Strukturierte Produkte im Kontext der Gesamtbanksteuerung

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1 Strukturierte Produkte im Kontext der Gesamtbanksteuerung Strategische Bedeutung Strukturierter Produkte sowie Überlegungen zur Risikosteuerung unter besonderer Berücksichtigung der wesentlichen MaRisk Risikokategorien Hausarbeit von Annette Czypull Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel Vorgelegt im Rahmen der Veranstaltung Gesamtbanksteuerung im Wintersemester 2007/2008 bei Herrn Dr. Klaus Lukas Kassel,

2 Inhaltsverzeichnis ABBILDUNGSVERZEICHNIS 1. EINFÜHRUNG 1 2. GRUNDLAGEN ZU STRUKTURIERTEN PRODUKTEN DEFINITION WESENTLICHE ARTEN STRUKTURIERTER PRODUKTE Strukturierte Produkte mit Kopplung an Zinsen und Anleihemärkte Produkte mit Kopplung an Aktienrisiken 6 3. STRATEGISCHE BEDEUTUNG VERTRIEB MARGEN IMAGE RISIKOSTEUERUNG ANHAND DER MARISK RISIKOARTEN Marktpreisrisiken Operationelle Risiken Liquiditätsrisiken Adressrisiken RISIKOSTEUERUNG MIT MARISK-RISIKOKATEGORIEN RISIKOSTEUERUNG BEI STRUKTURIERTEN PRODUKTEN FAZIT QUELLENVERZEICHNIS 29 I

3 Abbildungsverzeichnis I Abbildungsverzeichnis Abbildung 1:Kupon einer Collared Floating Rate Note (Collar)... 5 Abbildung 2: Risikoarten Abbildung 3: Basel II und Umsetzung MaRisk Abbildung 4: Der modulare Aufbau der MaRisk... 17

4 1. Einführung Strukturierte Produkte sind eine moderne und innovative Anlagemöglichkeit, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut und somit eine wachsende Bedeutung für Kreditinstitute hat. Ein Institut kann entweder selbst mit Strukturierten Produkten handeln, welches die eigene Asset Allocation betreffen würde oder es emittiert diese und nutzt sie somit als Refinanzierungsinstrument. Diese Arbeit wird sich ausschließlich mit letzterem Fall beschäftigen, da Positionen der Passivseite wie z. B. Spareinlagen immer weiter abnehmen und somit die Refinanzierung gestärkt werden muss. Ein weiterer Faktor, der auf den Bedarf an Strukturierten Produkten einwirkt, ist die Einstellung der Anleger. Waren die Prognosen für die Lage der Finanzmärkte 2008 noch optimistisch, so wurde der Finanzwelt nicht zuletzt durch die Subprime-Krise Vorsicht gelehrt. Nun herrscht Nervosität am Markt. Daher geht der Trend unter den Anlegern immer mehr zu risikooptimierten Produkten. Einem Artikel des Handelsblattes ist dazu folgendes zu entnehmen: Nach Einschätzungen führender Emissionsbanken am Markt für strukturierte Produkte und Zertifikate wird sich das Wachstum dieses Segments nahezu ungebremst fortsetzen. 1 Und dies soll auch trotz Turbulenzen der Subprime-Krise geschehen. Dennoch gibt es auch Skeptiker, die gerade auf Grund dieser Turbulenzen empfehlen strukturierte Produkte [...] zu meiden. 2 Mit dieser Arbeit soll ein Überblick über die Beschaffenheit Strukturierter Produkte und die damit einhergehenden Risiken aus Sicht der Risikosteuerung der Emissionsinstitute gestaltet werden. Im ersten Abschnitt dieser Arbeit werden Strukturierte Produkte definiert und wesentliche Arten beschrieben. Im nächsten Abschnitt folgt eine Betrachtung der strategischen Bedeutung, wobei auf Vertrieb, Margen und Image eines Instituts abgestellt wird. Der letzte Abschnitt dieser Arbeit wird mit der Darstellung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement beginnen und endet mit Überlegungen zur Risikosteuerung von strukturierten Produkten anhand der MaRisk Risikokategorien. 1 Quelle: Rettberg (2007) 2 Quelle: Narat (2007)

5 2. Grundlagen zu Strukturierten Produkten Im ersten Abschnitt dieser Arbeit soll ein grundlegendes Verständnis für Strukturierte Produkte entstehen, somit werden diese in Grundzügen definiert und es erfolgt lediglich die Darstellung einiger wesentlicher Arten. Diese Eingrenzung geschieht aus Gründen der Komplexitätsreduktion und Konzentration auf das Wesentliche. Nicht in dieser Betrachtung enthalten sind z. B. Produkte auf Fremdwährungen und solche mit der Verwendung exotischer Optionen sowie Produkte mit Kopplung an Inflation, Warenpreise, Versicherungs- und Kreditrisiken Definition Strukturierte Produkte sind Finanzinstrumente, die aus mehreren Komponenten bestehen. Anzahl und Art der Bestandteile sind vom jeweiligen Produkt abhängig, da sie beliebig zusammengestellt werden können. Es können sowohl ausschließlich mehrere Kassainstrumente (Aktien, Anleihen, ) als auch eine Kombination aus Kassainstrumenten und Derivaten (Optionen, Swaps, Futures,...) beinhaltet sein. Wie die Zusammenstellung endgültig ausfällt ist von dem Ziel abhängig, mit welchem ein Strukturiertes Produkt emittiert bzw. abgenommen wird. Die Zielsetzung ist nach Sicht der Kunden und der Emittenten zu unterscheiden. Ein Beweggrund seitens der Emittenten könnte die Notwendigkeit neuer Anlagemöglichkeiten sein, gefordert von Investoren welche Diversifikation anstreben. Eine Motivation seitens der Investoren könnte eine Verwirklichung einer komplexen Strategie sein, welche sie mit den herkömmlichen Anlagemöglichkeiten entweder gar nicht oder nur unter hohem Aufwand hätten verfolgen können. In der nachfolgenden Tabelle werden einige ausgewählte Ziele dargestellt. Aus Sicht der Emittenten Aus Sicht der Kunden Produktdiversifikation Individuelle Anlagemöglichkeiten Bessere Refinanzierung Strategieverwirklichung in jeder Eigene Nutzung derivativer Komponenten Bessere Chancen- und Risikostruktu- Marktphase Abbau eigener Risiken ren Höhere Erträge Steuerliche Vorteile Tabelle1: Ausgewählte Ziele der Emittenten und Kunden

