Herzlich Willkommen. Thema des Webinars: Der Aufbau einer KISS-Strategie. Referent: Frank Wiedemann

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1 Herzlich Willkommen Thema des Webinars: Der Aufbau einer KISS-Strategie Referent: Frank Wiedemann

2 Agenda Wofür steht der Begriff KISS und was ist eine KISS-Strategie Was bietet eine erfolgreiche Strategie Die Komponenten einer Strategieentwicklung Das Setup finden Auswahl der Setup-Art. Der Chart zur Ideenfindung. Die ersten Ideen und deren Fixierung Fragen und Anmerkungen Aus Ideen werden Absichten und aus Absichten Konzepte Die Datenerfassung/-auswertung Die Strategie Erstellung eines Backtests Auswertung der Backtest-Daten. Suche nach dem sinnvollsten Setup. Papertrading Test der Strategie Livetrading Handel mit Echtgeld Strategieüberwachung Fazit 1

3 Definition: Wofür steht der Begriff KISS und Was ist eine KISS-Strategie Das KISS-Prinzip ist eine Management Grundregel die besagt, dass strategische und operative Maßnahmen und Entscheidungen möglichst einfach gehalten werden sollen. Je komplizierter ein Sachverhalt ist oder dargestellt wird, umso schwieriger wird es für alle Beteiligten damit zu arbeiten. Die gängigste Übersetzung der Abkürzung KISS ist Keep It Simple and Stupid. Dies bedeutet ins deutsche übersetzt soviel wie Halte es einfach und idiotensicher. 2

4 Wofür steht der Begriff KISS und Was ist eine KISS-Strategie Auf das Thema Trading bezogen geht es also bei einer KISS-Strategie nicht um einen bestimmten oder konkreten Handelsansatz, sondern es wird nach der Devise agiert WENIGER IST MEHR Das soll heißen: Übersichtlicher Arbeitsplatz einfaches Tradingsetup überschaubare Regeln Konzentration aufs Wesentliche 3

5 Was bietet eine erfolgreiche Strategie? Eine Fixierung von Ideen Ein festes Regelwerk Einen Leitfaden für das Trading Reproduzierbarkeit Die Möglichkeit von Analysen Die Chance auf Verbesserung Dadurch eine kontinuierliche Weiterentwicklung Einen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern Vertrauen und Disziplin 4

6 Die Komponenten einer Strategieentwicklung Auf den Merkzettel: Ideen sammeln Ideen schriftlich fixieren Das Setup finden (Einstiegsbedingungen festlegen) Ideen auf Einsetzbarkeit überprüfen Einen Backtest durch den Aufbau von Statistiken Auswertung der Statistiken Aus den Ergebnissen Strategien ableiten Testphase durch täglichen Einsatz im Papertrading Realer Einsatz 5

7 Das Setup finden: Wonach vorgehen? Das Finden eines guten Setups ist der schwierigste Teil der Strategieentwicklung: Zeitschriften Gurus / Tipps Indikatoren Trendlinien Widerstände / Unterstützungen Dreiecke / Wimpel / Flaggen Formationen Fundamental Technisch und Fundamental Candle-Stick Formationen... 6

8 Das Setup finden: Der Chart Das Beobachten des Charts und das Durchspielen von Ideen ist sehr wichtig 7

9 Das Setup finden: Die Fixierung der Ideen Es soll eine Trendfolgestrategie mit Hilfe von Indikatoren erarbeitet werden Im ersten Schritt soll der Dax /FDAX analysiert und auch gehandelt werden (Long/Short) Zum Einsatz kommen dabei Indexzertifikate/Hebelzertifikate auf den Dax Es wird im 10 Minutenchart gehandelt Im Chart werden 2 exponentiell gleitende Durchschnitte (EMA s) eingezeichnet Beim Schnittpunkt der beiden gleitenden Durchschnitte wird zum Schlusskurs der 10 Minutenkerze gehandelt (Positionseröffnung/-schließung) Jede Position wird mit einem Stopp abgesichert Um die Gefahr von Kurslücken zu minimieren, wird keine Position über Nacht gehalten. 8

