Richtig vorsorgen. Ratgeber Altersvorsorge. Sparkassen-Finanzgruppe

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1 Richtig vorsorgen Ratgeber Altersvorsorge Sparkassen-Finanzgruppe

2 Richtig vorsorgen

3 Alle Angaben wurden sorgfältig ermittelt, für Vollständigkeit oder Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden Deutscher Sparkassen Verlag GmbH, Stuttgart Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Verfasser (außer Sparkassen-Produkte in Kap. 3): Detlef Pohl, Berlin Lektorat: Richard Speier Herstellung: Jürgen Schaubel Satz: Meyle+Müller GmbH+Co. KG, Pforzheim Printed in Germany Bildnachweis: Sparkassen-Bilderwelt 2. Auflage 8/

4 Inhaltsverzeichnis 1 Was die gesetzliche Renten versicherung zahlt Das System der Altersrente Wie viel an Altersrente zu erwarten ist Wann es volle Altersrente gibt Förderung privater Vorsorge durch den Staat Kurzüberblick Zusätzlich zur Altersrente: Invaliden- und Hinterbliebenenrente 9 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Grundzüge der Riester-Förderung Wer wird gefördert? Wie hoch ist die Förderung? Welche Anlageformen werden gefördert? Wie die Förderung konkret organisiert wird Besonderheiten bei Selbst ständigen Die besten Riester-Tipps 19 3 Riester-Anlageformen im Überblick Riester-Versicherungsrente Riester-Sparplan Riester-Fondssparplan Wohn-Riester 25 4 Altersversorgung und Einkommensteuer Abgeltungsteuer auf Geldanlagen Steuern auf die gesetzliche Rente Steuern auf Pensionen Steuern auf Kapital-Versicherungen Steuern auf die Riester-Rente 31 5 Vorsorge, Vermögen und Erbe Geldvermögen und Erbe Vererbung der Riester-Rente Ist die gesetzliche Rente vererbbar? 36 6 Stichwortverzeichnis 37 3

5 Warum ohne private Vorsorge nichts mehr geht Kaum eine Woche vergeht ohne einen neuen Vorschlag aus der Politik, wie die Altersrente sicherer gemacht werden kann. Kein Wunder. Das Alterseinkommen wird spätestens ab dem Jahr 2020 ohne private Zusatzvorsorge merklich geringer ausfallen als heute. Die jüngsten Rentenreformen haben viele Normalverdiener dazu angeregt, freiwillig etwas auf die Seite zu legen, um im Alter nicht noch kürzer treten zu müssen als ohnehin schon nötig. Wie die Vorsorge am besten zu bewerkstelligen ist, darüber herrscht aber Unklarheit. Meinungsumfragen attestieren immer wieder kollektive Ratlosigkeit. Um ausreichend versorgt und nicht auf die Sozialkassen angewiesen zu sein, ist private Vorsorge unerlässlich. Mit der sogenannten Riester-Rente erleichtert der Staat den Einstieg in die private Vorsorge. Übrigens: Im Jahr 2008 hat das Eigenheim-Rentengesetz die Riesterförderung auf die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen das Wohneigentum ausgeweitet. Die eigenen vier Wände sind gleichberechtigt mit der Geldrente in die Altersvorsorge-Förderung aufgenommen worden. Die Riester-Rente ist eine Altervorsorge auf freiwilliger Basis, die gleich mehrfach gefördert wird. Allerdings schafft die staatliche Förderung der privaten Riester- Vorsorge nur halbwegs einen Ausgleich für die Rentenkürzungen. Wer sich also ausschließlich auf die Riester-Förderung konzentriert, kann seinen gewohnten Lebensstandard im Ruhestand kaum erhalten. Man muss schon zusätzlich etwas auf die hohe Kante legen um zu vermeiden, später finanziell im Regen zu stehen. Zumal die Altersrente seit 2005 immer stärker besteuert wird ab dem Jahr 2040 sogar in vollem Umfang. Zwar legen deutsche Privathaushalte im Schnitt rund Euro im Jahr auf die hohe Kante. Dennoch existieren in vielen Familien erhebliche Lücken für die finanzielle Absicherung im Alter, zumal jeder Fünfte gar nichts zurücklegt. Dabei spricht bei den sozialen Rahmenbedingungen alles dafür, die Eigenvorsorge zu verstärken. Die wichtigsten Tipps zu staatlich geförderter und damit leichter gemachter Altersvorsorge bietet dieser Ratgeber. Er baut auf der gesetzlichen Rente auf und erklärt die wichtigsten geförderten Anlageformen und die steuerlichen Konsequenzen. Altersvorsorge ist sehr individuell. Die persönlichen Wünsche und Vorstellungen jedes Einzelnen sind zu berücksichtigen und dann das dazu passende Vorsorgepaket zu schnüren. Ihr Sparkassenberater übernimmt das gemeinsam mit Ihnen im Rahmen einer individuellen Altersvorsorge-Beratung. Viel Erfolg also beim Vorsorgen. 4

6 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt 1.1 Das System der Altersrente Altersrente steht jedem Bürger zu, der während seines Berufslebens Beiträge in die Kassen seines Rentenversicherungsträgers eingezahlt hat entweder pflichtgemäß (alle Arbeitnehmer; wenige Selbstständige) oder freiwillig (die meisten Selbstständigen). Altersrente gibt es frühestens ab dem 60. Geburtstag, künftig meist ab 65. Wer 1964 oder später geboren ist, muss, wenn er vor 67 in Rente geht, mit deutlichen Abschlägen rechnen. Voraus setzung für eine gesetzliche Rente: Sie sind mindestens fünf Jahre versichert gewesen. Träger der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Deutsche Rentenversicherung Bund (ehemals BfA und VDR). Hinzu kommt der Sonderträger Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn- See. Die früheren regionalen Landesversicherungsanstalten (LVA) firmieren nun unter Deutsche Rentenversicherung in den Regionen, etwa Deutsche Rentenversicherung Bayern-Süd. Altersrente stellt für die Mehrzahl der Bürger die wichtigste Säule ihrer Altersvorsorge dar neben Betriebsrenten, Pensionen, berufsständischen Versorgungswerken und privatem Vorsorgevermögen, also z. B. Kapitallebensversicherungen, Ersparnissen, Immobilien. Die jeweilige Höhe richtet sich ganz nach Ihrem individuellen Arbeitsleben und erreicht in günstigen Fällen bestenfalls 64 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Also darf sich niemand ernsthaft auf die gesetzliche Rente im Alter allein verlassen, soll es nicht zu finanziellen Engpässen nach der Berufstätigkeit kommen, zumal jede Rentenreform neue Einbußen bringt. Die letzte große Einbuße seit 2002 Realität kann man allerdings aus gleichen: durch private Vorsorge die Riester-Rente die der Staat gleich mehrfach fördert. Das klappt auf freiwilliger Basis; die Chance haben vor allem Pflichtversicherte und deren Ehepartner. Rentner sind nicht an Grenzen gebunden, ebenso wenig die Rentenzahlungen. Eine deutsche Altersrente wird falls gewünscht ohne Einschränkungen überall hin über - wiesen auf ein Konto Ihrer Wahl. Rentner werden vom Finanzamt bei fast allen Steuerarten genau so wie Berufstätige behandelt. Das heißt: Tendenziell werden die Renten voll besteuert und im Gegenzug die Beiträge steuerfrei gestellt. So will es das Alterseinkünftegesetz, das seit 1. Januar 2005 in Kraft ist. Dabei gelten jedoch langjährige Übergangsbestimmungen ( Abschnitt 4.2). Wer 2011 in Rente geht, muss schon 62 Prozent seiner Rente der Besteuerung unterwerfen. Dieser Prozentsatz ist mit dem individuellen Satz zu versteuern. Faustregel: Insgesamt können bei Rentenbeginn 2011 knapp Euro Monatsrente steuerfrei bezogen werden. 5

