Unterrichtseinheit Unternehmen und Strukturwandel

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1 Unterrichtseinheit Unternehmen und Strukturwandel 3. aktualisierte Auflage 2013 Autoren M. A. Michael Koch (Institut für Ökonomische Bildung Oldenburg) Dipl. oec. Christoph Backes Dank gilt Jacqueline Kleemann und Wiebke Schmitz (Institut für Ökonomische Bildung Oldenburg) für die Aktualisierung der Übersicht zur curricularen Einordnung und die Mitarbeit an der Aktualisierung der Materialien und Texte in der 3. Auflage.

2 Liebe Lehrerinnen und Lehrer, wir leben in einer Welt permanenter Veränderung. Und das ist gut so. Denn ohne Veränderung gäbe es keinen Fortschritt. Das gilt gleichermaßen für Gesellschaften, Volkswirtschaften und Unternehmen. Der italienische Schriftsteller Tomasi di Lampedusa hat die Notwendigkeit des stetigen Wandels einmal so formuliert: Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist. Veränderungen sind nicht also nur notwendig, sondern positiv, weil sie neue Werte schaffen. Joseph Alois Schumpeter hat diesen Prozess deshalb auch schöpferische Zerstörung getauft. Die Zerstörung alter Strukturen, alter Produktionsprozesse und alter Techniken ist die Voraussetzung für ökonomisches Wachstum und für den Wohlstand einer Gesellschaft. Mit der Unterrichtseinheit Unternehmen und Strukturwandel zeigen wir an aktuellen und praxisnahen Beispielen, welche Faktoren den Strukturwandel auslösen und welche Auswirkungen der Veränderungsprozess für Wettbewerb, Preise, Forschung und Personalentwicklung hat. Um den abstrakten Begriff des Strukturwandels zu veranschaulichen, haben wir Artikel aus dem Handelsblatt ausgewählt. Mit der international tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft EY hat das Handelsblatt einen renommierten Partner für diese Unterrichtseinheit gewinnen können. Die Berater von EY haben einen tiefen Einblick in die Unternehmen, die sich in einem veränderten wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld behaupten müssen. Das Handelsblatt selbst versteht sich als Gemeinschaft zur Verbreitung des ökonomischen Sachverstandes. In diesem Sinne hoffen wir, dass Ihnen die vielfältigen Materialien von Handelsblatt macht Schule helfen, um Ihren Schülerinnen und Schülern wichtige wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären und das Interesse an Wirtschaftsthemen zu wecken. Herzlichst Ihr Sven Afhüppe Stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt 2

3 DIHK / Thomas Kierok. Wirtschaftswissen ist Alltagswissen Wirtschaft ist Wandel. Unternehmen werden gegründet, wachsen und prosperieren, rationalisieren oder scheiden aus dem Marktgeschehen wieder aus. Das einzelne Unternehmen muss seine Wettbewerbsfähigkeit in einem sich ändernden wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Das geht nur mit Innovation und Anpassungsfähigkeit. Unternehmen sind gleichzeitig Organismen der Wirtschaft. In ihnen arbeiten Menschen gemeinsam an der Erstellung und Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen. Arbeit und Entlohnung sind Teil der wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb des Unternehmens. Darüber hinaus stehen Kunden- und Lieferantenbeziehungen für das Zusammenwirken mit anderen, externen Wirtschaftspartnern. Im Ergebnis beeinflussen Erfolge oder Misserfolge von Unternehmen zudem Wohlstand und Attraktivität ihrer Region. Leider wissen viele Jugendliche heute wenig darüber, wie unsere Soziale Marktwirtschaft funktioniert, welche Bedeutung Unternehmen haben und von welchen Faktoren unternehmerischer Erfolg abhängt. Gerade auch die Tatsache, dass der Wohlstand unserer Gesellschaft unmittelbar auf der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beruht, ist vielfach nicht bekannt. Dabei interessieren sich junge Leute durchaus für Wirtschaftsthemen: Untersuchungen weisen darauf hin, dass drei Viertel der Jugendlichen ein Schulfach Wirtschaft gut fänden. Aufgrund der Vielzahl ökonomischer Sachverhalte in unserem Alltag sind profunde Kenntnisse in Wirtschaftsfragen zudem wichtiges Orientierungswissen. Nicht zuletzt kann eine gute ökonomische Bildung Verständnis für unternehmerisches Handeln fördern und bei der Entscheidung helfen, Selbstständigkeit als eigene mögliche berufliche Perspektive in Betracht zu ziehen. Das Unterrichtsmaterial, das das Handelsblatt Lehrkräften für den Wirtschaftsunterricht anbietet, füllt eine Lücke: Es ermöglicht eine systematische und tagesaktuelle Auseinandersetzung mit dem wirtschaftlichen Geschehen. In dem Unterrichtsband Unternehmen und Strukturwandel werden die dynamischen Kräfte unserer Sozialen Marktwirtschaft ins Blickfeld gerückt und damit verbunden die Herausforderungen und Chancen für unsere Zukunft. Lehrerinnen und Lehrer erhalten hier viele Anregungen für die Gestaltung ihres Wirtschaftsunterrichtes. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg! Herzlichst Ihr Dr. Eric Schweitzer Präsident Deutscher Industrie- und Handelskammertag 3

4 Bestellcoupon Ja, ich möchte das Handelsblatt 4 Wochen kostenlos und unverbindlich nutzen. Vorname, Name der Lehrerin/des Lehrers Straße, Hausnummer (privat) PLZ, Ort Telefon (privat) -Adresse (privat) Ja, ich möchte das Handelsblatt als Klassensatz für mich und meine Schüler bestellen. (max. 20) Datum Bitte liefern Sie mir Exemplare ab täglich montags dienstags mittwochs donnerstags freitags für einen Zeitraum von Wochen (maximal 4 Wochen) Vorname, Name der unterrichtenden Lehrerin / des unterrichtenden Lehrers Unterrichtsfach Schulart Klassenstufe Ort, Datum und Unterschrift der Lehrerin / des Lehrers Name der Schule Straße, Hausnummer Schulstempel PLZ, Ort PA-HBHMSKT1 PA-HBHMSKP1 4 Bestellcoupon bitte in Druckbuchstaben ausfüllen und faxen an: Oder per Post senden an: Handelsblatt GmbH, Postfach 9244, Würzburg.

