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3 Rechtliche Hinweise Die in der Wissensbroschüre veröffentlichten Daten und Angaben sind als bloße kostenlose Information zu verstehen. Diese Informationen können daher nicht als Basis für individuelle Handlungen und Entscheidungen herangezogen werden. Zukünftige Entwicklungen von Märkten, Fonds, Aktien und Währungen können nicht garantiert werden. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sagen nicht notwendigerweise etwas über die zukünftige Wertentwicklung aus. moneyfruits haftet nicht für von Ihnen getroffene Anlage- und Finanzierungsmaßnahmen, die Sie selbständig aus der Website oder dieser Broschüre ableiten. Die Information in der Wissensbroschüre wird in gutem Glauben veröffentlicht; weder moneyfruits noch irgendeine andere Person kann jedoch für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information eine ausdrückliche oder implizierte Garantie übernehmen. Die Information in der Wissensbroschüre stellt weder Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung noch Rat in sonstiger Hinsicht dar. moneyfruits übernimmt keine Haftungen für etwaige Verluste oder Schäden, die aus dem Vertrauen in die hier veröffentlichten Informationen entstehen. moneyfruits behält sich Änderungen an den Texten vor. Die Information in der Wissensbroschüre ist urheberrechtlich geschützt. Sämtliche Rechte sind vorbehalten. Diese Broschüre dient nur zu Ihrer persönlichen Information und darf nicht weiterverarbeitet werden. Die Verwendung zum persönlichen Gebrauch ist jedoch erlaubt. Urheberrechtshinweise und Markenbezeichnungen dürfen weder verändert noch beseitigt werden. Die Einrichtung eines Hyperlinks von anderen Websites auf eine diesem Online-Angebot angehörende Internet Seite ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Hookipa ist untersagt. Insbesondere ist es unzulässig, die zu diesem Online-Angebot gehörenden Internet Seiten oder deren Inhalt mittels eines Hyperlinks in einem Teilfenster (Frame) einzubinden oder darzustellen. moneyfruits Finanzdienstleistungs-AG Schlossplatz 7 A-8051 Graz Tel: 0316/ Fax 0316/ FN b DVNR CA: BLZ: 11870/Kt.Nr.: /00

4 - 4 - Inhaltsverzeichnis Indexing Grundlagen indexorientierten Investierens 5 Merkmale und Unterschiede von Indexfonds, Indexaktien, Indexzertifikaten 10 Aktive Anlagestrategien kritisch betrachtet 14 Warum Indexing in Europa (noch) nicht populär ist 22 Weitere interessante Texte zum Thema Indexinvestment finden Sie auf unserer Web-site unter Wissen ist Geld : - Indexorientiert Investieren schnell erklärt - Die wichtigsten Aktien- und Rentenindizes - Wissenschaftliche Studien zur Überlegenheit von Indexing - Presseartikel über Indexing

5 - 5 - Grundlagen indexorientierten Investierens Was ist indexorientiertes investieren? Indexorientiertes Anlegen ist ein Investmentansatz mit dem Ziel, die Rendite eines oder mehrerer Aktienmärkte genau nachzubilden. Diese Märkte werden durch Aktienindizes repräsentiert. Bekannte Aktienindizes sind z.b. DAX, EuroStoxx 50, Nikkei 225 und S&P 500. (Ein Aktienindex repräsentiert den gewichteten Durchschnitt aller Wertpapiere in dem Index.) Finanzwissenschaftler gebrauchen für "indexorientiertes Anlegen" häufig die Bezeichnungen "Indexing" oder "passives Portfoliomanagement". Indexing ist das Gegenteil von aktivem Investieren oder aktivem Portfoliomanagement. Man kann Indexing oder passives Portfoliomanagement am besten charakterisieren, indem man zuerst darstellt, was aktives Anlagemanagement ist. Aktives Anlagemanagement ist das, "was alle machen". Über 95% aller Privatanleger sind aktive Anleger. Beim aktivem Investieren will der Anleger Wertpapiere finden, die vom Markt - gegenüber ihrem "fairen" (also "angemessenen") Preis - falsch bewertet werden, also entweder zu teuer sind oder zu billig. Im Falle zu billiger, unterbewerteter Aktien würde der aktive Anleger diese Aktie kaufen. Dann hält er das Papier so lange, bis der Markt den Bewertungsirrtum erkannt hat und den Preis durch verstärkte Nachfrage auf seinen fairen Level hinaufkorrigiert. An diesem Punkt verkauft der Anleger das Wertpapier wieder. Die Frage, wie ein Anleger die Unter- oder Überbewertung eines Wertpapiers erkennt, hängt von der speziellen aktiven Anlagestrategie ab, die er verfolgt. Davon gibt es - je nach Zählweise - fünfzig oder mehr. Die bekanntesten sind Stock-Picking auf der Basis fundamentaler Analyse, Stock-Picking auf der Basis technischer Analyse und Market-Timing auf der Basis makroökonomischer Analysen (vorübergehendes Über- oder Untergewichten von Märkten oder Marktsegmenten). Natürlich führen die meisten Privatanleger diese Analysen nicht wirklich selbst durch. Stattdessen orientieren sie sich an den Anlageempfehlungen anderer, z.b. an den Empfehlungen ihres Bankbetreuers oder der Unternehmensberichtserstattung in der Wirtschaftspresse. Schlussendlich ist aber auch diese Form des Anlegens lupenreines aktives Anlagemanagement. Passives Anlagemanagement unternimmt dagegen keinerlei Versuche, attraktive von unattraktiven Wertpapieren zu unterscheiden, Wertpapierkurse zu prognostizieren oder Märkte zu timen. Passive Anleger investieren in ein oder mehrere breite Segmente des Aktienmarktes, sogenannte Asset- Klassen. Genauso wie aktive Investoren wollen auch sie eine möglichst hohe Rendite erzielen, doch tun sie dies auf eine völlig andere Weise: - Sie akzeptieren die durchschnittliche Rendite des Marktes oder der Asset-Klasse (Beispiel für eine Asset-Klasse: Nordamerikanische Standard-Aktien oder japanische Nebenwerte). - Sie ignorieren die Informationen über "vielversprechende" Investmentgelegenheiten, die aktive Anleger kontinuierlich suchen.

