Ansatz in der Arbeit mit Erwachsenen heraus. Sie stellt Aufgaben und Anforderungen

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1 Editorial Psychomotorik und Körperpsychotherapie zwei Welten oder zwei Seiten. Beide Fachdiskurse galten bisher als relativ klar getrennt, mit jeweils eigenen Tagungen und Veröffentlichungsorganen. Es gibt nun gute Gründe, warum eine stärkere Kooperation und Interaktion beider Bereiche zeitgemäß erscheinen: Es lassen sich konzeptionelle Schnittmengen und historisch gemeinsame Wurzeln erkennen, die klinischen Arbeitsfelder der Motologie verlangen zunehmend nach therapeutischen Kompetenzen und die jeweiligen Schwerpunkte lassen eine Ergänzung und wechselseitige Befruchtung erhoffen. Vor diesem Hintergrund ist ein Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie im Master Motologie ab dem WS 2010 geplant. Das Schwerpunktheft geht auf die Fachtagung Psychomotorik meets Körperpsychotherapie vom Mai 2009 zurück und führt Autorinnen und Autoren beider Ausrichtungen zusammen. Der Beitrag von Benajir Wolf diskutiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Motologie und Körperpsychotherapie (KPT) aus konzeptioneller und berufspraktischer Perspektive. Er erörtert die inhaltlichen Gründe für die körperpsychotherapeutische Erweiterung der Motologie und stellt den geplanten Studienschwerpunkt KPT im Curriculum des Masterstudiengangs vor. Jürgen Seewald nennt in seinem Beitrag neben inhaltlichen auch studienstrategische und berufspolitische Gründe, die zum Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie im Master Motologie geführt haben. Er diskutiert die Chancen, aber auch Risiken dieser Allianz körper- und bewegungsorientierter Zugänge. Anke Abraham erinnert an die Wurzeln der Konzentrativen Bewegungstherapie und plädiert vor einem bildungstheoretischen Hintergrund für eine verstärkte Nutzung der KBT in der universitären Lehre. Dorothee Beckmann-Neuhaus arbeitet aus der Perspektive der klinischen Praxis vor allem die Unterschiede zwischen den Grundlagen der Körperpsychotherapie und dem motologischen Ansatz in der Arbeit mit Erwachsenen heraus. Sie stellt Aufgaben und Anforderungen an die Körper- und Bewegungsarbeit in den unterschiedlichen Praxisfeldern dar, um dadurch eine Grundlage für die Einschätzung einer körperpsychotherapeutischen Orientierung in der mototherapeutischen Praxis zu gewinnen. Amara Eckert schildert ihren persönlichen Werdegang im Schnittfeld von Psychomotorik und Körperpsychotherapie. Sie thematisiert in ihrem Beitrag auch die Angst der Psychomotorik vor dem Körper und den damit verbundenen Gefühlen. Die Integration von KPT-Anteilen führe zu veränderten Zielen in der psychomotorischen Arbeit mit Kindern. Diese orientiere sich stärker an biografisch bedingten Entwicklungsbedürfnissen statt an normativen Ausrichtungen, wie sie durch Bildungsinstitutionen vorgegeben werden. Ulfried Geuter beschreibt zwei wichtige Quellen der Körperpsychotherapie, nämlich das Wirken der Gymnastiklehrerin Elsa Gindler und das Werk des Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Im Weiteren untersucht er, wo die Körperpsychotherapie heute steht und welchen Herausforderungen sie sich gegenübersieht. Dabei wird die Körperpsychotherapie als ein therapeutisches Verfahren vorgestellt, das sich in der etablierten klinischen Praxis zunehmend bewährt und den Anschluss an die wissenschaftliche Forschung gewonnen habe. Manfred Thielen gibt einen Überblick über die Bedeutung der KPT in der ambulanten und (teil-)stationären Versorgung sowie über den Stand der Evaluationsforschung und wissenschaftlichen Publikationslage. Vor dem Hintergrund berufspolitischer Überlegungen zur Anerkennungsproblematik der KPT bewertet er den geplanten Studienschwerpunkt im Master Motologie und gibt Empfehlungen, wie sich die Motologie in diesem komplexen Feld positionieren könnte. Insgesamt versteht sich das Schwerpunktheft als Eröffnung eines Gesprächs. Der Anfang ist gemacht. Nun gilt es, Erfahrungen zu sammeln und die entstandenen Möglichkeiten der wechselseitigen Spiegelung von Psychomotorik und Körperpsychotherapie zu nutzen. Möglicherweise eröffnet bzw. beschleunigt diese Annäherung der beiden Fachdiskurse eine Entwicklung, die auch in anderen Bereichen der Gesellschaft zu beobachten ist: Die Suche nach Kooperationen mit Synergieeffekten, nach Perspektivenwechsel und Vielfalt scheint das Gebot der Stunde zu sein. Diese Erweiterung des Möglichkeitsraums ohne Verlust der Kernidentität ist eine spannende Herausforderung, der sich auch das vorliegende Schwerpunktheft stellen möchte. Benajir Wolf und Jürgen Seewald 45

2 Zwei Türen, die in denselben Raum führen Körperpsychotherapie und Motologie Benajir Wolf Zwei Türen, die in denselben Raum führen Körperpsychotherapie und Motologie Dieser Beitrag diskutiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Motologie und Körperpsychotherapie (KPT) aus konzeptioneller und berufspraktischer Perspektive, erörtert die inhaltlichen Gründe für die körperpsychotherapeutische Erweiterung der Motologie und stellt den geplanten Studienschwerpunkt KPT vor. Einleitung Obwohl die Motologie als Psychomotorik unter Jonny Kiphard im psychiatrischen Setting entstand und im Erwachsenenbereich fast ausschließlich klinisch eingesetzt wird, tat sie sich lange mit der Integration des therapeutischen Paradigmas in ihre konzeptionelle Identität schwer. Seit dem ersten mototherapeutischen Konzept für Erwachsene von Hölter (1993) sind die psychotherapeutischen und psychodynamischen Aspekte der Motologie ausgebaut worden. Der Verstehende Ansatz von Seewald (1992, 2007) gab einen wichtigen Entwicklungsimpuls, indem er der Motologie eine sinnverstehende Dimension hinzufügte, in der das Geschehen in der motologischen Praxis aus einer anderen Perspektive als bisher betrachtet wird. Anders als der kompetenztheoretische und der funktionale Ansatz, die über Bewegung eine Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche erreichen wollen, versucht der Verstehende Ansatz, sich einen einheitlichen Prozess im Sinne Geuters (siehe Artikel in diesem Heft) entfalten zu lassen, so wie er auch von der KPT angestrebt wird. Aus verstehender Sicht exploriert der Klient Anteile seiner Selbst sowohl potentielle Zukunftsidentitäten als auch verdrängte Anteile und zeigt sich in seiner Bewegung ebenso wie in seinen Erzählungen, seinen Gemälden und Tonskulpturen. Mithilfe verschiedener Medien offenbaren sich Zukunftsphantasien, Lebensthemen, Überzeugungen und Gefühle ebenso wie Traumata der ersten Lebensjahre, die häufig als Reinszenierung von Schlüsselszenen und -themen zur Bearbeitung angeboten werden. Erst mit dieser sinnverstehenden Identität ist die Motologie ein interessanter Gesprächspartner für die Körperpsychotherapie geworden, die den Körper schon immer als Akteur des Unbewussten sah. Anschlussstellen sind die Symbol- und Traumtheorie der Psychoanalyse sowie die Entwicklungstheorien von Mahler, Erikson, Winnicott und Stern (Seewald 2009). Die verbindenden Grundannahmen sind das ganzheitliche Menschenbild (Seewald 1996, 234; Hammer 2004, 14) und eine phänomenologische Grundhaltung. Für mich und andere Grenzgänger wie Eckert (vgl. 2006, 2009) waren die Motologie und die Körperpsychotherapie (KPT) in ihrem Kern immer dieselbe Arbeit, vergleichbar mit ein und demselben Raum, in den man durch zwei verschiedene Türen eintreten kann. Die Öffnung der Psychomotorik für psychotherapeutische Aspekte zeigt sich auch in einer zunehmenden Anzahl von Veröffentlichungen (Köckenberger/ Hammer 2004), was jedoch bislang fehlt ist eine dezidierte Ausarbeitung der psychotherapeutisch-motologischen Arbeit. Im Bereich der motologischen Erwachsenenarbeit bestehen durch die Körperpsychotherapie bereits ausgearbeitete Konzepte, so dass sich eine Brückenbildung anbietet. In der Diskussion um die Unterschiedlichkeit beider Disziplinen tauchen jedoch immer wieder zwei Argumente auf, die im Folgenden diskutiert werden sollen: Ansatz am Körper versus Ansatz an der Bewegung und Therapeutisches versus entwicklungsförderndes Paradigma. Die Differenzierung zwischen der KPT als am Körper ansetzend versus der an der Bewegung ansetzenden Mototogie ist meines Erachtens nicht tragfähig. Zum einen stellt sich die Frage, ob der Körper überhaupt von der Bewegung zu trennen ist, zum anderen setzen auch zentrale KPT-Verfahren wie Tanztherapie, Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) und Integrative Leib- und Bewegungstherapie (IBT) an der Bewegung an. Besonders die KBT arbeitet wie die Motologie erspürend und verbalisierend, es werden Impulse durch Leib/Leben - Benajir Wolf Benajir Wolf ist Diplomsportlehrerin und Diplom-Motologin. Sie war nach ihrer Graduierung von der Deutschen Sporthochschule Köln zwölf Jahre lang als Collegedozentin, Yogalehrerin und Therapeutin in San Francisco/Kalifornien tätig und lehrt seit Abschluss ihres Motologiestudiums in 2006 als Modulbeauftragte für Körperpsychotherapie und Arbeitsfeld Erwachsene im Masterstudium Motologie an der Philipps-Universität Marburg. Anschrift der Verfasserin: Institut für Sportwissenschaft und Motologie Barfüßerstraße 1, Marburg Telefon: /

3 Bewegungsthemen gesetzt und es werden sogar dieselben Materialien benutzt. Entwicklungsförderung oder Psychotherapie? In Bezug auf die Paradigmen Entwicklungsförderung und Therapie zeigt sich, dass eine auffallende Diskrepanz zwischen Lehre/Ausbildung und Berufspraxis existiert. Bei vielen Motologen/ Psychomotorikern besteht nach wie vor die Annahme, dass eine klare Grenze zwischen psychomotorischer Förderung und therapeutischem Arbeiten gezogen werden muss und kann. Dabei hat sich gerade die Mototherapie mit Erwachsenen in der Praxis längst ihrem therapeutischen Berufsfeld angepasst einschließlich Setting und Heilungsauftrag und wird häufig als entwicklungsfördernde Therapie praktiziert. Diese soll laut Fürstenau (1994, 66) dem Patienten dazu verhelfen, den Entwicklungsschritt, vor dem er steht, und der zu der Krise bzw. Dekompensation geführt hat, in einer seiner Persönlichkeit gemäßen Form erfolgreich zu bewältigen. Entwicklungsförderung in diesem Sinne bedeutet potenziell auch, in die Vergangenheit zurückzugehen. Der Klient, der Heilung sucht, macht von sich aus Angebote, in innere Schattenwelten, Schmerz und Verdrängtes zu gehen. Dorthin, wo sowohl die Ursachen seiner Pathologie als auch das Potenzial für seine Gesundung liegen. Der Therapeut hat die Wahl, dem Klienten die Hand zu reichen und ihn zu begleiten, oder aber zu signalisieren, dass er sich dieser Reise nicht gewachsen fühlt. Was im letzteren Fall bei Klient und Therapeut zurückbleiben kann ist das unbefriedigende Gefühl, über das verkörperte Unbewusste einen wichtigen Prozess angestoßen zu haben, ihm aber keinen Raum gegeben zu haben, in dem der Klient sich ganz und gar zeigen kann. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Motologen im klinischen Bereich arbeiten und dass selbst im pädagogischen Förderbereich die Psychopathologien immer vordergründiger werden, kann die verstärkte Integration psychotherapeutischer Aspekte sowohl für Klienten als auch für Motologen nur bereichernd sein. Das bedeutet nicht, dass nach der Grabungs-Methode der KPT (vgl. Seewald i.d.h.) gearbeitet werden muss. Gerade für die Arbeit mit Kindern ist meines Erachtens die Psychomotorik mit ihrer Betonung auf Stärkung, Entwicklungsförderung und Freude an der Bewegung die erste Wahl. Eine klare Indikation für oder gegen KPT bzw. Psychomotorik gibt es jedoch nicht. Die Wahl der Methode hängt von vielen Aspekten ab: Vom Klienten bzw. Patienten, seinem Anliegen, vom Setting und von der Prozessphase oder dem Moment, in dem er sich befindet. Bei der psychotherapeutischen Erweiterung der Motologie geht es auch nicht um ein Entweder-Oder von Arbeitsweisen, sondern um das Zur-Verfügung-Stellen von Theorien, die das Geschehen verständlicher machen ( Was wird hier eigentlich gerade inszeniert?, Wieso fühle ich mich jetzt so ohnmächtig/entwertet etc? ) sowie von therapeutischem Handwerkszeug, das meine Arbeit wie immer ich sie auch nenne erleichtert und Sicherheit gibt. Eine Integration körperpsychotherapeutischen Arbeitens in die motologische Praxis kann so aussehen, dass Themen oder Materialien Möglichkeiten zum Erleben im Sinne der Selbst- und Welterfahrung bieten, doch der Prozess endet nicht bei der Reflexion und Deutung der Erfahrung. Das Erlebte wird möglicherweise in tiefergreifende Körperprozesse übergeleitet, die den Körper nicht nur spürend, sondern auch emotional und expressiv einladen, seine Geschichte zu erzählen. In diesem nächsten Schritt öffnet sich die Tür zur Körperpsychotherapie, wobei sich solche Prozesse nicht unbedingt als Schritt 1 und Schritt 2 gestalten. Die Übergänge sind fließend in beide Richtungen, und es ist fast unmöglich zu sagen, wo Motologie aufhört und KPT anfängt. Die Öffnung dieser Tür bedeutet aber auch, sich mit brisanten Themen und Aspekten der Arbeit mit Menschen und ihrem Körper auseinanderzusetzen. Brisante Themen der Körperarbeit In der Entwicklungsförderung oder der Pädagogik sind die Rollen in der Regel klar verteilt: Förderer und Klient. Die Beziehung zwischen beiden wird nicht notwendigerweise thematisiert, 47