5 Gliederung I. Einleitung Zum Aufbau der Unterrichtseinheit Unternehmen und Strukturwandel : II. Curriculare Einordnung in den Bundesländern III. Lehrerhandreichung Didaktische Struktur der Unterrichtseinheit Fachwissen Erkenntnisgewinnung Bewertung Fachwissenschaftliche Hinweise Unterrichtliche Realisierungsmöglichkeiten Verortung des Themas im Bereich Unternehmen Struktur der Unterrichtseinheit Informationen zu den Materialien Komplex 1: Stellung und Funktion von Unternehmen in marktwirtschaft lichen Ordnungen (M 1 M 9) Komplex 2 Unternehmen und Strukturwandel (M 10 M 28) Komplex 3 Beispiele für Strukturwandel und Anpassungsprozesse in Unternehmen (M 29 M 38) Komplex 4 Praxiskontakte (M 39 M 42) Internetlinks Literaturhinweise IV. Verknüpfung mit wigy-materialangeboten auf 51 V. Materialien M 1 Gründe für die Existenz von Unternehmen M 2 Die ökonomische Betrachtungsebene von Unternehmen M 3 Die soziale/gesellschaftliche Perspektive M 4 Die Stellung der Unternehmen im Wirtschaftsgeschehen M 5 Unternehmensziele M 6 Aufgaben einer Unternehmensführung M 7 Sektoraler Wandel M 8 Prognos-Studie: Industrie bleibt Herzstück M 9 Befragung deutscher Unternehmensmanager M 10 Zitatensammlung M 11 Substanz, System, Struktur nach Heinrich Rombach M 12 Definition Strukturwandel M 13 Strukturwandel und Arbeitsmarkt M 14 Prozess der schöpferischen Zerstörung

6 M 15 Die Unternehmerfunktion nach Schumpeter M 16 Organisatorischer Wandel und Umweltänderungen M 17 Bewertung und Interpretation von Umweltmerkmalen M 18 Der gekochte Frosch oder Faktoren, die Strukturwandel hervorrufen M 19 Die Manie des Neuen M 20 Warum Schleckers Riesenreich zusammenbrach M 21 Externe und interne Faktoren M 22 Lernen, lebenslang M 23 Personalentwicklung M 24 Bedingt familienfreundlich M 25 Change Management: Widerstand gegen Änderungen M 26 Management des Wandels M 27 Auf den Käpt n kommt es an M 28 Interview mit Herbert Hainer (Adidas) M 29 Strukturwandel und Unternehmen: Schlaglichter M 30 Media-Markt verlässt China M 31 Unternehmen in Schwierigkeiten M 32 Online-Kaufhäuser: Der neue Handelskrieg M 33 Showrooming: Anschauen im Laden kaufen im Internet M 34 Prosuming und Mass-Customization M 35 Die großen Baustellen der Energiewende M 36 Atomausstieg: Sicher geglaubte Gewinne brechen weg M 37 Ein Betrieb für alle Generationen M 38 Alte neue Zielgruppe M 39 Methode Expertenbefragung M 40 Szenario-Methode M 41 Praxiskontaktpartner EY M 42 Der Wille zum Erfolg was Ausnahmesportler und Unternehmer gemeinsam haben

7 Einleitung I. Einleitung Selbstzufriedenheit ist der größte Feind von Innovation und Qualität. Hans-Olaf Henkel (*1940), ehem. Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI ) Die Fähigkeit einer Organisation zu lernen und das Gelernte schnell in Taten umzusetzen ist der ultimative Wettbewerbsvorteil. Jack Welch (*1935), ehem. CEO 1 General Electric ( ) Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: Wo kämen wir hin; und niemand ginge, um einmal nachzuschauen, wohin man käme, wenn man ginge... Kurt Marti (*1921), Pfarrer und Schriftsteller Das heutige Wirtschaftsleben ist in vielfältiger Weise durch Wandlungsprozesse charakterisiert, die für die Verbraucherinnen und Verbraucher, aber insbesondere die Unternehmen vielerlei Herausforderungen bereithalten. Seien es die zunehmende Globalisierung des Wirtschaftsgeschehens, die Veränderung von Märkten im Zuge der Verbreitung neuer Technologien oder die demografischen Veränderungen, die in unserer Gesellschaft zu beobachten sind: Unternehmen müssen solche Einflussfaktoren frühzeitig erkennen und darauf reagieren man könnte sagen, sie müssen permanent beobachten und lernen wollen sie langfristig ihre Position im Wettbewerb sichern. Dies trifft nicht nur auf die großen Global Player zu, sondern genauso auf die klein- und mittelständischen Unternehmen von nebenan. Und selbstverständlich hat dies auch Auswirkungen auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen, da sich auch die Qualifikationsanforderungen stetig verändern und der Prozess des lebenslangen Lernens heute in vielen Bereichen einen unerlässlichen Bestandteil von Berufsbiografien darstellt. Die vorliegende Einheit will verdeutlichen, was unter Strukturwandel zu verstehen ist, welche Faktoren diesen im Wesentlichen auslösen bzw. beeinflussen und welche Auswirkungen und Aufgaben hieraus für Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchenzugehörigkeit resultieren. Hierbei wurde besonderer Wert auf die Verknüpfung von theoretischen Ausführungen und Beispielen aus der wirtschaftlichen Realität gelegt. 1 CEO = Chief Executive Officer, im englischsprachigen Raum die Bezeichnung für einen alleinigen Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzenden oder Generaldirektor. 7

8 Einleitung Zum Aufbau der Unterrichtseinheit Unternehmen und Strukturwandel : 1. Die Curriculare Einordnung in den Bundesländern verdeutlicht, wo die Thematik in den einzelnen Lehrplänen bzw. Rahmenvorgaben der verschiedenen Bundesländer für die gymnasiale Oberstufe verortet wird (vgl. II). Eine Konkretisierung (z. B. Zeitbedarf) für die vorliegende Unterrichtseinheit ist vor dem Hintergrund der großen Vielfalt der Vorgaben und Rahmenbedingungen nicht realisierbar. Vielmehr sollte die Lehrkraft entsprechend der landesspezifischen oder individuellen Rahmenbedingungen eine Auswahl aus dem Angebot treffen. 2. Teil III, die Lehrerhandreichung (vgl. Seite 15), liefert Lernziele und Inhalte der Unterrichtseinheit, erkenntnisleitende Interessen und Gründe für die Auswahl der Thematik, den fachwissenschaftlichen Hintergrund sowie unterrichtliche Realisierungsmöglichkeiten. Die Schülermaterialien im Anhang werden kommentiert und sind mit Aufgabenvorschlägen versehen. Die Autoren sind bei der Konstruktion der Unterrichtseinheit und der Zusammenstellung des Materialienpools davon ausgegangen, dass in einem gewissen Rahmen auf ökonomische Grundkenntnisse im Bereich internationale Wirtschaftsbeziehungen zurückgegriffen werden kann. Die Unterrichtseinheit gliedert sich in vier Komplexe (auch: Unterrichtssequenzen): Der erste Komplex setzt sich zum Einstieg mit der Stellung und Funktion von Unternehmen in marktwirtschaftlichen Ordnungen auseinander. Der zweite Komplex definiert anschließend den Begriff des Strukturwandels, zeigt unterschiedliche, solche Wandlungsprozesse auslösende Faktoren auf und welche Auswirkungen hieraus für Unternehmen resultieren. Der dritte Komplex liefert zahlreiche konkrete Beispiele für die unterschiedlichen Formen von Wandel und die Herausforderungen, denen sich in diesem Rahmen Unternehmen zu stellen haben. Der vierte Komplex macht methodische Vorschläge und bietet zum Abschluss in gewohnter Form die Möglichkeit, sich Praxiskontaktpartner direkt in den Unterricht zu holen, um die Thematik noch einmal zu vertiefen. 3. Die Einheit enthält einen umfangreichen Materialienteil, der sich aus Grundlagenmaterialien sowie Artikeln des Handelsblatts zusammensetzt. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Materialienangebot nur eine Auswahl darstellt, aus der die Lehrkraft auswählen kann. 8

