Unterfränkische Schule

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1 Dezember Jahrgang 29 Unterfränkische Schule Zeitschrift des Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes - Bezirksverband des BLLV Rückblick Ideen bewegen. 150 Jahre ULLV

2 Editorial/Inhalt Inhalt Werte Kollegen, Revolutionen, die keiner bemerkt, verändern nichts? im Klassenzimmer findet eine heimliche Revolution statt. Alles wird irgendwie interaktiv. THEMA 03 Neue Medien in die Schulen 04 Lernen mit Beamer und PC 06 Das digitale Klassenzimmer 08 Das Kino der Schüler 10 KLASSE! Ein Medienprojekt für Schulen 12 Internetsucht: Wenn anderes unwichtig wird 14 Mobbing mit verlängertem Arm 15 Online-Portal mebis im Endspurt? Das Ende der Kreidezeit wird von den Herstellern sogenannter interaktiver Whiteboards angepriesen. Schulen müssen damit ausgestattet werden, sonst sind sie von gestern? Über den Einsatz von Medien 2.0 besteht jedoch eine Gefahr: Die Schulstunde wirkt nur für den Unterrichtenden modern und ästhetisch. Diejenigen, welche zuhören müssen, erleiden lediglich eine weitere Art lehrerzentrierter Instruktion. Echte Interaktion darf nicht in Vergessenheit geraten. Das Original, ebenso wie das Tafelzeichnen, haben im einundzwanzigsten Jahrhundert ihre uneingeschränkte Berechtigung nicht verloren. Warum sollen wir nicht Altbewährtes weiterhin einsetzen und die teils vorzüglichen Kompetenzen der Schüler und ihre elektronischen Kommunikationsmittel nutzen? Näher am Leben wäre das. Den Kopf in den Sand zu stecken wäre ebenso falsch, wie sich diesen Herausforderungen zu verweigern. Die unterfränkische Medienlandschaft glänzt in Vielfalt. Wir berichten von den Schulfilmtagen, einer Referenzschule für Medienbildung und dem KLASSE- Projekt der Mainpost. Nicht ausgespart werden auch Probleme wie Cybermobbing und Computersucht. Ich wünsche Ihnen eine vergnügliche und aufschlussreiche Neujahrslektüre. Herzlichst Ihr Joachim Huppmann Chefredakteur Unterfränkische Schule im Internet Die vergangenen Ausgaben der Zeitung finden Sie im Web unter: VERBAND 16 Die Gründungsväter wären stolz 20 ABJ Unterfranken: Wir kreiden an 20 Neues der BLLV-Studentengruppe 21 ULLV trifft SPD-Landtagsabgeordnete 21 Neue Integrationsvereinbarung 22 Bessere Lehrerversorgung 22 Schulpolitisches Martinsgansessen 23 Vortrag von Heinz Klippert 23 PädSem startet im April Knobelaufgabe aus dem Kultusministerium IMPRESSUM Herausgeber: Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Lehrerund Lehrerinnenverbandes BLLV, Vorsitzender: Gerhard Bleß Hinterer Rosengarten 11; Gaukönigshofen Telefon privat: ; Telefon dienstl.: Referat Öffentlichkeitsarbeit: Peter Nossol, Neubergstraße 7a, Würzburg, Tel.: ; Redaktion: Joachim Huppmann, Linsenweg 7, Gaibach, Tel.: , Fax: , Druck und Layout: Druckerei Lang, Storchengasse 12-14, Bad Neustadt, Telefon , Der Bezugspreis ist für Verbandsmitglieder im Mitgliedsbeitrag enthalten. Für Nichtmitglieder beträgt der Bezugspreis jährlich 8 +. Nichtmitglieder können die Unterfränkische Schule bei der Redaktion bestellen. Namentlich gekennzeichnete Artikel stellen die Meinung der Verfasser dar. Die Zeitschrift erscheint jährlich viermal. Hinweis: Adressänderungen und sonstige Personalia bitte an: Referat Mitgliederverwaltung und Statistik Peter Kiesel, Wurmerich 14, Nüdlingen Telefon privat: , Telefax privat: Veränderungen beim dienstlichen Einsatz und bei der Besoldung (Altersteilzeit, Kürzung der Versorgungsbezüge, Beförderung usw.) bitte dem zuständigen Kreiskassier mitteilen! 2 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

3 Thema Neue Medien in die Schulen Der ULLV fordert eine Offensive für Medienbildung MOOCs, OER, Moodle, Google Classroom, EdTech, EdChatDe, PLN, Schulwiki, EtherPad, twitter, facebook, pinterest Kennen Sie diese Begriffe aus der digitalen Vernetzung in unserer heutigen Welt? Oder verwenden Sie diese bereits selbst, gar schon im Unterricht? Fest steht: Weltweit sind diese neuen medialen Möglichkeiten an Millionen von Schulen schon Alltag. In Australien stehen beispielsweise Tablets bereits 63 Prozent der Schüler im Unterricht zur Verfügung. Und bei uns? Wir hinken gewaltig hinterher. Die Ende November in Brüssel und Berlin veröffentlichte International Computer and Information Literacy Study (ICILS, pdf: ifs-dortmund. de/assets/files/icils2013/ ICILS_2013_Berichtsband.pdf) zeigt auf, dass Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher hinkt. Wir vernachlässigen große Teile einer ganzen Schülergeneration, indem wir die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit den neuen Medien außerhalb der Schule erwerben lassen. Mehr noch: Wir lassen es nicht einmal zu, dass sie ihre diesbezüglichen Kompetenzen in den Unterricht einbringen. Gerhard Bleß Wenn sich unser Planet mit enormem Tempo in eine digital vernetzte Welt verwandelt, wenn heute digitale Medien Freizeit und Beruf überall nachhaltig prägen, müssen gute Bildungseinrichtungen die Realitäten der Kinder und Jugendlichen aber aufnehmen, sie zum Gegenstand und Inhalt des Unterrichts machen und dabei die bei den Schülerinnen und Schülern vorhandenen Ressourcen nutzen. Verbote der Verwendung von Smartphones, Tablets und W-LAN-Verbindung im Unterricht kommen bei den jungen Menschen an wie hilflose Versuche, die Wirklichkeit aus unseren Schulen verbannen zu wollen. Aus ihrer Sicht verkommen viele unserer Schulen mehr und mehr zu Einrichtungen einer vergangenen Zeit, zu mediendidaktischen Museen. Wir Lehrerinnen und Lehrer müssen hier klar gegensteuern. Es geht dabei nicht um den Einsatz neuer Medien um deren selbst willen. Es geht vielmehr darum, diese neuen Medien sinnvoll einzusetzen, um bessere und nachhaltigere schulische Arbeit zu realisieren. Und es geht darum, den sinnvollen Umgang mit diesen Medien sowie deren Gefahren zum Unterrichtsinhalt zu machen. Cyber-Bullying, Sexting, Spielesucht und andere Gefahren, die in den neuen Medien lauern, kann man nicht durch Verbote und generelle Verteufelung der neuen Medien bekämpfen. Man muss auch diese zum Inhalt von Schule machen. Dabei ist allerhöchste Eile geboten. Ich spreche hier nicht von der Schule der Zukunft. Ich spreche von der Schule heute. Es bedarf dabei größter Anstrengungen aller Beteiligten, eines schnellen Umdenkens in vielen Lehrerkollegien, der sofortigen Entwicklung entsprechender pädagogisch-didaktischer Konzepte durch die Universitäten und das ISB, wirklich hohe Investitionen durch Bund, Land und Kommunen in die Sachausstattung sowie die Schulung der Lehrkräfte im Umgang mit den neuen technischen Geräten. Hier wäre die Einrichtung und Nutzung von offenen Lehr- und Lernportalen, die von Lehrerinnen und Lehrern in Eigenregie und Eigenkontrolle innerhalb sehr kurzer Zeit aufgebaut werden könnten, äußerst hilfreich. Eine interessante Sammlung von über 1000 Beiträgen zum Thema finden Sie unter www. scoop.it/t/e-learning-lernen-mitelektronischen-medien. Der ULLV wird seine Arbeit in den nächsten Monaten schwerpunktmäßig auf den Einsatz Foto: Reger neuer Medien in den Schulen ausrichten und konkrete Vorschläge sowie Fortbildungen zu diesem Thema anbieten. Hierzu haben wir bereits eine Task Force eingerichtet, die nach den Weihnachtsferien ihre Arbeit aufnimmt. Wer darin gerne mitarbeiten möchte oder oder Gerhard Bleß, ULLV-Vorsitzender Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