7 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Wer privat vorsorgt hat mehr vom Alter Wie viel an Altersrente zu erwarten ist Wenn Experten über die Höhe der gesetzlichen Altersrente sprechen, reden sie gern vom Eckrentner. Das ist ein fiktiver Arbeitnehmer, der exakt 45 Jahre lang erwerbstätig war und stets das statistische Durchschnittseinkommen aller Berufstätigen verdient hat. Er bekäme netto Euro Monatsrente im Westen der Republik und 985 Euro im Osten, Stand Mitte Die meisten arbeiten jedoch viel kürzer. Daher erhält jeder zweite Deutsche nur eine Rente von bis zu 750 Euro. Die Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass rund Euro aufgewendet werden müssen, um 100 Euro Monatsrente zu bekommen. Wie viel genau herausspringt, kann schon während der Berufstätigkeit ermittelt werden. Seit 2004 erhält jedermann ab dem 27. Geburtstag unaufgefordert einen jährlichen Kontoauszug ( Renteninformation ) vom Rentenversicherungsträger, falls er schon fünf Jahre Rentenbeitrag eingezahlt hat. Die Information kann na türlich nur einen Überblick bis ins laufende Jahr und eine Schätzung des nächstfolgenden Jahres bieten. Für jedes künftige Jahr bis zum Beginn der Altersrente kommen aber weitere Ansprüche hinzu. Dabei wird mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre weitergerechnet. Wie viel das tatsächlich noch sein wird, hängt von der Zahl der Rentenbeitragsjahre ab, die noch verbleiben, und von der Höhe des zukünftigen Verdienstes. Darüber informiert der Kontoauszug jedes Jahr aufs Neue (Details: siehe Aber Vorsicht: Bei der Renteninformation wird mit durchschnittlichen Rentensteigerungen von 1,0 Prozent in der niedrigeren und von 2,0 Prozent in der höheren Variante ausgegangen. Schon dabei sieht man schwarz auf weiß, dass sich niemand auf die staatliche Rente allein verlassen darf. Doch selbst diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen: Der jährliche Kontostand suggeriert, dass die ausgedruckte Summe quasi netto zur Verfügung stehen wird. Lediglich auf den Abzug der Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung wird hingewiesen. Dabei handelt es sich tatsächlich aber allenfalls um die Vorschau der Bruttorente auf ein Jahr im Voraus. Leider wird auch die Inflation nicht be rücksichtigt. Dabei steht längst fest: Bei 2,0 Prozent Inflation sind 100 Euro Monatsrente in 35 Jahren nur noch 49,31 Euro wert. Dazu gibt es in der Renteninformation zwar einen Warnhinweis, aber keine verringerte Endsumme. Jeder sollte mindestens 2,0 Prozent Inflation pro Jahr abrechnen (siehe Tabelle). Nach Jahren Kaufkraft bei % Geldentwertung 2,0 3,0 4,0 2 96,04 94,09 92, ,24 88,53 84, ,58 83,30 78, ,08 78,37 72, ,71 73,74 66, ,68 63,33 54, ,76 54,38 44, ,35 46,70 36, ,55 40,10 29, ,31 34,44 23,96 Was die Inflation von 100 Euro Rente lässt

8 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Ab Jahrgang 1964 gibt es erst mit 67 die volle Altersrente. 1.3 Wann es volle Altersrente gibt Während früher viele Berufstätige schon mit 60 offiziell und ohne Abzüge Rente bekamen, können die meisten künftig erst ab 67 mit der vollen Altersrente rechnen. Ab 2012 wird das Rentenalter schrittweise von heute 65 auf 67 Jahre erhöht. Folge: Lediglich langjährig Versicherte mit mindestens 45 Pflichtbeitragsjahren können weiterhin mit 65 ohne Abschläge in Rente gehen. Im Jahr 2012 wird der erste Geburtsjahrgang (1947) länger arbeiten oder bei früherem Ruhestand Abzüge in Kauf nehmen müssen. Der Geburtsjahrgang 1958 erhält dann erst mit 66 Jahren Regelaltersrente; ab Jahrgang 1964 (und jünger) gibt es erst mit 67 Jahren volle Altersrente (siehe Tabelle). Beispiel: Wer zwei Jahre vorgezogene Altersrente bekommt, büßt lebenslang 7,2 Prozent der Rente ein (24 Monate x 0,3 Prozent). Übrigens: Berechnet wird der Abschlag auf Basis des Rentenanspruchs, der bis zu dem Tag erworben wurde, an dem die Frührente tatsächlich beginnt. Unterm Strich ist die Einbuße aber größer als die jeweilige Prozentzahl, weil ja durch die Frührente noch mehrere Jahre Beitragszeiten fehlen. Wer künftig früher in Rente gehen will, muss sich für jeden Monat, den er vor Erreichen seiner persönlichen Regelaltersgrenze in Rente geht, 0,3 Prozent Abzug von seiner Rente gefallen lassen. Dies gilt dann für die gesamte Bezugsdauer der gesetzlichen Rente. Geburtsjahr Anhebung um Rentenstart Monat Monat Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate Monate ab Jahre 67 Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre Tipp: Details zu Altersgrenzen und Übergangsregelungen nennen insbesondere Broschüren wie Die richtige Altersrente für Sie, die immer wieder aktualisiert werden und die es kostenlos bei allen Rentenversicherungsträgern gibt. Sie können auch per Internet bestellt oder direkt auf Ihren PC heruntergeladen werden: 7