9 Curriculare Einordnung in den Bundesländern II. Curriculare Einordnung in den Bundesländern Ökonomische Bildung tritt in vielfältiger und häufig fragmentierter Weise in gymnasialen Lehrplänen auf. Die folgende Übersicht zur Verortung des Themas Unternehmen und Strukturwandel in die Lehrpläne des Ökonomieunterrichts oder affiner Fächer in den Bundesländern stellt dies dar. Eine kurze Erläuterung vorweg: Spalte 1: Da die Bundesländer für Inhaltsbereiche der ökonomischen Bildung unterschiedliche Ankerfächer haben oder integrative Ansätze verfolgen, beginnt die Tabelle mit der Bezeichnung des Fachs, in welchem das Thema Unternehmen und Strukturwandel angesiedelt ist. Spalte 2: Es folgt die Angabe der Jahrgangsstufen. Hier wurde die genaue Zuordnung, die im Lehrplan zu finden war, übernommen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich dahingehend, dass zum einen der Lehrplan in den genauen Ablauf der Kursstufe, also 12.2 oder 13.1 unterteilt wurde, zum anderen aber teilweise nur grobe Angaben wie Oberstufe gemacht wurden. Wo eine Unterteilung in Leistungskurs oder Grundkurs klar zu erkennen war, ist dies in der Aufstellung berücksichtigt worden. Spalte 3: liefert mit der Nennung der Thematik bzw. des Inhaltsfelds eine grobe Einordnung, und Spalte 4 differenziert weiter. Ein Zeitrichtwert für die unterrichtliche Realisierung des behandelten Themenkomplexes ist in dieser Analyse nicht berücksichtigt, da ein Hinweis auf ein Stundendeputat in den Lehrplänen selten gegeben wurde. 9

10 Curriculare Einordnung in den Bundesländern Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg 10 Neigungsfach Wirtschaft Wirtschaft und Recht Politische Bildung Wirtschaftswissenschaft Land Fach/Fachverbund Gemeinschaftskunde Jahrgang Kursstufe (4-stündig) Fächerverbund Geographie, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde Kursstufe (4-stündig) Kursstufe Thematik/Inhaltsfeld o.ä. Globalisierung und Strukturwandel Sozialstruktur und Sozialstaatlichkeit im Wandel Wirtschaftsdynamik und Wirtschaftspolitik Wirtschaftliches Handeln im Sektor Unternehmen Wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmendaten Weltwirtschaftliche Entwicklungsprozesse und ihre theoretischen Begründungen Internationale Wirtschaftsbeziehungen Personalwirtschaft und Wandel der Arbeitswelt 11.1 Bestimmungsgrößen betriebswirtschaftlicher Entscheidungen Sozialwissenschaften Oberstufe Wirtschaftswissenschaft Oberstufe Sozialstruktur und sozialer Wandel Wirtschaft und Gesellschaft, Recht und Politik im internationalen System Das Unternehmen in der Sozialen Marktwirtschaft Aspekte/Themen/Inhalte o.ä. Globalisierung: Erscheinungsformen und Dimensionen W Internationale Arbeitsteilung Faktoren der Globalisierung Gestaltungsmöglichkeiten nationaler und internationaler Politik W Die Rolle der Nationalstaaten Gesellschaftlicher Wandel und gesellschaftspolitische Herausforderungen Globalisierung und Strukturwandel Dimensionen und Erscheinungsformen des Globalisierungsprozesses Gestaltungsmöglichkeiten nationaler und internationaler Politik Wandel in der Berufs- und Arbeitswelt und die damit verbundenen betrieblichen und gesellschaftlichen Auswirkungen Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland Struktureller Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft W Transformationsprozesse Entwicklung des Welthandels Rahmenbedingungen und Ursachen für den weltwirtschaftlichen Strukturwandel (wirtschaftliche Globalisierung) W Aussagekraft theoretischer Erklärungsansätze für den internationalen Handel Rahmenbedingungen und Ursachen für den weltwirtschaftlichen Strukturwandel (wirtschaftliche Globalisierung) Liberalisierung des internationalen Handels, technischer Fortschritt, Entwicklung von Mobilität und Kommunikation, nachfrageseitige und angebotsseitige Ursachen Rolle transnationaler Unternehmen, global cities und ihre Bedeutung Wandel in der Arbeitswelt Struktureller Wandel in der Arbeitsorganisation: Gruppenarbeit, Telearbeit, Zeitarbeit, Wissensarbeit Auswirkungen auf Unternehmen, Mitarbeiter und Gesellschaft Projekt Unternehmen im Wandel Ziele eines Unternehmens: Rentabilität, soziale und ökologische Ziele Einflussfaktoren auf Investitionsentscheidungen Wandel der Bevölkerungsstruktur Arbeitswelt im Wandel Herausforderungen in der globalisierten Welt Demografische Entwicklung Deutschland und Europa im Prozess der Globalisierung Kaufmann und Unternehmen, Leistungserstellung, Leistungsverwertung u. a. Produktbezug (Produktlebenszyklus, Forschung, Entwicklung, Simultaneous Engineering) Mitarbeiterbezug (Spannungsfeld: Rationalisierung und Humanisierung, ausgewählte Probleme der Arbeitsplatzgestaltung) 12.2 Wirtschaftspolitik Strukturwandel in Deutschland Träger und Instrumente der Wirtschaftspolitik Strukturwandel und dessen Folgen für die Region/Stadt 11.2 Wirtschaft Wirtschaftspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft Strukturpolitik Globalisierung 12.1 Gesellschaft Aspekte des sozialen Wandels Arbeit und Beruf 12 Rationalisierung an Beispielen: Produktion und Organisation Begriff der Rationalisierung Produktionsverfahren und ihre Veränderung Aufbau- und Ablauforganisation und ihre Veränderung 12.2 Makroökonomie (Globalisierung) W Wirtschaftspolitische Handlungsfelder Demografische Entwicklung W Nachhaltiges Wirtschaften Strukturwandel W kennzeichnet die Wahleinheiten, die der Vertiefung und somit dem schüler- und handlungsorientierten Unterricht dienen.

