Thüringer Medienbildungskonzept 2020 Herausforderung für Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in der Informationsgesellschaft

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1 Thüringer Medienbildungskonzept 2020 Herausforderung für Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in der Informationsgesellschaft 1. Grundsätzliche Überlegungen Die Entwicklung digitaler Medientechnologien gestaltet sich in den letzten Jahrzehnten in ihren Ausmaßen und Folgen revolutionär. In unserer stark von Medien geprägten Gesellschaft muss Medienbildung ein selbstverständlicher und immanenter Bestandteil der Allgemeinbildung sein. Bildungspolitisches Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung einer Konzeption für die Stärkung der Medienkompetenz in Thüringen. Die Entwicklung von Medienkompetenz, welche technische, moralisch-ethische, rechtliche, fachliche und nicht zuletzt sprachliche Kompetenzen umfasst, ist in der modernen Informationsgesellschaft von wachsender Bedeutung und unverzichtbar für die Teilhabe jedes Einzelnen am Leben der Gemeinschaft in allen seinen Bereichen. Für die Gestaltung von Lehren und Lernen ergeben sich vielfältige Herausforderungen und neue Möglichkeiten betreffs praktisch gelebter Bildungsgerechtigkeit und des wertschätzenden demokratischen Miteinanders: Mit Jedem und für Jeden die Voraussetzungen schaffen, die für eine gleichberechtigte Teilhabe erforderlichen Kompetenzen entwickeln zu können. Im Sinne des Zieles Inklusion ist das Prinzip individuelle Förderung konsequent umzusetzen. Dies macht auch der Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre deutlich. Die auf informellen Lernwegen erworbenen Kompetenzen der Einzelnen werden als Ressource für das gemeinschaftliche Lernen erkannt, respektiert und genutzt. Bildung und Erziehung werden so gestaltet, dass jeder frei und verantwortungsbewusst auf der Basis ethischer und rechtlicher Prinzipien Medien kompetent nutzen kann. Stärkung von Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In Verantwortung für jeden Einzelnen und für die Gemeinschaft stellt sich der Freistaat Thüringen dieser Herausforderung. Das vorliegende Konzept bildet den Rahmen für zahlreiche Projekte und Entwicklungen, die mithilfe unterschiedlicher Netzwerkpartner 1 durchgeführt werden. Ergebnisse aus aktuellen Studien, Konzepten und den verschiedensten Diskussionsprozessen anderer Foren (wie z. B. der Interministeriellen Arbeitsgruppe Medienkompetenzentwicklung in Thüringen, der KMK-Erklärung Medienbildung in der Schule sowie der Enquête- Kommission des Deutschen Bundestages Internet und digitale Gesellschaft, Projektgruppe Medienkompetenz und des Runden Tisches Medienkompetenz) haben Eingang in das Konzept gefunden. 2. Frühkindliche Medienbildung In der frühkindlichen Bildung werden in kindgemäßer Form grundlegende Verhaltensweisen, die Voraussetzung für eine selbstbestimmte, kritische Mediennutzung sind, herausgebildet. 1 vgl. Landtagsdrucksache 5/2991 1

2 2.1 Situation Medien spielen bereits in der frühen Kindheit eine immer bedeutsamere Rolle. Bücher, Zeitschriften, Fernsehen, Video, PC und Tablet sind für Kinder selbstverständliche Begleiter. Digitale Medien ermöglichen es, auf neuen Wegen zu kommunizieren, zu interagieren und zu lernen. Medien sind neben der Familie, dem sozialen Umfeld und Peers zum wichtigen Sozialisationsfaktor geworden. Wenn also im Folgenden zwar insbesondere Aussagen zu den digitalen Medien getroffen werden, so ist doch auch weiterhin der Umgang mit den sogenannten herkömmlichen Medien - insbesondere dem Buch von hoher Bedeutung. Medien sind bereits in dieser frühen kindlichen Entwicklungsphase Miterziehende und Mitlehrende. Deshalb ist es wichtig, einen kritischen Umgang mit Medien und deren Inhalten zu entwickeln. Medien sind selbst sowohl Gegenstand als auch Werkzeug informeller Bildung. Unbegleitete Mediennutzung birgt aber gerade in diesem Altersbereich das Risiko, dass dem Kind das Unterscheiden von realer und medial vermittelter Erfahrungswelt erschwert wird. Darüber hinaus können im Einzelfall unbewältigte Medienerlebnisse auch verhaltensrelevante bzw. traumatische Dimensionen erreichen ein Plädoyer für die gemeinsame Mediennutzung im Sinne geteilter Aufmerksamkeit (shared attention) von Kind und Erziehenden. Bildungsaffinität und finanzielle Möglichkeiten, aber auch wie es neueste Forschungsergebnisse 2 belegen die Einstellungsmuster der Eltern bedingen unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen der Kinder bezüglich der technischen Ausstattung, vor allem aber auch bezüglich der erzieherischen Kompetenz. 