionen zu schaffen? Was finden wir dazu im Regierungsprogramm? Die Themen Gruppenbesteuerung und Erbschaftssteuer werden nicht angesprochen Änderungen sind daher wenig wahrscheinlich. Allerdings hat der VfGH am die Erbschaftssteuer (nicht Schenkungssteuer) wegen Verfassungswidrigkeit aufgehoben. Die Reparaturfrist endet mit Ob und in welcher Form die Regierung bis dahin eine Neuregelung der Erbschaftssteuer durchführt, ist noch nicht absehbar. Zu folgenden Punkten finden sich Aussagen im Regierungsprogramm: Die Gebühren sollen jährlich valorisiert werden (zb die Autobahnvignette). Die Forschungsförderung (Freibetrag und Prämie) wird optimiert und möglicherweise ausgebaut. Die Lehrlingsprämie wird beibehalten. Die Vertragsgebühren für Wohn-/Mietverträge sollen abgeschafft werden (nicht genauer definiert). Die LKW-Maut (um 4 Cent) und die Mineralölsteuer (Benzin: 1 Cent, Diesel: 3 Cent) sollen erhöht werden. Im Gegenzug ist geplant, die KFZ-Steuer für LKW zu halbieren. Es ist beabsichtigt, die Krankenversicherungsbeiträge um 0,15 % (anteilige Aufteilung auf Dienstgeber und Dienstnehmer) anzuheben. Freie Dienstnehmer werden in die Arbeitslosenversicherung, Insolvenzentgeltsicherung und in die Abfertigung Neu einbezogen. Selbstständige sollen wählen können, ob sie auch arbeitslosenversichert sein möchten. Zwecks besserer Bekämpfung von Schwarzarbeit ist geplant, dass Dienstnehmer bereits vor Arbeitsbeginn anzumelden sind. Nicht entnommene Gewinne Das Judikat Aufhebung der Einschränkung der steuerlichen Begünstigung RWP 2007/2, 2 Der Verfassungsgerichtshof hat mit Erkenntnis vom die Einschränkung der steuerlichen Begünstigung von nicht entnommenen Gewinnen auf Bezieher von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft sowie aus Gewerbebetrieb als unsachlich, daher verfassungswidrig aufgehoben. Die Grenzen zwischen den betrieblichen Einkunftsarten, speziell diejenigen zwischen den Einkünften aus einem Gewerbebetrieb und den Einkünften aus selbstständiger Arbeit, seien fließend und oft zufällig, so der VfGH. Auch das betriebswirtschaftliche Umfeld freiberuflicher Tätigkeiten habe sich dem von Gewerbebetrieben stark angenähert. Die gegenständliche Einschränkung der steuerlichen Begünstigung und der damit verbundene Ausschluss der Bezieher von Einkünften aus selbstständiger Arbeit sei daher sachlich nicht zu rechtfertigen (VfGH , G 151/06).

5 Aktuelles Sofern die neue Regierung keine Gesetzesänderung vornimmt (Staatssekretär Matznetter hat etwa angedeutet, dieses Steuerzuckerl für Anwälte, Ärzte etc nicht umsetzen zu wollen), können ab dem Veranlagungsjahr 2007 auch Steuerpflichtige, die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit beziehen, die Begünstigung nicht entnommener Gewinne in Anspruch nehmen. Fremdkapitalzinsen für offene Gewinnausschüttungen VwGH zur Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen bei Darlehensaufnahme für Gewinnausschüttungen RWP 2007/3, 3 Praxistipp Der Verwaltungsgerichtshof hat mit Erkenntnis vom einer Beschwerde stattgegeben und Folgendes festgestellt: Werden zur Finanzierung einer offenen Gewinnausschüttung einer Kapitalgesellschaft Fremdmittel aufgenommen, sind die Finanzierungszinsen steuerlich voll absetzbare Betriebsausgaben. Das gilt jedoch nicht für fremdfinanzierte Einlagenrückzahlungen. Die Finanzverwaltung hat diese Finanzierungskosten bis jetzt als Kosten der Einkommensverwendung (und deswegen als nicht betrieblich veranlasst) betrachtet. Der VwGH meinte hingegen, dass Gewinnausschüttungen zwar logischerweise das Einkommen der Körperschaft nicht beeinflussen, die Finanzierungsentscheidung (Eigen- oder Fremdmittel) bezüglich der Gewinnausschüttung aber sehr wohl dem betrieblichen Bereich zuzuordnen sei. Denn ohne Gewinnausschüttung würde auch die Kapitalzufuhr für den betrieblichen Bereich der Gesellschaft unterbleiben. Diese Entscheidung steht im direkten Widerspruch zu den Körperschaftsteuerrichtlinien und hat sofort den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Im Begutachtungsentwurf des Budgetbegleitgesetzes 2007 wird dem 12 Abs 1 KStG (nicht abzugsfähige Aufwendungen) eine Ziffer 8 angefügt, die Fremdfinanzierungskosten für eine Einkommensverwendung nach 8 Abs 2 KStG (also auch die offene Ausschüttung) ausdrücklich als Betriebsausgabe ausschließt. Über die weitere Entwicklung werden wir Sie am Laufenden halten. Für noch nicht rechtskräftig veranlagte Jahre setzen Sie die Fremdkapitalkosten für Gewinnausschüttungen als Betriebsausgaben an! Anhebung der Intrastat-Wertgrenzen Arbeitserleichterung: Höhere Meldeschwellen zum innergemeinschaftlichen Warenverkehr RWP 2007/4, 3 Mit Jahresbeginn 2007 wurde die Meldeschwelle von ,00 auf ,00 erhöht. Darüber hinaus wurde in der Handelsstatistikverordnung die spezifische Schwelle (unterhalb der die Angabe bestimmter Merkmale entfallen kann) von ,00 auf ,00 angehoben.

6 Fälle aus der Praxis Firmenevent und Luxus-PKW Was geht und was nicht? (Teil 1) RWP 2007/5, 4 Es gibt in Österreich wohl kein größeres steuerliches Stiefkind als den PKW. In der Praxis sorgt die restriktive Gesetzgebung oft für Unsicherheiten. Steht ein Vorsteuerabzug zu? Wann und in welcher Höhe muss eine Luxustangente berücksichtigt werden? Wie verhält es sich, wenn Privatnutzung und Luxustangente zusammenfallen? Auf diese und weitere Fragen rund um den PKW gibt Teil 1 des vorliegenden Praxisfalls Antworten. Teil 2 wird in der nächsten Ausgabe die Veranstaltung steueroptimaler Firmenevents behandeln. Der Sachverhalt Die Fragestellung Zu a): Wissenswertes zum Firmen-PKW Franz Z ist Einzelunternehmer (Gewinnermittlung nach 5 EStG). Er handelt sehr erfolgreich mit Sportartikel und Motorradbekleidung. Aufgrund seiner beruflichen und privaten Anforderungen (viel zu transportieren, 2 Kinder und Hund, immer in Eile) erwarb er im Februar 2007 einen Mercedes ML 63 AMG, den er zu 70 % beruflich und zu 30 % privat nutzt. Der Anschaffungspreis betrug ,00 (inkl NoVA und USt). Da sein Unternehmen im Sommer 2007 das 25-jährige Firmenjubiläum feiern wird, plant Franz Z einen großen Event, zu dem Kunden, Lieferanten und sonstige Geschäftspartner (über 300 Personen) eingeladen werden. Neben kulinarischen und musikalischen Darbietungen ist ein Gewinnspiel vorgesehen. Der Gewinn eines Motorrads ist der Hauptpreis. Dem sportlichen Unternehmensimage entsprechend muss es sich um ein außergewöhnliches Motorrad handeln. Die Wahl fiel auf eine feuerrote DUCATI Monster S4RS (Listenpreis: ,00; inkl NoVA und USt). Der Gewinner des 2. Preises kann an einem Wochenende die vom Unternehmer Franz Z eigens angemietete Luxuslimousine (samt Chauffeur; Mietpreis: 4.250,00 inkl USt) nutzen. Franz Z möchte im Rahmen eines Beratungsgesprächs Aufklärung über die steuerlichen Rahmenbedingungen, sowohl hinsichtlich seines Firmen-PKW als auch des geplanten Events. Teil 1: a) Was ist beim Firmen-PKW und der Privatnutzung bezüglich der Betriebsausgaben und der Umsatzsteuer zu beachten? Teil 2: b) Werden die Kosten des Events (Veranstaltungskosten, Anschaffungskosten des Gewinn-Motorrades, Mietkosten der Luxuslimousine) ertragsteuerlich zur Gänze absetzbar sein? Und wie sieht es mit dem Vorsteuerabzug aus? c) Fällt Schenkungssteuer für die Gewinne an? Least oder kauft ein Unternehmer einen Firmen-PKW, den er auch privat nutzt, ist das Abarbeiten der folgenden 6-Punkte-Praktiker-Checkliste sehr hilfreich: Praktiker Checkliste PKW: ➊ Klärung des Vorsteuerabzugs (Fiskal-LKW- und Kleinbus-Liste) ➋ Ist eine Angemessenheitsprüfung erforderlich? (Kaufpreis > ,00)

