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1 Zwingenberger Bürger heißen Willkommen Fotos: dvarg, kbuntu/fotolia.com

2 Wer wir sind Im Februar 2014 kamen die ersten zehn Flüchtlinge aus Eritrea nach Zwingenberg an die Bergstraße. Dies war der Anlass zur Gründung des Arbeitskreises Asyl in der 7000 Einwohner zählenden, ältesten Stadt an der Bergstraße. Inzwischen bringen sich neben den beiden Hauptverantwortlichen ca. 30 Ehrenamtliche in verschiedenen Bereichen der Flüchtlingshilfe ein. Die Mitglieder des Arbeitskreises treffen sich regelmässig zum gemeinsamen Austausch, zur Ideenanregung, zur Diskussionen aktueller Vorkommnisse und zur Fixierung neuer Aktivitäten, für die Verantwortliche gesucht werden. Der Arbeitskreis Asyl arbeitet intensiv mit verschiedenen anderen Institutionen zusammen, zu nennen wären u.a. ProAsyl, die Stadt Zwingenberg, die Integrationsbeauftragten an Schulen und Behörden, die Koordinationsstelle Asyl-Ehrenamt (Migrationsdienst Bergstraße vom Caritasverband) und das Ausländer- und Flüchtlingsamt des Kreises. Viele Themen, die die Flüchtlingshilfe betreffen sind für den ein oder anderen der Ehrenamtlichen Neuland. Um sich mit diesen Themen vertraut zu machen und sich diesbezüglich Wissen anzueignen, nehmen die Aktiven des Arbeitskreises an Schulungen teil, die u.a. vom Caritasverband und vom Ausländeramt angeboten werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte beziehen sich z.b. auf die Integration, das Asylrecht, Traumata und ihre Folgen, Interkulturelle Kompetenzen oder Aufgaben des Ehrenamts. Wen wir unterstützen Aktuell leben in Zwingenberg eine Gruppe männlicher Eritreer, deren Alter zwischen 17 und 42 Jahren variiert. Hinzu kommen eine Familie aus dem Kosovo und eine Familie aus Albanien. Weitere Zuweisungen sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Unterkünfte, in denen die Asylbewerber zurzeit leben, stellt die Stadt Zwingenberg. Die Eritreer leben verteilt auf zwei zentrumsnahe Wohnungen in Wohngemeinschaften zusammen. Die Familien konnten privat untergebracht werden. Hinter allen jungen Männern liegt oft eine mehrjährige Flucht über den Sudan, die Sahara, Libyen über den Seeweg z.b. nach Italien und die Schweiz nach Deutschland. Viele von ihnen haben gleich mehrere traumatische Erfahrungen machen müssen, die es aufzuarbeiten gilt. Alle von ihnen haben eine Aufenthaltserlaubnis bzw. Aufenthaltsgestattung und warten zurzeit auf eine Entscheidung ihres Asylverfahrens. Was leistet der Arbeitskreis Asyl? Um den Eritreern die Integration hierzulande zu erleichtern und sie in ihrer besonderen Situation adäquat unterstützen zu können, konzentriert sich die Arbeit des Asylkreises auf folgende Bereiche: Individuelle Betreuung/Patenschaften Sprachliche Förderung Materielle Unterstützung Juristischen Beistand Interkulturelle Veranstaltungen

3 Sportliche Aktivitäten IT/Technischer Support Individuelle Betreuung/Patenschaften Den Hauptverantwortlichen sowie allen Ehrenamtlichen liegt die persönliche Betreuung der Asylbewerber besonders am Herzen. Zitat: Für uns als Betreuer ist es enorm wichtig mit jedem einzelnen Asylbewerber einen persönlichen Kontakt aufzubauen, um seine Nöte und Ängste kennenzulernen. Um die sprachlichen Barrieren zu überbrücken, wurden mit Unterstützung durch Übersetzerinnen das Gespräch mit den Eritreern gesucht und sie beispielsweise zu ihrem persönlichen Hintergrund und ihrer Flucht befragt. Diese wichtigen Informationen wurden aufgezeichnet, durch die Übersetzerinnen zurückübersetzt und wenn nötig Korrekturen vorgenommen. Die Hauptverantwortlichen sind tagtäglich im Einsatz, sie schenken den jungen Männern viel ihrer Zeit, hören zu, wenn es Probleme gibt, informieren wo Fragen sind, begleiten bei Behördengängen, Bankterminen