Berufsunfähigkeit das unterschätzte Risiko

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1 Continentale-Studie zur Berufsunfähigkeit: Berufsunfähigkeit das unterschätzte Risiko Eine repräsentative Befragung der Continentale Assekuranz Service GmbH in Zusammenarbeit mit TNS Infratest und SPECTRA Marktforschung

2 Impressum 2011 Herausgeber: Continentale Assekuranz Service GmbH Fichtegasse 2a, 1010 Wien Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers.

3 Inhalt I. Geleitwort von Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc. 4 II. Kernergebnisse 5 III. Die Ängste der Bevölkerung 7 IV. Berufsunfähigkeit: Umfang der Absicherung 9 V. Gründe für fehlende Absicherung 9 VI. Ursachen für Berufsunfähigkeit 13 VII. Persönliche Risikoeinschätzung 14 VIII. Folgen von Berufsunfähigkeit 15 IX. Vorsorgemaßnahmen 18 X. Bedeutung der Berufsunfähigkeitsversicherung 19 XI. Ausgabebereitschaft für eine Berufsunfähigkeitsversicherung 19 XII. Aussagen zur Berufsunfähigkeitsversicherung 21 XIII. Gesamtfazit 23 XIV. Soziodemografie und Befragungsgrundlagen 25

4 I. Geleitwort Im Kopf von Herrn und Frau Österreicher scheint als Assoziation zum Thema Berufsunfähigkeit zurzeit noch ein fixes Bild verankert zu sein: Der Rollstuhlfahrer nach einem folgenschweren Unfall. Als professionelle Pragmatiker blicken Österreicher sich dann in ihrer unmittelbaren täglichen Lebensumgebung um und schätzen ihr persönliches Risiko, berufsunfähig zu werden, auf Basis der Annahme des Rollstuhlfahrers als vernachlässigbar ein. Eine genauso verbreitete wie falsche Überzeugung allerdings, arbeitet man die realen Zahlen von Berufsunfähigkeit und die dafür verantwortlichen Gründe auf. Psychologisch gesehen verwundert dieser Mechanismus des persönlichen Wegdrehens von einer schrecklichen möglichen Realität dennoch nicht. Diese Verleugnung dient der fundamentalen Angstabwehr und funktioniert wie folgt: Eine mögliche existenzielle Bedrohung (in diesem Fall: der nachhaltige Verlust der Arbeitskraft) wird mit einem in der äußeren Umwelt beobachtbaren sehr selten vorkommenden Ergebnis (in diesem Fall: an den Rollstuhl gefesselt sein) fix verknüpft und erfüllt dann die Funktion, aufkommende Ängste wirkungsvoll unterdrücken zu können; ganz nach dem Motto: Berufsunfähigkeit = Rollstuhl, im Rollstuhl sitzen allerdings nur ganz wenige Menschen, also brauchst Du Dich im Umkehrschluss auch nicht vor Berufsunfähigkeit zu fürchten. So sehr dieser Mechanismus die tägliche Alltagsstimmung und Gesundheitszuversicht hoch zu halten vermag, so sehr hält anderseits die Realität ein hartes Willkommen mit oft existenziell vernichtendem Potenzial für den Einzelnen bereit. Die Continentale-Studie zur Berufsunfähigkeit zeigt differenziert die Situation der österreichischen berufstätigen Bevölkerung in einem repräsentativen demografischen Querschnitt auf, die von einem diffusen Unbehagen geprägt ist; fast ist man geneigt von einer widerwilligen Akzeptanz der Lebensrealität zu sprechen. Zahlreiche Mythen, ob sie Misstrauen gegen den Versicherer schüren oder aber Fehleinschätzungen bezüglich geeigneter Vorsorgeformen gegen Berufsunfähigkeit betreffen, machen deutlich, dass hier enormer Informationsmangel zum Thema herrscht und qualifizierte Aufklärung und Beratung in großem Stil gefordert sind. Dass dies auch von der großen Zielgruppe der Berufstätigen letztendlich eigentlich bereits dringlichst erwartet wird, ist eindeutig, so man versteht, korrekt zwischen den Zeilen der Befragung zu lesen. Dies macht umso mehr deutlich, dass in den weiteren Folgeschritten engagierte, über profunde Ausbildung verfügende Lebenssicherheitsberater in der Betreuung von sensibilisierten mündigen Kunden alle Hände voll zu tun haben werden. In der Untersuchung der Continentale liegt uns über die Abbildung der Haltung, Einschätzungen und Überzeugungen der Österreicher zum Thema Berufsunfähigkeit weit über das statistische Material hinaus ein wertvoller Wegweiser für die Entwicklung effizienter weiterer Schritte in Kooperation mit bewussten Vertriebspartnern in Händen. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, M.Sc. Österreich