7 Fälle aus der Praxis ➌ Wird der Firmen-PKW auch privat genutzt? Wenn nein ➎ ➍ Ermittlung des Privatanteils (Fahrtenbuch oä Nachweise) ➎ Gesonderte Verbuchung jener (Betriebs-)Kosten, die aufgrund der Nichtangemessenheit zu kürzen sind (= wertabhängige Kosten) ➏ Nachweise schaffen (Reparaturpreislisten, Benzinverbrauchsstatistiken etc), um belegen zu können, dass der höhere Kaufpreis nicht zu höheren Benzin-, Wartungs- und Reparaturkosten führt. Anhand dieser Checkliste können wir Franz Z folgende steuerrelevante Infos mitteilen: ➊ Vorsteuerabzug Beim erworbenen Mercedes ML 63 AMG handelt es sich gemäß Verordnung des BMF um keinen vorsteuerabzugsberechtigten Fiskal-LKW oder Kleinbus (die jeweils aktuellen Listen für Umsatzsteuer und Einkommensteuer können Sie unter anfordern). Im Rahmen der Anschaffung kann daher kein Vorsteuerbetrag geltend gemacht werden. Die relevanten Anschaffungskosten (inkl USt und NOVA) betragen folglich ,00. Hinweis: Der Vorsteuerabzug ist weiters auch für alle mit dem laufenden Betrieb des Mercedes anfallenden Aufwendungen ausgeschlossen! ➋ Angemessenheitsprüfung Seit dem Kalenderjahr 2005 sind Ausgaben für die Anschaffung eines PKW bis zur Höhe von ,00 als angemessen (isd 20 EStG) zu beurteilen. Die steuerlich nicht angemessene Luxustangente ist die Differenz zwischen den tatsächlichen Anschaffungskosten und dem steuerlichen Normalauto, also im vorliegenden Fall: tatsächliche Anschaffungskosten ,00 abzüglich steuerliches Normalauto ,00 ergibt Luxustangente von ,00 Die Luxustangente entspricht einem Prozentsatz von 64,3 % der Anschaffungskosten (= ,00/ ,00). Da die Anschaffungskosten für den Mercedes steuerlich unangemessen hoch sind, sind nachfolgende wertabhängige Aufwendungen um den steuerlich überhöhten Anteil von 64,3 % zu kürzen: AfA (oder Leasingraten) Direkt zurechenbare Finanzierungskosten Allenfalls von den Anschaffungskosten abhängige Versicherungsprämien (zb Kaskoversicherung)

8 Fälle aus der Praxis Praxistipp Diese steuerlichen Korrekturen sind in der Beilage zur Einkommensteuererklärung (E1), soweit sie die AfA betreffen, unter der Kennzahl 9240 und, soweit sie laufende Kosten betreffen, unter der Kennzahl 9260 einzutragen. Grundsätzlich nicht von der Höhe der Anschaffungskosten abhängig und daher nicht zu korrigieren sind: Haftpflichtversicherungsprämien Treibstoff-, Öl- und Wartungskosten Reparaturen, sofern nicht aufgrund der gehobenen Ausstattung überhöht (bei Betriebsprüfungen leider oft ein Streitfall!) Autobahnvignette Clubbeiträge ➌ Privatanteil Da das Fahrzeug zu 70 % betrieblich genutzt wird, ist es gemäß dem Überwiegensprinzip (> 50 %) als Betriebsvermögen zu behandeln. Folglich dürfen nur die tatsächlichen Aufwendungen angesetzt werden (kein km-geld!). Für die durch die private Nutzung verursachten Kosten (= 30 % sämtlicher mit dem Betrieb des Fahrzeuges angefallener Kosten) ist eine Nutzungsentnahme vorzunehmen. Die betriebliche Nutzung des Fahrzeuges ist grundsätzlich mittels Fahrtenbuch nachzuweisen. Dieses hat folgende Angaben zu enthalten: Tag (Datum) der betrieblichen Fahrt Abfahrts- und Ankunftszeitpunkt (Uhrzeit) = Reisedauer Die Anzahl der gefahrenen Kilometer (unter Anführung des jeweiligen Anfangs- und Endkilometerstandes) Ausgangs- und Zielpunkt der Reise = Reiseroute (zb: Wien 1; Wipplingerstraße 24 Südautobahn Graz, Annenstraße 5 und retour) Zweck jeder einzelnen betrieblichen Fahrt Unterschrift des Reisenden Hinweis Wenn der Steuerpflichtige keine Aufzeichnungen führt, kann das zu einer Schätzung führen! Überdies muss das Fahrtenbuch zeitnah, fortlaufend und geschlossen geführt werden und es muss sichergestellt werden, dass die Aufzeichnungen nachträglich nicht abänderbar sind. Hinweis Der deutsche Bundesfinanzhof hat in einem Urteil aus dem Jahr 2005 entschieden, dass die mithilfe eines Computerprogramms (Excel- Datei!) erstellten Fahrtenbücher diese Anforderungen nicht erfüllen!

9 Fälle aus der Praxis Dieses Urteil deckt sich grundsätzlich mit der österreichischen Rechtslage. Dennoch ist es im Einzelfall möglich, dass die inhaltliche Richtigkeit eines mithilfe von Excel erstellten Fahrtenbuches nachgewiesen oder glaubhaft gemacht und im Rahmen der freien Beweiswürdigung durch die Finanzverwaltung anerkannt wird. Da im Rahmen der Anschaffung und des laufenden Betriebes des Fahrzeuges kein Vorsteuerabzug möglich war, ist die Nutzungsentnahme als nicht umsatzsteuerpflichtiger Eigenverbrauch (Verwendungseigenverbrauch gem 3 Abs 2 UStG) zu behandeln. Beispiel ➍ Ermittlung des Privatanteils Die laufenden Aufwendungen (Treibstoff-, Versicherungs- und Wartungskosten) haben für das laufende Kalenderjahr ,00 betragen. Der Privatanteil entspricht somit 3.000,00 (= 30 % von ,00). Buchung: Privatkonto 3.000,00 Eigenverbrauch 3.000,00 Nutzungsdauer: Da es sich bei dem Fahrzeug um keinen Fiskal-LKW oder Kleinbus handelt, ist der PKW steuerlich zwingend über eine Nutzungsdauer von 8 Jahren ( 8 Abs 6 Z 1 EStG) abzuschreiben. Hinweis Sollte der PKW geleast werden, ist ein steuerlicher Aktivposten zu berücksichtigen! Anschaffungskosten: ,00 steuerliche Nutzungsdauer: 8 Jahre (zwingend!) handelsrechtliche Nutzungsdauer: 5 Jahre (Annahme) Die Ganzjahresabschreibung beträgt handelsrechtlich also ,00 (= Anschaffungskosten ,00 : 5 Jahre [handelsrechtliche Nutzungsdauer]) Buchung: Abschreibung ,00 PKW ,00 Jetzt ist der Privatanteil ( x 30 % = 6.720,00) der Abschreibung, also der Verwendungseigenverbrauch (nicht umsatzsteuerpflichtig!) zu erfassen. Buchung: Privatkonto 6.720,00 Eigenverbrauch 6.720,00

10 Fälle aus der Praxis ➎ Korrektur der wertabhängigen Kosten Nach der Kürzung der Abschreibung um den Privatanteil ist die steuerliche Abschreibung um die Luxustangente in Höhe von 64,3 % auf den angemessenen Betrag zu kürzen. Die nachstehende Tabelle zeigt den Weg zur korrekten Ermittlung der handels- bzw steuerrechtlichen Abschreibung sehr übersichtlich auf. Handelsrecht ( ) Steuerrecht ( ) Abschreibung abz Privatanteil (30 %) ,00 1) , ,00 2) ,00 Zwischensumme , ,00 Kürzung infolge Angemessenheitsgrenze 0, ,40 3) Aufwand bzw Betriebsausgabe , ,60 Erläuterungen: 1) Anschaffungspreis: ,00: 5 Jahre (handelsrechtliche Nutzungsdauer) 2) Anschaffungspreis: ,00: 8 Jahre (steuerrechtliche Nutzungsdauer) 3) Zwischensumme x Luxustangente (= 64,3 %) Steuerlich kann Franz Z also im Jahr 2007 Abschreibungen von insgesamt nur 3.498,60 geltend machen. Die Differenz zur handelsrechtlichen Abschreibung von ,00 ist als MWR-Korrektur in Höhe von ,40 unter der Kennzahl 9240 Korrekturen zu Abschreibungen auf das Anlagevermögen der Beilage zur Einkommensteuererklärung (E1) einzutragen. Hinweis Beim Verkauf seines Fahrzeuges hat Franz Z zu beachten, dass der Veräußerungsgewinn um 64,3 % (Luxustangente), nicht hingegen um den Privatanteil zu kürzen ist. Analog ist bei einem allfälligen Veräußerungsverlust vorzugehen. Praxistipp In Anbetracht des schnittigen PKW, den Franz Z gekauft hat, sollte man ihn vielleicht darauf hinweisen, dass Strafen wegen überhöhter Geschwindigkeit, die über den Unternehmer verhängt werden, nicht abzugsfähig sind! Personalverrechnung für die Praxis DAS Journal für Lohn- und Gehaltsverrechner Viele Beispiele & Fälle aus dem praktischen Alltag der Personalverrechnung Komplexe Inhalte leicht verständlich und praxisbezogen aufbereitet Übersichtliche Graphiken, wertvolle Tipps und nützliche Checklisten Übersicht über Gesetzesänderungen und neue Gerichtsentscheidungen Jahresabonnement Ausgaben um 99,- (Vorteilspreis für ARD-Abonnenten 79,-) Ihr kostenloses Probeheft unter Tel. (01) Fax (01)

11 Fälle aus der Praxis Gastbeitrag: Mag. Peter Mayr RWP 2007/6, 9 Reverse Charge und der richtige Ausweis in der UVA Häufig werden Unternehmer auch über die Grenze tätig. Nicht immer klar ist, welche Leistungen dabei zum Übergang der Steuerschuld führen (Reverse Charge) und wie diese in der UVA zu erfassen sind. Anhand von zwei Beispielen wird die richtige Vorgangsweise dargestellt das erste Beispiel aus der Sicht des leistenden Unternehmers und das zweite Beispiel aus der Sicht des Leistungsempfängers. Grundsätzliches zum Übergang der Steuerschuld Bei sonstigen Leistungen und Werklieferungen geht die Steuerschuld nach österreichischem Recht auf den Leistungsempfänger über, wenn der leistende Unternehmer im Inland weder einen Wohnsitz (Sitz) noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder eine Betriebsstätte hat und der Leistungsempfänger Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist und die jeweilige Leistung im Inland steuerbar ist. Nicht zum Übergang der Steuerschuld kommt es daher grundsätzlich bei Lieferungen. Eine Ausnahme bilden unter anderem bestimmte Lieferungen, bei denen sich der Lieferant typischerweise in finanziellen Schwierigkeiten befindet. So führen beispielsweise Lieferungen von sicherungsübereigneten Gegenständen zum Übergang der Steuerschuld! Beispiel Die Selbständige Buchhalterin Andrea A (keine Kleinunternehmerin) aus Oberösterreich erstellt für die Deutsche Versandhandels GmbH deren österreichische UVA. Da die Deutsche Versandhandels GmbH die Lieferschwelle in Österreich überschritten hat, sind deren Lieferungen an inländische Privatpersonen in Österreich steuerbar und steuerpflichtig. Als Honorar für die Erstellung und Übermittlung der monatlichen UVA an das Finanzamt erhält Andrea A 150,00. Lösung: Bei dieser sonstigen Leistung handelt es sich um eine sogenannte Katalogleistung ( 3a Abs 10 Z 3 UStG). Wird eine Katalogleistung an einen Unternehmer erbracht, so gilt diese als am Empfängerort erbracht ( 3a Abs 9 lit a UStG). Andrea A aus Oberösterreich tätigt daher eine in Deutschland steuerbare sonstige Leistung. Da Andrea A in Deutschland nicht ansässig ist und dort auch keine Zweigniederlassung (abweichend zu Österreich, wo der Begriff Betriebsstätte verwendet wird) hat, kommt es zum Übergang der Steuerschuld auf den deutschen Unternehmer. In der österreichischen UVA von Andrea A ist dieser Umsatz nicht zu erfassen! Weiters ist dieser Umsatz auch nicht in die Kleinunternehmerumsatzgrenze einzubeziehen. Andrea A verbucht die Ausgangsrechnung wie folgt: Buchung: Forderungen L+L 150,00 Umsatzerlöse nicht steuerbar 150,00