4 Thema Lernen mit Beamer und PC Die Gustav-Walle-Mittelschule ist seit 2012 Medienreferenzschule Für diese Schülerin aus der Klasse von Schulleiterin Dr. Ruth Klawitter gehört Lady Diana zu den besonders faszinierenden Frauen der jüngeren Geschichte. Weshalb sie sich entschied, die Prinzessin in einer Power- Point-Präsentation vorzustellen. Fotos: Pat Christ Würzburg. Wie einfach war das damals, als man zum Lexikon griff, ein Wort nachschlug und dann Bescheid wusste. Heute gibt man den gewünschten Begriff in einer Internet-Suchmaschine ein und erhält tausende Ergebnisse. So erging es auch Gor und Haxhi aus der 8M der Würzburger Gustav-Walle-Mittelschule. Die beiden Jungs sollten eine Präsentation über den Würzburger Dom erstellen. Gibt man nun Dom und Würzburg ein, verwirrt das Internet mit mehr als Treffern. Ob jede dieser Informationen der Wahrheit entspricht? Wie wählt man aus dieser Fülle das aus, was wirklich wichtig ist? Das fällt den Schülern oft schwer, sagt Klassenlehrer Bertram Wagner, der sich für die Medienbildung an der Gustav- Walle-Mittelschule stark engagiert. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass die Schule seit Oktober 2012 eine bayerische Medienreferenzschule ist. Das bedeutet, dass der kompetente Umgang mit Medien jeder Couleur zentrales, fächerübergreifendes Bildungsziel ist. Umgesetzt wird es in diesem Schuljahr zum Beispiel in Bertram Wagners Projekt Heimat. Während Gor und Haxhi an der Realisierung ihrer Präsentation über den Dom arbeiten, sind andere Schülerteams im Computerraum im dritten Stock der Schule dabei, an ihrer Präsentation des Falkenhauses oder der Residenz zu feilen. Mit seinem Projekt schlägt Bertram Wagner zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen lernen die Schüler aus dem Stadtteil Lindleinsmühle ihre Heimatstadt genauer kennen. Zum anderen werden sie fit, was die Recherche von Informationen, die Illustration von Texten, die übersichtliche Gliederung und viele andere Aspekte einer Computerpräsentation betrifft. Gut ausgestattet Parallel bringt Ruth Klawitter ihren Zehntklässlern bei, geschickt zu präsentieren. Der Auftrag der Schulleiterin an ihre Schülerinnen und Schüler lautet, nach einer Frau in Gegenwart oder Vergangenheit zu suchen, die beruflich erfolgreich war. Gar nicht so einfach. Gespannt betritt Klawitter an diesem Donnerstag das Klassenzimmer. Was sich die Jugendlichen wohl alles haben einfallen lassen? Eine Menge! So stellten sie in der ersten Präsentation des Tages Lady Di vor. Okay, ist die Frage, ob es ein Beruf ist, Prinzessin zu sein. Aber erfolgreich war Lady Di auf jeden Fall! Ihre Biographie ist außerdem sehr spannend. Die Gustav-Walle-Mittelschule kann solche Projekte verwirklichen, weil sie medientechnisch gut ausgestattet ist, betont Schulleiterin Dr. Ruth Klawitter. Es gibt zwei Computerräume mit insgesamt 30 PC-Arbeitsplätzen. In Kürze sollen sechs weitere Arbeitsplätze hinzukommen. Etwa die Hälfte der Klassenräume ist inzwischen mit einem fest installierten Beamer ausgestattet. Auf jedem Stockwerk befindet sich ein Medienwagen mit Beamer und Laptop, so dass diese Technik auch dort eingesetzt werden kann, wo es noch keine feste Installation gibt. Bald jedoch soll es in jedem Klassenraum einen Beamer geben. Die Lehrkräfte können unterschiedlich gut mit neuen Medien umgehen. Aus diesem Grund wird viel in Sachen Fortbildung getan. Das begann vor mehreren Jahren mit Basisinformationen zur Textverarbeitung und steigerte sich allmählich bis dahin, dass heute jede Lehrkraft geschickt mit Excel und PowerPoint umzugehen weiß. In der letzten Fortbildung lernten die Lehrkräfte, die Dokumentenkamera für das ActivBoard zu handhaben. Damit lassen sich nicht nur Papierblätter oder Bücher, sondern auch Gegenstände, etwa aus dem Biologieunterricht, ablichten. Wer sich in Sachen neuer Medien auskennen will, muss unablässig am Ball bleiben. Das bedeutet eine große Herausforderung für die Lehrkräfte, ist gleichzeitig aber auch eine Notwendigkeit in der mediatisierten und digitalisierten Gesellschaft. Die knapp 250 Schüler der Gustav-Walle- Mittelschule sollen durch ihre Lehrer beide Seiten der neuen Medien mitbekommen die guten wie die nicht so guten. Oder gar gefährlichen. Der medientechnologische Fortschritt sorgt für Unabhängigkeit von Zeit und Raum. Das kann beim Arbeiten, beim Lernen und Recherchieren ein ganz erheblicher Vorteil sein. Außerdem erleichtert 4 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

5 Thema das Internet es in vielen Fällen, den privaten Alltag zu organisieren: Man kann rasch nach Öffnungszeiten schauen oder etwas bestellen. Das geht auch um zehn Uhr abends noch, wenn alle Geschäfte zu sind. So ließen sich eine Menge weiterer Vorteile und Erleichterungen durch den Computer aufzählen. Aber selbstverständlich gibt es auch Gefahren, die man unbedingt kennen sollte, wenn man sich auf Computer & Co. einlässt. Garantiert ist es nicht gut, den ganzen Tag lang vor dem Rechner zu sitzen oder stundenlang aufs Handy-Display zu starren. Moderne Kommunikationsmittel können eine Sogwirkung entfalten, die (nicht nur junge) Menschen regelrecht süchtig macht. Die virtuelle Realität gewinnt dann plötzlich eine viel größere Bedeutung als die Wirklichkeit. Ruth Klawitter bestätigt, dass die Gefahren von Internet & Co. allgegenwärtig sind: So hatten auch wir natürlich schon Schüler, die zum Beispiel von Cybermobbing betroffen waren. Neue Medien bringen einen Zuwachs an Freiheit. Und drohen gleichzeitig, die Menschen zu versklaven. Sie bereichern durch Informationen, an die man früher nicht so leicht gekommen wäre. Und gefährden Jugendliche durch Seiten, die ihnen absolut nicht gut tun. Bevor ich mit den Schülern ins Internet gehe, mache ich ihnen klar, dass Pornographie, Gewalt und Rassismus tabu sind, betont Bertram Wagner. Nun ist es für eine Schule noch recht einfach, steuernd einzugreifen, wenn Jugendliche im Computerraum surfen. Doch letztlich geht es darum, sie zu befähigen, Klippen auch nach Schulschluss zu umschiffen. Medienkompetenz stärken Bei weitem nicht überall in Bayern ist die Situation so gut wie in der Mittelschule im Würzburger Stadtteil Lindleinsmühle. Experten fordern aus diesem Grund vom Freistaat die systematische Weiterentwicklung von Methoden zur Stärkung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Zwar ist die Vermittlung von fächerübergreifender Medienkompetenz in bayerischen Lehrplänen festgelegt. Doch erfüllt wird dieses Lehrplanziel bayernweit gesehen nicht überall gleich gut. Es gibt einfach nicht genügend Menschen wie Bertram Wagner, die ihre Kolleginnen und Kollegen medienpädagogisch, mediendidaktisch und informationstechnisch kompetent beraten könnten. Hier müsse der Staat, fordern Bildungsfachleute, noch mehr tun. Was allerdings gut funktioniert, ist das Projekt Medienführerschein Bayern. Über Kinder und Jugendliche haben das Zertifikat seit dem Projektstart im Jahr 2009 inzwischen erworben. Auch viele Gustav-Walle-Schüler absolvierten diese besondere Art von Führerschein. Das Projekt sensibilisiert Schüler dafür, wie weit reichend die Folgen eines zu leichtsinnigen oder blauäugigen Umgangs mit Medien sein können. Dazu wird den Schulen kostenloses Unterrichtsmaterial für die 3. und 4., die 6. und 7. sowie die 8. und 9. Jahrgangsstufe aller Schularten angeboten. Koordiniert wird das Projekt von der gemeinnützigen Stiftung Medienpädagogik Bayern. Passwort schützen Inhaltlich geht es um aktuelle Themen, die im Teenageralter auf Interesse stoßen: Soziale Netzwerke, Computerspiele oder Werbebotschaften zum Beispiel. In der Gustav-Walle-Schule werden diese Themen dem Medienentwicklungsplan zufolge aber auch außerhalb des Projekts Medienführerschein besprochen. Welche Rolle zum Beispiel haben die Medien im Kräftefeld der politischen Meinungsbildung? Damit setzen sich die Zehntklässler im Deutschunterricht auseinander. Und schon die Fünftklässler lernen, warum es so wichtig ist, das eigene Passwort zu schützen. Eine PowerPont-Präsentation zu gestalten, ist gar nicht so einfach. Doch Klassenlehrer Bertram Wagner hat immer Tipps auf Lager, wie ein Problem behoben werden könnte. Medien spielen aber nicht nur im regulären Unterricht eine Rolle. Die Schüler der Gustav-Walle-Schule haben seit vier Jahren auch die Möglichkeit, an der AG Digi- Art teilzunehmen. Hier lernen sie, Fotos digital aufzunehmen und sie am Computer kreativ zu bearbeiten. Pat Christ Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

6 Thema Das digitale Klassenzimmer Interview mit dem Vertriebs- und Marketingleiter der Kindermann GmbH Wie sollte heute eine Standard-Ausstattung aussehen und auf was sollte man bei der Anschaffung achten? Interaktive Projektionstafeln sind heute das Herzstück für den modernen Unterricht. Sie erlauben die Einbindung von jeglicher Schulsoftware sowie webbasierter Angebote und bieten neue Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Schülern und Lehrer. André Sahm Eibelstadt. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob oder ob nicht. Die Digitalisierung der Klassenzimmer schreitet unaufhaltsam voran. Doch die Realität an vielen Schulen sieht noch anders aus. Es besteht Nachholbedarf, die Schulen sind in Zugzwang. Kindermann, einer der großen deutschen Anbieter im Bereich Medientechnik kennt die Herausforderungen im Bildungssektor. Das Unternehmen mit Sitz in Eibelstadt bei Würzburg bietet Kommunikationslösungen für den Unterricht und den Gestaltungsraum Schule aus einer Hand. Wir sprachen mit André Sahm, Vertriebs- und Marketingleiter der Kindermann GmbH. Herr Sahm, die Firma Kindermann ist schon sehr lange im Schulbereich tätig, wann fing es an? Diese Whiteboards, wie sie auch genannt werden, arbeiten mit Ultrakurzdistanzprojektoren zusammen, sodass der Lehrer schattenfrei agieren kann und auch nicht geblendet wird. Boards mit moderner Infrarot-Sensorik bieten volle Multi-Touch- Funktionalität auf der gesamten Oberfläche, so lassen sie sich wie ein Tablet durch Gestensteuerung mit dem Finger oder einem Dummy-Stift bedienen bzw. darauf schreiben. Ergänzungen oder Veränderungen sollten automatisch gespeichert werden. Ein wertvoller Tipp für die Anschaffung des Equipments ist, zuerst auf die Bedienerfreundlichkeit zu achten und diesevor Vertrautes Bild: der Overheadprojektor den Preis zu stellen. Was nützt die günstigste Lösung, wenn erst aufwändige Schulungen nötig sind und oder das Whiteboard in der Ecke steht, weil die Nutzung zu kompliziert ist begann unser Erfolg im Schulwesen mit dem Overheadprojektor. Bis heute haben wir mehr als zwei Millionen davon verkauft. In den letzten 10 Jahren haben sich die Ansprüche sukzessive geändert und auch in den Schulen hat das digitale Zeitalter Einzug gehalten. Erst waren es Projektor und Leinwand und heute sind PC und Internet im Klassenzimmer angekommen. Im Kommen: Interaktive Projektionstafeln, auch Whiteboards genannt. 6 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