4 Zwei Türen, die in denselben Raum führen Körperpsychotherapie und Motologie vielmehr stehen der Klient, sein Umfeld und das Förderanliegen im Vordergrund. Dies funktioniert auch in der Psychomotorik oft problemlos, doch je mehr ich mich von einer direktiven zu einer aufdeckenden, themenzentrierten und damit entfaltenden Arbeitsweise bewege, desto mehr kann sich das verkörperte Unbewusste zeigen und desto mehr Raum zum Reinszenieren steht zur Verfügung. Dadurch rückt zum einen die Beziehung zwischen Klient und Motologe und die Person des Motologen ins Zentrum, zum anderen gestaltet die Vergangenheit und Persönlichkeit (einschließlich neurotischer Anteile) von Klient und Therapeut das Geschehen spürbar mit, in Form von Widerständen, positiver und negativer Übertragung etc. Solche Dynamiken lassen das Geschehen sehr schnell sehr komplex werden. Die Motologie/Psychomotorik hat meines Erachtens diese Beziehungs- und Prozessdynamik sowie Emotionen und den Umgang mit ihnen bisher nicht genügend thematisiert. Auch das Thema Gruppe, das zentral für die psychomotorische Arbeit ist (vgl. Seewald 2007), wurde im Verhältnis zu seiner hohen Bedeutung in der Praxis verhältnismäßig wenig behandelt. Zwangsläufig sind auch andere prekäre Themen der Körperarbeit bisher nur randständig aufgetaucht: Die Psychomotorik/ Motologie war bisher oft zu halbherzig in ihren Entwürfen und wich den großen Fragen aus, die sich in der Körper- und Bewegungsarbeit fast zwangsläufig stellen. Ich glaube, dass die Zeit reif ist, dass auch die Psychomotorik wie schon in anderen europäischen Ländern gelassener mit den existenziellen und spirituellen Fragen umgeht und auch mit der Emotionalität und Sexualität, Bereiche, die bislang weitgehend ausgeklammert wurden. (Seewald 2009). Die konzeptionelle Integration dieser zentralen Aspekte und Themen scheint mir das wichtigste Unterscheidungskriterium zwischen Motologie und KPT zu sein. Für zukünftige Motologen, die ein Interesse an körperzentrierter Psychotherapie haben, bieten wir den Schwerpunkt KPT als Raum, in dem außer entsprechenden Theorien und Themen auch die eigene Biographie und Psychopathologie thematisiert wird. In Selbsterfahrungsseminaren soll gezielt die Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten und Emotionen gefördert werden. Selbsterfahrung im Studium Studiengänge, die in helfende Berufe münden, sind auf selbsterfahrendes Lernen angewiesen, was erneut von jüngsten Forschungsergebnissen unterstützt wird: Die Spiegelneuronenforschung belegt, dass wir vieles nur erkennen, wenn es in uns Resonanz findet. Das ist immer ein intersubjektiver Prozess. Wenn bei uns nichts bewegt wird, bewegt sich auch im Patienten nichts (Milch 2009). In körperorientierten Studiengängen ist dies fast zwangsläufig: Ich kann nur das nachvollziehen, was ich erlebt habe. Und wenn ich nicht weiß, was der Körper für Geheimnisse birgt, und diese Geheimnisse innerhalb der körperenergetischen Prozesse nicht kenne, kann ich es nicht nachempfinden und ich kann es auch bei anderen nicht halten und bei anderen nicht erkennen und begleiten (Eckert 2009). Aber auch in der Pädagogik kann ohne umfassende Eigenerfahrung die hohe Kunst der Empathie jenseits von Verschmelzung oder Abwehr nicht praktiziert werden: Man muss in die Haut des Kindes schlüpfen können, und doch in der eigenen bleiben (Aucouturier 2006, 213). Dennoch bleibt Selbsterfahrung im Studium umstritten. Von Seiten der Institute besteht zum Teil die Angst, sich über zu viel Praxis den Fachhochschulen anzunähern und die universitäre Ausbildung damit zu entwerten, zum anderen herrscht aufgrund einer mangelnden Selbsterfahrungskultur in der höheren Bildung eine Unsicherheit, ob sich Wissenschaft mit persönlicher Erfahrung und Lernen mit Aufdecken vereinbaren lässt. In den USA ist die Verknüpfung des theoretischen Wissens mit der eigenen Biographie als Grundlage für die Bildung einer reflektierten Haltung fest verankert und als Konzept des reflective practicioners und der theories in action (Mac Labhrainn 2009, 43) bekannt. Am California Institut of Integral Studies (CIIS), einem von vier US-amerikanischen Universitäten, die einen Masterstudiengang in KPT anbieten, ist die Persönlichkeits- entwicklung des Studenten schon bei seiner Zulassung zum Studium ein zentrales Kriterium und wird als Studienziel besonders hervorgehoben. Studenten sollen unter anderem die folgenden persönlichen Qualitäten entwickeln (CIIS 2007, 38 f.) Engagement für die Selbstentwicklung. Die Fähigkeit, persönliche Verletzlichkeit auszuhalten und zu reagieren, ohne sich zu verteidigen. Die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Das Hineinwachsen in die Rolle des Psychotherapeuten. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, besonders im therapeutischen Setting. Die Kapazität für emotionale Präsenz. Den Gebrauch des Intellekts im Dienste des ganzen Menschen. Die Herstellung einer Beziehung zu und Empathie für die eigene Lebensgeschichte. Die Entwicklung der eigenen Kreativität und Imagination. Die amerikanischen Psychotherapie- Master folgen dem Grundsatz, dass die Person des Therapeuten das Werkzeug der Therapie ist (Beaumont 1986, 34). Man kann natürlich argumentieren, dass diese Haltung in einer Westcoast- Kultur entstanden ist, in der weder der Verquickung von Wissenschaft und Biographie noch einer Eigentherapie ein Makel anhängen. Bei genauer Betrachtung ist unseren Universitäten jedoch Selbsterfahrung im Studium nicht fremd. Nicht nur in der Motologie, auch in vielen psychologischen und pädagogischen Instituten veranstalten engagierte Dozenten in Blockseminaren intensive Reisen mit ihren Studenten. In den 1970er und 1980er Jahren war dies an den Universitäten noch üblicher. In meinem Erststudium vor 25 Jahren trafen wir uns mit einer kleinen Gruppe von Studenten, um bei einem Professor der Vergleichenden Religionswissenschaften morgens in der Gymnastikhalle mit Hilfe von bioenergetischen Übungen und Bewegungsmeditationen Phänomene wie Tiefenatmung und Katharsis zu explorieren aus gutem Grund schon morgens um sechs Uhr! Doch in den meisten Fachbereichen hing und hängt diesen Seminaren immer etwas Suspektes an, etwas Illegales. Das Gleiche gilt für Seminare zu existentiellen 48

5 Themen, die nicht nur theoretisch abgehandelt werden, sondern in denen Studenten mit ihrer Lebensgeschichte zu Wort kommen oder wo sie in Selbsterfahrung ihre Gefühle zeigen dürfen. In der Motologie hat sich im Gegensatz zu den meisten Studiengängen die Selbsterfahrung als Tradition etabliert, wodurch die Körperpsychotherapie unter ihrem Dach so gut lehrbar ist. Selbsterfahrung und die persönliche Öffnung gegenüber Professoren und vor allem Kommilitonen ist auch verbindungsstiftend, wie wir im Motologiestudium immer wieder sehen können. Gemeinsam erlebte Prozesse großer Intensität machen das Studium relevanter, das Gelernte bedeutsamer und den Zusammenhalt und auch fachlichen Austausch der Studenten größer, was Abraham in ihrem Beitrag Wir waren hier auf eine so wunderbare Art gleich (in diesem Heft) treffend beschreibt. Als die perspektivische Akademisierung der KPT auf der Fachtagung Psychomotorik meets Körperpsychotherapie im Mai 2009 in Marburg thematisiert wurde, wurde interessanterweise weniger das Potenzial von Selbsterfahrung diskutiert als ihre vermeintlichen Gefahren. Man war sich einig, dass Selbsterfahrung nicht zu intensiv sein darf, dass sie unbedingt unbenotet bleiben muss und dass sie eigentlich nur von externen Lehrkräften angeleitet werden darf, die nicht wie die Dozenten gleichzeitig Prüfer sind. An der Atmosphäre der Diskussion wurde deutlich, dass wir auch beim Gründen einer neuen Bildungskultur zu deutschem Regelwerk und unbedingtem Reinheitsgebot neigen. Geuter relativierte diese Forderungen jedoch mit dem Einwand, dass nicht einmal offizielle Therapieausbildungen diesem hohen Standard gerecht werden können: Ich werde nie vergessen, wie ich in einem Saal mit tausend Leuten die Luft angehalten habe, als vorne ein homosexueller Psychoanalytiker aus München erzählte, dass er in seiner psychoanalytischen Ausbildung über 1000 Stunden Ausbildung auf der Couch nicht ein einziges Wort über seine Homosexualität verloren hat, um Psychoanalytiker werden zu können. Er musste seine Identität verdecken innerhalb seiner Therapieausbildung, wo es ja eigentlich um die Beschäftigung mit ihm selbst geht. Ich erzähle dieses Beispiel, um zu sagen: Das ist nicht allein ein Problem an der Universität, das ist ein strukturelles Problem jeder psychotherapeutischen Ausbildung. [ ] Das erst mal zur Entlastung. (2009) In Bezug auf die Anforderung an Studenten, Eigenprozesse zu verarbeiten (die auch unabhängig vom Studium angestoßen werden!), während sie gleichzeitig im Studium funktionstüchtig bleiben müssen, ist eine Gratwanderung gefordert. Die Selbsterfahrung muss genug aufdecken, um persönliche Prozesse anzustoßen und auf die Berufspraxis vorzubereiten, aber nicht so viel, dass das Studium nicht aufrechterhalten werden kann. Der Anspruch, dass alle Studenten immer genau auf diesem Grat wandeln sollen, ist jedoch Utopie. Hier ist Ver- trauen in die Selbstregulationsfähigkeit des Ich-stabilen Menschen und eine studienbegleitende Eigentherapie gefragt. Aus den US-amerikanischen Studiengängen wissen wir, dass diese Intensität als sehr bereichernd und lehrreich empfunden wird, wie eine amerikanische Körperpsychotherapiestudentin beschreibt: Ich fühle mich in vielen Bereichen meines Lebens so viel lebendiger durch das, was ich lerne. Manchmal bin ich wie aufgerissen durch die ganze Selbsterfahrung, aber im Körperpsychotherapieprogramm habe ich das Gefühl, dass wir Unterstützung bekommen, wenn wir ausfreaken. Es wird von keinem erwartet, sich die ganze Zeit zusammenzureißen, denn einige Lerninhalte berühren letztendlich viel Persönliches. Aber es sind auch einfach Zyklen. Deine Gefühle sind manchmal sehr präsent, aber dann spürst du langsam, wie sich diese Gefühle ändern und dich verändern und unglaubliche Einsichten bringen. Das ist für mich ein ziemlich profundes Lehrstück hier (Blackman 2009, Übersetzg.). Der Schwerpunkt KPT im Motologiestudium Die körperpsychotherapeutische Erweiterung der Motologie soll gezielt auf das wichtigste Berufsfeld unserer Absolventen im Erwachsenenbereich vorbereiten: Psychosomatische und psychiatrische Kliniken. Von unseren Absolventen war in der Vergangenheit die Rückmeldung gekommen, dass sie Beziehung wagen Mit Körper und Bewegung (psycho-)therapeutisch arbeiten 49

