Masterthesis. zur Erlangung des akademischen Grades. MBA Health Care Management. an der

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1 Masterthesis zur Erlangung des akademischen Grades MBA Health Care Management an der Wirtschaftsuniversität Wien Studiengang MBA für Health Care Management Thema: Invisible Care - ist unsichtbar? Vorgelegt von: Michaela Dorfmeister Adresse: 1210 Wien, Hochfeldstr. 2 Matrikel-Nr.: h Beurteiler/Betreuer: Dipl.-Psych. Dr. Dr. Guido Strunk Abgabedatum: Ich versichere: dass ich die Arbeit selbständig verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und mich auch sonst keiner unerlaubten Hilfe bedient habe, dass ich diese Masterthesis bisher weder im In- noch im Ausland (einer Beurteilerin/einem Beurteiler zur Begutachtung) in irgendeiner Form als Prüfungsarbeit vorgelegt habe, dass diese Arbeit mit der vom Begutachter beurteilten Arbeit übereinstimmt. Datum: Unterschrift:

2 Inhalt Inhalt... 1 Abbildungsverzeichnis... 3 Tabellenverzeichnis Vorwort Einleitung Definitionen von ist Nursepower Unsichtbare Definition dokumentation Beispiel Hitliste der Spitäler sprache Jahr der Sichtbarkeit der Maßnahmen im Jahr der Sichtbarkeit der Nurses Leading Primary Health Care Anspruchsgruppen/Rezipient/innen der Arten der Anspruchgruppen Was nehmen die Anspruchsgruppen wahr? Schlussfolgerungen & Diskussion Un/Sichtbarkeit der Wahrnehmung der Rezipient/innen ist weiblich Ziele der Untersuchung Methoden Fragebogen Wem ist es gesetzlich erlaubt diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten durchzuführen? Wem ist es gesetzlich nicht erlaubt diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten durchzuführen? Wer führt diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten vorwiegend durch? Datenerhebung Statistische Methoden

3 9. Ergebnisse Stichprobenbeschreibung Ergebnisse zur Fragestellung Wem ist es gesetzlich erlaubt diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten durchzuführen? Ergebnisse zur Fragestellung Wem ist es gesetzlich nicht erlaubt? diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten durchzuführen Ergebnisse zur Fragestellung Wer führt diese (im Fragebogen exemplarisch angeführten) Tätigkeiten vorwiegend durch? Unterschiede zwischen und Nicht Ergebnisse der Untersuchungsgruppe interner Vergleich Interpretation der Ergebnisse Fehler die für die sprechen Fehler die gegen die sprechen Institutionen im Vergleich Diskussion/Ausblick Sichtbar ja aber Hinweis zur Methode Bedeutung für die Literaturverzeichnis Anhang Fragebogen Berufsbild der ergebnisse Fisher-Test Kreuztabelle Nicht

4 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Metaparadigma der Krankenpflege, frei nach Fawcett 1998, S Abbildung 2: Ansehen der Berufsgruppen, Kurier Abbildung 3: Diplomjahr: Abbildung 4: Antwortverhalten der Untersuchungsgruppen zu Item Abbildung 5: Antwortverhalten der Untersuchungsgruppen zu Item Abbildung 6: Antwortverhalten der Untersuchungsgruppen zu Item Abbildung 7: Antwortverhalten der Untersuchungsgruppen zu Item

5 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Alter: und Nicht Tabelle 2: Geschlecht: und Nicht Tabelle 3: Berufe: Nicht Tabelle 4: Item 1.1 diagnosen stellen Tabelle 5: Item 1.2 Beratung bei Gesundheitsproblemen Tabelle 6: Item 1.6 Anwendung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in der täglichen Praxis Tabelle 7: Item 1.7 Fachaufsicht für die helfer/innen Tabelle 8: Item 2.1 Organisation des dienstes Tabelle 9: Item 2.15 Durchführen der geldeinstufung Tabelle 10: Item 2.9 Anwenden pflegewissenschaftlicher Standards Tabelle 11: Item 3.11 Erste Ansprechperson für Angehörige Tabelle 12: Item 3.13 Durchführen von Blutabnahmen aus der Vene Tabelle 13: ergebnisse Fisher Test Tabelle 14: Item 1.1 diagnosen stellen Tabelle 15: Item 1.2 Beratung bei Gesundheitsproblemen Tabelle 16: Item 1.6 Anwendung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse Tabelle 17: Item 1.14 Anordnen von Medikamenten Tabelle 18: Item 2.6 Dem Patienten Auskunft geben über maßnahmen Tabelle 19: Item 3.1 Injektionen in die Vene verabreichen Tabelle 20: Item 3.2 Anleitung zur gesunden Lebensführung Tabelle 21: Item 3.13 Durchführen von Blutabnahmen aus der Vene Tabelle 22: Item 3.15 Anhängen von Infusionen Tabelle 23: Item 3.19 Beratung von Patienten zur Anwendung von Inkontinenzprodukten 69 Tabelle 24: Kurzzusammenfassung der Ergebnisse