6 2.2. Wesentliche Arten Strukturierter Produkte In Anlehnung an WALTER 3 werden in dieser Arbeit als wesentliche Arten von Strukturierten Produkten solche mit Kopplung an Zinsen und Anleihemärkte sowie an Aktienrisiken verstanden Strukturierte Produkte mit Kopplung an Zinsen und Anleihemärkte Produkte dieser Gruppe gelten als meistverbreitet, weisen das höchste Volumen auf und machen somit einen Großteil der klassischen Strukturierten Produkte aus. Im folgenden Abschnitt werden die bedeutendsten Produkte kurz umrissen und ihre besonderen Merkmale herausgestellt. Die gängigste Art Strukturierter Produkte sind kündbare festverzinsliche Anleihen. Sie bestehen aus einer Anleihe und einer Option. Eine Option in dem Sinne, als dass der Emittent ein Kündigungsrecht seinerseits beifügt. Dieses Kündigungsrecht kann dann nach einer Mindestlaufzeit ausgeübt werden. Das Ziel, das der Emittent damit verfolgt ist es, das Produkt meist dann zu kündigen, wenn der Marktzinssatz fällt. Tritt ein solcher Fall ein, dann ist es möglich, dass der Emittent einen Preis über dem Wert der Anleihe zahlt, um die frühzeitige Kündigung entsprechend zu vergüten. Die Motivation der Emittenten ein solches Produkt auszugeben kann zwei Beweggründe haben. Zum einen erschließt sich die Möglichkeit an der Partizipation an einem gesunkenen Marktzins und somit einer günstigeren Finanzierung durch eine frühzeitige Kündigung. Zum anderen ist es möglich das enthaltene Optionsrecht am Markt direkt weiter zu verkaufen, um so entweder den Wert der Option sofort zu liquidieren oder durch das Strukturierte Produkt selbst einen höheren Gewinn zu erzielen. Mögliche Formen kündbarer festverzinslicher Anleihen sind (mehrfach) kündbare Stufenzinsanleihen und Anleihen bei denen das Kündigungsrecht auf Seiten des Gläubigers liegt. Des Weiteren gibt es Anleihen mit Aufstockungsrecht des Schuldners. Produkte dieser Art sind mit Put-Optionen für den Emittenten kombiniert. Das Aufstockungsrecht kann in diesem Fall als Put bezeichnet werden, da der Emittent das Recht hat, dem Investor bzw. Gläubiger während der Laufzeit des Produkts weitere Tranchen mit vorab festgelegten Konditionen anzudienen. 4 3 Vgl. Walter (2007) 4 Quelle: Walter (2007), S.78

7 Der Erwerber eines solchen Produkts ersteht demnach zusätzlich zur Verzinsung einen Aufschlag. Der Aufschlag gleicht einer Optionsprämie. Sollte der Emittent sein Recht ausüben, steht der Investor in der Pflicht diese weiteren Teilbeträge abnehmen zu müssen, was der Position des Stillhalters einer Put-Option gleicht. Aus der Perspektive des Investors spricht für den Erwerb einer solchen Anleihe mit Aufstockungsrecht der Zinsaufschlag. Als Nachteil stellt sich allerdings der Zinsverlust heraus, welcher aus der Differenz zwischen der vertraglich geregelten Zinskondition (inkl. Aufschlag) und dem Marktzinssatz entstehen wird. Denn obwohl der Zins durch den Aufschlag über dem zu Vertragsabschluss vorherrschenden Marktzinssatz liegt, wird der Emittent sein Recht nicht ausüben, solange der Zins nicht soweit gestiegen ist, als dass dieser eine Gewinnmarge daraus zieht. 5 Eine weitere Art von Strukturierten Produkten können Floating Rate Notes sein, welche im Folgenden anhand zweier Produkte dargestellt werden. Bestandteil beider Varianten ist eine Anleihe mit variabler Verzinsung (Floater), welche alle drei oder sechs Monate an einen Referenzzinssatz (Bsp.: Euribor, Libor) angepasst wird. Die erste Variante ist eine Collared Floating Rate Note (Collar). Ausgestattet ist diese Art des Produkts mit einem Cap und einem Floor. (Weitere Möglichkeit: Capped Floating Rate Note = Floor nicht enthalten). Als Cap (zu deutsch: Deckel) wird eine Grenze nach oben bezeichnet. Steigt demnach der Marktzinssatz über den vereinbarten Cap, behält der Emittent die Differenz beider ein. Sollte der Marktzinssatz unter den vereinbarten Floor (zu deutsch: Boden) fallen, so bekommt der Käufer eine Zinszahlung in Höhe des Floors. Solche Produkte werden von risikoaversen Investoren gekauft, da sie sich durch den Floor vor einem fallenden Marktzinssatz schützen und sind gegenüber dem Zinsertrag oberhalb des Caps indifferent. Die Motivation eines Emittenten ein solches Produkt zu begeben, gründet auf der Vermutung eines zukünftig ansteigenden Referenzzinssatzes. Bei einem über den Cap gestiegenen Marktzinssatz schöpft er die Differenz beider als Gewinnmarge ab und kann somit gegebenenfalls einen Floor finanzieren. 6 Der derivative Bestandteil des Produktes äußert sich im Cap und im Floor, welche separat am Terminmarkt gehandelt werden können. Der Cap ist als Short-Position und der Floor als Long-Position des Produktkäufers einzuordnen. 5 Vgl. Walter (2007), S.78 6 Vgl. FAZ.NET (2007a)