9 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt So viel dürfen Teil-Rentner dazuverdienen 1 Höhe der Rente Erlaubter Brutto-Hinzuverdienst bei einem Bruttoeinkommen vor der Regelaltersgrenze für Durchschnittsverdiener Alte Bundesländer: Durchschnittsverdienst Euro Volle Rente bis 400 Euro 2/3-Rente 996 Euro 1/2-Rente Euro 1/3-Rente Euro Neue Bundesländer: Durchschnittsverdienst Euro Volle Rente bis 400 Euro 2/3-Rente 884 Euro 1/2-Rente Euro 1/3-Rente Euro 1 Grenzen gelten nur bis zum 65. Geburtstag (künftig bis 67); danach kann unbeschränkt hinzuverdient werden. Datenquelle: DRV Bund, Stand: Ungestraft darf man als Rentner unter 65 (künftig 67) höchstens 400 Euro hinzuverdienen, Stand Innerhalb eines Jahres darf diese Grenze höchstens in zwei Monaten und maximal um das Doppelte überschritten werden (also höchstens 800 Euro). Ist die Arbeit einträglicher, so wird die volle Rente in eine Teil-Rente gekürzt. Je nach Arbeitseinkommen werden dann nur ein Drittel, die Hälfte oder zwei Drittel der vollen Rente ausgezahlt; der Rest verfällt. Je geringer der ausgezahlte Rentenanteil, desto größer die Beträge, die Sie hinzuverdienen dürfen. Hier die groben Einkommensgrenzen, bei denen Hinzuverdienst die Rente nicht schmälert (siehe Tabelle oben). Wichtiger Hinweis: Hinzuverdienstgrenzen gibt es nicht nur bei der Altersrente, sondern auch bei der Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente. Die Details erfahren Sie bei Ihrem Rentenversicherungsträger. Faustregel bei Erwerbsminderungsrente: Auch hier sind maximal 400 Euro erlaubt. 1.4 Förderung privater Vorsorge durch den Staat Kurzüberblick Ab 2030 müssen sich neu hinzukommende Altersrentner darauf einstellen, nur noch 43 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens als Rente vor Sozialabgaben und Steuern zu erhalten. Davon sind künftig außerdem vermehrt Gesundheits- und Pflegekosten zu bestreiten. Wenn Sie im Ruhestand noch zur Miete wohnen, kann es schnell knapp werden. Ein Beispiel: Sie bezahlen heute 600 Euro Miete pro Monat. Bei einer Mietsteigerung von nur einem Prozent pro Jahr bedeutet dies, dass in 20 Jahren 732 Euro Miete monatlich zu überweisen sind. Diese monatlichen Fixkosten sind dann aus den schmaleren Bezügen im Ruhestand zu bezahlen. Ohne zusätzliche Altersvorsorge privat oder über den Arbeitgeber angespart wird es also finanziell im Alter knapp. Da eine Zusatzrente für viele zwingend nötig wird, verbietet sich riskante Zusatzvorsorge. Gefragt ist einzig und allein sichere 8

10 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Altersvorsorge, bei der der Staat hilft. Am wichtigsten: die Riester-Rente. Wer Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen muss und ergänzend privat vorsorgt, hat durch die Zahlungen aus dem Riester- Vertrag höhere Einnahmen im Alter. Der Staat fördert diese freiwillige private Altersvorsorge, damit Sie die Kürzungen bei der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleichen können. Wenn Sie Ihren Lebensstandard auch im Ruhestand halten möchten, dann ist allerdings eine ergänzende private Eigenvorsorge unverzichtbar. Riester allein sichert kein angemessenes Rentenniveau. Die Initiative geht auf den früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester zurück daher die Bezeichnung Ries ter-rente. Diese Form der privaten Altersvorsorge stellen wir Ihnen in den Kapiteln 2 und 3 ausführlich vor. Jedermann, also auch ein Unternehmer, kann private Vorsorge über die sogenannte Basisrente steuerbegünstigt ansparen. Perspektivisch bleiben bis zu Euro Einzahlung pro Jahr als Sonderausgaben von der Einkommensteuer abziehbar. Die spätere Auszahlung ist tendenziell voll zu versteuern. Diese Form der privaten Vorsorge nach ihrem Erfinder, dem Wirtschaftsprofessor Bert Rürup, auch Rürup-Rente genannt wird in diesem Ratgeber nicht dargestellt. Da diese Förderung über einen Sonderausgabenabzug läuft, ist sie vor allem für Selbstständige geeignet, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Diese Gruppe hat ansons ten kaum die Chance zu steuerbegünstigter Altersvorsorge. Sie haben innerhalb der Sparkassen- Finanzgruppe die Auswahl zwischen zwei Produktlösungen: der Sparkassen- BasisRente einer kapitalgedeckten privaten Rentenversicherung und der fondsbasierten Deka-BasisRente. Falls Sie mehr darüber wissen wollen, fragen Sie Ihre Beraterin oder Ihren Berater bei Ihrer Sparkasse. 1.5 Zusätzlich zur Altersrente: Invaliden- und Hinterbliebenenrente Neben der Altersrente zahlt die gesetzliche Rentenversicherung in begrenztem Umfang auch bei Invalidität sowie bei Tod des versicherten Ehepartners bzw. Elternteils. Invalidenrente: Schon seit 2001 gilt: Statt der früheren Rente wegen Berufsunfähigkeit (BU) und Erwerbsunfähigkeit (EU) gibt es nun Rente wegen Erwerbsminderung. Volle Rente wird immer dann gezahlt, wenn wegen Krankheit oder Behinderung nur noch weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann. Für die halbe Rente müssen Sie aus gesundheitlichen Gründen in der Lage sein, mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden tägliche Arbeit zu schaffen. Die Rente wird längstens für drei Jahre gezahlt (erst ab 7. Monat nach Eintritt der Erwerbsminderung). Nur wenn ohne jeden Zweifel feststeht, dass die Leistungsminderung in Zukunft nicht mehr behoben werden kann, ist es möglich, die Rente unbefristet zu bewilligen. Private Vorsorge wichtig für die ganze Familie 9