6 1. Vorwort Die Frage nach der Differenz zwischen dem praktizierten und dem wahrgenommenen Berufsbild in der beschäftigt mich seit Beginn meiner Berufstätigkeit vor 28 Jahren. Warum gelingt es der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens nicht, die einerseits so große Wertschätzung erlebt, ihre Tätigkeitsbereiche/Kompetenzen transparent sich selbst sichtoder hörbar zu machen? Im Rahmen des Masterstudiums hatte ich das Glück zur Fragestellung meiner Masterthesis Invisible Care ist unsichtbar? auf meinen Betreuer Herrn Dipl.-Psych. Dr. Dr. Guido Strunk zu treffen, der mir den Weg zur Umsetzung dank seines brillanten, analytischen Denkens aufzeigte und mich mit unendlicher Geduld dabei begleitete. Ich danke ihm an dieser Stelle für seine großartige Unterstützung und für seine genialen Impulse. Ein besonders großer Dank gilt meinem geliebten Mann aus vielerlei Hinsicht. Vielen Dank auch an meinen ehemaligen Schüler und Freund Markus. Gewidmet ist diese Arbeit meiner Tochter Carmen und den Schüler/innen der Gesundheitsund Krankenpflege sie sind Teil der -Zukunft! We believe the dream comes true everything we tried to do it wasn't easy all the time we never felt like this before but we love it more and more every day and every night we had joy an we had pain come let us start again nursing is what we're living for we have a dream nursing is our live we have a hope nursing will survive 1. 1 Lied verfasst von Dieter Bohlen für DSDS. Textadaption durch Sandra Almstädter Schülerin im Jahrgang 2008/11, gesungen von Schüler/innen der GKPS SZO im Rahmen der Diplomfeier 2009 unter der Leitung von Theresa Goldschmidt Klassensprecherin des Jahrganges 2008/11. Danke für die Überraschung! 5

7 2. Einleitung Alle sprechen von aber kaum jemand selbst die Angehörigen der Berufsgruppe können nicht immer exakt sagen, was ist. hat viele Gesichter und zeigt diese unterschiedlichen Seiten aus verschiedensten Perspektiven (Steudter, 2007). Die hohe Komplexität des Tätigkeitsprofils bzw. die nicht klar umrissenen Aufgabenbereiche schaffen wenig Transparenz. Die professionelle Gesundheits- und Krankenpflege kämpft seit langem um ihre Identität in Gesellschaft und Politik, da vieles (zu vieles) unter subsumiert wird. Gemessen an der großen Anzahl an Personen im beruf und der hohen Anzahl an bedürftigen, ist das Thema nur selten Gegenstand der Berichterstattung in den öffentlichen Medien. taucht z.b. in den Medien meist nur dann auf, wenn es zu Skandalen, Vorfällen, etc. kommt ( Patienten wie wilde Tiere gehalten Wiener Zeitung ). Aktuell dazu lässt der gemeinderätliche Untersuchungsausschuss zu den Vorwürfen in der Psychiatrie in Wien ein hohes (öffentliches) Interesse erkennen ( Was wussten die Stadträte? ) Kurier aber weniger an der an sich, als am kolportierten Skandal. Auch die im Wahlkampf (zur Nationalratswahl) 2006 begonnene Debatte zum notstand in Österreich zeigt, dass synonym für unterschiedlichste Arbeitssituationen, Berufsgruppen, Tätigkeiten eingesetzt wurde vielschichtig, aber offenbar unspezifisch ist. Die an sich geringe Präsenz der in den Medien hat auch mit der pflegerischen Sozialisation zu tun, in der es unüblich ist, die eigene Arbeit darzustellen, zu beschreiben. Tu Gutes und sprich darüber! gilt eher für andere Berufssparten. ist eine intellektuelle Arbeit, die Reflexion erfordert nde präsentieren sie aber oft nur als Freundlichkeit (Gordon, 2008). Oder liegt es möglicherweise daran, dass unsichtbar ist? findet in unterschiedlichen Settings statt, verfolgt in verschiedensten Ausprägungen, verschiedene Ziele. Menschen im gesamten Lebenskontinuum werden mit individuellen Ansprüchen gepflegt auf wissenschaftlicher Basis. wird im stationären Langzeit-, Akutbereich und in der Hauskrankenpflege geleistet, dennoch bleibt ein diffuser Begriff. In der vorliegenden Masterthesis soll die Forschungsfrage: Invisible Care ist unsichtbar? beantwortet und ein Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse gegeben werden. Darüber hinaus sollen auch die Anspruchsgruppen, die Rezipient/innen der identifiziert 6