11 Curriculare Einordnung in den Bundesländern Bremen Hamburg Land Fach/Fachverbund Wirtschaftslehre Jahrgang Thematik/Inhaltsfeld o.ä. Wachstums- und Konjunkturpolitik, Umwelt 12.1 Wirtschaftspolitische Konzepte und Theorien zur Beeinflussung von Konjunktur und Beschäftigung 12.2 Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Herausforderung für die Gestaltung der Globalisierung Politik Handlungsfeld Gesellschaft Wirtschaft Politik und Wirtschaft Vorstufe Studienstufe Politik/Gesellschaft/Wirtschaft Studienstufe Aspekte/Themen/Inhalte o.ä. Bestimmungsgründe des Wachstums (u. a. Investitionen, technischer Fortschritt Infrastrukturmaßnahmen, Qualifizierung des Erwerbstätigenpotenzials) Ansatzpunkte einer Wachstumspolitik (u. a. Stabilisierungs-, Wettbewerbs-, Vermögenspolitik Deregulierung, Förderung des technischen Fortschritts) Strukturwandel als Begleiterscheinung des Wachstums (u. a. Wandel der Bedarfs- und der Produktionsstruktur) Ziele und Instrumente sektoraler und regionaler Strukturpolitik Ursachen der Umweltbelastungen, Prinzipien der Umweltpolitik, Instrumente der Umweltpolitik SuS diskutieren und vergleichen wirtschaftspolitische Konzepte und können diese den Maßnahmen des Staates auf Konjunktur und Beschäftigung zuordnen Definition, Voraussetzungen und Bedingungen der Globalisierung Probleme der zunehmenden Globalisierung und deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen Veränderungen in der Gesellschaft durch neue Technologien Wandel in der Arbeitswelt Handlungsfeld Wirtschaft Grundlegende wirtschaftspolitische Auseinandersetzungen (z. B. eine nachhaltige Entwicklung und Technikfolgen) Wirkungen nationaler, supranationaler und globaler Wirtschaft und Wirtschaftspolitik auf Lebensverhältnisse Themenbereich Wirtschaft Dimensionen und Erscheinungsformen des Globalisierungsprozesses Nationale und internationale Wirtschaftspolitik Themenbereich Gesellschaft Grundlegende Strukturen und wesentliche Entwicklungstendenzen der Gesellschaft darstellen Probleme und Konflikte der gesellschaftlichen Gestaltung Wandel der Arbeitswelt Konkurrenzsituation am Arbeitsmarkt, Einstellungsstrategien von Unternehmen und Betrieben Global Player Organisationsstruktur und internationale Verflechtung transnationaler Unternehmen und Konsortien Das private Unternehmen ökonomisches und soziales Aktionszentrum im Wandel Gesellschaft und Gesellschaftspolitik Wirtschaftssystem und Wirtschaftspolitik 10.1 Sozialstruktur und sozioökonomischer Wandel Grundlagen unternehmerischer Entscheidungsprozesse Unternehmenskultur und unternehmerische Verantwortung Sozialstruktur und Strukturwandel Modernisierung: Wandel und Zukunft der Arbeit Globalisierung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen Internationale Arbeitsteilung und transnationale Unternehmen Unternehmenskonzentration Struktur und Entwicklung der Bevölkerung Von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft Strukturmodelle der Gesellschaft Hessen 12.1 Internationale Beziehungen und Globalisierung 12.2 Aspekte der Globalisierung Chancen, Probleme, Perspektiven Weltwirtschaft und Globalisierung Transnationale Konzerne, Standortfaktoren und Veränderungen der internationalen Arbeitsteilung Weltwirtschaft und Globalisierung Soziale Sicherungssysteme, Migration und deren Ursachen Weltumweltpolitik Politik im Zeitalter der Globalisierung Kultur und Wissen (Mindestens zwei von diesen Themen sind zu behandeln) 11

12 Curriculare Einordnung in den Bundesländern Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Wirtschaft Politik-Wirtschaft 11/1 (Ergänzungsfach) Wirtschaftslehre Land Fach/Fachverbund Wirtschaftswissenschaft (G9) Jahrgang Thematik/Inhaltsfeld o.ä. Aspekte/Themen/Inhalte o.ä. 11 Unternehmen und Arbeitswelt Das Produktions- und Dienstleistungsunternehmen Betrieb und Ausbildung, Qualifikationsstrukturen und ihre Veränderungen 12.2 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland Wirtschaftswachstum Internationale Wirtschaftsbeziehungen und die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland Oberstufe Mikroökonomie/Arbeit 11/2 (PF) 12/2 (PF) Oberstufe Sozialwissenschaften Oberstufe Wachstum und Beschäftigung in struktureller Hinsicht Welthandel, Globalisierung U. a. Tendenzen des Wandels (z. B. technischer, demografischer, Struktur-, Wertewandel) und seine Folgen für die Arbeitsgesellschaft Ökonomische Herausforderungen und U. a. Auswirkungen des technologischen Wandels auf das Wirtschaftsgeschehen, technologische Problemfelder/Technik und Technologien Entwicklungen als Motoren des Fortschritts in ihren Möglichkeiten und Risiken Dimensionen der Globalisierung; Chancen und Risiken des Globalisierungsprozesses Die Bundesrepublik in der globalisierten Wirtschaft schiedlicher Akteure (Konsumenten, Arbeitnehmer, Unterneh- Chancen und Risiken der Globalisierung aus der Sicht untermer, Staat) Indikatoren und Ursachen der Globalisierung Wirtschaftspolitik in der Sozialen Wirtschaftspolitik am Beispiel des Beschäftigungsproblems Marktwirtschaft Die konjunkturpolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Beziehung zwischen Konjunktur- und Beschäftigungsentwicklung, angebots- versus nachfrageorientierte Konzeptionen) Die ordnungspolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Regulierung und Deregulierung des Arbeitsmarktes sowie ihre Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Unternehmen) Die strukturpolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Strukturerhaltungs-, Strukturanpassungs- und Strukturgestaltungspolitik) Internationale Wirtschaftsbeziehungen Weltwirtschaft zwischen Liberalisierung und Protektionismus Gründe für internationalen Handel (insbesondere Kosten- und Preisunterschiede) und Entwicklungstendenzen des Welthandels (z. B. überproportionale Zunahme des Welthandels gegenüber der Weltwirtschaftsleistung) Rationalisierung und Strukturwandel Gesellschaftsstrukturen und sozialer Wandel Globale politische Strukturen und Prozesse Der Unternehmensstandort Deutschland im Rahmen der Globalisierung (insbesondere Ursachen der Internationalisierung von Unternehmen) Rationalisierung durch Arbeitsorganisation, Mechanisierung und Automation Technische Entwicklung und Beschäftigungsstruktur Veränderung des Arbeitskräftebedarfs und der Produktivität Auswirkung von Rationalisierung auf Beruf und Arbeitsplatz Sozialer Wandel komplexer Gesellschaften in wichtigen Bereichen wie Arbeit und Bildung Entstrukturierungs- und Neustrukturierungsvorgänge, Konfliktpotenziale und Steuerungschancen Erscheinungsformen und Ursachen Muster politischer Antworten auf globale Prozesse Ziele und Aufgaben internationaler Politik Rückwirkungen auf politische Entscheidungen im nationalen Rahmen 12