und Arztbesuchen, stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um juristische Belange geht und haben für alle Asylanten stets ein offenes Haus. Jeder der Flüchtlinge darf immer zu ihnen kommen und das nehmen die Asylbewerber gern an. Dass ihr Engagement ankommt dürfte wohl kaum zur Frage stehen, wenn die Eritreer die beiden Hauptverantwortlichen des Arbeitskreises inzwischen als Vater und Mutter bezeichnen. In Ergänzung dazu haben schon vier Ehrenamtliche des Arbeitskreises Patenschaften übernommen. Bei den Patenschaften steht der Aufbau einer individuellen Beziehung zu einem Asylbewerber im Vordergrund. Es geht darum, dass die Schützlinge wissen, dass sie sich an ihren Paten in allen Belangen wenden können. Letztlich ist der Pate ein Freund, der ein offenes Ohr hat, für das, was seinen Schützling aktuell beschäftigt. Die Gestaltung der Patenschaften ist individuell verschieden. Bei dem einen steht die Förderung der deutschen Sprache im Vordergrund, bei dem anderen geht es um die Unterstützung beim Verfassen eines Berichts zum Schulpraktikum, wieder ein anderer möchte vielleicht einfach nur mal erzählen, was er alles erlebt hat oder freut sich über einen Kinobesuch. Im Grunde genommen soll den Patenkindern die Hand gereicht und gezeigt werden, dass sie hier nicht allein sind, sondern in ihrem Paten eine zuverlässige Menschen haben. Die erste Patenschaft wurde 2015 übernommen - inzwischen sind weitere Patenschaften gewünscht und auch hinzugekommen. Der Arbeitskreis Asyl leistet außerdem Unterstützung bei der Vermittlung von Schulpraktika für die Eritreer die zurzeit die Heinrich Metzendorf Schule in Bensheim besuchen. Es ist gelungen, die Schüler in verschiedene Betriebe zu vermitteln, wo sie ihre Praktika z.b. in einer Autolackiererei, einem Installationsbetrieb oder einem Autohaus in Zwingenberg sowohl zur großen Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber als auch zu ihrer eigenen Zufriedenheit absolviert haben. Weiterhin haben Gespräche mit der Stadt Zwingenberg dazu geführt, dass drei der Asylbewerber ein sechsmonatiges Praktikum im Bauhof der Stadt leisten können, dreimal die Woche für jeweils fünf Stunden sind die jungen Männer nun dort tätig. Sprachliche Förderung Aktuell bieten im Rahmen des Arbeitskreises Asyl zehn Lehrkräfte ehrenamtlich Deutschunterricht

4 für die Asylbewerber an. Der Startschuss dazu fiel im März Der Lehrerkreis setzt sich aus ehemaligen Deutschlehrinnen, einer Sprachenstudentin, einem ehemaligen Kantor, einem ehemaligen amerikanischen Soldat und einem Montessori-Lehrer zusammen. Die angebotenen Deutschkurse sind nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt, das bietet die Möglichkeit auf die individuellen Lernfortschritte der Asylbewerber einzugehen. In jeweils zwei Gruppen findet der Deutschunterricht 3 Mal wöchentlich statt In Ergänzung zu diesem Unterrichtsangebot gibt es die Möglichkeit an weiteren Förderkursen teilzunehmen: Ersterer findet freitagnachmittags unter dem Motto Lesen, Lernen und Verstehen statt, zweiter setzt mittwochnachmittags seinen Fokus auf Interkulturelle Kompetenzen. Für diejenigen, die einfach mal Deutsch sprechen und sich austauschen möchten, findet darüber hinaus alle vierzehn Tage ein Konversationsabend in Deutsch in den Unterkünften der Asylbewerber statt - kommen kann, wer Lust und Zeit hat, eine Sprachstudentin und ihre Mitstreiterin freuen sich dabei über das gute Feedback der von ihnen ins Leben gerufenen Veranstaltung. Abgerundet wird der Bereich Deutschunterricht durch ein weiteres außergewöhnliches Angebot eines Journalisten aus dem Kosovo, der selbst geduldeter Asylant ist: Er richtet seinen Deutschunterricht an die Flüchtlinge aus dem Kosovo und Albanien und gibt diesen die Möglichkeit täglich