8 werden, um auch deren Wahrnehmungen in Bezug zu feststellen zu können. Auch hierin zeigt sich der Spannungsbogen der pflegerischen Vielfältigkeit. Es wurde dazu eine empirische Untersuchung durchgeführt, mit 101 Personen aus 2 Vergleichsgruppen (Angehörige des gehobenen Dienstes der Gesundheits- und Krankenpflege und Personen die nicht der Berufsgruppe zugehörig sind). In beiden n wurde das Berufsbild der an Hand von exemplarisch angeführten Tätigkeiten hinterfragt. Der Vergleich der n hat gezeigt, dass das Wissen um die Inhalte des Berufsbildes in den beiden Untersuchungsgruppen wesentlich voneinander abweicht d.h. dass sowohl die Berufsangehörigen, als auch die Personen aus der berufsfremden nur ungefähr über die Tätigkeiten Bescheid weiß, was sich in falsch zugeschriebenen Tätigkeiten für und gegen die zeigt. In Aspekt der Berufszugehörigkeit wo die Kenntnis der Tätigkeiten vorausgesetzt wird sind Unsicherheiten (bezgl. Berufsbild) deutlich erkennbar. Die Arbeit sieht folgende Gliederung vor: Im Kapitel 2 werden verschiedene Definitionen von vorgestellt und diskutiert. Im Anschluss daran wird in Kapitel 3 der Begriff unsichtbare definiert und dem der gegenübergestellt. In diesem Kapitel wird weiters das Jahr der Sichtbarkeit der skizziert. Im Kapitel 4 werden die Rezipient/innen der und ihre Wahrnehmungen in Bezug zur identifiziert. Anschließend werden in Kapitel 5 die Schlussfolgerungen aus den vorangegangenen Kapiteln in Hinblick auf die Themenstellung Invisible Care - ist unsichtbar? zusammengefasst und diskutiert. In Kapitel 6 werden die Ziele der Untersuchung vorgestellt. Im 7. Kapitel wird auf die Methoden (Fragebogenbeschreibung, Datenerhebung, Statistische Methoden) detailliert eingegangen. In Kapitel 8 werden die Ergebnisse entsprechend der Ziele der Untersuchung dargestellt. Die Forschungsergebnisse werden in Kapitel 9 Interpretation der Ergebnisse erläutert und in Kapitel 10 Diskussion/Ausblick werden diese reflektiert. In der vorliegenden Masterthesis wird dem Anspruch der geschlechtsneutralen Schreibweise Rechnung getragen; im Sinne der Lesbarkeit wird aber manchmal auch die geschlechtsspezifische Nennung gewählt dabei ist jeweils auch das andere Geschlecht gemeint. 7

9 3. Erst allmählich beginnt die sich von den Fesseln der Medizin und traditionellen Naturwissenschaft zu befreien und bemüht sich ihr eigenes wissenschaftliches Profil zu finden. An der Universität Wien wurde im Wintersemester (WS) 1999 mit der Ringvorlesung für wissenschaft gestartet, ab dem WS 2000 konnte man das individuelle Diplomstudium wissenschaft inskribieren, seit 2004 ist wissenschaft als Stiftungsprofessur eingerichtet und seit 2007 mit einer Vertragsprofessur (die universitaetonline ). Um einen Eindruck zu gewinnen, was ist, werden an Hand einer Auswahl der bedeutendsten theoretikerinnen definiert (vgl. Kühne-Ponesch, 2005). Diese Definitionen von sind im Verständnis des Metaparadigmas (Abbildung 1) der Krankenpflege (Fawcett, 1998) welche die, für die Krankenpflege relevanten Phänomene durch vier zentrale Begriffe charakterisiert: Person (bezeichnet die Rezipient/innen der : Patient/innen, Familien, Gemeinwesen, u.a.), Umwelt (bezieht sich auf: alle wichtigen Bezugspersonen und die objektiven Lebensumstände), Gesundheit (umfasst sowohl Gesundheit, als auch Krankheit) und. Metaparadigma umfasst in knapper Form alle, für die Disziplin relevanten Phänomene. Person Umwelt Gesundheit Metaparadigma Philosophien Konzeptuelle Modelle Theorien Empirische Indikatoren Abbildung 1: Metaparadigma der Krankenpflege, frei nach Fawcett 1998, S. 17 Im weiteren Verlauf des Kapitels wird zunächst ein Überblick über gängige Definitionen von gegeben. Daran anschließend wird für die vorliegende Arbeit definiert. 8

10 3.1 Definitionen von Im Folgenden findet sich eine Auflistung von gängigen Definitionen über : Florence Nightingale (1969) nannte Gesundheitspflege das Aufrechterhalten von ökologischen Gesundheitsfaktoren und unterschied dazu klar die Krankenpflege als die Versorgung des kranken Menschen. In ihren Beobachtungen als nde unterzog sie die Situationen einer genauen Analyse und wandte ihre ausgezeichneten mathematischen Fähigkeiten an, indem sie Variablen wie Mortalität und hygienische Maßnahmen in Beziehung setzte und so an Hand konkreter Daten Zusammenhänge nachweisen konnte. Mit Notes on Nursing verfasste sie 1859 als erste theoretikerin das [Hervorhebung v. Verf.] Standardwerk für die, weiters diente es als Grundlage für Curricula der ausbildung (vgl. Fawcett, 1998). wird von Dorothea Orem (1960) als Dienstleistung definiert, die auf bewusstem Handeln beruht. Sie hilft und unterstützt einzelne, Familien oder n beim Überwinden von gesundheitsbezogenen Einschränkungen. Die handlungen richten sich nach gesundheits- oder krankheitsbezogenen Bedürfnissen und Problemen, unabhängig vom Alter des Patienten und dem kontext. Das Ziel der besteht darin, die Selbstpflegedefizite des Patienten festzustellen und die daraus resultierenden Bedürfnisse zu befriedigen. Madleine Leininger (1998) beschreibt in ihrem 1960 entwickelten modell, als Phänomene, die die menschliche Fürsorge zum Gegenstand haben, mit denen Menschen, Einzelpersonen oder n unterstützen. Kulturelle bezieht sich auf kognitiv bekannte Werte, Meinungen und Muster, die dem Individuum oder einer helfen, sie unterstützen oder in die Lage versetzen, das Wohlbefinden zu erhalten, einen menschlichen Zustand oder eine Lebensweise zu verbessern sowie mit dem bevorstehenden Tod oder einer Behinderung fertig zu werden. Sie meint weiter, dass menschliche ein universelles Phänomen ist, aber die Begriffe, Prozesse, strukturelle Formen und muster sich in den verschiedenen Kulturen voneinander unterscheiden. wird von Joyce Travelbee (1964) als zwischenmenschlicher Prozess beschrieben, in dem die Krankenschwester einem einzelnen Menschen, einer Familie oder einer Gemeinschaft hilft, die Erfahrung von Krankheit und Leiden zu vermeiden oder mit ihr fertig zu werden und falls notwendig, eine Bedeutung in diesen Erfahrungen zu finden. Krankenpflege ist ein zwischenmenschlicher Prozess, da es sich um eine Erfahrung handelt, die zwischen fachpersonen und einem Menschen oder einer von Menschen stattfindet. 9