11 1 Was die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Immerhin gibt es eine altersmäßige Vertrauensschutzregelung: Für alle, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, gilt der Berufsschutz der früheren Rente wegen Berufsunfähigkeit weiter. Wenn also weder der bisherige Beruf noch eine zumutbare andere Tätigkeit mindestens sechs Stunden täglich ausgeübt werden kann, besteht Berufsunfähigkeit. In diesem Fall gibt es die halbe Rente wegen Erwerbsminderung. Wichtiger Hinweis: Die Versorgungslücke sollte zwingend durch Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geschlossen werden. Hinterbliebenenrente: Witwen bzw. Witwer bekommen für die ersten drei Monate nach dem Todesfall die volle Rente so als würde der Verstorbene noch leben. Nach den drei Monaten gilt: Maßstab für die Höhe der Witwenrente sind die Ansprüche, die der verstorbene Ehepartner zuletzt auf eigene Rente hatte. Entweder sind es noch 60 Prozent ( große Witwenrente) oder nur 25 Prozent ( kleine Witwenrente). Die große Witwenrente wird gekürzt, und zwar für neu geschlossene Ehen sowie für Ehen, in denen beide Partner jünger als 40 Jahre sind (Geburtsstich tag: 2. Januar 1962): Statt 60 Prozent der Rentenansprüche des Verstorbenen gibt es nur noch 55 Prozent. Die kleine Witwenrente bleibt bei 25 Prozent, wird aber für manche befristet: Ist die Witwe jünger als 45, nicht berufstätig (und nicht erwerbsgemindert) und ohne Kind unter 18, wird die Witwenrente auf zwei Jahre begrenzt. Hinterbliebene mit eigenem Einkommen erhalten nur anteilig Witwenrente. Es gibt zwar den Freibetrag von rund 725 Euro (Ost: 643 Euro), aber er wird nicht nur durch Arbeitseinkünfte aufgezehrt, sondern auch durch alle anderen Einkünfte wie Kapitalerträge, Miet- oder Pachteinnahmen und private Altersvorsorgeansprüche (außer Riester-Verträge). Fazit: Alle ab 2002 Verheirateten haben schlechteren Hinterbliebenenschutz aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwarten als ältere Ehepaare. Hier ist zusätzliche private Vorsorge z. B. mit einer Risikolebensversicherung dringend angeraten. Unterschiede bei der Witwenrente Große Witwenrente Witwe/Witwer ist mindestens 45 Jahre alt oder selbst berufs-/erwerbsunfähig oder hat mindestens ein Kind unter 18 zu erziehen (bei behindertem Kind auch darüber hinaus) Kleine Witwenrente alle anderen hinterbliebenen Ehepartner Übrigens: Kinder von verstorbenen Mitgliedern der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten Waisenrente maximal bis zum Alter von 25 Jahren. Details nennt die Broschüre Hinterbliebenenrente: Hilfe in schweren Zeiten, die immer wieder aktualisiert wird und die es kostenlos bei allen Rentenversicherungsträgern gibt. Sie kann auch per Internet bestellt oder direkt auf den PC heruntergeladen werden: 10

12 2 So fördert der Staat die private Vorsorge 2 So fördert der Staat die private Vorsorge 2.1 Grundzüge der Riester-Förderung Das Altersvermögensgesetz (AVmG) regelt, dass die kapitalgedeckte private Vorsorge (Riester-Rente) mit einem bestimmten Prozentsatz des individuellen Bruttoeinkommens gefördert wird. Seit 2008 ist die höchste Förderstufe erreicht. Begünstigt sind Einzahlungen in den Riester-Vertrag bis zu einer Höhe von vier Prozent des individuellen Bruttoeinkommens des jeweiligen Vorjahres, maximal jedoch Euro Einzahlungen in den Riester-Vertrag. Eine Dynamisierung ist bisher nicht vorgesehen. Seit dem Jahr 2008 wird Wohneigentum mit Wohn-Riester gefördert. Damit wird die traditionell beliebteste Altersvorsorge der Deutschen gleichberechtigt wie die Geldrente unterstützt. Wohneigentum ist für die meisten Menschen ein sicherer Wert speicher. Die Lebensqualität gibt es bereits ab Beginn des Bezugs der eigenen vier Wände in Deutschland im Schnitt im Alter von knapp vierzig Jahren kostenlos dazu. Wer in den Riester-Vertrag einzahlt, erhält vom Staat zunächst eine Zulage. Die Zulage setzt sich zusammen aus der Grundzulage für jeden Anleger und der Kinderzulage (nur für kindergeldberechtigte Kinder). Bei Ehegatten wird die Kinderzulage der Mutter zugeordnet, es sei denn, sie soll auf Antrag beider Eltern dem Vater zustehen. Außerdem können die Ausgaben für die Riester-Rente bis zu einem bestimmten Höchstbetrag in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Dazu gibt es die Anlage AV (Altersvorsorge) zur Steuererklärung. Die Höchstgrenze für den Sonderausgabenabzug liegt seit 2008 bei Euro. Fällt der dadurch entstehende Steuervorteil höher aus als die Zulagen, erstattet das Finanzamt automatisch die Differenz. Wichtig: Diese Erstattung erfolgt nicht auf das entsprechende Konto des Altersvorsorgevertrages. Neben der Förderung durch Erlass von Einkommensteuer wird auch der Wertzuwachs während der Ansparphase nicht besteuert. Es fällt also keine Abgeltungsteuer an ( Kapitel 4). Erst in der Auszahlungsphase wird die Rente zu 100 Prozent der individuellen Einkommensteuer unterworfen. Selbst ohne staat liche Förderung, etwa für die Masse der Unternehmer, kann die Riester-Rente interessant sein. Wer mindestens zwölf Jahre einzahlt und den Rentenbeginn frühestens im 11