6 Sie verteilen ihre Investments auf der Grundlage wissenschaftlich seriös bestätigter, hochgradig wahrscheinlicher Langfristwerte für Rendite und Risiko (Wertschwankungen) der unterschiedlichen Asset-Klassen. - Sie diversifizieren systematisch und sehr breit über mehrere Asset-Klassen hinweg. - Sie traden (kaufen, verkaufen) extrem wenig, um so ihre Kosten zu minimieren (Buy-and-Hold- Ansatz). - Ohne selber Finanzwissenschaftler sein zu wollen, verlassen Sie sich dennoch lieber auf wissenschaftlich bestätigte Erkenntnisse über den Investmentprozess und sind gegenüber der Berichterstattung der populären Finanzmedien skeptisch. Trotz der anspruchsvollen Theorie, die dahinter steckt, lässt sich passives Anlegen überraschend einfach mit Indexfonds, Indexaktien (börsengehandelten Indexfonds) und Indexzertifikaten praktizieren. Wer sollte indexorientiert investieren? Grundsätzlich ist das sog. Indexing, d.h. indexorientiertes Investieren, für jedermann geeignet, weil es vermutlich die einfachste und stressfreieste, systematische Anlagestrategie überhaupt ist. (a) Besonders gut passt Indexing für die folgenden Anlegertypen: - Anleger, die entweder eine einmalige Summe von mindestens Euro oder monatlich mindestens 100 Euro anlegen können. - Anleger, die - wie Fondsanleger generell - nicht das beträchtliche Risiko und die Arbeit auf sich nehmen wollen, in einzelne Wertpapiere zu investieren. - Anleger, die eine möglichst simple Anlagestrategie wollen, ein übersichtlich aufgeteiltes Portfolio bevorzugen und nach der einmaligen Strukturierung ihres Portfolios nur noch wenig Zeit auf dessen Verwaltung und Überwachung verwenden wollen. - Anleger, die einen langfristigen Anlagehorizont haben, typischerweise mehr als vier Jahre. Insbesondere werden dies Anleger sein, die Wertpapier- und Fondsanlagen unter dem Blickwinkel der Alterssicherung sehen. - Anleger die ihre langfristige erwartete Rendite mit hoher Verlässlichkeit und Konstanz auf einen realistischen Zielwert hin ausrichten wollen (13% Nettorendite p.a. dürfte auf lange Sicht die Obergrenze sein). - Anleger, die nicht die Mühe und das Risiko auf sich nehmen wollen, aus den über hundert mit einander konkurrierenden "aktiven" Anlagestrategien eine einzelne Strategie mit ungewisser Aussicht auf Erfolg auszuwählen.

7 Anleger, die Investieren nicht vollständig an jemanden anderen delegieren wollen, also sich nicht ausschließlich auf die Anleitungen und Empfehlungen einer einzelnen Person (Bankberater, Freund) oder einer Institution verlassen wollen. - Anleger, die einen möglichst kleinen Teil ihrer Bruttorendite in Form von Kosten an ihre Bank, ihren Vermögensberater oder an eine Fondsgesellschaft abgeben wollen. - Anleger, die bereit sind Emotionen aus ihrem persönlichen Investmentprozess heraus zu halten sowie Anleger, die gewillt sind, plausiblen und verständlich formulierten Argumenten der Wissenschaft zu folgen - auch wenn diese der herrschenden Meinung widersprechen. (b) Für wen ist Indexing dagegen kaum geeignet: - Anleger mit einem Anlagehorizont von weniger als drei Jahren. - Anleger, die für ihre Investments ein sofortiges "Ergebnis" sehen wollen. - Anleger, die gerne "zocken", also Anleger, für die Investieren ein emotional belegtes Hobby ist, eine Freizeitaktivität, die einen gewissen "Kick" bringen muss. Dies sind Anleger, die es bevorzugen, auf der Basis von Empfehlungen und Spekulationen in der Presse, im Fernsehen und in Internet-Chatrooms zu investieren. Oder die sich gerne durch interessante Unternehmensportraits- und -analysen von Banken, durch sogenannte Megatrends und Experten-Tipps zu Kapitalanlagen anregen lassen. - Anleger, die lieber alles auf eine Karte setzen wollen, um vielleicht doch noch den "großen Treffer" zu landen. - Anleger, die sich nicht von den Empfehlungen ihres Bankberaters oder eines guten Freundes (der "etwas von Geld versteht") lösen können oder wollen. Vorteile indexorientierten Investierens Die vielen Vorteile von Indexing gegenüber konventionellen Investmentfonds und der Anlage in einzelnen Wertpapieren lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Indexing liefert im Durchschnitt höhere langfristige Nettorenditen für einen gegebenen Risikolevel als aktives Portfoliomanagement, gleichgültig auf welcher Strategie dieses basiert. Die Vorteile eines Index-Portfolios gegenüber einem aktiv gemanagten Portfolio hängen weder vom Können des Investors, noch von seinem Glück, noch von einer bestimmten Zeitperiode ab. Mehr als 90% aller aktiv gemanagten Investmentfonds scheitern daran, die langfristige Nettorendite konkurrierender Indexanlagen zu erreichen. Noch vernichtender sieht die Bilanz für Privatanleger aus, die in Einzelanlagen investieren. Die Gruppe der wenigen aktiven "Outperformer-Fonds", die bei Performance-Vergleichen den Index schlagen, wechselt in ihrer Zusammensetzung laufend. Es ist faktisch nicht möglich, einen Outperformer-Fonds für eine bestimmte Vergleichsperiode (Beispiel 1997

8 - 8 - bis 2000) im vorhinein zu identifizieren, insbesondere nicht auf der Basis historischer Renditen. Diesem fatalen Irrtum unterliegen Untersuchungen in den USA zufolge weit über 90% aller Anleger. Aus recht einsichtigen Gründen unternehmen weder die Fondsgesellschaften in ihrer Werbung, noch die Anlegerzeitschriften etwas, diesen Irrtum auszuräumen. In der umfangreichsten und anspruchsvollsten Studie zur Langfrist-Performance von Investmentfonds, die jemals durchgeführt wurde, untersuchte der amerikanische Finanzökonom Mark Carhard die Performance amerikanischer, aktiv gemanagter Investmentfonds über die Periode 1961 bis Für den 34-Jahre-Zeitraum lagen in dieser Studie mehr als 94 Prozent aller Fonds unter dem Vergleichsindex. Der durchschnittliche Fonds blieb 1,7 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem Index zurück. Auch für Deutschland bzw. Europa wurde eine Vielzahl von Studien angestellt, die analoge Ergebnissen lieferten. Aufgrund des Zinseszinseffekts haben solche scheinbar kleinen Prozentunterschiede langfristig dramatische Konsequenzen, die man sich gut anhand eines Rechenbeispieles vor Augen führen kann. Wir nehmen zwei Investments von je Euro an. Beide haben eine Laufzeit von 25 Jahren. Das erste ist ein Indexfonds der - sagen wir - 12,0 Prozent Rendite pro Jahr liefert, das zweite Investment ist ein durchschnittlicher aktiv gemanagter Fo nds, der - wie in der Carhard-Studie - 1,7 Prozentpunkte weniger Rendite schafft, also 10,3 Prozent. Wert des Indexfonds nach 25 Jahren: EUR Wert des aktiv gemanagten Fonds nach 25 Jahren: EUR Wertvorsprung des Indexfonds in Euro: EUR Wertvorsprung des Indexfonds in Prozent: 46,6 % Ein scheinbar kleiner Performance-Unterschied von 1,7 Prozentpunkten führt also über einen langen Zeitraum von 25 Jahren dazu, dass das Index-Portfolio um fast die Hälfte wertvoller ist als das konventionelle Portfolio. Im Einzelnen besitzen Indexanlagen gegenüber konventionellen Anlagen (z.b. aktiven Investmentfonds) folgende Vorteile: - Bessere Rendite-Risiko-Kombination: Indexfonds belegen mit einer weitaus höheren Konstanz und Vorhersagbarkeit die Rendite-Spitzenplätze ihrer jeweiligen Fondsgruppe. - Zuverlässigere Performance: Die Wahrscheinlichkeit, das Mindestertragsziel (nämlich die Rendite des Marktes) zu erreichen ist 100%, dagegen für den durchschnittlichen aktiven Fonds unter 50%. - Geringeres Risiko: Indexanlagen weisen überwiegend niedrigere Wertschwankungen (Volatilität) auf als aktiv gemanagte Portfolios (oder Fonds), da sie besser diversifiziert sind. - Weniger Arbeit: Der Arbeitsaufwand bei Konzeption, Umsetzung und Überwachung eines Indexportfolios ist weitaus geringer. Indexanlagen sind darüber hinaus die einzigen Investmentprodukte, mit denen Privatanleger eine einfache, transparente und systematische Asset-Allokation durchführen können.