11 Bereits 1959 beschreibt Dorothy Johnson (1980) als eine externe Kraft, die durch eindrucksvolle Regulationsmechanismen oder durch die Bereitstellung von Ressourcen ausgeführt, um die Organisation des Patientenverhaltens zu bewahren, während der Patient im Stress ist. Als Technik und Wissenschaft bietet sie externe Hilfe vor und während der Störung des Systemgleichgewichtes und erfordert daher Kenntnisse über Ordnung, Störung und Kontrolle. handlungen hängen nicht von medizinischer Autorität ab, aber sie ergänzen die Medizin. Sister Callista Roy (1992) definiert 1970 Krankenpflege als ein theoretisches Wissenssystem, das einen Analyse- und Handlungsprozess vorschreibt, der sich auf die des Kranken oder potentiell kranken Menschen bezieht. Roys Ziel in der Krankenpflege besteht darin, dem Menschen zu helfen, sich an Veränderungen seiner physiologischen Bedürfnisse, seines Selbstkonzeptes, seiner Rollenfunktion und seiner gegenseitigen Abhängigkeitsbeziehungen durch Krankheit und Gesundheit anzupassen. Sie sieht die als Praxisdisziplin, welche das gesamte Wissen der wissenschaft anwendet. Für Betty Neuman (1972) stellt Krankenpflege einen einzigartigen Beruf dar, da er sich mit allen Variablen befasst, welche die Reaktion des Individuums auf Stress beeinflussen. Da die Wahrnehmung der Krankenschwester die beeinflusst, sagt Neuman (1972), dass das Wahrnehmungsfeld der nden genauso eingeschätzt werden muss, wie das des Patienten. Jean Watson (1996) sieht die in ihrem Wesen als Verbindung von Humanwissenschaft und Kunst, welche sich nicht nach der herkömmlichen Methodologie auf reduktionistische Weise einreihen lässt. Watson prägt den Begriff der Wissenschaft der zwischenmenschlichen Zuwendung (1996, S. 74). Sie sieht das Individuum als Person, die es an sich und für sich wert ist, Zuwendung, Respekt, Unterstützung zu erfahren. Jedes Individuum ist mehr, als die Summe seiner Teile. Zwischenmenschliche Beziehungen genießen einen hohen Stellenwert und haben Einfluss auf Gesundheit und Heilung. Die Transaktion der zwischenmenschlichen Zuwendung zwischen kraft und dem Patienten genießt hohe Priorität. Ebenso werden nicht-medizinischen Prozessen der zwischenmenschlichen Zuwendung große Bedeutung hinsichtlich pflegerischer Fürsorge beigemessen. Das zentrale Interesse der gilt jedoch der Gesundheit, sowie der Förderung von Gesundheit. Watson sieht im pflegerischen Wissen eine sinnvolle Ergänzung hinsichtlich des medizinischen Wissens. Der Weltbund der Krankenpflege definiert wie folgt: umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Fa- 10

12 milien oder Lebensgemeinschaften sowie von n und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung. (Deutsche Übersetzung konsentiert von DBfK, ÖGKV und SBK im Januar 2006) Zusammenfassend kann man sagen, dass in der Literatur definiert wird als Interaktionsprozess (Beziehungsgestaltung), der zwischen verschiedenen Anspruchsgruppen und in unterschiedlichen Settings stattfindet, mit dem Ziel Menschen im Prozess der Gesundung, bis hin zur terminalen Phase des Lebens, zu begleiten und zu unterstützen. ist weit mehr als eine Aneinanderreihung von Abläufen, deren Steuerung und Sinngebung durch die Medizin, die Verwaltung und die Krankenhaustechnik bestimmt wird. 3.2 ist Nursepower ist eine Disziplin, welche aus Elementen der Forschung, der Philosophie, der Praxis und der Theorie besteht, wobei die einzelnen Elemente in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander stehen und dadurch das Aufgabengebiet der definieren (vgl. Kühne-Ponesch 2005). A Science will have many theories, but the theories don`t come out of the blue. They derive from an organized conceptual system (Suppe & Jacox, 1985, S. 248). Konzeptuelle modelle/-theorien versuchen als eigenständiges Fachgebiet (body of knowlegde) erkennbar und damit auch sichtbar zu machen. Die Tatsache des Vorliegens mehrerer unterschiedlicher Modelle/Theorien kann als positiv angesehen werden, im Sinne der Komplexität des Gegenstandsbereiches der, wenngleich die Möglichkeit zur Auswahl auch zur Verunsicherung beiträgt (siehe auch: Definitionen von ). Derzeit steht die vor der Herausforderung, sich von alten Schablonen zu befreien. In der Vergangenheit lag das Hauptaugenmerk allzu häufig auf starren Definitionen, einem strengen Rationalismus und Funktionalismus es ist an der Zeit, adäquate Methoden, entsprechend dem Kontext anzuwenden bzw. einzusetzen. Einen Ansatz dazu liefert Schaeffer (1999) mit der Feststellung, dass Wissenschaft und Kunst zugleich ist als Wissenschaft verkörpert sie einen zusammenhängenden Korpus an systematischem Theorie- und Problemlösungswissen. Die Kunst besteht in der kreativen Nutzung dieses Wissens, im Dienst der Genesung der Menschen (S. 144). Um jedoch jene Bilder und Visionen der führenden 11

