Asien-Newsletter. China. Inhaltverzeichnis. 28. Januar 2013

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1 Asien-Newsletter 28. Januar 2013 Inhaltverzeichnis Seite China Journalisten treten in Streik 1 Massive Kapitalflucht schadet Wirtschaft 2 Vision Asiatisches Streckennetz 2 Strom für alle durch Zentralisierung 3 Japan Mega-Förderprogramm trotz Staatsverschuldung 4 Korea Wirtschaftsöffnung und Beendigung des Nord-Südkonflikts? 4 China Journalisten treten in Streik Eine der einflussreichsten und mutigsten Zeitungen Chinas, das Südliche Wochenende, in Guangzhou, mit einer Leserschaft von 1,5 Millionen, ist bekannt für investigative Reportagen und zündende Leitartikel zu jedem Jahresanfang sollte mit dem Aufruf an Pekings Führung starten, dass Macht beschränkt und Bürgerrechte geschützt werden sollten. Die Verfassung müsse ernst genommen werden, in der die Freiheit der Rede, Publikation, Versammlung und Vereinigung festgelegt ist. Der Propagandachef der Provinz vertauschte ohne Wissen der Redakteure den Leitartikel mit einer Lobpreisung der Herrschaft der Kommunistischen Partei. Nach der enormen Protestwelle auf Chinas Twitterversion Weibo verbreiteten die Zensoren dort flugs die Nachricht, dass der Propaganda- Leitartikel von den Redakteuren abgesegnet worden sei. Diese Form des Krisenmanagements ging gründlich daneben. Zum ersten Mal traten die Journalisten der Zeitung in den Streik und forderten den Rücktritt des Propagandachefs. Die Proteste verbreiteten sich weit über die Provinz hinaus. Prominente verfassten offene Briefe, Blogger riefen zur Unterstützung der Zeitung auf, vor dem Redaktionsgebäude bildeten sich Versammlungen mit Protestschildern. Viele Blogs und Tweets wurden sofort von der Zensur gelöscht oder blockiert, aber die Solidaritätswelle schwappte über die üblichen Kreise hinaus. Eine bekannte Schauspielerin, deren Weibo-Konto über 31 Millionen Nutzer hat, zitierte sogar Solschenizyn. Der Vorfall ist ein Testfall für die neue chinesische Führung. Die Vorgänge bei der Zeitung seien das Ergebnis der Einmischung feindlicher ausländischer Kräfte, hieß es. Alle Zeitungen und Webseiten mussten einen Kommentar der Global Times bringen, die den Aufruhr auf ein paar weltfremde Saboteure zurückführte. Ziviler Ungehorsam der Netzportale folgte, die sich per Fußnote vom Inhalt distanzierten. Die KP-Zentrale lenkte ein. Nun erscheint die liberale Wochenzeitung wieder, in der neuen Ausgabe wird eine moderne Medienpolitik gefordert. Die neue Führung plädierte erst kürzlich für einen freieren Umgang mit den Medien, wenn auch die Regulierung der Presse durch die Partei weiterhin als grundlegend betrachtet wird. Quellen: Süddeutsche Zeitung, von Kai Strittmatter Zeit,

