IFB / Führungsinformationen I Finanzierungslehre Skript zur Vorbereitung auf die eidg. Diplomprüfung für Wirtschaftsinformatiker II

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1 IFB / Führungsinformationen I Skript zur Vorbereitung auf die eidg. Diplomprüfung für Wirtschaftsinformatiker II Autor: Thomas Schmitt c/o Icontel AG Stockerstrasse Zürich Tel: Fax: Mobile: Zürich, November 2001, Version 1.43

2 1. Inhaltsverzeichnis / Lernziele 1.1. Inhaltsverzeichnis 1. Inhaltsverzeichnis / Lernziele Inhaltsverzeichnis Literaturverzeichnis Ziele Themen Handlungsziele Finanzierung Systematisierung der Finanzierungsarten Einteilung nach Mittelherkunft Aussenfinanzierung Innenfinanzierung Einteilung nach Kapitalhaftung Eigenfinanzierung Fremdfinanzierung Finanzpolitik Risikogerechte Finanzierung Grundsatz einer risikogerechten Finanzierung Unternehmerrisiken Risikomanagement Langfristige Dimension der Finanzpolitik Übersicht Finanzierungsgrundsätze Sicherheit Liquidität Rentabilität Leverage-Effekt Shareholder Value Unabhängigkeit Wachstum Flexibilität Finanzimage Instrumente Mittel Kurzfristig Dimension der Finanzpolitik Bonität Begriff Kreditfähigkeit Kreditwürdigkeit Persönliche Kreditwürdigkeit Wirtschaftliche Kreditwürdigkeit Bonitätsprüfung Statische Bonitätsprüfung Dynamische Bonitätsprüfung Ausgewählte Prüfungsverfahren CCCCC Rating-Agenturen Das Rating der Credit Suisse Rating bei Hypothekarkrediten Liquiditätspolitik Cash-Cycle Vertiefungsaufgaben zum Cash-Cycle Cash-Flow direkte Methode indirekte Methode Liquiditätswirksamer Warenertrag Liquiditätswirksamer Warenaufwand Betriebs-/Unternehmens-Cash-Flow Brutto-/Netto-Cash-Flow Repetition...22 Skript /ts Version 1.43 Seite: 2/52

3 4. Finanzierungssubstitute Factoring Definition Funktionen Konditionen Formen Echtes Factoring (Non-Recourse-Factoring) Unechtes Factoring (Recourse-Factoring) Standard-Factoring Maturity-Factoring Notifiziertes Factoring Nicht Notifiziertes Factoring Kritik Forfaitierung Elemente Leasing Einteilung nach Verpflichtungscharakter Operating Leasing Financial Leasing Einteilung nach dem Vermietungsobjekt Einteilung nach Ablauf Einteilung nach Leasinggeber Einteilung nach Rückzahlungsumfang Vollamortisationsverträge Teilamortisationsverträge Beurteilung Steuerliche Zurechnung Handelsrechtliche Bilanzierung von Leasing-Verträgen Beurteilung Leasing Berechnung von Leasingraten Übungsaufgaben Kreditsubstitute Budgetierung Budgetfunktionen Budgetierungsansätze Budgetierungsgrundsätze Grundsatz der Vollständigkeit Grundsatz der Einheit des Budgets Grundsatz der Zentralisation Grundsatz der Durchsichtigkeit Grundsatz der Genauigkeit des Budgets Grundsatz der Spezialisierung des Budgets Grundsatz der Periodizität Grundsatz der materiellen Bedeutung und Wirtschaftlichkeit Finanzielle Budgetierung Der Absatzplan Der Beschaffungsplan Der Gemeinkostenplan Der Erfolgsplan (Budget) Beispiel Budgetierung Aufgabenstellung: Absatzplan Beschaffungsplan Gemeinkostenplan Budget Übungsaufgaben Test Geldflussrechnung Aufgabe Geldflussrechnung Aufgabe Finanzplan Lösung Test Geldflussrechnung Lösung Aufgabe Geldflussrechnung Lösung Aufgabe Finanzplan Testfragen Lösungen Testfragen...52 Skript /ts Version 1.43 Seite: 3/52

4 1.2. Literaturverzeichnis Autor(en) Titel Verlag Prochinig, Urs: Mittelflussrechnung Verlag des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes Thommen, Jean-Paul: Eisenhut, Peter: Kampfer, Hannes: Teuscher, Heinz: Weilenmann, Paul: Nüsseler Anton: Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre Einführung in die Finanzbuchhaltung Planungsrechnung in der Unternehmung Versus Verlag AG, Zürich Staatskunde Verlag E. Krattinger AG Verlag des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes Dickey Terry: Grundlagen der Budgetierung Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Wien Skript /ts Version 1.43 Seite: 4/52