9 Mehr Transparenz: Indexanlagen und Index-Portfolios sind transparenter, verständlicher und leichter zu überblicken als konventionelle Anlagen oder Portfolios. - Niedrigere Kosten: Die einmaligen und die laufenden Kosten von Indexanlagen betragen durchschnittlich nur ein Viertel bis ein Fünftel der Kosten aktiver Anlagen. - Keine Gefahr von Style Drift: Es besteht keine Gefahr, dass eine Indexanlage ihre Anlagestrategie im Zeitablauf ändert (Fachausdruck "Style Drift"), wie das bei konventionellen Investmentfonds häufig der Fall ist, z.b., wenn der Manager wechselt (durchschnittlich alle 2,5 Jahre). - Mehr "Peace of Mind": Da von vornherein keine Outperformance angestrebt, sowie ein strikter Buy-and-Hold-Ansatz praktiziert wird, ist der Stressfaktor von Indexanlagen niedriger. Ferner hat der Anleger in der Gewissheit, eine Anlageform gewählt zu haben, die den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und deren Schöpfer insgesamt fünf Wirtschaftsnobelpreise erhielten. Indexfonds werden von den erfolgreichsten Anlegern der Welt empfohlen, darunter Warren Buffet und Peter Lynch.

10 Merkmale und Unterschiede von Indexfonds, Indexaktien, Indexzertifikaten Indexfonds Indexfonds sind grundsätzlich ganz normale Investmentfonds. Was sie von gängigen, aktiv gemanagten Fonds unterscheidet ist, dass sie einen bestimmten Wertpapierindex, zum Beispiel den Euro Stoxx 50 oder den amerikanischen S&P 500-Index, nachbilden. Das heißt, das Fondsvermögen ist in der gleichen Gewichtung in diejenigen Aktien investiert, aus denen sich auch der betreffende Index zusammensetzt. Anders als aktiv gemanagte Fonds hat ein Indexfonds nicht das Ziel, den Bezugsindex (Benchmark) zu übertreffen, indem versucht wird vermeintliche Outperformer- Wertpapiere zu kaufen. Einen Fonds-Manager im eigentlichen Sinne braucht ein Indexfonds daher nicht, denn der Index gibt die Auswahl der Aktien vor. Deswegen auch die Bezeichnung "passives Portfoliomanagement" für den Anlagestil von Indexfonds. Logischerweise entspricht die Rendite eines Indexfonds ziemlich genau der Rendite des dazugehörigen Index. Das erklärt auch, warum Indexfonds die große Mehrzahl der normalen Fonds schlagen. Diesen gelingt es nicht, die Indexentwicklung zu erreichen. Ein wichtiges Merkmal von Indexfonds im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds sind ihre weitaus geringeren, die Anlegerrendite reduzierenden Kosten. Die Gesamtkosten eines Indexfonds betragen jährlich bis zu 1% des Fondsvermögens, bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds dagegen rund 2,5% oder mehr. Indexaktien bzw. Exchange Traded Fund (ETFs) Indexaktien bzw. Exchange Traded Funds (ETFs) sind in den meisten für den Anleger wesentlichen Gesichtspunkten mit normalen Indexfonds identisch. Allerdings werden sie wie etwa Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere über die Börse gehandelt. Das ist bei konventionellen Investmentfonds (auch Indexfonds) nicht der Fall. Wer einen normalen Fondsanteil kauft, tut dies direkt bei der Fondsgesellschaft. Die Geldmittel, welche die Fondsgesellschaft dafür erhält, investiert sie danach gemäß der Anlagepolitik des Fonds in bestimmte Wertpapiere. Will der Anleger seinen Fondsanteil wieder abstoßen, verkauft er ihn an die Fondsgesellschaft zurück. Diese muß dann um dem Verkäufer Geldmittel für seinen Fondsanteil geben zu können wieder Fondsvermögen in Höhe des entsprechenden Betrages verkaufen. Anders bei Indexaktien. Der Anleger kauft und verkauft seine Fondsanteile über die Börse von bzw. an einen anderen Anleger (natürlich ist immer ein Broker dazwischen geschaltet). Für die Fondsgesellschaft hat das den Vorteil, dass sie nicht ständig mit zuund abfließenden Geldern fertig umgehen muss, was sich auf die Fondsrendite negativ auswirkt (denn die Fondsgesellschaft muss entweder Liquidität dafür vorweisen oder kurzlaufende Kredite aufnehmen, um Anleger jederzeit ausbezahlen zu können). Welche Vorteile haben Indexaktien gegenüber nicht-börsengehandelten Indexfonds? Erstens: Es ist beim Kauf kein Ausgabeaufschlag zu zahlen, sondern wie bei Aktien die Geld-Brief-Spanne und eine Maklercourtage. Deren Gesamthöhe hängt stark vom Anlagebetrag ab, dürfte aber für Privatanleger recht selten unter einem Prozent liegen. Das ist deutlich weniger als der Ausgabeaufschlag der meisten in Österreich zugelassenen Indexfonds. Andererseits fällt dieses eine Prozent auch beim Verkauf wieder an, was bei einem normalen Indexfonds nicht der Fall ist. Die