8 Abbildung 1: Kupon einer Collared Floating Rate Note (Collar) 7 Das zweite betrachtete Produkt auf variabel verzinsliche Anleihen sind die Reverse Floating Rate Notes. Bei diesen Produkten wird neben dem Referenzzinssatz ein erhöhter Zinssatz festgesetzt. Die Zinszahlung ergibt sich aus der Differenz zwischen dem vereinbartem Zinssatz und dem Referenzzinssatz. Je niedriger der Referenzzinssatz, desto höher ist der Kupon für den Investor. Zusätzlich wahrt ein Floor bei 0% den Käufer vor Zahlungen an den Emittenten. Aufgespaltet enthält dieses Produkt folgende Bestandteile. Der erhöhte vereinbarte Zinssatz lässt sich mit einer Anleihe mit fixer Zinszahlung darstellen. Die zweite Komponente ist ein Swap, in welchem der variable Referenzzinssatz gegen einen fixen Zinssatz getauscht wird. Aus beiden Bestandteilen ergibt sich die Zinszahlung der RFRN. Dritter Bestandteil ist der Cap, auch Zinsoption 8 genannt, welcher die Zinszahlung aus dem Swap für den Anleger auf 10% beschränkt. Somit ist der Verlust für den Anleger auf 0% gedeckelt. Eine weitere Art Strukturierter Produkte sind Constant Maturity-Strukturen. Die Besonderheit dieser Produkte basiert auf einer variablen Verzinsung, welche sich an einem Zinssatz langfristiger Anlagen (Bsp.: REX, 10-Jahres-Swapsatz 9 ) orientiert. Als Produkt dieser Art sei ein Kapitalmarktfloater angeführt. Definiert wird ein Kapitalmarktfloater als Variante einer variabel verzinslichen Anleihe (Floating Rate Note), deren laufende Verzinsung jährlich an die Entwicklung eines langjährigen Renditeindices in Deutschland REX-10 (Renditeindex für zehnjährige Bundesanleihen) gekoppelt ist. 10 Dieses Produkt besteht demnach sowohl aus einer variabel verzins- 7 Quelle: LRP (2007) 8 Quelle: Hull (2006), S Quelle: M.R. Finanzmarktberatung GmbH (2007) 10 Quelle: Whiterton Jones Publishing Ltd. (2007)

9 lichen Anleihe, als auch aus einem CMS-Swap (Constant Maturity Swap) 11. Beim Swap werden die variablen Zinsen (Geldmarktzinsen), i. d. R. mit Ab- bzw. Aufschlag gegen den vom Kapitelmarktzins abhängigen Kupon getauscht. 12 Dadurch, dass der vom Kapitalmarkt abhängige Zinssatz, wie der Geldmarktsatz, jährlich angeglichen wird, enthält der Swap also zwei variable Komponenten. Der Investor entscheidet sich für dieses Produkt, um von einer ansteigenden Zinsstrukturkurve für langfristige Anlagen partizipieren zu können, wobei meist die Zinsstrukturkurve im kurzfristigen Bereich flach verläuft und daher keine hohe Rendite abwirft. Durch einen constant maturity swap kann eine hohe Geldmarktsatz - Volatilität gegen eine geringere Kapitalmarksatz - Volatilität geswapt werden. 13 Der Emittent wird die Swapkomponente am Terminmarkt absichern Produkte mit Kopplung an Aktienrisiken Strukturierte Produkte dieser Art können unterschieden werden in solche mit und ohne Gewährung einer Kapitalgarantie. Sie können an einzelne oder mehrere Aktien sowie Indizes gekoppelt sein. Wandel- und Optionsanleihen sind die klassische Form von Produkten mit Kapitalgarantie 14. Variationen dieser sind möglich, ihre Betrachtung entfällt aber im Rahmen dieser Arbeit. Des Weiteren werden innovative Formen umrissen. Hierzu werden eine Grundstruktur und beispielhaft eine Variante dargestellt. Innovative Produkte mit Kapitalgarantie beinhalten eine Anleihekomponente und eine Option. Die Anleihekomponente gewährt die Kapitalgarantie zuzüglich einer Mindestverzinsung. Die Verzinsung wird unter dem Marktzins liegen, da sich in dem Produkt eine Option befindet. Als konkretes Beispiel wird im Folgenden eine Protected Bear/Bull Anleihe aufgeführt. Geht der Investor von einem steigenden Kurs eines Underlyings aus, wird er einen Call wählen, woraus sich die Bezeichnung des Produktes als Protected Bull-Anleihe ableitet. Beinhaltet das Produkt einen Put, so 11 Vgl. Walter (2007), S. 87, sowie M.R. Finanzmarktberatung GmbH (2007) 12 Vgl. trading-house.net AG (2007) 13 Quelle: Hager (2007) 14 Als klassische Produkte mit Kapitelgarantie werden Wandelanleihen und Optionsanleihen verstanden. Eine Wandelanleihe ist eine Anleihe mit integriertem Recht einer Wandlung dieser in Aktien des Emittenten. Wandelverhältnis und -preis sind zuvor festgelegt, wobei i. d. R. der Preis unterhalb des Aktienniveaus und der vereinbarte Zins unterhalb des Marktzinses liegt. Optionsanleihen bestehen aus einer Option und einer Anleihe. Auch bei diesem Produkt erhält der Investor die Möglichkeit Aktien des Emittenten zu beziehen, allerdings nicht durch Wandlung. Hierfür werden junge Aktien emittiert. Der Anleihebestandteil existiert unabhängig von diesem Vorgang weiter. Auch in diesem Fall sind Bezugspreis und -verhältnis vorher festgelegt, wobei auch der gezahlte Zins (aufgrund der implizierten Option) unter dem Marktzins liegen wird. Vgl. dazu Walter (2007), S. 100 ff.