5 1.3. Ziele Nachvollziehen der Auswirkungen von Finanzierungsmethoden auf grundlegende betriebliche Entwicklungen Stellenwert der Liquiditätsplanung in einer Unternehmung erkennnen Abschätzen von Gefahren und Chancen die mit verschiedenen Finanzierungsmodellen verbunden sind 1.4. Themen Finanzierung Finanzierungsarten Finanzpolitik Bonität Liquiditätspolitik Cash Cycle Cash Flow Geldflussrechnungen Finanzplanung Finanzierungssubstitute Budgetierung 1.5. Handlungsziele Die im folgenden Raster mit! bezeichneten Handlungsziele gem. Ausführungsbestimmungen 1996/2 sollen mit diesem Themenbereich zumindest teilweise abgedeckt werden. 3.1 Aktuelle Lage und Veränderungen in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft bestimmen und Handlungsbedarf für Unternehmen und Verwaltung aufzeigen a b c d e Die für die Informatik relevanten Rechtsnormen anwenden!" " " " " Service Level Agreements (SLA) gestalten und vereinbaren " " " " " 3.2 Unternehmensfunktionen und Prozessketten gestalten a b c d e Den Unternehmenswandel gestalten " " " " " Branchenspezifische, betriebswirtschaftliche Lösungen bewerten und anwenden "!" " " " Das finanzielle und betriebliche Rechnungswesen als Führungsinstrument anwenden "!" " " " 3.3 Die in Unternehmensbereichen anfallenden Informationen übergreifend gestalten Die einen betrieblichen Geschäftsprozesse begleitenden Informationen übergreifend gestalten a b c d e!" "!" " " Führungsinformationen einer Unternehmung entwerfen!"!"!"!"!" Einen E-Commerce-Prozess gestalten " " " " " Skript /ts Version 1.43 Seite: 5/52

6 2. Finanzierung 2.1. Systematisierung der Finanzierungsarten Einteilung nach Mittelherkunft Aussenfinanzierung Unter Aussenfinanzierung werden diejenigen Kapitalzuflüsse zusammengefasst, die von aussen über den Kapital- oder Kreditmarkt der Unternehmung zur Verfügung gestellt werden Innenfinanzierung Bei der Innenfinanzierung wird Kapital durch betriebliche Leistungserstellung bereitgestellt. - Kapitalfreisetzung aus Verflüssigung des Anlagevermögens Durch Verkauf von Anlagevermögen (Desinvestition) kann auch kurzfristig ein Liquiditätszufluss realisiert werden. Es ist jedoch auf die Problematik der Kapazitätsreduktion hinzuweisen, die sich durch derartige Methoden einstellen kann (vgl. auch 'sale and lease back'). - Zurückbehaltung von erzieltem Gewinn Durch Reduktion der Gewinnausschüttung können Mittel in der Unternehmung zurückbehalten werden (Selbstfinanzierung). Dies kann aber den dividendenpolitischen Zielsetzungen widersprechen. - Finanzierung aus Abschreibungen Der daraus entstehende Kapitalfreisetzungs- oder Kapazitätserweiterungseffekt (vgl. auch 'Lohmann-Ruchti-Effekt') tritt auf, wenn die aus Abschreibungswerten zurückfliessenden Mittel nicht zweckgebunden zur Ersatzbeschaffung reinvestiert werden müssen. Diese Mittel können für Erweiterungsinvestitionen verwendet werden. Während mehreren Jahren soll jährlich eine neue Maschine beschafft werden, bis 6 Maschinen im Einsatz sind. Jede Maschine kostet Fr. 30' und wird innert 6 Jahren linear abgeschrieben. Wie hoch ist der maximale Bedarf an Aussenfinanzierung, und wann fällt er an, wenn die getätigten Abschreibung reinvestiert werden können? (Die Investitionen fallen am Jahresanfang an, die Abschreibungen am Jahresende!) Jahre FINANZIERUNGSBEDARF 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 - Abdeckung durch Aussenfinanzierung 30'000 25'000 20'000 15'000 10'000 5' Kumulierte Aussenfinanzierung 30'000 55'000 75'000 90' ' ' ' ' ' ' ' '000 - Abdeckung durch Abschreibungen 0 5'000 10'000 15'000 20'000 25'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 Abschreibungsfonds nach Finanzierung Abschreibungen Maschine A 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 Abschreibungen Maschine B 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 Abschreibungen Maschine C 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 Abschreibungen Maschine D 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 Abschreibungen Maschine E 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 Abschreibungen Maschine F 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 5'000 JAEHRLICHE ABSCHREIBUNGEN 5'000 10'000 15'000 20'000 25'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 Abschreibungsfonds vor Finanzierung 5'000 10'000 15'000 20'000 25'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 30'000 Skript /ts Version 1.43 Seite: 6/52