7 Thema Bieten Sie darüber hinaus noch weitere sinnvolle Lösungen für Schulen? Ja, zum Beispiel easescreen4schools, das ist ein digitales Informationssystem, das das Schwarze Brett ersetzt. Die Lösung ist einfach und intuitiv anzuwenden. Es erlaubt die rasche, flexible und unkomplizierte Information zu beliebigen Themen wie Vertretungs- und Stundenplanänderungen, Menüplänen oder Veranstaltungshinweisen, aber auch zu allgemeinen News wie dem Wetter oder den Abfahrtsplänen für öffentliche Verkehrsmittel. Zukunftsmusik: Digitale Informationssysteme ersetzen das Schwarze Brett Fotos: Kindermann Die digitalen Inhalte können auf beliebig vielen Displays angezeigt werden. Mögliche Einsatzorte sind der Eingangsbereich, Sekretariat, Aufenthaltsräume, Lehrer- oder Dozentenzimmer, Kantinen/ Mensen sowie Veranstaltungssäle, Klassen- und Seminarräume. Darüber hinaus bieten wir auch Technik für Großveranstaltungen an. Ob Schulfest, Einschulungstag oder Sportfest jeder Anlass bringt seine ganz eigenen Voraussetzungen mit, auch an die Räumlichkeiten. Daher ist eine leistungsfähige mobile Präsentationslösung, die perfekte Wahl für den flexiblen Einsatz in Foyer, Aula oder Turnhalle. Die wichtigsten Komponenten sind ein leistungsstarker Projektor für eine scharfe Bildwiedergabe, eine Beschallung mit hochwertigen Mobilboxen für große Räume mit vielen Teilnehmern sowie Funkmikrofone, die Stolperfallen vermeiden und dem Redner mehr Freiheit schenken. Welche Trends erwarten uns in Zukunft? Es gibt Weiterentwicklungen, zum Beispiel bei den Projektoren, so werden in naher Zukunft innovative Laser-Projektoren auch in Schulen Einzug halten. Die Laser- Technologie ist besonders langlebig und wartungsarm, darüber hinaus sind diese Projektoren auch besonders leise. Ein Trend ist der steigende Einsatz von Tablet-PCs für den interaktiven Unterricht. Hier sind Lösungen gefragt, die die kabellose Präsentation der Inhalte der einzelnen Tablet-PCs sowie die Zusammenarbeit ermöglichen. Doch das ist kein Thema der Entwicklung, denn diese Collaboration- Lösungen bieten wir heute schon an. Der Grund, warum diese Lösungen erst langsam in Schulen ihren Einsatz finden, sind die begrenzten Budgets. Interview: Sigi Riedelbauch, public touch, Agentur für Pressearbeit Kindermann informiert Schulen Über die Möglichkeiten der digitalen und analogen Ausstattung für Schulen und Bildungseinrichtungen informiert die Kindermann GmbH in der Broschüre School Life. Das Portfolio reicht vom modern ausgerüsteten Klassenzimmer, über umfassende Informationssysteme bis hin zur Technik für große Veranstaltungen. Kindermann verfügt über ein deutschlandweites Netzwerk an Fachhandelspartnern, die vor Ort mit Beratung und Service zur Verfügung stehen. Die Broschüre School Life kann kostenlos per oder per Telefon angefordert werden. Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

8 Thema Das Kino der Schüler Filmtage bayerischer Schulen in Gerbrunn Gerbrunn. Festivals haben ihre ganz eigene Dynamik. Auch wenn sie schon zum 37. Mal stattfinden wie in diesem Oktober an der Eichendorff-Schule in Gerbrunn. Auf der einen Seite, denkt man, man hat das jetzt schon so oft geübt und weiß, wie das organisatorisch läuft. Auf der andern Seite hat man es in unserem Fall mit einer Schulveranstaltung im weiteren Sinn zu tun - und was kann da nicht alles an Unvorhergesehenem passieren? Die erste Klippe sind die Berge von Filmeinreichungen, zuletzt über 100 Filmbeiträge aus allen Schularten und Altersgruppen. Filtern und Sieben Die eingereichten Filme müssen dann alle erst einmal in den Sommerferien zum Laufen gebracht werden, was eigentlich kein Problem wäre, würden alle Kollegen die Videos ihrer Schützlinge in einem der Formate vorlegen, die auf dem Informationsflyer angeboten werden. Eine Vorjury in München trennt anschließend die Spreu vom Weizen und filtert ca. 30 Filme für den Wettbewerb und eine ähnliche Zahl für die Horizonte, ein Vorprogramm am Freitagnachmittag aus. Für die Organisatoren am Ort beginnt dann die eigentliche Arbeit: Wie viele Gruppen kommen dieses Mal? Mit wie vielen Schülern rücken sie an? Wie selbständig oder betreuungsbedürftig? Und wie verpflegen wir sie? Wo bringen wir sie unter? Und, zu guter Letzt oder, eigentlich, am Anfang: Wie kriegen wir das finanziell alles auf die Reihe? Rundum Wohlfühlpaket? Faszination Schulfilm Wie gesagt: Routine erleichtert und hilft beim Organisieren, aber löst nicht alle Probleme. Deshalb fangen wir mal an mit Loben: Die Geldgeber sind alle bei der Stange geblieben, der Sparkassenverband in München, das Kultusministerium, die Gemeinde Gerbrunn, der Landkreis Würzburg. Die größte Freude müsste ihnen allen sein, wenn sie die Begeisterung der Schüler sehen, die aus ganz Bayern zu dieser Veranstaltung strömen, an einen Ort, der vor allem von München aus gesehen ganz an der Peripherie liegt. Diese organisatorischen Präliminarien zu überwinden war ja schon ein mächtiges Stück Arbeit, wenn man bedenkt, dass nach 30 Jahren Marktheidenfeld die Eichendorff- Schule Gerbrunn erst die zweite Schule ist, die sich diese Anstrengung aufbürdet. Denn, nicht wahr, wenn man als Gast herkommt, sieht das alles so locker und leicht aus. Man geht davon aus, dass die Einbindung des privaten Lehrervereins Drehort Schule e.v. und der Landesarbeisgemeinschaft Theater und Film an bayerischen Schulen als Mitveranstalter was zweifellos eine große Unterstützung darstellt, alle Probleme löst. Und doch bedarf es noch einer großen zusätzlichen Anstrengung. Man darf nicht vergessen, im Prinzip läuft die Vorbereitung neben dem normalen Schulbetrieb her, sowohl das Festival selbst wie, vorher schon, die Produktion der Filme im Lauf des Schuljahres. Für das Festival selbst muss ja erst einmal ein Raum gefunden und zum Ersatzkino herund umgerüstet werden, nämlich in der Mehrzweckhalle Gerbrunn. Da hat es sicher nicht wenige überrascht, wie sich in diesem Jahr diese Mehrzweckhalle verwandelt hat: sie hat sich zu einem richtigen Kino gemausert, mit großer Leinwand, verdunkeltem Innenraum und ansteigenden Stuhlreihen, mit guter Sicht für jedermann. Das Organisationsteam hat da wirklich ein ordentliches Stück Arbeit geleistet. Von Nöten ist dafür weiterhin eine richtig gute Projektion in Full-HD, und das hat Jürgen Schultheis, ein Würzburger Lehrer mit Spezialinteresse und -begabung in Kinodingen, perfekt hingekriegt, hat DVDs bespielt, umkopiert, damit die 8 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