10 nennt es sich Protected Bear-Anleihe. In welcher Höhe der Investor an dem Gewinn aus der Option beteiligt wird, ist abhängig von der Partizipationsrate. Diese Rate bemisst der Emittent aus der Volatilität des Underlyings und dem Zinsniveau. 15 Variationen von Produkten mit Kapitalgarantie existieren, um aus gegebenen Marktbedingungen die bestmöglichen Risiko-Rendite-Strukturen für den Anleger zu ermöglichen. Zu beachtende Marktbedingungen sind das zuvor angesprochene Zinsniveau und die Volatilität, welche sich auf die Partizipationsrate auswirken. Ein Beispiel hierzu ist ein Cap in der Partizipation als Variante der oben dargestellten Protected Bull/Bear-Anleihe. 16 Durch den Cap wird der Gewinn des Investors an der Indexbeteiligung begrenzt. Der Cap ermöglicht dem Emittenten eine Optionsstrategie (Bull/Bear Spread 17 ) auszuführen, welche im Vergleich zum alleinigen Kauf eines Calls günstiger ist. Somit kann der Emittent mehr Bull/Bear Spreads kaufen. Dieses Vorgehen ermöglicht trotz der Beschränkung eine höhere Partizipationsrate für den Investor. Strukturierte Produkte ohne Kapitalgarantie werden im Rahmen dieser Arbeit beispielhaft in Form von Indexbezogenen Produkten, Hebelzertifikaten und Aktienanleihen dargestellt. Indexbezogene Produkte bestehen aus einer Anleihe und einem Derivat. Durch die derivative Komponente (z. B. Forward, Future) wird die Indexbeteiligung erreicht. Diese vollzieht sich zu 100% [ ] der Entwicklung des Indexes [ ], abzüglich eventueller Kosten wie Verwaltungsvergütungen, Ausgabeaufschlägen oder Geld/Brief- Spannen. 18 Der Index kann als Kurs- oder Performance-Index gewählt werden. Auch bei diesem Produkt ist es möglich Long oder Short Positionen einzugehen, um der Strategie eines Investors Rechnung zu tragen. Hebelzertifikate sind ebenfalls der Gruppe Strukturierter Produkte ohne Kapitalgarantie zuzuordnen. Diese Zuordnung wirft einige Unstimmigkeiten auf, zumal WALTER Hebelprodukte auf Grund ihres Down And Out-Profils nicht den Strukturierten Produkten zuordnet, sondern den reinen Optionsprodukten. 19 Dennoch finden Hebelprodukte in dieser Gruppe Erwähnung, da [sie] in der Wahrnehmung durch den Investor wie auch in der Darstellung durch die Emittenten oft analog mit Strukturierten Pro- 15 Vgl. Walter (2007), S Vgl. Walter (2007), S Vgl. Hull (2006), S Quelle: Walter (2007), S Vgl. Walter (2007), S. 136