12 Fälle aus der Praxis Warum gibt es dann die Kennzahl 021 in der UVA? c) abzüglich Umsätze, für die die Steuerschuld gemäß 19 Abs. 1 zweiter Satz sowie gemäß 19 Abs. 1a, Abs. 1c auf den Leistungsempfänger übergangen ist. 021 In dieser Kennzahl sind in Österreich steuerbare Umsätze zu erfassen, bei denen die Steuerschuld übergeht. Dies ist unter anderem bei Bauleistungen, der Lieferung sicherungsübereigneter Gegenstände durch den Sicherungsgeber an den Sicherungsnehmer (siehe oben), Umsätzen im Zwangsversteigerungsverfahren und Leistungen von ausländischen Gas- und Stromlieferanten der Fall. In der Praxis hat diese Kennzahl vor allem für Bauleistungen große Bedeutung. Bauleistungen sind in der Kennzahl 000 aufzunehmen und in der Kennzahl 021 wieder abzuziehen. Fortsetzung des obigen Beispiels Nach langjähriger guter Zusammenarbeit gerät die Deutsche Versandhandels GmbH in wirtschaftliche Schieflage und bezahlt ihre Rechnungen nicht mehr. Andrea A hat bereits beträchtliche Honorarforderungen gegenüber der Deutschen Versandhandels GmbH offen. Sie beauftragt einen deutschen Rechtsanwalt mit der Eintreibung. Dieser Anwalt ist erfolgreich und übermittelt kurze Zeit später eine Honorarnote in der Höhe von 700,00 (netto, Hinweis auf Übergang der Steuerschuld) für seine Leistungen in der Causa Deutsche Versandhandels GmbH. Lösung: Wie im vorangegangenen Beispiel handelt es sich bei dieser Leistung um eine Katalogleistung. Da der deutsche Rechtsanwalt in Österreich nicht ansässig ist und auch keine Betriebsstätte in Österreich hat, kommt es zum Übergang der Steuerschuld auf Andrea A ( 19 Abs 1 UStG). Sie muss daher 20 % vom Nettohonorar als Umsatzsteuer aus Reverse Charge in ihrer UVA erklären. Weil Andrea A vorsteuerabzugsberechtigt ist, kann sie in gleicher Höhe den Vorsteuerabzug aus Reverse Charge geltend machen. A verbucht die Eingangsrechnung wie folgt: Buchung: Rechts- und Beratungsaufwand 700,00 Vorsteuer RC *) 20 % 140,00 Verbindlichkeiten L+L 700,00 Umsatzsteuer RC 20 % 140,00 *) RC = Reverse Charge In der UVA sind die Kennzahlen 057 und 066 auszufüllen: Steuerschuld gemäß 19 Abs. 1 zweiter Satz, 19 Abs. 1c sowie gemäß Art. 25 Abs ,00 Vorsteuern betreffend die Steuerschuld gemäß 19 Abs. 1 zweiter Satz, 19 Abs. 1c sowie gemäß Art. 25 Abs ,00 10

13 Fälle aus der Praxis Praxistipp Die korrekte Verbuchung dieser Geschäftsfälle erleichtert die inhaltlich richtige Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldung und die Berechnung der Kammerumlage. Bitte beachten Sie: Die Vorsteuern aus Reverse Charge zählen auch zur Bemessungsgrundlage für die Kammerumlage (KU 1). Der Autor: Mag. Peter Mayr ist Prokurist und Steuerberater der KPMG Alpen-Treuhand GmbH, Linz. Er ist für den Bereich Umsatzsteuer verantwortlich und als Leiter des VAT tax teams (KPMG Österreich) mit nationalen und internationalen Umsatzsteuerthemen bestens vertraut. Mitglied der Steuerberatungskommission der Kammer der WT, Landesstelle OÖ; Seminarvortragender, Fachautor. GSVG-Beiträge von Gewerbetreibenden Rückstellung und Aktivierung RWP 2007/7, 11 Die Basis für die Berechnung der (vorläufigen) vierteljährlichen Sozialversicherungsbeiträge von Gewerbetreibenden sind die Einkünfte aus Gewerbebetrieb lt Einkommensteuerbescheid des drittvorangegangenen Kalenderjahres. Für Jungunternehmer bzw bei Verlusten oder geringen Gewinnen ist die Berechnungsbasis die Mindestbeitragsgrundlage. Stehen die endgültigen Einkünfte fest, werden die Sozialversicherungsbeiträge auf Grundlage der tatsächlichen Werte berechnet und mit den vorläufig vorgeschriebenen Beiträgen verglichen. In der Regel kommt es zu einer Abweichung der vorläufigen von den endgültigen Versicherungsbeiträgen. Beispiel Der Trafikant Fritz M aus Wien hat im Jahr 2005 seine Tätigkeit als Einzelunternehmer aufgenommen. Davor war er 15 Jahre als Angestellter im Verkauf tätig. Er betreibt die Trafik mit zwei Halbtagskräften und ist nicht im Firmenbuch eingetragen. Da Herr M Jahresumsätze von rund ,00 erzielt, führt er von Beginn an freiwillig Bücher. Der vorläufige Jahresgewinn 2006 beträgt ,00. Im Jahr 2006 hat Fritz M 1.500,00 an Sozialversicherungsbeiträgen für 2005 nachbezahlt. Von einem befreundeten Unternehmer erfährt er von der Möglichkeit einer GSVG-Rückstellung und will im Rahmen eines Beratungsgespräches erfahren, wie er diese Rückstellung in seinem Jahresabschluss 2006 berücksichtigen kann. Lösung: Fritz M hat im Jahr 2005 seine gewerbliche Tätigkeit aufgenommen und war in den letzten 120 Monaten davor nicht GSVG-pflichtig. Daher werden ihm Sozialversicherungsbeiträge in Höhe der Mindestbeitragsgrundlage vorgeschrieben hat er 587,26 ( 6.453,36 [jährliche Mindestbeitragsgrundlage] x 9,1 %) an Krankenversicherungsbeiträgen und 984,14 ( 6.453,36 [jährliche Mindestbeitragsgrundlage] x 15,25 %) an Pensionsversicherungsbeiträgen entrichtet. 11

14 Fälle aus der Praxis Die Bemessungsgrundlage für die endgültigen Versicherungsbeiträge errechnet sich in drei Schritten: Schritt ➊: Berechnung der voraussichtlichen Beitragsgrundlage Vorläufiger Gewinn Sozialversicherungsbeiträge 2006 (ohne UV) + Nachverrechnung Sozialversicherungsbeiträge , , ,00 Zwischensumme ,40 Schritt ➋: Zwischenschritt zur Berechnung der Rückstellungshöhe Im 1. und 2. Jahr der Erwerbstätigkeit sind die Krankenversicherungsbeiträge eingefroren und werden nicht nachbemessen. Für die Rückstellung ist daher nur die Nachbemessung der Pensionsversicherungsbeiträge zu berücksichtigen. Beitragsgrundlage 2006 lt Zwischensumme ,40 Beitragsatz PV 2006: 15,25 % - Vorschreibung PV ,39-984,14 Zwischensumme ,25 Schritt ➌: Berechnung der Rückstellungshöhe Die Zwischensumme 2 ist durch den Beitragsfaktor von 1,1525 (1 + 15,25 % PV) zu dividieren, um den Rückstellungsbetrag zu erhalten (wird die Krankenversicherung auch nachbemessen, erhöht sich der Beitragsfaktor auf 1,2435 [1 + 9,1 % KV + 15,25 % PV]). Wert lt Zwischensumme 2 dividiert durch Beitragsfaktor = Rückstellungsbetrag 4.364, ,77 In der Bilanz 2006 ist daher eine Rückstellung für GSVG-Beiträge in der Höhe von 3.786,77 zu berücksichtigen. Buchung: GSVG-Pflichtversicherung 3.786,77 Rückstellung für GSVG-Beiträge 3.786,77 Fortsetzung des obigen Beispiels Im Jahr 2007 geht Fritz M unmittelbarer Konkurrent in Pension und seine Trafik wird geschlossen. Dadurch kann Herr M seine Umsätze und den Gewinn mehr als verdoppeln. Der vorläufige Gewinn 2007 beträgt ,00. Die Sozialversicherungsbeiträge 2006 werden beginnend mit dem 3. Quartal 2007 nachbemessen. Lösung: Da Fritz M in der Bilanz 2006 eine GSVG-Rückstellung berücksichtigt hat, besteht für die Folgejahre eine Passivierungspflicht (Randzahl 3478a EStR). Auch im Jahr 2007 werden noch Sozialversicherungsbeiträge in Höhe der Mindestbeitragsgrundlage vorgeschrieben. 12