9 Thema Jurymitglieder sich auf die Filme vorbereiten konnten und Interessenten sie beim Festival schon kaufen konnten. Parallel dazu musste heuer für die Verpflegung ein neuer Caterer, eine neue Struktur gefunden werden, da das bewährte Team der Vergangenheit mit Helfern aus der Turnund Sportabteilung des TSV Gerbrunn nur noch zum Teil zur Verfügung stand. Bei über 200 Gastschülerinnen und schülern für zweieinhalb Tage nichts, was sich von alleine erledigt. Am Freitagnachmittag läuft als Vorprogramm der Horizonteblock, anschließend die Eröffnungsfeier mit Gästen aus Politik, der Schulverwaltung und der Sponsoren, bevor am Abend das Hauptprogramm mit den Wettbewerbsfilmen startet. Dafür müssen Leute gefunden werden, die es sich zutrauen, die Gesprächsrunden jeweils im Anschluss an einen Filmblock mit den Machern und den Zuschauern anzuregen, die Kritik in zivile Bahnen zu lenken und gleichzeitig Beiträge nicht vorschnell abzuwürgen. Bei diesen Runden konnte man die Veränderungen durch die Schulpolitik mit der Verkürzung der gymnasialen Oberstufe der letzten Jahre sehen: die Schüler werden jünger, ihre Erfahrung in kritischen Gesprächen ist dementsprechend nicht gerade gewachsen, ihre Bereitschaft zu reflektierter Auseinandersetzung nicht gestiegen. Vorbei die Zeiten, wo auch Einzelgänger differenzierte und sorgfältig gedrechselte Facharbeiten über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Lernen von den Profis Der Lernprozess für die Schüler fand vor allem in den Zusatzangeboten statt, den Workshops am Samstagnachmittag, wo Fachleute aus verschiedenen Bereichen der Filmbrache ihre Kenntnisse allen Interessierten zugänglich machten, etwa der dramaturgischen Gestaltung, erzähltechnischer Besonderheiten (wie beginnt man eine Geschichte?), wie besorgt man sich Diskussion mit der Filmemacherin fundierte Spezialkenntnisse, etwa über die Ausgestaltung von Drehorten und wie arbeite ich mit Knetmasse für einen Animationsfilm. Die Veranstalter geben sich jedes Jahr große Mühe, Themen für die Workshops zu finden und dann geeignete Dozenten aufzuspüren. Am Samstagabend trifft man sich im eigenen Kino wieder zu einem Film, der meist ganz neu ist und vom Regisseur selbst vorgestellt wird. Die meist jungen Regisseurinnen und Regisseure, deren Erfahrungen mit der Branche noch neu sind, geben ein anschauliches Bild der Schwierigkeiten beim professionellen Filmemachen und erteilen liebevoll und erschöpfend Auskunft über ihre frischen Arbeitserfahrungen. Und es wird ihnen manch ein Loch in den Bauch gefragt. Dieses Jahr präsentierte der junge Regisseur Tali Barde seinen Film For no eyes only, der übrigens gerade erst einen Verleih gefunden hat und jetzt in den Kinos zu sehen ist. Förderpreise für die Sieger Sonntag früh zeigt sich das Ergebnis der nächtlichen Arbeit der Jury. Es werden die Filme ausgezeichnet, deren Machern dann eine kleine Finanzspritze für neue Vorhaben zugesprochen werden. Die 12 dotierten Förderpreise werden von den bereits erwähnten Hauptsponsoren, aber auch von den beiden Programmkinos des Landkreises und sogar von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Welche Filme eine Auszeichnung erhalten haben, kann man auf der Website des Festivals sehen. In diesem Jahr soll an dieser Stelle nur ein Film hervorgehoben werden, der wegen seines aktuellen Themas Ansporn für weitere Arbeiten sein sollte: Von Menschen, die auszogen vom Beruflichen Schulzentrum Alfons Goppel Schweinfurt. Im Übrigen sei betont, dass es nicht um einen Run auf Preise geht Auszeichnung ist es allein schon, nach Gerbrunn zum Wettbewerb eingeladen zu sein, sondern um eine besondere Ermutigung, in der Anstrengung des Filmemachens nicht nachzulassen: selbstorganisierte schulische Lernprozesse wie diese sind der beste Beweis dafür, wie man in der Schule Aufgaben kreativ lösen kann. Wer das begriffen hat, der kann sich dann eine große Belohnung mit den Kuchen aus den elterlichen Feinbäckereien abholen, die Elternbeirat und Förderverein der Eichendorffschule Jahr für Jahr im Filmcafé anbieten. Thomas Schulz, Festivalleiter Kontakt: brunn.de, Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

10 Thema KLASSE! Ein Medienprojekt für Schulen Die Mainpost erreichte im Schuljahr 2013/14 über Schüler Würzburg. In Deutschland lesen 44,6 Millionen Bürger pro Tag eine gedruckte Tageszeitung. Mit einer Reichweite von 24,8 Prozent bei den 14- bis 19jährigen (Stand: 2014, Quelle: Media-Analyse AG) liegen die regionalen Tageszeitungen erheblich hinter früheren Ergebnissen wurden in dieser Zielgruppe noch 73,2 Prozent von regionalen Abonnementzeitungen erreicht, 1988 noch 62 Prozent. Die Main-Post erreicht derzeit 26,8 Prozent der 14- bis 19-Jährige, im bundesdeutschen Vergleich ein Spitzenwert. Das Lesen fördern In vielen Verlagen erklingt seit langem der Ruf, endlich etwas für die Jugend zu tun. Dabei übersieht man oft, dass es einen erheblichen Unterschied gibt zwischen einer jugend-gerechten Zeitung und einer Zeitung, die junge Leute interessiert. Die jugendgerechte Tageszeitung gibt es nicht. Eine Regionalzeitung ist nun mal keine Bravo und will dies ja auch gar nicht sein. Jugend-Seiten dienen eindeutig der Akzeptanz von Tageszeitungen, denn sie machen sie für junge Leute interessanter. Aber das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Ohne groß darüber nachzudenken, berichten Zeitungen über und aus den verschiedensten sozio-demographischen Gruppen - also muss sie dies auch für die jungen Menschen tun. Wie kann man dies erreichen? Möglichkeiten sind beispielsweise Werbung, Präsentationen von Konzerten und vieles mehr. Das Leseverhalten werden solche Dinge kaum beeinflussen, höchstens die Akzeptanz des Mediums, was allerdings auch schon viel wert ist. Leseverhalten beeinflussen Bei den Faktoren, die das Leserverhalten beeinflussen steht laut einer Noelle- Neuman-Untersuchung das Elternhaus an exponierter Stelle. 73 Prozent der Zeitungsleser sagen: Die Eltern sehen es gerne, wenn ich Zeitung lese. 62 Prozent der Zeitungsleser hatten im Elternhaus eine Tageszeitung abonniert. An nächster Stelle folgt aber schon die Schule. Junge Leute, die nicht mehr im Haushalt der Eltern leben, lesen zu 78 Prozent täglich beziehungsweise fast täglich eine Lokalzeitung, wenn sie an einem Zeitungsprojekt teilgenommen haben. Hatten sie kein Medienprojekt auf dem Stundenplan, fällt dieser Wert auf 52 Prozent. Medienprojekt KLASSE! Aus diesen Erkenntnissen entstand das Projekt KLASSE!, das Folgendes berücksichtigt: Der medienkundliche Unterricht, der in den Lehrplänen praktisch aller Schularten ohnehin verankert ist, muss von der Tageszeitung praxisnah unterstützt werden. Da sich das Medienverhalten hauptsächlich im Alter von 14 bis 16 Jahren entwickelt, wendet sich KLASSE! an die 8. und 9. Jahrgangsstufen aller Schularten. KLASSE! will Lehrern und Schülern dabei helfen, Stärken und Schwächen der Tageszeitung zu erkennen und mit anderen Medien zu vergleichen. Finden ihre Inhalte Gefallen bei den jungen Leuten, dann kann sie sich auch in Zukunft als Medium in dieser Altersgruppe halten. Der Verlag bietet dem Lehrer verschiedene Bausteine an, die der Pädagoge individuell im Unterricht einsetzen kann: Besuche von Redakteuren in den Klassen oder Besuche von Klassen im Verlagshaus sowie das Veröffentlichen von Schüler- Artikeln. Kernstück ist das Lehrmaterial, das der Lehrer direkt im Unterricht einsetzen kann. Es wird jedes Schuljahr überarbeitet und bietet somit stets aktuelle Inhalte. Konzipiert und realisiert wurde das Material vom Autor dieses Beitrags in enger Zusammenarbeit mit Lehrern. Das heißt jedoch nicht, dass junge Leute nur an sogenannten jungen Themen interessiert sind. Der örtliche Schützenkönig, die Sportnachricht oder das Kinoprogramm, um nur einige Beispiele zu nennen, sind Inhalte einer Tageszeitung, die auch von vielen jungen Leuten geschätzt werden. Wenn eine Tageszeitung nun ein Produkt ist, das Themen enthält, die für die junge Generation interessant sind, dann muss die Zeitung dies der Zielgruppe auch nahe bringen. Mainpost für alle: Schüler der Grundschule Bad Bocklet im Projekt KLASSE! Foto: Mainpost/Siggi Farkas 10 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

11 Thema Gesprächsstoff mit Freunden. Über die Hälfte der bislang nichtlesenden Teilnehmer wollen in Zukunft zur Zeitung greifen, 16 Prozent täglich, 36 Prozent zwei- bis dreimal wöchentlich. KLASSE! für Deutschland Projektleiter Peter Krones präsentiert zusammen mit den Redaktionsvolotärinnen Julia Schmitt (links) und Meike Rost die Vielfalt des KLASSE!-Projekts, das sich mit den Printmedien und mit den Online-Angeboten der Mediengruppe Main-Post beschäftigt. Foto: Mainpost/Christoph Weiß Im Schuljahr 2012/2013 wurde das Material erstmals auf einer Projekt-CD und einer dazugehörigen 8-seitigen Infobroschüre zur Verfügung gestellt. Das Material, inklusive einer Einführung in das Projekt, erhalten die Lehrer bei einer Auftaktveranstaltung. Die Praxis zeigt, dass die meisten Lehrer ihren medienkundlichen Unterricht dann halten, wenn sie einen anderen Baustein des Projektes nutzen, nämlich die vierwöchige Lieferung der Tageszeitung in die jeweilige Klasse. Jeder Schüler erhält dabei vier Wochen lang ein Exemplar. Die kostenlosen Frei- Abos ermöglichen Sponsoren. Von Beginn an erfolgreich KLASSE! startete erstmals im Januar 1996 und hat die Erwartungen der MAIN- POST weit überschritten. Bereits im ersten Durchgang registrierte man 412 Klassen mit über Schülern. Im Schuljahr 2001/2002 erhielt KLASSE! eine kleine Schwester namens KLASSE!- Kids. Dieses Projekt richtet sich an die Grundschulen. Im Schuljahr 2002/2003 kam schließlich noch das Projekt Extra- KLASSE! dazu, das sich an die Klassen richtet. Mit den Schwerpunkten Medienkunde, Text- und Sprachanalyse vervollständigt Extra-KLASSE! die Projektfamilie. Die KLASSE!-Projekte der Zeitungsgruppe MAIN-POST erreichten im Schuljahr 2013/2014 exakt Schülerinnen und Schüler in 1021 Klassen. 372 Klassen der 8. und 9. Jahrgangsstufen waren im Projekt KLASSE!, KLASSE!-Kids verzeichnete 382 Klassen, Extra-KLASSE! registrierte 67 Klassen. Aus dem Berufsschul-Bereich nahmen 200 Klassen teil. Erstmals wurden im Schuljahr 2003/2004 nicht nur die Lehrer befragt, sondern auch die Schüler. 79 Prozent der KLASSE!-Teilnehmer gaben an, dass ihnen das Projekt Spaß gemacht hat, nur elf Prozent hatten wenig und nur zwei Prozent gar keinen Spaß. Die häufigste Auseinandersetzung mit der Zeitung war das Zeitung-lesen selbst, das von 76 Prozent täglich, von weiteren 16 Prozent mehrmals die Woche praktiziert wurde, gefolgt von der Auswahl von besonders interessanten Zeitungsartikeln. Über zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler fühlen sich nach dem Projekt generell besser informiert, vor allem über das Geschehen an ihrem Wohnort, die Zeitung wurde bei 63 Prozent zum Der Erfolg der KLASSE!-Projekte sprach sich herum in der Fachwelt und zahlreiche Zeitungen übernahmen das Konzept. Sie bekamen von der Mediengruppe Main- Post das Lehrmaterial und schnitten es auf ihr spezielles Erscheinungsbild und auf die jeweilige Region zu. Als erste Zeitungen außerhalb der Main-Post-Gruppe wurden bereits Mitte der 1990ern der Südkurier in Konstanz und der Tagesspiegel in Berlin zu KLASSE!-Zeitungen. Insgesamt sind es 30 regionale Tageszeitungen, die das KLASSE!-Konzept erfolgreich umsetzen. Alle diese Zeitungen berichten übereinstimmend von sehr hohen Teilnehmerzahlen und von hoher Akzeptanz bei Lehrern und Schülern. Medienprojekte für Schulen sind nicht in Mark und Pfennig zu rechnen und tauchen in Bilanzen höchstens als Kostenfaktor auf. Als Pfadfinder durch den Dschungel der Medienwelt, als Appetitanreger zum Lesen und als Investition in die Zukunft des Mediums Tageszeitung ist ihr Wert jedoch überaus hoch. Dieser hier gekürzt wiedergegebene - Beitrag erschien im Juli 1998 im neu aufgelegten Standardwerk ABC des Journalismus (Verlag UVK Medien, Konstanz) und wurde im Juli 2014 aktualisiert. Der Autor, Peter Krones (59), ist Leitender Redakteur bei der Mediengruppe Main- Post und arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich redaktionelles Marketing. Er hat ein Staatsexamen als Grund- und Hauptschullehrer, eine Redakteursausbildung und langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit zwischen Zeitung und Schule. Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