11 laufenden Kosten von Indexaktien (rund 0,5% p.a.) tendieren ebenfalls dazu, etwas niedriger zu sein als bei der Mehrzahl (aber nicht allen) normalen Indexfonds. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Indexaktien zu den Öffnungszeiten der Börsen rund gehandelt werden können. Für einen normalen Investmentfonds wird nur einmal täglich ein Kurs festgesetzt. Folge: Anteile eines solchen normalen Fonds, die nachmittags geordert werden, werden zum Mittagskurs des Vortages abgerechnet. Dieser Nachteil dürfte allerdings für die meisten Fondsanleger keine Rolle spielen, da Fondsanlagen für sehr kurze Anlageperioden ohnehin keinen Sinn machen. Zwei weitere, technische Vorteile (die ebenfalls für den typischen Fondsanleger bedeutungslos sind) liegen in der Möglichkeit zum Leerverkauf (short selling) und im marging trading von Indexaktien. Indexzertifikate Indexzertifikate und Indexfonds sind bezogen auf ihr Rendite-Risiko-Profil sehr ähnliche Investmentprodukte, doch sind sie ganz anders konstruiert. Ein Indexfonds (wie auch eine Indexaktie) ist in Österreich ein Anteil an einem sogenannten Sondervermögen, was bedeuten soll, dass der Fondsanteilschein einen gleichmäßigen Bruchteil an allen Wertpapieren, die zum Fondsvermögen gehören, repräsentiert. Diese Wertpapiere existieren real, und die Fondsgesellschaft übt folgerichtig (im Falle von Aktienfonds) auch die unternehmerischen Rechte aus, die Aktionäre haben. Dessen ungeachtet ist die Fondsgesellschaft lediglich Verwalterin des Fondsvermögens. Käme es zum Konkurs der Fondsgesellschaft, wäre dies für die Fondsanteilsbesitzer letztlich unerheblich, da ihre Anteile davon nicht betroffen wären. Anders sieht es bei Indexzertifikaten aus. Ein solches Zertifikat ist rechtlich eine (Bank-) Schuldverschreibung, also eine Anleihe. Allerdings fließen bei einem Zertifikat keine Zinsen an den Anleger (wie bei einer normalen Anleihe) - auch keine anderen laufenden Erträge wie Dividenden oder Bezugsrechtserlöse wie das bei ausschüttenden Fonds der Fall ist. Stattdessen erhält der Anleger am Tag der Fälligkeit des Zertifikates von der emittierenden Bank einen Geldbetrag, der dem Stand des Index entspricht, auf den sich das Zertifikat bezieht. Indexzertifikate haben gegenüber Indexfonds und Indexaktien drei Nachteile und einen Vorteil: Nachteil 1 ist das Bonitätsrisiko der Emissionsbank. Mit diesem komplexen Ausdruck wird zum Ausdruck gebracht, dass der Zertifikatsbesitzer sein Investment im Falle eines Konkurses der Emissionsbank wahrscheinlich verlieren würde. Der an sich wichtige Vorteile von Indexanlagen, nämlich die Streuung und damit Risikoreduktion des Anlagebetrages auf viele einzelne Unternehmen, hätte dem Inhaber in diesem Fall nichts gebracht. Nachteil 2 ist die Laufzeitbegrenzung: Im Unterschied zu Indexfonds und Indexaktien haben die meisten jedoch nicht alle Zertifikate eine begrenzte Laufzeit von durchschnittlich fünf Jahren (einzelne Zertifikate wesentlich länger). Bei Fälligkeit zahlt die Emissionsbank den Wert an den Besitzer aus, und dieser muss sich um eine Neuanlage kümmern. Die meisten Banken legen allerdings das gleiche Indexzertifikat wieder auf, so dass der Anleger "nahtlos" und unverändert investiert bleiben kann. Ende 2000 kamen erfreulicherweise die ersten Zertifikate ohne Laufzeitbegrenzung auf den Markt. Bei diesen Zertifikaten hat der Anleger das Recht, zu einem bestimmten Termin im Jahr, das Zertifikat zum Kursstand an die Emissionsbank zurückzuverkaufen.

12 An jedem anderen Tag ist ein Verkauf "nur" über die Börse möglich. (Anders als Indexfonds werden Indexzertifikate wie Indexaktien laufend über die Börse gehandelt.) Nachteil 3 von Indexzertifikaten besteht darin, dass die Dividenden der im Index enthaltenen Aktien, bei Zertifikaten auf Kursindizes an die Emissionsbank fließen, nicht an den Anleger wie das stets bei Indexfonds und Indexaktien der Fall ist (selbst, wenn diese sich auf einen Kursindex beziehen). Die einbehaltenen Dividenden werden von der Bank für die normalerweise nicht vorhandene laufende Verwaltungsgebühr bei Indexzertifikaten verwendet. (Bei Indexfonds und Indexaktien fällt stets eine Verwaltungsgebühr an.) Die Dividendenrendite bei vielen Indizes zwischen 0,3 und 1,5% p.a. liegt, kann man sagen, dass die entgangenen Dividenden etwa der Verwaltungsgebühr bei Fonds und Indexaktien gleichkommt. Nur leider ist die Höhe der entgangenen Dividende nicht genau im Voraus bekannt (hier besteht also auch ein Nachteil in der Transparenz). Der Vorteil von Indexzertifikaten gegenüber Indexfonds besteht in ihren (nicht immer) niedrigeren Kosten. Diese bestehen in einer Geld-Brief-Spanne und Maklercourtage von rund einem Prozent, zahlbar bei Kauf des Zertifikates. Wird das Zertifikat vor Fälligkeit wieder verkauft, fallen diese Kosten nochmals an, nicht jedoch wenn der Anleger das Papier bis zur Fälligkeit hält, was normalerweise der Fall ist. Laufende Verwaltungsgebühren gibt es bei (einfachen = nicht strukturierten) Indexzertifikaten in der Regel nicht (dafür wird aber mitunter die Dividende einbehalten siehe Nachteil 3). Leider kursieren verwirrend viele, verschiedene Namen für Indexzertifikate, z.b. werden sie gelegentlich auch als Indexscheine, Partizipationsscheine, Participations- oder Index-Stocks bezeichnet. Hinzu kommt noch ein Sammelsurium von Namen für sogenannte strukturierte Zertifikate, womit wir auch gleich beim nächsten Punkt wären: Das hier zu Indexzertifikaten Gesagte bezieht sich nur auf "einfache" Indexzertifikate (Fachjargon: "plain-vanilla-zertifikate" oder "nicht-strukturierte Zertifikate"). Es gilt hingegen nicht für strukturierte Zertifikate (oft auch als Basket-Zertifikate oder Exoten bezeichnet). Von diesen mit deutlich höheren Kosten behafteten Wertpapieren ist aus der Sicht eines Indexers abzuraten, da sie trotz der Bezeichnung "Index" im Namen spekulative Anlageinstrumente sind. Das gilt übrigens auch für die populären Cap-Zertifikate (Discountzertifikate) und Floor-Zertifikate (Garantiezertifikate)

