Kapitel 1:Die Fallgruben. Warum die meisten Anleger verlieren.

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1 Kapitel 1:Die Fallgruben. Warum die meisten Anleger verlieren. Es werden die Fallgruben beleuchtet, in die man bei der Vermögensbildung schnell fallen kann und wie man die Fallgruben vermeidet und wie man sich davor schützt. Nicht nur angesichts der aktuellen Situation auf den Finanzmärkten fragen sich viele Anleger: Was sind die Ursachen, dass die meisten Anleger verlieren und nur wenige gewinnen? Die Antwort ist ganz einfach: Es liegt an den ungleichen Gewinnchancen. Bei jeder Geldanlage gibt es mindestens drei Teilnehmer, von denen jeder Gewinn erzielen will. Das sind ein Käufer, ein Verkäufer und ein oder mehrere Vermittler, die Gebühren verlangen. Einer davon gewinnt immer und in jedem Fall, und zwar der Vermittler (meist eine Bank), der sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer Gebühren bekommt. Von den beiden Anlegern, dem Käufer und dem Verkäufer, kann nur einer gewinnen, je nachdem ob der Kurs steigt oder fällt. Der Anleger hat also nur eine Fifty-Fifty-Chance abzüglich der Gebühren. Bei Optionsscheinen und anderen daraus abgeleiteten risikoreichen Papieren reduzieren die Gebühren in Form des Aufgeldes und eines hohen Spreads die Gewinnchancen sogar unter 30 Prozent. Die Gebühren bestehen aus Kauf - und Verkaufsgebühren, den Limit- und den Teilausführungsgebühren, dem Spread und den Depotgebühren. Dazu kommen bei Optionsscheinen Aufgelder für die Prämie und bei allen Hebelprodukten Zinsen. Bei allen Derivaten fallen zusätzlich hohe interne Gebühren an. Fonds haben oft einen Ausgabeaufschlag und berechnen Managementgebühren. Zusätzlich reduzieren Steuern den Gewinn. Das Geldvermögen wird langfristig auch noch durch die Inflation reduziert. Und zu guter Letzt müssen realisierte Verluste erst einmal wieder ausgeglichen werden, ehe der Anleger in die Gewinnzone kommt. Das Resultat: Gebühren, Steuern und die Inflation reduzieren jedes Vermögen mit Sicherheit. Die 50prozentige Gewinnchance wird von der 50prozentigen Verlustchance wieder aufgehoben. Die nur scheinbar sichere Geldanlage im Sparbuch oder in Festgeld hat immer Renditen, die kleiner als die Inflationsrate ist und ist damit allenfalls eine sichere Geldvernichtung. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung kann der Anleger an der Börse wie im Spielcasino nur verlieren. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. In diesem Bericht und den folgenden erklärt der Autor, wie der Anleger durch fundiertes Wissen und durch Berechnung kurz oder langfristig Geld verdienen kann, denn im Gegensatz zum Spielkasino sind bei der Geldanlage fast alle Parameter vom Anleger beeinflussbar. Fallgrube: Die einseitigen Informationen Die einseitige Darstellung ausschließlich der Gewinnchancen durch diejenigen, die an den direkten und den indirekten Gebühren verdienen, wie: Banken, Börsen, Vermögensverwalter, Versicherungen, Wirtschaftszeitungen, Fachbücher und Börsenbriefe, ergeben sehr einseitige, oft falsche Informationen, die teilweise als Insiderwissen oder als Geheimtipp verkauft werden. Vermögensbildung Kapitel 1 von W. Polensky Seite 1