12 Thema Wenn alles andere unwichtig wird Wegen Internetsucht scheitern Jugendliche in Schule und Beruf Würzburg. PC-Abhängigkeit ist eine besondere Art von Sucht. Offiziell gilt der exzessive Medienkonsum nicht einmal als eigenständige Suchtkrankheit: Sondern als Impulskontrollstörung, so Petra Müller von der Suchtberatungsstelle der Caritas in Würzburg. Doch wenn man sich Jugendliche und junge Erwachsene anschaut, die gar nicht mehr von der Spielkonsole loskommen oder das Handy kaum mehr aus der Hand legen, werden viele Parallelen zu einer Suchterkrankung deutlich. Dass es sich um eine besondere Sorte von Sucht handelt, zeigt sich auch daran, welche Menschen sich an Petra Müller wenden. Es sind keineswegs in erster Linie diejenigen, die einen Großteil ihrer Freizeit vor dem PC verbringen: Sondern vor allem Angehörige. Ihre Hilflosigkeit treibt sie dazu, sich Rat von Außen zu holen. Die Internetsüchtigen selbst leugnen lange, dass ihr Konsum problematisch sei. Anders als im Falle von Alkohol oder illegalen Drogen stellen sich auch nicht sofort unerwünschte Nebenwirkungen ein. Müller: Der Leidensdruck ist lange Zeit viel geringer als beim Substanzmissbrauch. Wer leidet, das sind zunächst die Mütter und Väter. Deshalb bietet die Beratungsstelle seit vier Jahren eine angeleitete Gruppe für Eltern von Computersüchtigen an. Sechs Elternteile nehmen Müller zufolge derzeit daran teil: Hauptsächlich Mütter. Kein eindeutiges Maß Einige sind sehr verzweifelt. Sie erzählen davon, dass sie gar nicht mehr an ihre Kinder herankommen. Vor allem Jungs sind Müller zufolge von dieser Sucht betroffen: Und in erster Linie Gymnasiasten. Müller erlebt die PC-Abhängigen als durchweg sehr intelligent. Umso tragischer sei ihr schulisches Scheitern: Weil sie nicht mehr vom Computer loskommen, fallen sie in der Schule bei Prüfungen durch. Nicht selten schaffen sie das Abitur nicht: Obwohl sie von ihrer Intelligenz her ganz sicher keine Probleme gehabt hätten. Es gibt keinen Tipp, wie man als Mutter, Vater, Lehrerin oder Lehrer erkennt, ob das Medienverhalten eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen bereits pathologisch oder noch normal ist. Doch genau dies interessiert laut Müller viele Erwachsene: Sie rufen hier an und wollen wissen, wie viele Stunden vor dem Computer und dem Handy noch ungefährlich sind. Wie beim Alkohol gibt es jedoch kein eindeutiges Maß. Jede Person ist in dieser Hinsicht ganz anders. Was für den einen schon gefährlich ist, ist für den anderen noch gut verkraftbar. Das liegt nicht zuletzt an den emotionalen und kognitiven Ressourcen, die einem Menschen zur Verfügung stehen. So gibt es Jugendliche, die für eine Zeit in die Internetwelt eintauchen, sich im Virtuellen zu verlieren scheinen, nach einiger Zeit jedoch merken, wie schade es ist, gar nichts mehr vom echten Leben mitzubekommen. Sie tauchen von alleine wieder auf. Und können auch in Zukunft recht gut mit dem Medium Internet umgehen. Ununterbrochen vor der Kiste Andere Jugendliche mit einem anderen, weicheren Charakter, mit anderen frühkindlichen Erfahrungen und anderen Problemen in ihrem Leben schaffen dies nicht. Letztlich ist Müller zufolge die Frage immer umgekehrt zu stellen: Was tut der Jugendliche noch neben dem Computer? Geht er noch in einen Verein? Trifft er sich noch mit Freunden? Über welche Themen diskutiert er noch gern? Gibt es noch ein Fach in der Schule, für das er sich wirklich brennend interessiert? Das Internet übt nicht zuletzt auf Jugendliche mit sozialen Problemen eine Sogwirkung aus. Fotos: Pat Christ Bis zur Erschöpfung versuchen Eltern, ihre Kinder aus dem Bann des Internet 12 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

13 Thema Als systemische Therapeutin arbeitet Petra Müller gern mit dem Familienbrett. zu befreien. Auch Rita Lichtlein (Namen geändert) kämpfte lange. Los ging es, als ihr heute 33-jähriger Sohn Tobias 15 war. Mithilfe seines Computers flüchtete der Jugendliche aus einer Welt, die ihm unerträglich schien. Einmal fragte ihn die Mutter, warum er ununterbrochen vor der Kiste sitzt, spielt und über das Headphone mit Menschen kommuniziert, die er gar nicht kennt. Hätte ich das nicht, würde ich mich von der Brücke stürzen, lautete seine Antwort. Tobias mochte es früher nicht gern, fremde Leute zu treffen. Er hasste es, aus dem Haus zu gehen. Und fühlte sich gleichzeitig einsam. Das ist keineswegs untypisch: Nicht selten weisen PC-Abhängige psychische Störungen oder ein generelles Suchtverhalten auf. Wir stellen bei vielen unserer Klienten diese Problematik als Zweitdiagnose neben einem Suchtmittelkonsum fest, erläutert Petra Müllers Kollege Hubert Auth, der die psychosoziale Sucht- und Drogenberatungsstelle in Lohr leitet. Fast den ganzen Tag saß Tobias vor dem Computer. Besonders schlimm wurde es mit ihm, als er von daheim auszog. Er vernachlässigte sich immer mehr. Wusch sich kaum noch. Räumte sein Zimmer nicht mehr auf. Er verwahrloste richtig, meinte seine Mutter. Umkehr mit sanftem Druck Das war für sie besonders tragisch gewesen. Ihr eigener Sohn kam daher wie ein Penner! Er roch sogar. Und seinem Gesicht sah man an, wie miserabel er sich ernährte. Nach dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik allerdings war Tobias wie verwandelt. Er wollte ein neues Leben beginnen. Die Sucht hinter sich lassen. Doch dann wurde er wieder rückfällig. Nach fast 20 Jahren Abhängigkeit scheint er es nun gepackt zu haben, schildert Petra Müller: Bekannte der Familie besorgten ihm eine Ausbildungsstelle. Und sie üben sanften Druck aus, damit er die Lehre wirklich durchzieht. Den ganzen Tag vor der Kiste zu hocken ist das wirklich so erstrebenswert? Diejenigen Mediensüchtigen, die sich in eine Therapie wagen, setzen sich bei Petra Müller intensiv mit dieser Frage auseinander. Hatten sie sich ihr Leben wirklich so vorgestellt? Gab es nicht einmal berufliche Pläne, den Wunsch nach einer eigenen Familie? Die einstigen Träume wiederzufinden, motiviert, sich allmählich doch wieder anderen Dingen zuzuwenden. Der unbekannte beste Freund Eine große Hilfe ist es außerdem, sich einmal vor Augen zu führen, wie das eigene Beziehungsgeflecht ausschaut. Als systemische Therapeutin arbeitet Petra Müller gern mit dem Familienbrett. Dort lässt sie den Klienten sich und sein soziales Umfeld aufstellen. Sie bittet ihn, sich einzubetten in den Kontext seiner Familie, seiner Freundschaften, seiner Clique, der Schul- oder Ausbildungsgemeinschaft, der Firma oder des Vereinsteams. Viele ihrer Klienten haben seit langer Zeit keine intensiven Kontakte zu anderen Menschen mehr. Typisch die Aufstellung eines Klienten, der die Mutter in weitem Abstand auf das Brett stellte und den von der Mutter geschiedenen Vater am liebsten gar nicht einbeziehen wollte. Petra Müller: Ganz dicht neben sich stellte er seinen besten Freund. Diesen Menschen sah er allerdings nur ein einziges Mal live, und zwar bei einer LAN-Party. Was gab es sonst noch für Kontakte? Dem jungen Mann fiel nichts ein. Aber da war doch noch der Meister, bei dem er seine Ausbildung absolvierte! Und was ist mit den Großeltern? Müller: Die werden oft vergessen. Und sind doch für die jungen Leute meist sehr wichtig. Ja, gibt der Klient zu, früher war er viel bei seinen Großeltern gewesen. Das sei interessant, fand Petra Müller. Was habe er denn mit Oma und Opa unternommen? Worüber habe er mit ihnen geredet? Und was gäbe es denn heute für einen Gesprächsstoff? Da wurde der junge Mann für einen Moment sehr still. Denn das war wirklich das Problem: Worüber sollte er heute mit ihnen reden? Von den Schulen würde sich Petra Müller wünschen, dass sie Internetsucht präventiv begegnen. Muss es zum Beispiel überall WLAN geben?, fragt sie sich. Auch müsste nach Ansicht der dreifachen Mutter mehr getan werden, um das Interesse junger Menschen an Büchern zu wecken oder wachzuhalten - durch attraktive Schulbüchereien, Bibliotheksbesuchen und Begegnungen mit zeitgenössischen Jugendautoren. Auch müsse mehr sportliche Betätigung angeboten werden, fordert die Lauftherapeutin, die eine Laufgruppe für suchtkranke Menschen anbietet: Wobei ich strikt gegen Noten im Sportunterricht bin. Pat Christ Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

