Rückenwind für Patenschaften

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1 BBE-Newsletter 25/2008 Rückenwind für Patenschaften Bildungspatenschaften leisten einen immens wichtigen Beitrag für mehr Integration. Das ehrenamtliche Engagement unzähliger Bildungspatinnen und Bildungspaten sorgt für mehr Chancengerechtigkeit gerade unter jungen Migrantinnen und Migranten, die von zu Hause aus nicht immer optimale Startvoraussetzungen für ihre Schullaufbahn finden. Die Initiative Aktion zusammen wachsen Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, hat sich zum Ziel gesetzt, bestehende Bildungspatenschaften zu stärken und die Gründung weiterer Projekte zu unterstützen. Zu diesem Zweck fand am 24. November 2008 in Berlin der erste bundesweite Kongress der Aktion statt. Fachleute aus allen Bereichen rund um Patenschafts- und Mentoringprojekte kamen zusammen, um in Fachforen erfolgreiche Beispiele aus der Praxis zu diskutieren und übergreifende Themen zu besprechen Darüber hinaus nutzten die gut 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zum Erfahrungs- und Wissensaustausch und zur Kontaktpflege. In ihrer Begrüßungsrede betonte Staatsministerin Böhmer die Bedeutung von Bildungspatenschaften nicht allein aus moralischer Sicht, sondern auch aus wirtschaftlicher: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätze, so die Staatsministerin, dass im vergangenen Jahr Fachkräfte fehlten. Dies habe zu einem Wertschöpfungsverlust von 23 Milliarden Euro geführt, also einem Prozent weniger Wachstum. Böhmer dankte allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses für ihr Engagement. Sie erinnerte an den Schriftsteller Albert Camus, der in seiner Jugend ebenfalls von Bildungspaten unterstützt wurde und schließlich sogar den Literaturnobelpreisträger erhielt, und rief dazu auf, die Anstrengungen für junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund weiter zu intensivieren. Dr. Mark Speich, der Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, hob in seinem Grußwort die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements für die gesamte Gesellschaft hervor. Hier seien gerade auch Stiftungen mit ihren vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für private Initiativen gefragt. Erfolgreiche Integration sei nicht allein Aufgabe des Staates oder der Politik. Jeder einzelne sei gefragt, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

2 Nützliche Werkzeuge erstmals vorgestellt Staatsministerin Böhmer brachte einige nützliche neue Angebote mit zum Kongress: Erstmals präsentiert wurde das Qualitätssicherungskonzept für Patenschaften. Patenkinder und ihre Patinnen und Paten haben eine enge persönliche Beziehung zueinander. Aus dieser Nähe folgt eine große Verantwortung, so die Staatsministerin. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren eines Patenschaftsprojekts müssen sich dieser Verantwortung bewusst sein und gewährleisten, dass die Freiwilligen professionell arbeiten, ohne sich selbst zu überfordern. Dazu gibt das im Rahmen der Aktion zusammen wachsen entwickelte Qualitätssicherungskonzept praxisnahe Hinweise, die auch unter knappen personellen und finanziellen Ressourcen genutzt werden können. Das Qualitätssicherungskonzept ist als Online- Angebot konzipiert und steht auf der Internetseite der Aktion zusammen wachsen (www.aktion-zusammen-wachsen.de) bereit. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses konnten außerdem gleich einen Gesamtüberblick des Qualitätssicherungskonzepts als Poster mit nach Hause nehmen. Ein weiteres nützliches Angebot, das auf dem Kongress von Staatsminsisterin Böhmer erstmals bundesweit vorgestellt wurde, ist der Leitfaden für Patenschaften. Dieser umfangreiche Ratgeber in Broschürenform bündelt praxisnahe Tipps und Informationen für Patinnen und Paten und alle, die es werden wollen. Der Leitfaden ist in drei Abschnitte gegliedert. Je nachdem, wie intensiv sich die Leserinnen und Leser bereits über Patenschaften informiert haben, beinhaltet der Leitfaden unterschiedliche Tipps, Hinweise und Themenvorschläge für die Arbeit mit den Patenkindern. Ein Frage- und Antwort-Teil sowie ein umfangreicher Anhang runden das Angebot ab. Der Leitfaden für Patenschaften wurde gefördert von der Vodafone Stiftung und ist ebenfalls auf der Internetseite der Aktion zusammen wachsen abrufbar. Angeregte Diskussionen in lebendiger Atmosphäre Angelika Münz von Community Partnership Consultants, Niederlande, berichtete von europäischen Erfahrungen mit bürgerschaftlichem Engagement und legte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf England und die Niederlande. Die zwölf Fachforen wurden von erfahrenen Praktikern aus dem Bereich Bildungspatenschaften geleitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten angeregt und durchaus kontrovers die vorgetragenen Beispiele, brachten ihre Erfahrungen ein und sorgten so für eine lebendige, offene und produktive Atmosphäre. So stand beispielsweise im Fachform 8 Voneinander lernen von Susanne Huth (INBAS GmbH) vor allem der internationale Vergleich bürgerschaftlichem Engagements in Form von Patenschaften im Mittelpunkt: In den Niederlanden und in Großbritannien existiert bereits eine vergleichsweise längere Tradition bürgerschaftlichen Engagements und damit auch eine weiterentwickelte Form der Programmgestaltung. 2

