Kopiervorlagen und Arbeitsblätter. 1. Pro und Contra Gentechnik. 2. Meinungsumfrage zum Einsatz der Gentechnologie

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1 Kopiervorlagen und Arbeitsblätter 1. Pro und Contra Gentechnik 2. Meinungsumfrage zum Einsatz der Gentechnologie 3. Schritte der ethischen Urteilsbildung nach Tödt 4. Das Modell von Tödt 5. Internetrecherche: Ethische Urteilsbildung

2 Pro und Contra Gentechnik Dank gentechnischer Anwendungen können die Lebensqualität von Mensch und Tier verbessert, sowie Nahrungsmittel und Energie für die wachsende Weltbevölkerung umweltschonender erzeugt werden. Die Gentechnik eröffnet den Menschen neues Wissen, das er zur Verminderung von Krankheit und Leiden und zum Wohl von Mensch und Natur einsetzen kann. Solange diese Zielsetzungen verantwortungsbewusst verfolgt werden, ist die Gentechnik ethisch zu rechtfertigen. Mit der Gentechnik greift der Mensch in innerste Naturprozesse ein, ohne die komplexen Folgewirkungen überschauen zu können. Die genetische Durchleuchtung des Erbgutes und Verbesserungsvorschläge stellen das natürliche Menschsein in Frage. Einseitige gentechnische Zielsetzungen missachten die Würde der Kreatur und bedrohen die biologische Vielfalt. Weil Gentechnik das Leben auf der Erde unabsehbar zu verändern droht, ist sie ethisch nicht zu rechtfertigen. Zitat aus: Plattform Gentechnik & Wir, Österreich, 18/06/02

3 Meinungsumfrage zum Einsatz der Gentechnologie zu verschiedenen Zwecken (Allensbach, 2001) höhere Ernteerträge Krankheits- oder schädlingsresistente Pflanzen Erbschäden zu erkennen und zu verhindern finde ich gut nicht gut unentschieden Krankheiten des Menschen besser bekämpfen zu können Auch Forschung für den Einsatz der Gentechnik wird von den Bundesbürgern differenziert beurteilt. Gut zwei Drittel wünschen sich schnelle Fortschritte in Forschung und Entwicklung, wenn es darum geht, Pflanzen für den Anbau in kargen Regionen der Dritten Welt zu züchten. Deutlich weniger Zustimmung findet die Entwicklung von lang haltbaren Obst- und Gemüsesorten.

4 Schritte der ethischen Urteilsbildung nach Tödt 1. Feststellen des Problems, einschließlich des ethischen Anteils daran 2. Situationsanalyse. Sammeln der Fakten 3. Möglichkeiten finden, wie man sich in der Situation verhalten könnte (Handlungsoptionen) 4. Normen- und Güterprüfung. Normen sind ethische Kriterien wie etwa Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit oder Humanverträglichkeit oder - förderlichkeit; Güter sind zum Beispiel die Forschungsfreiheit, ein gesichertes Auskommen, Rechte wie das Lebensrecht etc. 5. Prüfung der sittlich-kommunikativen Verbindlichkeit der Handlungsoptionen (könnten sich andere genauso entscheiden und verhalten?) 6. Urteilsentscheid (und späterer Rückblick zur Kontrolle)