6 Zwei Türen, die in denselben Raum führen Körperpsychotherapie und Motologie in den Kliniken von ihrem Hintergrundwissen den Fachtherapeuten (Physiound Ergotherapeuten, Sportlehrer) überlegen sind. Gerade ihr Theoriefundament, aber auch ihre praktische Arbeit, wird von den Klinikleitern in der Regel sehr wertgeschätzt. Doch im Therapieraum mit Klienten spürten sie, dass ihnen wichtiges Therapierüstzeug fehlt: Umgang mit negativen Emotionen, Gruppendynamiken, Projektionen auf sie als Leitende sowie die Begleitung intensiver Prozesse. Es wurde deutlich, dass mit der Schuster bleib bei deinem Leisten - Mentalität in der Lehre unsere Absolventen nicht gut genug auf therapeutische Berufsfelder vorbereitet sind. Zwar hat die klinische Psychologie einen festen Platz im Motologiestudium, psychotherapeutische Aspekte wurden aber bisher nur randständig behandelt bat ein gesamter Absolventenjahrgang nach knapp zwei Jahren Berufspraxis um entsprechende Fortbildungen. Eine Kombination von akademischem Theoriefundament und körperpsychotherapeutischer Kompetenz wird auch von den psychosomatischen Kliniken gewünscht, wie sich 2008 in einer Bedarfsanalyse herausstellte (vgl. Wolf 2010). In dieser wurden 74 Chefärzte psychosomatischer Kliniken in Deutschland mit der Bitte angeschrieben, anhand von drei Fragen die Wichtigkeit einer akademischen Ausbildung von Körperpsychotherapeuten zu beurteilen. 31 vollständig ausgefüllte Fragebögen gingen in die Studie ein, dies entspricht einer Rücklaufquote von etwa 40%. Zunächst wurden die Chefärzte gefragt, wie wichtig sie die Körperpsychotherapie für die Psychosomatik erachten (1 = nicht wichtig, 10 = sehr wichtig). Die Auswertung dieser Frage ergab einen hohen Mittelwert von M = 9.16 (mit einer Standardabweichung von SD = 1.19). Etwa zwei Drittel aller Befragten gaben Sehr wichtig an (61.3%). Bei der zweiten Frage streute das Antwortverhalten der Befragten etwas mehr. In diesem Item wurde erfragt, wie wichtig eine fachspezifische, akademische Ausbildung für Körperpsychotherapeuten sei (1 = nicht wichtig, 10 = sehr wichtig). Das Antwortspektrum lag hier zwischen 5 und 10 bei einem Mittelwert von M = 7.74 (SD = 1.84). Knapp ein Drittel stimmte der akademischen Ausbildung voll zu (Sehr wichtig: 29%). Frage Drei lautete: Würden Sie einen akademischen Körperpsychotherapeuten einem nicht-akademischen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter vorziehen? Trotz der Tatsache, dass diese Entscheidung für ein Klinikbudget negative Konsequenzen hat, stimmten mehr als drei Viertel aller Ärzte zu (77.4%). Dazu die Aussage dieses Chefarztes: Ich würde einen Akademiker erst mal freiweg bevorzugen, ich denke der hat mehr Background, eine fundiertere Ausbildung, auch gerade der theoretische Background, das ist sicher von Vorteil. Auch die Erwartung eines besseren fachlichen Austausches mit den Psychologen und Ärzten wurde genannt. Die finanzielle Belastung durch einen Akademiker war wie erwartet eines der Gegenargumente. Es besteht also ganz offensichtlich ein Bedarf, der bisher von noch keinem Berufsbild in dieser Form abgedeckt wird. Dies war ein weiterer Anstoß, die Körperpsychotherapie, die bisher im Motologiemaster als Wahlpflichtfach verankert war, auszubauen. Studienverlauf Der im WS 2010/11 startende Schwerpunkt Körperpsychotherapie umfasst 60 Leistungspunkte und ist in diesem Umfang deutschlandweit einmalig. In den ersten zwei Semestern stehen Selbsterfahrung in Motologie und KPT (unbenotet), Gruppentheorie und -dynamik, und theoretische Grundlagen (Einführung in die KPT, Psychopathologie) auf dem Lehrplan. Es werden zwei KPT-Verfahren vorgestellt, derzeit sind KBT und Hakomi geplant. Andere Veranstaltungen wie Diagnostik, Gutachtenerstellung oder Entwicklungspsychologie werden gemeinsam mit den anderen Motologiestudenten besucht. Das vierwöchige Praktikum soll möglichst in einer Klinik absolviert werden, in der ein Körperpsychotherapeut die Betreuung gewährleisten kann. Das dritte Semester steht im Zeichen der Umsetzung und Anwendung des bisher Gelernten. Im vierstündigen Seminar mit Übung Therapeutisches Arbeiten werden mit Hilfe von wechselnden Lehraufträgen verfahrensspezifische Vorgehensweisen aus dem Spektrum der Tanztherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik etc. demonstriert und praktisch erfahrbar gemacht. Ein Protokoll mit Reflexion eines therapeutischen Prozesses (unbenotet) dient als Leistungsnachweis. Die Schwerpunktstudierenden müssen in diesem Semester das Arbeitsfeld Erwachsene belegen, wo mototherapeutisches Arbeiten und psychodynamische Krankheitslehre vermittelt werden. Die semesterbegleitenden Hospitationen in Kliniken bieten einen Rahmen, mit Patienten erstmals motologisch-körperpsychotherapeutisch zu arbeiten. Im letzten Semester werden im Seminar Die Therapeutische Beziehung spezielle Themen des körperpsychotherapeutischen Settings aufgegriffen und in Partner- oder Kleingruppenarbeit innerhalb der Studiengruppe erprobt. Das Seminar Integration und Ausblick behandelt verschiedene Aspekte der KPT, wie Spiritualität, der erotische Körper, Körper und Kultur oder KPT mit Kindern. Im Sinne eines fachlichen Ausblicks sind auch Exkursionen zu KPT-Ausbildungsinstituten oder Kongressen möglich. Die Veranstaltung soll außerdem als Forum dienen, die Eigenprozesse aus den vergangenen Studiensemestern theoretisch zu verankern, zum Abschluss zu bringen und zu integrieren. Dazu dient auch das Abschlussprojekt, in dem eine ebenfalls unbenotete kreative Arbeit (Gemälde, Collage, Tanzperformance, Diashow, Vortrag, Geschichte, Poetry, Drama) die Reflexion des Selbsterfahrungsprozesses im Studium vor dem Hintergrund der gelernten Theorien darstellen soll. Die Kunstwerke und Performances werden am Semesterende im Kreis der KPT- Studierenden vorgetragen. Die abschließende Masterarbeit soll ein Thema der Körperpsychotherapie wissenschaftlich bearbeiten. Motologie Quo vadis? Die KPT hat wie kaum eine andere Erweiterung der Motologie die Frage aufgeworfen, ob die Motologie jetzt ihre Identität verliert. Meines Erachtens kommt es darauf an, aus welcher Perspektive man sie betrachtet, aus der konzeptionellen oder der berufspraktischen. Als Wissenschaft bildet sie ihre Identität ständig neu. Dies geschieht zum einen durch neue Ansätze, zum anderen durch die Integration zunächst 50

7 fachfremder Bereiche und Aspekte, die sich unter motologischen Gesichtspunkten betrachten lassen (Organisationsberatung, Gesundheitsförderung und potenziell viele weitere). Für die Vernetzung von KPT und Motologie prognostiziert Seewald, dass nur im Verbund mit der Körperpsychotherapie das volle emanzipatorische Potenzial der Körper- und Bewegungsarbeit zu gewinnen ist. (2009) Die Körperpsychotherapie wiederum ist durch diese Allianz ihrem Ziel der Akademisierung einen Schritt näher gekommen, und findet noch dazu eine Heimat in einem Fachgebiet, das Meisterlehren zu schätzen und zu akademisieren weiß (vgl. Seewald i.d.h.). In der klinischen Berufspraxis dahingegen gab es nie zwei Disziplinen. Im Rahmen von Körper- und Bewegungstherapie existiert das gesamte Spektrum von Spiel und Spaß über themenzentriertes Arbeiten bis zur kathartischen Atemarbeit. Was in den Therapiesitzungen passiert liegt beim Therapeuten und seiner Ausbildung, und in Klinikteams ist diese individuelle Arbeitsweise allseits akzeptiert. Im Sinne von Petzolds methodenintergierender IBT greifen Körper- und Bewegungstherapeuten situativ auf all das zurück, was sie je gelernt und selbst erfahren haben. In der Praxis mischen sich die unterschiedlichsten Verfahren und das therapeutische Vorgehen ändert sich potenziell mit jeder weiteren Fortbildung. Es gibt so viele Arten von Bewegungstherapie wie es Bewegungstherapeuten gibt. Dasselbe lässt sich denke ich auch im pädagogischen Bereich über Motologen/ Psychomotoriker sagen. Durch die körperpsychotherapeutische Erweiterung der Motologie sind viele weitere Fragen aufgeworfen worden, wie: Brauchen jetzt alle Motologen psychotherapeutisches Handwerkszeug? Wäre die KPT auch eine Bereicherung für den Kinder- oder Seniorenbereich? Welche konzeptionellen Begründungen gibt es für die zwei Türen zum selben Raum? Ab welchem Punkt in der Arbeit mit dem Körper sind körperpsychotherapeutische Kompetenzen unerlässlich? Den Antworten auf diese Fragen hoffen wir, mit den Erfahrungen und der Forschung aus dem Schwerpunkt KPT so- wie den Vernetzungen beider Fachdiskurse ein Stück näher zu kommen. Boadella formulierte auf der Marburger Fachtagung als Vision eine gesunde Parallelität der beiden Disziplinen und gab sich zuversichtlich, dass unser Institut diese Allianz in Form eines Schwerpunktes KPT erfolgreich herstellen werde. Die Tür zur KPT steht jetzt also offen und uns allen bietet sich ein weiter Raum der Exploration, des fachlichen Austausches und nicht zuletzt des Uns-selber-neu-sehens. Aktuelle Informationen zum Schwerpunkt KPT finden sich unter: aufnahme.html Literatur Aucouturier, B. (2006): Der Ansatz Aucouturier Handlungsfantasmen und psychomotorische Praxis. Bonn: Proiecta Verlag. Beaumont, H. (1986): Gestalttherapie ist mehr als Fritz Perls. 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Köckenberger/Hammer (2004): Psychomotorik Ansätze und Arbeitsfelder. Dortmund: Verlag Modernes Lernen. Hammer, R. (2004): Menschenbilder. In: A. Eckert/R. Hammer (Hrsg.), Der Mensch im Zentrum. Lemgo: Verlag Aktionskreis Literatur und Medien. Hölter, G. (1993): Mototherapie mit Erwachsenen. Sport, Spiel und Bewegung in Psychiatrie, Psychosomatik und Suchtbehandlung. Schorndorf: Hofmann-Verlag. Mac Labhrainn, I. (2009): From teaching to learning. Challenges for Academic Staff Development. In: R. Schneider/B. Szczyrba/ U. Welbers/J. Wildt (Hrsg.), Wandel der Lehr- und Lernkulturen. 40 Jahre Blickpunkt Hochschuldidaktik, Bd. 120 (S ). Bielefeld: Bertelsmann. Milch, W. (2009): Redebeitrag zur Podiumsdiskussion der Fachtagung Psychomotorik meets Körperpsychotherapie. 16. Mai 2009, Philipps-Universität Marburg. Seewald, J. (1992): Vorläufiges zu einer Verstehenden Motologie. In: Motorik, Nr. 15, Seewald, J. (1996): Perspektiven der Motologie (?) Standortbestimmung und Zukunftsaufgaben. 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8 Motologie und Körperpsychotherapie - Ergänzung oder Unvereinbarkeit? Jürgen Seewald Motologie und Körperpsychotherapie - Ergänzung oder Unvereinbarkeit? Der Beitrag nennt inhaltliche und strategische Gründe, die zum Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie im Master Motologie geführt haben. Er diskutiert die Chancen, aber auch Risiken dieser Allianz körper- und bewegungsorientierter Zugänge. Einleitung Motologie und Körperpsychotherapie stammen aus unterschiedlichen Traditionen, sich mit dem Körper und der Bewegung zu beschäftigen. Zwar sind auch Schnittflächen zu erkennen, bisher war aber die Unterschiedlichkeit dominant. Mit dem neuen Master Motologie 2010 wird sich diese Situation verändern. Der neue Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie im Master Motologie rückt beide Zugänge in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zueinander. Was sind die Gründe für diese Allianz und gibt es auch ein Risiko, dass dieses Projekt scheitern könnte? Bei den Gründen für die Aufnahme des Studienschwerpunkts Körperpsychotherapie in den Master Motologie kann man grob zwischen strategischen und inhaltlichen Gründen unterscheiden. Bevor die wichtigsten strategischen Gründe genannt werden ein kurzer Blick auf den geplanten Studienschwerpunkt: Hier sind drei Module mit insgesamt 24 LP im Laufe der vier Semester geplant (s. Beitrag Wolf i.d.h.). Rechnet man aber weitere Studienanteile hinzu wie die Entwicklungstheorie, Diagnostik, das obligatorische Arbeitsfeld Klinik Erwachsene und die Masterarbeit, so kommt man auf mindestens 60 LP, also ca. die Hälfte des Masterstudiengangs, der 120 LP umfasst. Trotzdem werden die KPT-Schwerpunkt-Studierenden ihren Master in Motologie bekommen und dazu alle Grundlagen der Motologie, ihrer Geschichte, Theorien, Diagnostik und Arbeitsformen. Es handelt sich also um eine durchaus eindrucksvolle Veränderung, die gut begründet werden will. Die drei wichtigsten strategischformalen Gründe sind: Die Ausbildung im klinischen Bereich verlangt nach einer Intensivierung. Die Ursprungsklientel der Psychomotorik waren Kinder. Bereits in den 1980er Jahren hat sich die Motologie aber mit Erwachsenen beschäftigt und hier vorzugsweise im klinischen Feld der Psychotherapie, Psychosomatik, Sucht. Aus dieser Zeit stammt die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), deren Curriculum im Bereich Klinik Erwachsene von der Motologie mit geprägt wurde. Seit dieser Zeit hat sich die Zahl der Absolventen im Arbeitsfeld Klinik Erwachsene ständig erhöht. Wir gehen derzeit von ca. 30% der Absolventen aus. Es ist nach dem AF Kinder der zweitgrößte Arbeitssektor für Motologen. Wir hatten dieses Arbeitsfeld bisher aber nur mit ca. 15 Leistungspunkten im Curriculum. Dies ist zu wenig. Aus Rückmeldungen von Absolventinnen erfahren wir immer wieder, dass sie sich nicht umfassend genug ausgebildet fühlen, und zwar vor allem bezogen auf ihre therapeutischen Kompetenzen. Der erste Grund ist also, dass wir ein wichtiges Arbeitsfeld innerhalb der Motologie aufwerten und die Absolventen besser vorbereiten wollen. Die Motologie besetzt mit dem Studienschwerpunkt ein wichtiges Zukunftsfeld in der Landkarte der akademischen Bewegungsberufe. Wer sich die Lage der Bewegungs- und Körpertherapien in den Kliniken anschaut, stellt eine merkwürdige Diskrepanz fest. Auf der einen Seite gehört dieser Zugang zum festen und wohl geschätzten Repertoire der meisten Kliniken insbesondere in der Psychosomatik (vgl. Beitrag Geuter i.d.h.). Zum anderen ist die Aus- und Vorbildungslage der Anbieter sehr heterogen, wobei nicht-akademische Berufsgruppen deutlich überwiegen: Physiotherapeuten, Motopäden, Gymnastiklehrerinnen mit Zusatzausbildung und ähnlich ausgebildete Berufsgruppen. Im Rahmen einer Umfrage durch Wolf (vgl. Beitrag i.d.h.) bei allen Chefärzten psychosomatischer Kliniken in Deutschland wurde deutlich, dass diese Therapieform als sehr wichtig eingestuft wurde und dass der überwiegende Teil der Chefärzte, die Prof. Dr. Jürgen Seewald Dipl.-Mot., Leiter der Lehr- und Forschungseinheit Motologie und des Master Studiengangs Motologie an der Philipps-Universität Marburg. Arbeitsschwerpunkte: Theorieentwicklung der Motologie, motologisch orientierte Entwicklungstheorie, Theorie und Praxis des Verstehenden Ansatzes, Gesundheitsförderung Anschrift des Verfassers: Institut für Sportwissenschaft und Motologie Philipps-Universität Marburg Barfüßerstraße Marburg Telefon: /