11 dukten gesehen bzw. mit diesen verglichen werden. 20 Zudem werden Hebelprodukte an der Börse für Strukturierte Produkte (Scoach) gehandelt. Ein Hebelzertifikat ist eine Schuldverschreibung des Emittenten mit speziellen Rückzahlungsmodalitäten. Durch dieses Instrument gelingt es, einen Investor an der Wertentwicklung eines z. B. zugrunde liegenden Indexes partizipieren zu lassen. 21 Am Beispiel von Knock-out- Produkten (KoP) mit einem Index als Underlying soll im Folgenden ein kurzer Umriss dieser Produktart gegeben werden. Es gibt zwei Typen von KoP, einen Knock-out- Call und einen Knock-out-Put um entweder von steigenden oder von sinkenden Kursen des Underlyings partizipieren zu können. Betrachtet wird hier ein Knock-out- Call. Der Emittent legt Basispreis und Knock-out-Punkt fest, welche meist deutlich unterhalb des aktuellen Marktniveaus liegen 22. Zudem wird der Knock-out-Punkt meist über dem Basispreis liegen. Am Laufzeitende bekommt der Investor die Differenz zwischen den Kurs des Underlyings und dem Basispreis ausgezahlt. Die überproportionale Beteiligung am Index lässt sich der Emittent durch die mögliche Unterschreitung des Knock-out-Punktes ausgleichen. Im Falle einer Unterschreitung des Knock-out-Punktes bekommt der Investor lediglich die Differenz zwischen diesem und dem Basispreis. Ist diese Differenz 0 oder negativ, so erhält der Investor keine Zahlung. 23 Möglich ist auch, dasd das Produkt bei Eintritt des Knock-out-Ereignisses wertlos verfällt. 24 Somit ist hier u. a. das erhöhte Risiko für den Investor eines solchen Produktes ersichtlich. Aktienanleihen (Reverse Convertible) sind Produkten ohne Kapitalgarantie zugehörig. Enthalten sind eine Anleihe und ein derivativer Bestandteil in Form einer Put Option. Der Emittent befindet sich in der Long-Position, denn er hat das Recht, nach Ablauf der Laufzeit entweder den Nominalbetrag oder Aktien an den Investor auszuzahlen. Welche Aktien es sein werden, deren Anzahl sowie der Basispreis werden zu Vertragsabschluss festgelegt. Der Emittent wird sich für die Lieferung der Aktien nur entscheiden, wenn der zum Fälligkeitsdatum bestehende Aktienkurs unter dem vereinbarten Basispreis liegt 25. Die Kuponzahlung dieses Produktes liegt über dem Marktniveau, welches aus dem normalen Kupon und der Optionsprämie für den In- 20 Quelle: Walter (2007), S Vgl. Schmidt (2006), S. 12 ff. 22 Quelle: Walter (2007), S Vgl. Walter (2007), S Vgl. Scoach Europa AG (2007), S Vgl. Casper (2005), S. 337

12 vestor als Stillhalter resultiert. Variationen solcher Produkte ohne Kapitalgarantien sind möglich, werden im Rahmen dieser Arbeit dennoch nicht behandelt. 3. Strategische Bedeutung Der folgende Abschnitt gibt Aufschluss über die strategische Bedeutung Strukturierter Produkte für Kreditinstitute als Emittenten. Betrachtet wird, wie Strukturierte Produkte zur Zielerreichung beitragen. Strukturierte Produkte sind für den Kunden entworfen. Wie die Produkte vom Kunden angenommen werden, spiegelt sich in dem Vertrieb, Margen und dem Image des Emittenten wieder. Diese Größen sind demnach bedeutend für die Wettbewerbsposition und somit für den Erfolg der Strategie. Im Folgenden wird der Einfluß auf die genannten Größen aufgezeigt Vertrieb Wie und welche der Strukturierten Produkte vertrieben werden ist abhängig von mehreren Faktoren. Zum einen ist entscheidend ob sich das vertreibende Institut zu den Universalbanken oder den Spezialbanken zuordnen lässt. Universalbanken wie z. B. Kreditbanken, Sparkassen oder Kreditgenossenschaften werden durch ihr breites Angebotsspektrum keine Spezialprodukte oder sehr komplizierte Produkte anbieten, sondern sich eher auf wenige ausgesuchte Strukturierte Produkte beschränken. Spezialbanken, welche Strukturierte Produkte verkaufen, sind auf Grund ihrer Spezialisierung in der Lage viel komplexere Produkte und diese in einer immensen Vielzahl anzubieten. Auch ist es bei Spezialbanken der Fall, dass sie nur wenige Filialen an ausgewählten Standorten besitzen und/oder meist nur über das Internet erreichbar sind, wobei hier ersichtlich wird, dass sich das erwünschte Klientel auf besonders vermögende oder speziell interessierte Kunden beschränken lässt. Eine Sparkasse bspw., welche zu den Universalbanken zählt, agiert hingegen nach dem Regionalprinzip. Somit werden die erstellten Leistungen den potenziellen Käufern angeboten, die bereits Kunden sind oder den Menschen der Region, die die Sparkasse erreichen kann. Auf einem solch kleinen Markt gibt es wenige Kunden, die eine spezielle Nachfrage stellen. Somit ist die Bank durch ein breit gestreutes Angebot besser in der Lage diesen Markt zu bearbeiten. Ein weiterer Faktor, der sich auf den Vertrieb von Strukturierten Produkten auswirkt, ist deren Platzierung. Es gilt dem Kunden das Strukturierte Produkt als Bankabsatzleistung so zu präsentieren, dass sie in dieser Form als selbstständige Leistung vom