2 Strom für alle durch Zentralisierung China und Indien sind immer noch die Sündenböcke, wenn es um Klimawandel und fehlenden Umweltschutz geht. Aber viele ihrer Industrien exportieren in den Westen und der akkumulierende CO-Verbrauch beider Nationen liegt wesentlich niedriger als dort. In Indien ist die Ursache mangelnde Stromversorgung. Das Land verbrauchte 2011 nur ein Zwanzigstel der Weltprimärenergie. Es hat zwar sieben Prozent der weltweiten Kohlereserven, aber die Produktion beläuft sich auf nur 5,6% des weltweiten Ausstoßes. Die Mehrheit der Inder lebt ohne Strom und hat auch kaum Kohle zu kochen oder zu heizen. Die staatliche Energieversorgung ist korrupt, Stromverwaltungen konkurrieren und streiten untereinander. Es fehlen Standards, gute Verwaltung und Projektmanagement zu effizienter Energiepolitik. Eine zentrale Planungs- und Verwaltungsstelle wäre gut. China hingegen verbrauchte 2011 ein Fünftel der Weltprimärenergie. Die Energieversorgung der Einwohner ist gesichert. Die Nation besitzt 13,3% der weltweiten Kohlereserven und nutzt sie auch. Das Land verbrennt 49,5% der Weltproduktion. Die Stromversorgung funktioniert, es gibt ein Stromversorgungsunternehmen mit staatlichem Monopol. Sogar die Heizungen und deren Benutzung ist zentral gesteuert, aber damit ist auch die Versorgung aller gesichert. Vor allem ist das Land offen für neue Projekte zur modernen Energieversorgung. Industrieländer gehen mit Forschungsprojekten gerne nach China, weil sie dort ein offenes Ohr für innovative Ideen finden. Will man China zum Sündenbock beim Emissionsausstoß machen, sollte man bedenken, dass dort über die Hälfte des CO-Ausstoßes von westlichen Unternehmen für westlichen Konsum produziert wird. Westliche Länder müssen daher erst mit gutem Beispiel vorangehen, bevor sie China als Umweltsünder abstempeln. Das Land hat noch einen massiven Emissionskredit. Anlagemöglichkeiten begrenzt und die Zinsen niedrig. Viele wollen ihr Geld besser anlegen. Auch gewisse Beamte, durch Schmiergeldzahlungen zu Millionären geworden, wollen ihren Reichtum verschwinden lassen. Ihr kleines Beamtengehalt hatten sie durch satte Zahlungen für alle Projektgenehmigungen aufgebessert. Pro Jahr dürfen aber nur etwa Euro legal ausgeführt werden. Die Strafen bei Überschreitungen sind hart. Fast jeder zweite chinesische Millionär möchte gern auswandern. Voraussetzungen für ihre Länderwahl: kein Auslieferungsabkommen mit China, gute Hochschulen für die Kinder und gleichzeitig ein Investorenvisa. Kanada, die USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Singapur stehen auf der Liste. Kanada und die USA vergeben bereits einen Großteil ihrer Investorenvisa an Chinesen. Wer mehrere hunderttausend Dollar mitbringt, bekommt (Fortsetzung auf der folgenden Seite) Quelle: Zeit, ; von Imke Vidal Massive Kapitalflucht schadet Wirtschaft Insgesamt drei Billionen Dollar Schwarzgeld verlor China in den letzten zehn Jahren durch die Tricks vieler reicher Chinesen, ihr oft illegal erwirtschaftetes Vermögen auf Schleichwegen ins Ausland zu schaffen allein waren es 470 Milliarden Dollar, was fast dem gesamten jährlichen Wachstum Chinas entspricht. In China sind die 2

3 automatisch ein Visum. In Kanada wurden letztes Jahr umgerechnet fast zehn Mio Euro vom Zoll beschlagnahmt. Nun muss man nur noch ein bis zwei Prozent des Betrags Strafe zahlen, dann bekommt man sein Geld wieder. Informationsaustausch mit chinesischen Zollkollegen ist selten, da sonst chinesische Angehörige Probleme bekämen. Der größte Anteil der Schwarzgelder verschwindet aber bei betrügerischen Import- und Exportgeschäften. Preise werden bewusst zu niedrig oder zu teuer angegeben, die Differenz fließt mittels Zwischenhändler auf ein ausländisches Konto. Oder man läßt über einen chinesischen Banker ein Konto z.b. in Hongkong eröffnen, auf das ein anderer Geschäftsmann, der sein Geld nach China bringen will, eine Summe einzahlt. Derselbe Betrag wird auf einem chinesischen Konto hinterlegt und flugs ist beiden Seiten gedient. Das Geld hat die Konten nie verlassen - technisch jedenfalls. Quelle: Süddeutsche Zeitung, , von Christoph Giesen Vision Asiatisches Streckennetz Ende Dezember wurde in China die weltweit längste Hochgeschwindigkeitsstrecke für Züge eröffnet: die Nord-Süd-Verbindung von Peking nach Guangzhou. Statt der früher 20 Stunden ist man nur noch 8 Stunden unterwegs. Seit Einführung der neuen Technologie vor fünf Jahren wuchs das Netz bereits auf über 9300 km. Es soll bis 2014 auf und bis 2020 auf km ausgedehnt werden. Der Finanzierungsbedarf wird jährlich bei etwa 12,8 Mrd. Dollar liegen, der Staat will 300 Mrd. Dollar bis 2020 in das Projekt stecken. Die hohen Investitionssummen sind auch der Grund für zahlreiche Korruptionsskandale im Eisenbahnministerium und den unterstellten Staatsunternehmen. Noch kann sich der chinesische Durchschnittsverdiener mit etwa 500 Euro monatlich die Zugtickets kaum leisten, die noch zwischen 100 und 350 Euro kosten. Aber mit weiterem Wirtschaftswachstum kann sich dies bald ändern. Der Hochgeschwindigkeitszug könnte sogar zum Exporthit werden, Saudi Arabien hat die Technik schon bestellt. Russland, Brasilien und die USA sind interessiert. China verbindet bereits Südostasien mit dem Streckennetz und will es auf Zentralasien bis hin zur Türkei ausdehnen. In Europa wird ein einheitliches Hochgeschwindigkeitsnetz noch nicht einmal angedacht. Nachdem die ersten Züge von Siemens, Bombardier oder Kawasaki geliefert wurden, entstehen sie nun bereits in chinesischer Eigenproduktion. Dennoch kommen immer noch viele Einzelteile von deutschen Firmen, die sich mit den Chinesen über das Mega-Projekt freuen dürfen. Quelle: Zeit-online, von Felix Lee Süddeutsche Zeitung, Der Hochgeschwindigkeitszug Chinas 3

