Ich liebe Menschen mit Tiefgang. Die anderen reduzieren sich auf den Strich. Da ist für mich nicht viel mehr dahinter.

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1 Seite persönlich September 2008 Titel Titel Seite persönlich September 2008 Peter gut Die Macher: Der Winterthurer Peter Gut (49) gehört zu den profiliertesten und auch pointiertesten Karikaturisten der Schweiz. Seine Bilder sind nicht nur in persönlich, sondern auch in der Bilanz, der Weltwoche, der NZZ, dem SonntagsBlick-Magazin und früher im Facts erschienen. Unlängst hat die ehemalige ABBA-Sängerin Frida einen Original-Gut erworben. Für persönlich hat Gut die Macher der Branche por trätier t. Text: Matthias Ackeret Bilder: Peter Gut Foto: Andreas Wolfensberger Herr Gut, wie sind die Zeiten für Karikaturisten? Spannend. Vieles ist möglich. Sind die Medien für Sie wichtig? Ja, ohne Medien kann ein Zeichner meiner Couleur heute nicht überleben ausser, er hat eine reiche Frau, die ihn finanziert, oder man ist Tomi Ungerer. Sie haben die Titelstory im aktuellen persönlich gestaltet. Wie sind Sie dabei vorgegangen? Obwohl ich ein schneller Zeichner bin, handelt es sich bei Porträts in der Regel um ein sehr langsames Medium. Ich hätte an der persönlich -Story wochenlang arbeiten können, bis ich meine eigenen Bedürfnisse befriedigt hätte. Obwohl ich ein schneller Zeichner bin, handelt es sich bei den Porträts um ein langsames Medium. Konkreter? Ich liebe Menschen mit Tiefgang. Die anderen reduzieren sich auf den Strich. Da ist für mich nicht viel mehr dahinter. Worin besteht die Schwierigkeit einer Karikatur? Nehmen Sie Roger Köppel. Im ersten Moment denken Sie, Köppel sei einfach zu karikieren, weil er mit seiner Krawatte wie ein Pennäler wirkt. Doch dies ist trügerisch. Ich habe Köppel einmal innerhalb einer Minute hingeworfen und freute mich entsprechend. Solche schnellen Siege blenden und lassen einen hochmütig werden. Bei der nächsten Betrachtung war die Wirkung der Zeichnung gleich null. Dann heisst es, nochmals beginnen. Mein Fazit: Jede Karikatur benötigt ihre Zeit. Wann ist dies der Fall? Ein Karikaturist arbeitet in homöopathischen Dosen. Den höchsten Stand hat man erreicht, wenn man lediglich einen Strich benötigt, um jemanden erkennbar zu machen. Dies gelingt nicht immer, da man sehr viel Zeit und dementsprechend auch Geduld benötigt. Gibt es für einen Karikaturisten einfachere oder schwierigere Opfer? Es gibt Figuren, die Freude bereiten, und andere, bei denen man froh ist, wenn es vorbei ist. Gibt es karikaturistenfreundlichere Köpfe? Zweifelsohne. Norbert Neininger ist eine richtige Karikaturistenfalle. Nach spätestens zwei Stunden steht fest: Auch er muss erarbeitet werden. Es geht weiter. An welcher Figur haben Sie am meisten gelitten? Roger Schawinski. Der Mann ist einfach schwer zu fassen. Lernt man jemanden während des Zeichnens besser kennen? Peter Gut. Fast könnte man das meinen. Die Begegnung verläuft allerdings sehr einseitig: Drum entsteht meist auch keine Liebe. Dafür spriessen die eigenen Gedanken, kreisen um das eigene Ich. Und am Schluss kenne ich mich ein Stückchen besser, und die Hand wandert weiter, macht wie von selbst, und der Kopf ist völlig anderswo. Dann geschieht es, dann wird es gut. Ein Karikaturist arbeitet in homöopathischen Dosen. Den höchsten Stand hat man erreicht, wenn man lediglich einen Strich benötigt, um jemanden erkennbar zu machen.

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