13 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Tipp: Um die Förderung nicht verfallen zu lassen, sollten Sparer am besten einen Dauerzulagen- Antrag bei ihrem Riester-Anbieter stellen. Dann wird das Geld automatisch jedes Jahr beantragt und dem Vertrag gutgeschrieben. 60. Lebensjahr startet, muss den Gewinn aus der Anlage nur zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern (sogenannte 12/60-Regelung). Das ist praktisch immer günstiger als die Abgeltungsteuer in Höhe von rund 26,4 Prozent der Erträge. Solche ungeförderten Riester-Verträge lohnen nur, wenn man tatsächlich bis zum 60. Lebensjahr den Sparvorgang durchhält, da bei vorzeitigem Ausstieg der volle individuelle Steuersatz angesetzt wird. Besserverdiener kommen ganz einfach zur ungeförderten Riester-Rente: Sie brauchen bloß mehr in ihren Riester-Vertrag einzahlen als staatlich gefördert wird (2.100 Euro), also zum Beispiel Euro pro Jahr und mehr ( Überzahlung ). Bitte beachten Sie: Für gezielte Überzahlungen bzw. die Aufnahme auch ungeförderter Sparbeträge eignet sich der Riester-Ratensparvertrag Sparkassen- VorsorgeFlexibel (siehe auch Kapitel 3.2). Diese Vertragsform ist gerade unter steuerlichen Aspekten für Sparer, die keine Riester-Förderung bekommen, ideal. Für alle, die lieber in Investmentfondsanteilen ansparen möchten, gibt es ein entsprechendes Produkt der DekaBank, nämlich den Deka-ZukunftsPlan (siehe auch Kapitel 3.3). Eine Beteiligung des Arbeitgebers an der Riester-Rente ist gesetzlich nicht vorgesehen. Arbeitgeber können sich jedoch freiwillig oder im Rahmen von Tarifverträgen beteiligen. Die Riester-Rente ist bei der Altersvorsorge eines der wenigen Steuersparmodelle für Normalverdiener. Seit dem Start im Jahr 2002 stiegen rund 14,6 Millionen Deutsche in die private Altersvorsorge mittels Riester-Rente ein. Allein im Jahr 2010 wurden insgesamt 1,14 Millionen neue Riester-Verträge geschlossen. Laut einer Befragung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) will ein Viertel der Befragten, die noch nicht ausreichend vorgesorgt haben, innerhalb eines Jahres in die private Altersvorsorge investieren. Dabei wird von mehr als der Hälfte die Riester-Rente als mögliche Vorsorgeform favorisiert. Die Riester-Rente lohnt sich für alle Förderberechtigten. Als wichtige Kriterien gelten für den Sparvertrag: Der Anbieter muss garantieren, dass der gesamte eingezahlte Beitrag zu Beginn der Auszahlungen im Rentenalter auch wirklich zur Verfügung steht. Das Geld darf also nicht verspekuliert worden sein. Zudem darf man sich später das Kapital frühestens ab 60 ohne Verlust der Riester-Förderung nicht komplett auszahlen lassen (maximal: 30 Prozent), sondern zumeist als etwa gleich bleibende monatliche Zusatzrente bis an sein Lebensende. Nur wenn alle Anforderungen an das Produkt erfüllt sind, gibt es ein staatliches Zertifikat. Die Zertifizierung kann im Internet nachgeprüft werden (www.bafin.de). Die Riester-Rente bietet gegenüber anderen Anlagen einige Vorteile. So zählt das riestergeförderte Kapital bei späterer Bedürftigkeit und Beantragung 12

14 2 So fördert der Staat die private Vorsorge von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe zum Schonvermögen. Nachteil: Ab Beginn des Rentenalters endet dieser Schutz vor dem Zugriff des Staates. Wer als Geringverdiener später auf die Grundsicherung angewiesen ist, dessen private Riester-Rente wird ebenso wie alle anderen Vermögensanlagen darauf angerechnet. Im Zweifel wird die angesparte Riester-Rente, die mit bis zu 90 Prozent Staatshilfe aufgebaut wird, dann wieder weggenommen. Dennoch gibt es zur privaten Vorsorge keine Alternative: Nicht nur die Höhe der gesetzlichen Rente dürfte sinken, sondern auch Kürzungen der Grundsicherung im Alter sind keineswegs auszuschließen. Wichtiger Hinweis: Die Riester-Förde - rung ist stets nur als Ersatz für gesetz - liche Rentenkürzungen der Rentenreform 2002 gedacht. Wer keine Riester- Vorsorge betreibt, erlebt also faktisch eine Rentenkürzung. Obwohl es sich um eine sehr sichere Form der zusätzlichen Altersvorsorge handelt, soll es noch immer Bundesbürger geben, die bisher nichts von der Riester-Rente gehört haben. Ebenfalls bedenklich: Etwa 20 Prozent aller Riester-Sparer vergessen, ihre Zulage zu beantragen. Damit entgehen den Bundesbürgern viele Millionen Euro allein an Grundzulage. 2.2 Wer wird gefördert? Gefördert wurde ursprünglich jeder, der Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen muss. Das sind insbesondere Arbeitnehmer und alle pflichtversicherten Selbstständigen, darunter Handwerksmeister in den ersten 18 Jahren ihrer Selbstständigkeit. Dazu gehören aber auch Mini-Jobber bis 400 Euro Monatseinkommen, die freiwillig selbst Beitrag in die Rentenkasse einzahlen. Zur Erinnerung: Bei 400-Euro-Beschäftigten zahlt der Arbeitgeber 12 Prozent in die Rentenkasse ein, der Arbeitnehmer kann freiwillig bis zur vollen Höhe des Rentenbeitragssatzes (2011: 19,9 Prozent) aufstocken. Mit Riester-Förderung kann inzwischen aber ein viel größerer Kreis rechnen als zum Start Selbst Beamte, die gar kein Geld in die Rentenkasse einzahlen, aber deren Ruhegehälter auch abgeschmolzen werden, haben Anspruch auf Riester-Förderung. Wer Anspruch auf Riester-Rente hat Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung, darunter: Auszubildende und Arbeitnehmer, Empfänger von Arbeitslosengeld I und II (Hartz IV), Bezieher von Kranken-, Verletzten-, Übergangs- und Unterhaltsgeld, nicht erwerbstätige Mütter oder Väter während der dreijährigen Kinder erziehungszeit, Wehr- und Freiwilligendienstleistende, Pflichtversicherte Selbstständige (z. B. Handwerker, Hebammen, Künstler), 400-Euro-Jobber, wenn sie ihre Pauschalbeiträge zur Rentenkasse erhöhen, nicht gewerbsmäßig tätige Pflegepersonen, arbeitnehmerähnliche Selbstständige, Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst mit Anspruch auf Zusatzversorgung, Tipp: Die Zertifizierung ist jedoch kein staatliches Gütesiegel. Ein Vertrag mit Zertifizierungsnummer garantiert also nicht, dass der Anbieter die Leistungen in der versprochenen Höhe auch tatsächlich erbringen kann. Ob das Angebot lohnt, muss der Anleger vorher selber durch Vergleich mehrerer Anbieter herausbekommen. Dabei helfen auch die Berater in Spar - kassen und bei den öffentlichen Versicherern. 13