10 Das Setup finden: Der Chart Das Beobachten des Charts und das Durchspielen von Ideen ist sehr wichtig Setup mit 2 EMA s / Handelssignal erfolgt mit Schnittpunkt Vorteile: einfaches Setup leichte Überprüfbarkeit häufige Signale interessantes Chance-Risiko-Verhältnis Nachteile: Trendfolgestrategien haben mitunter schlechte Trefferquoten. großer Nachteil, wenn man einen profitablen Trade verpasst EMA s sind nachlaufende Indikatoren, d.h. Signale kommen evtl. zu spät regelmäßiger Kontrollaufwand 9

11 Wichtige Fragen Das Setup finden: Fragen und Anmerkungen Welche beiden EMA s werden verwendet? Wo wird der Stopp platziert? Zu welchen Handelszeiten soll/kann gehandelt werden? Da keine Position über Nacht gehalten wird; Wann erfolgt die Positionsschließung? Weitere interessante Anmerkungen Wie viele Trades gibt es im Schnitt am Tag/Woche/Monat? Welche Tageszeit ist zum Handel dabei am profitabelsten? Wie lange ist die durchschnittliche Haltedauer? Wie häufig werden Gewinne wieder abgegeben? 10

12 Das Setup finden: Fragen und Anmerkungen Zusätzliche Informationen können wichtige Parameter für das Trading bereithalten 11

13 Das Setup finden: Aus Ideen werden Absichten Da die Idee nun fixiert ist, geht es nun an die Erstellung und vor allem Auswertung der Daten. Dabei geht es darum die sinnvollsten Parameter in Bezug auf Optimale EMA Einstellung Optimales Stopp-Niveau Optimales Trademanagement Optimale Tradedauer Optimales CRV Optimale Trefferquote zu finden 12

14 Das Setup finden: Aus Absichten werden Konzepte An diesem Punkt sollte nun die weitere Vorgehensweise schriftlich festgehalten werden. 1. Sammeln der Daten, die für eine Auswertung bzw. einen Backtest notwendig sind. 2. Auswertung der gewonnenen Daten in Form eines Backtests, um die sinnvollste Parametrisierung zu finden. 3. Ist ein profitables Setup gefunden, wird die Strategie sowie deren Aufbau und Ablauf schriftlich festgehalten. 4. Test der Handelsstrategie über Papertrading (falls Backtest vielversprechend ist) 5. Beginn mit Livetrading (falls Papertrading erfolgreich) Je detaillierter die einzelnen Schritte beschrieben sind, umso besser. 13

15 Die Datenerfassung/-auswertung: Erstellung eines Backtest Definition Backtest Beim Backtest wird eine Handelsstrategie mit Daten aus der Vergangenheit getestet und ggf. die Setups bzgl. bestimmter Kriterien, wie z.b. Performance, Tradeanzahl, Trefferquote, Chance-Risiko-Verhältnis oder Volatilität angepasst und optimiert. Quelle: Problem: Bei Anpassung/Optimierung besteht immer auch die Gefahr, dass eine Handelsstrategie einfach nur besser an die vorhandenen historischen Daten angepasst wird. Im Extremfall wird ein zu an die Kurshistorie angepasstes Setup zwar gute Ergebnisse im Backtest liefern, jedoch auf neuen Daten nicht mehr funktionieren. Die Aussagekraft kann somit auch mitunter in Frage gestellt werden. Quelle: Trotz dieser nicht unerheblichen Gefahr, sollte nicht auf einen Backtest verzichtet werden, da dieser eine wichtige Möglichkeit darstellt, Handelsstrategien vorab zu prüfen. 14

16 Die Datenerfassung/-auswertung: Auswertung der Backtest-Daten Um die sinnvollsten Setups für die Handelsstrategie zu bekommen ist es gut, die möglichen Konstellationen z.b. bezüglich Performance, Tradeanzahl, Trefferquote, Chance-Risiko- Verhältnis und Volatilität zu testen. Für unsere Handelsstrategie bedeutet dies beispielsweise: Suche nach der profitabelsten Einstellung für die EMA s Suche nach dem sinnvollsten Stopp- und Trademanagement Selektion der besten Handelszeiten Ggf. Test der Strategie auf andere Assetklassen/Handelswerte oder Instrumente 15