4 Japan Mega-Förderprogramm trotz Staatsverschuldung Der neue, rechtskonservative Regierungschef Abe will Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit einem Konjunkturpaket von 173 Milliarden Euro aus der Rezession holen und neue Arbeitsplätze schaffen. Die Nation leidet seit Jahren unter Deflation mit fallenden Preisen und der hohen Bewertung des Yen. 35 Milliarden Euro sollen für den Wiederaufbau der Tsunamiregion bereitgestellt werden. Die Expansion von Unternehmen ins Ausland, sowie Forschung und Entwicklung in den Sektoren Energie, Landwirtschaft und Gesundheit sollen gefördert werden. Die Börsen reagierten auf die Ankündigung mit einem Aufwärtstrend. Trotz der riesigen Staatsverschuldung will die Regierung zur Finanzierung des Förderprogrammes neue Anleihen auflegen. Kritiker und Ökonomen warnen vor einer noch schlechteren Bewertung von Japans Zahlungsfähigkeit, da der Staat für die neue Schuldenaufnahme höhere Zinsen zahlen muss. Statt des Konjunkturpakets wären allgemeine Strukturreformen wie die Deregulierung in Gesundheits- und Energiebereich wesentlich notwendiger. Quellen: Zeit, Korea Wirtschaftsöffnung und Beendigung des Nord-Südkonflikts? Nordkoreas Diktator Kim Jong Un will auf Rat deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Juristen sein Land noch dieses Jahr für ausländische Investoren öffnen. Der junge Machthaber kündigte eine radikale Wende in der Wirtschafts- und Landespolitik an, Landwirtschaft und Leichtindustrie sollen massiv gefördert werden. Kim will eine neue Investitionsgesetzgebung, die sich nicht an Chinas Modell orientiert. Es sollen gezielt Unternehmen für Investitionen ausgewählt werden. Außer chinesischen Firmen will man japanische, südkoreanische und westliche Unternehmen ins Land holen. Bisher durften größere Unternehmen nicht privat geführt werden. Das international isolierte Nordkorea ist verarmt und technologisch auf dem Stand vor 50 Jahren. Die Bevölkerung leidet immer wieder unter Hungersnöten. Die Stromversorgung ist rudimentär. Das Produktivitätsniveau erreicht nur fünf Prozent von dem Südkoreas. Die eingesetzten Techniken bei Industrie und Landwirtschaft sind völlig veraltet. Hunderttausende von Zwangsarbeitern sitzen immer noch in Umerziehungslagern und sind bei Straßenbau und Feldarbeit eingesetzt. Oberstes Ziel laut Kim Jong Un sei nun die Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes. Auch der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea müsse beendet werden. Die angekündigte Wende und Öffnung des Landes könnte vom Militär, das bisher die Wirtschaft kontrolliert, verhindert werden. Der Militärsektor wird mit enormen Investitionen unterstützt und ist im Vergleich modern. Militärangehörige haben auch bessere Wohnungen, fahren westliche Autos und können in speziellen Läden sogar Importwaren aus dem Westen kaufen. Die geplante Reise des Google-Chefs Schmid und des ehemaligen Gouverneurs Bill Richardson nach Nordkorea wurde unterdessen vom amerikanischen Außenministerium kritisiert. Diese meinen, es ginge um eine rein humanitäre Mission zur Freilassung eines inhaftierten Amerikaners. Quellen: Zeit, Redaktion: Ulli Jenisch Kostenlose Abonnement : Huang + Jaumann Wirtschaftsbüro Bauerntanzgässchen Augsburg Fon: Fax: Leistungen: Interkulturelles Asien-Training Coaching Interkulturelle Beratung China-Koordination Internet:

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