5 II. Kernergebnisse Repräsentative Studie mit 572 Befragten. Die Ängste der Österreicher 69 Prozent der Bevölkerung haben Angst vor Berufsunfähigkeit. Die größte Angst haben die Österreicher vor Pflegebedürftigkeit und Krankheit: Jeweils 80 Prozent der Befragten machen sich hierüber Sorgen. 72 Prozent der Bevölkerung haben die Befürchtung, dass ihre Pension im Alter nicht ausreichen wird. Angst vor Arbeitslosigkeit ist zwar mit 53 Prozent Nennungen weniger zentral, aber besonders bei jüngeren Befragten ein wichtiges Thema: 60 Prozent der 20- bis 39-Jährigen fürchten, ihre Arbeit zu verlieren. Berufsunfähigkeit: Umfang der Absicherung 32 Prozent der Befragten geben an, sie hätten eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Gründe für fehlende Absicherung Die Österreicher fühlen sich über die Themen Berufsunfähigkeit und Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ausreichend informiert: 62 Prozent der Befragten geben als Grund für eine fehlende Absicherung an, dass sie sich noch nicht informiert hätten. Rund ein Drittel gibt an, zu diesem Thema noch keine geeignete Beratung gefunden zu haben. 55 Prozent sagen, sie würden ihr Geld lieber für andere Dinge ausgeben. 54 Prozent der Nicht-Versicherten sagen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sei ihnen zu teuer. Ebenfalls 54 Prozent denken, sie seien durch Partner oder Familienangehörige abgesichert. 47 Prozent der Befragten geben an, dass sie auf andere Weise vorgesorgt hätten. Für noch zu jung oder schon zu alt, um eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, halten sich 36 Prozent der Befragten. Ursachen für Berufsunfähigkeit und persönliche Risikoeinschätzung Die Ursachen für Berufsunfähigkeit werden völlig falsch beurteilt: Unfälle als Ursache von Berufsunfähigkeit werden massiv überschätzt, psychische Erkrankungen hingegen deutlich unterschätzt. Nur 9 Prozent der Befragten sehen sich persönlich durch das Risiko Berufsunfähigkeit gefährdet. 5

6 Folgen von Berufsunfähigkeit Zwar befürchten 46 Prozent der Befragten einen Verlust der Lebensqualität durch Berufsunfähigkeit, aber nur 31 Prozent rechnen mit dauerhafter Arbeitslosigkeit und das, obwohl dauerhafte Arbeitslosigkeit realistisch betrachtet die größte wirtschaftliche Gefahr darstellt, die von Berufsunfähigkeit ausgeht. Informiertheit und Ausgabebereitschaft Über Vorsorgemöglichkeiten gegen die finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit ist die Bevölkerung unzureichend informiert. Zwar halten 70 Prozent die private Berufsunfähigkeitsversicherung für geeignet, aber 71 Prozent meinen dies auch von der Lebensversicherung. Am häufigsten wird mit 80 Prozent die Unfallversicherung als geeignete Vorsorgeform genannt, gefolgt von Sparen mit 76 Prozent. Grundsätzlich halten 60 Prozent der Berufstätigen die private Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung für wichtig. 29 Prozent der Berufstätigen sind bereit, für den privaten Schutz mehr als 25 Euro im Monat auszugeben. Viele Punkte des komplexen Themas Berufsunfähigkeitsversicherung sind der Bevölkerung nicht oder nicht ausreichend bekannt. So meinen 37 Prozent der Berufstätigen fälschlicherweise, die Leistungen der privaten Absicherung würden mit staatlichen Leistungen verrechnet. 36 Prozent sind der irrigen Auffassung, die private Versicherung zahle nicht bei selbstverschuldeten Unfällen. 6

7 III. Die Ängste der Bevölkerung Welche Lebensrisiken wie Berufsunfähigkeit, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit fürchtet die Bevölkerung am meisten? Diese Frage wurde in der vorliegenden Continentale-Studie untersucht. Für den Bereich Berufsunfähigkeit wird in den folgenden Kapiteln unter anderem darauf eingegangen, wie die Österreicher ihr persönliches Risiko einschätzen, welche Folgen sie konkret befürchten und aus welchen Gründen sie keine Berufsunfähigkeitsvorsorge getroffen haben. 1. Pflegebedürftigkeit Die Angst vor Pflegebedürftigkeit ist mit 80 Prozent groß und zwar relativ unabhängig von Alter, Einkommen und Bildungsniveau. Immerhin 38 Prozent der Befragten haben sogar große Angst vor diesem Lebensrisiko. Auswirkungen auf die Angst vor Pflegebedürftigkeit hat das Geschlecht: 83 Prozent der Frauen geben an, Angst zu haben, bei den Männern sind es 77 Prozent. Auch Menschen, die davon ausgehen, dass die gesetzlichen Leistungen im Pflegefall nicht ausreichend sind, fürchten sich häufiger vor Pflegebedürftigkeit (84 Prozent), als Befragte, die das nicht glauben (63 Prozent). 2. Krankheit Auch vor Krankheit haben 80 Prozent der österreichischen Berufstätigen Angst; 37 Prozent sogar sehr große oder große. Befragte, die auf dem Land leben, haben seltener Angst vor Krankheiten (76 Prozent) als die, die in den Landeshauptstädten (89 Prozent) oder in Wien (87 Prozent) zu Hause sind. 3. unzureichende Alterspension 72 Prozent der Bevölkerung haben die Sorge, dass ihre Pension im Alter nicht ausreichen wird bei den unter 50-Jährigen sind es sogar 77 Prozent. Große oder sehr große Angst haben 30 Prozent. Die finanzielle Sicherheit im Alter gehört also ebenfalls zu den drängenden Problemen der Bevölkerung unabhängig von Geschlecht, Einkommen, Bildungsniveau oder Wohnort. 4. Berufsunfähigkeit Berufsunfähigkeit ist ein Lebensrisiko, das nur wenige Menschen mit einer entsprechenden Versicherung abgedeckt haben. Verbraucherschützer und Versicherer mahnen einhellig, dieses Risiko werde weit unterschätzt. Allerdings: 69 Prozent der Bevölkerung fürchten sich vor Berufsunfähigkeit, 28 Prozent haben sogar große Angst. Bei den Befragten unter 40 Jahren ist diese Sorge noch ausgeprägter: Hier haben sogar 76 Prozent Angst, davon 33 Prozent große. Zum Vergleich: Bei den über 40-jährigen Befragten sind 7

