DSAG im Dialog Von Industrie 4.0 bis Internet der Dinge: Standpunkte, Herausforderungen, Potenziale

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1 DSAG im Dialog Von Industrie 4.0 bis Internet der Dinge: Standpunkte, Herausforderungen, Potenziale Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.v. STAND NOVEMBER 2014

2 2 DSAG im Dialog Von Industrie 4.0 bis Internet der Dinge: Standpunkte, Herausforderungen, Potenziale VERSION 1 STAND: NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe

3 3 COPYRIGHT 2014 DSAG E.V. HINWEIS: Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt (Copyright). Alle Rechte liegen, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei: DEUTSCHSPRACHIGE SAP ANWENDERGRUPPE E.V. Altrottstraße 34 a Walldorf Deutschland Fon: +49 (0) Fax: +49 (0) Internet: DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Jedwede unerlaubte Verwendung ist nicht gestattet. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen/digitalen Medien.

4 4 VORWORT Sehr geehrte Damen und Herren, liebe DSAG-Mitglieder, die zunehmende Digitalisierung verändert unser Leben jeden Tag ein wenig mehr. Sei es unser Drang nach ständig verfügbaren Informationen oder Aktionen in sozialen Netzen: Dank Internet, zig unterschiedlichen Portalen und Cloud-Angeboten ist dies inzwischen jederzeit und fast überall machbar. Oder betrachten wir die neuen Modelle der Share Economy geteilter Wohnraum, geteilter Parkplatz, geteiltes Fahrzeug, auch hier ist bereits einiges in Bewegung. Selbst individualisierte Produkte sind inzwischen verfügbar, der Kunde und seine Wünsche stehen nun endlich im Mittelpunkt. Und somit befinden wir uns alle in einem permanenten Wandel unseres persönlichen, aber auch unternehmerischen und produktiven Handelns, wobei Letzteres vielfach zusammengefasst wird unter dem vielschichtigen Begriff Industrie 4.0. SO VIELSCHICHTIG SO KOMPLEX SO SCHNELL SO EINFACH SO VIELVERSPRECHEND Dieser gemeinsame Nenner treibt uns an, bringt Bewegung in uns und unsere gewohnten Abläufe, Produktionshallen, Unternehmen und Universitäten. Industrie 4.0 schärft aber auch unseren Blick für die Zukunft und für den weltweiten wirtschaftlichen Erfolg als Global Player damit Deutschland auch weiterhin in der ersten Liga spielt. Dabei führt uns Industrie 4.0 direkt zum Internet of Things (IoT), in eine Welt, in der alles und jeder miteinander vernetzt ist. Denn die Digitalisierung greift in jeder Branche, nichts und niemand wird vor der Tür stehen gelassen vorausgesetzt, man hält sie offen und ist offen für Neues. So vielschichtig: Industrie 4.0 wird zumeist noch auf die Produktion reduziert, ein definitiv elementarer Bestandteil. Aber: Industrie 4.0 geht viel weiter, über Prozess- und Wertschöpfungsketten, bekannte Unternehmensgrößen und selbst über Kundenwünsche hinweg. Der Begriff Massenfertigung erhält einen neuen, einen vielschichtigen Klang, denn individuelle Fertigung bis hin zur Losgröße 1 wird machbar. Endlich sind wir so weit: Der Kunde steht im Mittelpunkt und das Produkt ist Teil einer Endto-End-Wertschöpfungskette. Was wir nicht vergessen dürfen: Industrie 4.0 ist auch nicht weniger als eine Transformation, die unsere Welt auf den Kopf stellen und die Geschäftswelt verändern wird. In dieser Welt sprechen Geräte und Maschinen miteinander, vernetzte Objekte durchlaufen ihre Fertigung autonom, organisieren sich bedarfsorientiert selbst und unterstützen letztlich uns Menschen dabei, produktiver, effizienter, günstiger und schneller zu sein. Der Mensch wird dabei zum Impulsgeber, der im Zweifelsfall nach wie vor korrigierend eingreifen muss. So komplex: Komplex, aber trotzdem produktiver, effizienter, günstiger und schneller: Möglich machen das bisher ungeahnte Prozessveränderungen durch den Einsatz neuer Technologien. In Pilotprojekten testen einige Unternehmen bereits, was möglich ist und was Sinn macht: Wie etwa die frühzeitige Bereitstellung von Informationen, die notwendige Eingriffe und Reparaturen rechtzeitig anstoßen und Smart Services Realität werden lassen. Oder wie sich die Produktivität in der Fertigung weiter steigern lässt, wie man Kunden, Hersteller und Lieferanten am besten in die Wertschöpfungsketten integriert, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

5 5 Für die angedachten Transformationen reicht allerdings ein Facelifting bestehender IT-Architekturen und -Prozesse nicht aus. So benötigen wir zunächst passgenaue und innovative IT-Anwendungen mit vollintegrierten, umfassenden SAP-Standardlösungen, um die Übergangsphase zu gestalten. Danach müssen wir uns allerdings darauf einstellen, das Rad wirklich neu zu erfinden, um all die neuartigen Geschäftsmodelle mit ihren einschneidenden Veränderungen umsetzen zu können und damit den entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu bekommen. Begriffe wie Real-Time- Schnittstellen für Echtzeit-Systeme wie etwa SAP HANA und Cloud-Lösungen werden dabei eine andere Bedeutung erhalten, als dies in den derzeit noch vorrangig klassischen IT-Landschaften der Fall ist. Anforderungen an das Monitoring von Prozessen, Systemen und Daten sowie deren Compliance-Tauglichkeit müssen ebenfalls noch ausgearbeitet werden. So schnell: Industrie 4.0 zwingt uns also, umzudenken und Neues zu wagen. Weg von bestehenden, lang geschätzten Prozessen und Lösungen, hin zum nächsten Schritt in der industriellen Evolution: zur Evolustry, der Evolution of Industry, und den daraus resultierenden neuen Geschäftsmodellen. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass derartige Veränderungen nicht immer direkt auf Zustimmung stoßen werden. Sondern dass auch rege und manchmal kontrovers über Positionen, Standpunkte und Wege diskutiert werden wird, ja sogar verhandelt werden muss. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist automatisch auch tatsächlich umsetzbar sei es, weil unter Umständen Projekte bereits am Laufen sind oder Diskussionen zum Business Case trotz Bedarf nicht neu aufgenommen werden. DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Schon frühzeitig hat die DSAG begonnen, derartige Veränderungen und Themen zu begleiten. Mit mehr als Personen aus Mitgliedsunternehmen bilden wir ein herausragendes Netzwerk mit umfassendem Prozess- und IT-Wissen, kurz gesagt: Wir sind ein stark aufgestellter Knowledge-Hub, der mitgestaltet und dabei unterstützt, den Übergang und die Praxis für unsere Mitglieder so einfach und so reibungslos wie nur möglich zu machen. So einfach: Was also sind die nächsten konkreten Schritte? Damit Unternehmen Industrie-4.0-ready werden, müssen vorhandene Applikationen und Standardkomponenten rasch weiterverbessert, neue Lösungen entwickelt, Serviceangebote ausgebaut sowie der Dialog mit den Anwendern verstärkt werden. Nur dann erhalten wir die Anwendungen und IT-Architekturen, die wir auch wirklich brauchen, stabil und flexibel genug, um alle diese neuen Unternehmensanforderungen zu bedienen. Dazu ist allerdings eine gute Vorarbeit erforderlich, auch seitens SAP. Gerade im deutschsprachigen Raum mit seiner Bestandskundenbasis bilden vorhandene SAP-Systemlandschaften die Ausgangsbasis für entsprechende Zukunftsprojekte. Die Art und Weise, wie Unternehmen künftig Produkte, Services oder Wartungsmodelle anbieten werden, wird hier eine entscheidende Rolle spielen. Daneben gilt es, übergreifende Themen wie Standards für den Datenaustausch, Compliance oder IT-Security für die Absicherung der komplett softwaregesteuerten Prozessketten nicht aus den Augen zu verlieren. Hier erwarten wir von SAP und deren Partnern starkes Engagement und Antworten, da diese wichtigen Themen nicht alleine von den Anwendern gelöst werden können. Wir stehen jederzeit bereit, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und noch offene Fragen zu diskutieren, denn das Ziel ist für uns alle dasselbe: Made in Germany, egal ob Maschine, Produkt oder Service, ganz weit oben auf der globalen Industrie-4.0-Treppe zu platzieren.