13 Curriculare Einordnung in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Land Fach/Fachverbund Sozialwissenschaften/ Schwerpunkt Wirtschaft Jahrgang 11/II Thematik/Inhaltsfeld o.ä. Unternehmen unter Globalisierungsdruck Erdkunde 11.I/II Weltweite Verflechtungen in ihrer Bedeutung für regionale Prozesse Warum sind dynamische Unternehmer unverzichtbar? Zur Rolle der Unternehmer in marktwirtschaftlichen Systemen Warum expandieren Unternehmen im Ausland? Unternehmen im Globalisierungsprozess Konzentration und Globalisierung eine Bedrohung der Sozialen Marktwirtschaft? Globale Verflechtung als Auslöser für Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft und in einem Herkunftsland der importierten Agrarprodukte Die Bedeutung des tertiären Sektors für die Wirtschaftskraft und die Arbeitsmarktsituation einer Region Industrie als Chance und Problem für Beschäftigung und Entwicklung Einseitige Wirtschaftsstruktur als Ursache für die Abhängigkeit von Industrieländern U. a. Strukturkrise: Binnenmarkt, Globalisierung, technologischer Wandel, internationaler Wettbewerb Gemeinschaftskunde Schwerpunkt: Sozialkunde 12/I Räume unterschiedlichen Entwicklungsstandes im Globalisierungsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft 11 Wirtschaftspolitische Aufgaben in einer Sozialen Marktwirtschaft Aspekte/Themen/Inhalte o.ä Gesellschaft Die industrielle Gesellschaft im Wandel 11.2 Wirtschaft Wirtschaftspolitische Aufgaben in einer Sozialen Marktwirtschaft Konjunkturpolitik und neue Wege aus der Krise Strukturpolitik Verflochtene Wirtschaft Globalisierung Erdkunde GK/LK Wirtschaftsräumliche Strukturen und Probleme in Industrieländern: Industriewirtschaft Notwendigkeit ständigen Strukturwandels 11.2 Industriewirtschaft Notwendigkeit ständigen Strukturwandels Das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet Wirtschaftsstandort Deutschland Das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet Wirtschaftsstandort Deutschland 12.2 Welthandel und Globalisierung Chancen und Risiken der Globalisierung Wirtschaftslehre 11 Sektor Ausland Globalisierung (Begriffsinhalt, Voraussetzungen, Auswirkungen) 11 Wirtschaftssektoren Der Sektor Unternehmen Der Sektor Ausland Globalisierung (Begriffsinhalt, Voraussetzungen, Auswirkungen) LK/GK 12 Industrielle Revolution und ihre Folgen Voraussetzungen, Indikatoren und Folgen der Industrialisierung Sozialkunde (LK 4-stdg.) 10 Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland Deutschland in einer globalisierten Welt Politik GK/LK Medien- und Informationsgesellschaft Entstehung neuer Wirtschaftszweige (Informationswirtschaft ) Veränderungen in der Arbeitswelt (Verlagerung der Erwerbstätigenzahlen zum Informationssektor, Wandel der Arbeitsformen z. B. Telearbeit) Wandel der Unternehmensstrukturen und des Handels (Dezentralisierung) 11.2 Gesellschaft verändert sich Struktur und Entwicklung der Bevölkerung Arbeitswelt im Wandel Sozialstaat im Wandel (Zukunft der sozialen Sicherungssysteme unter den Bedingungen des demografischen Wandels in Deutschland und der globalisierten Wirtschaft) Auswirkungen für den einzelnen und die Gesellschaft Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/ Wirtschaft 11 GK/LK 11/12 GK/LK 12 (GK) Sozialstruktur und sozialer Wandel Internationale Politik in der globalisierten Welt W Ökonomie und Globalisierung Technikentwicklung Bevölkerungsentwicklung Erwerbstätigkeit Einkommens- und Vermögensstruktur Dimensionen der Globalisierung Begriff der Globalisierung Beurteilen des Wirtschaftsstandorts Deutschland vor dem Hintergrund von Globalisierungsprozessen W kennzeichnet die Wahleinheiten, die der Vertiefung und somit dem schüler- und handlungsorientierten Unterricht dienen. 13

14 Curriculare Einordnung in den Bundesländern Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen Land Fach/Fachverbund Wahlpflichtfach: Wirtschaftslehre Jahrgang Thematik/Inhaltsfeld o.ä. 11/12 Unternehmen als wirtschaftliche und soziale Gebilde Sozialkunde 10 Arbeit in der modernen Industriegesellschaft 11/12 Pflichtkurs Wirtschaft Globalisierung der Märkte Wirtschaft/ Politik Wirtschaft/ Recht 12.1 Wirtschaft in Theorie und Praxis: Wirtschaft in einer sich wandelnden Welt Die Unternehmung 13 Gewinner und Verlierer der Globalisierung GK 11/12 LK 11/12 Sozialkunde 11/12 Qualifikationsphase Lernbereich Volkswirtschaft: Konjunkturelle und strukturelle Ausgangslagen Lernbereich Volkswirtschaft: Grundtatsachen der Konjunktur Wachstums- und Strukturpolitik unter besonderer Berücksichtigung des Umweltschutzes Sozialstruktur und sozialer Wandel Aspekte/Themen/Inhalte o.ä. Betrieb Unternehmen Organisation und Struktur von Unternehmen Unternehmensgründung Finanzierung und Rechnungswesen Strategische Ziele der Unternehmen Unternehmen als soziale Gebilde Technisch-ökonomische Entwicklung und Beschäftigungsstruktur Technologischer Wandel und seine Folgen für die Erwerbs- und Qualifikationsstruktur Globalisierung und die Folgen Internationalisierung der Produktion und des Handels Globalisierung der Wissensmärkte und Kapitalmärkte Konsequenzen für wirtschaftliche Akteure Wirtschaftspolitische Zielsetzungen/wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland (konjunkturelle Entwicklung, stetiges Wirtschaftswachstum, Strukturwandel u. a.) Standort Deutschland ( Deutschland im Strukturwandel, Arbeitszeit- und Beschäftigungsmodelle u. a.) Grundentscheidungen der Betriebsführung Die betrieblichen Grundfunktionen Die Unternehmung im Spannungsfeld ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Interessen Ökonomische Dimension der Globalisierung Gesellschaftliche Auswirkungen der Globalisierung Globalisierung und politische Steuerung Konjunkturzyklus, -phasen, Konjunkturindikatoren Ursachen von Konjunkturschwankungen und deren Auswirkungen Strukturelle Ungleichgewichte (sektoral und regional) Kurz-, mittel- und langfristige Schwankungen des Wirtschaftsablaufs Typische und atypische Konjunkturlagen Analyse und Prognose von Konjunkturverläufen Quantitativer und qualitativer Wachstumsbegriff, externe Effekte Wachstums- und Strukturprobleme Mögliche Lösungsansätze: Beeinflussung des Markts, Marktlenkung Bildungs- und Informationsmaßnahmen Verbesserung der Infrastruktur SuS können, Kennzeichen sozialen Wandels erläutern, Kennzeichen sozialen Wandels im nationalen und internationalen Vergleich erläutern 14