13 Theoretikerinnen aus der Vergangenheit und Gegenwart umzusetzen, hat die wissenschaft noch einiges zu leisten. Diese Bilder von tragen auch die personen mit sich, jeweils ein persönliches Bild. Wie soll dann eine Disziplin erkennbar werden, wenn es so viele persönliche Bilder, wie Mitglieder gibt? Mit dem Appell macht euch Bilder zeigt Imhof (1999) dass Bilder (gegenständliche Bilder, Fotografien) hilfreich sein können, um ein gemeinsames verständnis zu entwickeln, also die inneren Bilder der zu reflektieren und damit sichtbar zu machen. Eine weitere mögliche Antwort darauf ist: NURSEPOWER! Suzanne Gordon prägte den Begriff Nursepower auf ihrer Tournee zur Förderung der Sichtbarkeit der durch die deutsche Schweiz umfasst damit Herzarbeit und Hirnarbeit. Nursepower ist eine potentiell große Macht. 12

14 4. Unsichtbare Wenn wir die nicht benennen können, können wir sie auch nicht praktizieren, kontrollieren, finanzieren, lehren und beforschen, oder in berufspolitische Forderungen und Richtlinien umsetzen (Lang et al vgl. Buresh 2006, S. 15). Diese Aussage von Norma Lang hat mittlerweile Kultstatus für die. Sie beschreibt exakt jene Dilemmasituation, in der sich die seit jeher befindet und zählt gleichzeitig potentielle Lösungsansätze auf doch dazu später. In diesem Abschnitt soll geklärt werden, was als Invisible Care bezeichnet wird, bzw. wie sich unsichtbare 2 definiert. Dadurch ist weiters beabsichtigt, eine schärfere Kontur zu geben denn möglicherweise haben die (angeführten) Definitionen von auch dazu geführt, dass sie das Aufgabengebiet/den Fachbereich noch diffuser erscheinen lassen. 4.1 Definition Unsichtbar 3 bedeutet: nicht sichtbar, nicht wahrnehmbar. Invisible Care/unsichtbare ist all das, was aus dem Aufgabenbereich der nicht wahrgenommen wird. In der Literatur gibt es zur Unsichtbarkeit keine Aufzählungen, hingegen wird vielfach an Beispielen verdeutlicht, wie sichtbar gemacht werden kann. Auch die Autorinnen Buresh und Gordon (2006) haben sich in der Recherche zu ihrem Buch Der eine Stimme geben primär auf die Begriffe invisibility und visibility konzentriert. Später haben sie die Begriffe silence und voice als maßgebend definiert, da sie die Abneigung der nden gegenüber Kommunikationsstrategien als das eigentliche Hindernis erkannten. Welche verschiedensten Einflussfaktoren zu unsichtbarer führen können, soll im folgenden Abschnitt gezeigt werden dokumentation Die wird erst sichtbar, wenn wir sie dokumentieren (Butel et al., 2002, S. 20). Die dokumentation ist gesetzlich grundgelegt (GuKG , 14) und stellt in der einen integralen Bestandteil dar. diagnosen, ziele, maßnahmen,... sind unter dem Begriff prozess GuKG ) subsumiert. Mit dem prozess liegt ein Instrument vor, das es den personen ermöglicht, ihre Einschätzungen, getrof- 2 Es handelt sich dabei um eine semiotische Gratwanderung, in dem etwas Unsichtbares versucht wird zu definieren. 3 Unsicht-Bar heißt in Deutschland auch ein Restaurant (sog. Dunkelrestaurant), in dem das Essen von blinden Kellnern dem Gast in völliger Dunkelheit serviert wird. 13