15 Fälle aus der Praxis 2007 wird Herr M 587,26 ( 6.453,36 [jährliche Mindestbeitragsgrundlage] x 9,1 % an Krankenversicherungsbeiträgen) und 1.000,27 ( 6.453,36 [jährliche Mindestbeitragsgrundlage] x 15,5 %) an Pensionsversicherungsbeiträgen entrichten. Für die Nachbemessung der Sozialversicherungsbeiträge 2006 werden im 3. und 4. Quartal je 946,69 (1/4 von 3.786,77) vorgeschrieben. Schritt ➊: Berechnung der voraussichtlichen Beitragsgrundlage Vorläufiger Gewinn Sozialversicherungsbeiträge 2007 (ohne UV) + Nachverrechnung Sozialversicherungsbeiträge , , ,38 Zwischensumme ,91 Da Fritz M die Beitragsgrundlage überschreitet, wird mit der Höchstbeitragsgrundlage weitergerechnet! Schritt ➋ + ➌: Berechnung der voraussichtlichen GSVG-Beitragsnachzahlung (= Rückstellung) Beitragsgrundlage 2007 lt Höchstbeitragsgrundlage ,00 Beitragssatz KV und PV 2006: 24,60 % (9,1 % + 15,5 %) - Vorschreibung KV und PV , ,53 Rückstellungsbetrag ,43 Hinweis a) Im Grenzbereich ist zu prüfen, ob nach Berücksichtigung der Rückstellung die Höchstbeitragsgrundlage auch noch überschritten wird. Sollte die Höchstbeitragsgrundlage nämlich nicht überschritten werden, so ist die Berechnung wie im ersten Beispiel durchzuführen (mit Division durch Beitragsfaktor)! b) Da in diesem Beispielsfall die Höchstbeitragsgrundlage zur Anwendung kommt, kann vereinfacht die Differenz zwischen den Beiträgen lt Höchstbeitragsgrundlage und vorläufig vorgeschriebenen Beiträgen rückgestellt werden (keine Division durch Beitragsfaktor!). In der Bilanz 2007 ist eine Rückstellung für GSVG-Beiträge in der Höhe von ,43 zu bilden. Buchung: GSVG-Pflichtversicherung Rückstellung für GSVG-Beiträge , ,43 Beitragssätze und Beitragsgrundlagen von Gewerbetreibenden Die nachfolgenden Werte sind relevant für persönlich haftende Gesellschafter (Wirtschaftskammer-Mitglied) von OGs und KGs und Gesellschafter-Geschäftsführer von GmbHs (die Gesellschaft ist Mitglied der Wirtschaftskammer und der Anteil an der GmbH ist > 25 %). 13

16 Fälle aus der Praxis Beitragssätze: Pensionsversicherung 15,25 % 15,50 % Krankenversicherung 9,10 % 9,10 % Die monatliche Unfallversicherung beträgt im Jahr ,30 ( 87,60 pro Jahr) und im Jahr ,48 ( 89,76 pro Jahr). Mindestbeitragsgrundlagen: Krankenversicherung: 1. und 2. Jahr der Erwerbstätigkeit fix 3. Jahr der Erwerbstätigkeit mindestens ab dem 4. Jahr mindestens monatlich jährlich monatlich jährlich 537, ,36 537, ,36 537, ,36 537, ,36 594, ,16 608, ,28 Pensionsversicherung: 1. bis 3. Jahr der Erwerbstätigkeit mindestens ab dem 4. Jahr mindestens monatlich jährlich monatlich jährlich 537, ,36 537, , , , , ,80 Höchstbeitragsgrundlagen: Kranken- und Pensionsversicherung monatlich jährlich monatlich jährlich 4.375, , , ,00 Impressum: Herausgeber und Verleger (Medieninhaber): LexisNexis Verlag ARD Orac GmbH & Co KG, 1030 Wien, Marxergasse 25, Tel , Fax DW 140 (Redaktion), Geschäftsführung: Mag. Peter Davies, MBA Abonnentenservice: Michaela Kawan-Cigic (DW 1008, Fax DW 141) Anzeigen: Mark Evans (DW 1116, Fax DW 141) Derzeit gilt Anzeigenpreisliste Stand Jänner 2007 Verlags- und Herstellungsort: Wien Die Zeitschrift erscheint 6-mal im Jahr; im ersten Jahrgang 2007 nur 5-mal Jahresabonnement , inkl. 10 % MWSt bei Vorauszahlung; Preisänderungen vorbehalten Bankverbindungen: Postsparkasse ; Raiffeisenlandesbank Abbestellungen sind nur zum Jahresschluss möglich, wenn sie spätestens 1 Monat vorher bekannt gegeben werden Layout & Illustrationen: Philipp Stöhr Druck: Prime Rate GmbH, Megyeri út 53, H-1044 Budapest. Verlagsrechte: Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte bleiben vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form durch Fotokopie, Mikrofilm, Aufnahme in eine Datenbank oder auf Datenträger oder auf andere Verfahren reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere Datenverarbeitungsanlagen, verwendbare Sprache übertragen werden. Das gilt auch für die veröffentlichten Entscheidungen und deren Leitsätze, wenn und soweit sie vom Einsender oder von der Schriftleitung redigiert, erarbeitet oder bearbeitet wurden und daher Urheberrechtsschutz genießen. Fotokopien für den persönlichen und sonstigen eigenen Gebrauch dürfen nur von einzelnen Beiträgen oder Teilen daraus als Einzelkopie hergestellt werden. Mit der Einreichung seines Manuskriptes räumt der Autor dem Verlag für den Fall der Annahme das übertragbare, zeitlich und örtlich unbeschränkte ausschließliche Werknutzungsrecht ( 24 UrhG) der Veröffentlichung in dieser Zeitschrift, einschließlich des Rechts der Vervielfältigung in jedem technischen Verfahren (Druck, Mikrofilm etc) und der Verbreitung (Verlagsrecht) sowie der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, einschließlich des Rechts der Vervielfältigung auf Datenträgern jeder Art, der Speicherung in und der Ausgabe durch Datenbanken, der Verbreitung von Vervielfältigungsstücken an die Benutzer, der Sendung ( 17 UrhG) und sonstigen öffentlichen Wiedergabe ( 18 UrhG) in allen Sprachen ein. Mit der Einreichung von Beiträgen von Arbeitsgruppen leistet der Einreichende dafür Gewähr, dass die Publikation von allen beteiligten Autoren genehmigt wurde und dass alle mit der Übertragung sämtlicher Rechte an den Verlag einverstanden sind. Mit dem vom Verlag geleisteten Honorar ist die Übertragung sämtlicher Rechte abgegolten. Aufgrund der Honorierung erlischt die Ausschließlichkeit des eingeräumten Verlagsrechts nicht mit Ablauf des dem Jahr des Erscheinen des Beitrags folgenden Kalenderjahres ( 36 UrhG). Für die Verwertung durch Datenbanken gilt dieser Zeitraum keinesfalls. Offenlegung gem 25 Mediengesetz: LexisNexis Verlag ARD Orac GmbH & Co KG: 100 % Reed Elsevier plc. 14

17 Rechnungswesen & Steuern Wissenswertes zur Rechnung: Teil 1 Die Dauerrechnung RWP 2007/8, 15 Für Dauerleistungen, wie sie beispielsweise aufgrund von Miet-, Pacht- oder Wartungsverträgen erbracht werden, wird im Geschäftsverkehr häufig auf eine regelmäßige Rechnungslegung verzichtet. Diese Dauerleistungen basieren meist auf einem Vertrag und wiederkehrenden, regelmäßigen Leistungen bzw Zahlungen. Grundsätzlich wird der Vorsteuerabzug von der Finanzbehörde auch dann akzeptiert, wenn zwar keine Rechnung, aber eine Urkunde (zb Mietvertrag) mit den erforderlichen Rechnungsmerkmalen vorliegt. Verfügt dieser Vertrag nicht über alle erforderlichen Rechnungsmerkmale, wird empfohlen, eine Dauerrechnung, die den gesetzlichen Erfordernissen entspricht, auszustellen. Grundsätzlich muss eine Rechnung alle 11 Merkmale des 11 UStG enthalten: Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmers Name und Anschrift des Rechnungsempfängers Bei Rechnungsbetrag > ,00 (Bruttobetrag): UID des Leistungsempfängers Menge oder handelsübliche Bezeichnung bzw Art und Umfang Tag der Lieferung bzw Zeitraum der Leistung Entgelt Steuersatz bzw Hinweis auf Steuerbefreiung oder Übergang der Steuerschuld Steuerbetrag Ausstellungsdatum Fortlaufende Nummerierung UID des liefernden oder leistenden Unternehmers Wie geht man vor? Gönnen Sie dem Betriebsprüfer nicht die Möglichkeit, den Vorsteueranspruch zu verwehren, und treffen Sie folgende Vorsorgemaßnahmen: Schauen Sie Ihre Verträge durch, ob diese die erforderlichen Rechnungsmerkmale aufweisen. Weist der Vertrag nicht alle erforderlichen Rechnungsmerkmale auf, ist eine Dauerrechnung zu legen bzw anzufordern. Praxistipp: Um den Vorsteuerabzug zu sichern, empfiehlt es sich, jährlich eine neue Dauerrechnung für das jeweilige Kalenderjahr vom liefernden/leistenden Unternehmer anzufordern. Wir haben für Sie eine Textvorlage, passend für Mieten, erstellt. 15

18 Rechnungswesen & Steuern Beispiel: Firma Muster&Muster HandelsgmbH Am Musterweg Musterlingen UID-Nr. ATU Muster Immobilien GmbH Musterleiten Mustershausen UID-Nr. ATU RECHNUNG Rechnungsnummer Rechnungsdatum Miete Büro Musterweg 17, 4240 Musterlingen Pro Monat Netto ,00 USt 20 % 3.200,00 Brutto ,00 Diese Rechnung gilt ab 1. Jänner 2007 bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie durch eine andere Rechnung ersetzt wird. Sie verliert weiters ihre Gültigkeit, wenn das Vertragsverhältnis endet. Vorsteuerabzug: Der Vorsteuerabzug ist bei Vorliegen eines entsprechenden Vertrages oder Dauerrechnung auf Basis der geleisteten Zahlungen vorzunehmen. Ohne Zahlung besteht kein Recht auf den Vorsteuerabzug. Abfuhr der Umsatzsteuer: Dauerleistungen sind nach Maßgabe der Abrechnung zu versteuern, wobei auch die Einhebung eines Teilentgelts (monatlicher Zahlungseingang der Miete) als Abrechnung zu sehen ist. Die Umsatzsteuer ist also für den Voranmeldungszeitraum zu entrichten, in dem die Vereinnahmung erfolgte. Hinweis Keinesfalls sollte am Jahresbeginn der Gesamtjahresbetrag mit der darauf entfallenden Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden Gefahr der (zusätzlichen) USt-Schuld kraft Rechnungslegung. 16