15 Lehrerhandreichung III. Lehrerhandreichung 1. Didaktische Struktur der Unterrichtseinheit Die zu erwerbenden Kompetenzen beziehen sich auf drei verschiedene Kompetenzbereiche: Fachwissen (Sach- und Analysekompetenz), Erkenntnisgewinnung (Methodenkompetenz) sowie Bewertung (Urteilskompetenz). Die Kompetenzbereiche lassen sich wie folgt beschreiben: 1.1 Fachwissen: Die Schülerinnen und Schüler verfügen über strukturiertes ökonomisches Wissen, welches ihnen das Wiedererkennen von wirtschaftlichen Strukturelementen und Prozessregeln in der Fülle der ökonomischen Phänomene ermöglicht. 1.2 Erkenntnisgewinnung: Die Schülerinnen und Schüler analysieren wirtschaftliche Phänomene mit Hilfe fachspezifischer Methoden und wenden fachspezifische Arbeitstechniken an. 1.3 Bewertung: Die Schülerinnen und Schüler bewerten ökonomische Handlungen und Sachverhalte und reflektieren Wege des Erkennens und Urteilens. 1.1 Fachwissen Die Schülerinnen und Schüler erfassen die Stellung und Funktion von Unternehmen im Wirtschaftsgeschehen. Inhalte Gründe für die Existenz von Unternehmen Unternehmen als Ort der Einkommensentstehung, Marktteilnehmer, Leistungsersteller 2. erarbeiten Formen, Umfang und unternehmerische Auswirkungen des Strukturwandels. Wandel von Produktionsstrukturen/Wirtschafts sektoren, Erwerbs-/Beschäftigungsstrukturen etc. Globalisierung Technologische Entwicklungen (z. B. Internet) Demografischer Wandel Regulierung/Deregulierung von Märkten etc. 3. identifizieren zentrale Aufgaben von Unternehmensführungen. 4. denken in den Kategorien des ökonomischen Verhaltensmodells. Unternehmensgestaltung Unternehmenslenkung Unternehmensentwicklung/Change Management etc. Strukturwandel = Veränderungen der Rahmen bedingungen/ Anreizstrukturen für unternehmerische Handlungen Kosten-Nutzen-Kalkulationen in Unternehmen, z. B. im Hinblick auf die Entwicklung von Innovationen Bedürfnisänderungen auf Nachfrageseite und die hieraus resultierenden Herausforderungen für die Anbieter 1 vgl. hierzu Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.) (2006): Kerncurricula für das Gymnasium, Schuljahr - gänge 8 10, Politik-Wirtschaft, Hannover, sowie Kaminski, H. u.a. (2007): Mehr Wirtschaft in die Schule, hg. von der Stiftung Jugend und Bildung, dem Bundesverband deutscher Banken u.a., Universum Verlag 15

16 Lehrerhandreichung Die Schülerinnen und Schüler denken in Kreislaufzusammenhängen und Interdependenzen. Inhalte Vielfältige Ursachen des Strukturwandels Folgewirkungen technologischer, ökonomischer oder gesellschaftlicher Entwicklungen Wechselwirkungen zwischen den Akteuren (private Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland) 6. denken in Ordnungszusammenhängen. Regulierungen/Deregulierungen und ihre Auswirkungen auf Unternehmen Rechtliche Rahmenbedingungen unternehmerischer Handlungen Rahmenbedingungen und Funktionen von Wettbewerb 7. denken in Kategorien, die allen wirtschaftlichen Handlungen immanent sind. Anwendung ökonomischer Grundbegriffe, z.b. Arbeitsteilung, Entscheidungen, Risiken, Markt, Wettbewerb, Kosten, Interdependenzen 1.2 Erkenntnisgewinnung Die Schülerinnen und Schüler wenden ökonomische Instrumente zur Analyse wirtschaftlichen Realgeschehens an. 9. beschaffen sich Informationen mit Hilfe methodischer Zugänge und werten diese aus. 10. wenden Arbeitstechniken zur Erschließung der Ursachen und Wirkungen von Strukturwandel an. Inhalte Ökonomisches Verhaltensmodell Markt- und Preisbildungsmodell Wirtschaftskreislauf etc. Erkundungen/Expertenbefragungen Fallstudienarbeit Pro-Contra-Diskussionen etc. Informationssuche und -auswertung Umgang mit Diagrammen und Statistiken Denken in Modellen Textanalyse etc. 1.3 Bewertung Die Schülerinnen und Schüler bewerten die Wirkungen verschiedener Ursachen des Strukturwandels auf Unternehmen. 12. setzen sich kritisch mit den Gründen ausgewählter Unternehmensinsol-venzen auseinander. Inhalte Multiple Herausforderungen für Unternehmen aufgrund von technologischen Entwicklungen demografischem Wandel Globalisierung rechtlicher Rahmensetzungen etc. Bewertung der Wirkungen externer Faktoren und interner Managemententscheidungen Identifizierung von Hürden für erfolgreiches Change Management Kritische Beurteilung verschiedener Change- Management- Ansätze 16