15 fenen Entscheidungen (ziele), ihre Reflexionen (Evaluation) usw. zu erfassen und damit den Beitrag der an der Patientenversorgung sichtbar zu machen. Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht, lautet eine alltagsfloskel tatsächlich ist es aber auch eine Erfahrung aus dem rechtsbereich. Im skandal 2003 (Horaczek 2003) wurde u.a. das Nichtdokumentieren von handlungen als Unterlassung angezeigt. Die nden sind verpflichtet, dass ihr Kernauftrag die wahrgenommen wird. Die dokumentation zählt somit zu den Berufspflichten und ist nicht als verzichtbares Recht, sondern als unverzichtbare Pflicht bei der Berufsausübung zu sehen. Es gibt aber eine Abneigung der nden alles niederschreiben zu müssen. Buresh et al. (2006) identifizierten eine Aversion der nden gegenüber der Dokumentation, welche die tägliche praxis bestätigt. Es benötigt viel Zeit, die soundso nicht vorhanden ist und in der abgeht lautet meist die Begründung für die Schreibunwilligkeit, außerdem liest es keiner ist eine weitere häufige Klage der nden. Manchmal versteckt sich aber auch die Schwierigkeit des Schreibens 4 dahinter. dokumentationssysteme und klassifikationssysteme sollen die nden bei den Aufzeichnungen unterstützen und nicht absorbieren. Daten sind so abzulegen/zu dokumentieren, dass man sie nicht sucht, sondern findet und sich so auf die Kernaufgaben konzentrieren kann. Beispiele für klassifikationssysteme sind (vgl. Hoyt 1997, Ackley 2006): NANDA (North American Association) ist der Markenname für die Internationale diagnosenklassifikation. Die diagnosen der NANDA zeichnen sich dadurch aus, dass sie viele Varianten eines Überbegriffes unter einer von 172 diagnosen subsumieren. NIC (Nursing Interventions Classification) ist die interventionsklassifikation und beschreibt, was fachpersonen tun, um den Gesundheitszustand der empfänger zu beeinflussen. Es umfasst 514 interventionen. NOC (Nursing Outcomes Classification) als ergebnisklassifikation beschreibt Zustands-, Verfassungs-, Verhaltens- und Wahrnehmungsveränderungen von Patienten als Resultat von angehörigen. 330 ergebnisse werden darin angeführt. ICNP (International Classification of Nursing Practice) ist die Internationale Klassifikation der praxis-beta Version zur Erfassung von phänomenen, interventionen und ergebnissen. Die ICNP besteht aus ca begriffen und 350 phänomenen. 4 Viele personen haben einen Migrationshintergrund und somit Probleme mit der deutschen Sprache. Zusätzlich lässt sich aber auch zunehmend eine Lese-/Schreibschwäche erkennen. 14

16 dokumentation macht nachweisbar und damit sichtbar, klassifikationssysteme ermöglichen eine (internationale) Vergleichbarkeit und tragen zu einer standardisierten Erfassung von bei Beispiel Hitliste der Spitäler In einer 1999 veröffentlichten Studie der Stiftung Warentest mit dem Titel Hitliste der Hospitäler wurden Ergebnisse zur Qualität in Deutschlands Krankenhäusern erhoben. Interessant dabei erscheit die Tatsache, dass sich die Qualität aus der Befragung von Ärzt/innen und Patient/innen ergibt. Gehring et al. (2000) sind der Meinung, dass es sich dabei um eine schizophrene Situation handelt, nachdem einerseits die professionelle kraft selbstverständlich zum Krankenhausalltag zählt, (sie auch lächelnd auf dem Titelblatt der Studie abgebildet ist) aber andererseits in der Befragung nicht einbezogen wurde. Onkel Doktor er alleine arbeitet professionell und wird alles wieder richten. Die Schwester lächelt dazu? (Gehring et al., 2000, S. 24) Die Patient/innen wurden bei der Befragung zur Hitliste der Hospitäler zu den angebotenen Komfortleistungen (Hotelleistungen) befragt, Ärzt/innen zu z.b. vorhandenen Standards für Operationen. Das Gelingen einer Operation hängt aber wie wir wissen nicht nur vom Können der Operateur/innen ab. Wenn mit der letzten Wundnaht der operative Eingriff abgeschlossen ist, beginnt die postoperative Phase, in der professionelle eine wesentliche Rolle spielt. Die Kontrolle der Vitalfunktionen, des Wundgebietes, der Schmerzäußerungen uvm. ermöglichen den Patient/innen eine sichere und soweit angenehme Situation. Insgesamt kristallisiert sich bei Beobachtungen im Stationsgeschehen schnell heraus, dass die qualifizierte die primäre Kontaktperson während des Krankenhausaufenthaltes und damit die Vermittler/in zwischen ihr, dem Patienten und anderen Berufs-/Interessensgruppen darstellt aber offensichtlich nicht wahrgenommen wird. Es steht außer Zweifel, dass professionelle genauso als Grundpfeiler wie die medizinische Versorgung und die Hotelleistungen zur optimalen Versorgung der Patient/innen zählt und damit Studien zu diesem Themenschwerpunkt den Faktor nicht außer Acht lassen dürfen sprache Mit sprache ist hier nicht die Fachterminologie gemeint, sondern sprachliche Besonderheiten welche wesentlich zur Un-/Sichtbarkeit der beitragen Schwester Schwester, meine Infusion tropft nicht! Schwester mir ist schwindlig. Schwester...! Immer wieder Schwester ein Begriff, der weit mehr umfasst, als eine familiäre Zugehö- 15