7 Einteilung nach Kapitalhaftung Eigenfinanzierung Unter Eigenfinanzierung fällt dasjenige Kapital, das von den Eigentümern bereitgestellt wird (Aktienkapital, Stammeinlage, Grundkapital) Fremdfinanzierung Kapital, das aussenstehende Drittpersonen (juristische oder natürliche) bereitstellen, wird unter dem Titel Fremdfinanzierung zusammengefasst Finanzpolitik Risikogerechte Finanzierung Grundsatz einer risikogerechten Finanzierung Je risikoreicher die Geschäftstätigkeit einer Unternehmung ist, desto höher muss der Eigenfinanzierungsgrad sein Unternehmerrisiken Risiken Beschreibung Absicherung Marktrisiko Absatzprobleme durch Mode- oder Technologieänderungen Grundrisiko der Unternehmung, keine technische Absicherung möglich Erfolgsrisiko Gewinneinbruch infolge veränderter Konkurrenzsituation, Konjunkturabschwung, Grundrisiko der Unternehmung, keine technische Absicherung möglich Rezession Illiquiditätsrisiko Zahlungsunfähigkeit Absicherung durch Kreditlimiten, Bürgschaften Überschuldungsrisiko schrumpfende Eigenmitteldeckung Grundrisiko der Unternehmung, Absicherung durch gesunde und vorausschauende Finanzpolitik Übernahmerisiko unfreundliche Übernahme Grundrisiko der Unternehmung, Absicherung durch Kurspflege der eigenen Produktionsausfallrisiko Produktionsstillsand infolge technischer Probleme Aktien an den verschiedenen Börsen Abdeckung durch Versicherungen, SLA s mit Lieferanten, Backup- Systemen Diebstahlrisiko Entwendungen durch Mitarbeiter oder Dritte technische Absicherung durch Versicherungspolicen Elementarschadenrisiko Feuer, Wasser technische Absicherung durch Versicherungspolicen Delkredererisiko Verlust von ausstehenden Kundenforderungen politisches Risiko Zins-, Aktienkurs-, Wechselkursrisiko Verluste durch politische und gesetzliche Veränderungen Veränderungen im Finanz- und Kapitalmarkt Grundrisiko der Unternehmung, Absicherung durch seriöse und laufende Bonitätsprüfung, durch Factoring und durch Rückstellungen Absicherung Forfaitierung oder Exportrisikogarantie-Versicherungen Absicherung durch Finanzderivate Risikomanagement Die Unternehmensleitung kann sich nicht gegen alle finanz- und leistungswirtschaftlichen Unternehmungsrisiken absichern. Es gibt zum einen Risiken, die jede Unternehmung selbst tragen muss wie z.b. Markt- und Erfolgsrisiken und zum anderen wäre eine vollständige Absicherung gegen alle denkbaren Risken sehr kostenintensiv. Einige Risiken lassen sich durch Fremd- oder Eigenversicherung (Rückstellungen) abdecken. Bei anderen Risiken kann der Einsatz von Finanzderivaten vorgesehen werden. Das Risikomanagement einer Unternehmung muss insgesamt versuchen, einen optimalen Umgang mit den finanz- und leistungswirtschaftlichen Risiken zu finden Langfristige Dimension der Finanzpolitik Skript /ts Version 1.43 Seite: 7/52

8 Übersicht Finanzierungsgrundsätze Finanzierungsgrundsätze Sicherheit Liquidität Rentabilität Unabhängigkeit Wachstum Flexibilität Finanzimage Sicherheit Die Sicherheit ist das entgegengesetzte Entscheidungkriterium der Rentabilität und bezeichnet das Verlustrisiko einer finanzwirtschaftlichen Massnahme. Die goldene Bilanzregel besagt, dass das langfristig gebundene Vermögen (Anlagevermögen) mit langfristigem Kapital (Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital) zu finanzieren ist. Eine risikogerechte Finanzierung wird erreicht durch ausreichend Eigenkapital, Verwendung von Finanzderivaten (Hedging), Versicherungsprodukte, Forfaitierung oder Factoring Liquidität Die Liquidität ist abhängig vom Zeitraum, in welchem Zahlungsmittel in Vermögensposten gebunden sind (self liquidating period) und von der Möglichkeit, Vermögensposten vor Ablauf deren 'self liquidating period' zu liquidieren. Hierbei ist aber ein allfälliger Mindererlös (Disagio, shiftability) einzubeziehen. Liquidität = Möglichkeit den Zahlungsverpflichtungen in jedem Zeitpunkt uneingeschränkt nachkommen zu können => Liquiditätsbestand ist von Zahlungsverpflichtungen abhängig. Liquidität <=> Rentabilität. Liquiditätsmassnahmen und Rentabilitätsziele provozieren grundsätzlich Zielkonflikte. Liquidität stellt ein Zeitpunktproblem, Rentabilität ein Zeitdauerproblem dar. Skript /ts Version 1.43 Seite: 8/52

9 Rentabilität Leverage-Effekt Eine rentabilitätsoptimale Finanzierung wird erreicht durch Beschaffung von kostengünstigem Fremdkapital um den Leverage-Effekt positiv ausnützen zu können und der Reduktion von liquiden Mitteln (Cash-Management). Beispiel Leverage-Effekt: Bilanz Firma A UV=60 AV=40 FK=70 EK=30 Bilanz Firma B UV=60 AV=40 FK=30 EK=70 Reingewinn = 10 Reingewinn = 10 Leverage-Effekt 60% EK-Rendite in % 50% 40% 30% 20% 10% 0% Anteil EK Gründe gegen zu hohen Fremdfinanzierungsgrad: hohe Abhängigkeit von Kapitalmarkt und Gläubiger kündbares Kapital Zinsrisiko Abnahme der Kreditfähigkeit Zunahme der Liquiditätsbelastung durch Zins- und Rückzahlungspflicht Skript /ts Version 1.43 Seite: 9/52