17 Didaktische Struktur der Unterrichtseinheit 1.4 Fachwissenschaftliche Hinweise Im Folgenden erhalten Sie wesentliche fachliche Informationen zum Verständnis des Begriffs Strukturwandel und dessen Einfluss auf unternehmerisches Handeln. Hierbei werden die Auswirkungen und Prozesse in unterschiedlichen Bereichen unternehmerischen Handelns (Marketing, Organisation, Personalpolitik) schlaglichtartig vorgestellt. Sie bekommen somit Basisinformationen. Für eine weiter gehende Auseinandersetzung die hier aufgrund der Komplexität der einzelnen Aspekte nicht erfolgen kann sei auf die Literaturhinweise verwiesen. Definition Strukturwandel Strukturwandel bezeichnet die Veränderungen der wertmäßigen Beiträge der einzelnen Wirtschaftszweige und Wirtschaftssektoren zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufgrund der marktwirtschaftlichen Dynamik. 1 Charakteristisch für den Strukturwandel ist der abnehmende BIP- Anteil von Land- und Forstwirtschaft sowie der Industrie, während der BIP-Anteil des Dienstleistungsbereichs deutlich zunimmt. Der Begriff Strukturwandel kann auf mehrere Bereiche bezogen werden: 1. auf die Zusammensetzung der Produktion eines Landes (Produktionsstruktur) nach Wirtschaftszweigen (sektorale Struktur); 2. auf Regionen oder Wirtschaftsräume (regionale Struktur); 3. auf die Änderungen der Aufteilung der Beschäftigten (Erwerbsstruktur, Beschäftigungsstruktur) nach Sektoren oder Regionen; 4. auf Qualifikation, Alter und Geschlecht der Beschäftigten; 5. auf die Aufteilung des Sachkapitals nach Sektoren, Regionen und Nutzungsdauer. Wandel in der Arbeitswelt Von je 100 Erwerbstätigen arbeiten in diesen Bereichen Dienstleistung Industrie, Bergbau, Energiewirtschaft Baugewerbe Landwirtschaft* nur Westdeutschland Quelle: Stat. Bundesamt *einschl. Forstwirtschaft, Fischerei rundungsbed. Diff. Globus Brockhaus, F.A. (2008): Der Brockhaus Wirtschaft. Betriebs- und Volkswirtschaft, Börse, Finanzen, Versicherungen und Steuern, Leipzig/Mannheim: Brockhaus,

18 Lehrerhandreichung Ursachen des Strukturwandels: Der Strukturwandel wird hervorgerufen durch Veränderungen auf der Nachfrageseite (v. a. wechselnde Gütervorlieben), Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie durch zunehmende internationale Arbeitsteilung und die damit einhergehende Verlagerung von Wertschöpfung aus dem Inland ins Ausland. Wegen des anhaltenden Tempos des technischen Wandels sowie der Globalisierung der Märkte und des damit verbundenen schärferen internationalen Wettbewerbs wird für Deutschland ein beschleunigter Strukturwandel erwartet. 1 Neben diesem endogenen, also im Wirtschaftsprozess selbst angelegten Strukturwandel bewirken exogene Einflussfaktoren einen Wandel der sektoralen Wirtschaftsstruktur: Ordnungs- und regulierungsbedingter Strukturwandel. Veränderungen in wettbewerbspolitischen Rahmenbedingungen wie z. B. die Einführung eines Kartellverbots oder die Deregulierung von Wirtschaftsbereichen wie der Bundespost führen dazu, dass sich einzelne Sektoren hinsichtlich ihres Produktangebots und ihrer Produktnachfrage unterschiedlich entwickeln. Prozesspolitisch bedingter Strukturwandel. Durch eine aktive Beeinflussung bestimmter Sektoren, strukturerhaltend z. B. im Bergbau, strukturfördernd z. B. in der Informationstechnik oder der Biotechnologie, verändern sich dort Angebot und Nachfrage unterschiedlich. Naturbedingter Strukturwandel. Endliche Ressourcen bewirken erhebliche Veränderungen in den Wirtschaftssektoren. Unternehmen und Strukturwandel Unternehmen sind dabei unmittelbar von solchen Wandlungsprozessen beeinflusst, und sie müssen sich permanent den verändernden Umweltbedingungen anpassen, um mittel- und langfris tig ihre Existenz zu sichern. Hierbei spielt die Anpassung der Angebotspalette an sich verändernde Bedürfnisse der Nachfrager eine ebensolche Rolle wie notwendige Veränderungen im Bereich der Organisation, Technik und des Personals. Dabei handelt es sich keineswegs um eine neue Erkenntnis, wie das Studium der Texte Joseph Schumpeters veranschaulicht: Prozess der schöpferischen Zerstörung Joseph Alois Schumpeter ( ) gilt als einer der bedeutendsten Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts. Der Österreicher hat sich in seinem wissenschaftlichen Werk vor allem mit den Bestimmungsgründen für die wirtschaftliche Entwicklung auseinandergesetzt und damit folgerichtig auch mit der Funktion des Unternehmertums. Noch heute werden Unternehmer, die mit der Einführung von Innovationen neue Märkte erschließen, d. h. neue Produkte und Verfahren entwickeln oder neue Organisationsformen schaffen, als sogenannte Pionier- bzw. Schumpeter-Unternehmer bezeichnet. Sie fördern den Konjunkturaufschwung und erzielen für eine befristete Zeit Pioniergewinne, bis wieder andere schöpferische Unternehmer durch innovatorische Akte das Alte zerstören und Neues schaffen. Der Wettbewerb zwischen Unternehmen ist somit ein permanenter Prozess schöpferischer Zerstörung. 1 Brockhaus, F.A. (2008): Der Brockhaus Wirtschaft. Betriebs- und Volkswirtschaft, Börse, Finanzen, Versicherungen und Steuern, Leipzig/Mannheim: Brockhaus,