2.2 Ziel Das Ziel der pädagogischen Arbeit ist die Entwicklung von Medienkompetenz jedes einzelnen Kindes unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Zugangsvoraussetzungen, Vorerfahrungen und bereits informell entwickelten Kompetenzen sowie seiner Interessen, Neigungen, Stärken und Begabungen. Individuelle Förderung erfolgt im partnerschaftlichen und respektierenden Zusammenwirken mit den Eltern. Bei den Kindern sollen erste Grundlagen zur Entwicklung von Medienkompetenz ausgebildet, gefestigt und erweitert werden: Kinder erfahren die grundlegenden Funktionen von Medien (Informieren, Aktivieren, Unterhalten). Kinder sind zunehmend in der Lage, zwischen Erlebtem und medial Vermitteltem zu differenzieren und dies sprachlich zu formulieren. Kinder sind mehr und mehr in der Lage, Medienangebote bewusst und begründet auszuwählen bzw. auf bestimmte Angebote bewusst und begründet zu verzichten. Kinder entwickeln Grundlagen ethischer und ästhetischer Wertungskompetenz. Kinder entwickeln grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Digitalmedien sowie ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise und des Einsatzes digitaler Medien. Kinder versuchen selbst, Medien entsprechend zu gestalten und zu verbreiten. Kinder lernen, Medienprodukte auf der Basis entsprechender Kriterien zu beurteilen. 2 Vgl. DIVSI U9-Studie Kinder in der digitalen Welt Grundlagenstudie des SINUS-Instituts Heidelberg im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Hamburg, April

3 2.3 Umsetzung Der Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre formuliert die Ansprüche des Kindes auch auf die bestmögliche Entwicklung seiner Kompetenzen im Bereich der Medienbildung. Es ist ein Klima zu fördern, welches die Profilbildung von Kindertageseinrichtungen im Hinblick auf Medienerziehung stärkt. Dafür ist Folgendes notwendig: Medienbildung ist Bestandteil der Bildungs- und Erziehungskonzeption der Einrichtung und ihrer Entwicklungspläne und vorhaben. Durch Aus-, Fort- und Weiterbildung wird die personelle Kompetenz für die Umsetzung der oben genannten Ziele und Vorgaben des Bildungsplanes an jeder Einrichtung realisiert. Der Freistaat Thüringen unterbreitet in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Aus- und Fortbildungseinrichtungen bzw. freien Trägern von Fort- und Weiterbildung entsprechende Angebote. Die Kindereinrichtungen und Eltern entwickeln und gestalten eine vertrauensvolle und respektierende Zusammenarbeit. Der schrittweise Ausbau der Breitbandvernetzung in Thüringen verbessert auch die Grundlagen der Medienbildung an den Kindertageseinrichtungen. Träger und Partner der Einrichtungen gewährleisten die technische Grundausstattung der Kindertageseinrichtungen für eine zielführende Gestaltung der Medienbildung. Die Kindertageseinrichtungen nutzen die in Thüringen zu entwickelnden OER Angebote (open educational ressources = offene/freie Bildungsangebote) bzw. beteiligen sich selbst aktiv an deren Weiterentwicklung. 3. Schulische Medienbildung Kinder und Jugendliche erwerben anwendungsbereites Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im selbstbewussten, kreativen, kritischen Umgang mit Medien. Der Einsatz moderner digitaler Medien und die damit verbundenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf Technik, Inhalte und Fragen des Rechts sind in allen Unterrichtsfächern zu praktizieren. Schulen haben eine technische Infrastruktur, die ein vernetztes Arbeiten und das Nutzen digitaler Quellen erlaubt. 