9 sich an der Umfrage beteiligten, einen akademischen Körperpsychotherapeuten einem nicht-akademischen bei der Einstellung vorziehen würden trotz der höheren Kosten. Wir sehen als zweiten Grund also einen Bedarf am Arbeitsmarkt, der bisher noch von keinem anderen Studiengang in derart konzentrierter Form befriedigt wird. Bei dieser Arbeitsmarktlücke knüpft der dritte Grund an. Wir erwarten uns nämlich durch die Koalition mit der KPT eine Profilbildung des Berufsbildes gegenüber angrenzenden Berufsgruppen. Wir erleben immer öfter, dass die einheimischen Begriffe und Konzeptbildungen der Motologie von angrenzenden Fachdiskursen und Berufsgruppen übernommen werden. So reklamieren aktuell die Sportpädagogen das Feld der Entwicklungsförderung durch Bewegung auch für sich, wenn dieser Anspruch auch kaum durch curriculare Inhalte gedeckt ist. Die Akademisierung von Physio- und Ergotherapie macht uns das Kerngebiet der Psychomotorik zunehmend streitig. Aber auch im eigenen Umfeld benötigt ein Master gegenüber einem in den Startlöchern stehenden Bachelor Psychomotorik Unterschiede. Das muss nicht die KPT sein. Sie eignet sich neben anderem aber sehr gut dafür. Durch diese attraktive Profilbildung erwarten wir uns auch ca zusätzliche Studieninteressenten und damit eine Vollauslastung des Studienganges. Wer die Ökonomisierung der Hochschulen kennt, weiß, dass Studiengänge unterhalb einer Auslastung von ca. 80% akut bedroht sind. In diesem sich ständig verändernden Feld bemüht sich die Motologie, sehr gut aufgestellt zu sein. Nach den innovativen Bereichen der Gesundheitsförderung und Organisationsberatung, die beide sehr gut angenommen und in denen ermutigende Erfahrungen gemacht wurden, ist die Körperpsychotherapie der dritte Bereich, in dem sich die Motologie für die Zukunft positionieren möchte. Durch dieses Profil soll die Motologie als ein kleiner Studiengang mit begrenzten Möglichkeiten zukunftssicherer gemacht werden. Hinzu kommt ein studientechnisches Detail: Mit ca. 40 Studienplätzen müssen im MA Motologie ohnehin alle Praxisveranstaltungen doppelt angeboten werden. Da bedeutet es keinen Mehraufwand, Wahlmöglichkeiten zu schaffen anstatt dasselbe doppelt anzubieten. Die Motologie muss jetzt und in der Zukunft noch mehr Argumente liefern, warum auch ein kleiner und evtl. auf einen Standort begrenzter Studiengang sinnvoll ist. Dies versucht sie durch die Spezialisierung auf neue Bereiche (Gesundheitsförderung und KPT) sowie auf Multiplikatoren- und Leitungsfunktionen (Organisationsberatung). Es gibt also gute strategische und berufspolitische Gründe für diese Hereinnahme der KPT in das Motologie-Curriculum aber diese überwogen nicht in der internen Diskussion. Es waren vielmehr die inhaltlichen Anknüpfungspunkte und Schnittmengen. Während meines Motologie-Studiums hatte ich die Gelegenheit, Elaine Siegel und Lilian Espenak, zwei große Pionierinnen der Tanztherapie, in Workshops kennenzulernen. Der Grund dafür war die Ausdehnung des Arbeitsspektrums auf die Klinik Erwachsene durch Gerd Hölter, der 1984 frisch von einem Tanztherapie-Workshop aus Kalifornien seine Professur in Marburg antrat und Westcoast-Feeling im Gepäck hatte. Die Wurzeln der starken Ausbreitung der KPT liegen sicher auch im Lebensgefühl der kulturellen Erneuerung der 1960er und 70er Jahre. Aus dieser Zeit stammt auch die Verbindung mit der indischen Meditationsbewegung (Stichwort Poona), die die KPT bis heute stark beflügelt, sie aber auch für viele insbesondere im akademischen Milieu suspekt macht. Der konzeptionelle Schwerpunkt in der Motologie lag bis dahin eher auf Handlungstheorien und der Entwicklungstheorie Piagets. Jetzt wurden auch psychodynamische und humanistische Theorien aufgenommen. Allerdings war schon von Beginn an die Gestaltkreislehre Victor v. Weizsäckers ein Kernkonstrukt der Motologie. Weizsäcker war Psychosomatiker und der Gestaltkreis enthält reichhaltige Bezüge dazu etwa zur Bedeutung der Krise (vgl. 1950, 170f). Er wurde jedoch in der Motologie und darüber hinaus in den Bewegungswissenschaften bis heute ausschließlich als Bewegungs- und Wahrnehmungstheoretiker rezipiert. Zu Beginn der 1990er Jahre entstand dann der Verstehende Ansatz, an dem ich selbst mitgewirkt habe (vgl. Seewald 2007). Ohne diesen Ansatz hier im Detail vorstellen zu können, möchte ich doch zwei Punkte hervorheben. Verstehen in der leibphänomenologischen Tradition Merleau-Pontys verweist zwangsläufig auf die Spürarbeit Elsa Gindlers und Ernst Jacobis. Wir wissen von fachhistorischen Beiträgen der KPT etwa von Geuter (vgl. 2000), welche Schlüsselstellung der Gindler-Arbeit für die KPT- Entwicklung zukommt. Die maßgeblich von Stolze theoretisch gefasste Konzentrative Bewegungstherapie bezieht sich wieder auf die Gestaltkreislehre (vgl. 2002) und führt nicht zufällig den Bewegungsbegriff im Namen. Es geht hier wesentlich um das Bewegungserlebnis und die Selbstwahrnehmung darin, die nicht selten biographische Spuren im Körpergedächtnis aktiviert und bearbeitbar macht. Es fiel bereits das Stichwort Leibphänonomenologie. Der Leib-Begriff hat seit ca. 15 Jahren Eingang in die Terminologie der Motologie und der Psychomotorik gefunden, d. h. dass auch die deutsche Psychomotorik spätestens seit Beginn der 1990er Jahre den Leib/Körper- Begriff entdeckt, theoretisch ausgearbeitet und gleichberechtigt neben den Bewegungsbegriff gestellt hat. Der Verstehende Ansatz bietet durch das tiefenhermeneutische Verstehen auch die Anschlussstellen für die Symbol- und Traumtheorie der Psychoanalyse und stellt Verknüpfungen in der Entwicklungstheorie mit psychodynamischen Autoren wie Mahler, Erikson, Winnicott und Stern her. Damit ist eine Fülle an Schnittstellen angesprochen, die es schwer machen, die Terrains der beiden Traditionen genau gegeneinander abzugrenzen. Hinzu kommt noch die Scharnierfunktion der Arbeit von Eckert, die als einzige in der Psychomotorik die Energiearbeit in der neoreichianischen Tradition mit psychomotorischen Zugängen vor allem im Kindesalter verknüpft hat (vgl. Eckert 2004 und i.d.h.). Diese im Bereich der Psychomotorik zunächst eher exotische Pionierarbeit erfreut sich inzwischen wachsender Anerkennung. Es lässt sich also kaum bezweifeln, dass die Übergänge zwischen Ansätzen und Zugängen der Motologie und Psychomotorik einerseits und der Körperpsychotherapie andererseits fließend sind. Dennoch gibt es Unterschiede. Die 53

10 Motologie und Körperpsychotherapie - Ergänzung oder Unvereinbarkeit? Frage ist, ob diese Unterschiede eher real oder gefühlt sind die Konstruktivisten unter uns mögen mir diese Unterscheidung verzeihen. Ich glaube, es gibt beides. Der gefühlte Unterschied beruht vor allem auf dem Phänomen, dass Autoren beider Richtungen sich gegenseitig nur sehr verschwommen bzw. ausschnitthaft wahrnehmen. Es mag dies mit dem positiv formuliert komplexen Erscheinungsbild beider Bereiche zusammenhängen, vielleicht aber auch damit, dass die eigene Berufsidentität das jeweils Andere zur Abgrenzung und Profilierung benötigt. Der neue Schwerpunkt wird diese Tendenz abschwächen, weil beide Zugänge sich wechselseitig ineinander spiegeln und damit über ihre Spezifik aufklären werden. Der reale Unterschied ist aber sicher auch vorhanden und soll an einem markanten Punkt verdeutlicht werden. Ich nenne es den Unterschied zwischen der Lockerungs - und Grabungs-Methode. Die Lockerungs-Methode ist die der Psychomotorik. Sie beruht auf spielerischem Anschmecken und Ausprobieren, auf (Selbst-)Infantilisierung und Spiegelung in selbstgeschaffenen Symbolisierungen sowie auf Selbstwertstärkung durch Bewegungserfahrungen. Die Symbolisierungen stehen mehr im Dienste der Selbstwerdung, der Ressourcenarbeit und Resilienzförderung. Bleiben wir im Bild, so wird der Boden durchlüftet, aber nicht umgegraben. Bei aller Einseitigkeit des Vergleichs ist dies die Methode der Körperpsychotherapie oder zumindest der Verfahren in der Reichianischen Tradition. Hier geht es darum, dem Prozess weiter zu folgen, auch schmerzhafte Erinnerungen hochkommen zu lassen und sich Seiten von sich selbst anzuschauen, denen wir nur allzu gerne ausweichen. Nicht der Schmerz ist das Ziel dieser Art von Körperpsychotherapie, aber durch den Schmerz hindurch zu mehr Liebe, Freude und Autonomie zu gelangen. Kann man nun entscheiden, welche Methode besser, tiefer oder gehaltvoller ist? Wohl kaum. Es geht darum, welcher Weg für wen der bekömmlichere und passendere ist. Es gibt dafür keine feststehende Regel. Wer sich von der KPT angesprochen fühlt, kann nun diesen Weg im Rahmen des MA-Studiengangs Motologie gehen. Das Spektrum dessen, was mit und durch Körper und Bewegung thematisierbar ist, wird sich dadurch erweitern. Und darin liegt sicher der wichtigste Gewinn. Die Grabungs-Methode stellt auch andere Anforderungen an den Therapeuten und an das Setting. Man benötigt mehr Schutz und Verbindlichkeit, um auch Unliebsames und Belastendes aushalten und containen zu können (vgl. Beitrag Wolf i.d.h.). Aber auch die entwicklungsfördernde Arbeit benötigt ihr Setting und ihr stützendes und ermutigendes Beziehungsangebot. Deshalb gilt auch hier, die Methoden und die Settings sind verschieden, aber gleichwertig. Wie könnte nun die KPT von der Motologie profitieren? Mir ist bewusst, dass es schwierig ist, von der KPT zu sprechen. Die KPT stellt sich dem Betrachter überwiegend als ein Feld von Meisterund Meisterinnenlehren dar, die sich durch Mixturen ständig ausweiten. Die Schüler werden selbst Meister und gründen ihre eigene Lehre. Die Wissenschaft hat hier grundsätzlich eine zentripedale Gegenwirkung. Sie sucht nach Gemeinsamkeiten, Wirkfaktoren, konzeptübergreifenden Aspekten und abstrahiert von so manchen Steckenpferden der Meister und Meisterinnen. Durch das Lehrbarmachen entstehen Systematisierungstendenzen, geistige Landkarten werden gezeichnet, Lehrtexte verfasst und Kontroversen geführt. Das soll die Meisterlehren nicht überflüssig machen, es kann sie aber ergänzen. Die Meister- und Meisterinnenlehren bleiben weiterhin die Essenz unserer Zunft. Das haben wir bereits in der Psychomotorik gelernt. Außerdem wird die Evaluationsfrage ohne Einsatz wissenschaftlicher Methoden nicht zu lösen sein. Die weitere Etablierung und Legitimation der KPT wie der Psychomotorik hängen wesentlich hiervon ab sicher keine neue Erkenntnis, aber eine, die das Zusammenspiel von Meisterlehre und Wissenschaft ebenfalls betont. Was hat die Motologie sonst noch zu bieten? Den Zusammenhang von Bewegungsentwicklung und psychodynamischer Entwicklung zum Beispiel. Es ist interessant, dass die KPT aus meiner Sicht kein differenziertes Bewegungsverständnis entwickelt hat, obwohl einzelne Verfahren den Bewegungsbegriff im Titel tragen. Es ist deshalb auch mit konzeptionellen Erweiterungen zu rechnen nicht nur zum Bewegungsverständnis. Dennoch muss klar sein, dass die Motologie eine erweiterte Einführung in das Feld der KPT plant und keineswegs den Anspruch hat, die KPT als Ganzes zu erfassen oder gar zu integrieren. Es geht darum, beide Diskurse und Kulturen in Kontakt zu bringen und wechselseitig von einander zu lernen. Dabei müssen auch institutionelle Fragen wie die Therapieberechtigung von M.A.-Motologen außerhalb von Kliniken noch im Blick behalten und geklärt werden. Es ist also ein Anfang, den wir wagen und auf den wir uns freuen. Literatur Eckert, A. (2004): Bewegtes Sein Eine körperenergetische Betrachtung psychomotorischer Praxis. In: H. Köckenberger/ R. Hammer (Hrsg.), Psychomotorik (S ). Dortmund: Modernes Lernen. Geuter, U. (2000): Historischer Abriss zur Entwicklung der körperorientierten Psychotherapie. In: F. Röhricht (Hrsg.), Körperorientierte Psychotherapie psychischer Störungen (S ). Göttingen: Hogrefe. Seewald, J. (2007): Der Verstehende Ansatz in Psychomotorik und Motologie. München: Reinhardt. Stolze, H. (2002): Die konzentrative Bewegungstherapie. Grundlagen und Erfahrungen (2. Aufl.). Berlin: Verlag Mensch und Leben. Weizsäcker, V. v. (1950): Der Gestaltkreis. Theorie der Einheit von Wahrnehmen und Bewegen. Stuttgart: Thieme. 54