13 Kunden wahrgenommen und nachgefragt wird. 26 Zum einen zielt das auf Produktwerbung ab, zum anderen auf aktive Ansprache des Kunden durch den Kundenberater um Produkte zu verkaufen. SCHMITZ und CASPARI beschreiben die Empfehlung risikooptimierter Produkte als Vorgang, in dem die Kundenbeziehung gefestigt und die Interventionsmöglichkeit durch den Wettbewerb ausgeschlossen 27 wird. Das Vertriebsvolumenziel kann als eine absolute und als eine relative Größe angegeben werden, welche ineinander greifen. Der Marktanteil als relative Größe steht für das Durchsetzen am Markt gegenüber Wettbewerbern. Eine bessere Bilanzposition als absolute Größe steht für die Effizienz der Strukturierten Produkte welche sich in höheren Erträgen und Margen abzeichnet Margen Margen lassen sich durch Intransparenz der Strukturierten Produkte erwirtschaften. Diese Undurchschaubarkeit entsteht zum einen durch eine Fehleinschätzung der Kunden von Ertrag und Risiko, zum anderen mangels Vergleichsmöglichkeiten der Produkte. Zunächst wird die Fehleinschätzung der Kunden erläutert. Ein zu hoch eingeschätzter Ertrag kann, ebenso wie ein unterbewertetes Risiko, zu vermehrter Nachfrage führen. Die ökonomische Theorie unterstellt dem Homo Oeconomicus Rationalität, so dass die normale Marktreaktion bei steigenden Margen ein Rückgang der nachgefragten Menge an Strukturierten Produkten wäre. Das Resultat der Intransparenz ist aber, dass kein oder ein verspäteter Nachfragerückgang zustande kommt, da den Kunden dieser Vorgang verborgen bleibt. Demzufolge ist die Erzielung von Margen so lange möglich, wie Intransparenz vorherrscht. Um diese These zu bekräftigen, muss der zweite einwirkende Faktor bedacht werden. Die Intransparenz stützt sich neben den Fehleinschätzungen der Kunden auf eine mangelnde Vergleichbarkeit der Produkte. Diese fehlende Vergleichbarkeit kann durch immense Unterschiedlichkeit und/oder mangels Konkurrenz entstehen. Auf dem Markt für Strukturierte Produkte kann man mangelnden Wettbewerb ausschließen. Die dort herrschende Konkurrenz sorgt für einen Preiskampf und Transparenz, so dass Margen umso mehr sinken werden, je mehr die Konkurrenz zunimmt. Der Preiskampf mit anderen Anbietern vollzieht sich als Preisangleich, um keinen Nachteil zu erhalten. Die Preise der Marktteilnehmer werden sich solange angleichen, bis sie auf demsel- 26 Quelle: Lukas et al. (2007), Teil 2 S Vgl. Brechmann et al. (2002), S Vgl. Walter (2007), S. 529 ff.

14 ben Niveau liegen. Hier gilt es dann, Kunden auf andere Art zu halten, z. B. über das Image (siehe nächster Abschnitt). Es wird also deutlich, dass eine mangelnde Vergleichbarkeit der Produkte hauptsächlich auf der Unterschiedlichkeit ihres Inhalts beruht. Löst der Wettbewerb durch ähnliche oder sogar gleiche Produkte Transparenz aus, so ist es den Kunden möglich zu vergleichen. Um den daraus resultierenden sinkenden Margen entgegenzuwirken, könnten die Emittenten laufend neue Produkte emittieren. Somit können die Emittenten die Intransparenz der Produkte wahren Image Das Image ist der Gesamteindruck eines Instituts, den sich Kunden auf Grund von Informationen und eigenen Wahrnehmungen bilden. Das Ziel eines Instituts kann demnach nur die positive Beeinflussung der Kundenmeinung durch gezielte Informationsverbreitung bzw. entsprechende Beziehungen zum Kunden sein 30. Zu beachten ist, dass die Kundenmeinung nur beeinflussbar, nicht aber steuerbar im Sinne von garantierter Erreichung des gewünschten Zielerreichungsgrads ist. Um eine bestmögliche Beeinflussung erreichen zu können, sollte ein Institut vom Markt her agieren, d. h. über Kundenwünsche informiert und nach diesen ausgerichtet sein. Folglich stellt sich für ein Institut die Frage, aus welchen Leistungen der Kunde einen Nutzen zieht. Dies könnten u. a. sein: Bequemlichkeit, [ ], Individualität 31, Unabhängigkeit vom Marktgeschehen, kompetente Beratung und modern bzw. in sein durch Teilhaben an Innovationen. Strukturierte Produkte decken eine Vielzahl von Kundenwünschen ab. Sie haben einen modernen und innovativen Charakter 32 und ihre Vielschichtigkeit ermöglicht dem Kunden seine individuellen Strategien umzusetzen, wobei für jeden Marktzustand ein Produkt vorhanden sein sollte 33. Bequemlichkeit und kompetente Beratung sind subjektive, vom Kunden wahrgenommene Begebenheiten, welche über den Umgang mit dem Kundenberater entstehen. Im besten Fall informiert der Berater seinen Kunden immer über aktuelle Produkte und bietet ihm solche an, welche für seine Strategie in der jeweiligen Marktsituation am vorteilhaftesten sind. Dieses Vorgehen strebt nicht nur die bestmögliche Beratung des Kunden an, er wird zudem vor der Konkurrenz vereinnahmt. Der Kunde fühlt sich somit kom- 29 Vgl. Walter (2007), S. 275 ff. 30 Vgl. Lukas et al. (2007), Teil 2 S Quelle: Lukas et al. (2007), Teil 2 S Vgl. Brechmann et al. (2002), S Vgl. ebenda