17 rigkeit (besonders im Fokus dieser Projektarbeit). Moser (2004) ist der Meinung, dass Schwester nicht nur für die Berufsbezeichnung als solche steht, sondern auch das Symbol der Beziehung zwischen der Schwester und dem bedürftigen der Schwester und dem Bruder bezeichnet. Die Schwesternliebe nach dem Vorbild der christlichen Caritas 5, in der die Schwester als Frau tabu war. Sie war als Frau im Dienst über viele Jahrhunderte geschlechtslos und unsichtbar. Die traditionelle sprachliche Benennung beschreibt Hochwarter (2006) vor dem Hintergrund der sozialen Wirklichkeit, dass es einen der Gründe für die Nichtbeachtung der Berufsgruppe darstellt. Durch die Sprache werden Einstellungen und Werthaltungen transportiert. Mit Schwester wird eine Bezeichnung gewählt, die implizit ein weibliches Wesen, freundlich lächelnd, dienend und den Anweisungen des Arztes gehorchend umfasst. Dabei hat sich die mittlerweile in viele Settings von der Gesundheitsförderung, über die Akutpflege, Langzeit- und Palliativpflege diversifiziert; nde sind in verschiedenen Funktionen, als praktiker/in, -lehrer/in, -manager/in, forscher/in anzutreffen. Coaching, Beratung und Krisenintervention sind Tätigkeiten, die von nden als ganz selbstverständlich geleistet werden, aber ohne dass sie von anderen als solches wahrgenommen werden. Sprache wirkt identitätsstiftend und nach außen imagesteigernd. Gehring (2000) meint erhält durch ihre Wissenschaft auch eine Sprache. Mit der Entwicklung einer eigenen Fachsprache kann der Wissensbestand der geordnet, systematisiert, transparent und kommunizierbar gemacht werden. Schwester ist ein unzeitgemäßer Begriff, der unterschiedlichste Konzepte umfasst, aber wenig mit den Qualitäten einer professionellen und kompetenten zu tun hat Gesundheits- und Krankenpflege Die Gesundheits- und Krankenpflege umfasst die individuelle Betreuung, Beratung, Begleitung und von gesunden, kranken und behinderten Menschen aller Alterstufen. Sie ist ein eigenständiger Bereich im Gesundheitswesen mit eigener beruflicher Identität (Dorfmeister, 2007). ist professionell und wissenschaftlich zugleich im Zentrum steht der Mensch, mit seiner Würde und Individualität. Die Gesundheits- und Krankenpflege hat in Österreich seit 1997 auch einen eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich (GuKG 14 und 14a) und wurde dadurch vom Assistenzberuf zur eigenständigen Profession jedoch mit sperrigem Namen. 5 wurde im Verständnis der Caritas somit zum Gottesdienst, als praktizierte Nächstenliebe. 16

18 In n kann jeder ein berufspolitisches Paradigma beschreibt Wimberger (2002), dass die korrekte Anrede selbst von den, in den verschiedenen Sparten der berufe Tätigen eine unbewältigbare Hürde zu sein scheint. Die Bezeichnungen diplomierte Gesundheitsund Krankenschwester/diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger verleiten zu Simplifizierungen, welche wiederum die Erkennbarkeit der einzelnen Berufe (gehobener Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege, hilfe,...) reduzieren. Auch der zuständigen Ministerin für Gesundheit fällt die korrekte Bezeichnung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege nicht leicht. Wiederholt spricht sie anlässlich des 60/75-Jahrjubiläums des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes von der Gesunden- und Krankenpflege (Kdolsky, Festakt anlässlich des 60/75-jährigen Jubiläums des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes ). nde müssen lernen, über ihre Arbeit zu sprechen vom gesamten Aufgabenbereich, inklusive der medizinischen Aspekte. ist seriöse Arbeit, aber die nden präsentieren sie nicht als solche. Buresh et al. (2006) sind der Meinung, dass der Wille vieler nder still und anonym bleiben zu wollen, ein Kernproblem der darstellt. Es scheint so zu sein, dass nde mit ihren Freunden und Angehörigen genauso ungern sprechen, wie mit den Medien wurde in Amerika eine PR-Kampagne mit dem Titel Nurses of America gestartet (vgl. Buresh et al. 2006), welche zum Ziel hatte, hochrangige Kandidat/innen für die Sache zu gewinnen, um personelle Engpässe für den beruf zu korrigieren. Mehr als eine Million Dollar wurde für das Projekt zur Verfügung gestellt, um PR-wirksame Maßnahmen zu setzen. Es wurde die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den nden analysiert und mit Werbung versucht das Bild in ein günstiges Licht zu rücken. personen wurden auf öffentliche Medienauftritte professionell vorbereitet und es wurden Medienevents veranstaltet, um die Berichterstattung über die zu fördern. Buresh et al. untersuchten 1991 im Rahmen dieser Kampagne auch die gesundheitsbezogene Berichterstattung in drei großen Zeitungen, mit dem Wissen, dass in der heutigen Zeit Status und Ansehen (einer Berufsgruppe) in der Öffentlichkeit wesentlich davon abhängen, wie Medien ihre fachliche Kompetenz einschätzen. In der Vorbereitung zur Analyse der drei Zeitungen gingen die Autorinnen von einer eher geringen medialen Präsenz der aus, das Ergebnis war aber schockierend. Aus 908 Quellen an direkten Zitaten fiel ca. ein Drittel aller Meldungen auf die Berufsgruppe der Ärzte; nicht auf Platz 2 oder 3 war die vertreten, sondern an 13. Stelle (entsprach dem letzten Platz) mit 1,1% der Zitate. Hinzu kommt, dass in öffentlichen Diskussionen meist keine nden zu Fachfragen Stellung beziehen, sondern 17