6 6 VORWORT Absolut sinnvoll und ein Muss ist es aber auch, den Menschen dabei nicht aus den Augen zu verlieren, sondern ihn mitzunehmen und auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten was auch bedeutet, den Themen Aus- und Weiterbildung entsprechend Raum zu geben. So vielversprechend: Industrie 4.0 oder welchen Begriff man dafür auch nehmen mag steht nicht nur vor der Tür. Industrie 4.0 hat schon lange fest den Fuß darin und beeinflusst bereits heute unsere Geschäftswelt. Jetzt gilt es, durchdacht zu starten und handfeste Business Cases mit eindeutigem Mehrwert und Vorbildcharakter festzuzurren, von welchen viele Anwender und Branchen profitieren können. Damit Sie, liebe Mitglieder, von den zahlreichen Veränderungen und Entwicklungen durch Industrie 4.0 profitieren, setzt sich die DSAG kontinuierlich bei SAP für die Anwender ein: Damit Industrie 4.0 auch wirklich fliegt und bestehende Geschäftsprozesse nicht nur einfach verschlankt und als Innovation verkauft werden. Das vorliegende E-Book soll Ihnen zeigen, was wir als DSAG innerhalb verschiedener Arbeitskreise und im externen Umfeld bereits tun und noch tun werden. Wo wir Herausforderungen sehen, und was wir von SAP erwarten. Wo einzelne Anwender und Mitglieder mit dem Thema schon stehen und was in Zukunft noch kommen wird: Denn am Ende ist Industrie 4.0 ganz einfach und ungeheuer vielversprechend also lassen Sie es uns einfach machen! Otto Schell Vorstand Branchen/Geschäftsprozesse der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.v.

7 INHALTSVERZEICHNIS VORWORT 4 PIERRE AUDOIN CONSULTANTS: AUSWIRKUNGEN DES INTERNETS DER DINGE AUF DIE UNTERNEHMENSSOFTWARE 8 VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE: DIE FRAGE IST: WIE GEH ICH S AN? 13 ARBEITSKREIS FERTIGUNG: DAS HENNE-EI-PRINZIP: ERST DER BUSINESS CASE ODER DIE ERKENNTNIS? 17 7 DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. ARBEITSKREIS INSTANDHALTUNG/SERVICEMANAGEMENT: INDUSTRIE 4.0 BRAUCHT ERSTENS STANDARDS UND ZWEITENS MUTIGE ANWENDER 20 ARBEITSGRUPPE CAD-INTEGRATION: DAS MENSCH-MASCHINE-SYSTEME-GEWERK 25 ARBEITSKREIS AUTOMOTIVE: ES DREHT SICH ALLES UM SMART OBJECTS 28 ARBEITSKREIS ENERGIEVERSORGER: INDUSTRIE 4.0 IN DER ENERGIEWIRTSCHAFT: INNOVATION OHNE KUNDENNACHFRAGE? 32 SAP: DIE MACHBARKEIT IST EINE FRAGE DER ZEIT 40 PRAXISBEISPIEL SIEGFRIED AG: ES KNACKT IM GEBÄLK 43 WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN 46

8 8 PAC-FACHBEITRAG: AUSWIRKUNGEN DES INTERNETS DER DINGE AUF DIE UNTERNEHMENSSOFTWARE In a nutshell > Das Internet der Dinge wird als Basistechnologie Prozesse und Wertschöpfung in vielen verschiedenen Branchen beeinflussen. > Unternehmen sollten sich mit der Überarbeitung und Anpassung ihrer bewährten Geschäftsmodelle beschäftigen, um die Potenziale dieser Technologie voll ausschöpfen zu können. > Firmen benötigen Unternehmenssoftware, die sich flexibel und zeitnah an sich ändernde Anforderungen seitens der Prozesse und Geschäftsmodelle anpassen lässt. Definition Pierre Audoin Consultants (PAC) definiert das Internet der Dinge als die Weiterführung des klassischen Internets, wobei physische, bisher passive Objekte an das Internet angebunden und in die Lage versetzt werden, untereinander und mit Backend-Systemen aktiv zu kommunizieren. Diese sogenannten Cyber Physical Systems sind dabei in der Lage, sowohl Daten als auch Anweisungen zu erheben, zu erhalten, zu verarbeiten und weiterzugeben. Dabei stellt aus Sicht von PAC das Internet der Dinge jedoch keinen eigenen Markt dar. Ähnlich wie das Internet an sich, ist auch das Internet der Dinge als Basistechnologie zu verstehen. Im Vergleich zum etablierten Internet muss das entstehende Internet der Dinge mit einem höheren Volumen an Kommunikation und Daten zurechtkommen. Anwendungsfälle für das Internet der Dinge finden sich überall entlang der betrieblichen Wertschöpfungskette: im Produktionsprozess, im Endprodukt oder in nachgelagerten Dienstleistungen. Wo und in welcher Form das Internet der Dinge eingesetzt wird, ist aktuell Thema der Strategieplanungen vieler Unternehmen. Dies zeigt, dass es die Transformation von physischen Gütern hin zu digitalen Dienstleistungen weiter vorantreiben wird. Durch die Nutzung dieser Technologie verändern sich etablierte Branchen. Beispiele hierfür sind bereits vielfach in der Wirtschaft zu finden, sei es im Umfeld der Energieversorgung das Thema Smart Meter/Smart Grids, in der Medizintechnologie bei der Entwicklung von Herzschrittmachern, in der Konsumgüterindustrie bei der Entwicklung von intelligenten Kleidungsstücken oder in der Automobilbranche das Thema Connected Car. Solche Innovationen sind nicht zuletzt deshalb möglich, weil die technologischen Bausteine des Internets der Dinge mittlerweile ausgereift und zu wirtschaftlich vernünftigen Rahmenbedingungen am Markt verfügbar sind.