11 Anke Abraham Wir waren hier auf eine so wunderbare Art gleich Erfahrungen mit der Konzentrativen Bewegungstherapie in der universitären Lehre Der Beitrag erinnert an die Wurzeln der Konzentrativen Bewegungstherapie und plädiert vor einem bildungstheoretischen Hintergrund und eigenen Praxiserfahrungen für eine verstärkte Nutzung dieses Verfahrens in der universitären Ausbildung. Einleitung Die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) hat sich seit ihrer so lautenden vorläufigen Benennung durch Stolze im Jahre 1958 (vgl. Schmitz 2004, 18f.) und seit Gründung des Deutschen Arbeitskreises für Konzentrative Bewegungstherapie (DAKBT) im Jahre 1975 durch Kost (vgl. Schwarze/Purschke- Heinz 2005, 7f.) zu einem fachlich anerkannten und etablierten körperbezogenen psychotherapeutischen Verfahren entwickelt zahlreiche Publikationen, eine eigene Zeitschrift, rege Tagungs- und Forschungsaktivitäten, ein stetig wachsender Mitgliederkreis und vor allem die erfolgreiche Arbeit in Kliniken und freier Praxis in einem breiten Anwendungsfeld dokumentieren dies. Zentrale Tätigkeitsfelder der KBT liegen traditionsbegründet in der klinisch orientierten psychotherapeutischen Behandlung (insbesondere im Bereich der Psychosomatik, der neurotischen Störungen, der Depression und der Traumabewältigung) und entsprechend ist auch die umfangreiche psychoanalytisch und entwicklungstheoretisch orientierte Weiterbildung in diesem Verfahren auf die Bedarfe in therapeutischen und klinischen Settings ausgerichtet. Schaut man sich die Wurzeln der KBT an und hier vor allem die Anliegen und Leistungen Elsa Gindlers so verwundert es ein wenig, dass die im Kern auf eine allgemeine Bildung ausgerichtete Idee des körperbezogenen Gewahrens und Nachspürens, wie sie Gindler gelebt und vermittelt hat, im Rahmen der Entwicklung der KBT nicht systematisch auch für die pädagogische Praxis ausgebaut wurde. Dabei erweisen sich die Grundgedanken Gindlers als ausgesprochen tragfähig, um typische Schwächen, Ausblendungen und Einseitigkeiten etwa des alltäglichen Körperumgangs und körperbezogenen Handelns, aber auch des schulischen und universitären Lehrens und Lernens bewusst zu machen und bildungsbezogene Gegenmodelle sowie konkrete und erweiternde Gegenerfahrungen zu ermöglichen. In diesem Sinne bemerkt Offergeld, der über langjährige Erfahrungen mit KBT-Selbsterfahrungsseminaren in der universitären Lehre verfügt, dass in der wissenschaftlichen Ausbildung die Bedeutung der konkret erlebten Beziehungserfahrungen ( ) vernachlässigt wird (Offergeld 2006, 305). Und er stellt zu recht fest: Pädagogisch-psychologische Fachkompetenz kann nicht allein durch Wissensvermittlung erworben werden. Für angehende Lehrer, Psychologen, Mediziner und Theologen ist es unbedingt notwendig, die eigene soziale Kompetenz und Beziehungsfähigkeit zu schulen und zu intensivieren (a.a.o., 307). Um die Konzentrative Arbeit im Geiste Gindlers für die universitäre Ausbildung produktiv nutzen zu können, ist eine systematische Auseinandersetzung mit den Chancen und mit möglichen Stolpersteinen unabdingbar: Wie wirken Angebote auf die Studierenden in der aktuellen Wahrnehmung und Auseinandersetzung? Welche (mitunter massiven) Widerstände treten auf und womit hängen sie zusammen? Welche Effekte zeitigen die Angebote und wie nachhaltig sind die Veränderungen? Hier steht noch erhebliche Forschungsarbeit aus. Der vorliegende Beitrag möchte in diesem Zusammenhang folgendes leisten: 1. Die Idee Gindlers mit aktuellen bildungstheoretischen Überlegungen verzahnen und zeigen, inwiefern hier besondere Chancen der Selbstbildung und Selbstentwicklung liegen; 2. mit Blick auf den Alltag universitären Lehrens und Lernens die produktive Spannung und die Lerngewinne deutlich machen, die in der Begegnung mit dem Ungewohnten liegen; und 3. nötige Rahmenbedin- Anke Abraham (Dr. phil. habil.) ist Soziologin und Sportwissenschaftlerin und seit 2004 Professorin an der Philipps-Universität Marburg, Institut für Sportwissenschaft und Motologie. Sie leitet dort den Arbeitsbereich Psychologie der Bewegung und ist Mitglied mit Zertifikat im Deutschen Arbeitskreis für Konzentrative Bewegungstherapie (DAKBT e.v.). Anschrift der Verfasserin: Philipps-Universität Marburg, Institut für Sportwissenschaft und Motologie Barfüßerstraße 1, Marburg Telefon: /

12 Wir waren hier auf eine so wunderbare Art gleich gungen markieren, die (aus eigener Erfahrung) unabdingbar sind, um Gewinn aus der Arbeit mit der KBT (und vergleichbaren Verfahren) ziehen zu können. Die Ideen Elsa Gindlers im Horizont bildungstheoretischer Überlegungen Die Anfänge der KBT reichen zurück in die Zeit der Rhythmus- und Gymnastikbewegung in Deutschland. Die großen Pionierinnen dieser Zeit zu denen in meinen Augen vor allem Elsa Gindler, Dore Jacobs und Trudi Schoop gehören eint eine zunehmende Sensibilität gegenüber den wachsenden Bedrohungen durch Verstädterung, Industrialisierung, Mechanisierung und Erhöhung des Lebenstempos zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihr zivilisationskritisches Denken kreist um die Suche nach einer organischen und menschengerechteren Ansprache des Körpers, der Sinne und des Geistes, um den diagnostizierten Belastungen und Einschränkungen des Bewegungshandelns, Fühlens und Denkens zu begegnen und die ganze Fülle menschlicher Ausdruckskraft und Schaffensfähigkeit zur Entfaltung zu bringen. Renate Schwarze umreißt die Arbeitsweise Gindlers so: Elsa Gindler kam aus der Gymnastikbewegung dieser Zeit. Sie arbeitete mit ihren Schülern an der Regenerationsfähigkeit des Organismus. Die von innen kommende Lebendigkeit wurde dadurch geweckt, dass Bewegungen wahrgenommen und gespürt wurden, statt sie mechanisch, einem Leistungs- und Schönheitsideal entsprechend, auszuführen. ( ) Elsa Gindler experimentierte damit, die Erfahrbereitschaft des Menschen zu wecken. Sie fand heraus, dass durch wache Aufmerksamkeit Neues erfahren wird (Schwarze 2005, 7f.). Wilhelm hebt folgende geniale Leistung Gindlers hervor: die Menschen so führen und ansprechen, dass sie die einfachsten Dinge ( ) ganz tun, nicht nur mit vollem Bewusstsein, sondern mit einer totalen Präsenz der Person, was ganz wesentlich mehr ist (Wilhelm 1984, 236). Mit dem Anliegen, die Übenden zu einer Erfahrbereitschaft anzuregen, widersetzt sich Gindler der gängigen Entwicklung, dass der erwachsen werdende Mensch sich immer mehr Routinen aneignet, die er für ausreichend hält, sein Leben zu bewältigen, und damit die Fähigkeit verliert, jede Handlung als eine neue Herausforderung zu erleben und neue Situationen als ganze Person mit Körper, Geist und Seele zu beantworten, mithin: in Gefahr steht, der lebendigen schöpferischen Kräfte verlustig zu gehen. Die Folgen sind Abstumpfung, Verkrampfung, Überlastung, Niedergeschlagenheit und innere Leere. In körperbezogenen und sinnengetragenen pädagogischen Überlegungen wird den Intentionen Gindlers seit geraumer Zeit Rechnung getragen. Exemplarisch sei dies an den Einlasssungen von Horst Rumpf verdeutlicht: Rumpf begreift die leiblich-sinnlichen und ästhetischen Modi der Erkenntnis und Aneignung von Welt als beständiges Reservoir für die Generierung eines lebendigen, erfahrungsgesättigten und persönlich mit allen Fasern des Seins durchdrungenen Wissens. In Bildungsprozessen sei daher Staunkraft anzuregen: Es handelt sich um jenen Erfahrungswiderstand, der sich in einem Innehalten niederschlägt ( ) in einer Verlangsamung und Intensivierung, die wir gewöhnlich mit Ausdrücken wie Befremdung, Staunen, Irritation, Zweifel oder auch Fasziniertsein oder Nachdenklichwerden umschreiben. Etwas verliert uns seine Selbstverständlichkeit (Rumpf 1998b, 17). Geradezu chronisch scheitert die Umsetzung solcher Intentionen jedoch an einer verkopften und vom Beschleunigungswahn erfassten Bildungsplanung, die den möglichst schnellen, großen und abprüfbaren Input und Output von Wissenselementen für das Maß aller Dinge hält für das nötige und im pädagogischen Sinne überhaupt erst fruchtbare Verweilen, für das Sich-Einlassen und Wirken- Lassen und für das Tun um der Dinge selbst Willen aber keinen Spielraum lässt. Rumpf nennt diese Form und Qualität des Wissens, das von vermeintlichen Kennern in die Köpfe von vermeintlich Unwissenden verfrachtet werden soll und das Schulen wie Hochschulen gleichermaßen verstopft, wenig schmeichelhaft Fertigwissen (Rumpf 1998a). Will man Menschen nicht auf mechanische Tätigkeiten reduzieren oder sie wie ein maschinenanaloges Informationsverarbeitungssystem ansprechen, so ist etwa ganz im Sinne Schleiermachers (vgl. dazu Eckert/ Schulte 2002) die Eigenwürde und Eigentümlichkeit des Einzelnen ernst zu nehmen und es sind Spielräume zu eröffnen, die Chancen zur Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit und Selbstbildung bieten (vgl. dazu etwa auch Liegle 2002). Das Angebot einer Gegenwelt Nutzt man die Konzentrative Bewegungstherapie als eine Methode, die weit reichende Prozesse der Selbsterfahrung und der Gruppenerfahrung initiieren kann, so schafft man damit einen Spielraum, der Studierenden neue Möglichkeiten der Erfahrung bietet. Möglichkeiten, die in einem produktiven Kontrast zu den gewohnten Routinen, Erwartungen und Haltungen stehen, die Studierende aufgrund ihrer leistungsbezogenen Sozialisation biographisch mitbringen und die ihnen universitär, mitunter bis zur Unerträglichkeit, abverlangt werden man denke etwa an die fast bulimische Art, mit der Wissensmengen reingezogen und wieder ausgespuckt werden müssen. In einem KBT-Seminar wird die Chance eröffnet, auf eine bisher unbekannte Weise in einen achtsamen und wertschätzenden Dialog mit Gegenständen, mit anderen Menschen und mit sich selbst einzutreten. Nicht das (ab-)wertende Urteil, das besser oder schlechter sein oder ein richtig oder falsch geben hier den Ton an, sondern das Gewahren des Wie mithin das Interesse an den Qualitäten der Dinge, die Würdigung ihrer je eigentümlichen Besonderheit, das reagible Lauschen auf das, was die Begegnung mit dem Anderen (dem Gegenstand, der Person, der Situation) an mir und in mir jeweils auslöst und die Würdigung der Vielfalt möglicher Reaktionen und Effekte bei mir und bei anderen. Die Einfühlung in die eigene Befindlichkeit, das (sensorische) Wahrnehmen und (emotionale) Annehmen des eigenen Körpers und die Entwicklung einer differenzierten Unterscheidungsfähigkeit für materiale und leiblich-affektive Qualitäten sind unabdingbare Voraussetzungen für die Fähigkeit, sich im Rahmen professioneller Kontexte (etwa in helfenden Berufen) in andere Menschen einfühlen, ihre Einzigartigkeit annehmen und mit ihnen in einen respektvollen Austausch kommen zu 56