15 petent, unverzüglich und zufrieden stellend beraten, so dass das Image des Instituts positiv beeinflusst wird. Die genannten Aspekte zeigen somit auf, dass die Emission Strukturierter Produkte zu einer Imageverbesserung beitragen kann. 4. Risikosteuerung anhand der MaRisk Der Inhalt dieses Kapitels stellt die Risikosteuerung von Strukturierten Produkten dar. Zu Beginn werden grundlegende Risiken beschrieben, welche auf ein Institut einwirken. Anschließend werden die Vorgaben der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) als Konkretisierung der Anforderungen des 25a KWG bzw. der Regelungen der Säule II der neuen Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) aufgezeigt und ihre Auswirkungen auf den Umgang mit Strukturierten Produkten erläutert Risikoarten Der Erfolg einer Bank ist abhängig von der Berücksichtigung potentieller Risiken, welche auf das Institut einwirken können. Risiko kann wie folgt definiert werden: Die Möglichkeit eines Schadens oder Verlustes als Konsequenz eines bestimmten Verhaltens oder Geschehens; dies bezieht sich auf Gefahrensituationen, in denen nachteilige Folgen eintreten können, aber nicht müssen. 34 Von der Kasseler Sparkasse wird Risiko allgemeiner definiert als negative Abweichung des erzielten Ergebnisses vom erwarteten Ergebnis 35. Umfassender bedeutet demnach Risiko für die Gesamtbank einen Wertverlust zu erleiden, wodurch der Unternehmenswert sinken würde. 36 Auf eine Bank einwirkende, wesentliche Risikoarten sind das Adressrisiko, die operationellen Risiken, das Liquiditätsrisiko und das Marktpreisrisiko. Diese Risiken müssen erkannt, identifiziert und quantifiziert werden, um eine höchstmögliche Risikotragfähigkeit gewährleisten zu können. Der erste Schritt im Umgang mit Risiken ist demnach diese zu erkennen und zu identifizieren, denn... good managers manage risks, poor managers manage problems. 37 Die nachfolgende Grafik gibt eine systematische Übersicht über die Risikoarten. 34 Quelle: RiskNet (2007a) 35 Quelle: Lukas et al. (2007), Teil 3 S Vgl. Gerdsmeier (1998), S Quelle: RiskNet (2007b)

16 Abbildung 2: Risikoarten Marktpreisrisiken Marktpreisrisiken sind u. a. Zinsänderungsrisiken, Währungs- oder Kursrisiken (vgl. Abbildung 2). Das Marktpreisrisiko [...] beruht auf unerwarteten Veränderungen von Marktpreisen und beinhaltet die Gefahr von Wertverlusten offener Positionen auf Grund eingetretener Preisänderungen. 39 Beispielhaft wird im Folgenden das Zinsänderungsrisiko dargestellt. Ein Institut hat in der Vergangenheit Geld zu einem variablen Zinssatz aufgenommen und Kredite an ihre Kunden zu einem fixen Zinssatz herausgegeben. In der Zukunft kommt es zu einem unerwarteten Anstieg des Zinsniveaus. Das Institut muss dementsprechend den angestiegenen Zins zahlen und bekommt von den Kunden den fixen Zins. Durch die Zinsänderung zahlt das Institut mehr als es vom Kunden einnimmt, so dass der geplante Erfolgsbeitrag aus dem Zinsgeschäft nicht erwirtschaftet wird. Die unerwartete Zinsänderung führt somit zu Wertverlusten. 38 Vgl. Lukas et al. (2007), Teil 3 S. 11 ff., sowie S Quelle: Theiler (2002), S. 18; siehe auch: Grübel (1994), S. 629 und Schlüter, Stratenwerth (1999), S. 470

17 Operationelle Risiken Diese Risiken definiert der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wie folgt: Operationelles Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge externer Ereignisse eintreten. Diese Definition schließt Rechtsrisiken ein, beinhaltet aber nicht strategische Risiken oder Reputationsrisiken. 40 Mögliche Gefahren gehen z. B. von Mitarbeitern, Hackern oder Überfällen aus Liquiditätsrisiken Liquiditätsrisiken lassen sich in kurzfristiges-, langfristiges- und Marktliquiditätsrisiko unterscheiden. Das kurzfristige Liquiditätsrisiko kann als Risiko von Engpässen in der Zahlungsfähigkeit der Bank 41 verstanden werden. Es handelt sich demnach um die Gefahr, dass es einem Institut aus Gründen fehlender bzw. nicht liquidierbarer Aktiva 42 nicht möglich ist, den an sie gestellten Forderungen nachzukommen. Als Beispiel kann ein unerwarteter run auf ein Institut angeführt werden, wie z. B. der run auf Northern Rock 43, welches nicht die liquiden Mittel vorhält, um jede Kundenforderung komplett auszuzahlen. Das langfristige bzw. Refinanzierungsrisiko birgt die Gefahr, dass bei Bedarf nicht ausreichende Liquidität am Kapitalmarkt [und/oder über Kundengeschäfte] zu den erwarteten Preisen beschafft werden kann. 44 Gegenstand dieser Risikoform ist demnach ein Mangel an Fremdkapitalien auf der Passivseite 45, welcher sich bei der Kapitalbeschaffung mit dem Marktpreisrisiko verknüpft. In einer solchen Situation besteht die Gefahr, am Markt schlechte Konditionen zu bekommen. Das Marktliquiditätsrisiko birgt die Gefahr, dass Geschäfte oder Positionen [...] aufgrund nicht ausreichender Markttiefe oder vorliegender Marktstörungen nicht oder nur mit Verlusten aufgelöst bzw. glattgestellt werden können. 46 Als Beispiel hierfür können vom Institut gehaltene Papiere wie z. B. Asset Backed Securities (ABS) genannt werden, welche im Zuge der Subprime-Krise mangels Nachfrage 40 Quelle: Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004) 41 Quelle: Kudernatsch (2002), S Quelle: Lukas et al. (2007), Teil 6 S Vgl. FAZ.NET (2007b) 44 Quelle: Arbeitskreis Revision des Kreditgeschäfts des Deutschen Instituts für Interne Revision e. V. (2002), S Quelle: Lukas et al. (2007), Teil 6 S Quelle: Arbeitskreis Revision des Kreditgeschäfts des Deutschen Instituts für Interne Revision e. V. (2002), S. 109