3.1 Situation Unter Bezugnahme auf renommierte Studien (vgl. z. B. MiniKIM, KIM, JIM) der letzten Jahre ergibt sich eine sprunghafte Entwicklung hinsichtlich einer erhöhten Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche. Inzwischen ist der Umgang mit diesen Medien bei Kindern und Jugendlichen in der Freizeit selbstverständlich. In Thüringen hat man schon in den 90iger Jahren die Bedeutung des Medieneinsatzes in Schulen erkannt und dem entsprechend gehandelt. Beginnend mit dem Thüringer Schul- Computer-Netzwerk (TSCN) über den Aufbau von Medienschulen bis zur Etablierung des in den Klassenstufen 5 bis 10 verbindlich zu unterrichtenden Kurses Medienkunde, der verbindlichen Nutzung von Computer-Algebra-Systemen in der gymnasialen Bildung und dem Einsatz von EFRE-Mitteln für die IT-Ausstattung von Schulen wurde dem Lernen in einer modernen Gesellschaft Rechnung getragen. Thüringen besitzt seit 2008 mit dem Thüringer Schulportal einen leistungsfähigen Bildungsserver, der als Serviceplattform für alle an Bildung Beteiligten zur Verfügung steht. Das Thüringer Schulportal bietet zudem mit der Medio- 3

4 thek die Basis für einen zukünftigen Open Educational Ressources-Server (OER-Server). Der Datenverkehr der meisten Thüringer Schulen wird über den Thüringer Filterserver geregelt. Begleitend zu diesen Maßnahmen wurden entsprechende Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten, u. a. Intel Lehren für die Zukunft, Multiplikatorenschulungen zum Jugendmedienschutz im Internet für Lehrkräfte, Präventivkräfte der Polizei und Mitarbeitende der Jugendhilfe sowie begleitende Fortbildungen zur Implementation des Kurses Medienkunde. 3.2 Ziel Der selbstverständliche Umgang mit digitalen Medien, den die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit pflegen, wird auch im Unterricht praktiziert, um sowohl das selbstgesteuerte individuelle Lernen als auch das Lernen in Gruppen zu fördern. Digitale Medien sind ein Instrument der inklusiven Bildung. Jede Schülerin/jeder Schüler an einer Thüringer allgemein bildenden weiterführenden Schule benutzt ein digitales multifunktionales Gerät, welches sie/er sowohl in allen Unterrichtsfächern in der Schule als auch zu Hause als zu Stift, Heft und Buch gleichrangiges Arbeitsmittel verwendet. Alle Lehrkräfte besitzen medienpädagogische Basiskompetenzen, welche durch regelmäßige Fortbildungen ergänzt werden. Digitale Lernwerkzeuge unterstützen die Schülerinnen und Schüler beim Erwerb der Grundkompetenzen. Thüringer Schulen besitzen eine schlanke, leistungsfähige, gut zu wartende Infrastruktur, die es allen an Schule Tätigen erlaubt, problemlos das Internet zu nutzen und vernetzt zu arbeiten. Das Thüringer Schulportal als der Thüringer Bildungsserver ist die zentrale Arbeitsplattform für digitales Lehren und Lernen in Thüringen. 3.3 Umsetzung Ausgehend vom derzeitigen Entwicklungsstand sollen die Schulen auf folgenden Gebieten weiterentwickelt werden: Technische Infrastruktur Die Breitbandanbindung für alle Schulen ist grundlegende Voraussetzung für den weiteren Einsatz moderner digitaler Medien im Unterricht. Dazu gehört die Anbindung aller Schulen an schnelle Netze, wie z. B. VDSL oder LTE. Außerdem ist in jeder Schule eine strukturelle Vernetzung mittels WLAN zu schaffen. Die Netzwerke der Schulen müssen für jeden Endgerätetyp zur Verfügung stehen, auch unabhängig vom benutzten Betriebssystem. Will man die Potenziale moderner digitaler Geräte effektiv nutzen, muss jede Schülerin und jeder Schüler über ein persönliches Gerät verfügen. Der Datentransfer der Schulen wird über den Thüringer Filterserver abgesichert. Im Sinne einer erhöhten Datensicherheit und des Nutzerschutzes, vor allem der Schülerinnen und Schüler, ist der Thüringer Filterserver weiter auszubauen. Der Thüringer Bildungsserver Thüringer Schulportal ist als zentrale Plattform für Unterrichtsinhalte und den Austausch von Content sowie das gemeinsame Arbeiten (sowohl im Klassenverband als auch im Distanzunterricht) weiter zu entwickeln. Die Anpassung des Thüringer Schulportals an die Nutzung durch mobile Endgeräte (z. B. Smartphones und Tablet-Computer) hat dabei Priorität. 4