19 Rechnungswesen & Steuern Zusammenfassung: Für die Geltendmachung von Vorsteuern aus Dauerleistungen ist eine monatliche Rechnung grundsätzlich nicht notwendig. Weist der Vertrag, der die Grundlage der Dauerleistungen ist, alle erforderlichen Rechnungsmerkmale auf, steht dem Vorsteuerabzug nichts entgegen. Weist der Vertrag hingegen nicht alle erforderlichen Rechnungsmerkmale auf, so empfehlen wir am Kalenderjahresbeginn eine Dauerrechnung mit den erforderlichen Rechnungsmerkmalen auszustellen bzw anzufordern. Ändert das UGB die Besteuerung von Grund und Boden? RWP 2007/9, 17 Mit ist das neue Unternehmensgesetzbuch (UGB) in Kraft getreten und ersetzt das Handelsgesetzbuch (HGB). Das Unternehmensgesetzbuch stellt für die Rechnungslegungspflicht nicht mehr auf eine Eintragung im Firmenbuch ab, sondern definiert klare Umsatzgrenzen. Durch die Änderung der unternehmensrechtlichen Buchführungs- und Bilanzierungspflicht kann es im Steuerrecht zu einem Wechsel der Gewinnermittlungsart kommen. Die Gewinnermittlungsart beeinflusst die Besteuerung von Grund und Boden Wie Wertänderungen von Grund und Boden konkret besteuert werden, hängt von der Art der Gewinnermittlung ab: Einnahmen-Ausgaben-Rechner ( 4 Abs 3 EStG) und 4 Abs 1-Ermittler versteuern Wertänderungen von Grund und Boden dann, wenn diese innerhalb der Spekulationsfrist (diese beträgt gemäß 30 Abs 1 Z 1 lit a EStG grundsätzlich 10 Jahre) realisiert werden. Anders die 5-Ermittler hier sind die Wertänderungen von Grund und Boden (stille Reserven) uneingeschränkt steuerpflichtig. Steuerpflichtige, die den Gewinn nach 5 EStG ermitteln, erfüllten bisher die folgenden zwei Vorraussetzungen: Einkünfte aus Gewerbebetrieb und Eintragung im Firmenbuch Ab 2007 sind folgende zwei Vorraussetzungen für die Gewinnermittlung nach 5 EStG entscheidend: Einkünfte aus Gewerbebetrieb und Rechnungslegungspflicht nach 189 UGB Vor allem der umsatzstarke (Umsätze höher als ,00), bisher nicht protokollierte Einzelunternehmer rutscht durch das UGB in die verpflichtende Gewinnermittlung nach 5 EStG. 17

20 Rechnungswesen & Steuern Wechsel auf die Gewinnermittlungsart nach 5 EStG Ab 2007 ist beim Übergang auf die Gewinnermittlung gemäß 5 EStG der Grund und Boden steuerneutral auf den Teilwert im Zeitpunkt des Wechsels auf- oder abzuwerten ( 4 Abs 10 Z 3 EStG). Die Spekulationsfrist läuft jedoch gedanklich weiter. Scheidet das Wirtschaftsgut vor Ende der Spekulationsfrist aus, so sind Wertänderungen vor dem Wechsel als Spekulationsgewinne bzw Spekulationsverluste zu erfassen. Wertänderungen nach dem Wechsel sind als Gewinn bzw Verlust des Gewerbebetriebes zu erfassen. Beispiel Jahr 1: Kaufpreis Grund und Boden = T 110 ( 4 Abs 1-Gewinnermittler) Jahr 2: Teilwert bei Wechsel auf 5 Abs 1 EStG = T 120 Jahr 5: Veräußerungserlös = T 160 Lösung: Im Jahr 5 (Veräußerung) finden zwei (!) Versteuerungen statt. Die Wertänderung zwischen Jahr 1 und Jahr 2 von T 10 ist im Jahr 5 als Spekulationsgewinn ( sonstige Einkünfte gemäß 29 EStG) zu versteuern. Der Veräußerungsgewinn von T 40 erhöht den Gewinn aus Gewerbebetrieb. Buchungen Jahr 5 (keine Option auf Steuerpflicht im Bereich der Umsatzsteuer): Buchung: zb Sonstige Forderungen ,00 Erträge aus dem ,00 Abgang von SAV *) Buchung: Buchwertabgang SAV ,00 *) SAV = Sachanlagevermögen Grund und Boden ,00 Wechsel von 5 EStG auf eine andere Gewinnermittlungsart Beim Wechsel der Gewinnermittlung von 5 EStG auf eine andere Gewinnermittlungsart ist zu trennen zwischen: Grund und Boden des gewillkürten Betriebsvermögens und Grund und Boden des notwendigen Betriebsvermögens. a) Stille Reserven aus Grund und Boden des gewillkürten Betriebsvermögens sind sofort zu versteuern. b) Stille Reserven aus Grund und Boden des notwendigen Betriebsvermögens können auf Antrag einer Rücklage zugeführt werden (aufgeschobene Versteuerung). Diese Rücklage ist erst im Zeitpunkt des Ausscheidens des Grund und Bodens aus dem Betriebsvermögen oder im Zeitpunkt der Veräußerung oder Aufgabe des Betriebes insoweit zu versteuern, als die stillen Reserven in diesem Zeitpunkt noch vorhanden sind ( 4 Abs 10 Z 3b EStG). 18

21 Rechnungswesen & Steuern Beispiel Jahr 1: Kaufpreis Grund und Boden (notwendiges Betriebsvermögen) = T 100 ( 5-Gewinnermittler) Jahr 2: Teilwert bei Wechsel auf 4 Abs 1 EStG = T 120 Jahr 5: Veräußerungserlös = T 90 Lösung: Im Jahr 2 wird eine Rücklage für Grund und Boden von T 20 gebildet. Da im Jahr 5 die stillen Reserven nicht mehr vorhanden sind, wird die gesamte Rücklage steuerneutral aufgelöst. Darüber hinaus liegt ein Spekulationsverlust von T 10 vor, da die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist. Der Spekulationsverlust ( sonstige Einkünfte gemäß 29 EStG) kann mit allfälligen positiven Spekulationseinkünften verrechnet werden. Buchungen Jahr 5 (keine Option auf Steuerpflicht im Bereich der Umsatzsteuer): Buchung: zb Sonstige Forderungen Erträge aus dem Abgang von SAV , ,00 Mehr-Weniger-Rechnung: ,00 Buchung: Buchwertabgang SAV ,00 Grund und Boden ,00 Mehr-Weniger-Rechnung: ,00 Buchung: Rücklage ( 4 Abs 10 Z 3 lit b) EStG Erträge aus der Auflösung von Rücklagen , ,00 Mehr-Weniger-Rechnung: ,00 Praxistipp: Steuerpflichtige, die zukünftig nicht mehr den Gewinn nach 5 EStG ermitteln müssen, können dies jedoch freiwillig weiter tun. Im Jahr, in dem erstmals keine Gewinnermittlungspflicht nach 5 EStG besteht, ist ein diesbezüglicher Antrag in der Steuererklärung zu stellen. Der Steuerpflichtige ist so lange an die Gewinnermittlung nach 5 EStG gebunden, bis der Antrag widerrufen wird ( 5 Abs 2 EStG, ab 2007). 19

22 Rechnungswesen & Steuern Für wen ist dieser Antrag sinnvoll? Beispielsweise für jene, die weiterhin gewillkürtes Betriebsvermögen oder ein abweichendes Wirtschaftsjahr haben möchten! Zusammenfassung Durch das neue Unternehmensgesetzbuch kann es auch zu einer Änderung der steuerlichen Gewinnermittlungsart kommen. Da Wertänderungen von Grund und Boden nur für 5-Ermittler auch außerhalb der Spekulationsfrist steuerlich zu erfassen sind, kann es zur künftigen Steuerhängigkeit oder zum Wegfall der Steuerhängigkeit kommen. Die Bildung einer Rücklage kann beim Umstieg, weg von der Gewinnermittlung nach 5 EStG eine Besteuerung aufschieben bzw ab 2007 auch zur Gänze vermeiden. Bisherige 5-Ermittler haben die Möglichkeit, freiwillig die Gewinne weiterhin nach 5 EStG zu ermitteln. Freibetrag für investierte Gewinne (FBiG) RWP 2007/10, 20 Erstmals mit dem Veranlagungsjahr 2007 treten die Bestimmungen des neuen 10 EStG in Kraft. Diese sehen für Einnahmen-Ausgaben-Rechner eine Steuerbegünstigung von investierten Gewinnen für bestimmte Wirtschaftsgüter vor. Wer kommt in den Genuss des FBiG? Drei Voraussetzungen müssen diesbezüglich vorliegen, und zwar: natürliche Person (Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft [Mitunternehmerschaft]) betriebliche Einkünfte Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung Praxistipp: Der Vergleich macht Sie sicher! Für Steuerpflichtige, für die sowohl die Gewinnermittlung durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung als auch durch Betriebsvermögensvergleich in Frage kommt, ist es sinnvoll eine Vergleichsrechnung des FBiG und der Begünstigung von nicht entnommenen Gewinnen anzustellen. Letztere können laut VfGH-Erkenntnis auch Freiberufler beanspruchen (siehe in diesem Heft 2007/2). Je nach Höhe der Gewinne, der Investitionen und der Entnahmen kann die eine oder die andere Begünstigung vorteilhafter sein. Einen elektronischen Vergleichsrechner, der die meisten Praxisfälle abdeckt, können Sie unter anfordern. 20