8 Die Ängste der Bevölkerung Welche Lebensrisiken fürchten die Österreicher? große/sehr große Angst Angst insgesamt Pflegedürftigkeit 38% 80% Krankheit 37% 80% unzureichende Alterspension 30% 72% Berufsunfähigkeit 28% 69% Arbeitslosigkeit 20% 53% Mehrfachnennung möglich Befragte: 572 Berufstätige Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH es nur noch 62 Prozent, die diese Befürchtung äußern. Das Risiko ist also einem großen Teil der Bevölkerung bewusst. Differenziert man nach Bildungsniveau ergibt sich für das Risiko Berufsunfähigkeit folgendes Bild: Befrag te mit niedrigem Bildungsabschluss machen sich die größten Sorgen (72 Prozent). Die Berufstätigen mit Universitäts- oder Hochschulabschluss fürchten sich seltener davor, einmal berufsunfähig zu werden (62 Prozent). 5. Arbeitslosigkeit Angst vor Arbeitslosigkeit ist zwar mit 53 Prozent Nennungen, davon 20 Prozent Nennungen für große Angst, weniger zentral, aber besonders bei jüngeren Befragten ein wichtiges Thema. Im einzelnen: 60 Prozent der 20- bis 39-Jährigen fürchten, ihre Arbeit zu verlieren, 26 Prozent machen sich sogar sehr große oder große Sorgen. Bei den über 40-jährigen Befragten sind es nur noch 46 Prozent und lediglich 14 Prozent haben sehr große oder große Angst. Das Bildungsniveau spielt bei der Einschätzung des persönlichen Risikos keine Rolle. Eine gute Ausbildung wird also nicht als Schutz vor Arbeitslosigkeit gesehen; die Angst hat alle Gruppen erreicht. 8

9 IV. Berufsunfähigkeit: Umfang der Absicherung Im Rahmen der Continentale-Studie machen 32 Prozent der Befragten die Angabe, sie hätten eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Allerdings ist hier davon auszugehen, dass dies tatsächlich nicht so ist. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Menschen meinen, sie hätten für den Fall der Berufsunfähigkeit vorgesorgt. Dabei wählen sie allerdings völlig untaugliche Mittel (siehe Kapitel IX). So wird die Unfallversicherung als die geeignetste Vorsorgemaßnahme angesehen, obwohl sie nur eine sehr kleine Ausschnittsdeckung bietet. Gegen Berufsunfähigkeit haben mit 38 Prozent deutlich häufiger Männer vorgesorgt als Frauen mit 23 Prozent. V. Gründe für fehlende Absicherung Warum verzichten Menschen auf den eigentlich notwendigen Schutz durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung? Der häufigste Grund ist, dass sich 62 Prozent der Befragten noch nicht über diese Form der Absicherung informiert haben. Allerdings geben nur 35 Prozent an, sie hätten noch keine geeignete Beratung gefunden. Die Tatsache, dass bei vielen Fragen rund um diesen Themenkomplex mehr als 10 Prozent die Angabe weiß nicht/keine Angabe machen, ist ein Indiz für ein hohes Maß an Uninformiertheit. Bedeutung hat auch die Erwartung, dass Partner oder Familienangehörige im Falle der Berufsunfähigkeit für den Unterhalt sorgen werden. 54 Prozent der Befragten verlassen sich darauf. Darüber hinaus wollen 55 Prozent der Befragten ihr Geld lieber für andere Dinge ausgeben und 54 Prozent meinen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sei zu teuer. Eine Rolle spielt auch, dass 47 Prozent der Befragten angeben, dass sie auf andere Weise für den Fall der Berufsunfähigkeit vorgesorgt hätten. Dies ist besorgniserregend, da nur eine Berufsunfähigkeitsversicherung einen wirksamen Schutz gegen dieses Risiko bietet. Für noch zu jung oder schon zu alt, um eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, halten sich 36 Prozent der Befragten. 1. nicht ausreichend informiert Informationsmangel ist der häufigste Grund, warum die Befragten noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben. 62 Prozent der Berufstätigen geben an, sie hätten sich noch nicht über dieses Thema informiert. 66 Prozent der Frauen haben sich noch nicht informiert, bei den Männern sind es 59 Prozent. Die Informiertheit erhöht sich mit zunehmendem Alter. Bei den 20- bis 39-Jährigen haben sich 71 Prozent noch nicht mit diesem Thema beschäftigt, bei den über 40-Jährigen sind es nur noch 53 Prozent. 9