10 Aufgabe 1: Leverage-Effekt Ein Investor kauft eine Renditenliegenschaft für 4.2 Mio. Franken. Der Eigenkapitalanteil beträgt 20%, der Rest wird durch die Bank zum Zinssatz von 4,75% finanziert. Die Nettorendite auf der Liegenschaft beträgt 5,5%. Berechnen Sie die Eigenkapitalrendite. Aufgabe 2: Leverage-Effekt Ein Investor plant die Investition von Fr. 2.6 Mio. Eigenkapital in eine Renditenliegenschaft. Er kalkuliert mit einer marktüblichen Nettorendite auf Liegenschaften von 5,75%. Eine Bank finanziert zum Zinssatz von 4,5%. Wie hoch ist das geplante Gesamtinvestitionsvolumen in die Liegenschaft, wenn er eine Minimalrendite auf dem Eigenkapital von 7,5% erzielen will. Aufgabe 3: Leverage-Effekt Eine Unternehmung weist eine Bilanzsumme con CHF 10 Mio. und einen Eigenfinanzierungsgrad von 40% aus. Der Gewinn vor Abzug der Fremdkapitalzinsen beträgt im Abschlussjahr CHF 1 Mio., die Verzinsung des Fremdkapitals erfolgte im Mittel zu 6%. a) Berechnen Sie die Gesamtkapitalrendite b) Berechnen Sie die Eigenkapitalrendite c) Berechnen Sie die Eigenkapitalrendite, wenn der Fremdfinanzierungsgrad c1) auf 40% gesenkt wird c2) auf 80% erhöht wird d) Berechnen Sie die Eigenkapitalrendite, wenn beim Eigenfinanzierungsgrad von 40% der Fremdkapitalzinssatz d1) auf 12% ansteigt d2) auf 4% sinkt Skript /ts Version 1.43 Seite: 10/52

11 Lösung Aufgabe 1: Leverage-Effekt Nettoertrag I inetto = 4'200' = 231'000 = 0 Fremdzinsen = FK ikk = 3'360' = 159'600 Ertrag auf Eigenkapital = Nettoertrag - Fremdzinsen = 231' '600 = Ertrag auf Eigenkapital Eigenkapitalrendite = EK R = = Eigenkapital Betrag Rendite Ertrag Eigenkapital 840' % 71'400 Fremdkapital 3'360' % 159'600 Gesamtkapital 4'200' % 231'000 71' '000 = 8,5% Lösung Aufgabe 2: Leverage-Effekt Gesamtertr ag = (EK + FK) inetto = EK iek + FK ifk (2'600'000 + FK) 0,0575 = 2'600'000 0,075 + FK 0, ' ,0575 FK = 195' ,045 FK 0,0125 FK = 45'500 FK = 3'640'000 Investitio nsvolumen = EK + FK = 2'600' '640'000 = 6'240'000 Lösung Aufgabe 3: Leverage-Effekt a) Gesamtkapitalrendite = 1' / 10' = 10.0% b) Eigenkapitalrendite = (1'000' '000) / 4'000'000 = 16.0% c1) Eigenkapitalrendite = (1'000' '000) / 6'000'000 = 12.7% c2) Eigenkapitalrendite = (1'000' '000) / 2'000'000 = 26.0% d1) Eigenkapitalrendite = (1'000' '000) / 4'000'000 = 7.0% d2) Eigenkapitalrendite = (1'000' '000) / 4'000'000 = 19.0% Skript /ts Version 1.43 Seite: 11/52

12 Shareholder Value Durch die Globalisierung der Finanz und Gütermärkte hat der Leistungsdruck auf die Unternehmungen stark zugenommen. Gleichzeitung hat eine Emanzipation der Investoren stattgefunden. Primär institutionelle Anleger (bspw. Grossanleger, Pensionskassen) verlangen von den Unternehmungen eine nachhaltig hohe Rendite des investierten Kapitals. Daher sind die Unternehmungen gezwungen, eine hohe Wertschöpfung anzustreben, um langfristig genügend und kostengünstiges Kapital beschaffen zu können. Eine Unternehmungkann daher langfrtistig nur überleben, wenn es eine konkurrenzfähige Eigenkapitalrendite (Return on Equity) erzielt. Der Shareholder Value-Ansatz beurteilt die Leistung der Unternehmungsleitung primär an den finanziellen Zielgrössen wie Gesamtkapitalrendite (ROI, Return on Investment) und Eigenkapitalrendite (ROE, Return on Equity). Die Berechnung des Shareholder Value einer Unternehmung basiert auf der Free Cash Flow- (FCF) oder der Economic Value Added-Methode (EVA) Unabhängigkeit Beteiligungsfinanzierung kontra Fremdfinanzierung. Je höher der Fremdfinanzierungsanteil in einer Unternehmung, desto höher ist die Abhängigkeit von den Kreditgebern. Es kann die Situation entstehen, dass Fremdkapitalgeber bezüglich Unternehmensentscheidungen Aufgaben der Eigenkapitalgeber wahrnehmen (formell oder informell). Mitspracherechte der Kapitalgeber (Informationspflicht). Sicherheiten (Verpfändungen von Anlagevermögen), welche die unternehmerische Verfügungsgewalt einengen 1. Eine unabhängigkeitsbewahrende Finanzierung auch in bezug auf verschiedene Eignergruppen kann durch Massnahmen wie hoher Selbstfinanzierungsgrad, vinkulierte Namenaktien, Stimmrechtsaktien, Partizipationsscheine, Genusscheine, Poolverträge oder Going Private erreicht werden Wachstum Eine wachstumsorientierte Finanzierung bedingt gute Eigen- und Fremdkapitalquellen sowie einen hohen Selbstfinanzierungsgrad Flexibilität Es wird auf eine flexible Finanzierung geachtet, beispielsweise durch die Möglichkeit, Kreditlimiten rasch anzupassen Finanzimage Eine publizitätsgerechte Finanzierung kann durch gezielt PR-Massnahmen, die Publikation von entsprechenden Bilanzbildern und die Ausrichtung des Finanzgebahrens erreicht werden. Für Publikumsgesellschaften mit einem hohen Finanzbedarf, der nur über die nationalen und internationalen Finanzmärkte abgedeckt werden kann, ist ein ausgezeichnetes Finanzimage von existentieller strategischer Bedeutung. Folgende Instrumente und Mittel helfen, das Finanzimage zu pflegen: 1 An einer Börse kotierte Wertschriften, die als liquide Mitteln aufgeführt sind (Liqu I), werden als Sicherheit für einen langfristigen Kredit verpfändet und dadurch bezüglich ihrer Realisierbarkeit rechtlich eingeschränkt. Dadurch kann sich die Liquiditätssituation einer Unternehmung nachhaltig verändern. Skript /ts Version 1.43 Seite: 12/52