von 17 bis 19 Uhr in seinen Kursen die deutsche Sprache zu erlernen. Alle Lehrer leisten zuverlässig, engagiert und sehr motiviert einen großen Beitrag zur Integration der Menschen aus anderen Ländern. Dabei besteht das Ziel des Lehrerkreises sicherlich zunächst in der Vermittlung der deutschen Sprache, aber ihr Einsatz geht auch darüber hinaus: Neben den fachlichen Fragen, sind sie aufgeschlossen und aufmerksam gegenüber allen alltäglichen Anliegen ihrer Schüler, unabhängig davon, ob es dabei um Fragen zum Deutschunterricht geht oder nicht. Sie beantworten Fragen, geben Anregungen und Hilfe in persönlichen Dingen. Losgelöst von den Treffen des Asylkreises, treffen sich die Lehrer ebenfalls regelmäßig zu Lehrertreffen, in denen die fachliche Planung, Konzeption und Umsetzung des Deutschunterrichts ihren Schwerpunkt hat. Die zum Deutschunterricht notwendigen Lehrmaterialien werden teils durch Spendengelder, teils durch die Lehrer und teils durch Eigenbeiträge der Asylbewerber finanziert. Passende Räume zum Lehren und Lernen stellen die Kirchengemeinden zur Verfügung. Die Arbeit von Deutschlehrern und Schülern trägt Früchte. Es ist so wunderbar, dass mehrere unserer Schüler den Aufnahmetest für die Abendschule letzte Woche in Heppenheim bestanden haben, freuen sich alle über die Chance, die sich damit für vier junge Eritreer auftut. Materielle Unterstützung Einen anderen Schwerpunkt sieht der Arbeitskreis Asyl in der materiellen Unterstützung der Flüchtlinge durch Sachspenden. Das Stichwort Mobilität steht dabei besonders im Vordergrund. So ist es durch Spendenaufrufe gelungen, dass jeder Schützling über ein Fahrrad verfügt und dadurch mobiler ist. Unter Leitung eines Ehrenamtlichen und Mithilfe des städtischen Bauhofs wurden zusammen mit den Eritreern Fahrradunterkünfte an einer der Wohnungen gebaut, damit die Fahrräder vor Diebstahl, Wind und Wetter geschützt sind. In diesem Rahmen fand auch ein Treffen statt, bei dem den jungen Männern von fachmännischer Seite Alles rund ums Rad erklärt

5 und gezeigt wurde. Was mache ich, wenn der Reifen platzt? Was, wenn die Kette abspringt? Wie wechsle ich das Rad? Diese und andere Themen wurden bei dem Workshop angegangen und durch praktische Handleitungsanleitungen untermauert. Durch Sachspenden wurden auch die Unterkünfte der Eritreer aufgebessert, sei es anhand von Sitzgelegenheiten, Schränken, Tischen, Küchenzubehör, Bettwäsche, Fernsehapparaten oder Computer. Hinzu kommen die vielen Kleiderspenden aus der Bevölkerung. In Ergänzung dazu startete der Arbeitskreis im Dezember 2014 eine Spendenaufruf, bei dem die Bürger unter dem Motto Zwingenberg zeigt Herz dazu angeregt wurden, sich durch monetäre Beiträge, die zur Integrationsarbeit genutzt werden, einzubringen. An verschiedenen Orten Zwingenbergs, z.b. in den ortsansässigen Ladenlokalen, Restaurants, Banken, Apotheken, Kindergärten oder Kirchen wurden Plakate ausgehangen und Flyer verteilt. (siehe Anlage) Juristischer Beistand Insbesondere ein Mitglied bringt sich im juristischen Kontext intensiv ein, wozu es u.a. Weiterbildungen/Seminare an der Universität Gießen besucht. Ihm ist es gelungen ohne die Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes bei zwei Asylbewerbern erfolgreich gegen den Abschiebebescheid durch Eilantrag gegen Bescheid der Abschiebung nach Italien und Klage gegen die BRD den Verbleib in Zwingenberg zu erstreiten. Auch als einer der Asylbewerber straffällig wurde, begleitete er seinen Schützling und hat, erneut ohne juristischen Beistand, eine Ermahnung ohne weitere Auflagen erwirken können. Interkulturelle/öffentliche Veranstaltungen Spieleabend In vierwöchigem Rhythmus veranstaltet der Asylkreis in Kooperation mit dem Spielemobil aus Bensheim einen Spieleabend. Dieses Angebot