13 können. Wachsam zu sein für das, was mir da entgegenkommt, meine und fremde Reaktionen wahrnehmen und einordnen zu können, nicht vorschnell zu urteilen, sondern noch einmal genau hinzusehen und Vorurteile zu überprüfen, offen zu sein für Gegensichten all dies sind Kompetenzen, die sich nicht vermitteln oder anlesen lassen, sondern die nur im Durchgang durch die eigenleibliche Erfahrung sukzessive gewonnen werden können. Studierende profitieren in KBT-Seminaren sichtlich von einer Gegenwelt : Das Innehalten und Zu-sich-Kommen abseits von Uni- und Alltagsstress, das Ausprobieren neuer Haltungen in einer angstfreien und humorvollen Atmosphäre, das Experimentieren mit alltäglichen und mit befremdenden Bewegungen, die bewusste Begegnung im leiblichen Dialog etwa beim Führen und Geführtwerden durch den Raum, beim Tragen und Bewegen des Beines eines Partners, beim Rangeln mit den Füßen, all dies bietet die Chance, sich selbst und anderen neu zu begegnen, neue Möglichkeiten für sich zu entdecken und wachsamer zu werden gegenüber dem vermeintlich Selbstverständlichen oder Unabänderbaren. Die nachfolgenden Aussagen von Studierenden mögen, in der hier gebotenen Kürze, zumindest einen kleinen Eindruck davon vermitteln, welche Prozesse des Gewahrens, Fühlens und Denkens durch KBT-Angebote angeregt werden können: Interessante Erfahrung, sich des Gehens, des Abrollens der Füße bewusst zu werden. Nach dieser Übung (Abrollen und Wiederaufrichten der Wirbelsäule im Stehen) stehe ich stabiler. Ich bin wacher und ruhiger. Ich nehme mein Gewicht und den Boden unter mir deutlicher wahr. Ich musste mich beim Stoppen der Laufbewegung entscheiden, ob ich sicher stehen will oder eine große Geste machen will. Beides zusammen ging nicht. Ich habe mich für das Erste entschieden. Ich bin beim Stoppen der Bewegung immer in das gleiche Muster verfallen ich kam da gar nicht mehr raus! Ich wurde immer mutiger beim Modellieren (den Partner in verrückte Stellungen bringen). Es gingen mehr Sachen, als ich vorher gedacht hatte. Es war eine tolle Erfahrung, in Stellungen hineinzukommen, die ich von mir aus als Mann nie ausprobiert hätte. Diese Beispiele zeigen, dass durch Bewegungsangebote neue Wahrnehmungen ermöglicht werden und dass sich in dem Umgang mit Herausforderungen immer auch bestimmte, biographisch gewordene Muster zeigen. Durch das Gewahren des eigenen Handelns und Erlebens können diese Muster Zentrum für Aus- und Fortbildung in Psychomotorischer Praxis Aucouturier Neuerscheinung der Autorin von Beweg-Gründe : Beziehung wagen von Marion Esser, proiecta-verlag Dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung Nächster Ausbildungsbeginn: Ende 2010 Fortbildungen (Auszüge) Beweg-Gründe Einführungskurs; Teil I alternativ: in Frankfurt/Main Ich hab zwei Mamas! PPA mit Pflegekindern PPA mit autistischen Kindern PPA in der Arbeit mit Jugendlichen in Frankfurt/Main Ausführliches Programm und Information: identifiziert und sie können auf ihre Tauglichkeit hin befragt werden, im spielerischen Erproben können Erweiterungen des Repertoires entdeckt werden. Rahmenbedingungen Sinnverstehende Entwicklungstherapie (SET) Das Sich-Einlassen auf vermeintlich uneffektive oder nicht zielführende Aufgaben, vor allem aber auch auf sich selbst fällt gerade Studierenden oft sehr schwer: Sie stehen unter Leistungs-, Erfolgs- und Konkurrenzdruck, sie müssen sich diszipliniert mit vorgegebenen Studieninhalten befassen, Mit SET lernen Sie, die Botschaften kindlicher Symptome zu verstehen und gemeinsam mit den Kindern schwierige und traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Dadurch werden Entwicklungsblockierungen gelöst und leichteres Lernen ermöglicht. Start neuer Lehrgang: Informationen und Anmeldung: IBP Institut Wartstrasse Winterthur Oktober 2010 in Winterthur T +41 (0) F +41 (0)

14 Wir waren hier auf eine so wunderbare Art gleich sie sind ein Output-orientiertes Lernen gewohnt und sie bewegen sich als junge Erwachsene in beruflicher und privater Hinsicht häufig noch auf schwankendem Grund. Dies stärkt die Tendenz, am Gewohnten festzuhalten und dort Sicherheit zu suchen etwa an einer betonten Körperkontrolle, an der Demonstration von Leistung, an habitualisierten Mustern der Kontaktaufnahme, am Rückzug, der Verweigerung und Abwertung von Alternativen oder an bewährten und scharfen (Vor-)Urteilen. Diese Schülerwiderstände, wie sie ein Student in einem meiner KBT-Seminare einmal genannt hat, sind verständlich und es ist Teil der gemeinsamen Arbeit, diese Widerstände sichtbar und erlebbar zu machen, sie besser zu verstehen und vor dem Hintergrund des jeweils gegebenen konkreten und individuellen Erlebenszusammenhangs nach Alternativen des Wahrnehmens, des Fühlens und des Handelns zu suchen. Wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Bereitschaft zu einem Sich-Einlassen auf Ungewohntes und eine sensible Arbeit an der Beziehungsfähigkeit entstehen kann, liegen darin, dass a.) der Handlungsraum entlastet ist von Leistungs- und Konkurrenzdruck (die Durchführung eines KBT-Seminars als ein unbenotetes, gleichwohl aber anrechnungsfähiges Lehrangebot kann Studierenden signalisieren: Hier wird sehr wohl etwas geleistet, aber es wird nicht im traditionellen Sinne bewertet, sondern der Wert ergibt sich durch das, was ich für mich erarbeite), dass b.) eine wertschätzende und Vertrauen gebende Atmosphäre geschaffen wird und dass c.) für die Studierenden in vielfältiger Weise die Chancen erlebbar werden können, die in dem anderen, verlangsamten, intensivierten und konkreten Umgang mit den Dingen liegen dazu bedarf es der Kreativität der oder des Leitenden, aus dem breiten Methodenspektrum der KBT jeweils solche Angebote spontan zu entwickeln, die im Prozess auftauchende Fragen und Probleme aufgreifen und die Spielräume zur Entdeckung vertrauter wie neuer Antworten bereitstellen können. Die Kurs-Erfahrungen, die ich bisher im Rahmen der Lehramtsausbildung Sport sowie im Master Motologie und im Master Abenteuer- und Erlebnispädagogik mit der KBT machen konnte, haben gezeigt, dass gerade im Bewegungsbereich die Widerstände gegen ein Sich-Einlassen auf das Nachspüren besonders groß sind und tradierte inkorporierte Habitualisierungen allen voran die Behandlung des (eigenen) Körpers als manipulierbares Objekt und Werkzeug und das zielführende Machen besonders wirkmächtig sind. Gleichwohl konnten auch hier viele Teilnehmer/innen von der Selbstbegegnung profitieren und eine neue Wachheit und Aufmerksamkeit für den eigenen Körper, für die eigene Befindlichkeit und für typische persönliche Wahrnehmungsund Handlungsmuster im Umgang mit Dingen entdecken. Um diesem neuen und feinfühligen Zugang jedoch tatsächlich Nachhaltigkeit verleihen zu können, wären sein Ausbau und seine Verstetigung an den Universitäten (und nicht nur hier) zu wünschen. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn sich Universitäten nicht als Wissensfabriken und Durchlauferhitzer für akademisches Personal verstehen, sondern dazu beitragen wollen, dass die hier Tätigen sich in einem umfassenden und ganzheitlichen Sinne selbst bilden und für andere bildend wirken können. Literatur Abraham, Anke (2006): Das Selbstverständliche neu entdecken Aktualität und Bildungswert der Gymnastik heute. In: Klaus-Jürgen Gutsche (Hrsg.), Aktualität und Bildungswert der Gymnastik (S ). Berlin: Reichmuth. Eckert, Manfred, Andrea Schulte (2002): Was mit Friedrich Schleiermacher zu PISA zu sagen wäre. In: Wolfgang Bergsdorf u. a. (Hrsg.), Herausforderungen der Bildungsgesellschaft (S ). Weimar: Rhino. Gindler, Elsa (1984): Die Gymnastik des Berufsmenschen. Von Elsa Gindler (1926). In: Helmuth Stolze (Hrsg.), Die Konzentrative Bewegungstherapie (S ). Berlin: Springer. Liegle, Ludwig (2002): Bildungsprozesse in der frühen Kindheit: Der Vorrang von Selbstbildung. 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15 Dorothee Beckmann-Neuhaus Mototherapie und Körperpsychotherapie ein Blick aus der klinischen Praxis Stellungnahme zum neuen Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie im Studiengang Motologie Nach einer kurzen Gegenüberstellung der körperpsychotherapeutischen Grundlagen und des motologischen Ansatzes in der Arbeit mit Erwachsenen werden Aufgaben und Anforderungen an die Körper- und Bewegungsarbeit in den unterschiedlichen Praxisfeldern dargestellt, um so eine Grundlage für die Einschätzung einer körperpsychotherapeutischen Orientierung in der mototherapeutischen Praxis zu bieten. Einleitung Mototherapie und Körperpsychotherapie wo ähneln, wo unterscheiden sich diese beiden Ansätze in der praktischen Arbeit, wo können den MotologInnen körperpsychotherapeutisches Wissen und körperpsychotherapeutische Verfahren in der praktischen Tätigkeit nützlich sein: Eine Stellungnahme zu dem geplanten Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie in dem Studiengang Motologie aus der Perspektive des klinischen Praktikers und des Berufsverbandes der Motologen ist Auftrag dieses Artikels. Vor einer näheren Betrachtung soll zunächst betont werden, dass eine Intensivierung der motologischen Ausbildung und Forschung für den Erwachsenenbereich sehr zu begrüßen ist. Nach der anfänglichen Konstituierung und Verankerung dieses Arbeitsfeldes Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre war dies nicht immer der Fall, bestand sogar kurzfristig die Gefahr, dass dieses Arbeitsfeld aufgrund der Neukonstituierung des Studiengangs reduziert werden müsste. Die Wiederraufnahme intensiverer Bestrebungen entspricht der zunehmenden Beachtung und Bedeutung, die der Bewegung im Arbeitsfeld der Erwachsenen zukommt, wie sich an verschiedenen Kongressen, zahlreichen Veröffentlichungen und auch der Forschung zeigt. 1 Zu der momentanen Entwicklung gehört auch so zeigen Arbeitsgruppen und Veröffentlichungen sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen körper- und bewegungsorientierten Ansätze auszutauschen. Das ist gut so und es bleibt zu hoffen, dass sich aus den verschiedenen bilateralen Beziehungen zunehmend ein multilaterales Forum entwickelt, um so der Komplexität des Themas mit Vielschichtigkeit zu begegnen. Während es an anderer Stelle um die Vereinbarkeit der Selbstverständnisse der körperpsychotherapeutischen und des mototherapeutischen Ansatzes gehen muss, ist hier die Fragestellung, in welcher Weise eine körperpsychotherapeutische Schwerpunktsetzung in der Ausbildung für das bewegungstherapeutische Arbeitsfeld des Motologen sinnvoll sein kann. Neben Studienund Forschungsergebnissen hierzu (z. B. Hölter 2006, Gentsch/Jung 2004) soll dies überwiegend auf der Grundlage der Erfahrungen aus meiner klinischen Tätigkeit geschehen. Dass es hier nicht um eine vereinzelte Einschätzung geht, zeigt die Zustimmung und Ergänzung der Darstellungen durch andere im klinischen Erwachsenenbereich tätige Motologen nach einer Vorabvorlage dieses Artikels. Für eine Stellungnahme scheint es zunächst sinnvoll, kurz die wesentlichen Aspekte beider Ansätze kurz dar zu stellen. Nach den anfänglichen Profilgebungen und damit ver- 1 Hier haben insbesondere die akademischen Körperpsychotherapeuten z. B. Joraschky, u. a. (2009), Röhricht (2000), Marlock/Weiss (2006) einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz von Körper- und Bewegungsarbeit durch ihre Grundlagen- und Forschungsarbeiten geleistet. bunden Abgrenzungen zeigen sich nun zunehmend in allen körper- und bewegungsorientierten Therapien Überschneidungen, Überlappungen und Annäherungen (vgl. Seewald i.d.h.) sowohl in Bezug auf die zu Grunde liegenden Theorien als auch in den Zielsetzungen und inhaltlichen Angeboten der Therapien. Nichtsdestotrotz scheint es so, dass der Ausgangspunkt und Kern jedes Ansatzes weiterhin wesentlich bleibt. Deshalb soll hier in akzentuierter Form Dorothee Beckmann-Neuhaus (Dipl.-Motologin, Sportpädagogin) Seit 1987 zuständig für den Bereich Mototherapie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätskliniken Münster Fortbildungstätigkeit für Hochschulen und Bildungsträger. Vorsitzende des Berufsverbands der Motologen Diplom/ Master e.v. Anschrift der Verfasserin: Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätskliniken Münster Albert-Schweitzer Straße Münster Telefon: / ukmuenster.de 59