2 Fallgrube: Die nicht realisierbare Rendite Die Renditebetrachtungen, also das, was ihnen der Anlageberater in den rosigsten Farben schildert, unterliegen immer folgenden Annahmen: Einmaleinzahlung des gesamten Anlagebetrages, Halten der Anlage bis zum Ende der Laufzeit, Wiederanlage des Ertrages mit Zinseszinsen und keine Berücksichtigung der Gebühren, der Steuern und der Inflation. In der Praxis sieht es jedoch anders aus. Da werden die meisten Langfristanlagen in Raten gekauft, bei Kurzfristanlagen wird oft ge- und verkauft und die Erträge werden nicht mit Zinseszinsen wieder angelegt. Im Einzelnen bedeutet das: Bei Ratenzahlungen reduziert sich die Rendite auf das eingezahlte Kapital um etwa 50 Prozent gegenüber der Einmalanlage. Bei mehrmaligem Handel pro Jahr reduzieren die Gebühren die Rendite um bis zu 50 Prozent gegenüber kaufen und liegenlassen. Die Steuer reduziert zusätzlich den Gewinn um etwa. 25 Prozent. Bei Anlagen in festverzinsliche Wertpapiere reduziert der nicht voll erzielbare Zinseszinseffekt (durch die Ertragsminderung durch Steuern vor der Wiederanlage) die Gesamtrendite bei langen Laufzeiten um bis zu 50 Prozent gegenüber der Anlage in Wachstumspapiere (z.b. Aktien), deren Gewinn erst am Ende der Haltedauer versteuert wird. Bei Langfristanlagen in Geldvermögen halbiert sich das Vermögen bei 3,4 Prozent Inflationsrate alle 20 Jahre. Wenn sie also im Alter von 20 Jahren Geld für die Rente anlegen, ist es mit 60 nur noch ein Viertel wert, und wenn sie 80 sind, nur noch ein Achtel. Oder ein anderes Beispiel, die Lebensversicherung. Neben dem Wertverlust durch Inflation gilt, dass die garantierten drei Prozent der Lebensversicherung nur noch 1,5 Prozent bezogen auf das in Raten eingezahlte Gesamtkapital nach Abzug der Gebühren betragen. Die Gebühren können bis zwanzig Prozent und bei kurzfristigem Abbruch bis zu 100 Prozent des eingezahlten Kapitals betragen. Weiterhin wird die Prämie für den vorzeitigen Todesfall auch noch als Gebühr abgezogen. Welche Schlussfolgerung muss man daraus ziehen? Statt eine Lebensversicherung abzuschliessen, sollte es eine reine Risikoversicherung nur auf den Todesfall sein. Mit dem verbleibendem Rest werden die Aktien der Lebensversicherer in Form einer Performance- Indexaktie gekauft. Dann verdient man nämlich zweimal. Einmal an den Kurssteigerungen der Lebensversicherungsgesellschaften, die langfristig höher als die drei Prozent Garantie der Lebensversicherung sind, und ein zweites Mal an der Dividendenrendite, die meist höher als drei Prozent ist. Zu beachten ist auch, dass die Dividendenrendite für den Anleger mit dem Gesamtwachstumsfaktor der Aktie steigt. Hat sich beispielsweise für den Langfristanleger der Kurs verdoppelt, dann verdoppelt sich für ihn auch die aktuelle Dividende. Eine Grundregel lautet: Bei Langfristanlagen zur Vermögensbildung sollten Investitionen nur in inflationsgeschützte Wachstumswerte (z.b. Indexaktien) erfolgen. Fallgrube: Die Unkenntnis der Anlageprodukte Bei den Anlageprodukten ist zwischen den Basisprodukten und den daraus abgeleiteten Derivaten zu unterscheiden. Basisprodukte sind z.b. Aktien, Indexaktien und Rohstoffe. Bei Basisprodukten ist der Handelspartner ein Börsenteilnehmer. Der Preis wird nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Vermögensbildung Kapitel 1 von W. Polensky Seite 2