14 Thema Mobbing mit verlängertem Arm MIBs sind nicht nur für Bekämpfung von Cybermobbing da klassische Medienpädagogik: Rödel hat vor wenigen Tagen noch zusammen mit einer Klasse und dem zugehörigen Lehrer einen Werbespot entworfen und abgedreht, um den Kids aufzuzeigen wie Film und Werbung funktionieren. Mediendidaktik stand auf seinem Ausbildungsplan ebenso wie Medienpsychologie. Computersucht oder Mobbing? Unterfranken. Als die 14-jährige Sybille zum Klassenzimmer geht, rennt ein Grundschüler weinend weg. Der Zweitklässer hat Angst, umgebracht zu werden. Größere Schüler blicken zur Seite und tuscheln. Auf dem Pausenhof dreht man sich von Sybille weg und redet über sie. Die Schülerin verspürt wie ihr Angst, Verachtung und Abscheu entgegen schlagen. Irgendjemand hat in Whatsapp gepostet, dass das Mädchen einen Amoklauf plant. Kurz vor den letzten Sommerferien wurde Sybille in der Klasse gemobbt, ihre Sachen zerrissen und auf den Boden des Klassenzimmers geworfen. Über Wochen ging das so. Sybille wehrte sich nicht. Sie hoffte, dass es vorbei geht. Im neuen Schuljahr dann vertraut sie sich einer vermeintlichen Freundin an. Mir ging es so schlecht vor den Sommerferien, ich habe sogar über einen Amoklauf nachgedacht, sagt sie. Whatsapp und Facebook verbreiten die Nachricht lawinenartig. Mundpropaganda tut ein übriges. Am nächsten Morgen glaubt es die ganze Schule: Sybille plant einen Amoklauf! Eine Klassenkameradin steckt es dem neuen Klassenlehrer. Schnell sind Schulleitung, Polizei und Schulamt alarmiert. Die stille blasse Schülerin versichert, dass sie so etwas nie tun würde. Schulpsychologin und der medienpädagogisch-informationstechnische Beratungslehrer (MIB) sind mit einbezogen. Wenige Stunden später dringt die Nachricht über die Landkreisgrenzen. Die Polizei durchsucht währenddessen die Wohnung der Eltern nach Waffen. Sybille wird wegen Selbstmordgefahr in die Psychatrie zwangseingewiesen. Besorgte Eltern rufen im Sekretariat an. Schnell sind sich die Wortführer der alarmierten Eltern einig: Sybille muss weg! Im Krisengespräch rät der MIB den Klassenkameradinnen: Schaltet mal ab! Geht am Wochenende auf keinen Fall in Facebook oder Whatsapp. Das muss runterkochen. Thomas Rödel, der MIB, ist für den gesamten Schulamtsbezirk zuständig. Er hat wie alle MIBs eine Zusatzstudium mit Staatsaexamen zum medienpädagogischinformationstechnischen Beratungslehrer abgeschlossen. Die MIBs gibt es für sämtliche Schularten (siehe: mib-bayern. de). Zu ihren Aufgaben gehört mehr als Cybermobbing zu bekämpfen. Da ist die Wenn eine Schule sich mit Lernsoftware ausstatten will, ist er ebenso gefordert, wie bei Fragen bezüglich des Urheberrechts oder der der Ausstattung von Schulen mit interaktiven Tafelsystemen und der dazugehörigen Mediendidaktik. Groß in der Diskussion ist die Verwirklichung der Idee bring your own device. Schüler sollen ihre eigene Multimedia- Gerätschaft mitbringen und für unterrichtliche Zwecke nutzen können. Wie das netzwerktechnisch, didaktisch und rechtlich zu organisieren ist, ist noch zu großen Teilen offen. Das Geschäft des MIB entwickelt sich ständig weiter. Um dafür gewappnet zu sein geht der Beratungslehrer auf regionale Treffen und bildet sich selbst weiter. Die MIBs bestreiten ein eigenes Forum, wo in der großen Runde aktuelle Fragen diskutiert werden, und besuchen jährlich eine mehrtägige Arbeitstagung. Problemfelder verschwinden nicht, sondern neue Herausforderungen kommen hinzu. Facebook wurde laut aktueller JIM-Studie durch Whatsapp abgelöst (www.jim-studie.de). Nach den Aussagen dieser Jugendstudie berichten 38 Prozent der Jugendlichen, dass schon mal jemand im Bekanntenkreis per Handy oder Internet fertig gemacht wurde: Tendenz steigend. In Whatsapp gründen die Täter geschlossene Hate-Groups, um ungestört ihre Opfer bloßzustellen. Dem beizukommen ist schwierig. Selbst wenn die Gruppe aufgelöst wurde, fängt dann die Arbeit in der Klasse erst an. An der Position Fortsetzung nächste Seite 14 Unterfränkische Schule Ausgabe 29 Dezember 2014

15 Thema Online-Portal mebis im Endspurt? Interview mit Projektleiter Martin Duggen vom Kultusministerium Martin Duggen München. Virtuelle Klassenzimmer, Mediathek, Beratung für mehr Medienkompetenz? Vor zwei Jahren wurde mebis der Öffentlichkeit vorgestellt. Martin Duggen (Bild), mebis-projektleiter am Kultusministerium, erläutert die Vorzüge der digitalen Internetplattform und erklärt, wann mebis für alle Schulen verfügbar ist. Herr Duggen, der Begriff mebis geistert durch die Schullandschaft. Was ist mebis? Der volle Titel lautet ja mebis Landesmedienzentrum Bayern. Dadurch wird vielleicht schon deutlich, was mebis beinhaltet: Pädagogische Angebote für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler in Bayern, die im Internet zur Verfügung stehen. Die Mediathek, das Prüfungsarchiv und die Lernplattform, die wir aufgebaut haben, sollen das Lehren und Lernen mit digitalen Medien erleichtern. Da es ein staatliches Angebot ist, ist es zudem urheber- und datenschutzrechtlich sicher. Was kann mebis? mebis stellt digitale Werkzeuge und Inhalte bereit, die den Unterricht bereichern: Zum Beispiel interaktive Simulationen, die Phänomene in Physik oder Chemie hervorragend veranschaulichen. Zentrale Abschlussprüfungen mit urheberrechtlich geschützten Materialien, etwa Audio-Dateien zum Hörverstehen in Englisch mit diesen Materialien können Sie Ihre Schülerinnen und Schüler noch besser auf Prüfungen vorbereiten. Und auf der mebis-lernplattform können Sie mit Beteiligung Ihrer Schüler Unterrichtssequenzen gestalten, Dateien austauschen und Projekte durchführen. Dies alles macht den Unterricht vielfältiger, weil Sie damit die unterschiedlichen Lerntypen ansprechen, Ihr Register an schüleraktivierenden Methoden erweitern und leichter individuell fördern können. Ob dies Ihre Arbeit erleichtern kann, kann ich nicht beurteilen. Das ist aber auch nicht unser Ziel. Wird mebis die Bildstellen ersetzen? Nein, die Kommunalen Medienzentren haben die Möglichkeit, ihre Online-Medien über unsere mebis-mediathek auszuspielen. Das hat den Vorteil, dass sich die Lehrkraft nicht an verschiedenen Portalen anmelden muss. Wann soll mebis eingeführt werden? Der Startschuss fiel im November 2012: Wir haben ein Schuljahr lang die Angebote an den Referenzschulen für Medienbildung getestet und ihre Rückmeldungen eingearbeitet. Anschließend haben wir alle Schulen aufgenommen, die mit Bayern- Moodle, BRN-Moodle oder dem Bildungsnetz der Oberpfalz gearbeitet haben, da diese Initiativen in uns aufgegangen sind. Am 28. Januar dieses Jahres hat uns das Kabinett den Auftrag erteilt, unsere Angebote bis Ende 2016 allen interessierten Schulen in Bayern zur Verfügung zu stellen. Derzeit sind schon über 950 Schulen bei uns angemeldet. Sobald wir neue aufnehmen können, werden wir auf die Schulen zukommen. Schüler sollen auch einen Zugang zu mebis bekommen. Wie wird das bewerkstelligt? Eine Schule meldet sich über ihre Schulleitung an und bestimmt dadurch zwei mebis-koordinatoren im Kollegium. Diese erhalten eine kurze Fortbildung über das Internet, in der sie erfahren, wie sie die Nutzer der Schule anlegen können. Dass dieses Verfahren bei der Schule selbst bleibt, ist organisatorisch sinnvoll und datenschutzrechtlich notwendig. Das Anlegen der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler ist auch für technische Laien zu bewerkstelligen, bei Fragen kann man sich immer über Telefon oder an unseren Support wenden. Interview: Joachim Huppmann des Opfers hat sich noch nichts geändert, weiß Röder. An den Schulen werde äußerst uneinheitlich damit umgegangen. Von der Shared-Concern-Methode bist hin zu Unter-den-Teppich-kehren sei alles drin. Sybille hat sich stabilisiert. Aus der Psychatrie ist sie nach dem Wochenende entlassen. Sie war mit Erwachsenen untergebracht. Der Horror, so die Jugendliche. In Unterfranken gibt es zu wenig Plätze in der Jugendpsychatrie. In Sybilles Klasse führte die Schulpsychologin den no blame approach durch. Ohne Schuldzuweisungen sollen sich demnach Täter und Opfer annähern und lernen, miteinander leben zu können. Das scheint zu funktionieren. Zum Schuljahresende wechselt die mittlerweile 15-Jährige doch an eine entfernte Schule. Sybille hofft, dass dort keiner im Internet von ihrer Geschichte erfahren hat. Sämtliche Namen wurden von der Redaktion geändert. Joachim Huppmann Unterfränkische Schule Ausgabe 29 Dezember