13 Instrumente Bilanzpolitische Massnahmen durch Publikation einer gläsernen Bilanz Dividendenpolitische Massnahmen durch bspw. hohe Pay-out-Ratio Positives Aktionärsverhältnis durch faire Informationspolitik Optimal positives Verhältnis o zu Wissenschaft und Forschung (Universitäten, Fachhochschulen etc.) o zur Presse (Public Relations) o zu Banken (Kreditpolitik) o zum Staat (Steuererleichterungen, Infrastrukturunterstützung, Verfahrenserleichterungen) Mittel Geschäftsberichte Pressekonferenzen offene Information Inserate Fernsehpräsenz Internetauftritt Kurzfristig Dimension der Finanzpolitik Zu den kurzfristigen finanzpolitischen Massnahmen gehört eine ausgebaute Liquiditätsplanung. Instrumente dazu bilden Umlaufsvermögens-Disposition, Cash-Management und Finanzplan. Skript /ts Version 1.43 Seite: 13/52

14 2.3. Bonität Begriff Kreditfähigkeit Rechtliche Fähigkeit, als Kreditnehmer auftreten zu können (Vertragsfähigkeit, Vertretungsbefugnis). Die Kreditfähigkeit hängt von äusseren Faktoren (bspw. Stellung im Betrieb) und nicht von der persönlichen Integrität ab Kreditwürdigkeit Persönliche Kreditwürdigkeit Persönliche Vertrauenswürdigkeit des Kreditnehmers (Charakter, Ehre etc.). Die Beurteilung der persönlichen Kreditwürdigkeit erfordert Kenntnisse über die Person des Kreditnehmers selber und dessen individuellem Umfeld Wirtschaftliche Kreditwürdigkeit Ertragskraft und Qualität der vom Kreditnehmer zur Verfügung gestellten Sicherheiten (Problematik der Mehrfachverpfändungen etc.) Bonitätsprüfung Informationsbeschaffung mittels Unterlagen des Kreditnehmers, Berichten von Auskunfteien (Novinform etc.) und Banken. Benötigte Unterlagen zur Beurteilung eines Kreditantrages: - Letzte Jahresbilanzen (Steuerbilanzen) und Erfolgsrechnungen, sowie Revisionsberichte. - Zwischenbilanz zum Zeitpunkt des Kreditantrages. - Handelsregisterauszüge, Grundbuchauszüge. - Gesamtmarktwirtschaftliche Zahlen (Umsatzentwicklung, Marktstellung, Marktanteil). - Finanzpläne, Budgets. - Aufstellung über Sicherheiten, evtl. über andersweitig bestehende Verpflichtungen Statische Bonitätsprüfung Ueberprüfung der angebotenen Kreditsicherheiten anhand von Bilanzanalyse, Vermögensstruktur, Finanzierungsregeln, Liquiditätskennzahlen etc Dynamische Bonitätsprüfung Beurteilung anhand zukünftigen Erfolgsaussichten (Ertragskraft) des Kreditnehmers. Skript /ts Version 1.43 Seite: 14/52

15 Ausgewählte Prüfungsverfahren CCCCC Die 'CCCCC'-Methode (Character, Capacity, Capital, Collateral, Conditions) stammt aus den USA und umfasst die zentralen Bereiche einer seriösen Kreditprüfung. - Character Persönliche Integrität des Kreditsuchenden. - Capacity Fähigkeit der Geschäftsführung. - Capital Eigenkapitalausstattung. - Collateral Mögliche Sicherheiten. - Conditions Allgemeine Entwicklungsmöglichkeit der Unternehmung Rating-Agenturen Kleines Banklexikon Das «AaaBC» für Anleger Man begegnet ihm oft bei der Lektüre von wirtschaftlichen Texten und Investoren sind bei der Einschätzung des Risikos ihrer Transaktionen darauf angewiesen. Die Rede ist hier vom Rating, d.h. von der qualitativen Bewertung von Unternehmen. Die von den Bewertungsagenturen vergebenen Noten gelten als Massstab für ihre Bonität. Im Bankenrating gibt die Bonitätsstufe Aufschluss über die Qualität der Bank und ihren Grad der Sicherheit, den von ihr garantierten Verpflichtungen nachzukommen. Die Skala der Bewertungen reicht vom höchsten Sicherheitsgrad, ausgedrückt durch das vielbegehrte AAA (Triple A), bis hin zur Konkursgefährdung, auf welche die Klassierung C bzw. D hinweist. Internationale Bewertungsagenturen nehmen die Aufgabe wahr, das «ABC» zu formulieren und die Unternehmen ihrer Geschäftsqualität entsprechend einzustufen. Die beiden amerikanischen Firmen «Moody's» und «Standard & Poor» sowie die in London ansässige «IBCA» (International Bank Credit Analysis) gehören zu den bekanntesten ihrer Art, wobei sich die von ihnen verteilten Prädikate in der Form ihrer Schreibweise leicht voneinander unterscheiden (vgl. Tabelle). Das Rating dient als Massstab für die Kreditwürdigkeit einer Unternehmung und als Hilfsmittel, um neue Kreditnehmer in den Markt einzuführen. Kapitalanlegern ermöglicht die Bewertung, sich eine Übersicht über die Qualität bestehender Gesellschaften zu verschaffen. Institutionellen Anlegern dient sie als Risikobarometer bei der Einschätzung der Emittenten. Im weiteren übt das Rating auch einen massgebenden Einfluss aus auf das Anrecht eines Unternehmens, sich an der Börse kotieren zu lassen. Skript /ts Version 1.43 Seite: 15/52