9 9 Sensoren KI Security Big Data Cloud Connectivity Mobility Security Cyber- Physische Systeme Horizontale Integration Vertikale Integration Mensch- Maschine- Interfaces ERP MES/PLM Big Data Analytics Mobility Schnittstellen Neue Rollen & Prozesse DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. In allen diesen Bereichen liegen ausgereifte Technologien und Lösungen vor, sodass die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen vor allem in der effektiven Integration dieser Bausteine zu finden sind. Veränderung der Geschäftsmodelle Die Potenziale des Internets der Dinge entfalten sich entweder, indem die Produktionsprozesse durch Automatisierung effizienter gestaltet werden oder durch Erhöhung des Mehrwerts für den Endkunden durch eine bessere Customer Experience, wodurch sich weitere Vertriebspotenziale (höhere Preise, Service-Gebühren, Cross-Selling, Up-Selling) erschließen lassen. Je nach Branche und Unternehmenstyp beeinflusst und verändert der Einsatz des Internets der Dinge die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle. Eine vergleichbare Entwicklung ließ sich bereits vor über 20 Jahren mit dem Aufkommen des klassischen Internets beobachten. Die Basistechnologie eines weltweiten Computernetzwerks ermöglichte Innovationen in Form von E-Commerce und digitalen Inhalten und veränderte nachhaltig ganze Industriezweige, vom Verlagswesen, der Buch- und Musikindustrie bis hin zum klassischen Einzelhandel (das Sterben der Warenhäuser ist zum Teil auch eine Konsequenz der breiten Nutzung des Internets) oder zum Tourismus. Durch die Marktreife der Technologien, auf denen das Internet der Dinge basiert, steht heute der nächste Innovationssprung an, der eine nachhaltige Auswirkung auf unterschiedlichste Branchen haben wird. Wie diese aussehen kann, soll am nachfolgenden Beispiel dargestellt werden. Die kundenspezifische Massenfertigung galt lange Zeit als schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Durch eine zunehmende Modularisierung von Produkten und Produktionssystemen gelingt jedoch die effiziente Individualisierung der Fertigung. Somit können spezifische Kundenwünsche und Bedürfnisse im industriellen Rahmen zu wirtschaftlichen Preisen berücksichtigt werden. Die Automobilindustrie ist bei dieser Umsetzung schon recht weit, bedenkt man die Vielzahl der Modelle und den Variantenreichtum der Hersteller. Auch Textilwarenhersteller erlauben zunehmend ihren Kunden, das Design der gefertigten Waren zu bestimmen.

10 10 PAC-FACHBEITRAG: AUSWIRKUNGEN DES INTERNETS DER DINGE AUF DIE UNTERNEHMENSSOFTWARE Das Internet der Dinge wird die Modularisierung von Produkten und Prozessen nun weiter vorantreiben. Ein Zielszenario der Automobilindustrie ist beispielsweise die autonome Fertigung, in der sich zu produzierende Fahrzeuge selbstständig innerhalb eines Produktionsclusters bewegen können. Ein solches Szenario ließe sich anschließend auf Branchen (beispielsweise den Maschinenbau) übertragen, die in den Umrüstzeiten ihrer Fertigungsstraßen heute einen wesentlichen Kostentreiber sehen. Dies wird aktuell unter dem Titel Industrie 4.0 in Deutschland diskutiert. Auswirkungen auf Unternehmensprozesse Um die neuen Möglichkeiten durch das Internet der Dinge zu nutzen, müssen Unternehmen ihre Prozesse anpassen. Dies gilt ganz besonders dann, wenn das Internet der Dinge in den internen Abläufen genutzt wird, beispielsweise in der Produktion. Nach Ansicht von PAC wird das Internet der Dinge einen sehr starken Einfluss auf den Maschinenund Anlagenbau sowie auf die Elektronik- und Hightech-Branche haben. In beiden Industriesegmenten lassen sich die Technologien sowohl für die Optimierung und Automatisierung der Produktionsprozesse als auch zur Veredelung und Erweiterung der hergestellten Produkte verwenden. Außerdem ist in beiden Branchen bereits heute deutlich die Entwicklung vom Produkt hin zum Service zu erkennen, die durch das Internet der Dinge potenziell noch gefördert wird. Eine ebenfalls starke Auswirkung erwartet PAC in der Automobilbranche sowie bei Energieversorgern. Während im innovationsgetriebenen Automobilsektor das Internet der Dinge die Konvergenz von Kommunikation und Mobilität weiter vorantreiben wird und von einer weiteren Automatisierung der Produktionsprozesse auszugehen ist, sind es im Umfeld der Energieversorger vor allem die Themen Smart Meter/Smart Grid, die einen hohen Mehrwert für die Kunden und vor allem für das operative Geschäft der Unternehmen versprechen. Teilweise Ansatzpunkte für das Internet der Dinge sieht PAC in den Branchen Avionik, Verteidigung, Textilherstellung, Papiererzeugung sowie im Transportsektor. Hier sind die Anwendungsfälle spezifischer und betreffen das Kerngeschäft zum Teil nur mittelbar. Dagegen sieht PAC in der Pharmaindustrie, der Chemiebranche sowie im Lebensmittelsektor im Moment noch geringe Einsatzmöglichkeiten für das Internet der Dinge. Einzelne Anwendungsfälle sind allerdings durchaus denkbar, beispielsweise in der Steuerung und Wartung von großen Chemieanlagen. Auswirkungen auf Unternehmenssoftware So variantenreich wie die Einsatzgebiete in den einzelnen Branchen sind die Auswirkungen des Internets der Dinge auf die Softwarelandschaft der Unternehmen und nachgelagerte IT-Dienstleistungen. Dabei haben die einzelnen Technologien und Themenfelder des Internets der Dinge wie etwa Mobility, Analytics, Geräte-Interaktionen sowie End-User-Schnittstellen jeweils unterschiedlich starken Einfluss auf die Softwarelandschaften. Eine Spezifikation lässt sich am besten entlang der einzelnen Module/Bausteine einer betrieblichen Unternehmenssoftware aufzeigen:

11 11 Modul Einfluss Beispiele FI geringer Einfluss Durch die Veränderung von Geschäftsmodellen können auch neue/geänderte Anforderungen an Funktionalitäten der Finanzbuchhaltung gestellt werden. CRM starker Einfluss Neue Formen der Interaktion mit dem Kunden erfordern neuartige CRM-Lösungen, die beispielsweise auch Auswertungen von Maschinendaten erfassen können, sowie nachgelagerte Services. PLM sehr starker Einfluss Neue Methoden des Softwaredesigns und der Entwicklung werden zur Herstellung von intelligenten softwaregestützten Produkten notwendig sein. Ebenso werden neue Kunden-Produkt-Schnittstellen benötigt. Dies erfordert neuartige PLM-Werkzeuge und Dienstleistungen. DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. MRP sehr starker Einfluss Der Anwendungsfall eines autonomen Fertigungsprinzips wird einen neuartigen MRP-Ansatz notwendig machen und entsprechende Dienstleistungen fördern. SCM starker Einfluss Eine durchgehende Transparenz der Supply Chain über alle Dienstleister und Lieferanten hinweg wird immer notwendiger werden. Das Internet der Dinge wird Teil einer solchen Supply Chain werden. SRM geringer Einfluss Lieferanten-Management wird wichtiger werden, aber wohl keine neuen Softwarekonzepte erforderlich machen. MES sehr starker Einfluss Das MES-System ist das Kernstück einer IT-gestützten Fertigung und wird mit am stärksten durch das Internet der Dinge beeinflusst werden. Hierbei ist eine Entwicklung in zwei Richtungen möglich: MES-Systeme können die ERP-Systeme der Zukunft werden oder in ihnen aufgehen. BI mittelstarker Einfluss Das Internet der Dinge wird neue Datentypen und größere Datenvolumina generieren. BI-Systeme werden verstärkt ERP-Events anstoßen, sodass ihre Bedeutung in diesem Kontext zunehmen wird. HCM voraussichtlich kein Einfluss MIDDLEWARE sehr starker Einfluss Middleware wird verstärkt Aufgaben im Umfeld der Datenintegration, des Datenmanagements und der Anbindung an Lösungen (vertikal und horizontal) wahrnehmen.

12 12 PAC-FACHBEITRAG: AUSWIRKUNGEN DES INTERNETS DER DINGE AUF DIE UNTERNEHMENSSOFTWARE Fazit Es ist davon auszugehen, dass der Einfluss des Internets der Dinge groß sein wird und übergreifend Geschäftsmodelle, Unternehmensprozesse und die dahinter liegenden Anwendungslandschaften betreffen wird. Unternehmen sollten sich bereits heute mit den Chancen und Risiken auseinandersetzen, die diese Technologie für ihren Wirtschaftszweig bereithält. Sollte dies aufgrund einer starken operativen Auslastung oder einer mangelhaften Informationsbasis nicht selbstständig möglich sein, stellt die Unterstützung durch externe IT-Dienstleister und Berater eine sinnvolle Option dar. Die schlechteste Option wäre, sich nicht aktiv mit dem Thema zu beschäftigen und erst einmal abzuwarten. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt ist das Differenzierungspotenzial des Themas noch groß genug, um selbst mit der Einführung kleiner, schrittweiser Innovationen eine beachtliche Fülle an Marktchancen nutzen zu können. Und wie man bereits mit kleinen Innovationen ganze Märkte neu definieren kann, haben nicht zuletzt Unternehmen wie Apple oder Google in den letzten Jahren erfolgreich gezeigt. Philipp Schalla Senior Consultant bei Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH

13 VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE (VDI E.V.) Was Industrie 4.0 für Dr.-Ing. Dagmar Dirzus bedeutet: Industrie 4.0 ist die derzeit bedeutendste Initiative in Deutschland, um uns für das fit zu machen, was kommen wird. Diese Initiative ist branchen- und disziplinübergreifend und sie umfasst den deutschen Mittelstand ebenso wie Global Player. Industrie 4.0 steht für eine hochgradige informatorische Vernetzung inner- wie außerbetrieblich und bedeutet die Verbindung aller an der Wertschöpfung beteiligten Menschen sowie die Chance, mehr Menschen an dieser Wertschöpfung teilhaben zu lassen. DIE FRAGE IST: WIE GEH ICH S AN? Industrie 4.0 ist erstens als Thema politisch gewollt, treibt zweitens Vernetzung als Heilsbringer vor sich her und ist drittens in Deutschland als Land mit einem der weltweit besten technologischen Startguthaben bestens positioniert: Das sind Aussagen, mit denen Dr.-Ing. Dagmar Dirzus gut leben kann. 13 DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Was der Geschäftsführerin der Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bei all den Diskussionen und Argumentationen pro und contra Industrie 4.0 darüber hinaus aber wichtig ist festzuhalten: Industrie 4.0 ist ein unglaublich umfangreiches Projekt, das quer über alle Branchen geht und alle Bereiche betrifft. Das wird den Menschen nun langsam bewusst. Und wir beim VDI wollen als Sprecher, Gestalter und Netzwerker Deutschland mit Industrie 4.0 fit für die Zukunft machen, leisten Öffentlichkeitsarbeit und koordinieren wichtige Zuarbeiten. Schwerpunktthema mit vielen Gesichtern Denn eine abgestimmte Koordination ist nach Meinung des VDI derzeit noch der Punkt, an dem es hakt und zwar bundesweit. Zig Institutionen und Arbeitsgruppen, sei es mit politischem, wissenschaftlichem oder wirtschaftlichem Hintergrund, aber auch die Unternehmen beschäftigen sich allerspätestens seit der Hannover Messe 2013 eifrig mit dem wohlklingenden Dreiklang Industrie vier Punkt Null. Manche ganz für sich allein, ein paar weitere wie der VDI, der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) organisiert und abgestimmt. Übergreifende Zusammenarbeit, konsensfähige Abstimmungen, eine allgemeingültige Messlatte und ein gemeinsames Ziel sind die Punkte, an welchen hier gearbeitet wird. Mancherorts steckt der Wille zur Zusammenarbeit allerdings noch in den Kinderschuhen. Der VDI hingegen ist schon etwas länger an dem Thema dran, und das sehr fokussiert: Industrie 4.0 ist bei uns mit einem eigenen Fokus-Team hoch angesiedelt, bestehend aus verschiedenen Fachbereichen und Fachausschüssen, deren Mitglieder sich aus klugen Köpfen aus Industrie und Wissenschaft zusammensetzen. Wir decken alle relevanten Themen ab und fassen Industrie 4.0 mit unseren konsensbasierten Beschlüssen in all seiner bunten Themenvielfalt zusammen. Regelmäßige Treffen in zweiwöchigen Abständen und Statusreports zu allen für Industrie 4.0 wichtigen Themen wie zum Beispiel Verknüpfung der Wertschöpfungsketten, Cyber Physical Systems (CPS) und IT-Security stellen sicher, dass das Thema immer am Laufen und im Gespräch bleibt. Und damit die gemeinschaftlich erarbeiteten Informationen und einstimmig beschlossenen Ergebnisse nicht im Nirwana verschwinden, wird regelmäßig extern kommuniziert. Zum Beispiel mit den im April 2014 erschienenen Reports Industrie 4.0: Gegenstände, Komponenten, Entitäten oder Auf dem Weg zu einem Referenzmodell, die laut Dirzus selbstverständlich auch in der Plattform Industrie 4.0 diskutiert und kommentiert wurden, bevor sie veröffentlicht wurden.