10 Gründe gegen BU-Absicherung Welche Gründe sprechen gegen Berufsunfähigkeitsversicherung? nicht ausreichend informiert 62% Geld für andere Dinge ausgeben 55% Versicherung ist zu teuer 54% Absicherung durch Partner/Familie 54% auf andere Weise vorgesorgt 47% zu alt/zu jung für Versicherung 36% keine Beratung gefunden 35% Mehrfachnennung möglich Befragte: 399 Berufstätige ohne Absicherung Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH Das Bildungsniveau hat keine Auswirkungen darauf, ob sich jemand über die Berufsunfähigkeitsversicherung informiert hat oder nicht. Angestellte sehen sich schlechter informiert (67 Prozent) als Arbeiter (44 Prozent). 2. Geld lieber für andere Dinge ausgeben 55 Prozent der Befragten ohne Schutz durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung sagen, sie würden ihr Geld lieber für andere Dinge ausgeben und daher keine Versicherung abschließen. Auffällig ist, dass 63 Prozent der Männer dieser Aussage zustimmen, aber nur 45 Prozent der Frauen. 3. Berufsunfähigkeitsversicherung ist zu teuer Insgesamt stimmen 54 Prozent der Befragten, die nicht gegen Berufsunfähigkeit vorsorgen, der Aussage zu, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer ist. Bei dieser Aussage wissen aber auch 21 Prozent der Befragten nicht, was sie antworten sollten oder machen keine Angabe. 10

11 Selbstverständlich können fehlende finanzielle Mittel tatsächlich ein sachlich gerechtfertigter Grund sein, einen eventuell sogar als notwendig erachteten Versicherungsschutz nicht abzuschließen. Angesichts des von den Befragten eingeräumten Informationsmangels ist es aber fraglich, inwieweit der für eine geeignete Absicherung notwendige finanzielle Aufwand tatsächlich richtig eingeschätzt wird. Möglicherweise halten Befragte eine Berufsunfähigkeitsversicherung für teurer als sie ist. Entscheidend kann aber ein ganz anderes Argument sein: Wenn man davon ausgeht, nicht berufsunfähig zu werden, ist natürlich jede Versicherung zu teuer. Und für gefährdet halten sich nur 9 Prozent der Österreicher (siehe Kapitel VII). 4. Absicherung durch Partner oder Familie Große Bedeutung hat auch die Erwartung, im Fall des Falles durch den Partner oder Familienangehörige unterstützt zu werden. 54 Prozent der Befragten nennen dies als Grund dafür, dass sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben. Angesichts einer Scheidungsrate von derzeit 43 Prozent in Österreich ist es zumindest optimistisch, sich bei der Absicherung des Lebensunterhalts auf den Partner zu verlassen. Andere Angehörige wie die Eltern sind auch kein zuverlässiger Schutz, da die wenigsten finanziell in der Lage sein werden, den Verlust eines kompletten Gehaltes über einen längeren Zeitraum aufzufangen. Das gilt speziell dann, wenn die Eltern bereits in Rente sind. Hinzu kommt, dass eine Versorgung durch die Eltern naturgemäß endlich ist. Trotzdem zieht sich diese Einstellung sehr gleichmäßig durch alle Altersgruppen, Einkommensgruppen und Bildungsniveaus. Unterschiede gibt es allerdings in folgenden soziodemografischen Gruppen: Nur 45 Prozent der Männer würden sich auf Partner und Familie verlassen, aber 64 Prozent der Frauen. Auch die Haushaltsgröße hat Einfluss: In 1-Personen-Haushalten glauben nur 17 Prozent an eine Absicherung durch ihr Umfeld, in 2- Personen- Haushalten 57 Prozent, in 3-Personen-Haushalten 65 Prozent und in Haushalten mit 4 oder mehr Mitgliedern 78 Prozent. Wer auf dem Land lebt (71 Prozent) verlässt sich ebenfalls stärker auf den Partner und Familienangehörige als Menschen, die in einer Kleinstadt (47 Prozent), Landeshauptstadt (34 Prozent) oder in Wien (42 Prozent) zu Hause sind. 5. auf andere Weise vorgesorgt 47 Prozent der Befragten geben an, sie hätten auf andere Weise gegen Berufsunfähigkeit vorgesorgt. Nur: Als Vorsorge gegen die finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit ist nur die Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich geeignet. Alle anderen Vorsorgemaßnahmen mögen zur Beruhigung der Betroffenen dienen, stellen aber keinen wirksamen Schutz dar. Dies wird deutlich, wenn man die Vorsorgemaßnahmen betrachtet, die von der Bevölkerung als angemessen angesehen werden (siehe Kapitel IX.). Hier nennen zwar 70 Prozent die Berufsunfähigkeitsversicherung. Angeführt wird die Liste der geeigneten Vorsorgeformen allerdings von der Unfallversicherung. 80 Prozent halten diese Versicherung für einen geeigneten Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Allerdings: Unfälle sind mit 4 Prozent nur selten der Grund für Berufsunfähigkeit; die Vorsorgemaßnahme ist also ungeeignet. 76 Prozent treffen Vorsorge durch Sparen und 71 Prozent nennen die Lebensversicherung. Gesparte Mittel sind bei Verlust des Einkommens allerdings schnell 11