16 Mototherapie und Körperpsychotherapie ein Blick aus der klinischen Praxis der Kern der Körperpsychotherapie sowie der Mototherapie dargestellt werden. Die Körperpsychotherapie Körperpsychotherapie bedeutet Verfahrensvielfalt, denn unter diesem Begriff sammeln sich unterschiedliche körperlich orientierte Psychotherapieverfahren - wie z. B. Bioenergetik, Biosynthese -, denen gemeinsam ist, dass sie tiefenpsychologisch gegründet und auf die Aufdeckung unbewussten Geschehens ausgerichtet sind. Reich wird als Begründer der Körperpsychotherapie angesehen, mit Lowen entstand die Bioenergetik als eine erste Form der Körperpsychotherapie. Nach Reich entwickelte sich die Körperpsychotherapie in unterschiedliche Richtungen weiter (Thielen 2008). Den verschiedenen Körperpsychotherapieschulen ist die Arbeit mit dem Körper als Kennzeichen gemeinsam. Zwischen diesen Schulen gibt es jedoch eine Vielzahl an theoretischen und praktischen Unterschieden. Nach Geuter (1996) lassen sich diese in drei Hauptströmungen kategorisieren: in die energetischen Linie, die durch den Abbau körperlicher Blockaden auf den Zugang zu Affekten abzielt (Schatz 2002, 80), in die funktionale oder bewegungsorientierte Linie, in deren Ansätze Symbolisierungs- und Ausdrucksgehalt für eine psychoanalytische Bearbeitung und Deutung genutzt wird, und die dialogische Linie, in deren Ansätze körperliche Prozesse des Beziehungsgeschehen der Analyse des Übertragungsgeschehens und so der Aufdeckung unbewussten Geschehens dienen (Schatz 2002, 81). Arbeitstechniken sind u.a. Techniken zur Entladung, Entspannungstechniken, Körperarbeit durch Berührungen sowie körperorientierte Rollenspiele (Thielen 2008, Schatz 2002). Als Körperpsychotherapeut wird von der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie anerkannt, wer eine Weiterbildung in einer der anerkannten Methoden vorweisen kann. Körperpsychotherapeuten mit dem Grundberuf des approbierten Psychotherapeuten wie Tiefenpsychologe, Psychoanalytiker können in ihrem Arbeitsfeld der abrechenbaren Therapieangebote im Klinik- oder Praxisbereich die körperpsychotherapeutischen Methoden integrieren. Das Arbeitsfeld der Körperpsychotherapeuten mit einem Grundberuf, z. B. aus dem physiotherapeutischen oder sozialpädagogischen Bereich, liegt nach meiner Einschätzung insbesondere in der Psychosomatik oder als Therapie-/ Beratungsangebot auf der Grundlage des Heilpraktikergesetzes in einer freien Praxis. Eine Abrechnungsmöglichkeit über die gesetzlichen Krankenkassen ist hier wenig gegeben. Möglich ist, dass in Zukunft auch ein körperpsychotherapeutisches Verfahren als eigenständige Methode eine Anerkennung durch die Krankenkassen erfährt. Es ist jedoch eher anzunehmen, dass eine Abrechnungsfähigkeit an den ärztlichen bzw. psychologischen Grundberuf gekoppelt bleiben wird (s. Beitrag Thielen i.d.h.). Die Mototherapie für Erwachsene Aus der Meisterlehre der Psychomotorik (Seewald 1991), die die Erziehung/ Therapie über Bewegung intendierte, entstand Anfang der 80er Jahre der Studiengang Motologie, in dem sich in den nächsten Jahren im wesentlichen drei Ansätze für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelten. Mit seiner Übernahme des mototherapeutischen Lehrstuhls im Jahr 1984 entwickelte Hölter auf der Grundlage seiner bewegungstherapeutischen Erfahrungen aus den USA, die ihm die Verbindung von Bewegungstheorien zu tiefenpsychologischen Persönlichkeits- und Entwicklungstheorien und eine psychotherapeutisch ausgerichtete Praxis vermittelt hatten, das Konzept der Mototherapie für Erwachsene (Hölter 1993, 2008). Es zeichnet sich insbesondere durch die themengebundene Arbeit aus, die die Bedeutung der Bewegung und des Bewegungserlebens vor einem entwicklungspsychologischen und psychoanalytischen Hintergrund betrachtet. 2 Über diese themenorientierte Bewegungsarbeit als Medium der Psychotherapie hinaus erweiterte Hölter später das Therapiekonzept, in dem der Motothe- 2 Diese neue Sicht in der Motologie setzte auch einen Impuls für die sinnverstehende Betrachtung der Bewegung, wie sie sich im weiteren in dem verstehenden Ansatzes (Seewald1992) zeigte. rapie auf einem salutogenetischen Verständnis weitere z. B. kompetenzorientierte Zielorientierungen zugeschrieben wurden (Hölter 1993). Haas (1995) entwickelte das Konzept der Angewandten Motologie auf der Grundlage einer Entwicklungspsychologie über die Lebensspanne. Die Mototherapie für Erwachsene ist danach kein fest umschriebenes Verfahren, sondern ein sinnhaftes Therapieangebot mit Inhalten aus dem bewegungs- und sportwissenschaftlichen Bereich wie auch aus körperorientierten Ansätzen, das der Motologe auf der Basis von Grundlagentheorien u. a. Entwicklungspsychologie, Psychoanalyse, Bewegungswissenschaften - und einem daraus entwickelten Verständnis für den jeweiligen Patienten, seiner Problematik und seinen Ressourcen, sowie mit Hilfe von didaktischen und methodischen Konzepten entwickelt. Allgemeine übergeordnete Zielsetzungen sind die Förderung der Selbstwahrnehmung und des Selbsterlebens sowie des Selbstverstehens und der Selbstregulation. Auf der Grundlage eines sport- und bewegungswissenschaftlich orientierten Grundstudiums und dem darauf aufbauenden Motologiestudium vertiefen Motologen ihr Wissen für die Arbeit im Erwachsenenbereich in Fort- und Weiterbildungen aus dem psychotherapeutischen Bereich (z. B. Gesprächspsychotherapie, systemische Therapie) oder/und zu bewegungspsychotherapeutischen oder körperorientierten Ansätzen. Das Berufsfeld der Motologen in der Erwachsenenarbeit liegt im klinischen Arbeitsfeld mit den psychiatrischen, psychosomatischen und forensischen Kliniken, in Einrichtungen der Behindertenhilfe wie auch in der Gesundheitsförderung. Die Mototherapie bietet im klinischen Bereich häufig ein adjunktives Therapieangebot, das z. B. in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätskliniken Münster als ein Angebot, das über das allgemeine Sport- und Bewegungsangebot hinausgehend, den Therapieprozess gezielt und unter spezifischer Indikationsstellung unterstützt. Gemeinsam sind der Körperpsychotherapie wie der Mototherapie für Erwachsene das zugrundeliegende Leibverständnis, wonach Körperlichkeit und Bewegungsgesamt wesentlich lebens- 60

17 geschichtlich, d. h. insbesondere durch Beziehungserfahrungen geprägt sind. Diese spiegeln sich im Körperausdruck und im Bewegungsgesamt wider. Während die Körperpsychotherapie die körperorientierte Arbeit im therapeutischen Prozess im wesentlichen in der Arbeit mit dem Körper sieht, versteht sich der motologische Ansatz als eine therapeutische Arbeit über die Bewegung. Die Körperpsychotherapie versteht sich als eine psychoanalytisch ausgerichtete Psychotherapie und legt ihren Fokus auf die Deutungs- und Übertragungsarbeit, während die Mototherapie als ein Therapieangebot auf unterschiedlichen Wirkebenen einsetzbar ist. Vor dem Hintergrund dieser kurzen Vorstellung der Ansätze soll im folgenden ein Blick auf die therapeutischen Arbeitsfelder die Aufgaben und Zielsetzungen von körper- und bewegungsorientierten Therapieangeboten aufzeigen. Psychosomatische Kliniken Aufgrund des engen Zusammenhangs von Körper und Psyche in den psychosomatischen Störungsbildern gilt die Psychosomatik als ein klassisches Anwendungsgebiet der Körperpsychotherapie. Wird hier in der bewegungsund körperorientierten Arbeit die Bedeutung des Symptoms als Ausdruck eines psychischen Konfliktgeschehens in den Mittelpunkt gestellt werden, so wären in diesem konfliktorientierten Therapieansatz körperpsychotherapeutische Interventionsmöglichkeiten und damit die Arbeit am Körper eine sehr wichtige Erweiterung der mototherapeutischen Handlungskompetenz. Neuere psychodynamische Therapieansätze gehen über eine Erklärung des Störungsbildes durch einen Grundkonflikt hinaus und schauen differenzierter auf die Ätiopathogenese somatoformer Störungen (Kruse 2008, 218). Für das psychosomatische Symptom verantwortlich ist danach nicht nur die Abwehr eines Konfliktes. Zur Entstehung trägt u. a. auch eine mangelnde Entwicklung von Affektwahrnehmung und Affektdifferenzierung als Folge von mangelnder oder inadäquater Affektspiegelung in der frühen Kindheit bei. Aufgrund misslungener Abstimmungsprozesse lernt das Kind nicht, Körpersensationen in seiner affektiven Bedeutung zu verstehen, es werden eine wenig differenzierte Affektwahrnehmung und darüber hinaus eine begrenzte empathische Fähigkeit entwickelt. Selbstfürsorge und Selbstregulation entwickeln sich nur eingeschränkt. Unter diesem Blickwinkel darf der Zugang zur Emotionalität nicht nur als ein energetischer Prozess mit der Lösung von Blockaden gesehen werden, sondern kann auch als eine Art Lernprozess betrachtet werden, der durch Körperwahrnehmungen und Körpererleben und auch durch das Selbsterleben in der Bewegung, z. B. in interaktionellen Bewegungssituationen initiiert werden kann. Beispiel Kommentar einer essgestörten Patientin mit starker kognitiver Kontrolle auf die Darstellung eines Patienten zu seinem Erleben in einer Bewegungssituation: Ich weiß gar nicht, was Ihr da alles wahrnehmt, ich habe so etwas gar nicht, woher nehmt ihr das? Antwort einer Mitpatientin: Ich kann dich gut verstehen. Bei mir war das zu Anfang auch so: ich habe mich auch gefragt, was die anderen da empfinden. Doch das ist jetzt anders geworden, ich wundere mich selbst, was ich dabei empfinden kann, wie ich Unterschiede in meinem Erleben spüren kann. Neben dieser Integration des körperlichemotionalen Erlebens kann die mototherapeutische Arbeit weitere Ziele der Psychosomatik (vgl. Kruse 2008), wie z. B. die Stärkung von Ich-Funktionen, die Förderung von Selbstregulation und Selbstfürsorge oder Hilfen zum Symptommanagement unterstützen. Psychiatrische Kliniken Psychiatrische Kliniken mit ihrem breit gefassten Versorgungsauftrag weisen zumeist ein multimodales Therapieangebot auf, das auf das bio-psychosoziale Ursachennetzwerk von psychischen Störungen ausgerichtet ist. Die Mototherapie mit ihren Möglichkeiten des Selbsterlebens wird in diesem Therapieangebot zu den sogenannten erlebnisorientierten Therapieformen gezählt, die als adjunktive Therapien in die stationsspezifischen Konzepte und das individuelle Therapiekonzept des Patienten integrierbar sein müssen. Zielsetzungen der Therapie ist zunächst zu einer Stabilisierung des Patienten bei zu tragen und einen Entwicklungsprozess in Richtung Gesundung zu unterstützen und zu fördern. Nur für einen Teil der psychiatrischen Patienten ist während des stationären Aufenthalts über eine gesprächstherapeutische Begleitung hinaus schon eine intensivere psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Neben einer psychotherapeutischen Ausrichtung im engeren Sinne sind damit supportive und edukative Ziele wie z. B.: Stabilisierung, Aktivierung des Selbst, Vermittlung von Kompetenzen zur Bewältigung von Symptomen wie Unruhe, Anspannung, Depersonalisationserleben - Ressourcenaktivierung, Differenzierung des emotionalen Erlebens, Selbstwertstärkung, Stärkung der Selbstwirksamkeit, Aufbau von Kompetenzen im interaktionellen Bereich für die Mototherapie relevant. Beispiele 1. Ein aus der akuten Phase der Schizophrenie herauskommender Patient zeigte weiterhin starke Rückzugstendenzen und Hemmungen in Interaktion zu treten. Über das Zuspielen eines Sandsäckchens wurde ein Bewegungsdialog initiiert, in dem der Patient nach einer ersten Phase des bloßes Reagierens mit wachsender Sicherheit Selbstanteile und Eigeninitiativen aufbaute. In dem im weiteren Verlauf angebotenen und dem Patienten gut bekannten- Badmintonspiel konnte er Ressourcen aktivieren und sich als aktiv erleben. In diesem Bewegungsdialog konnten über bewegungstherapeutische Interventionen die Themen Schutzraum, Ausweitung, Stärke, Energie, Aggression für den Patienten erfahrbar werden. 2. Ein Patient mit Erfahrungen im Kampfsportbereich berichtet nach einer Einheit, in der das erste Erlernen der Stockkampftechnik im Vordergrund stand: Es war gut, einfach mal wieder zu spüren, dass man auch kräftig sein kann, zu merken, dass die Kraft noch da ist. 61