5 Inhalte Basis für einen zu entwickelnden OER-Server bieten die schon vorhandenen Medien der Mediothek des Thüringer Schulportals. Hier werden weiterhin Materialien kostenfrei und urheberrechtlich unbedenklich für Thüringer Lehrerkräfte bereitgestellt. Zudem sollen sowohl digitale Schulbücher als auch Materialien, die zur großen Gruppe der OER gehören, die Mediothek bereichern. Neben der Nachnutzung von OER-Materialien beteiligt sich das Thillm an OER-Initiativen zur Erstellung derartiger Medien bzw. initiiert und koordiniert solche. Zur Klärung rechtlicher Fragen (Lizenzmodelle, Urheberrechte) und zur Aufbereitung der Medien für diesen OER-Server bedarf es einer entsprechenden Personalausstattung am Thillm. Der Thüringer Bildungsserver Thüringer Schulportal wird als Serviceplattform für Lehrkräfte in Fragen der Bildung, Fortbildung und Unterrichtsentwicklung sowie als Arbeitsplattform für den Unterricht weiter ausgebaut. Aus- und Fortbildung Zur Sicherung einer nachhaltigen Medienbildung ist die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte essentiell. Die Schaffung von Verbindlichkeiten bei der Medienaus- und - fortbildung von Lehrkräften ist dabei unerlässlich. In der Lehrkräftebildung wird verstärkt auf den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht eingegangen. In Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten und Studienseminaren sind didaktische und methodische Konzepte zur Nutzung von digitalen Endgeräten und zur Implementierung von digitalen Materialien in die Unterrichtsarbeit zu entwerfen. Dazu gehört z. B. das Etablieren eines Weiterbildungsstudienganges Medienkunde und ein Qualifizierungsprogramm für 100 Schulmedienberaterinnen und -berater. Diese wirken als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den Schulen. Kursplan Medienkunde Der integrative Kurs Medienkunde wird für die Grundschule erweitert und ist somit verbindlich für die Klassenstufen 1 bis 10. Flankierend zur Implementation des Kurses Medienkunde in der Grundschule bietet das Thillm in Zusammenarbeit mit dem Medienkompetenznetzwerk Thüringen ein 200-Stunden-Fortbildungsprogramm an. Dieses Medienbildungsprogramm ist curricular aufgebaut und richtet sich besonders an Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. 4. Außerschulische Medienbildung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe Aus der Tatsache, dass die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen eine zunehmende Mediatisierung erfährt, ergeben sich für die Kinder- und Jugendhilfe folgende Handlungsschwerpunkte: Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken, digitale Ungleichheit in der Verwertung von Teilhabe- und Bildungschancen, Notwendigkeit einer befähigenden Medienbildung. 4.1 Situation Viele Träger der Kinder- und Jugendhilfe widmen sich bereits erfolgreich dem Thema der Medienbildung und Medienkompetenzvermittlung. Zahlreiche Projekte und lokale Aktionen belegen die Relevanz und das Potential von Medienbildung in der Kinder- und Jugendhilfe; eine Fülle von wertvollen medienpädagogischen Materialien für die Praxis liegt vor. Medienpädagogik ist in der Fortbildung für die Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe verankert. Das Landesjugendamt organisiert in Kooperation mit dem Landesfilmdienst Thürin- 5

6 gen e.v., der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.v. und der TLM entsprechende Angebote. Digitale Medien prägen das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen wie in keiner Generation zuvor. Der immense Stellenwert der Mediennutzung stellt besondere Herausforderungen an Eltern, Fachkräfte und Staat im Verhältnis von Befähigung, Schutz und Kontrolle. Vor diesem Hintergrund muss die Bedeutung des Rechts aller Kinder und Jugendlichen auf ein Aufwachsen mit Medien hervorgehoben werden. 