13 Tabelle: Die wesentlichen Unterschiede zwischen den drei Index-Anlagetypen: Kriterium Index-Fonds Index-Aktien Index-Zertifikate Emittentenrisiko (Bonitätsrisiko): Laufzeitbegrenzung und Anschlußrisiko: Als Sparplan verfügbar? Höhe der Gesamtkosten (einmalige Kosten und laufende Kosten) Wem fließen die Dividenden zu? Preis- und Kostentransparenz: Besteuerungsänderungsrisiko Kein Konkursrisiko hinsichtlich des Fondsemittenten oder der Depotbank. Keine Laufzeitbegrenzung und daher kein Anschlussrisiko. Zwar nicht immer aber relativ oft. Im allgemeinen höher als bei Indexaktien und Index-zertifikaten. Letztlich ist eine Betrachtung im Einzelfall notwendig. Keine Kosten beim Ver-kauf. Analog Indexfonds. Analog Indexfonds. Nein. Im allgemeinen am niedrigsten. Kosten beim Verkauf fallen an. Volles Konkursrisiko hinsichtlich der Emissionsbank. Theoretische Gefahr des Totalverlustes. Viele Indexzertifikate (nicht alle) besitzen eine LZ-Begrenzung, daher auch ein Anschluss-risiko. In deutlich weniger Fällen als bei Indexfonds. Im allgemeinen niedriger als bei Indexfonds aber etwas höher als bei Indexaktien. Kosten beim Verkauf vor Fälligkeit fallen an. Letztlich ist eine Betrachtung im Einzelfall notwendig. Dem Anleger. Dem Anleger. Bei Zertifikaten auf Performance-Indizes dem Anleger, bei Zertifikaten auf Kursindizes (Price-Indices) der Emissionsbank. 90% aller Zertifikate beziehen sich auf Kursindizes. Nicht völlig zufriedenstellend, da das Total Expense Ratio (laufende Gesamtkosten ohne Ausgabeaufschlag) oft schwer heraus zu finden ist. Nicht höher als bei anderen Formen der Kapitalanlage. Nicht völlig zufriedenstellend, da das Total Expense Ratio (laufende Gesamtkosten ohne Ausgabeaufschlag) oft schwer heraus zu finden ist. Nicht höher als bei anderen Formen der Kapitalanlage. Nicht völlig zufriedenstellend, da die Gesamtkosten des Kaufs und Verkaufes, ebenso wie die entgangene Dividendenrendite nicht genau bekannt sind. Derzeit steuerlich bevorzugt* *) Laut dem österreichischem Bundesministerium für Finanzen unterliegen Standard-Indexzertifikate nicht der Sicherungsbesteuerung für ausländische Fonds. Dieser Umstand ergibt sich aus dem Schuldverschreibungscharakter der Zertifikate.

14 Aktive Anlagestrategien kritisch betrachtet Die unrealistischen Annahmen aktiver Anlagestrategien Alle aktiven Anlagestrategien basieren bei genauerer Betrachtung auf erstaunlich unrealistischen Annahmen. Macht man sich die Annahmen dieser Strategien einmal im einzelnen bewusst, wird schnell deutlich, wie unwahrscheinlich ja geradezu abenteuerlich diese Voraussetzungen für das Funktionieren aktiver Anlagestrategien sind. Nehmen wir als Beispiel eine der am meisten verbreiteten aktiven Anlagestrategie: Stock-Picking (dt. etwa Aktien rauspicken ) auf der Basis fundamentaler Unternehmensanalyse. Unter welchen Bedingungen funktioniert diese Strategie? Um diese Frage zu beantworten, ist noch kurz zu klären, was "funktionieren" in diesem Zusammenhang heißt. Fachleute liefern für eine funktionierende Strategie folgende Definition: Eine funktionierende Anlagestrategie ist eine Strategie, die über einen hinreichend langen Zeitraum und belegt durch eine größere Anzahl wiederholbarer - nach dem Stand der Finanzwissenschaft durchgeführter - Tests, zu einer risikogewichteten Netto-Rendite führt, die über dem durchschnittlichen Wert der betreffenden Asset-Klasse (des Marktsegmentes, in das investiert wurde) liegt. Man spricht in diesem Fall vom Erzielen einer Überrendite (Excess Return). Risikogewichtete Netto-Rendite heißt schlicht: [a] von der Brutto-Rendite des Investments wurden alle Kosten abgezogen, die das Investment verursacht hat und [b] die dann resultierende Netto-Rendite wurde zum Risiko (Wertschwankungen = Volatilität) des Investments ins Verhältnis gesetzt (siehe hierzu die Abschnitte Risiko richtig verstehen und Das Sharpe-Ratio ). Ein objektiver Vergleich der Rendite zweier Investments ist nur möglich in Form der risikogewichteten Netto-Rendite. Was sind nun die weitverbreiteten Voraussetzungen/Annahmen für das Funktionieren von Stock- Picking? Das Ziel des Stock-Pickers besteht darin, individuelle Aktien zu finden, die vom Markt "unterbewertet" werden, das heißt billiger sind oder teurer als ihr fairer ("wahrer, richtiger") Wert. Beschränken wir uns auf den etwas einfacheren Fall des zu billigen, also unterbewerteten Wertpapiers. Es passiert folgendes: - Unser Stock-Picker ist der Erste (oder einer der Ersten), der die Unterbewertung des Wertpapiers erkennt. Daher kauft er das zu billige Wertpapier. - Nun wartet der Stock-Picker darauf, bis der restliche Markt diese Unterbewertung ebenso erkennt. Das soll wenige Minuten dauern (wie bei Day-Trading) oder mehrere Monate wie bei eher traditionellem Stock-Picking!. - Sobald der Markt die Unterbewertung erkannt hat, werden viele andere Anleger das Papier ebenfalls kaufen und damit seinen Preis auf den wahren Wert hinauf korrigieren.

15 Dann erkennt der Stock-Picker wieder als Erster oder einer der Ersten wann nicht mehr mit einem nennenswerten kurz- bis mittelfristigen Preisanstieg zu rechnen ist und verkauft daher das Wertpapier. Den Erlös investiert er in ein anderes unterbewertetes Wertpapier. Der Zyklus beginnt von neuem. Bei diesem Prozess ist es logischerweise notwendig, dass der Stock-Picker beim Kauf des Papiers genauso wie beim späteren Verkauf, einen anderen Investor findet, der die entgegengesetzte Einschätzung des Kurspotentials des Papiers hat als er selbst. Kauft unser Stock-Picker das Wertpapier, weil er es für unterbewertet hält, dann muss er es von jemandem kaufen, der es für überbewertet hält. (Die Anleger, die nur aus Liquiditätsgründen verkaufen ohne unmittelbar zu reinvestieren, sind eine kleine Minderheit.) Wer das heutige Börsengeschehen aus eigener Erfahrung kennt, wird sich wundern, wie irgendjemand jemals eine Anlagestrategie auf derart unrealistischen Annahmen aufbauen konnte. Eugene Fama, Nobelpreiskandidat und einer der bekanntesten Finanzökonomen der Welt: "Ich würde Stock-Picker mit Astrologen vergleichen. Andererseits möchte ich die Astrologen damit nicht beleidigen." Weil die Bedingungen für das Funktionieren von Stock-Picking in der Realität nicht gegeben sind (das heißt der Wertpapiermarkt viel zu effizient ist) und ferner das laufende Kaufen und Verkaufen enorme Transaktionskosten verursacht (2 bis zu 10 Prozent des Anlagevolumens pro Jahr), kann Stock- Picking gleichgültig ob auf fundamentaler oder auf technischer Analyse basierend nicht funktionieren. Genau das haben viele hundert statistische Untersuchungen bewiesen. Ebenso wenig funktioniert übrigens Market-Timing, eine andere bekannte aktive Anlagestrategie. Aktive Anlagestrategien, die nicht funktionieren Börsenanlagestrategien gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Man sollte daher annehmen, dass wenigstens einige wenige dieser aktiven Strategien tatsächlich funktionieren. Die Fachpresse und die zahllosen Investment-Ratgeberbücher gehen ja ganz offensichtlich von dieser Annahme aus und verdienen gut damit, laufend neue "unschlagbare" Investmentstrategien, "Power-Aktientipps oder "spektakulär performende" Musterportfolios zu vermarkten. In unzähligen Büchern, Presseartikeln und Rundfunkberichten "direkt vom Börsenparkett" in New York und anderswo auf der Welt werden täglich tausende Anlageempfehlungen ("kaufen", "halten", "verkaufen"), Kursziele und Musterportfolios verbreitet. Schön und gut! Doch das Problem mit diesen Strategien besteht darin, dass keine sicheren Belege für Ihr Funktionieren existieren. Die im Folgenden genannten Anlagestrategien sind im Vergleich sehr unterschiedlich, zum Teil widersprechend. Neben der Tatsache, dass für sie allesamt keine klaren Funktionsbeweise vorliegen, haben einige von ihnen noch ein weiteres Merkmal gemeinsam: Sie sind für normale Privatanleger schon deswegen ungeeignet, weil sie einen Analyse- und Arbeitsaufwand erfordern, den kein Privatanleger leisten kann, auch wenn er z.b. Betriebswirtschaft studiert hat.