14 14 VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE (VDI E.V.) Geschäftsmodelle dringend gesucht Fakt ist: Deutschland ist gut aufgestellt bei den Technologien, dasselbe gilt grundsätzlich für die Ausbildungsqualität, den Automatisierungsgrad, die flächendeckend gute Infrastruktur und funktionierenden Logistikketten diese Meinung teilt die promovierte Maschinenbauerin mit vielen ihrer Kollegen im VDI, auch wenn natürlich immer Luft nach oben ist. Wie allerdings die konkreten Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 aussehen sollen und wie sie zu entwickeln sind, das ist vielerorts noch die große Unbekannte. Denn zu viele Fragen sind noch nicht beantwortet, es fehlt an Standards, auch hinsichtlich der IT-Infrastrukturen wie etwa für eine Dienste-Plattform, Referenzarchitektur oder auch für die dringend benötigte IT-Security, obwohl flächendeckend in der Wissenschaft wie der Wirtschaft und auch der Politik an Lösungen gearbeitet wird, so Dirzus. Bevor wir uns mit Fragen zur praktischen Umsetzung beschäftigen, sehe ich momentan noch ganz andere Baustellen, etwa beim Verständnis. Eine VDI-Umfrage ergab zwar, dass sich nur ein Viertel der Befragten sehr gut bis gut informiert fühlt, aber ein Überangebot an wenig belastbaren Informationen zu Industrie 4.0 existiert, das sicher nicht zielführend ist. Fragt man fünf Personen, bekommt man fünf verschiedene Antworten. Deshalb, noch einmal: Es braucht ein gemeinsames und abgestimmtes Verständnis für Industrie 4.0. Große Unternehmen hui, kleine pfui? Was also ist notwendig, um die deutsche Industrie an einen Tisch zu bringen und zum Konsens zu bewegen? Der Mehrwert, denn unterm Strich zählt für die Unternehmen der Business Value sprich, ob es sich schwarz auf weiß lohnt, Industrie 4.0 einzuführen oder eben nicht. Wie hoch das Einsparpotenzial tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch sehr schwer beziffern, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, weiß Dirzus. Der Mehrwert ist in Deutschland aber, wo 98 Prozent aller Unternehmen dem Mittelstand zugerechnet werden und 95 Prozent davon familiengeführt sind, der entscheidende Aspekt. Er allein kann uns wegführen von der grauen Theorie hin zum vernetzten Industrie-4.0-Zeitalter in allen Unternehmen. Große Global Player wie etwa Automobilhersteller haben den Mehrwert häufig erkannt und können diesen bereits in Ansätzen nutzen, schließlich herrschen dort andere finanzielle Voraussetzungen: Wird heutzutage ein neues Fahrzeugmodell gebaut, dann wird innerhalb einer existierenden oder auch neuen Halle eine neue Anlage aufgebaut, die zur neuen Produktionslinie passt. Sprich, die bisherigen Maschinen werden gegen Neue ausgetauscht, denn bislang sind die Systeme nach drei Jahren kaum an die neuen Anforderungen adaptierbar. Die Schnittstellenproblematik auf IT-Seite wird insoweit gelöst, als dass die komplette Software von genau einem Hersteller stammt. Auf die Schnelle fällt mir kein Mittelständler ein, der sich ein solches Vorgehen leisten kann. Schritt für Schritt zu 4.0 Abgesehen vom finanziellen Aspekt sieht Dirzus noch ganz andere, pragmatischere Herausforderungen: Viele Unternehmen in Deutschland sind gerade einmal bei Industrie 2.5 angelangt, und selbst das ist eine sehr wohlwollende Schätzung. Wie begleiten wir diese Unternehmen schrittweise von 2.5 auf 3.0, auf 3.1, 3.2, 3.5 und irgendwann mal zu 4.0?, fragt sich Dirzus. Eine Antwort kann lauten: Mit vielen Einzelschritten, die auf jeder Stufe einen wirtschaftlichen Vorteil bringen müssen. Andererseits kennt sie aber auch ein paar wenige Unternehmen, die das für sich bereits realisiert haben es aber nicht an die große Glocke hängen, um Patente nicht zu gefährden. Im Moment haben wir die gesamte Bandbreite: Wir haben erstens die Unternehmen, für die es einfach nicht interessant ist, zweitens die, die abwarten, und drittens diejenigen, die Industrie 4.0 soweit Lösungen vorhanden sind schon umsetzen, fasst die Expertin zusammen.

15 15 Vernetzung ist das A und O Aber selbst die Unternehmen, die Industrie 4.0 in der momentan möglichen Form schon umsetzen, stehen vor ähnlichen und fast noch genauso vielen Herausforderungen wie die Kollegen, die es noch gar nicht gewagt haben. Dirzus versucht, dies zu erklären: Wertschöpfungsketten sind zwar an vielen Stellen bereits hochautomatisiert, aber es sind beispielsweise noch nicht alle den Engineering-Prozess begleitenden Softwarelösungen so miteinander verknüpft, dass alle notwendigen Daten ausgetauscht werden können. Damit entfällt ein großer Teil der möglichen Effizienzsteigerung beziehungsweise der Kostenersparnis. Das bringt das derzeit noch klassische Dilemma auf den Punkt, nämlich dass von der Produktidee bis zum fertigen Produkt oder gar den nachgelagerten Prozessen wie Aftersales oder Recycling meist noch zig unterschiedliche IT-Lösungen im Einsatz sind. Die Entwickler nutzen Software A, die Produktion Software B, der Vertrieb hat Software C und das Controlling Software D im Einsatz, und für die Zulieferer und die Logistik nutzt man Software E, berichtet Dirzus aus der oftmals noch gelebten Praxis. Wie soll auf dieser Basis ein hochkomplexes, variantenreiches und an den Kundenwünschen ausgerichtetes Produkt entstehen, das auf hochflexiblen und adaptiven Anlagen hergestellt wird? DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Gas geben und an Neues denken Weitere Herausforderungen, die die Unternehmen schnell meistern müssen, liegen für die VDI- Expertin auf der Hand: Etwa die viel gerühmten Investitionen in moderne Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen (IKT), wie zum Beispiel in Datenautobahnen. Es muss in naher Zukunft genauso normal sein, in sichere Netze, Cloud-Technologie und Datenautobahnen zu investieren wie in Verkehrstechnik und Autobahnen für Pkw und Lkw, hofft Dirzus. An dieser Stelle sieht sie mehrere Parteien in der Pflicht: die Bundesregierung, IT-Unternehmen und die Telekommunikationsprovider. Es gilt, Netze zu schaffen, die in der Lage sind, die weltweit für 2020 prognostizierten 50 Milliarden intelligenter Geräte miteinander zu verknüpfen. Dafür müssen hierzulande Datenautobahnen auch in den Regionen vorhanden sein, in denen Unternehmen ansässig sind, die keine urbanen Ballungsräume darstellen. Wir benötigen Cloud-Lösungen auf deutschem Boden, die unter das hiesige Gesetz fallen und das in ausreichender Menge, mit bezahlbaren Services und vor allem hoher Sicherheit. Es müssen Lösungen für die IT-Security angeboten werden, die auch für kleine Unternehmen umsetzbar sind, fordert Dirzus. Auch Rechtsabteilungen sieht sie in der Pflicht: In Zukunft wird noch mehr Software im fertigen Produkt verbaut sein. Aus Patentschutzgründen müssen diese Daten verschlüsselt sein. Wenn ein Produkt auf Grund technischer Merkmale ausfuhrgenehmigungspflichtig ist, dann gilt dies auch für die zugehörige Steuerungssoftware. Dies zieht viele Fragen nach sich: Wer beurteilt nun für die zu erhebenden Zollgebühren den Wert dieser Software? Was tun, wenn Open-Source-Lösungen genutzt werden, etwa Windows-basierte Systeme, die von der Ausfuhr in bestimmte Länder wie Kuba oder Nordkorea ausgeschlossen sind? Wer ist in einer solchen Situation dann inwieweit für welchen Sicherheitsaspekt zuständig? Welche Rechte müssen abgetreten, welche weiteren Sicherheitsvereinbarungen getroffen werden?, fragt Dirzus. Ein weiteres, heute noch viel gelebtes Beispiel aus dem Alltag, das den Security-Abteilungen graue Haare wachsen lässt: Der Servicetechniker, der Geräte wartet und updatet und dafür einen USB-Stick nutzt. Den hat er zuvor aber schon bei vier anderen Unternehmen angedockt und damit wahrscheinlich sämtliche IT-Sicherheitsvorgaben verletzt, die überhaupt existieren, wenn nicht sogar Schadsoftware eingeschleppt. Wir brauchen für Industrie 4.0 dringend international geltende Standards und so manches Gesetz wird überdacht werden müssen. Das geschieht nicht von heute auf morgen und das kann auch kein einzelner Verband alleine leisten, mahnt Dirzus. Nicht nur Unternehmen sind gefordert, auch die

