Es war einmal ein kleiner Frosch, der hieß Konrad und lebte an. einem großen See. Es war ein schöner See mit zahlreichen

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1 Es war einmal ein kleiner Frosch, der hieß Konrad und lebte an einem großen See. Es war ein schöner See mit zahlreichen Buchten und versteckten Orten. Konrad liebte es, am Ufer des Sees entlang zu hüpfen, denn so entdeckte er immer wieder neue, ihm bis dahin unbekannte Winkel. Und was es da alles zu sehen gab! Äste, Kieselsteine und Tausende von Blumen die einen mit leuchtenden Blüten, andere, die bereits verwelkt waren und wiederum andere, die ihre Schönheit noch nicht entfalten konnten. Zu den ersten sprach er: Ach, wie schön Ihr seid!, die zweiten bat er, von deren vergangener Schönheit zu berichten und den dritten gab er Hoffnung, indem er ihnen ihrer blühende Zukunft ausmalte. Und so wie mit den Blumen machte es Konrad auch mit den Gräsern, Sträuchern und Bäumen. Für alle fand der kleine Frosch ein nettes Wort und nichts machte ihn glücklicher, als andere glücklich zu sehen. Ja, Konrad lebte gerne an diesem See. Denn dort hatte er viele Freunde. Nicht nur die Blumen, Gräser, Sträucher und Bäume, sondern auch und das ist für einen kleinen Frosch besonders wichtig andere Frösche. Viele kannte er von der Schule, andere hatte er auf seinen Erkundungsstreifzügen kennen gelernt. Mit ihnen zusammen hüpfte er besonders gerne herum. Oder sie schwammen an sonnigen Tagen zu den Seerosen

2 hinaus und fingen Fliegen aus der Luft. Am liebsten aber besuchte Konrad mit seinen Freunden zusammen eines der vielen Froschkonzerte, die jeden Abend irgendwo am großen See stattfanden. Was für herrliche Stimmen Konrad dort hören konnte und nichts wünschte er sich sehnlicher, als eines Tages auch so schön zu singen! Denn noch war seine Stimme sehr dünn er war ja erst ein kleiner Frosch. In der Schule, wo Singen das einzige Unterrichtsfach war, strengte sich Konrad deshalb besonders an. Aber seine Lehrer sagten ständig zu ihm: Das wird nichts. Aus Dir wird nie ein Meistersänger! Dies machte Konrad traurig, aber es spornte ihn auch an: Euch werde ich es zeigen und wenn ich dann ganz oben bin, werdet Ihr vor Neid erblassen! Da lachten die Lehrer nur. Der kleine Frosch hüpfte von Dirigent zu Dirigent und fragte, ob er bei ihnen im Chor mitsingen dürfe: Meine Stimme ist zwar noch schwach, aber sie wird jeden Tag etwas stärker. Und ich bin bereit, viel zu lernen. Bitte, nehmt mich auf! Aber die Dirigenten lachten nur und meinten, er soll es an kleineren Seen versuchen. Die seien vielleicht nicht so schön, dafür gäbe es dort viele Froschchöre, die immer wieder kleine Frösche suchen würden.

3 Was sollte Konrad nur machen? Er liebte doch den großen See mit seinen vielen Buchten, versteckten Winkeln und den schönen Seerosen. Und seine Freunde lebten auch alle hier. Sollte er wirklich all das aufgeben, wie ihm die hochnäsigen Dirigenten rieten? Der kleine Frosch überlegte hin und überlegte her viele Tage lang. Eines schönen Tages, Konrad planschte gerade in seiner Lieblingsbucht, hörte er einen Kuckuck sprechen, der auf einer alten Trauerweide saß, deren lange Äste bis ins Wasser reichten: Junge Talente gesucht! Der Froschchor des kleinen Teiches hinter dem hohen Berg braucht frische Stimmen. Wer Interesse hat, hüpft am Besten heute noch los! Und plötzlich wusste der kleine Frosch Konrad, was er machen wollte: Ich geh hin! Vielleicht lerne ich dort ja richtig schön und laut singen. Und dann komm ich zurück an den großen See und kein Dirigent wird mehr sagen, dass meine Stimme zu dünn sei für seinen Chor! Etwas traurig war Konrad schon, als er seine Koffer packte und sich von seinen Freunden verabschiedete. Ich komme wieder zurück bestimmt!, versprach er ihnen und hüpfte los. Immer wieder drehte er sich um und er glaubte gesehen zu haben, wie

4 sich seine Freunde die Tränen vom Gesicht wischten. Immer kleiner wurden sie und auch der große See verschwand allmählich hinter dem Horizont. Jetzt bin ich ganz alleine, sagte sich der kleine Frosch und hüpfte weiter zum kleinen Teich hinter dem hohen Berg. * * * So sieht also ein kleiner Teich aus? Konrad wollte seinen Augen nicht glauben, als er endlich dort angekommen war. Keine Buchten, keine versteckten Winkel und keine Seerosen. Und auch keine schönen Blumen, keine wilden Gräser oder hohen Bäume. Der kleine Teich war nicht viel mehr als ein Tümpel. Und dieser Tümpel lag in einer Wiese, deren Gras geschnitten wurde, bevor es gewachsen war, und Rasen hieß. Hier kann man doch nicht leben, so langweilig ist das, sagte der kleine Frosch zu sich, aber vielleicht ist das hier meine große Chance. Und so beschloss er hier zu bleiben, auch wenn ihm das Herz vor Schmerz zu platzen drohte.

5 Du bist neu hier und würdest gerne mitsingen?, fragte eine fette Stimme hinter ihm. Als er sah, wer ihn ansprach, wäre der kleine Frosch vor Schreck beinahe tot umgefallen. Es war ein Storch mit fürchterlich langen Beinen und einem noch fürchterlicheren spitzen Schnabel. Der Storch schien die angsterfüllten Gedanken von Konrad erraten zu haben: Hab keine Angst. Ich tu Dir nichts. Das wäre ja noch schöner, schließlich bin ich der Dirigent vom Froschchor hier an diesem schönen Teich. Und Mitarbeiter frisst man doch nicht auf, oder? Das war schön gesagt, aber konnte Konrad dem Storchen glauben? Doch als dieser sein freundlichstes Lächeln aufsetzte, war Konrad überzeugt, dass vom Riesenvogel keine Gefahr ausgehen würde. Und was blieb ihm auch für eine andere Wahl, wenn er eines Tages Meistersinger bei einem Froschchor am großen See werden wollte. Also sagte der kleine Frosch zu und war fortan Mitglied des Froschchores am kleinen Teich, der eigentlich ein Tümpel war, und hatte einen Storch als Vorgesetzten. (...)

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