16 Bevor wir zu den einzelnen Strategien kommen, vorab noch ein klärende Bemerkung: Natürlich gibt es für jede der nachfolgend diskutierten Strategien Berichte über zum Teil sogar mehrjährige "spektakuläre" Erfolge. Bevor Sie diesen Berichte Glauben schenken, sollten Sie allerdings die folgenden Fragen stellen und darauf befriedigende Antworten erhalten: (a) Sind alle Kosten, welche die Anwendung der Strategie verursacht und die der Anleger zu tragen hat, berücksichtigt? (b) Erfolgte die Performance-Messung (Benchmarking mit einem geeigneten Index) auf risikoadjustierter Basis? (Sprich: Welches Risiko wurde bei der Anwendung der Strategie eingegangen?) (c) Gibt es außer hypothetischer Anlage-Erfolge auf der Basis der Anwendung der Strategie auf historische Daten (Backtesting), dokumentierte, echte, mehrjährige Anlage-Erfolge in der Praxis bei denen echtes Geld verdient wurde? Wie lange und wie regelmäßig konnte der betreffende Erfolg wiederholt werden? (d) Welche wissenschaftlichen (kausalen, sachlogischen) Begründungen existieren für die Strategie, d.h. warum sollte im Unterschied zu nur statistischen Beobachtungen historischer Marktanomalien in begrenzten Datenstichproben (data mining) - die Strategie überhaupt funktionieren? (f) Präsentiert die jeweilige Fondsgesellschaft, Bank oder Zeitschrift nicht einfach nur ihr zur Zeit am besten performendes Anlageprodukt (oder Anlagestrategie) aus vielleicht 50 vorhandenen, während die anderen 49 Produkte (von denen wir nichts hören) nur den Marktdurchschnitt oder weniger erreichen? Mit anderen Worten, wer 50 verschiedene Strategien gleichzeitig praktiziert, wird naturgemäß mit einer davon zeitweilig einen Vergleichsindex schlagen. Doch die Frage ist: Konnte ein Anleger das zuverlässig im vorhinein wissen und wird diese Outperformance langfristig anhalten? Nach Beantwortung dieser wenigen Fragen müssen die Rechtsanwälte der vorgeblichen Outperformer-Strategien zumeist recht kleinlaut in die zweite Reihe beigeben. Wir können hier nicht auf sämtliche jemals formulierten aktiven Anlagestrategien eingehen. Dazu wäre vermutlich eine 20-bändige Anthologie erforderlich, denn selbst so grandioser Unsinn wie die "Sonnenfleckentheorie", Stock-Picking mit Hilfe der Astrologie" oder "Aktienanalyse mit Hilfe Gottes" wird bis zum heutigen Tag ernsthaft in den Medien verbreitet und findet bei den Anlegern Gehör. Aus dem Heer von Untersuchungen zur Überprüfung aktiver Anlagestrategien wollen wir nur eine einzige jüngere Studie herausheben. In einer einmalig aufwendigen Analyse untersuchte Terrance Odean, Finanzwissenschaftler an der University of California, die Qualität von Analysten-Empfehlungen. Dazu prüfte er sage und schreibe Empfehlungen von 269 amerikanischen Brokerarge-Häusern oder Banken über einen 1986 beginnenden 10-Jahres-Zeitraum. Resultat: Nach Berücksichtigung der (aus der Sicht eines Privatanlegers wohl zu niedrig angesetzten) Trading-Kosten konnte für die Umsetzung dieser Empfehlungen keine Überrendite gegenüber dem Marktindex nachgewiesen werden.

17 Im folgenden beschreiben wir nur ganz kurz das Panoptikum der aktiven Anlagestrategien, für die keine allgemein akzeptierten Funktionsbeweise vorliegen und die dennoch von 95% aller Privatanleger und 80% aller Profianleger mehr oder weniger bewusst angewendet werden. (Für diejenigen User, die sich mit der mehr als enttäuschenden Bilanz für bestimmte aktive Anlagestrategien näher beschäftigen wollen, sei als erster Informationsquelle das brillante Buch "A Random Walk down Wallstreet" [dt. "Börsenerfolg ist kein Zufall"] von Burton Malkiel empfohlen). Stock-Picking auf der Basis fundamentaler Aktienanalyse, die "Mutter aller aktiven Anlagestrategien". Bei ihr ist das wichtigste Kriterium, anhand dessen der Stock-Picker entscheidet, ob eine Aktie unterbewertet ist, eine betriebs- oder finanzwirtschaftliche Kennzahl, manchmal auch eine Kombination aus mehrere Kennzahlen. Die bekanntesten dieser Kennzahlen sind: Kurs-Gewinn- Verhältnis (Price earnings ratio), Preis-Buchwert-Verhältnis (Price book ratio), Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price sales ratio), Dividendenrendite (Dividend return), Eigenkapitalrendite (Return on equity), jährliche Gewinnänderung pro Aktie (Earnings growth per share). Es gibt viele Gründe warum Stock- Picking nicht funktioniert, nicht funktionieren kann. Einige davon werden im Abschnitt über die Efficient Market-Theorie beschrieben. Neben den dort genannten Argumenten (in erster Linie die Informationseffizienz der Wertpapiermärkte) funktioniert Stock-Picking durch fundamentale Aktienanalyse deshalb nicht, weil die dafür notwendigen Voraussetzungen in der Wirklichkeit nicht gegeben sind. Was sind nun diese Voraussetzungen? Stock-Picking heißt wörtlich "[einzelne] Aktien auswählen". Ziel ist dabei ist, individuelle Aktien (bzw. Wertpapiere im Allgemeinen) zu finden, die vom Markt "unterbewertet" werden. Diese Unterbewertung muss der Markt jedoch nachdem der Stock-Picker das Papier gekauft hat erkennen und somit den Börsenkurs auf den "wahren" Wert hinaufkorrigieren. Danach verkauft, der Stock-Picker das Papier, um mit dem Erlös wiederum ein anderes, unterbewertetes Papier zu erwerben. Die Theorie setzt also zwingend voraus: (a) unser Stock-Picker ist zunächst der Einzige oder einer von wenigen, der die Unterbewertung des Wertpapiers erkennen daher kann er rechtzeitig kaufen; (b) nach dem Kauf erkennt der restliche Markt die Unterbewertung, kauft auch und treibt damit den Preis auf seinen so genannten fairen (also "richtigen") Level; (c) jetzt erkennt der Stock-Picker wieder als der Erste oder einer der Ersten, dass der Preis diesen fairen Level erreicht hat, mit weiterer Aufwertung nicht mehr zu rechnen ist und das Papier somit verkauft werden muss. Wer das heutige Börsengeschehen aus eigener Erfahrung kennt, wird sich wundern, wie irgend jemand jemals eine Anlagestrategie auf derart unrealistischen Annahmen aufbauen konnte. Eugene Famas Vergleich von Stock-Pickern mit Astrologen erscheint tatsächlich angemessen. Stock-Picking mittels technischer Analyse / Momentum Investing. Das ist der Versuch, Aktienkurse auf der Basis von Veränderungen der Kurse und Aktienhandelsvolumina der kürzeren Vergangenheit vorherzusagen. Dazu werden vor allem Diagramme (Charts) der Kursverläufe verwendet, aus denen grafische Muster mit bestimmten Bedeutungen herausgelesen werden. Technische Analysten verzichten vollständig (!) auf eine Betrachtung der Finanzdaten (z.b. Bilanzen) oder Marktperspektiven der betreffenden Unternehmen. Es steckt keine kausale, betriebswirtschaftliche Begründung hinter dieser Theorie. Diese Anlagestrategie wird von