16 Wenn Grossinstitute um Noten betteln Wertpapier-Bewertungsinstitute in den USA werden für Finanzmärkte immer wichtiger Die fortschreitende Globalisierung der Finanzmärkte bewirkt, dass die in den USA übliche Bewertung von Wertpapieren und ihrer Emittenten auch in Europa mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Angesichts der Anzahl der Unternehmungen und Körperschaften, die Geld am Kapitalmarkt aufnehmen wollen, sind die Investoren auf systematische Benotungen angewiesen, um die Risiken einschätzen zu können. VON PIERRE WEILL, NEW YORK Moody's und Standard & Poor's (S&P), die zwei bedeutendsten Bewertungsinstitute, können in extremen Fällen durch ihre Benotung sogar die weitere Existenz eines Unternehmens in Frage stellen. Wenn die Analysten nämlich zum Schluss kommen, dass die betreffenden Unternehmen sich finanziell nicht in gutem Zustand befinden, erhält der Emittent schlechte Ratings (vgl. Kasten). Dies bewirkt wiederum, dass die Gesellschaft höhere Zinsen für ihre Obligationen zahlen muss. Diese zusätzlichen Zinskosten können für Unternehmen, die sich bereits in Schwierigkeiten befinden, existenzbedrohend sein. Dies vor allem deshalb, weil die Noten grundsätzlich etwas über ein Unternehmen aussagen und für die Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Besitzer der Gesellschaft als Signal wirken. Moddy's Entscheid, die Bewertung der CS First Boston zu überprüfen, führte beispielsweise mit zu einer schnellen Umstrukturierung der Investmentfirma mit der Mehrheitsbeteiligung der CS Holding. Duales Bewertungssystem John Moody gründete Moody's Investors Service um die Jahrhundertwende und führte wenig später die Bewertung von Wertpapieren ein. Seit Anfang der 20er Jahre bewertete Moody's auch internationale Emittenten. Gesamthaft lassen sich heute weltweit über 4000 Firmen durch Moody's und S&P benoten. Die zwei Institute sind eigentlich Konkurrenten, doch gilt die Devise «Leben und leben lassen», da sich das duale System eingespielt hat. Grundsätzlich lassen sich Unternehmen von beiden Bewertungsfirmen durchleuchten, da zwei Meinungen sicherer sind als eine und auch die Investoren sich lieber auf zwei unabhängige Expertisen abstützen. US-Kapitalmarkt wäre ohne Bewertung nicht funktionsfähig «Der US-Kapitalmarkt wäre ohne Bewertungsinstitute nicht funktionsfähig», erklärt Susan Abbott von der Abteilung für multinationale Unternehmen bei Moody's am Hauptsitz in New York. Diese Aussage macht sie nicht nur, weil sie die Interessen ihres Arbeitgebers vertritt, sondern weil die Bewertungsinstitute in den USA tatsächlich nicht mehr wegzudenken sind. So können zahlreiche institutionelle Anleger, wie Versicherungen oder Anlagefonds, gar nicht in gewisse Obligationen investieren, wenn die Emittenten nicht eine gewisse Mindestnote erhalten haben. Zudem ist die Anzahl der Gesellschaften auf dem Kapitalmarkt USA so gross, dass kein Individuum sich eine Übersicht verschaffen kann. «Wir sind eine Dienstleistung für die Kapitalanleger und versuchen zu beantworten, wie hoch das Kreditrisiko für die Investoren liegt», umschreibt David Stimpson, Pressesprecher von Moody's, das Ziel des Unternehmens. Auf Herz und Nieren geprüft Wenn ein Unternehmen Wertpapiere auf den Markt bringen will, gibt das Management den Bewertungsinstituten den Auftrag, sie zu durchleuchten und zu benoten. Zwei bis drei Analysten untersuchen die Firma. Dabei führen sie Gespräche mit der Geschäftsleitung und erhalten vertrauliche Informationen über Absichten, Ziele und über die finanzielle Situation eines Unternehmens. Dabei wird die jüngste Entwicklung des Unternehmens bewertet, werden die langfristigen Unternehmensstrategien untersucht, sowie finanzwirtschaftliche und bilanzpolitische Aspekte geprüft. Die untersuchte Gesellschaft versucht, sich von der besten Seite zu verkaufen, doch ist sie selbst daran interessiert, dass sie nur richtige Informationen weitergibt, da Falschinformationen katastrophale Folgen für ein Unternehmen hätten, falls dies publik würde. Umgekehrt behandeln Moody's und auch S&P vertrauliche Informationen mit der nötigen Diskretion. Kommission gibt Noten Nach Abschluss der Studie setzt bei Moody's eine Bewertungskommission die Ratings fest. Die Kommission besteht u. a. aus jenem Analysten, der primär für die Gesellschaft zuständig ist und auch das Analystenteam geleitet hat, seinem Chef, zumindest im Range eines Associate Director sowie den Leitern der verschiedenen Abteilungen (Industrie, finanzielle Institutionen, Dienstleistungen). Einer Bewertungskommission gehören je nachdem 5 bis 13 Leute an. Nachdem sie den Entscheid gefällt hat, ruft der verantwortliche Analyst die Firma an und teilt ihr das Resultat mit. Falls sie einverstanden ist oder aber keine völlig neuen Fakten liefern kann, die eine Korrektur rechtfertigen würden, wird die Bewertung innerhalb von dreissig Minuten der Öffentlichkeit bekannt gemacht. «Gewöhnlich sind die bewerteten Unternehmen mit den Noten einverstanden, auch wenn sie gegenüber den Medien andere Ansichten vertreten», erklärt Susan Abbott. Wiedererwägungen von Entscheiden sind sehr selten. Da müsste ein Unternehmen schon mit einer sensationellen Enthüllung kommen. Die Bewertungsinstitute beschäftigen vorwiegend Leute, die bereits über eine gewisse Erfahrung bei institutionellen Anlegern oder in der Industrie verfügen. Strenge Vorschriften verunmöglichen praktisch Insiderfälle. «Unsere Mitarbeiter sind eher akademisch interessiert, Geld spielt für sie nicht die gleiche Rolle wie für Investmentbankers», sagt Abbott. Moody's beschäftigt 190 Analysten und über 100 Statistiker, die Daten auswerten. Je näher die europäischen Länder kommen, um so bedeutender werden Bewertungsinstitute auch auf dem alten Kontinent. Zwar bestehen bereits solche Institute in Europa, doch die Branchenleader sind die zwei US-Firmen Moody's und S&P. Moody's und Standard & Poor's Bewertungssystem Aaa, AAA: Wertschriften von hoher Qualität. Emittenten sind aussergewöhnlich stabil. Aa, AA: Wertschriften von hoher Qualität. Langfristig leicht höheres Risiko. Baa, BBB: Wertschriften der mittleren Qualität. Sicherheit scheint für die Gegenwart gewährleistet, doch langfristig ist sie ungewiss. Ba, BB Wertschriften mit spekulativem Element. Mässige Auszahlungssicherheit. Caa, CCC: Wertschriften von geringerem Niveau. Emittent ist oder gerät in Verzug. Ca, CC: Hochspekulative Wertschriften. Oft in Verzug. D Tiefste Bewertung. In Verzug, nicht anlagewürdig. (Quelle: Tages-Anzeiger) Skript /ts Version 1.43 Seite: 16/52