5 Das Modell von Tödt ein Stufenmodell ethischer Urteilsbildung Heinz Eduard Tödt entwickelte eine ethische Theorie sittlicher Urteilsfindung, auf der eine sechsstufige Schrittfolge für die ethische Urteilsbildung beruht. Schrittfolge 1. Feststellen des Problems, einschließlich des ethischen Anteils daran 2. Situationsanalyse. Sammeln der Fakten 3. Möglichkeiten finden, wie man sich in der Situation verhalten könnte (Handlungsoptionen) 4. Normen- und Güterprüfung. Normen sind ethische Kriterien wie etwa Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit oder Humanverträglichkeit oder -förderlichkeit; Güter sind zum Beispiel die Forschungsfreiheit, ein gesichertes Auskommen, Rechte wie das Lebensrecht etc. 5. Prüfung der sittlich-kommunikativen Verbindlichkeit der Handlungsoptionen (könnten sich andere genauso entscheiden und verhalten?) 6. Urteilsentscheid (und späterer Rückblick zur Kontrolle) Diese Schrittfolge muss nicht in einer Richtung vom ersten bis zum letzten Punkt durchlaufen werden. Vielmehr kann es notwendig werden, während des Prozesses zu vorherigen Punkten zurückzukehren, zum Beispiel nach der Normenprüfung ganz neue Verhaltensmöglichkeiten zu finden. Als wichtigen Punkt während der Urteilsfindung nennt Tödt die Frage, ob die Urteile denn auch kommunizierbar sind. Kommunizierbar bedeutet praktisch, dass anderen Menschen die Entscheidung so erklärt werden kann, dass sie sich anschließen könnten: Jeder Mensch, der in der gleichen Situation und unter den gleichen Bedingungen zum Handeln herausgefordert ist, sollte sich in der gleichen Weise verhalten können, wie es der bevorzugte Urteilsentscheid vorgibt. Ethische Kriterien Zu den ethischen Kriterien gehören zum Beispiel Humanorientierung, Sozialorientierung, Umweltorientierung und Zukunftsorientierung. Ein Mittel kann mit diesen Prinzipien verträglich oder unverträglich sein, im besten Fall fördert es sie. Ein Ziel oder Mittel ist zum Beispiel sozialverträglich, wenn es keine Schäden, auch im Sinne von Nachteilen, für menschliche Gesellschaften verursacht oder wenn es bei der Beseitigung bestehender Schäden hilft. Noch besser wäre es, wenn es das Leben der Gesellschaft verbessern würde, also sozialförderlich wäre. Bei der Zukunftsorientierung geht es darum, dass die Kriterien nicht nur für die nächste Zeit beachtet werden, sondern eine heutige Handlung auch langfristig ethisch vertretbar bleibt. Wir dürfen heute keine Probleme schaffen, deren Lösung wir nachfolgenden Generationen überlassen (wollen). Auf der anderen Seite heißt das konsequenterweise auch, dass Problemlösungen nicht verschleppt werden dürfen, wenn die Situation dadurch vielleicht verschlimmert wird, etwa weil wir die Verantwortung für eine Entscheidung scheuen. Beispiel Am Beispiel der Freisetzung gentechnisch veränderter Rapspflanzen könnte sich das Problem folgendermaßen darstellen: Angenommen, die züchterische Veränderung soll den Raps als Nahrungspflanze verträglicher für die Gesundheit von Mensch und Tier machen. Zur Entscheidung steht an: Soll/darf der Raps angebaut und vermarktet werden? Die Veränderung ist ein Eingriff in Lebewesen, wie jede Form der Züchtung, und auch in wirtschaftliche und gesellschaftliche Lebenszusammenhänge. Beispielsweise hat die Pflanze neue Eigenschaften, mit denen sie ins Freiland kommt. Die aus ihr gewonnnen Nahrungs- oder Futtermittel haben neue Eigenschaften und könnten auch ungeplante neue Eigenschaften haben. Beide Bereiche, die Nutzpflanze im Ökosystem einerseits und ihre Produkte andererseits, müssen jeweils eingeschätzt werden. Dafür werden Fakten gesammelt, zum Beispiel über die Medien

6 wie Fachzeitschriften oder Internet, oder es werden Experten befragt. Nach der speziellen Situationsanalyse, so weit Informationen verfügbar sind, gäbe es vielleicht theoretisch folgende Möglichkeiten zu handeln: Dem Anliegen wird vollständig stattgegeben. Einer Freisetzung der Pflanze kann nur für weitere Versuchszwecke zugestimmt werden (für genauere Untersuchungen im Freiland), der Verkauf oder der Gebrauch ihrer Produkte aber erst mal gar nicht. Einer Freisetzung der Pflanze kann nur für weitere Versuchszwecke zugestimmt werden (für genauere Untersuchungen im Freiland), der Verkauf oder der Gebrauch der Produkte ist dann aber erlaubt. Es wird nun geprüft, welche Möglichkeiten den Normen entsprechen oder widersprechen, die im Zusammenhang mit diesem Fall wichtig erscheinen. Es könnten unter anderem Fragen der Umweltverträglichkeit und der Humanverträglichkeit bzw. förderlichkeit erörtert werden. Steht zum Beispiel noch zu befürchten, dass Umweltschäden durch die Freisetzung auftreten (=nicht umweltverträglich)? Schaden die Produkte unter Umständen der Gesundheit (= nicht humanverträglich) oder fördert ihr Verzehr im Gegenteil nachweislich die Gesundheit (= humanförderlich)? Etc. Schwierig ist es, die Handlungsoptionen danach zu hinterfragen, ob sie kommunizierbar wären. Es geht bei einer ethisch reflektierten Urteilsbildung nach Tödt eben nicht allein darum, sich nur für sich selbst eine Meinung zu bilden und sich um andere Menschen nicht zu scheren. An einem gängigen Beispiel aus der Medizin sei dies verdeutlicht: In den achtziger Jahren gab es heftige Auseinandersetzungen um eine Produktionsanlage zur Erzeugung von menschlichem Insulin mittels gentechnisch veränderter Mikroorganismen. Eine Gruppe von Menschen war der Meinung, dass gentechnische Produktion aufgrund potenzieller Risiken (ungewollte Freisetzung der Organismen etc.) grundsätzlich abzulehnen sei. Dies war nur schwerlich kommunizierbar (und wäre es in heutiger Zeit noch viel weniger): Das Humaninsulin verbessert die Lebensqualität vieler Kranker erheblich; seine Produktion ist humanförderlich. Wie erklärt man den Kranken und ihren Angehörigen die Forderung nach einem Verbot, wenn das Mittel einerseits so förderlich ist und unverantwortliche Schäden zum Beispiel durch entkommene Mikroorganismen andererseits nicht wirklich abzusehen sind? In unserem gedachten Beispiel der gentechnisch veränderten Rapspflanze kommt es nun ebenfalls auf die gefundenen Fakten und ihre Analyse bezüglich der Normen und Güter an, ob man anderen Menschen die Handlungsoptionen als geboten erklären kann oder nicht. Wurde zum Beispiel noch gar nicht untersucht, ob sich die Inhaltsstoffe der Pflanze vielleicht auch ungewollt in negative Richtung verändert haben, kann man einen Verkauf als Lebensmittel schlecht kommunizieren, sondern eher das Gegenteil. Sind dagegen Untersuchungen gemacht worden, nach deren Aussage die neue Pflanze gegenüber den schon vorhandenen Sorten keine neuen Probleme birgt, könnte man dem Züchter kaum erklären, warum er sie nicht verkaufen sollte, dem Landwirt nicht, warum er sie nicht anbauen sollte und auch dem Käufer nicht, warum er sie nicht kaufen sollte. Kommt man für sich selbst zu dem Schluss, dass man den gentechnischen Eingriff etwa aus religiösen Gründen als Eingriff in die Schöpfung ablehnt, kann man seine Forderung nach dem Verbot also in diesem Fall nicht kommunizieren. Stattdessen könnte man aber reklamieren, das man den Kauf verweigern will und deswegen eine Kennzeichnung der gentechnisch veränderten Produkte braucht. Eine Handlungsoption, die kommunizierbar wäre, könnte dann also in einer Erlaubnis des Anbaus und des Verkaufs bei gleichzeitiger Kennzeichnungspflicht bestehen. An diesem Beispiel sieht man auch, dass Schritte der Urteilsbildung unter Umständen wiederholt werden, weil sich neue Gedanken ergeben haben: In diesem Fall kam eine neue Handlungsoption hinzu (Freigabe plus Kennzeichnung), an die zunächst nicht gedacht wurde.