3 Auch Stiftungen engagieren sich in diesen Ländern bereits seit längerem. Ausgehend von diesen Faktoren diskutierten die Fachteilnehmer vor allem, wie erfolgreiche Ansätze übertragbar seien. Insbesondere die Frage, welche Rolle Migrantenselbstorganisationen spielen könnten, rückte in den Mittelpunkt der Überlegungen. Die verstärkte Kooperation mit Migrantenselbstorganisationen wurde als wünschenswertes Ziel herausgearbeitet. In Fachforum 12 Erfolgreiche Ansätze, die in weitere Regionen übertragbar sind referierte Sybille Volkholz vom BBE über das Thema Lesepaten und die praktische Umsetzbarkeit. Insbesondere die erfolgreichen Projekte in Berlin, aber auch die von den BBE inspirierten Projekten in Freiburg und Minden stießen auf großes Interesse: Dort wurde deutlich, dass mit effizienten Strukturen vieles bewegt werden kann, selbst wenn das Geld knapp ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessierten sich besonders für Details hinsichtlich Aufbau und Organisation des Lesepatenprojekts und davon ausgehend für die Übertragbarkeit auf andere Städte und Projekte. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, an der Constanze Brucker (INBAS GmbH), Dr. Ansgar Klein, (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement), Anne Schaarschmidt (Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.v.), Sybille Volkholz (Bürgernetzwerk Bildung, Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.v.) und Didem Yüksel (Türkische Gemeinde in Deutschland) teilnahmen. Sie sprachen über zukünftige Herausforderungen für Patenschafts- und Mentoringprojekte. Dabei wurde deutlich, dass bereits sehr viel Gutes im Gang, aber noch längst nicht alles bekannt ist. Dazu zählt insbesondere die erfolgreiche Zusammenarbeit von Patenprojekten mit Migrantenselbstorganisationen. Die Podiumsgäste sahen im übrigen nicht in erster Linie den Staat als Finanzier von Patenschaften, sondern wünschten sich vielmehr optimierte Rahmenbedingungen für Patenschaften, beispielsweise eine Vereinfachung bei administrativen Verpflichtungen. Die Gesamtmoderation der Veranstaltung lag in den Händen von Asli Sevindim vom WDR. 3

4 Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (links), lud ein zum ersten Kongress der Aktion zusammen wachsen Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. am 24. November 2008 in Berlin. Asli Sevindim vom WDR (Mitte) übernahm die Moderation der Veranstaltung. Die Vodafone Stiftung, vertreten durch Geschäftsführer Dr. Mark Speich (rechts), unterstützt die Aktion zusammen wachsen durch die Förderung des Leitfadens für Patenschaften, der auf dem Kongress erstmals bundesweit präsentiert wurde. Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (Mitte) und Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung (rechts) beim Besuch der Projektausstellung. Trägerinnen und Träger von Patenschafts- und Mentoringprojekten konnten sich mit ihren Initiativen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses präsentieren und so weitere Kontakte knüpfen. Auf der Podiumsdiskussion sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über zukünftige Herausforderungen für Patenschafts- und Mentoringprojekte. Es diskutierten (von links) Constanze Brucker (INBAS GmbH), Dr. Ansgar Klein, (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement), Anne Schaarschmidt (Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.v.), Moderatorin Asli Sevindim (WDR), Sybille Volkholz (Bürgernetzwerk Bildung, Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.v.) und Didem Yüksel (Türkische Gemeinde in Deutschland). 4

5 Die Vorträge der Referentinnen und Referenten sowie Bilder der Veranstaltung können angefordert werden unter Mehr Informationen gibt es im Internet unter oder bei der bundesweiten Servicestelle, Alt-Moabit 101b in Berlin, Telefon , 5

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