16 16 VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE (VDI E.V.) Politik muss ihr Scherflein beitragen. Das sieht sie aber relativ entspannt, denn die Bundesregierung hat die Relevanz des Themas Industrie 4.0 mit allen Facetten von Cyber Physical Systems über IT-Security bis hin zu den neuen Programmen für die Zukunft der Produktionsarbeit verstanden: Es gibt inzwischen große Töpfe für Forschungsgelder. Die Politik hat die Bedeutung eines zukunftsfähigen Produktionsstandortes Deutschland erkannt und konstant auf dem Radar. Intelligenter arbeiten, nicht härter Dass Unternehmen für Jobs bald nur noch die Hochausgebildeten und Studierten auf dem Radar haben, das sieht die Geschäftsführerin nicht. Künftig wird es wichtiger sein, interdisziplinär und mit einer hohen Problemlösefähigkeit zu arbeiten, ist Dirzus überzeugt. Das ist das wichtigste Rüstzeug für die Arbeit der Zukunft. 3D-Brillen, Simulationssoftware und intelligenten Informationsverarbeitungssystemen bescheinigt sie ein unglaublich hohes Assistenzpotenzial und freut sich auf deren Einsatz. Damit werden Entscheidungen in den Produktionshallen einfacher, etwa wenn die Sensorik-Anzeige dem Menschen ganz genau zeigt, was er jetzt tun muss, wo er hinfassen und was er drücken muss. Das kann auch ein wichtiger Aspekt beim Thema Fernwartung werden, denn meistens ist der Servicetechniker in einem Schwellenland nicht so gut ausgebildet wie derjenige, der beim Hersteller sitzt. Via 3D-Brille und Echtzeit-Monitoring können dann aber exakte Anweisungen für die Reparatur erteilt werden, ergänzt Dirzus. Deshalb lautet ihr Fazit: Industrie 4.0 stellt den Menschen in den Mittelpunkt, denn er wird entscheidungsfähiger, da er besser assistiert wird. Was das Rüstzeug und die Qualität der deutschen Ingenieursausbildung betrifft, blickt sie optimistisch in die Zukunft. Die deutschen Hochschulen und die Ausbildungsqualität sind gut, da haben wir in Deutschland wirklich eine exzellente Startposition im internationalen Vergleich. Was wir optimieren könnten, wäre eine stärkere Integration der Informatik im Studiengang Maschinenbau. Studierende, die beide Seiten kennenlernen, könnten von der Interdisziplinarität auch wirtschaftlich profitieren, da Industrie 4.0 genau diese größere Bandbreite an Wissen fordert. Auch die Soft Skills möchte sie gerne stärker im Fokus sehen: Denn wenn Ingenieure und IT-Experten miteinander sprechen und sich, was noch viel wichtiger ist, auch gegenseitig verstehen müssen, dann ist ein Training der Kommunikations-Skills extrem wichtig. Das ist derzeit aber noch eine Black Box, weiß Dirzus. Alle an einem Strang Zusammengefasst: Die Basis ist gut, die Basis steht. Jetzt gilt es, den Unternehmen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben, damit Industrie 4.0 Realität wird. Wir brauchen Standards, um vernetzt produzieren zu können. Und dafür benötigen wir Unterstützung von allen Seiten für sichere und mit standardisierten Schnittstellen versehene IT-Infrastrukturen, für angepasste und flexible Arbeitszeitmodelle und vor allem für die Entwicklung geeignete Business Modelle, die nicht automatisch durch neue Technologien generiert werden. Nur dann gewinnen wir den Wettlauf um das Advanced Manufacturing, empfiehlt Dirzus. Womit die Frage Wie geh ich s an? dann auch geklärt wäre. Dr.-Ing. Dagmar Dirzus Geschäftsführerin bei VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik Technik und Wissenschaft bei VDI Verein Deutscher Ingenieure e.v.