17 Die Datenerfassung/-auswertung: Auswertung der Backtest-Daten Dabei gilt: Um eine Auswertung machen zu können, benötigen Sie eine belastbare Anzahl von abgewickelten Trades. Je mehr Daten desto besser. Kurzfristtrading (Scalping und Daytrading) mind. 300 Trades über einen Zeitraum von 12 Monaten Mittel- und Langfristtrading (Swing- und Positionstrading) mind. 100 Trades über einen Zeitraum mind. 12 Monaten 16

18 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach der profitabelsten Einstellung für die gleitenden Durchschnitte Backtest über 5 Jahre Einstellung EMA s Performance in Dax - Punkten Anzahl Trades Trefferquote Chance- Risiko- Verhältnis Größter Drawdown in Dax -Punkten Profitfaktor 10/ , ,531 (34,449%) 1, ,061 10/ , ,543 (34,98%) 1, ,074 10/ ,5521 (35,45%) 1, ,080 10/ ,571 (36,22%) 1, ,083 10/ , ,593 (37,08%) 1, ,110 17

19 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach der profitabelsten Einstellung für die gleitenden Durchschnitte (10 er und 125 er EMA) 18

20 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach der sinnvollsten Einstellung für Stopp- und Trademanagement Backtest über 5 Jahre Einstellung Stopp-& Trademanagement Performance in Dax - Punkten Trefferquote Chance-Risiko- Verhältnis Größter Drawdown in Dax -Punkten Profitfaktor Stopp 20 Pt. ProfitTrailing 25 Pt./5 Pt ,802 (44,41%) 1, ,201 Stopp 20 Pt. ProfitTrailing 20 Pt./5 Pt ,956 (48,75%) 1, ,5 1,208 Stopp 20 Pt. ProfitTrailing 20 Pt./4 Pt ,956 (48,75%) 1, ,5 1,244 Stopp 30 Pt. ProfitTrailing 20 Pt./4 Pt ,245 (55,28%) 1, ,5 1,327 Stopp 35 Pt. ProfitTrailing 20 Pt./4 Pt ,328 1,335 (56,87%) (56,89%) 1,005 1, ,5 1,335 1,339 19

21 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach der sinnvollsten Einstellung für Stopp- und Trademanagement (Stopp bei 35 Punkten / Trailingstopp mit 4 Punkten, sobald 20 Punkte Gewinn erreicht) 20

22 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach den besten Handelszeiten Backtest über 5 Jahre Uhrzeit Performance in Dax - Punkten Anzahl Trades Trefferquote Chance- Risiko- Verhältnis Größter Drawdown in Dax -Punkten Profitfaktor Uhr 1596, ,455 (71,05%) 0, , Uhr 189, ,423 (58,73%) 0, ,5 1, Uhr ,846 (64,865%) 0,942 98,5 1, Uhr -33,5 85 0,932 (48,24%) 1, , Uhr 517,5 88 1,514 (60,23%) 1, ,574 21

23 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Suche nach den sinnvollsten Handelszeiten für die gleitenden Durchschnitte (Handelszeit zwischen 8 Uhr und 9 Uhr) 22

24 Auswertung der Backtest-Daten Suche nach dem sinnvollsten Setup Zusammenfassung EMA-Schnittpunkt-Strategie lässt sich im Backtest mit einfachen Mitteln wie Einstellung der EMA s, Selektion der Handelszeit usw. verbessern. Die Strategie ist sowohl Long, als auch Short anwendbar und liefert für beide Richtungen ähnliche Ergebnisse Richtung Performance in Dax - Punkten Anzahl Trades Trefferquote Ø Gewinn pro Trade in Dax - Punkten Ø Verlust pro Trade in Dax - Punkten Chance- Risiko- Verhältnis Profitfaktor Long 799, ,640 (72,53%) 23,57 30,24 0,779 2,058 Short ,300 (69,70%) 24,09 28,83 0,835 1,921 23