15 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Auch Mini-Jobber können die Förderung bekommen. Tipp: Wer nicht direkt gefördert wird, kann durch die Hintertür doch in den Genuss der Förderung kommen als Ehepartner einer geförderten Person, sofern beide gemeinsam steuerlich veranlagt werden (so genannter abgeleiteter Zulagenanspruch). Das bedeutet zum Beispiel für eine Hausfrau: Sie muss theoretisch keinerlei eigenen Beitrag aufwenden, sondern kann sich ausschließlich die Zulage (Förderung) überweisen lassen. Ab 2012 muss jeder mindestens 60 Euro Eigenbeitrag pro Jahr einzahlen. Beamte, Richter und Empfänger von Amtsbezügen, Berufs- und Zeitsoldaten, Ehepartner, falls der Gatte die Förderung erhält (abgeleitete Förderung) Alle anderen werden nicht gefördert, insbesondere die meisten Unternehmer, freiwillig gesetzlich Rentenversicherte und Angehörige berufsständischer Versorgungseinrichtungen, etwa Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Zahnärzte und Architekten. 2.3 Wie hoch ist die Förderung? Die Privatvorsorge fördert der Staat durch zwei unterschiedliche Töpfe: eine Zulage und/oder einen Sonderausgaben abzug. Arbeiter und Angestellte mit nied rigem oder mittlerem Jahreseinkommen erhalten eine Zulage, die nach Antrag vom Finanzamt dem begünstigten Vertrag gutgeschrieben wird: pro Jahr bis zu 154 Euro (Ehepaare bis 308 Euro); hinzukommen bis zu 185 Euro pro Jahr für jedes Kind, das vor 1985 geboren wurde (für Neu geborene ab 2008: 300 Euro). Die Einzahlungen auf den Riester-Vertrag können zudem als Sonderausgaben bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Dieser Sonderausgabenabzug beträgt maximal Euro im Jahr (Ehepaare bis Euro). Ist der Steuervorteil größer als die Zulage, erstattet das Finanzamt die Differenz. Vor allem für Besserverdienende ergeben sich dadurch Steuervorteile. Der Clou: Die Beiträge kommen aus unversteuertem Einkommen, verringern also das zu versteuernde Jahreseinkommen. Je höher die Anlagesumme, desto höher die Steuerersparnis bis zu den genannten Höchstgrenzen. Personen unter 25 Jahren erhalten zudem eine einmalige Erhöhung der Grundzulage, den sogenannten Berufseinsteigerbonus, in Höhe von 200 Euro. Die volle Zulage wird nur gewährt, wenn der Riester-Sparer einen eigenen Sparbeitrag erbringt. Dieser Sparbeitrag wird auch Mindesteigenbeitrag genannt. Dieser beträgt mindestens 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, abzüglich der Zulagen. Bei geringem Einkommen und hohem Zulagenanspruch kann es passieren, dass allein die Zulagen den Prozentsatz des sozialversicherungspflichtigen Einkommens erreichen oder übersteigen. Dann ist um die volle Zulage zu erhalten ein Sockelbetrag als Mindesteigenbeitrag zu leisten. Dieser beträgt einheitlich 60 Euro jährlich. Wird der Mindesteigenbeitrag nur teilweise erbracht, wird die Zulage prozentual gekürzt. Leistet der Sparer beispielsweise nur 50 Prozent seines Mindesteigenbeitrags, dann erhält er auch nur 50 Prozent der Zulage. Auch der Berufseinsteigerbonus wird prozentual gekürzt, sofern der Mindesteigenbeitrag nicht in voller Höhe eingezahlt wird. 14

16 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Förderung pro Jahr Höhe Die Riester-Förderung im Überblick Grundzulage bis 154 Euro Kinderzulage Euro (300 Euro bei Geburt ab 2008) Berufsanfänger bis 25 einmalig 200 Euro (seit 2008) Sonderausgabenabzug bis Euro 2 1 Voraussetzung: es wird auch Kindergeld gewährt 2 Ehepaare das Doppelte Beispiel: Ein Single ohne Kind und einem rentenversicherungspflichtigen Brutto-Einkommen des Vorjahres (2010) in Höhe von Euro spart 2011 insgesamt Euro an (= 4 Prozent). Damit hat er Anspruch auf die volle Grundzulage von 154 Euro. Hier würde von Amts wegen eine zusätzliche Entlastung als Sonderausgabe (nach 10a EStG) in Höhe von 420 Euro gewährt. Hintergrund: Ist der Sonderausgabenabzug günstiger als die Zulage, wird die Steuerersparnis erstattet. Macht im Beispiel einen Gesamtzuschuss des Staates von 574 Euro für den Riester- Beitrag von insgesamt Euro pro Jahr falls der Anleger insgesamt so viel auf die hohe Kante legt. Die Zeitschrift Finanztest hat bei Wohn- Riester (siehe Kap. 3.4) im Dezember 2010 eine Förderung von Euro für eine Familie mit Euro Brutto- Jahreseinkommen und zwei Kindern errechnet. Wird die Riester-Förderung für die Tilgung des Wohnbau-Darlehens verwendet, dann wird der Erwerber der eigenen vier Wände deutlich schneller schuldenfrei. Über die Laufzeit des Darlehens führt das zu einer spürbaren Entlastung: Die Immobilie wird um mehrere Jahre schneller entschuldet. Handfeste Vorteile von Wohn-Riester! Die Riester-Rente ist für jeden attraktiv! Wie die folgenden Tabellen zeigen, profitieren insbesondere Geringverdiener und kinderreiche Familien aufgrund hoher Zulagen, aber auch Gutverdiener über die mit der Riester-Förderung verbundene zusätzliche Steuer ersparnis. Der Zulagenanspruch einer Familie mit zwei kindergeldberechtigten Kindern, die vor 2008 geboren sind, und einem Ein kommen in Höhe von Euro beträgt beispielsweise 678 Euro (zwei Grundzu lagen in Höhe von 154 Euro und zwei Kinderzulagen in Höhe von 185 Euro). Der Förderanteil beträgt damit 42 Prozent der gesamten Sparleistung. Aber auch ein Alleinstehender mit Euro Ein kommen kann immerhin einen Förderanteil von 36 Prozent erreichen, da er neben der Grundzulage in Höhe von 154 Euro noch eine zusätzliche Steuerersparnis von 427 Euro erhält. Eine Beispielrechnung für eine Alleinerziehende (Frau A.) veröffentlichte das Bundesfinanzministerium. Annahmen: Abschluss des Riester-Vertrags 2008, Zwillinge geboren im selben Jahr, Elternzeit 6 Jahre, davor und danach Bruttoeinkommen Euro. Frau A. bekommt demnach im Jahr 154 Euro Grundzulage plus 600 Euro Kinderzulage. Ihr Eigenbeitrag beläuft sich auf jährlich 60 Euro. Bei einer angenommenen Verzinsung des Riester-Kapitals von 3 Prozent p. a. summiert sich das Guthaben von Frau A. Ende 2030 auf Euro. In diesem Betrag sind neben den Zinsen enthalten: der Eigenbeitrag von Frau A. in Höhe von insgesamt Euro die staatlichen Zulagen in Höhe von Euro. Frau A. kann also mit einer sehr hohen Förderquote von knapp mehr als 90 Prozent rechnen. Allerdings gehen davon noch Kosten des Riester-Anbieters ab. 15