16 Verband Kritischer Blick des Regisseurs: Helmut Schmid bei der Generalprobe für die Festveranstaltung im St. Josef-Stift in Eisingen. Fotos: Nossol Professionelle Unterstützung bei Vorbereitung und Durchführung von Ideen bewegen. 150 Jahre ULLV : das Team der Werbeagentur Hummel+Lang Die Gründungsväter wären stolz Mitreißende Jubiläumsveranstaltung im Mainfranken-Theater Würzburg. Um die Zukunft sei ihm nicht bange, erklärte Gerhard Bleß, Vorsitzender des unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, bei der Jubiläumsfeier anlässlich des 150-jährigen Bestehens des ULLV. Seit dem Jahr 1864 mauserte sich der Verband zur größten Lehrerorganisation Unterfrankens: Mit aktuell Mitgliedern haben wir unsere höchste Mitgliederzahl erreicht. Auch konnten alle Grundideen verwirklicht werden, so Bleß bei der Festveranstaltung Ende September im Mainfranken-Theater. Kreide und Tafelschwamm, das waren lange Zeit keine besonders beliebten Berufsutensilien, erinnerten Zeitzeugen während der kreativ gestalteten Jubiläumsfeier, die unter dem Motto Ideen bewegen stand. Nur knapp 250 Mark gab es noch vor 50 Jahren monatlich als Lehrersalär, berichtete Hans Anger, der ab 1953 in Geesdorf in einer einklassigen Volksschule unterrichtete. Damals hatten Lehrer auch noch Residenzpflicht: Unsere Wohnung befand sich unterhalb des Schulsaals. Küche, Wohnzimmer, Schlafund Kinderzimmer kosteten 25 Mark Miete. Fließendes Wasser gab es nicht: Das mussten wir im Haus der Bäuerin gegenüber der Straße holen. Es brauchte viele Verbündete, bis sich die Situation der Lehrer allmählich änderte nicht nur, was Gehalt, Status und Wohnverhältnisse anbelangt. Nichts wurde uns geschenkt, betonte Albin Dannhäuser, Ehrenpräsident des BLLV, der zusammen mit Ingrid Otto vom ULLV-Vorstand die Jubiläumsveranstaltung unterhaltsam moderierte. Schritt für Schritt habe der Verband alles erkämpfen müssen. Auch eine fundierte Lehrerbildung war lange Zeit nicht selbstverständlich. Alles in Grün: Beachflags weisen den Weg. Auf dem grünen Teppich ins Mainfranken-Theater. Zwei Moderatoren, ein Team: Albin Dannhäuser und Ingrid Otto Alle Fotos: Reger 16 Unterfränkische Schule Ausgabe 29 Dezember 2014

17 Verband Der Beyhl! Er lebt, nein, der Film... Samstag, 29. September 2014, Mainfranken-Theater Würzburg Uhr: Bühne ruhig, noch kein Mensch zu sehen, die Pforte ist besetzt, nur ich Uhr: Der Beleuchtungsmeister beginnt mit der Arbeit, Kommandos von der Bühne, dazwischen ein Bühnenmeister, einige Arbeiter, gedämpfte Gespräche. Hans Anger, Bernhard Müller, der Inspizient Uhr: Mittlerweile fünf Musiker auf der Bühne, Soundcheck. Der Tonmeister ist zufrieden. Dazwischen immer noch: Kommandos der Beleuchter Uhr: Albin Dannhäuser da, Ingrid Otto da, erste Demonstranten mit Spruchbändern, Tänzerinnen wärmen sich auf, dazwischen Tonproben und immer wieder: Die Beleuchter, ihre Kommandos Uhr: Emsiges Geschwirr auf der Bühne, letzte Stellproben, weiterer Vorgeschmack der Tänzerinnen, Musik, Siegfried Baumann auch da, dazwischen Daumendrücker und immer noch: Kommandos, die Beleuchtung Uhr: Erstes Klopfen an den Eingangstüren, noch darf keiner herein. Auf der Bühne flimmern Bilder, Uschi Obermaier, Schule früher, Brüder reicht die Hand zum Bunde, und immer noch die Beleuchter, Kommandos. Plötzlich, ein Schrei: Der Beyhl läuft nicht! Der Film hängt! Standbild auf der Leinwand! Technischer K.o.! Blitzartige Leere auf der Bühne. Stille! Beleuchter, Inspizient, Tonmeister, Bühnenmeister, alle flitzen. Ratlosigkeit. Die Beyhl-Szene stirbt gerade! Noch 15 Minuten! Fieberhaftigkeit, Kompatibilitätsprobleme. Der Film! 9.45 Uhr: Einlass. Das Publikum strömt. Gemurmel im Saal. Gespenstische Ruhe in der Technik. Da! Auf der Leinwand! Der Beyhl! Er lebt, nein, der Film bewegt sich, nein der Beyhl und seine Frau auf der Leinwand. Rettung in fast letzter Minute, dem Beleuchter sei Dank! Der hat den Film komprimiert oder so. Passiert! Helmut Schmid Wie der Bildungs-, Lern und Erziehungsprozess didaktisch und pädagogisch erfolgreich gestaltet werden kann, darüber reflektierten angehende Lehrer noch nicht an den Universitäten, als sich Bernhard Müller entschied, den Lehrerberuf zu ergreifen. Im Jahr 1959 trat der damals 25-jährige Pädagoge seine erste feste Stelle in Weipoltshausen im Landkreis Schweinfurt an. Amüsant berichtete er, wie beschwerlich der Schulweg am ersten Schultag mit der Bahn war denn ein Auto hatte man damals natürlich noch nicht gehabt. Erst 17 Jahre nach Müllers Amtsantritt, im Jahr 1976, wurde die akademische Lehrerbildung durchgesetzt. Unter geistlicher Aufsicht Vor 150 Jahren waren Lehrer in Bayern auch noch nicht beamtet. Erst ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg wurde dies durch das Volksschulgesetz so bestimmt. In den Anfangsjahrzenten des ULLV standen die Pädagogen allerdings dennoch unter geistlicher Aufsicht. Wogegen der Würzburger Lehrer Jakob Beyhl vehement ankämpfte. Unter anderem mit dem Buch Die Befreiung der Volksschullehrer aus der geistlichen Herrschaft, das 1903 erschien. Welche drastischen Konsequenzen sein Kampf hatte, zeigte ein Stummfilm, den der ULLV zusammen mit Volle Reihen im Mainfranken-Theater Schülern der Grundschule Sendelbach und Eduard Stenger vom Sendelbacher Schulmuseum drehte. Foto: Reger Heute sind Lehrer Beamte, sie stehen unter staatlicher Aufsicht und werden akademisch ausgebildet. Aus den einstigen konfessionell getrennten Schulen wurden 1968 christliche Gemeinschaftsschulen. Dass alle einstigen Forderungen des unterfränkisch-aschaffenburgerischen Lehrervereins erreicht wurden, ist im Rückblick ein Riesenerfolg für den ULLV. Die Gründungsväter wären stolz, konstatierte Gerhard Bleß. Doch weiterhin sind Solidarität und Kampfgeist erforderlich, appellierte der ULLV-Vorsitzende: Eine deutliche finanzielle und ideelle Stärkung aller pädagogischen Berufe und aller unserer Bildungseinrichtungen ist heute das wichtigste Ziel. Auch müssten Lehrer aller Schulstufen und aller Schularten endlich vollständig gleichwertig sein. Lehrer soll Lehrer sein, forderte Bleß. Dass ein Lehrer, der in der Grundschule unterrichtet, weniger verdient als ein Gymnasiallehrer, ist nicht einzusehen, Unterfränkische Schule Ausgabe 29 Dezember