19 so genannte experten Juristen, Konsumentenschützer, Ärzte [Hervorhebung v. Verf.] Ombudsmann Dr. Vogt. Einen weiteren Beitrag dazu hat sicherlich auch die in den letzten Jahren eingesetzte Praxis geleistet, wo Leiter/innen von Gesundheitsversorgungseinrichtungen Rat bei diesen Experten einholen wer kann aber mehr Auskunft über kranker und gebrechlicher Menschen geben, als die nden selbst Ernst&Young oder Florence Nightingale? Natürlich die nden selbst. 4.2 Jahr der Sichtbarkeit der Der Schweizer Berufsverband für fachfrauen und fachmänner (SBK) hat das Jahr 2005 zum Jahr der Sichtbarkeit der ausgerufen, weil sich die auch in der Schweiz in einer Krise befindet (Wagner, 2005). Ziel der Informationskampagne war es, ein präziseres Bild von nach innen und außen zu vermitteln. Die amerikanische Journalistin Suzanne Gordon, Co-Autorin des Buches Der eine Stimme geben unterstützte durch eine Referattournee das Vorhaben (Taillens, 2008). Die Ausgangslage zur krise in der Schweiz bildeten offene Diskussionen politischer Entscheidungsträger darüber, das fachpersonal um die Hälfte zu reduzieren und durch billigere Arbeitskräfte zu ersetzen. Insgesamt stand aber auch die Finanzierung eines allen zugänglichen Gesundheitssystems in Frage. Die war plötzlich mit einer ungewohnten Rhetorik konfrontiert. Von einer utilitaristischen, kalten, harten und trockenen Wirtschaftsrhetorik (Wagner, 2005) war die Rede; Leute, für die nur Franken und Rappen zählen, forderten die nden auf, ihre Nützlichkeit, den Marktwert und damit die Existenz zu rechtfertigen Maßnahmen im Jahr der Sichtbarkeit der Insgesamt baute die Kampagne auf Informationsveranstaltungen auf, nicht auf Aktionismus. Wagner (2005) bringt die Problematik auf den Punkt, indem er als tolles Produkt bezeichnet, das sich unter dem Wert verkauft. (Wagner, 2005, S. 10). Klares Ziel um zur Sichtbarkeit der beizutragen war die Beantwortung folgender Fragen: Was tut eine diplomierte fachfrau (das schweizerische Pendant zur diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester) Wozu ist dies gut? Weswegen benötigt man dazu ein Diplom? Es wurde das Tätigkeitsprofil der/des diplomierten fachfrau/-mann klar abgegrenzt zu den weiteren berufen dargestellt und die Kompetenz der personen als Autorität 18

20 präsentiert (vgl. Lüthi & Longerich, 2005). Dadurch konnte der Annahme, dass Kompetenz einfach da ist entgegengewirkt werden (ebenda). Dass Kompetenz aktiv und nicht passiv ist, auf informierten Erfahrungen basiert und erarbeitet wird, dementsprechend also nicht einfach vorhanden ist zeigen die Aussagen der Gesprächteilnehmer/innen (Lüthi & Longerich, 2005). Der scheinbar existierende Gegensatz von Helfen und Autorität wird ihrer Ansicht nach damit aufgelöst. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die nden sollte dadurch gestärkt werden, nachdem eine konkrete Vorstellung über den Beruf der/des diplomierten fachfrau/-mannes transportiert wurde. Mit der Präsentation ihres Wissens, ihrer Kompetenz und ihres Sachverstandes konnte Professionalität und auch die Qualifikation der nden durch die Öffentlichkeit anerkannt werden (Taillens, 2008) SBK-Kongress Vom fand der jährliche Kongress des SBK in Davos mit der Festrednerin Suzanne Gordon statt. Als Initiatorin der Kampagne From Silence to Voice in Amerika ist sie eine Galionsfigur der Bewegung, sichtbar zu machen (Taillens, 2008). In ihrem Referat appellierte sie an die Kongressteilnehmer/innen, mit einem kompetenzbasierten Bild in die Öffentlichkeit zu tragen (ebenda). Sie sprach auch davon, dass die nden selbst einen wesentlichen Anteil daran haben unsichtbar zu sein, wenn sie aus falscher Bescheidenheit und/oder Stolz nur widerwillig in der Öffentlichkeit über ihre Arbeit reden und das mit Ausdrücken, die in der Regel der Komplexität der Aufgabe nicht gerecht werden, oder aber ein gekünstelt, akademisch-wissenschaftlicher Fachjargon benützt wird. Sich des Wertes der Arbeit bewusst zu werden, fähig zu sein, umschreiben zu können, was das Wesen der Kunst ausmacht, war/ist die zentrale Botschaft Politiker/innen in der Eine weitere Maßnahme die der SBK im Rahmen des Jahres der Sichtbarkeit der setzte, war die Einladung an Politiker/innen auszusprechen, sich selbst ein Bild von der zu machen. Eugen David, St. Gallener Ständerat nahm die Einladung an und absolvierte einen Tag Praktikum im Spital Flawil (vgl. Wohlwend 2005). Er beobachtete, diskutierte und stellte z.b. fest, dass das Wahren von Nähe und Distanz schwierig ist in einer Situation der Körperpflege. In vielen Bereichen waren sich der Politiker und die fachfrau, die ihn begleitete einig z.b. dass die für die Patient/innen immer eine einmalige und einschneidende Situation bedeuten; in der Auffassung, was für professionelle ausschlaggebend sei, gab es hingegen Meinungsunterschiede. Der Politiker vertrat den Standpunkt, dass Persönlichkeitsmerkmale dafür entscheidend sind, die fachfrau hingegen argumentierte mit 19

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