18 Akademikern im Allgemeinen nur müde belächelt. Die Bezeichnung "Theorie" ist nicht zutreffend, da sie außer einem nicht näher erläuterten "Herdenverhalten der Anleger" (welchem der technische Anleger natürlich selbst nicht unterliegt) und "Momentum-Effekten" weitgehend auf sachlogische, kausale Erklärungsmuster für ihr vorgebliches Funktionieren verzichtet. Warum allerdings Herdenverhalten und Momentum-Effekte manchmal vorliegen und manchmal nicht, können technische Analysten immer nur "treffsicher" und verpackt in viel pseudo-logischen Aussagen für die Vergangenheit erklären. Tatsache ist, dass diese Effekte zeitweilig vorhanden sind, zeitweilig auch nicht, Wechselzeitpunkt- und ausmaß sich allerdings nicht zuverlässig vorhersagen lassen. Das vermag selbst der bekannteste technische Analyst und "Chart Guru" (Börse Online) der Welt, Ralph Acampora (Prudential Securities) nicht zu widerlegen: Im Oktober 1999 machte er folgende Aussagen: "Wir befinden uns in einem sehr langfristigen Aufwärtstrend, einem Mega-Bullenmarkt. Dieser dürfte noch einige Jahre anhalten."... Sehr interessant sehen in den USA die Hightech-, Biotechnologie-, Pharma-, und Energiewerte aus." Dass Acamporas "sehr langfristiger Mega- Bullenmarkt" bereits sechs Monate später dramatisch und erdrutschartig absackte und seitdem rund 15 Prozent an Wert verloren hat (MSCI World Index von bis ) und dass die High-Tech-Werte noch stärker einbrachen ließ (MSCI World Information Technology 45,3% bzw. MSCI World Telecomunication Services -43,9% im selben Zeitraum) ließ sich mittels technischer Analyse offenbar nicht erkennen. Acampora behauptet dennoch: "... jede technische Methode funktioniert." (Börse Online 41/1999). Market-Timing und Tactical Asset-Allokation. Unter Market-Timing, gelegentlich auch hochtrabend als Tactical Market Allocation bezeichnet, versteht man die kurzfristige Veränderung der Gewichtungen einzelner Asset-Klassen in einem Portfolio mit dem Ziel, von zyklischen Marktveränderungen zu profitieren. Diese Marktveränderungen werden oft mit makro-ökonomischen oder branchenbezogenen Kriterien und Kennzahlen gemessen. Obwohl scheinbar plausibel, wurden dennoch für keine andere Anlagestrategie ähnlich blamable Ergebnisse nachgewiesen. Die Ergebnisse für Market-Timing sind tatsächlich so katastrophal schlecht, dass der ehrwürdige britische Economist lakonisch feststellte "mit Market-Timing beschäftigt sich kein ernstzunehmender Fondsmanager" (The Economist, ). Trotz der miserablen Erfolgsbilanz erscheint Market- Timing vielen Anlegern auf der Basis einer scheinbar plausiblen Überlegung als interessante Anlagestrategie. Diese Anleger haben wohl in einem verlustreichen "Reifeprozess" bereits eingesehen, dass Stock-Picking nicht zuverlässig funktioniert. Nun folgern sie, es sei zwar nicht möglich einzelne Wertpapiertitel mit Outperformance-Potential im voraus systematisch zu identifizieren, bezogen auf breite Marktsegmente, sprich Branchen oder Länder müsse dies jedoch möglich sein. Sie denken, es sei doch "offensichtlich", dass es "Zukunftsbranchen" und alte, im Niedergang befindliche Branchen gebe, dass bestimmte Länder langfristig ein stärkeres Wachstumsund damit Börsenpotential als andere hätten und dass diese Attribute anders als möglicherweise bei einem einzelnen Unternehmen sich nicht von heute auf morgen ändern würden. Diese Überlegungen mögen zum Teil zutreffen, sie sind für Anlage-Entscheidungen dennoch nutzlos, denn die positiven und negativen Aussichten einer Branche oder eines Landes sind längst in das jeweilige Kursniveau (repräsentiert von einem entsprechenden Marktindex) eingepreist. "Gute" Branchen mit