18 Verband Proteste werden wieder lebendig im Bild und auf der Bühne Foto: Nossol betonte auch Albin Dannhäuser: Das Kastensystem zwischen den Lehrergruppen muss ein Ende haben. Auch müsse die Abschottung der Schularten in Bayern endlich aufgeweicht werden. Man dürfe Lehrer nicht länger zwingen, Kinder in sehr frühem Alter auszusortieren. Die im internationalen Vergleich einzigartig frühe Zitierte aus amtlichen Schreiben: Bernhard Müller Mit Meterstab und Schreibmaschine: Hans Anger Schüleraufteilung ist ein Grundübel des bayerischen Schulsystems, das Kindern Entwicklungsmöglichkeiten verweigert. Darauf verweist der ULLV immer wieder. Dannhäuser. Doch in Bayern ist die strenge Abschottung der Schularten in Stein gemeißelt. So kam es, statt eines Paradigmenwechsels, auch zur Einführung der sechsstufigen Realschule. Als pädagogisch fragwürdig und finanziell aberwitzig wurde diese Reform damals vom ULLV angeprangert. Der Unmut führte im Jahr 2004 zu einem groß angelegten Bildungsprotest, den ULLV-Mitglieder während der Jubiläumsfeier auf der Bühne des Mainfranken-Theaters nachstellten. Dannhäuser ermutigte die Lehrer, in ihrem Kampf für Bildungsgerechtigkeit nicht zu resignieren. Das letzte Kapitel der bayerischen Schulpolitik ist noch nicht geschrieben. Und es wird unsere Handschrift tragen!, prophezeite der BLLV-Ehrenpräsident. Ist das Bildung? Männer wie Georg Rupert Benz und Jakob Beyhl legten den Grundstein für eine gerechte Bildung in Bayern, würdigte auch BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Heute sei Wachsamkeit erforderlich, damit das, was vom Lehrer verlangt wird, nicht den von ihnen vertretenen Prinzipien widerspricht. Wir müssen uns fragen, ob vieles von dem, was wir als Lehrer machen müssen, mit Bildung zu tun hat, so Wenzel: Oder überprüfen wir nur das Kurzzeitgedächtnis unserer Kinder? Es könne nicht angehen, dass Kinder in der Schule gezwungen werden, Prüfungsstoff auswendig zu lernen, dass dieser Stoff dann abgeprüft, benotet und vergessen wird: Das ist nicht die Aufgabe von Bildung. Eben wegen solcher Fragen und Widersprüche bleibt der ULLV brandaktuell. Auch das im Schuljahr 1967/68 gegründete Pädagogische Seminar hat bis heute nichts von seiner Bedeutung eingebüßt momentan wird der Durchgang 2015 bis 2017 geplant. Junge Mitglieder mit einem breiten thematischen Angebot fortzubilden und sie auf potenzielle Führungsaufgaben in Schule oder Berufsverband vorzubereiten, diese Idee führte damals zur Gründung des Seminars. Pat Christ 18 Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar 2014

19 Verband Der Präsident kümmert sich: Klaus Wenzel mit charmanter Begleitung. Viel Prominenz: Regierungsvizepräsident Dr. Andreas Metschke, Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder, ULLV-Vorsitzender Gerhard Bleß, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, BLLV-Präsident Klaus Wenzel, der ehemalige Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Walther Eykmann, BBB-Vorsitzender Rolf Habermann, Landtagsabgeordneter Günther Felbinger, Bayerns Justizminister Prof. Dr. Winfried Bausback, Prälat Günter Putz, ULLV-Ehrenvorsitzender Fritz Schäffer, BLLV-Ehrenpräsident Albin Dannhäuser und ULLV-Ehrenvorsitzender Walther Roth. Taxi für 37 Leut, sofort! Ein Ständchen für BLLV-Abteilungsleiterin Simone Fleischmann Gefragter Gesprächspartner: Pensionistenbetreuer Sigbert Mantel (links) Lange Schlangen vor der Stadtmensa, aber erträgliche Wartezeiten Foto: Nossol Kurzweilig: Mit dem Krimiautor in der Weinstube Johanniterbäck Foto: Nossol Alles war gut gelaufen, der Festakt, der Shuttletransport zur Mensa und die Essensausgabe für 700 Personen. Nachdem die einzelnen Gruppen zu ihren 18 verschiedenen Veranstaltungen gingen, stand die 19. Gruppe verlassen an der Bushaltestelle am Sanderring und wartete auf ihren Bus nach Eibelstadt. Dort wartete auch der Linienbus nach Eibelstadt. Sein Fahrer wusste jedoch nichts von einer ULLV-Gruppe und fuhr praktisch leer davon. Die 37 warteten weiter. Was tun? Zum Glück gibt s Taxis. Es kamen acht weiße Limousinen, die die Gruppe aufnahmen und nach Eibelstadt brachten. Noch heute spricht man von der weißen Taxi-Karawane, die vor der alten Kelterhalle in Eibelstadt an einem Samstagnachmittag ganz plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Wiltrud Kuhn Mehr als 150 Jahre: Fritz Schäffer, Heide Bossinger, Dieter Klopfleisch Come together im Foyer des Mainfranken-Theaters in Würzburg Alle Fotos: Reger Am Nachmittag hatten die Festgäste die Qual der Wahl zwischen 18 Kulturveranstaltungen: Dichtes Gedränge beim Straßenkabarett auf der Alten Mainbrücke Foto: Nossol Unterfränkische Schule Ausgabe 26 Februar

20 Verband Wir kreiden an! ABJ-Unterfranken sammelt Unterschriften in Aschaffenburg Aschaffenburg. Im Juli haben die Mitglieder der ABJ-Unterfranken in der Fußgängerzone in Aschaffenburg einen Informationsstand aufgebaut, um auf Missstände im bayerischen Bildungssystem hinzuweisen und Unterschriften zu sammeln. Der Schwerpunkt lag auf der Postkartenaktion Wir kreiden an, die unter anderem Bildung als Sparmodell bezeichnet, den Unterrichtsausfall und die aktuelle Einstellungspolitik in Bayern kritisiert. Es wurden ca. 300 Karten unterschrieben, die nun auf dem Postweg an Herrn Spaenle unterwegs sind. Sie beweisen, dass auch die Öffentlichkeit sich Verbesserungen im Bildungssystem wünscht, damit beispielsweise Inklusion und individuelle Förderung noch besser umgesetzt werden können. Zahlreiche Passanten ließen sich auf Gespräche ein und berichteten von eigenen Erfahrungen. Vor allem Eltern und Großeltern bestärkten die ABJ in ihrer Aktion, da sie selbst von den Missständen betroffen sind. Außerdem bekamen Kinder Luftballons, sie wurden geschminkt und konnten auf Tafeln mit Kreide malen. Ein Glücksrad veranschaulichte die Situation, dass nicht immer nur Lehrer an Schulen eingesetzt werden: Auch Studenten und Pensionisten helfen vieler Orts aus, dabei warten qualifizierte Lehrkräfte auf eine sichere Anstellung. So hatten einige Passanten das Glück, echte Lehrer für die Kinder zu gewinnen. Der Veranstaltungsort wurde gewählt, da vor allem am Untermain die Lage der stetigen Lehrerversorgung immer noch schwierig ist: Unterrichtsausfall, fehlende Mobile Reserven und viele unbefristete Angestelltenverträge verhindern einen konstanten Schullalltag und lassen Schulprofilentwicklung kaum zu. Die Aktion Wir kreiden an wurde von den Junglehrerinnen und Junglehrern des Bayerischen Lehrerverbandes (BLLV) initiiert und in ganz Bayern umgesetzt. Am Montag, den wurde als vorläufiger Höhepunkt der Aktion eine symbolische Riesen-Postkarte am Kultusministerium übergeben. Die ABJ hoffte so gezielt Druck auf Herrn Spaenle auszuüben, um die dringend notwendigen Veränderungen anzustoßen. Am wurden die Einstellungsnoten (sog. Staatsnoten) für die Lehrämter Grundschule, Mittelschule und Förderschule vom Bayerischen Staatsministerium veröffentlicht. Viele Junglehrerinnen und Junglehrer bangten diesem Tag entgegen, da es um ihre berufliche Zukunft ging. Auch die Schulämter erhielten dann neue Zuweisungen erhalten und die Schüler zum Teil neue Lehrkräfte. Am Ende blieben trotz deutlicher Verbesserungen gegenüber den Vorjahren immer noch zu viele gut ausgebildete, motivierte Lehrerinnen und Lehrer ohne Anstellung auf der Straße zurück. Individuelle Förderung und Inklusion bedarf qualifizierter Lehrkräfte und zusätzlichem Personal. Stefanie Lazarek, Alexander Mikosch Neues aus der BLLV-Studentengruppe Würzburg. Seit Juli 2014 gibt es ein neues Vorstandsteam in der Würzburger Studentengruppe (SG) des BLLV. Andreas Rosenberger und Maria Franz beendeten ihr Studium. Die Gruppe wird jetzt durch Isabell Bittermann und ihre Stellvertreterinnen Katharina Pföß und Michaela Müller vertreten. Die SG Würzburg war zu Beginn dieses Semester bei den Einführungsveranstaltungen für die Lehramts-Erstsemester sowie bei der Ersti-Messe vertreten, um die neuen Studenten über Neues Vorstandsteam: SG-Vorsitzende Isabell Bittermann und ihre Stellvertreterinnen Katharina Pföß (links) und Michaela Müller (rechts). den BLLV zu informieren. Wir konnten so viele neue Mitglieder begrüßen. Im November trafen sich SG-Mitglieder mit dem Landtagsabgeordneten der Freien Wähler Günther Felbinger, um über das von den Studierenden im BLLV entworfene Lehrerbildungspapier zu diskutieren. Der Abgeordnete konnte unsere Anliegen nachvollziehen. Er sieht, dass der Praxisanteil im Lehramtsstudium viel zu klein ist. Außerdem hält er Eignungstests zu Beginn der Studiums, die beraten, nicht selektieren sollen, für sehr sinnvoll. Felbinger will sich für die Lehrerbildung einsetzen, denn: Wir brauchen die besten Leute in diesem Beruf. Wenige Tage später fand ein zweites Gespräch mit dem CSU- Landtagsabgeordneten Oliver Jörg aus Würzburg statt. Auch Jörg stimmte in vielen Punkten mit dem Lehrerbildungspapier überein. Seiner Meinung nach wäre ein duales Studium als Ausbildung zum Lehrer oder zur Lehrerin eine gute Lösung, ein Praxisbezug könnte so schon früher stattfinden. Er befürwortete auch mehr Weiterbildungsmöglichkeiten. Angesprochen wurden hier Kurse zur Medienkompetenz, Rhetorikkurse oder Präventionskurse zum Thema Burnout. Michaela Müller 20 Unterfränkische Schule Ausgabe 29 Dezember 2014

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