17 «Moody's», «Standard & Poor» und «IBCA»: Drei Bewertungssysteme im Vergleich Die Schreibweisen der beiden letzten ist identisch. Aaa; AAA: Aa; AA: Beste Qualität; Emittenten sind aussergewöhnlich stabil. Wertschriften von hoher Qualität. Langfristig leicht höheres Risiko. A; A: Obligationen verfügen über hohe Bonitätsattribute, die jedoch durch äussere Einflüsse politischer oder konjunktureller Art beeinträchtigt werden können. Baa; BBB: Ba; BB: Wertschriften der mittleren Qualität. Sicherheit scheint für die Gegenwart gewährleistet, doch langfristig ist sie ungewiss. Wertschriften dieser Kategorie haben spekulative Elemente. Die Bedienung der Schuld scheint nur gesichert, wenn das konjunkturelle Umfeld stabil bleibt bzw. besser wird. B; B: Die Charakteristiken für ein dauerhaftes Investment sind nicht vorhanden. Die Sicherheit der Schuldenbedienung während einer langen Periode ist klein. Caa; CCC: Ca; CC: Wertschriften von geringem Niveau. Der Emittent ist oder gerät in Verzug. Hochspekulatives Element. Derartige Titel werden oft notleidend. C; C: Sehr geringe Wahrscheinlichkeit, vollständig bedient zu werden. -; D: (nur «Standard & Poor»): Tiefste bewertung. Nicht anlagewürdig. Innerhalb der Kategorien werden die Abstufungen manchmal noch verfeinert. So können bei «Moody's» die Qualitätsnoten mit Zahlen zwischen 1 und 3 auf- oder abgewertet werden. Bei «Standard & Poor's» und «IBCA» erfüllen Plus- und Minuszeichen diese Funktion. Skript /ts Version 1.43 Seite: 17/52