19 hohen Cashflow-Aussichten sind genau deswegen teure Investments (gemessen z.b. am Kurs- Gewinn-Verhältnis), schlechte Branchen mit niedrigen Cashflow-Perspektiven sind genau deswegen billige Investments, so dass jedenfalls die Rendite beider Alternativen wegen der unterschiedlichen Ertragserwartungen nicht differieren können. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Argumente für die fehlenden systematischen Erfolge mit Market-Timing, z.b. die "ruckartige" Entwicklung der Märkte. Beispiel: In den 13 Jahren von 1980 bis 1993 (rund 3541 Börsentage) lieferte der amerikanischen S&P 500-Index eine jährliche Durchschnittsrendite von 15,5%. Lässt man jedoch nur die besten zehn Tage unberücksichtigt (also beinahe lächerliche 0,28% der Zeit) sackt die Rendite schon auf 11,9% ab (ein erstaunlicher Rückgang um 23%, d.h. 0,28% der Zeit ist für 23% der Rendite verantwortlich!). Da Market-Timer sich aber ständig in allen oder einzelnen Aktienmärkten bewegen und oft nicht voll investiert sind, verpassen sie einige oder sogar die meisten dieser entscheidenden Tage. Tabelle: Die Gefahren des Timings, S&P 500-Index von Sie waren investiert: Rendite p.a. in USD An allen 3541 Börsentagen 15,5% An allen Tagen, ausgenommen den 10 besten 11,9% An allen Tagen, ausgenommen den 20 besten 9,5% An allen Tagen, ausgenommen den 30 besten 7,4% An allen Tagen, ausgenommen den 40 besten 5,5% Quelle: Swedroe, The only guide to a winning investment strategy you ll ever need Unter den hunderten Untersuchungen zu Market-Timing wollen wir hier nur eine einzige herausheben: Der amerikanische Finanzwissenschaftler Mark Hulbert analysierte die Performance 32 amerikanischer Market-Timing-Investment-Newsletters über den 10-Jahres-Zeitraum 1988 bis Ergebnis: Kein einziges der 32 Portfolios schlug den Index (Business Week, ). Die wirklichen Experten sind sich jedenfalls einig: "Market-Timing: Die Wahrheit? Niemand schafft es. Finanzökonomen haben dieses Thema zu Tode untersucht und die Antwort ist stets die gleiche: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Evidenz, dass irgend jemand unter Berücksichtigung von Transaktionskosten ausreichend zuverlässig und profitabel Market-Timing praktizieren kann" (Richard Evans, Autor von "The Index Fund Solution") oder "Im Durchschnitt rentiert der Markt genau so gut, wenn der Market Timer im Markt investiert ist wie wenn er nicht investiert ist. Deswegen verliert der Market Timer verglichen mit einer simplen Buy-and-Hold-Strategie Geld, da er zeitweilig nicht investiert ist." (Fischer Black, einer der bedeutendsten Finanzwissenschaftler des 20. Jahrhunderts). Weitere bekannte Strategien, auf die wir aus Platzgründen nicht weiter eingehen können, sind, antizyklisches Investieren (Contrarian Investing), Investieren mit Hilfe neuronaler Netzwerke auf der Basis in historischen Daten gefundener Markt-Anomalien (wie bei der technischen Analyse fehlt hier auch eine kausale, sachlogische Begründung für die getroffenen Anlageentscheidungen), die Dividendenrenditestrategie, die Dogs-of-the-Dow-Strategie, sogenannter Insider-orientierte Strategien (Käufe und Verkäufe parallel zu den Käufen der leitenden Angestellten bzw. Firmenangestellten), Behavioral Finance-basierte Ansätze und vieles mehr. Day-Trading ist im allgemeinen eine Form von Market-Timing, vermischt mit Elementen des technischen Analyse und Momentum-Investing-Ansatzes.

20 Neben diesen mit viel fachsprachlichem Beiwerk verzierten aktiven Anlagestrategien existieren noch "Quasi-Strategien" wie Investieren in die Sieger der Fonds-Rankings (League Table Investing, Track Record Investing), "Guru-Investing" (Investieren in Fonds, deren Manager ein bestimmtes Renommee hat), Fonds-Picking durch professionelle Portfolio-Manager (z.b. in Form von Dachfonds). League table investing versagt deswegen, weil historische Rendite (bei Berücksichtigung der Transaktionskosten) keinerlei ausbeutbare Prognosekraft für zukünftige Rendite besitzt. Guru- Investing funktioniert ebenfalls nicht! Die Ursachen, sind naturgemäß identisch mit denjenigen, die auch einen Erfolg der konkreten Anlagestrategie des "Gurus" verhindern. Schließlich ist noch die "naive Growth Stock-Strategie" zu nennen. Mit dieser Variante des traditionellen Stock-Pickings könnte man das bezeichnen, was sehr viele privaten Aktienanleger tun: Sie hören einfach auf die Aktientipps eines mehr oder weniger vom Zufall bestimmten Kreises von "Experten", darunter die Autoren von Investmentartikeln in Tageszeitungen und Anlegerzeitschriften, die Werbung im Zusammenhang mit Börsengängen (Thomas Gottschalk, "die Aktie Gelb"), der Kundenbetreuer bei der Hausbank, Arbeitskollegen, Freunde, Teilnehmer in Internet-Chatrooms, und "was ihnen sonst noch über den Weg läuft." Den Empfehlungen eines solchen Sammelsuriums von "Fachleuten" zu folgen, ist vergleichbar mit einem Todkranken, der nachdem er von drei Ärzten drei verschiedene Therapievorschläge erhalten hat alle drei Therapien gleichzeitig anwendet. Doch die allergrößte Anti-Strategie ist vermutlich die unter Kleinanlegern am meisten verbreitete, nämlich ein unsystematischer "Mischungen" aus einigen der zuvor genannten. Die einzige aktive Strategie, für die man in gewisser Weise von Erfolgsbelegen sprechen kann ist "Value-Investing", also investieren in "billige" Value-Aktien (siehe Lexikon), das sind "krisengeschüttelte" Aktien, die "keiner haben will" oder Aktien in "unattraktiven", "alten" Branchen, denen man kein Wachstumspotential mehr attestiert. Bei genauerer Betrachtung verflüchtigt sich jedoch auch dieser scheinbare Erfolg, denn die Outperformance (Überrendite) vieler Value-Anleger geht letztlich auf das gegenüber dem Gesamtmarkt höhere Risiko der Value-Aktien zurück. Zudem verschwindet die Outperformance der meisten Value-Anleger ebenfalls, wenn man sie statt an einem allgemeinen Marktindex an einem Value-Index misst (bzw. Kosten und Risiko berücksichtigt). Wie bereits erwähnt, wird man für all diese aktiven Anlagestrategien langfristige, methodisch sauber ermittelte Erfolgsbelege, die den eingangs genannten vier Kriterien/Fragen standhalten, vergeblich suchen. Doch warum werden sie dann weiterhin in einem buchstäblichen Trommelfeuer für aktives Anlagemanagement weltweit und tagtäglich aufs Neue propagiert? Die Antwort darauf ist einfach: Nicht deswegen, weil diese Strategien funktionieren, sondern weil diejenigen, die sie propagieren, aus der Anwendung der Strategien durch Anleger gut verdienen. Aktive Strategien motivieren den Anleger zu mehr oder weniger intensivem laufenden Trading oder auf Fonds bezogen zum Switchen zwischen einzelnen Fonds. Dadurch entstehen für Banken und Fondsgesellschaften beträchtliche Provisionen, die zu deren bevorzugten risikolosen Haupteinnahmequellen gehören. Diese Feststellung ist allerdings nicht neu, im Gegenteil: "Es ist ein ewiges Problem seit Entstehen des Wertpapierhandels: Broker und Banker haben einen starken Anreiz, Kunden zum Traden zu bewegen, selbst wenn es im Interesse des Kunden wäre, nichts zu tun" (Business Week, ).

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