7 Tipps für die Internetrecherche: Internetrecherche: Ethische Urteilsbildung Da eine Internet-Recherche wegen der vielen Suchergebnisse aufwändig werden kann, solltet ihr arbeitsteilig vorgehen: Zuerst werden möglichst viele sinnvolle Suchwörter gesucht. Dann werden diese verteilt, zum Beispiel nach eher kritischen Seiten (Suchwörter genmanipuliert, Risiken, kontaminiert etc.) und Befürworter-Seiten ( gentechnisch verbessert Chancen modifiziert etc.). Zwischendurch solltet ihr prüfen, ob die Suchwörter zu brauchbaren Ergebnissen führen und notfalls die Suchstrategie ändern. Um die Suchergebnisse im Internet einzuschränken, könnt ihr Begriffe für die Suche ausklammern: Erhaltet ihr zu viele unbrauchbare Ergebnisse, die zudem auffällig oft ähnliche Inhalte haben, könnt ihr beispielsweise bei Google damit verbundene Begriffe mit dem Minus-Zeichen ausschließen, zum Beispiel -Medizin. Nützliche Links: Hier finden sich auch viele Links zu Seiten der Akteure (Anwender wie Gegner der Gentechnologie!) (Seite des Ökoinstituts:) oder Inhalt u. a. zu amylosefreier Kartoffel (Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln:) zur amylosefreien Kartoffel (Monsanto:) eine Broschüre über Bt-Mais und (auch als CD- ROM!) enthält u. a. viele Informationen über Mais, Soja, Kartoffeln und weitere Feldfrüchte sowie Argumente der Anwender. Diese Publikationen gibt es auch als Druckversionen und können bestellt werden, ebenso wie ein Kompendium speziell zur Soja-Bohne oder eine Broschüre zu Futtermitteln und Gentechnik. (Novartis:) (Broschüren über Novartis-Foren und Patentierung. Erstere sind eher als Überblick über die gesellschaftliche Debatte und ihre Hintergründe (Metaebene) geeignet) (Greenpeace:) (Ökologisch-Demokratische Partei:) (Basler Appell:) (Umweltministerium Bayern:) (Bund für Umwelt und Naturschutz:) (Gen-ethischer Informationsdienst:) (Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche, zum Beispiel:) (Genschutz-Initiative, Argumentarium:) Nützliche Linkliste unter Eine eigene Suche kann zum Beispiel unter vorgenommen werden, allgemeine Suchbegriffe: genmanipuliert + Risiken ; gentechnisch + Chancen oder die Stichworte aus den zu diskutierenden Fällen wie Amylose Maiszünsler, herbizidtolerant + Soja (oder herbizidresistent ) etc.

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