12 verbraucht und eine irgendwann auszuzahlende Lebensversicherung hilft im Fall der Berufsunfähigkeit ebenfalls nicht. Die Bevölkerung meint also, in anderer Form vorgesorgt zu haben, hat es aber faktisch nicht. Dies legt die Vermutung nahe: Viele Menschen haben Versicherungen abgeschlossen oder besitzen Sparpläne. Und diese Vorsorgemaßnahmen schützen dann nach eigener Ansicht gegen alle möglichen Lebensrisiken ob sie nun wirklich geeignet sind oder nicht. 6. zu alt oder zu jung für eine Berufsunfähigkeitsversicherung 36 Prozent der Befragten meinen, für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung seien sie noch zu jung oder bereits zu alt. Zu jung kann man für diese Absicherung eigentlich gar nicht sein. Zum einen können psychische Erkrankungen wie Burnout auch in relativ jungen Jahren auftreten. Zum anderen wird der Schutz immer teurer, je älter Interessenten beim Abschluss sind, und durch etwaige Vorerkrankungen auch immer schwieriger zu erlangen. Wer also sagt, er sei zu alt für diese Versicherung, kann dies durch korrekt bewerten. Allerdings machen auch bei dieser Frage 10 Prozent keine Angabe oder wissen nicht, was sie antworten sollen. Wenig überraschend ist, dass es sich bei den meisten Befragten, die sagen, sie seien zu alt für die Absicherung, um Personen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren handelt. In dieser Gruppe machen 56 Prozent diese Angabe. Zum Vergleich: In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es nur 19 Prozent. 7. keine Beratung gefunden Für immerhin 35 Prozent, also rund ein Drittel der Befragten, ist fehlende Beratung der Grund, weshalb sie nicht gegen Berufsunfähigkeit vorgesorgt haben. Hier wissen 14 Prozent der Befragten nicht, was sie antworten sollen, oder machen keine Angabe. Unterschiede unter soziodemografischen Gesichtspunkten gibt es nicht. 8. Fazit Letztendlich gibt es nicht den einen dominierenden Grund, der aus Sicht der Bevölkerung gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung spricht fünf der insgesamt sieben möglichen Nennungen erhalten eine Zustimmung von rund 50 Prozent oder mehr. Uninformiertheit spielt eine große Rolle, aber auch falsches Vertrauen in andere Absicherungen wie die Familie und auch finanzielle Gründe werden angeführt. Wobei sowohl bei den anderen alternativen Absicherungsformen als auch bei den finanziellen Gründen Uninformiertheit eine Rolle spielen wird die anderen Absicherungen werden zu optimistisch bewertet, der Preis einer Berufsunfähigkeitsversicherung eventuell überschätzt. 12

13 VI. Ursachen für Berufsunfähigkeit Die Gründe für Berufsunfähigkeit sind durch verschiedene Statistiken bekannt, werden aber trotzdem von der Bevölkerung oft falsch eingeschätzt. In Diskussionen wird zum Beispiel die Berufsunfähigkeit oft mit einem Unfall gleichgesetzt. In Wirklichkeit sind andere Gründe wesentlich häufiger. Das Problem: Wenn die Bevölkerung die Gründe für Berufsunfähigkeit nicht kennt, schätzt sie auch das Risiko der persönlichen Betroffenheit falsch ein. Daher wurde im Rahmen der Studie auch gefragt, für wie groß die Befragten das Risiko halten, aus verschiedenen Gründen berufsunfähig zu werden. Hier die Ergebnisse im Vergleich mit den tatsächlichen Ursachen auf Basis der Daten der Pensionsversicherungsanstalt für das Jahr 2010: Ursachen für BU nach Meinung der Befragten Tatsächliche Ursachen für BU Unfall 40% 4% Rückenleiden/Bewegungsapparat 38% 23% psychische Erkrankungen 22% 39% Zu beachten ist, dass die Befragten der Continentale-Studie Mehrfachnennungen machen konnten, die natürlich bei der Zählung der echten Fälle nicht möglich sind. Das Bild ist aber trotzdem eindeutig: Rückenleiden und insbesondere Unfälle werden als Ursachen für Berufsunfähigkeit deutlich überschätzt, psychische Erkrankungen hingegen unterschätzt. Dies kann zu einer fatalen Fehleinschätzung des persönlichen Risikos führen. Gerade Personen, die keine körperlich anstrengende Tätigkeit ausüben, können zu der Ansicht gelangen, sie würden wahrscheinlich nie berufsunfähig werden. Dies wird deutlich, wenn man die Gruppe der Angestellten betrachtet. Hier sehen zwar immerhin 27 Prozent psychische Erkrankungen als Gefahr an, aber 41 Prozent nennen Unfälle und 36 Prozent Rückenleiden Angestellte unterscheiden sich in ihrer Risikoeinschätzung also nicht wesentlich von der Gesamtheit aller Befragten. Dabei ist die Gefahr für einen Angestellten mit sitzender Tätigkeit, den Beruf wegen einer psychischen Erkrankung nicht mehr ausüben zu können, tatsächlich viel höher als wegen eines Rückenleidens. Die komplett unrealistische Überschätzung von Unfällen als Ursache für Berufsunfähigkeit erklärt zumindest, warum so viele Menschen glauben, mit einer Unfallversicherung hätten sie auch für den Fall der Berufsunfähigkeit vorgesorgt besonders, wenn sie Rückenleiden aufgrund ihrer Tätigkeit als Ursache ausschließen. 13