18 Mototherapie und Körperpsychotherapie ein Blick aus der klinischen Praxis 62 und dann mit dem anderen einen gemeinsamen Rhythmus heraus zu finden das hat mir gut gefallen Natürlich ließe sich dieses Erleben mit dem Patienten auch auf entwicklungspsychologischem Hintergrund bearbeiten. Zu diesem Therapiezeitpunkt, der von vorsichtiger Entwicklung, aber auch noch von Instabilität gekennzeichnet war, erschien das Stark-fühlen-könnenund-dürfen und das Erleben von Kontakten jedoch als wichtiger und erwies sich als wirkungsvoll. Motologen können auf ein breites Erfahrungs- und Kenntnisfeld bzgl. Bewegungs- und Sportangeboten zurückgreifen, können so individuumszentriert Ressourcen des Patienten aufgreifen. Mototherapeutische Arbeit bedeutet, Bewegungsangebote gezielt auf das Individuum ausgerichtet an zu bieten, den Patienten in seinen Bewegungen und in seinem Bewegungserleben sinnhaft zu verstehen und über die Bewegung zu intervenieren. Das Bewegungserleben an sich kann auf dieser therapeutischen Ebene dann schon heilsam sein, da dem Patienten eine neue Form des In-der-Welt-Seins eröffnet wird und eine nachreifende Ich-Entwicklung durch das Experimentieren und Erleben entwicklungsspezifischer Bewegungsmöglichkeiten initiiert wird. Studien zu den Wirkfaktoren körperund bewegungstherapeutischer Ansätze bestätigen, dass aus Patientensicht das Erfahren des Körpers und des Selbst, das Erleben von Gruppenbeziehungen sowie das Erleben von Bewegung und Wohlbefinden in ihrer therapeutischen Wirkung ähnlich eingeschätzt werden wie die Möglichkeit der Einsicht in biographische Erfahrungen (Hölter 2006; Gentsch/Jung 2004). Die Wirkungen der Bewegungstherapie liegen nach Patientenmeinung nicht in ihrer Bedeutung im Bewusstwerdungsprozess, sondern teilweise sogar in erhöhter Weise - in dem Bewegungs- und Selbsterleben an sich. Ein Konzept der Mototherapie sollte dieser Meinung genügen und sein Angebot nicht reduzieren. Beispiel Ausdauerlaufen Dem Laufen wird vor dem Hintergrund entsprechender Forschungsergebnisse insbesondere bei depressiv Erkrankten (Broocks/Wedekind 2008) schon per se eine symptomreduzierende Wirkung zugesprochen. Hier gilt es zunächst, über eine methodische Aufarbeitung für den Einzelnen motivationale Schwierigkeiten zu überwinden helfen und einen positiv wirkenden Ablauf, der z. B. nicht durch Selbstüberforderung oder Vermeidungsverhalten gestört wird, aufzubauen. In diesem Zusammenhang können so problematische Überzeugungen thematisiert werden. In einem scheinbar kompetenzorientierten Vorgehen werden dann auch psychotherapeutische Ziele relevant (vgl. D. Beckmann-Neuhaus 2009). Mototherapie und Psychotherapie Mototherapeutische Arbeit als adjunktives Element der Psychotherapie in der Klinik muss auf die vorhandenen Psychotherapieangebote Bezug nehmen. Als psychotherapeutische Angebote finden sich in psychiatrischen Kliniken sowohl psychoanalytisch orientierte wie verhaltenstherapeutische Ansätze. Die strikte Polarisierung von Verhaltenstherapie und Psychoanalyse hat sich im letzten Jahrzehnt verändert. So bleibt z. B. die Verhaltensanalyse in der Verhaltenstherapie nicht mehr auf die aktuelle Lerngeschichte begrenzt, sondern sucht nach auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen in der ganzen Lebensgeschichte. Auf der anderen Seite zeigt sich in psychoanalytische Therapieformen wie z. B. in der Psychodynamischen Psychotherapie eine weitgehend untergeordnete Rolle von unbewussten intrapsychischen Konflikten und damit der Arbeit über Deutung und Übertragungsphänomenen, stattdessen eine Fokussierung auf aktuelle psychosoziale Konflikte und damit verbunden auch das Einbeziehen lerntheoretischer Elemente mit verhaltensmodifikatorischen Absichten. Auch wird einer supportiven Therapie zunehmend Beachtung geschenkt (Janssen 2002). Wie die Darstellungen zur Körperpsychotherapie zeigten, greift diese in ihrer Arbeit die Möglichkeiten unterschiedlicher Körperphänomene im psychoanalytischen Sinne im Hinblick auf entladende, symbolisierende und bezie- hungstragende Funktionen auf. 3 In der Mototherapie ist insbesondere die themenorientierte Arbeit in Zusammenhang mit der psychotherapeutischen Arbeit zu sehen. Über die allgemeine Zielsetzung des Zugangs und der Differenzierung zum Selbsterleben wird hier das Selbsterleben bzgl. problembehafteter Themen des Patienten wie z. B. zur Thematik Autonomie Abhängigkeit über das Explorieren, Erfahren, Erleben in der Bewegung angesprochen und im reflektierenden Gespräch aufgearbeitet. Ansatzpunkte der mototherapeutischen Arbeit sind hier Beziehungs- und Interaktionsmuster, in denen sich bewusste wie unbewusste Konflikte wie auch innere Überzeugungen widerspiegeln. Über die reflexive Leiblichkeit (Seewald 2003) des Selbsterlebens in den bewegungsorientierten Interaktionssituationen können Beziehungsmuster und Beziehungserleben verdeutlicht, ihr Ursprung und ihre Entwicklung erarbeitet und alternative Handlungsmuster exploriert und geprobt werden. Eine Bewegungstherapie im Dienste einer psychoanalytischen Ausrichtung ist hier über die Arbeit mit den Symbolisierungen, die der Patienten aus dem Bewegungserleben entwickelt, über die Exploration des Übertragungsgeschehens in dem Bewegungsdialog oder über die Analyse des Interaktionsgeschehens bzgl. des affektiven Erlebens der Bewegung im Sinne des Modells der affektmotorischen Schemata und Mikropraktiken (Downing 1996, 2006) zu sehen. Im Dienste einer verhaltenstherapeutischen Ausrichtung ermöglicht die themenorientierte Arbeit anhand des konkreten Interaktionsgeschehens, dysfunktionales, auslösendes oder aufrechterhaltendes Verhalten und innere Überzeugungen konkret zu erfahren und zu erkennen, eröffnet den Zugang zur Affektivität der Situation und unterstützt eine Umstrukturierung durch das Angebot eines konkreten Handlungsraums. Im Sinne der Schematheorie von Young (Young u. a. 2005, 2006) können die Themen als sogenannte Lebensthemen gesehen werden. Die 3 Kritische Betrachtungen bzgl. einer Psychologisierung des Körpers und der Vernachlässigung des subjektiven Körpererlebens werden von Körperpsychotherapeuten selbst genannt (Geuter 1996; Schatz 2002).

19 mototherapeutische Arbeit kann helfen, in der Reflexion des aktuellen Handlungsgeschehens Schemata und ihre Bewältigungsreaktionen zu erkennen und neue adäquate Verhaltensmuster zu entwickeln und zu erproben. Beispiel Erste Äußerungen von Patienten nach einer Therapieeinheit zum Thema Geben Nehmen, in der die Bewegungsformen bzgl. unterschiedlicher Dimensionen (Kraft, Raum und Zeit) exploriert wurden und eine Gruppeninteraktion zu der Bewegungsform initiiert wurde: Ich habe immer viel weniger genommen, als gegeben, Zu einem weit ausholenden Nehmen musste ich mich wirklich überwinden., Wenn ich das langsam mache, merke ich erst einmal, was das mit mir macht, Es war schön etwas zu bekommen, aber ich hatte das Gefühl, ich dürfte es nicht, Dir konnte man die Kugel nicht geben, du bist immer ausgewichen, Ohne Kugel war es auch schön, da hatte man keine Verantwortung, Einmal habe ich die Kugel einfach nicht genommen, Und dann habe ich etwas gemacht, was ich nie mache: ich habe mir die Kugel genommen. Über die Wahrnehmung der eigenen Bewegungsimpulse und -muster, des inneren Erlebens wie auch über die Rückmeldung der Wahrnehmungen des Partners lässt sich Zugang zu persönlichkeitseigenen Mustern und dahinterliegenden Motiven und Bedürfnissen finden. Beispiele Nach einem mototherapeutischen Angebot zum Führen und Führenlassen von Bewegungen durch den gemeinsamen Kontakt über einen Stab: Herr K: Ich habe auf der anderen Seite von Fr. A. gar keinen Gegendruck gespürt. Das war unangenehm so ohne klare Antwort, als wäre niemand dort. Fr. A. war eine sehr unsichere Persönlichkeit mit übermäßig angepasstem Verhalten, das sie in der Übung auch wiedererkannte. Im folgenden war es zum einen wichtig, die Erfahrungen ihres Gegenübers nachzuvollziehen, um die Interaktionsschwierigkeiten zu verstehen, insbesondere aber Schemata des Führens über die Bewegung, d.h. den Aufbau von Zug und Druck zu erfahren. Fr. M.: Das Führen war zwar nicht schlecht, aber ich habe mich lieber führen lassen, denn wenn ich selbst führe, habe ich ständig Angst, dass ich etwas falsch mache, dass ich die Verantwortung dafür habe, dass sich der andere wohl fühlt. Innerhalb der depressiven Erkrankung von Fr. M. spielte eine Selbstwertproblematik eine wesentliche Rolle. Die Rückmeldungen ihres Partners, dass es er sich gut gefühlt habe, wenn sie ihn führte, sonst hätte er sich schon gemeldet, erhielt die Patientin zunächst einmal Anerkennung. Mit dieser Aussage konnte weiter verdeutlicht werden, dass jeder Partner auch eine Selbstverantwortung behält und der Austausch über das Befinden, evtl. auch eine Rückversicherung während des Interaktionsangebots Sicherheit vermitteln kann. Fr. L.: Ich wollte eigentlich führen, aber ich wusste nicht, ob ich durfte. Wenn ich Gegendruck gespürt habe, habe ich sofort nachgegeben. Zufrieden war ich damit aber nicht. Ein sich in der Biographie abzeichnender Autonomie-Abhängigkeitskonflikt kann als Ursache für das schnelle Aufgeben der Patientin gesehen werden. Für den weiteren Verlauf auf der bewegungstherapeutischer Ebene schien wichtig der Patientin Druck- und Kraftaufbau gegen Widerstände im Sinne von Durchsetzen zu vermitteln und in einem spielerischen Kampfdialog erfahrbar zu machen, dass sie eigenständig und mächtig interagieren kann und darf. Herr Z. hat mich ziemlich gefordert. Da konnte ich teilweise nicht mitkommen. In der Genese der depressiven Erkrankung von Herrn Z. ist eine übermäßige Leistungsorientierung verbunden mit einem hohen Darstellungsbedürfnis ein wichtiger Faktor. Weitere Aufgabenstellungen ermöglichten ihm die Wahrnehmung von Druck nachlassen, loslassen und sich führen lassen, was er als entlastend erleben konnte - nicht zu letzt auch deshalb, weil so die Verbindung zu dem Partner für ihn wahrnehmbar wurde und er dieses In-Kontaktsein positiv erlebte. (Beckmann-Neuhaus 2007, 218) Ein wichtiges Moment der Mototherapie ist die Möglichkeit nicht nur des Explorierens und Erfahrens, sondern auch des Proben und Übens. Neue Verhaltensmuster, Handlungsweisen, Begegnungs- und Beziehungsmuster können überprüft oder modifiziert werden, können sich aber insbesondere durch Wiederholungen einschleifen. Der erlebnisaktivierenden Form dieser Verhaltensmodifikation kommt dabei eine besondere Wirkung zu. Reflexion eines Patienten: Hier war es immer wie in einer Laborsituation. Wie mit einer Lupe wurden mir meine Muster aus dem Alltag deutlich z. B. in der Stunde mit dem Führen und Geführt-werden: in dieser kleinen Bewegungssituation hat sich das Komplexe aus dem Alltag so deutlich gezeigt Und dann konnte ich anderes ausprobieren, es konnte mir hier ja nichts passieren. Mit einem Mal war das aber nicht getan, so leicht kommt man aus seinem Gewohnten nicht raus Es hilft mir im Alltag, mich an das Erleben hier zu erinnern. Auch wenn sich die Körperpsychotherapie und die Themenorientierte Arbeit der Mototherapie in einzelnen Bezügen ähneln, so scheint das Vorgehen doch insgesamt sehr unterschiedlich. Die Aufnahme körperpsychotherapeutischer Verfahren in die Mototherapie würde aus meiner Sicht daher eine Neuorientierung der Mototherapie darstellen. Einen für die Mototherapie relevanten Beitrag könnte die Körperpsychotherapie im Hinblick auf die Arbeit mit Übertragungsprozessen in der therapeutischen Beziehung leisten. Insbesondere die Selbstanteile des Therapeuten im therapeutischen Prozess kritisch zu sehen und zu reflektieren ist 63

20 Mototherapie und Körperpsychotherapie ein Blick aus der klinischen Praxis ein wichtiges Moment des therapeutischen Prozesses, den der Motologe mit der Fokussierung auf die Dualität von Patient und Bewegungsangebot vernachlässigt. Ob die in diesem Zusammenhang notwendigen Prozesse der Selbstwahrnehmung und Selbstverstehens innerhalb eines Studiums möglich sind, muss an anderer Stelle diskutiert werden, wird von mir aber als schwierig eingeschätzt. Resümee Die Darstellungen zu der mototherapeutischen Arbeit im klinischen Bereich sollen das Profil der Mototherapie veranschaulichen. Die Vielschichtigkeit der Mototherapie, die sich über die Spannbreite von einer unterstützenden, supportiven Wirkung bis zu einem adjunktiven Beitrag zu unterschiedlichen psychotherapeutischen Vorgehen erstreckt, und die Relevanz dieser Vielschichtigkeit für das klinische Arbeitsfeld wurde dargestellt. Die charakteristische Bedeutung der Bewegung in der Mototherapie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten im Handeln und Interagieren, im Erleben, Erfahren und Erkennen, im Modulieren und im Üben und damit ihr Stellenwert im Therapieprozess wurde verdeutlicht. Eine körperpsychotherapeutische Schwerpunktsetzung im Studiengang Motologie sollte dieses Profil mit seinen Möglichkeiten der Bewegungsarbeit und der Vielschichtigkeit in der therapeutischen Ausrichtung nicht aufweichen, sondern ermöglichen, die mototherapeutische Identität zu stärken. Ansatzpunkte hierzu wurden genannt. Einen wichtigen Beitrag für die Motologie kann die Körperpsychotherapie im zuletzt vernachlässigten Bereich der Forschung im Erwachsenenbereich leisten. Gerade an der Grundlagenforschung zum bewegungs- und körperpsychotherapeutischen Bereich waren in den letzten Jahren wie schon erwähnt die Körperpsychotherapeuten stark beteiligt. Für die motologische Praxis besonders relevant sind meines Erachtens nach Forschungen zur Bewegungsanalyse und zur Körperbilddiagnostik wie sie u. a. von Lausberg, Joraschky (2009) betrieben werden. Trotz dieser Aufgaben sollten die Bemühungen um weitere motologische Tätigkeitsfelder wie z. B. die Gesundheitsförderung (Haas 2007) insbesondere im Hinblick auf zukünftigen Beschäftigungsmöglichkeiten nicht vernachlässigt werden. Literatur Beckmann-Neuhaus, D. (2009): Behandlungsschema Ausdauersport an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätskliniken Münster, unveröffentlicht. Beckmann-Neuhaus, D. (2007): Körperwahrnehmungen Zugang zur Selbstwahrnehmung und zum Selbsterleben bei Depressionen. Motorik 30; Downing, G. (2006): Frühkindlicher Affektaustausch und dessen Beziehung zum Körper. In: G. Marlock/H. Weiss (Hrsg.), Handbuch der Körperpsychotherapie (S ). Stuttgart: Schattauer. Downing, G. ( 1996): Körper und Wort in der Psychotherapie. 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