23 Rechnungswesen & Steuern Wie ermittelt sich der Freibetrag? Beispiel: In Höhe der Anschaffungs- bzw Herstellungskosten von begünstigten Wirtschaftsgütern kann im Jahr der Anschaffung bzw Herstellung ein Freibetrag geltend gemacht werden. Der so ermittelte Freibetrag ist zweifach begrenzt einerseits mit 10 % des laufenden Gewinns (daher kein Übergangs- oder Veräußerungsgewinn!) andererseits mit max pro Kalenderjahr. Die AfA des begünstigten Wirtschaftsgutes bleibt wie beim alten Investitionsfreibetrag unverändert und ist nicht um den Freibetrag zu kürzen. Fall 1 Fall 2 Fall 3 Fall 4 laufender Gewinn/Verlust davon 10 %, maximal begünstigte Investitionen Freibetrag für investierten Gewinn Bemessungsgrundlage ESt Bei Mitunternehmerschaften steht jedem Gesellschafter ein anteiliger Freibetrag entsprechend der Gewinnbeteiligung zu. Vom Gewinn der Mitunternehmerschaft können bis zu 10 %, maximal aber an Freibeträgen auf die Gesellschafter verteilt werden. Der einzelne Gesellschafter kann wiederum nur maximal insgesamt pro Kalenderjahr geltend machen. Was sind begünstigte Wirtschaftsgüter? Begünstigt sind Investitionen in abnutzbare körperliche Anlagegüter (zb: Büroausstattung, Maschinen), mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren und Wertpapiere isd 14 Abs 5 Z 4 EStG (die für die ehemalige Wertpapierdeckung von Abfertigungs- und Pensionsrückstellungen geeignet waren), mit einer mindestens vierjährigen Widmung (es sei denn Ersatzbeschaffung!). Nicht begünstigt sind unter anderem Investitionen in Gebäude, PKWs, geringwertige Wirtschaftsgüter (bei Sofortabschreibung), gebrauchte Wirtschaftsgüter, Wirtschaftsgüter, die von einem Unternehmen erworben werden, das unter beherrschendem Einfluss des Steuerpflichtigen steht, Wirtschaftsgüter, für die der Forschungsfreibetrag in Anspruch genommen wurde. Wann kommt es zu einer Nachversteuerung des Freibetrages? Scheidet das Wirtschaftsgut innerhalb von 4 Jahren ab Anschaffung aus dem Unternehmen aus (oder wird in eine Betriebsstätte außerhalb des EU/EWR- 21

24 Rechnungswesen & Steuern Raumes verbracht), kommt es im Jahr des Ausscheidens zur Nachversteuerung des Freibetrages. Die Nachversteuerung unterbleibt bei ausgeschiedenen begünstigten Wertpapieren, wenn eine Ersatzbeschaffung eines begünstigten Wirtschaftsgutes (abnutzbares körperliches Anlagegut oder begünstigte Wertpapiere) vorgenommen wird (die Behaltefrist des ausgeschiedenen Wirtschaftsgutes läuft weiter und beginnt für die Ersatzbeschaffung nicht neu zu laufen!); Ausscheiden eines Wirtschaftsgutes infolge höherer Gewalt oder behördlichen Eingriffs; Wechsel der Gewinnermittlungsart; Betriebsübertragungen (Behaltefrist läuft jedoch beim Rechtsnachfolger weiter). Welche umstrittenen Einschränkungen finden sich im Finanz-Erlass? a) Die Finanzverwaltung vertritt die Meinung, dass einkommensteuerpflichtige Gesellschafter-Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Ärzte hinsichtlich der Sonderklassegebühren, Stiftungsvorstände uä keinen Betrieb führen und daher der Freibetrag nach 10 EStG diesen Steuerpflichtigen nicht zusteht. Diese Ansicht ist äußerst umstritten und wird von Experten zur Zeit intensiv diskutiert. b) Ebenso sieht die Finanzverwaltung grundsätzlich pauschal ermittelte Gewinne als schädlich für den Freibetrag an eine sehr umstrittene Rechtsansicht. Lediglich die Pauschalierung für Handelsvertreter- und Künstler-/ Schriftsteller berechtigt zum FBiG so die Sicht der Finanz. Es bleibt in diesen beiden Punkten daher abzuwarten, wie sich die weitere Diskussion entwickelt und wie zu einem späteren Zeitpunkt etwaige Klagen bei den Höchstgerichten ausgehen werden. Hinweis: Unsere Empfehlungen: a) Auch in strittigen Fällen den FBiG in der Steuererklärung beantragen und dies der Finanz gegenüber offenlegen. b) RW-Praxis lesen, denn wir informieren Sie über aktuelle Entwicklungen zum FBiG. Was ist zu tun? Die Geltendmachung des FBiG erfolgt auf Antrag mit Abgabe der Steuererklärungen 2007 bzw spätestens bis Eintritt der Rechtskraft des Einkommensteuerbescheides Die Vorgangsweise entspricht daher weitestgehend der alten Investitionszuwachsprämie. Was ist für das Jahr 2007 zu beachten? Je genauer das Ergebnis für das Jahr 2007 prognostiziert werden kann, desto effizienter kann der Freibetrag ausgenützt werden. Es ist daher zu empfehlen, im letzten Quartal 2007 eine Hochrechnung der Buchhaltungsdaten vorzunehmen, um so eine weitere Entscheidungshilfe für sinnvolle Investitionen im Jahr 2007 zu haben. 22

25 Rechnungswesen & Steuern Praxistipp: Ist der Freibetrag bereits ausgeschöpft, so könnten soweit möglich sinnvolle und notwendige Investitionen in das Jahr 2008 verlagert werden. Sollte der mögliche Freibetrag noch nicht ausgeschöpft sein, so könnte durch die Anschaffung von begünstigten Wertpapieren eine Steueroptimierung erzielt werden. Zusammenfassung Ab der Veranlagung 2007 kann von natürlichen Personen, die den Gewinn durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln, ein Freibetrag für investierte Gewinne geltend gemacht werden. In Höhe der investierten begünstigten Wirtschaftsgüter beträgt dieser Freibetrag bis zu 10 % des laufenden Gewinns, maximal pro Kalenderjahr. Begünstigt sind grundsätzlich abnutzbare körperliche Anlagegüter und bestimmte Wertpapiere. Scheiden diese Wirtschaftsgüter vor Ablauf einer Vierjahresfrist aus dem Unternehmen aus, so kommt es zu einer Nachversteuerung des Freibetrags. Der Konzernabschluss Teil 1 RWP 2007/11, 23 Eine Einführung Kennen Sie das? Reportingpackages ausfüllen aufwändiges Abstimmen der Konzern-Salden mit Mutter- und Schwestergesellschaften Jahresabschluss auf HBII überleiten Vielen von Ihnen sind diese Zusatzarbeiten, die vom Rechnungswesen eines Konzern-Unternehmens oder als dessen Berater durchzuführen sind, mit Sicherheit bereits untergekommen. Bestimmt haben sich einige von Ihnen auch schon die eine oder andere der folgenden Fragen gestellt: Warum muss ich ein Reportingpackage erstellen? Was bedeutet HBII? Wann ist überhaupt ein Konzernabschluss zu erstellen? Was passiert mit meinen Zahlen? Welche der Angaben sind besonders heikel und sollten daher ganz genau stimmen? In unserer Serie Der Konzernabschluss werden wir diese und weitere wichtige Fragen rund um das Thema Konzernrechnungswesen praxisbezogen und verständlich beantworten. Zu Beginn informieren wir Sie über den rechtlichen Hintergrund und wie grundsätzlich vorzugehen ist, wenn ein Konzernabschluss erstellt werden soll. Aber keine Angst wir werden Sie hier nicht mit langen, theoretischen Abhandlungen langweilen, sondern mit konkreten Beispielen anschaulich darstellen, wie die Konzernrechnungslegung in der Praxis funktioniert. 23

26 Rechnungswesen & Steuern Was ist ein Konzernabschluss? Als Konzernabschluss wird der konsolidierte (zusammengefasste) Jahresabschluss eines Mutterunternehmens bezeichnet, der alle Unternehmen (auch ausländische!), die unter der einheitlichen Leitung oder dem beherrschenden Einfluss des Mutterunternehmens stehen, beinhaltet. Was beherrschender Einfluss ist, werden wir später noch genau erklären. Gemäß dem Einheitsgrundsatz ( 250 Abs 3 UGB) ist der Konzern so darzustellen, als ob alle Konzern-Unternehmen insgesamt ein einziges Unternehmen wären. Die konsequente Anwendung des Einheitsgrundsatzes hat zur Folge, dass die oft vielfältigen Verflechtungen zwischen den verbundenen Unternehmen im Rahmen der Erstellung des Konzernabschlusses (Konsolidierung) zu eliminieren sind. Hinweis Der Konzernabschluss hat ausschließlich Informationsfunktion ( Öffentlichkeit, Investoren, Banken etc), während der Einzelabschluss sowohl Grundlage für die Ausschüttung ( Bilanzgewinn) als auch für die Besteuerung ist. Wie wird ein Konzernabschluss erstellt? Im ersten Schritt ist der Konsolidierungskreis zu bestimmen, dh welche Unternehmen müssen auf welche Art und Weise in den Konzernabschluss einbezogen werden? Im zweiten Schritt ist die Homogenität der Daten sicherzustellen, dh es ist eine Vereinheitlichung betreffend Stichtag, Gliederung, Bilanzansatz (zb das Ausüben von Ansatzwahlrechten muss innerhalb des Konzerns vereinheitlicht werden) und Bewertung vorzunehmen. Zu diesem Zweck gibt es die HBII- Überleitung. Im dritten Schritt werden die Währungen zu einer Konzernwährung vereinheitlicht. Im vierten Schritt werden alle Einzelabschlüsse zu einer Summenbilanz und zur Summen-G&V addiert. Nun beginnt die eigentliche Arbeit des Konsolidierens. Wiederum in vier Schritten werden alle Doppelzählungen des Summenabschlusses korrigiert. ➊ Kapitalkonsolidierung In der Summenbilanz sind unter anderem die Beteiligung am Tochterunternehmen (aus dem Einzelabschluss des Mutterunternehmens) und das Eigenkapital der Tochter (aus deren Einzelabschluss) enthalten. In der Konzernbilanz sind an Stelle der Beteiligung am Tochterunternehmen deren Vermögensgegenstände und Schuldposten auszuweisen. Daher ist im Rahmen der Kapitalkonsolidierung die Beteiligung des Mutterunternehmens an der Tochtergesellschaft gegen das entsprechende Eigenkapital der Tochter aufzurechnen. 24