3 Derivate sind beispielsweise: Garantieprodukte, Discountpapiere oder Optionen. Bei Derivaten ist der Handelspartner der Emittent des Derivates, meist eine Bank. Der Preis wird vom Emittenten mit beeinflusst. Durch sehr hohe interne Gebühren wird die Gewinnchance gegenüber den Basisprodukten drastisch reduziert. Bei Insolvenz des Emittenten verliert der Anleger seine Einlage. Dazu ein Beispiel: Bei Garantieprodukten (einschliesslich der Riesterrente) wird nur der Erhalt des Einstandspreises am Ende der Laufzeit garantiert. Damit hat der Anleger die Garantie, ca. drei Prozent aus der Inflation und zwei Prozent aus dem sicheren entgangenen Gewinn eines Sparbuchs zu verlieren. Voraussetzung ist jedoch, dass man bis zum Ende der Laufzeit durchhält. Wenn nicht, dann gilt auch die Garantie nicht. Eine weitere Grundregel lautet: Immer nur in Basisprodukte nie in Derivate investieren. Derivate reduzieren ihre Gewinnchance immer und sicher um die sehr hohen internen und externen Gebühren. Fallgrube: Unkenntnis der unterschiedlich erforderlichen Anlagestrategien Die Anlagestrategie und das Anlageprodukt richten sich nach dem Anlageziel und der geplanten Haltedauer: Für die langfristige Vermögensbildung auf der Basis von zehn Jahren und länger, für die mittelfristige Renditesteigerung auf Jahres- bzw. Monatsbasis und für die kurzfristige Spekulation auf Tages- bzw. Wochenbasis. Indexaktien für die Langfristanlage sind nach ganz anderen Regeln und mit einer ganz anderen Mentalität zu handeln als Aktien zur mittelfristigen Renditesteigerung bzw. Hebelprodukte zur kurzfristigen Spekulation. Es gilt: Je kürzer die Haltedauer, desto grösser die kurzfristige Gewinnchance, desto höher die Gebühren und desto grösser das Risiko alles zu verlieren. Zur langfristigen Vermögensbildung sind nur Indexaktien von Wachstumsmärkten und Wachstumssektoren geeignet. Hierbei freut sich der Anleger, wenn der Kurs zwischenzeitlich fällt, da er dann billiger nachkaufen kann. Der durchschnittliche Kaufkurs wird damit gesenkt (verbilligt). Zur mittelfristigen Renditesteigerung sind fundamental ausgesuchte Einzelaktien zu einem Zeitpunkt, der mit der technischen Chartanalyse oder Fundamental bestimmt wird, zu kaufen. Bei fallenden und bei steigenden Kursen muss unbedingt ein Stop gesetzt werden. Wer mit den Begriffen Limit (über oder unter dem Kurs) und Stop (buy oder loss) und nachführender Stop nichts anfangen kann, sollte am Markt nicht handeln. Verbilligen durch Nachkaufen bei fallenden Kursen und Laufenlassen bei steigenden Kursen ist hier die falsche Strategie, da entweder ein grosser realisierter Verlust oder ein entgangener nicht realisierter Gewinn entsteht. Zur kurzfristigen Spekulation gibt es mehrere Möglichkeiten. Das ein bis mehrmalige Handeln an einem Tag (Daytrading) oder das Handeln mit Hebelprodukten, Optionen und Futures in einem Wochen bis Monatshorizont. Vermögensbildung Kapitel 1 von W. Polensky Seite 3