wurde im Oktober 2014 erstmals offeriert und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Da es stets im Anschluss an das Asylkreistreffen stattfindet, nehmen auch sowohl Ehrenamtliche als auch Asylbewerber an den Treffen teil. Kommunikation, Spaß und das ungezwungene gesellschaftliche Beisammensein stehen dabei im Vordergrund. Zwingenberger Veranstaltungen Durch die Kontakte der Arbeitskreis-Mitglieder zu den ortsansässigen Vereinen, sind die Asylbewerber inzwischen gern gesehene Gäste bei verschiedenartigen Veranstaltungen, sei es das Boule-Turnier der Schlappekicker Zwingenberg, das Ostereier-Schießen des Schützenverein Zwingenberg oder Events des Geschichtsvereins Zwingenberg. Den Eritreern wird auch die Möglichkeit gegeben den künstlerischen/musischen Bereich hierzulande kennenzulernen, so gibt es z.b. Freikarten für klassische oder moderne Konzerte, Chorkonzerte, das ortsansässige Kellertheater oder Karten für die Sommerakademie Kammermusik. Vorträge Eingeladen sind die Asylbewerber auch bei Vorträgen, beispielsweise unter dem Thema Gesundheit zu Drogen, Zigaretten, Alkohol, Spielsucht. Besonders Alkohol und Drogen sind manchmal ein Problem". In anderen Vorträgen ging es über das Leben in Eritrea und die

6 Fluchtgründe. Ebenso sind spezielle Berichte zu geschichtlichen Themen oder individuelle Reiseberichte willkommen. Einbindung in Vereins-/Kirchenarbeit Die Asylbewerber bringen sich aktiv bei den Veranstaltungen ortsansässiger Vereine ein, sie helfen beispielsweise beim Auf- und Abbau des Kinderflohmarktes, beim Aufbau der Bestuhlung und des Sonnenschutzes bei Veranstaltungen des Geschichtsvereins (siehe Fotos in der Anlage) u.v.m. Ebenso besteht ein enger Kontakt zur katholischen Kirche. Diese lädt die Asylbewerber u.a. immer wieder dazu ein, den Gottesdienst aktiv mitzugestalten. So werden die jungen Männer z.b. am diesjährigen Pfarrfestwochenende den Gottesdienst durch heimische Lieder mitgestalten. Darüber hinaus wurde ein Teil des Erlöses vom Pfarrfest dazu genutzt werden, um drei Kindern der Asylfamilien die Teilnahme an der Jugendfreizeit der Kirche in den Sommerferien zu ermöglichen. Sportliche Aktivitäten Im Rahmen des Arbeitskreises wird den Flüchtlingen seit ca. drei Monaten Basketball an einem Gymnasium in Bensheim angeboten. Alle zwei Wochen treffen sich die Sportbegeisterten für 90 Minuten um im Team zu spielen, sich zu bewegen, vielleicht auch um Aggressionen abzubauen und um sich fit zu halten. Die jungen Männer sind mit Vollgas und Freude dabei, zieht der leitende Sportlehrer, der an der Schule tätig ist, nach einem viertel Jahr positive Bilanz. Während der Schul-Sommerferien fällt das Basketballtraining nicht aus, sondern wird auf dem öffentlichen Sportplatz in Zwingenberg fortgesetzt. Auch im fußballerischen Bereich können die jungen Männer sich austoben. Der Fußballverein in Zwingenberg hat einige Jungen/Männer beitragsfrei gestellt und gibt ihnen die Möglichkeit zweimal pro Woche am Fußballtraining teilzunehmen. Aktuell nehmen vier der Asylbewerber diese Chance wahr und spielen in den Mannschaften. Der TuS Zwingenberg hat sein Sportangebot kostenlos für die Teilnahme durch Asylbewerber geöffnet. IT/Technischer und Medien - Support Im technischen Bereich erfahren die Asylbewerber Unterstützung, indem ein Mitglied des Asylkreises die Aufgaben Rund ums Internet und die Medien übernommen hat und ihnen bei der Einrichtung der Computer, der Zugänge, beim Freischalten der Leitungen, Einbau einer SAT- Schüssel und was sonst noch alles in diesen Zuständigkeitsbereich fällt, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Bei Bedarf werden auch Einweisungen in entsprechende Themen und eine Fragestunde angeboten.

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