17 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Die Kinderzulage macht das Riester-Sparen noch attraktiver. Riester-Förderung Ehepaar Ehepaar (nur ein Partner erwerbstätig), beide mit einem eigenen Altersvorsorgevertrag, 2 Kinder (beide vor dem geboren) Rentenversicherungspflichtiges Einkommen in Zulagen gesamt in Eigenbeitrag in Sparleistung gesamt in zusätzl. Steuerersparnis in Förderanteil in % , 678, 60, * 738, , 678, 322, 1.000, , 678, 922, 1.600, , 678, 1.322, 2.000, , 678, 1.422, 2.100, 9, 33 * Sockelbetrag in Höhe von 60,, der als Mindesteigenbeitrag benötigt wird, um die volle Zulage zu erlangen. Quelle: BMF Riester-Förderung Alleinstehender Alleinstehend, keine Kinder Rentenversicherungspflichtiges Einkommen in Zulagen gesamt in Eigenbeitrag in Sparleistung gesamt in zusätzl. Steuerersparnis in Förderanteil in % , 154, 446, 600, , 154, 846, 1.000, 141, , 154, 1.446, 1.600, 427, , 154, 1.846, 2.000, 663, , 154, 1.946, 2.100, 776, 44 Werte jeweils berechnet auf die Förderung ab dem Jahr 2008, 4 % des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, höchstens 2.100,-. Quelle: BMF 16

18 2 So fördert der Staat die private Vorsorge 2.4 Welche Anlageformen werden gefördert? Gefördert werden nur staatlich zertifizierte Produkte mit regelmäßigen Einzahlungen wie z. B. private Rentenversicherungen, Fondsanlagen, Sparpläne, Bausparverträge oder Baudarlehen ( Kapitel 3). Gegenüber klassischen Angeboten gibt es wie schon erwähnt einige besondere Anforderungen. So muss der Anbieter garantieren, dass der gesamte eingezahlte Beitrag zu Beginn der Auszahlungen im Rentenalter (zumeist mit 60, in den Folgejahren wahrscheinlich erst ab 62) auch wirklich zur Verfügung steht (Beitragsgarantie). Seit 1. Januar 2008 kann aus Riester- Verträgen mehr Angespartes als zuvor für selbst genutztes Wohneigentum in Deutschland entnommen werden (Eigenheimrente). Zum anderen werden aber auch Bausparverträge und Baudarlehen direkt gefördert. Das ist neu und stellt die Riester-Förderung auf eine wesentlich breitere Grundlage. Statt einen Geld-Riester-Vertrag abzuschließen, dessen Ziel die Auszahlung einer Geldrente im Alter ist, kann der Kunde jetzt für seine eigenen vier Wände direkt Zulagen für das Vorsparen zur Eigenkapitalbildung auf einem Bausparvertrag, zur Tilgung von Baudarlehen bzw. Steuernachlässe erhalten. So wird die Eigenheimrente seit 2008 durch den Staat gezielt gefördert. Wenn Sie im Alter in den entschuldeten eigenen vier Wänden leben, sparen Sie die Miete. Das entlastet das Haushaltsbudget im Alter deutlich. Diese Ersparnis ist die Eigenheimrente. Der Vorteil wird nachgelagert besteuert entweder über 25 Jahre jährlich oder einmalig auf 75 Prozent des geförderten Kapitals mit dem individuellen Steuersatz ( Abschnitt 3.4). 2.5 Wie die Förderung konkret organisiert wird Begünstigte Anleger suchen sich zunächst einen Anbieter aus, also ein Kreditinstitut z. B. eine Sparkasse, Fonds gesellschaft oder einen Versicherer bzw. eine Bausparkasse oder einen anderen Wohn immobilien-finanzierer. Nachdem der Riester-Vertrag unterschrieben ist, hat der Anleger Anspruch auf eine jähr liche Bescheinigung, die folgende Angaben enthalten muss: Höhe der im abgelaufenen Beitragsjahr geleisteten Beiträge, Summe der bis zum Jahresende gutgeschriebenen Zulagen, Summe der bis zum Jahresende geleisteten Beiträge insgesamt und den Stand des Riester-Kontos. Um überhaupt Zulagen zu bekommen, erhalten Anleger von ihrem Riester- Anbieter bei Vertragsabschluss oder nach Ablauf des ersten Beitrags jahres ein Antragsformular. Das müssen sie ausgefüllt an das Kreditinstitut, die Fondsgesellschaft, den Versicherer oder Wohn-Riester-Finanzierer zurückschicken. Der Anbieter reicht den Antrag dann an das Zulagen-Amt weiter. Dort wird die konkrete Zulage errechnet und die Auszahlung an den Anbieter veranlasst. 17