17 ARBEITSKREIS FERTIGUNG Was Industrie 4.0 für den AK Fertigung bedeutet: Unternehmen müssen heute ständig ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen und Industrie 4.0 ist dafür essenziell notwendig. DAS HENNE-EI-PRINZIP: ERST DER BUSINESS CASE ODER DIE ERKENNTNIS? Industrie 4.0 ist als Chance gesehen riesengroß als Herausforderung aber auch. Denn dafür müssen die Unternehmen ihre IT fit machen, und zwar bis runter in die unterste Ebene der Prozesslandschaft. Ein simples Aufhübschen hilft da nicht viel, sagt Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, stellvertretender Arbeitskreissprecher Fertigung bei der DSAG und Professor für Produktionsmanagement und Logistik an der Frankfurt University for Applied Sciences. Die Stückfertigung und die Automobil-Branche sind mit Just-in-time- (Jit) und Just-in-sequence-Fertigungen (Jis) bereits gut aufgestellt. Viele andere Unternehmen sind aber noch lange nicht so weit, fasst der Experte zusammen. Und das bedeutet für den Rest, der derzeit noch die große Mehrheit stellt: Ziehen Sie eine Karte und ab auf Start! 17 DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Doch zunächst einen Schritt zurück: Ist die deutsche Fertigungsbranche überhaupt schon bereit für Industrie 4.0? Schocke ist von zwei Dingen fest überzeugt: Erstens, Industrie 4.0 ist ein Muss-Thema, um Schnelligkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit wieder zu Top-Themen innerhalb Europas und der hier gefertigten Produkte zu machen niemand wird daran vorbeikommen. Zweitens sind seiner Meinung nach, von den wenigen Champions und Early Adopters abgesehen, die meisten Unternehmen gerade einmal bei Industrie 2.0 angekommen. Hier sieht er vor allem den Mittelstand, dessen Management, Mitarbeiter und Prozesse noch nicht bereit dafür sind: weder IT-seitig noch im Kopf. Diese Baustelle führt Schocke auch zurück auf viel zu selten stattfindende Mitarbeiter-Fortbildungen und -Schulungen: Ein Das haben wir aber schon immer so gemacht! wird in Zukunft nicht mehr reichen, äußert er sich besorgt. Mitarbeiter müssen intensiv geschult werden, denn vor allem in Produktion und Logistik herrscht oft ein dramatisch geringer Kenntnisstand. Ein umfassendes Change Management einzuführen, um alle Mitarbeiter rechtzeitig abzuholen und so auch die Angst vor Arbeitsplatzverlust zu nehmen, wäre für ihn ein logischer nächster Schritt. Mitarbeiter wissen oft nicht, warum jetzt Maschinen miteinander kommunizieren sollen, so Schocke. Man muss heute ausführlich erklären, warum sich Maschinen im Rahmen von Industrie 4.0 irgendwann selbst organisieren. Damit jeder versteht, dass künftig sofort und automatisch nachproduziert wird, wenn ein Produkt nicht mehr verfügbar ist. Wer wartet, wer startet? Dreh- und Angelpunkt in der Industrie-4.0-Diskussion ist logischerweise das Business-Potenzial. Ohne Mehrwert wird kein Unternehmen den Industrie-4.0-Aufwand betreiben, egal ob es Kurbelwellen oder Lebensmittel produziert, das bestätigt auch Volker Stockrahm, Sprecher des Arbeitskreises Fertigung bei der DSAG. Losgröße 1, Predictive Analysis, Machine-to-Maschine-Communication: Alles hell leuchtende Sterne am Industrie-4.0-Himmel. Aber um dort hinzukommen, müssen wir erst einmal das Kerngeschäft fit machen, was viel Fingerspitzengefühl bei den Veränderungsprozessen und auch bei der Einführung zeitgemäßer IT-Lösungen erfordert. Und diese sind heute noch nicht zwingenderweise mit der notwendigen Marktreife vorhanden, bedauert Stockrahm. Nur wenn standort-

18 18 ARBEITSKREIS FERTIGUNG übergreifend harmonisierte Stamm- und Bewegungsdaten sowie vereinheitlichte beziehungsweise standardisierte Planungs-, Steuerungs-, Mess- und Qualitätsmanagementdaten verfügbar sind, sind diese so auswertbar und so nutzbar, dass das SAP-System von Standort A eigenständig mit dem SAP-System am Standort B spricht, und der Mensch die Maschine einzig und allein nur noch mit Daten füttert. Die Macht der Daten Daten, sie sind das Herzstück in dieser Diskussion: Die Macht der Daten schlägt überall durch, vor allem unter dem Begriff Big Data: Das ist der große Hebel, der einen neuen Zyklus beginnen lässt und der übergreifende, nachfragegetriebene Produktions- und Logistiknetzwerke zur Folge haben wird, ist der Arbeitskreis-Sprecher überzeugt. Nur so lässt sich in Zukunft der Kundenbedarf über die gesamte Lieferkette kommunizieren und betrachten, mit demselben Kenntnisstand für alle Teilnehmer: Ist noch ausreichend Material am Lager? Wo und warum entstehen Kapazitätsengpässe? Wissen die Zulieferer Bescheid? Welche realistischen Liefertermine können den Kunden zugesagt werden? Leider aber ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Was er nicht sehen und anfassen kann, fällt ihm schwer zu glauben. Schocke bestätigt das: Viele Unternehmen warten ab. Schauen nach rechts und links, bis es etwas zum Anfassen gibt. Sieht man aber genauer hin, arbeiten ein paar Fertigungsunternehmen schon mit Industrie-4.0-Komponenten ohne viel Aufhebens darum zu machen. Ein bayerischer Mittelständler, der auf die Produktion von Abflüssen spezialisiert ist, setzt schon länger auf ein Lean Management: Eine Stunde nach Auftragseingang startet die Herstellung sehr zur Freude der Kunden. Es hat sich herausgestellt, dass die Mitarbeiter unterm Strich so viel gleichmäßiger arbeiten und der Leerlauf fast gegen null tendiert, erklärt Schocke. Was macht eigentlich SAP? Als ausbaufähig bezeichnen beide Fertigungs-Experten das aktuelle SAP-Angebot für Industrie 4.0. Nehmen wir das Beispiel Supply Chain Management (SCM): Im Moment stehen in diesem System die bekannten klassischen und erprobten Planungsfunktionalitäten parat. Inzwischen ist die verwendete Technologie den neuen Markt- und Kundenanforderungen aber nicht mehr in allen Fällen gewachsen. Was wir brauchen, ist eine echte und dynamische Supply-Chain-Steuerung, die alle Daten zusammenbringt. Die hierfür notwendigen Technologien und damit auch die Systeme stehen erst seit kurzem zur Verfügung, fasst Stockrahm zusammen. Denn SAP Integrated Business Planning (SAP IBP), basierend auf modernen SAP-HANA- und Cloud-Technologien, ermöglicht jetzt die übergreifende Planung und Steuerung komplexer Lieferketten in nahezu Echtzeit. Die Kombination mit Industrie 4.0 lässt ihn hoffen: Der zündende Funke springt langsam über. Schocke verlangt noch etwas mehr Engagement: Im Moment sieht SAP Industrie 4.0 noch nicht richtig. Ein Beispiel: Vor allem für die Planung wäre ein neues Tool wichtig, allerdings gibt es anstelle einer schlüsselfertigen und innovativen Lösung jetzt gerade einmal eine einfachere und intuitiver bedienbare Oberfläche, die von den Tausenden, nicht nutzbaren mitgeschleppten Feldern der letzten Jahre endlich ein paar eliminiert hat. Flexibilität und Schnelligkeit verlangt Schocke von der IT, sonst sieht es in Zukunft düster aus, auch in puncto ABC-Klassifizierung: 80 Prozent der Aufträge laufen in der Fertigung meist automatisiert ab. Für die 20 Prozent Spezialfälle brauchen wir aber modernere, flexiblere IT-Systeme andernfalls wird es schwierig mit einem der obersten Treppchen auf dem Industrie-4.0-Thron. Und was macht die DSAG? Stockrahm sieht den Arbeitskreis Fertigung derzeit in einer Aktivierungsphase: Wir denken aktiv über das Thema nach, diskutieren darüber und arbeiten dann in kleineren Ausschüsse weiter an