14 VII. Persönliche Risikoeinschätzung Für wie groß halten die Befragten ihr Risiko, selbst einmal berufsunfähig zu werden? Ein großes oder sehr großes Risiko sehen 9 Prozent. Tatsächlich erhalten derzeit nach Angaben des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger rund Personen eine Pension wegen geminderter Arbeitsfähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit Tendenz steigend. Interessant dabei ist, dass das Risiko der Berufsunfähigkeit ausgerechnet von den Befragten mit Matura oder einem höheren Bildungsabschluss massiv unterschätzt wird: Nur jeweils 5 Prozent aus diesen Gruppen halten sich für gefährdet. Bei Befragten mit Abschluss an einer Pflichtschule sind es 12 Prozent. Hier besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen der angesichts des Bildungsabschlusses üblicherweise ausgeübten Tätigkeit und der persönlichen Risikoeinschätzung. Denn kombiniert man die Angaben zu den möglichen Ursachen von Berufsunfähigkeit mit der Abschätzung der persönlichen Gefährdung, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Die Gefahr durch Unfälle und Rückenleiden wird deutlich überschätzt, die Gefahr durch psychische Erkrankungen unterschätzt. Wer berufsunfähig ist, ist nach Persönliche Einschätzung BU-Risiko Für wie groß halten Sie für sich persönlich die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden? sehr groß 4% groß 5% weniger groß 36% gering 52% fehlende Zahlen zu 100%: weiß nicht/keine Angabe oder Rundung Befragte: 572 Berufstätige Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH 14

15 Meinung vieler Befragter offenbar dauerhaft körperlich behindert und sitzt im Rollstuhl. Auf dieser Basis gelangen die Befragten dann auch zur Fehleinschätzung ihres persönlichen Risikos. Wenn sie sich für nicht unfallgefährdet halten und auch keinen körperlich anstrengenden Tätigkeiten nachgehen, sehen sie für sich auch nur ein geringes Risiko der Berufsunfähigkeit. Letztendlich führen so Uninformiertheit und Fehlinformation zu falschen Schlüssen und stehen einem wirksamen Schutz vor dem existenzbedrohenden Lebensrisiko Berufsunfähigkeit entgegen. Dabei kann ein Angestellter durch psychische Probleme ohne jede körperliche Beeinträchtigung berufsunfähig werden. VIII. Folgen von Berufsunfähigkeit Berufsunfähigkeit ist erst einmal ein relativ abstrakter Begriff. Doch vor was fürchtet sich die Bevölkerung im Falle der Berufsunfähigkeit am meisten? Am häufigsten wird der Verlust an Lebensqualität genannt, der mit einer Berufsunfähigkeit einhergeht. 46 Prozent der Befragten haben diese Befürchtung. 35 Prozent sehen eine Beeinträchtigung der Familie zum Beispiel durch eine unterstützende oder pflegende Tätigkeit als mögliche Folge. Sozialer Abstieg ist für 33 Prozent eine mögliche Konsequenz. Über dauerhafte Arbeitslosigkeit sorgen sich lediglich 31 Prozent und 21 Prozent befürchten soziale Vereinsamung. 1. Verlust an Lebensqualität Der Verlust an Lebensqualität im Falle der Berufsunfähigkeit ist die am häufigsten geäußerte Befürchtung der Befragten; 46 Prozent machen diese Angabe. Besonders häufig fürchten sich folgende Gruppen vor dieser Folge von Berufsunfähigkeit: Frauen (55 Prozent) fürchten sich häufiger davor als Männer (39 Prozent). Die Sorge vor dem Verlust an Lebensqualität sinkt mit zunehmendem Alter: Bei den 20- bis 29-Jährigen machen diese Angabe 62 Prozent, bei den Befragten zwischen 50 und 60 Jahren nur noch 29 Prozent. Beim Aspekt Verlust an Lebensqualität ist es nahe liegend, dass viele Befragte an eine dauerhafte körperliche Beeinträchtigung denken, sodass sie im Falle der Berufsunfähigkeit auch viele gewohnte Aktivitäten nicht mehr ausüben können. Schließlich werden ja Rückenleiden und Unfälle als häufigste Ursachen genannt. 2. Beeinträchtigung der Familie Eine Beeinträchtigung der Familie zum Beispiel durch eine unterstützende oder pflegende Tätigkeit befürchten 35 Prozent der Befragten. Abweichungen unter soziodemografischen Aspekten gibt es unter diesem Gesichtspunkt nur zwischen Frauen (40 Prozent) und Männern (31 Prozent). Nicht nachweisbar, aber durchaus wahrscheinlich ist es, dass zumindest für einen Teil der Befragten auch hier die Befürchtung von dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung eine große Rolle spielt. 15

