Oskars Weihnachtsgeheimnis. Text: Bernhard Hagemann Illustrationen: Eigenhufe

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1 Oskars Weihnachtsgeheimnis Text: Bernhard Hagemann Illustrationen: Eigenhufe 15

2 Oskar stapft mit einem Becher Vogelfutter in der Hand durch den hohen Schnee im Garten.»Ist es mal wieder so weit!«, hört er da plötzlich eine Stimme. Erschrocken bleibt Oskar stehen. Wer hat da gesprochen?»ich bin es, der Apfelbaum! Ich finde das nicht gerecht!«oskar schaut zum Apfelbaum, auf dessen blattlose Äste lautlos der Schnee mit dicken Flocken fällt.»was findest du nicht gerecht?«, fragt Oskar.»Glaub nicht, dass ich nicht sehe, was bei euch jedes Jahr um diese Zeit im Wohnzimmer geschieht.was siehst du?dass da ein Tannenbaum von euch sehr verwöhnt wird.«, sagt der Apfelbaum.»Über und über geschmückt. Das macht mich nicht gerade glücklich, glaube mir.«16 17

3 Oskar steht unverändert mit dem Becher in der Hand drei Schritte vom Vogelhaus entfernt, das auf einem Pfahl im Garten thront. Er wollte dort das Futter auffüllen und gleich danach mit seinem Vater den Weihnachtsbaum schmücken. Es ist Heiligabend und bald würde es anfangen zu dämmern. Oskar ist voller Vorfreude und zählt die Minuten bis zur Bescherung.»Ich stehe hier nackt ohne Blätter im Schnee und gucke in das warme Wohnzimmer auf einen Tannenbaum in seiner grünen Pracht, der in Kürze mit funkelndem Lametta geschmückt wird, mit Engeln und vielem anderen.«, sagt der Apfelbaum.»Und was ist mit mir?aber das ist doch unser Weihnachtsbaum!«, sagt Oskar

4 »Und dann wird dieser Baum auch noch mit Äpfeln behängt. Ein Tannenbaum mit Äpfeln! Das ist so, als behängte man mich mit Ananas.Aber es ist doch Weihnachten!«, sagt Oskar.»Der Winter hier draußen ist kalt und nicht gerade unterhaltsam.«, hört er den Baum wieder.»da würde ein bisschen Abwechslung nicht schaden.wie meinst du das?«, fragt Oskar.»Ja und ich?«, fragt der Apfelbaum. Oskar hört ein leises Ächzen, dann fällt der Schnee vom unteren Ast. So als hätte sich der Baum kaum merklich geschüttelt. Oskar ist ratlos. Und ihm wird kalt. Er geht schnell zum Vogelhaus, schüttet den Inhalt des Bechers unter das kleine Dach und kehrt zurück zum Apfelbaum.»Wenn eine Tanne mit Äpfeln geschmückt wird, dann möchte ich ein paar Tannenzapfen an die Äste gehängt bekommen.«sagt der Baum.»Das wäre ein gerechter Tausch. Und so feierliche Glitzersachen möchte ich auch. Und Schokoladenfiguren möchte ich, Kekse auch. Äpfel bitte keine.es reicht, wenn ich im Herbst damit behängt bin.wirklich?«, staunt Oskar

5 Als er wieder ins Haus kommt, ist sein Vater schon beim Schmücken.»Da bist du ja!«, sagt er.»du wolltest mir doch helfen. Nicht, dass das Christkind kommt und der Baum ist noch nicht geschmückt.«jetzt hilft Oskar seinem Vater. Wie jedes Jahr. Diesmal nur hängt er ein paar von den vergoldeten Tannenzapfen weniger an die Äste. Auch mit dem Lametta geht er sparsamer um, genauso mit den Schokoladenfiguren, Keksen und ein paar anderen Dingen. Einiges davon verschwindet unbemerkt in einer bereitgestellten Schachtel. Am Ende ist der Baum wunderschön geschmückt. Bevor Oskar jetzt auf sein Zimmer geht, um sich für die Bescherung fein zu machen, will er noch ein bisschen in den Schnee. Es ist noch Zeit und seine Eltern haben nichts dagegen. Oskar zieht Schuhe und Anorak an und schmuggelt die Schachtel unterm Arm hinaus in den Garten

6 »Da bin ich!«, sagt er zum Apfelbaum.»Ich schmücke dir einen schönen Ast! Für mehr reichen die Sachen nicht.«dann behängt er den untersten Ast, von dem der Schnee gefallen war mit drei goldenen Tannenzapfen. Auch mit den restlichen Dingen aus der Schachtel verschönert er den Apfelbaum. Lametta, Schokoladenfiguren, Kekse, Blechfiguren und zwei kleine Engel. Als Oskar fertig ist, klopft er mit der flachen Hand zärtlich gegen den Stamm, wie man einem Pferd den Hals tätschelt.»danke!«, hört er da den Baum mit zufriedener Stimme

7 Eine Stunde später, mitten in der Bescherung geht Oskar ans Fenster. Im Schein der Straßenlaterne glitzern feierlich die goldenen Tannenzapfen am Apfelbaum und zwei Meisen schielen von einem oberen Ast auf die Kekse hinab. Da sieht Oskar, wie von einem der oberen Äste wieder Schnee vom Baum fällt, obwohl es draußen windstill ist. Oskar hebt seine Hand und winkt zurück und flüstert.»fröhliche Weihnachten!«26

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