19 19 den Einzelthemen. Schocke ergänzt: Im Arbeitskreis werden wir den Spagat zwischen dem Innovations-Push seitens SAP sowie den Anforderungen der im Arbeitskreis aktiven Unternehmen durch anwendungsnahe Vorträge und lebhaften Informationsaustausch schaffen. Das Fazit? Es gibt viel zu tun Es gibt viel zu tun in der breit aufgestellten Fertigungsbranche, in der nicht jedes Unternehmen automatisch die modernste IT im Einsatz hat. Manchmal sind es ganz simple Dinge, die fehlen, erzählt Schocke. Beispielsweise ein Qualitätsmanagement etwa bei einem Textilmaschinenhersteller, der seit Jahrzehnten hochwertige Maschinen herstellt und über 80 Prozent Marktanteil hält und das global. Hier wird das Wissen vom Kopf des Mitarbeiters A zum Kopf von Mitarbeiter B weitergegeben weil das schon immer so gemacht wurde. Unternehmen wie diese von Industrie 4.0 zu überzeugen, das eventuell mühsam. Ist aber dringend notwendig, denn der Wettbewerb schläft nicht. Und wenn einmal der technologische Anschluss verloren ist, wird es umso schwieriger, wieder Fuß zu fassen. DSAG IM DIALOG, NOVEMBER 2014 DSAG e. V. Eine große Reise mit derzeit noch zu vielen Unbekannten, so fasst Stockrahm die Situation zusammen. In puncto Mehrwert sieht er die Unternehmen größtenteils selbst in der Pflicht: Kunden und Anwender werden viel in Eigenregie entwickeln müssen und das wird zeigen, wie innovativ die einzelnen Firmen im internationalen Wettbewerb tatsächlich noch sind. Für Deutschland als sehr industriegetriebene Nation sieht er eine große Chance eine Chance, die aber auch Mut erfordert. In drei bis fünf Jahren können wir ein erstes Fazit ziehen: Haben wir uns getraut und machen wir Made in Germany oder Made in Europe wieder zur Top-Marke? Oder lassen wir anderen den Vortritt? Zum Beispiel den USA, die erfahrungsgemäß etwas risikofreudiger agieren, vor allem im IT-Umfeld? Potenziale aufzeigen, neue Funktionalitäten bereitstellen, aber nicht zu viele Szenarien vorgeben und damit die Kunden begeistern: So erreichen deutsche und europäische Fertiger rechtzeitig und gut ausgestattet die neue Industrie-4.0-Welt. Ohne dass noch lange diskutiert werden muss, ob zuerst die Henne oder das Ei da war darin sind sich beide Experten einig. Volker Stockrahm Sprecher DSAG-Arbeitskreis Fertigung Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke stellvertretender Sprecher DSAG- Arbeitskreis Fertigung

20 20 ARBEITSKREIS INSTANDHALTUNG/ SERVICEMANAGEMENT Was Industrie 4.0 für Ingo Teschke bedeutet: Industrie 4.0 bietet viele Chancen, viele tolle und neue Möglichkeiten. In den Köpfen ist das Thema aber noch nicht wirklich angekommen. Daher ist es jetzt dringend an der Zeit, das Thema greifbarer zu machen sprich, wir benötigen konkrete Anwendungsfälle, die uns weiter vorwärtsbringen. Was Industrie 4.0 für Matthias Wobbe bedeutet: Wir brauchen dringend eine durchgängige Standardisierung der Architekturen und Kommunikation für Industrie 4.0. Die Frage, ob die bestehende IT-Infrastruktur vertrauenswürdig und sicher genug dafür ist, muss ebenfalls noch beantwortet werden. Sicher ist aber, dass Industrie 4.0 für Instandhaltung und Service von großer Bedeutung sein wird. INDUSTRIE 4.0 BRAUCHT ERSTENS STANDARDS UND ZWEITENS MUTIGE ANWENDER Instandhaltung und Servicemanagement sind das Schmieröl der Maschinen und Anlagenparks. Bis diese aber komplett auf Industrie-4.0-Level laufen, wird noch viel Zeit vergehen. Denn im Moment hakt es an vielen Stellen, standardisierte Architekturen und normierte Kommunikation sind nur zwei davon. Welche Chancen und Herausforderungen existieren und was den Arbeitskreis (AK) Instandhaltung und Servicemanagement zusätzlich antreibt, erzählen Sprecher Ingo Teschke und der stellvertretende Sprecher Matthias Wobbe. Wie verändert und beeinflusst Industrie 4.0 die Instandhaltung und das Servicemanagement heute und in den kommenden fünf Jahren? Matthias Wobbe: Zentrales Thema bei Industrie 4.0 sind die Cyber Physical Systems (CPS). Diese umfassen die Maschinen, die Anlagen, die darauf gefertigten Produkte sowie die vor- und nachgelagerten Logistikketten und all das wird horizontal und vertikal miteinander vernetzt. Warum tun wir das? Weil wir alle Geschäftsprozesse so optimieren wollen, dass sie sich selbst steuern und vertikal in die betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Systeme integrieren lassen. Schlüsselt man dieses Gesamtkonstrukt auf und betrachtet allein die Logistikprozesse, dann fällt das Augenmerk sofort auf die technischen Anlagen, die regelmäßig inspiziert, gewartet und instand gehalten werden müssen. Vernetzen und technisieren wir die Anlagen für Industrie 4.0, dann erfolgen Überwachung und Bewertung logischerweise auch virtuell und nicht mehr, wie üblich, durch den Mitarbeiter direkt an der Maschine. Neu ist dieses Vorgehen nicht, viele Branchen machen das bereits seit Jahren. Gerade in puncto Servicemanagement überwachen heute schon einige Anlagenhersteller die Anlagen beim Kunden via Remote Service und können so auf Störungen oder sich ankündigende Probleme rechtzeitig reagieren bevor es überhaupt zu einem Problem und in Folge zu einem teuren Ausfall kommt. Dies ist die vertikale Komponente von Industrie 4.0. Ich bin mir sicher: Treiben wir das Thema Industrie 4.0 jetzt kräftig voran, dann wird das bei den Verantwortlichen dazu führen, das Bewusstsein für Relevanz und Zuverlässigkeit einer technischen Anlage nochmal zu steigern. Denn verlässliche Informationen zu Verfügbarkeiten und eine gleichbleibende Qualität der gefertigten Produkte sind schließlich in jedermanns Interesse.

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