Technische Analyse Humbug oder Handwerk?

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1 Technische Analyse Humbug oder Handwerk? Nils Gajowiy Futures- und CFD-Trader, Investor, Ausbilder A K A D E M I S C H E R B Ö R S E N K R E I S, U N I V E R S I T Ä T H A L L E E. V A P R I L

2 Agenda 1. Was Technische Analyse nicht ist 2. Was Technische Analyse ist 3. Was Technische Analyse aussagt 4. Bestandteile der Technischen Analyse 5. Die Analyse-Systematik 6. Fazit 7. Literaturhinweise 2

3 1. Was Technische Analyse nicht ist Chartanalyse ist eine Vielzahl einzelner Techniken, die eine Vorhersage zukünftiger Börsenkurse anhand historischer Kursentwicklungen (z. B. Trends) anstreben. 3 Quelle: Wikipedia.org

4 1. Was Technische Analyse nicht ist 4 Es gibt keine Möglichkeit, einen erwarteten Profit dadurch zu erzielen, dass man vergangene Veränderungen in zukünftige Preise extrapoliert weder durch Betrachtung des Charts noch durch irgendwelche anderen esoterischen Hilfsmittel aus Magie oder Mathematik. Paul Samuelson, Wirtschaftsnobelpreisträger 1970

5 1. Was Technische Analyse nicht ist 5 Hinter Chartanalyse steckt die Idee, dass man den Kurs eines Wertpapiers durch geschicktes grafisches Aufarbeiten vergangener Kursverläufe vorhersagen kann. Da malen also erwachsene Männer mit Bleistift und Lineal die Kursverlaufslinien von Wertpapieren mit Wimpeln, Trendlinien und allen möglichen anderen Figuren, in der Erwartung, auf diese Weise schnellstmöglich reich zu werden. Prof. Dr. Martin Weber, Universität Mannheim, Genial einfach investieren, Campus-Verlag Frankfurt, 2007, S. 11

6 2. Was Technische Analyse ist Technische Analyse ist eine Methode der Finanzmarktanalyse. Sie geht von der Annahme aus, dass das Verhalten der einzelnen Trader in der Masse einander so ähnlich ist, dass sich daraus ein wahrscheinliches massenpsychologisches Gesamtverhalten prognostizieren lässt. Technische Analyse ist die Geometrie der Massenpsychologie. 6

7 3. Was Technischen Analyse aussagt Preise widerspiegeln alle Informationen. Preise bewegen sich in Trends, diese bleiben in Kraft, bis sie durch einen neuen Trend abgelöst werden. Geschichte wiederholt sich. 7

8 Exkurs: Praktische Implikationen Nachrichten und Prognosen sind überflüssig. Jede einzelne Preisbewegung ist zufällig und unabhängig von der vorherigen Preisbewegung. Technische Analyse ist skaleninvariant, solange eine statistisch valide Datenmenge vorliegt. Technische Analyse ist keine Wissenschaft, sondern ein Handwerk, das stochastischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Technische Analyse ist wertlos ohne Risiko- und Money- Management. 8

9 Exkurs: Praktische Implikationen Stochastik: Lehre von Zufall, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit, befasst sich mit zufälligen Einzelereignissen, aus denen Regelmäßigkeiten abgeleitet werden können. Beispiele für stochastische Arbeitsmethoden: Demoskopie Meteorologie Spieltheorie Abgrenzung: Kausale Wissenschaften. 9

10 4. Bestandteile der Technischen Analyse 10 Charting Formationslehre Indikatorlehre

11 Charting Grafische Darstellungen des Preisverlaufes Zeitabhängige Charts: Liniencharts, Kerzencharts, Balkencharts Zeitunabhängige Charts: Point-and-Figure-Charts Untersucht Trendverläufe, Widerstände und Unterstützungen. 11 Ein Chart ist eine Abbildung der Neurosen der Marktteilnehmer.

12 Formationslehre Große Formationen: Schulter-Kopf-Schulter- Formationen, Untertassen, Flaggen, Keile, Wimpel, Rechtecke, Dreiecke usw. 12 Kleine Formationen: Ein- bis Fünf-Kerzen-Formationen. Exoten: Gann, Elliot-Waves, Wolfe-Waves etc. Besonderheiten: Große Formationen sind Produkte selektiver Wahrnehmung. Kleine Formationen sind computertechnisch validierbar.

13 Indikatorklassen: Indikatorlehre Trendfolger: Moving Averages, MACD Oszillatoren: RSI, Stochastik, CCI Volatilitätsmessende: Bollinger Bänder, ATR Dynamikmessende: ADX 13 Achtung: Indikatoren sind von Preis, Zeit und Volumen abgeleitete mathematische Konstrukte keine Primärdaten!

14 5. Analysesystematik Arbeit auf mehreren Zeitebenen vom längerfristigen zum kurzfristigen Zeitfenster. Trading in Richtung des übergeordneten Trends. Arbeit mit wenigen, nicht korrelierten Signalgebern (Trendfolger, Oszillatoren, Volumen). Marktkorrelationen werden nicht beachtet. Nachrichten, Börsenbriefe usw. werden nicht beachtet. Sauberes Risikomanagement! 14

15 6. Fazit 15 Technische Analyse ist ein Handwerk, das erlernt werden kann und trainiert werden muss. Technische Analyse arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und versucht, dem Analysten einen statistischen Vorteil zu verschaffen nicht mehr. Wer in Technische Analyse mehr hineininterpretiert, kompromittiert den Grundansatz dieser Methode.

16 7. Weiterführende Literatur Für den Überblick: Daeubner, Pierre M., Alles, was Sie über Technische Analyse wissen müssen simplified, München, 2005 Für den Profi: Appel, Gerald, Power-Tools für die Technische Analyse. Neue Trading-Methoden vom Entwickler des MACD, München 2007 Für Liebhaber der Kerzencharts: Nison, Steve, Technische Analyse mit Candlesticks, München 2005 Unter Berücksichtigung von Psychologie und Strategie: Elder, Alexander, Come Into My Trading Room, München

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