24. Sonntag im Jahreskreis C Lk 15, 1-10: Der Sünder, der umkehrt das verlorene Schaf

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1 24. Sonntag im Jahreskreis C 2007 Lk 15, 1-10: Der Sünder, der umkehrt das verlorene Schaf Liebe Schwestern und Brüder, was ist eigentlich ein Sünder? Ein Wort, das viel gebraucht wird, nicht nur religiös, sondern auch in der Werbung. Was meint es genau? Darüber gibt es viele Unsicherheiten, auch Missverständnisse. Die heutigen Evangelien benutzen zwei Bilder: das des verlorenen Schafes und das einer verlorenen Drachme, eines Geldstücks. Schließlich wird im Evangelium bei Lukas noch das Gleichnis vom verlorenen Sohn angefügt. Das ist bemerkenswert: Es geht um etwas Verlorenes, das wertvoll ist: das Schaf ist dem Hirten wertvoll; die Drachme der Frau; der verlorene Sohn dem Vater kurzum: beim Sünder geht es um einen Menschen, der Gott wertvoll ist. Das ist alles andere als selbstverständlich! In diesen Tagen durfte ich das wieder sehr bewegend erfahren: Ein junger Mann klagte sich an, dass er sich wegen seines Lebenswandels so schmutzig fühle und er das wohl auch gegenüber Gott sei, schmutzig. Dabei hätte er so eine Sehnsucht nach Annahme, so eine Sehnsucht nach Gottes Nähe. Ich fragte ihn, ob er denn das Gefühl kennen würde, geliebt zu sein und im Laufe des Gesprächs wurde immer mehr deutlich: genau das wurde ihm nie geschenkt, obwohl er gerade gegenüber der Mutter so sehr darum gebettelt hatte. Tief in ihm drin saß der Stachel: ich bin nichts wert. Viele Erfahrungen schienen ihm das zu bestätigen. Aber mit Gott wollte er ins Reine kommen. Aber wie? Er ist ja schmutzig. Ein Teufelskreis! Gott kann ihn ja gar nicht lieben.

2 Es hat mich selbst sehr bewegt zu sehen, wie seine Tränen flossen, als er erfuhr, dass Gott gerade ihm nachgeht und ihn auf Seine Schultern hebt, gerade ihn besonders sicht, gerade ihm entgegen läuft. Er war der Sünder, der, der sich absondert von Gott, der den jungen Mann nicht heilen konnte, da Er an ihn nicht herankam. Der junge Mann begriff plötzlich mit dem Herzen: Umkehr ist nicht zuerst ein Handeln, mit dem ich bei Gott gute Noten bekomme. Umkehr ist die Frucht einer Erfahrung der Annahme, die mich von Gott anders denken lässt. Diese Erfahrung hat der Malerpriester Siger Köder meiner Ansicht nach sehr schön wiedergegeben in einem Bild vom Guten Hirten. Ich möchte es Ihnen beschreiben: Im Vordergrund ist der Hirt zu sehen, der ein erschöpftes Schaf auf seinen Schultern trägt. Um ihn herum sind Menschen, auch ein Hund, zu sehen, die sich offensichtlich freuen, musizieren, tanzen. Der Hirt hat Fußspuren hinterlassen und wenn man diese in den Hintergrund zurückverfolgt, dann sieht man einen großen Dornenstrauch, mit Blut darin und weißen Fellflecken: das Schaf hat sich nicht nur verlaufen, es hat auch Verletzungen davongetragen. Das für mich Bemerkenswerteste ist allerdings ein Detail des Hirten: Sein Gesicht: Der Betrachter sieht nur eine Hälfte des Gesichtes, denn die andere Hälfte ist vom Kopf des Schafes bedeckt. Und so sieht es so aus, dass der Hirt auf der linken Gesichtsseite mit seinem Auge sieht, auf der rechten Gesichtsseite aber gleichsam mit und durch das Auge des verletzten Schafes. Der Hirt trägt es nicht nur, er weiß um die Angst des Schafes, um den Weg, Er kann von Innen her mitfühlen. Was auch immer das Schaf veranlasst hat wegzulaufen, sich abzusondern zu sündigen! bei einem solchen Hirten wird es wohl künftig bleiben wollen. Liebe Schwestern und Brüder, was ist ein Sünder? Ein Sünder ist einer, der sich von Gott abwendet, mehr oder weniger, und allerhand Kapriolen macht. Er sucht das

3 Leben woanders und wird es doch niemals wirklich finden. Menschen suchen nach diesem Leben, zunehmend auch wieder in unserer Kirche. Wir können Botschafter eines Gottes sein, der uns eine Nähe schenken will, die wirklich verwandelt. Ich durfte das in diesen Tagen wieder miterleben und begreifen, was es heißt, wenn das heutige Tagesgebet von der Macht der Liebe spricht. Dem jungen Mann, den ich traf, war nicht bewusst, wer ihm in Jesus entgegentritt. Kann es sein, dass es dem einen oder anderen unter uns ähnlich geht? Amen.

4 Fürbitten Christus, der uns Menschen nachgeht und uns einlädt, bei Ihm zu sein, wollen wir bitten: - Für alle, die in Sackgasen des Lebens geraten sind und nach Orientierung und Hilfe ausschauen. (Christus, höre uns Christus, erhöre uns)) - Für unsere Gemeinde, dass wir immer mehr zu einem Ort werden, an dem besonders diejenigen Deine Nähe erfahren dürfen, die keine Lebensfreude mehr kennen. - Für alle, die in Schuld geraten sind, dass sie um Verzeihung bitten können und sie auch erfahren. - Lass uns in Deiner Kirche neu den Schatz entdecken, den Du uns im Sakrament der Versöhnung anbietest. - Für unsere Verstorbenen, dass sie im himmlischen Reich am Tisch des Vaters Platz nehmen dürfen Gott, wo Du auf uns wartest und entgegenkommst, wird das Leben zu einem Fest. Dir sei Dank, der Du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in alle Ewigkeit. Amen.

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