4 Das Daytrading ist der sicherste Weg, sein Vermögen durch Gebühren zu vernichten. Bei Optionen reduzieren die Gebühren die Gewinnchancen drastisch. Bei fallender Volatilität wird zusätzlich der Gewinn gemindert und bei Produkten, die weit aus dem Geld liegen ist die Gewinnchance minimal. Bei Futures sind der Einsatz und das Risiko zu hoch. Beim Handel mit Hebelprodukten entscheidet die Auswahl des Produktes über den Erfolg. Bei Hebelprodukten mit konstantem Hebel (Faktorzertifikate) verliert in volatilen Seitwärtsphasen das Hebelzertifikat an Wert, auch wenn der Basiswert nicht verloren hat. Als Spekulationspapiere sind letztlich nur Hebelprodukte (knock out Produkte) geeignet. Hier sollten nur Endloszertifikate zum Einsatz kommen, da sonst beim knock out die Prämie für die Restlaufzeit verloren geht. ETF mit einem täglich angepasstem Hebel und Hebelprodukte mit Laufzeitbegrenzung sind unbedingt zu meiden. Bei der Spekulation muss sehr viel Aufwand in das Timing (Ein- und Ausstieg) und in das richtige Setzen des Verluststops und noch wichtiger in das Setzen des Gewinnstops erfolgen. Wichtig hierbei ist, den Stop wegen der hohen kurzfristigen Ausschläge nicht als Order automatisch ausführen zu lassen, sondern ihn im Kopf zu setzen (mentaler Stop) und dann beim Erreichen auch auszuführen. Die schwierigste langfristige Investition ist der Kauf eines Hauses, mit einer geringen Eigenkapitalquote von 10 bis 20%. Das ist eine Investition in ein Spekulationsobjekt, da durch die geringe Eigenkapitalquote ein Hebel von 5 bis 10 entsteht, der negativ wirkt, wenn die Rendite nach Zinsen kleiner als der Zinssatz des geborgten Geldes ist. Dadurch entsteht oft ein Totalverlust mit verbleibenden Schulden, wenn man die tatsächliche Rendite und die Finanzierungsregeln nicht kennt oder nicht beachtet. Fallgrube: Der Steuersparwahn Fast jeder versucht Steuern zu sparen, ohne die Regeln zu kennen und verliert dabei. Die illegale Steuervermeidung ist gefährlich und wird von den Steuerbeamten spätestens bei ihrem Tod entdeckt. Die legale Steuerverringerung durch Abschreibungsmodelle und Subventionen ist unwirtschaftlich. Wirtschaftliche Projekte fördert der Staat nicht, sie rechnen sich von selbst. Grundregel: Abschreibungen sind Kosten. Wenn Sie ihre Rendite erhöhen wollen, müssen sie die Kosten senken und nicht durch Abschreibungen erhöhen. Wenn sie 100 Euro Abschreibung produzieren, dann reduzieren sie Ihren Gewinn um 100. Die Steuern werden durch Abschreibungen in Summe nicht reduziert, da die Anschaffung oder die Tilgung der Anschaffung immer aus versteuertem Gewinn erfolgt. In den nächsten Kapiteln werden die oben aufgeführten Darstellungen mit Formeln bewiesen und konkretisiert. Weiterhin wird gezeigt, wie der Anleger Fallgruben vermeiden kann und wie er durch Berechnungen mit wesentlich mehr als 50 Prozent auf der Gewinnerseite ist. Vermögensbildung Kapitel 1 von W. Polensky Seite 4

5 Zusammenfassung: Viele Anleger investieren ohne die Regeln zu beherrschen und verlieren. Mit den Banken, den Versicherungen und den Steuerbehörden stehen den Anlegern hochspezialisierte Profis gegenüber, die nur eins wollen ihr Geld. Die Regeln, dies zu bekommen, beherrschen die Profis bis zur Perfektion, ohne dass die Anleger es merken. Die Anleger haben nur eine Chance, wenn sie die Regeln nicht beherrschen: Meiden oder reduzieren sie Geschäfte mit Banken, Versicherungen und Finanzämtern auf das Notwendigste. Das Wichtigste im Geschäftsleben ist, sich zu Entscheiden und klar Ja oder Nein zu sagen. Dabei ist das Nein gegenüber allen Werbungen und Versuchungen der Banken, Versicherungen und des Staates die schwerste Entscheidung. Vermögensbildung Kapitel 1 von W. Polensky Seite 5

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