16 Ängste im Fall der Berufsunfähigkeit Wie groß ist Ihre Angst vor den möglichen Folgen einer Berufsunfähigkeit? Verlust von Lebensqualität 46% Beeinträchtigung der Familie 35% Sozialer Abstieg 33% Dauerhafte Arbeitslosigkeit 31% Soziale Vereinsamung 21% Angabe sehr groß/groß ; Mehrfachnennung möglich Befragte: 572 Berufstätige Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH 3. Sozialer Abstieg Vom sozialen Abstieg durch Berufsunfähigkeit sehen sich 33 Prozent der Befragten bedroht. Diese Angst ist bei Frauen (39 Prozent) häufiger verbreitet als bei Männern (28 Prozent). Die Angst vor dem sozialen Abstieg sinkt mit steigendem Alter und Einkommen: 42 Prozent der 20- bis 29-Jährigen haben diese Sorge, 36 Prozent der 30- bis 39-Jährigen, 30 Prozent der 40- bis 49-Jährigen und 21 Prozent der 50- bis 60-Jährigen. Von den Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen und Euro sorgen sich 42 Prozent. Bei Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von Euro und mehr sind es lediglich 27 Prozent. 4. Dauerhafte Arbeitslosigkeit Dauerhafte Arbeitslosigkeit fürchten 31 Prozent der Befragten. Dies ist ein erstaunlich niedriger Wert, denn schließlich kann der Betroffene im Fall der Berufsunfähigkeit mindestens seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben. Und falls es ihm möglich ist, einen neuen Beruf zu erlernen, muss er anschließend auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle finden 16

17 was je nach Konjunktur schwierig sein kann. Davon abgesehen gibt es aber auch Fälle, speziell wenn psychische Erkrankungen vorliegen, bei denen der Berufsunfähige nie wieder erwerbstätig sein wird. Vor diesem Hintergrund ist der Optimismus der meisten Befragten erstaunlich, denn dauerhafte Arbeitslosigkeit ist realistisch betrachtet die größte wirtschaftliche Gefahr, die von Berufsunfähigkeit ausgeht. Daher ist das Antwortverhalten zu diesem Aspekt auch ein weiteres Indiz dafür, dass viele Menschen das Risiko der Berufsunfähigkeit unterschätzen. Besonders optimistisch sind Menschen mit Universitäts- oder Hochschulabschluss. In dieser Gruppe machen sich nur 19 Prozent Sorgen vor dauerhafter Arbeitslosigkeit. Zum Vergleich: Bei den Befragten mit Pflichtschulabschluss sind es 28 Prozent, bei den Befragten mit mittlerem Bildungsabschluss 43 Prozent und bei denen mit Matura 40 Prozent. Auch das Alter hat Einfluss auf das Antwortverhalten: Am häufigsten fürchten sich Befragte zwischen 20 und 29 Jahren vor dauerhafter Arbeitslosigkeit (43 Prozent). Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 34 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 32 Prozent und bei den 50- bis 60-Jährigen nur noch 12 Prozent. 5. Soziale Vereinsamung Soziale Vereinsamung ist mit 21 Prozent Nennungen die geringste Sorge der Berufstätigen im Falle der Berufsunfähigkeit. Dabei gibt es Unterschiede zwischen einzelnen soziodemografischen Gruppen: Frauen (25 Prozent) haben häufiger Angst vor sozialer Vereinsamung als Männer (17 Prozent). Menschen, die alleine leben, haben seltener Angst (11 Prozent). Zum Vergleich: 24 Prozent der Befragten, die in 2-und-mehr-Personen-Haushalten leben, machen sich Sorgen um soziale Vereinsamung. Ebenfalls seltener Angst haben Menschen, die auf dem Land leben (17 Prozent), als die Befragten aus Wien (28 Prozent). 6. Fazit Es ist durchaus auffällig, dass die meisten Erwerbstätigen bei den Folgen einer Berufsunfähigkeit an dauerhafte körperliche Beeinträchtigungen denken, Berufsunfähigkeit also oft mit Behinderung gleichgesetzt wird. Diese Interpretation wird dadurch gestützt, dass die größte Angst der Befragen der Verlust an Lebensqualität ist weit vor dauerhafter Arbeitslosigkeit, in der Regel eine Folge von Berufsunfähigkeit. Dies gilt unabhängig von Bildungsniveau, Tätigkeit und Einkommen. Das ganze Thema wird also offenbar nicht wirklich verstanden. Die Tatsache, dass die Befragten die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit nicht kennen und ihr persönliches Risiko unterschätzen, unterstützt diese These. 17

18 IX. Vorsorgemaßnahmen Welche Vorsorgemaßnahmen sind aus Sicht der Berufstätigen besonders gut geeignet, um sich vor den finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit zu schützen? Die Antwort scheint nahe liegend: natürlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Allein, so ist es nicht: Zwar sagen 70 Prozent der Berufstätigen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sei als Schutz vor den finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit gut oder sehr gut geeignet, aber 71 Prozent meinen dies auch von der Lebensversicherung. Am häufigsten wird allerdings mit 80 Prozent die Unfallversicherung als geeignete Vorsorge gegen die finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit genannt, gefolgt von Sparen mit 76 Prozent. 64 Prozent halten den Abschluss einer Krankenzusatzversicherung und 56 Prozent den Erwerb von Immobilien für angemessene Absicherungen. Unter soziodemografischen Gesichtspunkten hebt sich keine Gruppe nennenswert ab. Auffällig ist auch hier, dass 11 Prozent der Befragten bei der Frage nach der Vorsorgeform Berufsunfähigkeitsversicherung keine Angabe machen wollen: Ein weiteres Indiz dafür, dass sie über die Themen Berufsunfähigkeit und Berufsunfähigkeitsversicherung gar nicht oder schlecht informiert sind. Vorsorgemaßnahmen gegen BU Welche Vorsorgeform schützt bei Berufsunfähigkeit? Unfallversicherung 80% Sparen 76% Lebensversicherung 71% Berufsunfähigkeitsversicherung 70% Krankenzusatzversicherung 64% Erwerb von Immobilien 56% Mehrfachnennung möglich Befragte: 572 Berufstätige Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH 18