18 nicht mehr zu verkaufen waren bzw. deren Realisation mit immensen Wertverlusten verbunden war Adressrisiken Unter den Adressrisiken, auch als Kreditausfall- oder Bonitätsrisiken bezeichnet, wird die Gefahr verstanden, durch Kunden- oder Eigengeschäfte Verluste zu realisieren. Diese Verluste entstehen durch eintretende Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Ein Beispiel für das Kundengeschäft kann ein vom Institut vergebener Kredit sein, dessen Zahlungsverpflichtungen der Kunde nicht mehr nachkommen kann. Im Bereich von Privatkunden sind mögliche Gründe der Tod oder die plötzliche Arbeitslosigkeit des Kunden. Bei Firmenkunden ist beispielsweise eine Insolvenz Grund für einen Ausfall. Im Eigengeschäft stellt sich das Adressrisiko wie folgt dar. Legt das Institut selbst Geld an, so ist es auch hier möglich, dass der Geschäftspartner seinen Zahlungsverpflichtungen entweder gar nicht oder nicht termingerecht nachkommt. So könnte bspw. ein Institut Anleihen erwerben, wobei der Emittent während der Laufzeit Insolvenz anmeldet Risikosteuerung mit MaRisk-Risikokategorien Ab dem bzw. spätestens zum müssen die Neuen Baseler Eigenkapitalverordnungen (Basel II) gem. den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG 47 von allen Finanzdienstleistungs- und Kreditinstituten der EU- Mitgliedsstaaten befolgt werden. Verfasser von Basel II ist der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, welcher durch dieses Konsultationspapier die Stärkung der Sicherheit und Solidität des Finanzsystems 48 anstrebt. Der Aufbau von Basel II gliedert sich in drei Säulen. Die erste Säule umfasst die Mindestkapitalanforderungen, Säule 2 den Bankenaufsichtlichen Überprüfungsprozess und Säule 3 die Erweiterte Offenlegung. Die MaRisk sind die Konkretisierung der zweiten Säule, weshalb die Säulen 1 und 3 im Rahmen dieser Arbeit keine weitere Beachtung finden. 47 Quelle: Europäisches Parlament und Rat (2006a) und Europäisches Parlament und Rat (2006b) 48 Quelle: Deutsche Bundesbank (2008)

19 Abbildung 3: Basel II und Umsetzung MaRisk 49 Die Umsetzung von Basel II erfolgte u. a. im Kreditwesengesetz, wobei die zweite Säule auf Grundlage des 25a KWG in deutsches Recht umgesetzt wird. Zur Konkretisierung von 25a KWG wurden die MaRisk entwickelt. 50 Die endgültige Fassung der MaRisk wurde am durch die BaFin 51 veröffentlicht. Die MaRisk konkretisieren diese gesetzliche Weisung durch Vorgaben über Inhalt und Struktur von Risikomanagement, dessen Umgang und letztlich die Überprüfung durch die Aufsicht. Sie setzen sich zum einen aus den bisher geltenden Mindestanforderungen an das Handelsgeschäft der Kreditinstitute (MaH) Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK) Mindestanforderungen an die Interne Revision (MaIR) 52 zusammen, welche weitestgehend integriert wurden. Zum anderen wurden Regelungen für das Zinsänderungs- und Liquiditätsrisiko und die operationellen Risiken beigefügt. 53 Eine weitere und gewichtige Bedeutung erhält auch das Risikomanagement, welches im 25a KWG explizit aufgeführt und als angemessen und wirksam 54 gefordert wird. Der Begriff des Risikomanagements umfasst nun also mehr als die bisherige Identifikation und Steuerung von Risiken, vielmehr wird der Begriff erweitert um die Risikotragfähigkeit, insbesondere die Festlegung angemessener Strategien sowie die Einrichtung angemessener interner Kontrollverfahren. [Diese] bestehen 49 Quelle: Deutsche Bundesbank (2008); RiskNET (2007c) 50 Vgl. Deutscher Sparkassen und Giroverband, S Vgl. Schwarzhaupt (2006), S Vgl. ebenda 53 Vgl. Deutscher Sparkassen und Giroverband, S Vgl. Bundesministerium der Justiz (2008)

20 aus dem internen Kontrollsystem und der Internen Revision. 55 Das interne Kontrollsystem hat zum einen Regelungen zur Aufbau- und Ablauforganisation, zum anderen Regelungen für Risikosteuerungs- und -controllingprozesse zum Inhalt. 56 Die Gliederung der MaRisk erfolgt in modularer Struktur. Der Allgemeine Teil (AT) enthält wesentliche Anforderungen, die keinen unmittelbaren spezifischen Bezug auf bestimmte Geschäftsfelder nehmen, 57 worunter die Risikosteuerungs- und -controllingprozesse (AT 4.3.2) zu finden sind. Der Besondere Teil (BT) enthält besondere Anforderungen an das interne Kontrollsystem (BT 1) bzgl. Aufbau- und Ablauforganisation im Kredit- und Handelsgeschäft (BTO), sowie spezifische Anforderungen an die Risikosteuerungs- und -controllingprozesse (BTR). Zudem gibt es Anforderungen an die Interne Revision im letzten Teil des BT (BT 2). Die folgende Grafik gibt den modularen Aufbau wieder. Besonders hervorgehoben sind die Risikosteuerungs- und -controllingprozesse (AT 4.3.2) sowie die zugehörigen besonderen Anforderungen an diese im Modul BTR, welches die Risikokategorien der MaRisk darstellt. 58 Abbildung 4: Der modulare Aufbau der MaRisk Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2007a) 56 Vgl. ebenda 57 Quelle: Schwarzhaupt (2006), S Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2007a) 59 Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2007b)

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