18 Das Rating der Credit Suisse Die Credit Suisse stuft kommerzielle Kunden in einem Schema mit acht Risikoklassen ein. Risikoklassen Credit Suisse vergleichbares Rating Moody s Beschreibung geringes Risiko R1 Aaa Kurz- und mittelfristig äusserst stabil; langfristig sehr stabil; zahlungsfähig auch bei schwersten ungünstigen Entwicklungen. R2 Aa1 Aa2 Aa3 Kurz- und mittelfristig sehr stabil; langfristig stabil; Rückzahlungsquellen auch bei anhaltenden ungünstigen Entwicklungen genügend. R3 A1 A2 A3 Kurz- und mittelfristig auch bei grösseren Schwierigkeiten zahlungsfähig; langfristig können kleine ungünstige Entwicklungen aufgefangen werden. mittleres Risiko R4 R5 Baa1 Baa2 Baa3 Ba1 Ba2 Ba3 Kurzfristig sehr stabil, innert eines Jahres sind kreditgefährdende Änderungen nicht zu erwarten; mittelfristig genügend Substanz, um überleben zu können; langfristige Entwicklung noch unsicher. Kurzfristig stabil, innert eines Jahres sind kreditgefährdende Änderungen nicht zu erwarten; mittelfristig können nur kleine ungünstige Entwicklungen aufgefangen werden. hohes Risiko R6 B1 B2 B3 Weitere ungünstige Entwicklungen können bereits innert Monaten zu Kreditverlust führen. R7 Caa Ca C Kreditverluste (Kapital und/oder Zinsen) sind mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten. R8 Kreditverluste (Kapital und/oder Zinsen) müssen angenommen werden, d.h., es besteht Rückstellungsbedarf; weitere ungünstige Entwicklungen führen direkt zum Kreditverlust Rating bei Hypothekarkrediten Einige Kantonalbanken verwenden für die Risikobeurteilung folgendes Rating-System: Beurteilungskriterien Anzahl Betreibungen innerhalb der letzten drei Jahre Dauer der Bankbeziehung Lebensstil des Kreditnehmers Berufliche Entwicklung Finanzielle Planung Risikoklassen sehr gut gut genügend ungenügend keine eine zwei bis drei mehr als drei mindestens sechs Jahre drei bis fünf Jahre eins bis zwei Jahre sparsam angepasst aufwändig verschwenderisch steile Karriere grosszügige Reserven vorhanden gute stabile Position realistische Planung keine Entwicklung absehbar oberflächliche Planung neu unsichere Perspektiven unrealistisches Budget Eigenmitteleinsatz über 40% 30% bis 40% 20% bis 30% unter 20% Tragbarkeit unter 20% 20% bis 30% 30% bis 35% unter 35% Eigenmitteleinsatz: Anteil Eigenmittel im Verhältnis zum Kaufpreis. Tragbarkeit: Eigenheimkosten (Zinsen, Amortisation, Nebenkosten) in % des verfügbaren Einkommens. Skript /ts Version 1.43 Seite: 18/52

19 3. Liquiditätspolitik 3.1. Cash-Cycle der Wareneingang die Kreditorenzahlung Vorfinanzierungsspanne Debitorenzahlungsfrist t 3 t 4 t 1 t 2 Kreditorenzahlungsfrist der Warenausgang die Debitorenzahlung Vertiefungsaufgaben zum Cash-Cycle Aufgabe 4: Cash-Cycle Produktionsbetrieb Zeichnen Sie eine Cash-Cycle mit Einbezug einer Produktionsdauer und explizitem Ausweis der Lagerdauer. Aufgabe 5: Vorfinanzierungszeitspanne Berechnen Sie die Vorfinanzierungszeitspanne eines Warenhandelsbetriebes anhand folgender Werte: Mittlere Kreditorenzahlungsfrist: 40 Tage Mittlere Lagerdauer: 25 Tage Mittlere Debitorenzahlungsfrist: 30 Tage Aufgabe 6: Cash-Cycle Berechnen Sie die Vorfinanzierungszeitspanne eines Produktionsbetriebes anhand folgender Werte: Mittlere Kreditorenzahlungsfrist: 30 Tage Mittlere Lagerdauer: 10 Tage Mittlere Produktionsdauer: 60 Tage Mittlere Debitorenzahlungsfrist: 45 Tage Aufgabe 7: Debitorenzahlungsfrist Die Vorgabe des Konzern begrenzt die mittlere Debitorenzahlungsfrist auf maximal 40 Tage. Wird dieses Ziel von Betrieb A erreicht, wenn von folgenden Zahlen ausgegangen wird: Verkaufsumsatz (Warenertrag zu Verkaufspreisen) 20.0 Mio. Franken Debitorenbestand Jahresanfang: 1.7 Mio. Franken Debitorenbestand Jahresende: 2.3 Mio. Franken Skript /ts Version 1.43 Seite: 19/52

20 Lösung Aufgabe 4: Cash-Cycle Produktionsbetrieb Materialeinkauf Beginn Produktion Ende Produktion Warenverkauf Lagerdauer Eingang Produktionsdauer Lagerdauer Ausgang Debitorenzahlungsfrist Kreditorenzahlungsfrist Vorfinanzierungsspanne Bezahlung der Kreditoren Einzahlung der Debitoren Lösung Aufgabe 5: Vorfinanzierungszeitspanne Mittlere Lagerdauer + Mittlere Debitorenzahlungsfrist - Mittlere Kreditorenzahlungsfrist = 25 Tage + 30 Tage - 40 Tage = 15 Tage Lösung Aufgabe 6: Cash-Cycle Mittlere Lagerdauer + Mittlere Debitorenzahlungsfrist + Mittlere Produktionsdauer - Mittlere Kreditorenzahlungsfrist = 10 Tage + 45 Tage + 60 Tage - 30 Tage = 85 Tage Lösung Aufgabe 7: Debitorenzahlungsfrist 1.7 Mio Mio. Debitorenumschlag = 20.0 Mio. / = 10 Mal 2 Mittlere Debitorenzahlungsfrist = 360 Tage / 10 Mal = 36 Tage => Konzernvorgabe wird erreicht. Skript /ts Version 1.43 Seite: 20/52

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