19 Insgesamt zeigt die Tatsache, dass die Berufstätigen mehrheitlich jede der genannten Vorsorgeformen für den Fall der Berufsunfähigkeit für geeignet halten, ein großes Maß an Uninformiertheit. Die Berufsunfähigkeitsversicherung spielt dabei vergleichsweise keine herausragende Rolle. Damit wird die einzig geeignete Vorsorgeform nicht als solche erkannt. Insbesondere der hohe Stellenwert der Unfallversicherung zeigt, dass Berufsunfähigkeit immer noch fälschlicherweise als Unfallfolge angesehen wird. Offenbar glauben außerdem viele, dass allgemeine Vorsorgemaßnahmen wie eine irgendwie ge artete Versicherung, Immobilienbesitz oder der Sparstrumpf gegen alle möglichen Risiken absichern. Dabei helfen Unfall- und Lebensversicherungen ebenso wie Immobilien weder im Krankheits- noch im Pflegefall und auch nicht bei Berufsunfähigkeit. Im übertragenen Sinne haben sich die Menschen also einen Fallschirm gekauft und glauben jetzt, dass er auch vor dem Ertrinken rettet. X. Bedeutung der Berufsunfähigkeitsversicherung Auch wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung für viele Befragte nur eine von verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten ist, so hat sie doch eine große Bedeutung für die Berufstätigen. Immerhin 60 Prozent finden diese Absicherung wichtig, nur 36 Prozent finden sie unwichtig. In den soziodemografischen Gruppen sind hier allerdings Unterschiede festzustellen: Die Bedeutung der Berufsunfähigkeitsversicherung sinkt mit steigendem Bildungsniveau: So halten sie 63 Prozent der Befragten mit Pflichtschulabschluss für wichtig, aber nur 47 Prozent der Befragten mit Universitätsund Hochschulabschluss. Arbeiter halten den Schutz durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 74 Prozent häufiger für wichtig als Angestellte (56 Prozent) oder Selbstständige und Freiberufler (44 Prozent). Hier wird noch einmal besonders deutlich, dass Berufsunfähigkeit eher mit einer körperlichen Beeinträchtigung gleichgesetzt wird. Denn Arbeiter und Menschen mit Pflichtschulabschluss, die tendenziell eher körperlich tätig sind, halten den Schutz durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung für wichtiger als andere. XI. Ausgabebereitschaft für eine Berufsunfähigkeitsversicherung Für mehr als die Hälfte der Berufstätigen sind die Kosten ein Grund gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Aber wie viel würden sie letztlich für diesen Schutz ausgeben wollen? 14 Prozent haben eine einfache Antwort: nichts. 17 Prozent geben einen Betrag von bis zu 10 Euro im Monat an. Allerdings: Von einem ernsthaften Interesse kann man bei dieser Gruppe nicht sprechen. Weitere 33 Prozent 19

20 würden bis zu 25 Euro ausgeben. Das reicht zwar für einen Schutz durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung meist nicht aus außer bei jungen Versicherten mit speziellen Tarifen, der Betrag ist aber hoch genug, um ein gewisses echtes Interesse bei dieser Gruppe der Befragten zu unterstellen. 19 Prozent würden bis zu 50 Euro ausgeben, 5 Prozent bis 75 Euro und ebenfalls 5 Prozent mehr als 75 Euro. Damit ist bei insgesamt 29 Prozent aller Berufstätigen eine Ausgabebereitschaft vorhanden, die für einen effektiven Schutz hinlänglich ist. Die Ausgabebereitschaft differiert dabei nach verschiedenen soziodemografischen Faktoren. Betrachtet man alle Berufstätigen, die bereit sind, mehr als 25 Euro im Monat auszugeben für alle Befragten 29 Prozent, so ergibt sich folgendes Bild: Unter dem Gesichtspunkt Einkommen steigt die Ausgabebereitschaft entsprechend dem Haushaltsnettoeinkommen. Bei Haushalten mit einem Einkommen von bis Euro würden 18 Prozent mehr als 25 Euro für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeben, in der Einkommensgruppe bis Euro sind es 27 Prozent, bei bis Euro steigt der Wert schon auf 31 Prozent. Bei den Besserverdienern mit mehr als Euro Haushaltsnettoeinkommen sind es 38 Prozent. Eine Ausgabebereitschaft von mindestens 25 Euro gibt es bei Männern (34 Prozent) häufiger als bei Frauen (24 Prozent). Ausgabebereitschaft für BU-Versicherung Wie viel Geld wären Sie bereit auszugeben? nichts 14% bis 10 Euro pro Monat 17% bis 25 Euro pro Monat 33% bis 50 Euro pro Monat 19% bis 75 Euro pro Monat 5% mehr als 75 Euro pro Monat 5% fehlende Zahlen zu 100%: weiß nicht/keine Angabe oder Rundung Befragte: 572 Berufstätige Quelle: Continentale Assekuranz Service GmbH 20

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