27 Rechnungswesen & Steuern ➋ Schuldenkonsolidierung Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Konzernunternehmen werden gegeneinander aufgerechnet. Dies deshalb, da aus Sicht der Einheitstheorie ja nur ein Unternehmen (nämlich der Konzern) vorliegt. ➌ Aufwands- und Ertragskonsolidierung Gleiches gilt für Aufwendungen und Erträge aus Leistungsbeziehungen zwischen den einbezogenen Unternehmen. Nur Aufwendungen und Erträge mit konzernfremden Unternehmen sind in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen. ➍ Zwischenergebniseliminierung Zwischengewinne oder -verluste, die aus Geschäftsfällen zwischen den Konzerngesellschaften resultieren (zb bei der Veräußerung von Anlagevermögen oder Vorräten), müssen aus Konzernsicht ebenfalls eliminiert werden. Jetzt haben wir bereits die Grundzüge der Konzernrechnungslegung kennen gelernt. Nach so viel Theorie folgt jetzt die Praxis. Wir schließen den ersten Teil unserer Serie mit einem Beispiel zur Schuldenkonsolidierung. Beispiel Das Mutterunternehmen St&S Holding AG weist in ihrem Einzelabschluss zum 31. Dezember 2006 unter dem Posten Forderungen gegenüber verbundene Unternehmen eine Forderung an das 100%ige Tochterunternehmen St&S GmbH in Höhe von ,00 aus. Die Bilanz der St&S GmbH weist unter dem Posten Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen einen Betrag in gleicher Höhe aus. Anlagevermögen ,00 Umlaufvermögen ,00 St&S GmbH St&S Holding AG Eigenkapital ,00 Verbindlichkeit VU *) ,00 Beteiligung ,00 Forderung VU ,00 Eigenkapital ,00 Verbindlichkeiten ,00 Variante: Da die Forderung vereinbarungsgemäß erst in einem Jahr fällig ist, hat die St&S Holding AG zum Bilanzstichtag eine Forderungsabzinsung in der Höhe von 5.000,00 vorgenommen (Forderung: ,00). Anlagevermögen Umlaufvermögen St&S GmbH St&S Holding AG Eigenkapital Verbindlichkeit VU Beteiligung Forderung VU Eigenkapital Verbindlichkeiten *) VU = Verbundene Unternehmen 25

28 Rechnungswesen & Steuern Wie ist dieser Sachverhalt im Rahmen des Konzernabschlusses der St&S Holding AG darzustellen? Lösung: Da die Forderung und die Verbindlichkeit aus einem Geschäftsvorfall zwischen zwei Konzern-Unternehmen resultieren, ist sowohl die Forderung als auch die Verbindlichkeit zu eliminieren. Buchung: Verbindlichkeiten VU ,00 Forderungen VU ,00 Variante: Da sich der Betrag der Forderung und der Verbindlichkeit um die vorgenommene Abzinsung in Höhe von 5.000,00 unterscheiden, ist auch der verbuchte Zinsaufwand ( 5.000,00) zu korrigieren. Die Buchung im Rahmen der Schuldenkonsolidierung lautet daher wie folgt: Buchung: Verbindlichkeiten VU ,00 Forderungen VU ,00 Zinsaufwand VU 5.000,00 Mehr Durchblick mit den richtigen Kennzahlen RWP 2007/12, 26 Die Bedeutung von Unternehmenskennzahlen hat mit der seit in Kraft getretenen BWG-Novelle zur Basel II- Umsetzung einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Kennzahlenanalyse liefert nicht nur der Bank wertvolle Informa-tionen. Sie sollte primär für die Unternehmensführung eingesetzt werden. Im Folgenden werden drei Kennzahlen-Klassiker, die für jedes bilanzierende Unternehmen von Relevanz sind, vorgestellt. ➊ Eigenkapitalquote ➋ Gesamtkapitalrentabilität ➌ Umsatzrentabilität Hinweis: Werden Kennzahlen rechtzeitig ermittelt und richtig interpretiert, sind sie ein hervorragendes Risikofrühwarnsystem, mit dem man zeitgerecht Veränderungen im Unternehmen aufzeigen und Gegenmaßnahmen ergreifen kann. ➊ Eigenkapitalquote Formel: Eigenkapital Gesamtkapital (Bilanzsumme) x

29 Rechnungswesen & Steuern Aussagekraft: Die Eigenkapitalquote zeigt an, in welchem Umfang sich der/die Eigentümer bzw der Unternehmer selbst an der Finanzierung und am Risiko des Unternehmens beteiligt. Je höher die Eigenkapitalquote, desto besser ist in der Regel die Bonität des Unternehmens, geringer ist die Gefahr einer Insolvenz, größer ist die Fähigkeit künftigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, größer ist die Fähigkeit unerwartete Risiken oder künftige Verluste abdecken zu können ( Risikopuffer ), geringer ist die Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern. Maßnahmen zur Verbesserung: Eigenkapital zuführen (zb Gesellschafterzuschüsse, Einlagen). Künftige Ausschüttungen bzw Entnahmen ( Gewinnthesaurierung ) reduzieren. Den Bestand an Vorräten und Forderungen ( Working Capital Management ) vermindern. Das Forderungsmanagement verbessern (Forderungsausfälle vermeiden etc). Hinweis Eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote bzw Eigenkapitalausstattung führt unter sonst gleichen Bedingungen zu einer geringeren Eigenkapitalrendite. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Kapital nicht optimal eingesetzt ist (Veranlagung am Kapitalmarkt ist unter Umständen günstiger). Praxistipp Eine Eigenkapitalquote von weniger als 8 % ist eines von zwei Warnsignalen, die gemäß dem Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) auf einen Reorganisationsbedarf hindeuten. Dieser Umstand sollte umgehend der Geschäftsführung zur Kenntnis gebracht werden, da die Organe der Geschäftsführung eine persönliche Haftung treffen kann. ➋ Gesamtkapitalrentabilität Formel: Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen durchschnittliches Gesamtkapital x 100 In der Praxis wird das durchschnittliche Gesamtkapital vereinfacht meist als Summe der Bilanzsummen zum Beginn und zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres dividiert durch zwei berechnet (= [Anfangsbestand + Endbestand] / 2). Natürlich kann das durchschnittlich eingesetzte Kapital auch genau auf Basis von unterjährigen Monats- oder Quartalsbilanzen errechnet werden. 27

30 Rechnungswesen & Steuern Aussagekraft: Die Gesamtkapitalrentabilität gibt die Verzinsung des insgesamt im Unternehmen eingesetzten Kapitals (Eigen- und Fremdkapital) an. Da die individuelle Finanzstruktur dabei keine Rolle spielt, ist die Kennzahl sehr gut für Unternehmensvergleiche geeignet. Ist die Gesamtkapitalrentabilität (zb 9 %) höher als der Zinssatz für Fremdkapital (zb 5,5 %) wirkt sich die Aufnahme von Fremdkapital in der Regel günstig für das Unternehmen aus und erhöht die Eigenkapitalrentabilität ( Leverage- Effekt ) und das Jahresergebnis. Ist hingegen die Gesamtkapitalrentabilität niedriger als der Fremdkapitalzins, dann ist dies als Warnsignal zu sehen, da die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital die Eigenkapitalrendite und das Jahresergebnis vermindern wird (Fremdkapitalkosten sind größer als die Rendite für das aufgenommene Kapital). Maßnahmen zur Verbesserung: Die Umsatzrentabilität verbessern ➌ ➌ Umsatzrentabilität Formel: Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) Umsatzerlöse x 100 Aussagekraft: Die Umsatzrentabilität drückt die Ertragskraft des Unternehmens aus und misst den verbleibenden Erfolgsbeitrag je Umsatz. Die Kennzahl ist unabhängig von der Kapitalausstattung und sowohl für einen Unternehmensvergleich (innerhalb der jeweiligen Branche) als auch für einen Mehrjahresvergleich (Unternehmensentwicklung) gut geeignet. Je höher die Umsatzrentabilität, desto besser ist die Ertragskraft des Unternehmens, höher ist die Gesamtkapitalrentabilität. Maßnahmen zur Verbesserung: Die Verkaufspreise erhöhen. Die Deckungsbeiträge verbessern. Forcieren von profitablen Unternehmensleistungen (Produkte bzw Dienstleistungen). Focus auf Rentabilität (nicht Umsatzwachstum) legen. Kostensenkungsprogramme ( Cost Cutting ). Die Einkaufskonditionen optimieren und die Einstandspreise senken (Verhandlung mit wesentlichen Lieferanten). Die Effizienz der eingesetzten Ressourcen steigern (zb Personal, Produktionsanlagen etc). Outsourcen kostenintensiver Unternehmensbereiche. 28