19 2 So fördert der Staat die private Vorsorge Tipp: Die Zulage muss innerhalb von zwei Jahren nach Ablauf des Beitragsjahres beantragt werden. Für das Jahr 2010 also spätestens bis zum Ende Dies gilt auch für alle diejenigen, die die steuerliche Förderung im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung geltend machen wollen. Riester-Kunden bekommen bei der Einrichtung des Zulagen-Dauerauftrages auch Hilfe der Zulagenstelle im Internet (www.zfa. deutsche-rentenversicherung-bund.de) unter anderem mit einem individuellen Zulagen-Rechner sowie per kostenpflichtigem Servicetelefon (03381/ ). Der Anbieter hat die Zulagen unverzüglich dem Konto des Kunden gutzuschreiben. Das Verfahren ist vor einiger Zeit vereinfacht worden es genügt ein einmaliger Dauer-Antrag auf Riester-Zulage. Nur Änderungen in den persönlichen Verhältnissen wie etwa die Geburt eines Kindes müssen bei vorhandenem Dauer- Antrag noch gemeldet werden. 2.6 Besonderheiten bei Selbstständigen Die Riester-Rente ist primär ein Angebot für Arbeitnehmer, die gesetzlich rentenpflichtversichert sind. Damit bleiben die meisten Unternehmer und Selbstständigen außen vor. Sie können allerdings auf die Basisrente auch Rürup-Rente genannt ausweichen. Falls Sie mehr über die Basisrente wissen wollen, fragen Sie Ihre Beraterin oder Ihren Berater bei Ihrer Sparkasse. Für verheiratete Unternehmer gibt es einen Weg durch die Hintertür zur Riester-Rente: Im Rahmen des sogenannten Ehegatten-Vertrages erhält beispielsweise ein selbstständig tätiger Ehemann die Grundzulage, ohne dafür eigene Leis - tungen zu erbringen, wenn seine Ehefrau die Riester-Berechtigung besitzt. Das nennt sich abgeleitete Förderung. Voraussetzung: Der unmittelbar zulageberechtigte Ehepartner zahlt mindestens die vom Gesetzgeber geforderten Beiträge zum Erhalt der vollen staatlichen Förderung in seinen Altersvorsorgevertrag ein, also den sogenannten Mindest- Eigenbeitrag von 60 Euro pro Jahr. Der mittelbar dann auch geförderte Unter nehmer muss null Euro einzahlen, sondern kann zum Beispiel ausschließlich die Zulage kassieren, muss ab 2012 aber Auch Selbstständige können unter bestimmten Voraussetzungen riestern. selbst auch mindestens 60 Euro jährlich einzahlen. Wer zu den pflichtversicherten Unternehmern gehört, kann natürlich direkt von der Riester-Förderung profitieren. Dies betrifft insbesondere Handwerksmeister in den ersten 18 Berufsjahren sowie alle freiberuflich tätigen Künstler, Publizisten und Lehrer. Hier empfiehlt sich auch, die 12/60-Regelung zu nutzen (siehe Abschnitt 2.1). Die Riester-Rente reicht jedoch als Altersvorsorge nicht aus, zumal die meisten Unter nehmer nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und demnach auch keine gesetzliche Altersrente zu erwarten haben. Das Ersparte ist bei Bedürftigkeit vor dem Zugriff des Sozialamtes sicher, gilt aber bei Insolvenz der Firma nur eingeschränkt als Schonvermögen: Geschützt ist nur die Höhe des Sozialhilfesatzes, alles andere darf gepfändet werden. Wer als Altersrentner bedürftig und auf Grundsicherung 18

20 2 So fördert der Staat die private Vorsorge angewiesen ist, bei dem werden alle Einkünfte angerechnet, auch die Riester- Rente. 2.7 Die besten Riester-Tipps Noch lassen sich viele deutsche Bürger die Vorteile einer Riester-Rente entgehen. Aber auch diejenigen, die bereits eingestiegen sind, verschenken vielfach bares Geld. Hier die besten Tipps: Tipp Nr. 1: Für volle Zulage immer den Mindesteigenbeitrag zahlen! Mindestens ist der sogenannte Sockelbeitrag von 60 Euro im Jahr einzuzahlen. Jeder sollte prüfen, ob er tatsächlich den Beitrag zahlt, der ihm die Zulagen in voller Höhe ermöglicht. Fehlenden Beitrag für 2011 kann man bis Ende 2011 nachentrichten: Mit einem formlosen Schreiben an den Anbieter bittet der Kunde darum. Tipp Nr. 2: Zulage beantragen! Die Beantragung der Zulagen ist maximal für zwei Jahre rückwirkend möglich. Am besten einen Dauerzulagen-Antrag wählen und im Riester-Vertrag das Feld für den Dauerzulagen-Antrag ankreuzen. Damit wird der Riester-Anbieter bis auf Widerruf bevollmächtigt, den Zulagen-Antrag jährlich auf elektronischem Wege zu stellen. Tipp Nr. 3: Zulagen-Antrag auf jeden Fall stellen! Viele Riester-Sparer glauben, sie bräuchten keinen Zulagen-Antrag zu stellen, weil sie stärker von einer Steuerersparnis als von der direkten Zulage profitieren. Dies stimmt aber nicht! Diese Steuerersparnis holt sich der Kunde mit der Anlage AV zur Einkommensteuererklärung. Von den ersparten Steuern zieht der Finanzbeamte aber in jedem Fall die gesetzliche Zulage wieder ab. Wer versäumt, den Antrag zu stellen, verliert also Geld in Höhe der Zulagen. Tipp Nr. 4: Bei Versicherungen jährlich statt monatlich Beitrag zahlen! Wer einen überschaubaren monatlichen Beitrag bezahlt, sollte sich überlegen, den Beitrag viertel-, halb- oder jährlich zu zahlen. Dies erspart bei Riester-Versicherungen bis zu 3 Prozent Zuschläge, die bei monatlicher Zahlungsweise fällig werden. Bei jährlicher Zahlungsweise entfallen die Zuschläge. Tipp Nr. 5: Flexibilität des Riester- Vertrages nutzen! Bei Zahlungsschwierigkeiten können Sie die Beitragszahlung aussetzen. Sie können so flexibel zahlen, wie es ihre finanziellen Verhältnisse erlauben. Aber: wenn der Vertrag während eines gesamten Jahres ruht, besteht für jenes Jahr auch kein Anspruch auf Zulage und den Sonderausgabenabzug. Tipp Nr. 6: Vorteile bei Vererbung nutzen! Riester-Verträge können zwar vererbt werden, in vielen Fällen verlangt der Staat dann aber die Zulagen und steuerlichen Vorteile zurück ( förderschädliche Verwendung ); dann wird auch Erbschaftsteuer fällig ( Kapitel 5). Positive Ausnahme: Bei Ehepaaren darf die Witwe bzw. der Witwer die Zulagen und Steuervorteile behalten falls das Vermögen auf einen eigenen Riester-Vertrag übertragen wird. Dieser Vertrag darf sogar erst anlässlich des Erbes abgeschlossen werden. Bei Riester-gefördertem Wohneigentum, das vom überlebenden Ehepartner weiterhin zur Altersvorsorge genutzt wird, ändert sich nichts: Die Förderung bleibt erhalten. Wichtiger Hinweis für Existenzgründer: Wer sich selbstständig macht und ganzjährig selbstständig ist, verliert seine unmittelbare Förderberechtigung. Ist der Ehepartner förderberechtigt und bespart einen Riester-Vertrag, kann der Jung- Unternehmer aber auch weiter seinen Riester-Vertrag ansparen und erhält über die abgeleitete Förderung wiederum Grundzulage. 19

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