19 Didaktische Struktur der Unterrichtseinheit Hierzu einige weiterführende Erläuterungen: Der Aufbau neuer Strukturen ist zwangsläufig damit verbunden, dass bisheriger Produktion die Kapazitäten entzogen und der neuen Bestimmung zugeführt werden. Diese Zerstörung alter und Erschaffung neuer Strukturen nennt Schumpeter den Prozess der schöpferischen Zerstörung 1. Darin besteht für ihn das wesentliche Faktum des Kapitalismus. Die tatsächliche Bedeutung einer schöpferischen Zerstörung lässt sich zumeist erst im Nachhinein beurteilen. Es braucht häufig Jahre und Jahrzehnte, um beurteilen zu können, ob eine unternehmerische Entscheidung wachstumsfördernd oder wachstumshemmend war. Unternehmerische Aktivitäten, die auf optimale Strukturen in jedem Zeitpunkt ausgerichtet sind, können daher auf lange Sicht sogar weniger wirkungsvoll sein als der Verzicht auf diese Aktivitäten. In anderen Worten ist es für langfristiges wirtschaftliches Wachstum nicht nur wichtig, bestimmte Aktivitäten zu unternehmen, sondern ebenso wichtig, gewisse Aktivitäten zu unterlassen. Bedauerlicherweise kann erst in der rückblickenden Betrachtung diese Unterscheidung der Aktivitäten vorgenommen werden. Jede wirtschaftliche Aktivität erhält ihre Bedeutung nur im Kontext des Prozesses der schöpferischen Zerstörung. Die Schwierigkeit, unter solchen Bedingungen die wachstumsfördernden Maßnahmen zu unternehmen, beschreibt Schumpeter als einen Versuch dieser Unternehmungen, sich auf einem Boden, der unter ihnen weggleitet, aufrecht zu halten. 2 Schumpeter sah in der kapitalistischen Wirklichkeit die Konkurrenz um Innovationen als den entscheidenden Faktor. Die Innovationskonkurrenz ist kein Wettbewerb um marginale Änderungen in Kosten und Qualität, sondern bedeutet einen radikalen Wettkampf um neue Produkte und Produktionsprozesse, neue logistische Konzepte und Organisationsformen. Damit wirkt diese Form der Konkurrenz bereits in dem Moment, wenn eine Bedrohung durch Neuerungen erwartet wird; sie muss nicht erst faktisch wirksam werden. Die Aufgabe, derartige Innovationen loszutreten, kommt dem Unternehmer zu. Schumpeter nähert sich dem Begriff des Unternehmers von einer soziologischen Betrachtung aus. Der Unternehmer ist für ihn Agent des Wandels und wird von Schumpeter ausschließlich über seinen innovativen Charakter definiert. In der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung nimmt er eine funktionale Bestimmung des Unternehmers unabhängig vom Eigentumsbegriff vor. Allgemein gilt für ihn, dass jemand grundsätzlich nur dann Unternehmer ist, wenn er eine neue Kombination durchsetzt weshalb er den Charakter verliert, wenn er die geschaffene Unternehmung dann kreislaufmäßig weiterbetreibt. Dementsprechend gehören Managementaufgaben, soweit sie die routinemäßige Abwicklung kreislauforientierter Vorgänge betreffen, für Schumpeter nicht zur unternehmerischen Tätigkeit. Immer wieder betonte Schumpeter, wie überaus wichtig der Unternehmer für die Volkswirtschaft sei. Er vertrat die Theorie vom dynamischen Unternehmer, der den Konjunkturaufschwung herbeiführt, indem er Innovationen durchsetzt und Investitionen tätigt. Hingegen leide die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft unter Bürokratisierung in den Unternehmen und durch die Bevormundung des Staates. Schumpeter bezeichnete Innovation als die Durchsetzung neuer Kombinationen. Auf die Technik bezogen heißt das: eine Erfindung in die Praxis umsetzen und sie kommerziell nutzen. Nach Schumpeter macht erst der Unternehmer eine Erfindung zur Innovation. Die Funktion des Erfinders und die des Unternehmers fallen nicht zusammen. Erfindungen bleiben ökonomisch irrelevant, solange sie nicht in die Praxis umgesetzt sind. Technische Verbesserungen wirksam 1 Schumpeter, J. A. (1950): Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Bern: A. Francke, Schumpeter, J. A. (1950): Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Bern: A. Francke,

20 Lehrerhandreichung werden zu lassen ist eine ganz andere Aufgabe, als sie zu erfinden, und erfordert ganz andere Fähigkeiten. Der Unternehmer kann auch Erfinder sein, ebenso wie er auch Kapitalist sein kann und umgekehrt, aber grundsätzlich nur zufälligerweise; es liegt nicht im Wesen seiner Funktion. Das Paradox der Innovation hat Joseph Schumpeter am deutlichsten gesehen: [...] gewöhnlich wird nur das Problem betrachtet, wie der Kapitalismus mit bestehenden Strukturen umgeht, während das relevante Problem darin besteht, wie er sie schafft und zerstört. Schumpeter kennzeichnete die doppelte Dynamik der Innovation als schöpferische Zerstörung. Es seien im Wesentlichen die Innovationshandlungen risikofreudiger Unternehmer und deren unbeabsichtigte Nebenfolgen, welche die Dynamik des Kapitalismus in Gang halten. Weder das protestantische Prinzip der Zeitersparnis und Rationalisierung noch der kapitalistische Drang zu Kalkulation und Kontrolle könnten ausreichend die Ausbreitung und Beschleunigung dieser Dynamik erklären. Innovation sei eine kreative Handlung, in der neue Kombinationen von Methoden und Maschinen situativ geschaffen und gleichzeitig alle bisher produzierten Werte, bestens funktionierende Fabrikanlagen wie höchste Fähigkeiten der Arbeitskräfte, radikal entwertet würden. Man verfehlte diese immanente Paradoxie, begriffe man die Innovation entweder wie in der Welt der Ökonomie als Akt rationaler Wahl zwischen technischen Angeboten oder wie in der Welt der ökologischen Bewegung als normative Entscheidung für alternative Techniktypen. Gleichgewichtstörungen, die nach einem längeren Zeitraum relativer Ruhe charakterisiert durch eine relative Konstanz von Preisen und Kosten einzutreten pflegen, gehen demnach von der Einführung neuer, produktiver Kombinationen aus. Dabei unterscheidet er fünf Arten von Kombinationen: 1. Erzeugung neuer Güter oder neuer Qualitäten von Gütern 2. Einführung neuer oder praktisch noch nicht bekannter Produktions- und Absatzmethoden 3. Erschließung neuer Märkte 4. Auffindung neuer Bezugsquellen von Rohstoffen und Halbfabrikaten 5. Durchführung einer Neuorganisation, wie z.b. die Schaffung einer Monopolposition Der Unternehmer muss nicht notwendigerweise der Erfinder der Innovation sein. Entscheidend ist, dass er die Innovation durchsetzt. 1 Unternehmerischen Wandel auslösende Faktoren Strukturen können im Unternehmenskontext auch als erwartbare Vorgänge charakterisiert werden. Für die Industrieunternehmen sind dies beispielsweise: 1. etablierte Spielregeln und Gesetzmäßigkeiten, die lange kaum infrage gestellt wurden und die Führungs- und Wettbewerbsfähigkeit infrage stellen; 2. Abhängigkeiten von Standorten, die unter Berücksichtigung ausgewählter Standortfaktoren und eingehender Standortanalysen ausgewählt und bestimmt wurden; 3. für die Industriewirtschaft charakteristische Massengüter-Produktion: hierarchische Strukturen, gekennzeichnet durch hohe Arbeitsteilung und starke Kontrolle, um Größenvorteile 1 vgl. Brockhaus, F.A. (2008): Der Brockhaus Wirtschaft. Betriebs- und Volkswirtschaft, Börse, Finanzen, Versicherungen und Steuern, Leipzig/Mannheim: Brockhaus,

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