31 Special Der Weg zum Bilanzbuchhalter NEU RWP 2007/13, 29 Mit ist das neue, vieldiskutierte Bilanzbuchhaltergesetz (BibuG) in Kraft getreten. Darin werden die Berufe der Selbständigen Buchhalter (SBH, Kammer der Wirtschaftstreuhänder) und der Gewerblichen Buchhalter (GBH, Wirtschaftskammer) zusammengeführt und vereinheitlicht. Für bestehende SBH und GBH wurden Übergangsbestimmungen für den Übertritt zum Bilanzbuchhalter samt Anrechnungsmöglichkeiten für in der Vergangenheit absolvierte Kurse, Ausbildungen etc geschaffen. Neu gegründet wurde die Paritätische Kommission, die als zentrale Behörde für den Bilanzbuchhalter NEU zuständig ist. Ihre Aufgabe ist unter anderem die Bestellung, die Abnahme der erforderlichen Fachprüfung und die Entscheidung über Befreiungen bzw Anrechnungen für die Fachprüfung. BibuG: Zwecks besserer Orientierung geben wir an dieser Stelle einen kurzen Überblick über den Aufbau des BibuG: 1 Bilanzbuchhaltungsberufe: Bilanzbuchhalter, Buchhalter, Personalverrechner 2 Berechtigungsumfang Bilanzbuchhalter: Abgrenzung der erlaubten Tätigkeiten 3 5 Berechtigungsumfang Buchhalter, Personalverrechner, Sonstiges 6 Öffentliche Bestellung Anerkennung: Bestellung und Anerkennung durch die Paritätische Kommission Natürliche Personen 7 11 Allgemeine Voraussetzungen: allgemein, besondere Vertrauenswürdigkeit, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse, Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, Berufssitz Prüfung: Zulassung, Fachprüfung Bilanzbuchhalter 24 Prüfungsbefreiungen Fachprüfungen Buchhalter und Personalverrechner, Prüfungsausschüsse, Beurteilung, Verlauf Bestellungsverfahren Gesellschaften 54 Kammern der gewerblichen Wirtschaft Kammer der Wirtschaftstreuhänder Anerkennungsverfahren Rechte und Pflichten: Ausübungsrichtlinie, Berufsbezeichnung, Aufträge und Bevollmächtigung, Werkverträge, Verschwiegenheitspflicht, Provisionen, Ruhen der Befugnis, Meldepflichten Suspendierung Endigung Verwertung 89 Verwaltungsübertretung 90 Disziplinarrecht Paritätische Kommission 96 Pflichtmitgliedschaft Schlussbestimmungen: Inkrafttreten, Übergangsbestimmungen, Verweisungen, staatliche Zwischenvereinbarungen, Vollziehung 29

32 Special Kammerzugehörigkeit: Der Bilanzbuchhalter muss sich in seinem Antrag auf Bestellung zum Bilanzbuchhalter entscheiden, welcher Kammer er künftig angehören möchte. Es besteht die Möglichkeit die Kammermitgliedschaft jährlich zu wechseln. Zu beachten ist, dass für SBH, die bis zum nicht die Voraussetzungen für den Bilanzbuchhalter nach BibuG erfüllen, die Mitgliedschaft in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder mit diesem Tag endet und in eine Mitgliedschaft bei der Wirtschaftkammer übergeht. Ab können somit nur mehr Bilanzbuchhalter NEU der Kammer der Wirtschaftstreuhänder angehören. Die Aufnahme des Berufes als Selbständiger Buchhalter oder Gewerblicher Buchhalter ist nur bis möglich. Danach werden keine neuen Berufsbefähigungen mehr vergeben. Berufsbezeichnung im geschäftlichen Verkehr Unselbstständige Bilanzbuchhalter Unterschiede aus der Kammerzugehörigkeit ergeben sich unter anderem in folgenden Punkten: KWT Bilanzbuchhalter/in drei Arten der Mitgliedschaft: Selbstständig/Ruhend/Unselbstständig Provisionsgeschäfte verboten erlaubt Weiterbildung zum Steuerberater Mitgliedschaft erforderlich nicht möglich Versicherung KV: Wahlmöglichkeit zwischen GSVG/ASVG/UNIQA PV: steuerlich absetzbare Pensionsvorsorge WKO zutreffende Berufsbezeichnung wählbar automatisch Unternehmertum und damit selbstständig ( ruhend Meldung möglich) Pflichtversicherung in der GSVG Übergangsbestimmungen gemäß 98 Abs 5 und 6 BibuG: Für Selbständige Buchhalter und Gewerbliche Buchhalter regelt 98 Abs 5 und 6 die Erleichterungen bzw Befreiungen von der erforderlichen Fachprüfung beim Übertritt zum Bilanzbuchhalter. Unter folgenden Voraussetzungen Fristen für die Ausnahmeanträge beachten! sind SBH und GBH von der Fachprüfung zum Bilanzbuchhalter befreit: Dipl. Steuersachbearbeiter (KWT) Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Ausbildung erfolgte nach dem Bilanzbuchhalter (Institute der AK, ÖGB, WK) Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Befreiung über Antrag gem 98 BibuG bis spätestens möglich Dipl. Steuersachbearbeiter (KWT) Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Ausbildung erfolgte vor dem Bilanzbuchhalter (Institute der AK, ÖGB, WK) Personalverrechnung > 130 UE à 45 min 30

33 Special PLUS 20 UE à 45 min Buchhaltung und Erstellung Jahresabschlüsse 10 UE à 45 min Kostenrechnung 10 UE à 45 min Grundzüge Steuerrecht 10 UE à 45 min Personalverrechnung 50 UE à 45 min Weiterbildung in Summe Befreiung über Antrag gem 98 BibuG bis spätestens möglich nach dem Je nachdem, wann welche Ausbildung absolviert wurde, sind Weiterbildungsmaßnahmen im nachfolgend dargestellten Umfang zu absolvieren: Ausbildung erfolgte vor dem Ausbildung erfolgte nach dem PLUS Dipl. Steuersachbearbeiter (KWT) Bilanzbuchhalter (Institute der AK, ÖGB, WK) 20 UE à 45 min Buchhaltung und Erstellung Jahresabschlüsse 10 UE à 45 min Kostenrechnung 10 UE à 45 min Grundzüge Steuerrecht 40 UE à 45 min Weiterbildung in Summe Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Befreiung über Antrag gem 98 BibuG bis spätestens möglich nach dem Für den umgekehrten Fall gilt Folgendes: Ausbildung erfolgte vor dem Ausbildung erfolgte nach dem Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Personalverrechnung > 130 UE à 45 min Dipl. Steuersachbearbeiter (KWT) Bilanzbuchhalter (Institute der AK, ÖGB, WK) PLUS 10 UE à 45 min Personalverrechnung in Summe nach dem Befreiung über Antrag gem 98 BibuG bis spätestens möglich Diese Übergangsbestimmungen gelten nur bis Danach ist die Fachprüfung mit der Möglichkeit der Anrechnung von vergleichbar anerkannten Prüfungen abzulegen. Anrechnungsmöglichkeit nach 24 BibuG: Sie möchten zum Bilanzbuchhalter bestellt werden und fallen nicht in obiges Befreiungsschema? Für diesen Fall besteht die Möglichkeit sich bestimmte Kurse oder Ausbildungen bei der Fachprüfung anrechnen zu lassen. So können sich etwa ausgebildete Bilanzbuchhalter/Steuersachbearbeiter (keine Ausbildung in Personalverrechnung) den Buchhaltungs- und Rechnungswesen-Teil der Fachprüfung über eine Anrechnung der bereits absolvierten Ausbildung bzw Prüfung ersparen. In diesem Fall sind die Fachprüfungen Personalverrechnung schriftlich und mündlich und Berufsrecht mündlich nachzuholen. Alternativ besteht die Möglichkeit eine Personalverrechnerausbildung (mind 130 UE) abzuschließen. In diesem Fall ist nur die mündliche Fachprüfung Berufsrecht abzulegen. Weiters besteht die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Studiums absolvierte Kurse für die Fachprüfungen anrechnen zu lassen. Auch für SBH und GBH in Ausbildung, welche bereits Teilprüfungen abgelegt haben und überlegen auf die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter umzusteigen, ist eine Anrechnung der bereits abgelegten Prüfungen möglich. 31

34 help-rw.at Sind Anrechnungsmöglichkeiten gegeben, ist ein Antrag gemäß 24 BibuG einzureichen. Dieser wird von der Kommission individuell geprüft und im Einzelfall entschieden, welche Kurse und Prüfungen genau angerechnet werden und welche Fachprüfungen noch abgelegt werden müssen. Surftipp Wo kann ich die Übergangsbestimmungen genau nachlesen? Was genau darf ich als Bilanzbuchhalter machen? Für jene, die es genau wissen wollen das Gesetz findet man in voller Länge auf der Website der Paritätischen Kommission unter Gesetzestext BiBu. Auf der Seite (Wirtschaftskammer) werden ebenfalls Neuigkeiten, Anträge und weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt. Und auch der Bundesverband der österreichischen Bilanzbuchhalter mit dem sehr aktiven und von uns sehr geschätzten Präsidenten Wilhelm Budai informiert umfangreich auf seiner Homepage Zusammenfassung Das BibuG sieht bis Befreiungen von der Fachprüfung vor. Auf Antrag kann bis zu diesem Datum unter den oben beschriebenen Voraussetzungen eine Fachprüfung vermieden werden. Danach ist die Fachprüfung nach dem BibuG zu absolvieren. Es besteht jedoch die Möglichkeit der Anrechnung von vergleichbar anerkannten Prüfungen. help-rw.at RWP 2007/14, 32 Wir sehen es als unsere Hauptaufgabe an, Ihnen die Tagesarbeit im Rechnungswesen zu erleichtern. Um dies zu erreichen, geben wir Ihnen in dieser Rubrik Seminar-, Buch- und Linkempfehlungen. Nützen Sie diese Hilfsmittel und Sie werden die täglichen Herausforderungen, die Ihnen Ihr Job abverlangt, besser und rascher bewältigen können. Unser Buchtipp Das UGB Orac Audioskriptum Autor: ao. Univ.-Prof. Dr. Alfons Grünwald Verlag: LexisNexis ARD Orac ISBN: Preis: 14,- (40 Seiten + MP3-Files) Wer mit den Begriffen Podcast oder Hörbuch vertraut ist und eine komfortable Möglichkeit sucht, sich beim Sport oder auf dem Arbeitsweg kurz und prägnant mit den Eckpunkten des neuen UGB vertraut zu machen, der sollte sich das neue Orac Audioskriptum Das UGB von Alfons Grünwald genauer ansehen. Die 10 Audiodateien einfach auf Ihren MP3-Player laden und die bekannte ORF-Stimme Martin Loew-Cadonna bringt Sie in knapp zwei Stunden Gesamtspieldauer auf angenehme Art und Weise auf den aktuellen Rechtsstand. Am Ende jedes der 10 Kapitel bilden zusammenfassende Fragen den Abschluss. Die Antworten dazu findet man neben übersichtlichen Graphiken und Zusatzinformation im 40-seitigen Booklet. Dieses erhalten Sie in allen Buchhandlungen oder unter wo Sie auch die Audiodateien (Zip-File) downloaden können. Unser Urteil: Ein innovatives Produkt, das überzeugt und bereits Aufnahme in unsere Audio-Bibliothek gefunden hat. 32

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