4.2 Ziel Um aktiv und selbstbewusst am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, ist es notwendig, jungen Menschen ein reichhaltiges Angebot an Kunst, Kultur, Medien etc. zu sichern. Medienpädagogische Angebote orientieren sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Den jeweiligen Zielgruppen werden mediendidaktische und medienerzieherische Angebote unterbreitet. Die Förderung von Medienkompetenz dient so auch weitergehenden Zielen der Jugendhilfe. Medien können Lernorte sein, die unter anderem dazu beitragen, Öffentlichkeit und Netzwerke zu schaffen und Identität zu fördern. 4.3 Umsetzung Strategien, Konzepte und Strukturen weiter entwickeln Es fehlt noch an der erforderlichen Verbreitung und Nachhaltigkeit guten medienpädagogischen Materials und positiver Umsetzungsbeispiele. Infrastruktur und organisatorische Rahmenbedingungen in der Kinder- und Jugendhilfe müssen weiterentwickelt werden. Es gilt nunmehr an das vorhandene Wissen und die umfassenden Erfahrungen anzuknüpfen und angrenzende Praxisfelder, wie die medienpädagogische Arbeit in den Landesmedienanstalten zu nutzen, ohne dabei die struktureigenen Prinzipien der Kinder- und Jugendhilfe aus den Augen zu verlieren. Perspektivisch gesehen ist es wichtig, wenn z. B. die Jugendförderpläne bzw. der Landesjugendförderplan die Förderung der Medienkompetenz als einer wichtigen gesellschaftlichen Bildungsaufgabe Rechnung tragen und entsprechende Projekte initiieren. Qualifizierung von Fachkräften Darüber hinaus besteht insbesondere Handlungsbedarf im Bereich der medienpädagogischen Grundbildung. Entsprechend bietet es sich an, ein medienpädagogisches Modul als verbindlichen und prüfungsrelevanten Bestandteil in der pädagogischen Aus- und Fortbildung zu verankern. Datenschutz verbessern und Kinder- und Jugendschutz stärken Es ist eine Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, den Stellenwert des erzieherischen Kinderund Jugendschutzes weiter zu stärken und den gesetzlichen Jugendmedienschutz weiter zu entwickeln. 6

7 5. Schlussfolgerungen Medienkompetenzentwicklung ist eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe. Der Freistaat Thüringen ist sich seiner Verantwortung auf dem Gebiet der Medienkompetenzentwicklung als Kinder- und Jugendmedienland bewusst und wird sämtliche Anstrengungen unternehmen, die dafür notwendigen stabilen und nachhaltigen Rahmenbedingungen stetig an den technologischen Fortschritt anzupassen. Zur erfolgreichen Umsetzung sind folgende Maßnahmen unabdingbar: Die Stärkung und Weiterentwicklung der Vermittlung von Medienkompetenz bedarf starker wirtschaftlicher Ressourcen. Eine adäquate technische Infrastruktur in den frühkindlichen, schulischen, aus- und weiterbildenden Bildungseinrichtungen und den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ist bereitzustellen. Hierzu zählt der Anschluss an das Breitbandnetz sowie die Schaffung einer sicheren digitalen Lernumgebung. Die Stärkung und Weiterentwicklung der Vermittlung von Medienkompetenz bedarf starker personeller Ressourcen. Medienpädagogik und Medienbildung sind in der Ausbildung sowie Fort- und Weiterbildung von professionell Erziehenden und Lehrkräften aller Bildungsbereiche fest zu verankern. Darüber hinaus sind an der häuslichen Erziehung der Kinder und Jugendlichen Beteiligte zu qualifizieren. Die bestehenden Aktivitäten und Angebote zur Förderung der Medienkompetenz in Thüringen sind zu evaluieren. Für die Arbeit mit neuen multifunktionalen Medien sind zielgruppenübergreifend Modellprojekte zu entwickeln und zu erproben. Bestehende Netzwerke der medienpädagogischen Bildung sind zu nutzen und die Partner adäquat finanziell und personell auszustatten. Gegenseitige Einblicke in sowie die gegenseitige Information über Arbeitsschwerpunkte, Vorhaben und Projekte sind dabei unabdingbar. Um diese Offenheit zwischen den Partnern zu erreichen, bedarf es eines engen Vertrauensverhältnisses zwischen ihnen. Medienforschung und Medienpraxis sind enger zu verzahnen. Bestehende sowie künftig initiierte Forschung zur Medienaneignung, -sozialisation und -kompetenzentwicklung ist verstärkt in die praktische Medienarbeit einzubringen. 7

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