25 Die Strategie Bevor es nun weitergeht, sollten Sie Ihre Strategie und deren Aufbau schriftlich festhalten. Dabei gilt, je ausführlicher, desto besser. Name der Strategie und Zeithorizont Beschreibung und Aufgabe der Strategie Das Setup Risiko- und Money Management Parameter Marktvorbereitung und Tradevorbereitung Einstiegskriterien und Einstiegsablauf Stopp-Management Gewinn-Management (Kursziel Komponenten / Trailingstopp) Ausstiegskriterien und Ausstiegsablauf. Tradeaufbereitung und Analysen (Überwachung) 24

26 Papertrading Test der Strategie Papertrading Handel mit virtuellem Kapital Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser Nachdem die Strategie schriftlich festgehalten ist, gilt es nun zu testen, ob die Ergebnisse aus dem Backtest auch realisierbar sind Dazu sollten Sie Ihre Strategie mit einem Demokonto unter Live-Bedingungen handeln. Achten Sie auch hier auf eine ausreichende Anzahl von abgewickelten Trades Scalping > 100 Trades Daytrading > 80 Trades Swingtrading > 40 Trades Positionstrading > 20 Trades Slippage und Gebühren können Ihr Ergebnis nämlich empfindlich schmälern. 25

27 Livetrading Handel mit Echtgeld Livetrading Handel mit Echtgeld Nur wenn sowohl Backtest, als auch die Papertrades mit dem Demokonto erfolgreich waren, sollten Sie den Handel mit Echtgeld starten. Beginnen Sie zuerst mit der kleinstmöglichen Positionsgröße um zu sehen, ob sich die Trades in der Realität so entwickeln, wie in den Tests. Wenn die Ergebnisse zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen, können Sie die Positionsgrößen dann Stück für Stück zu Ihrem gewünschten Maximum erhöhen. 26

28 Strategieüberwachung Auch wenn Sie durch Backtest und Papertrades Ihre Strategie entsprechend überprüft haben, ist es sinnvoll diese regelmäßig zu überwachen. Das bedeutet: Alle Trades müssen in einem Trading-Tagebuch dokumentiert werden Die Daten aus dem Tradingtagebuch müssen regelmäßig nach zuvor festgelegten Grundsätzen (z.b. Trefferquote, CRV, Profitfaktor, Slippage, Einhaltung der Stopps usw.) ausgewertet werden. Zeitintervall der Überwachung ist abhängig von Anlagezeitrahmen Scalping = Wöchentlich Daytraden = Monatlich Swing-Trading = Quartalweise Positions-Trading = Jährlich Bei entsprechenden Fehlentwicklungen (z.b. durch geänderte Marktbedingungen) kann so zeitnah eingegriffen werden und es besteht die Möglichkeit einzelne Einstellungen oder ggf. die komplette Strategie zu überdenken. 27

29 Die EMA Schnittpunkt-Strategie in der Praxis Beispiel von 2 profitablen Trades : Short Einstieg 08:10 Uhr bei 7141 / Ausstieg 09:10 Uhr mit Trailingstopp bei 7124 / Gewinn 17 Pt : Long Einstieg 08:50 Uhr bei 7175 / Ausstieg 10:50 Uhr mit Trailingstopp bei 7191 / Gewinn 16 Pt. 28

30 Das Fazit Nur mit einer gut durchdachten Strategie kann der große Wurf gelingen: Das heißt Ideen sammeln, schriftlich fixieren und auf Durchführbarkeit checken Genügend Daten erfassen Alle Daten genauestens analysieren, es lohnt sich Eine genaue Struktur für den Strategieaufbau festlegen Aus den Daten die Strategien anhand der Struktur ableiten Testen der Strategien durch Papertrading Realer Einsatz und regelmäßige Überprüfung Aussetzen einer Strategie nach Verlustserien und Optimieren Die mentale Komponente nicht außer Acht lassen 29

31 Vielen DANK für Ihre Aufmerksamkeit 30

32 Der nächste Workshop: Zusatzseminar

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