Regulierung. IT-Sicherheit im Fokus der Aufsichtsbehörden

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1 Regulierung IT-Sicherheit im Fokus der Aufsichtsbehörden Risikomanagement nach MaRisk beinhaltet auch das Management von IT-Risiken. Dies ist an sich nicht neu, die Anforderungen nehmen aber durch Ergebnisse aus Sonderprüfungen in der genossenschaftlichen FinanzGruppe konkrete Gestalt an. Ulrike Seip Die IT-Systeme (Hardware- und Software-Komponenten) und die zugehörigen IT- Prozesse müssen die Integrität, die Verfügbarkeit, die Authentizität sowie die Vertraulichkeit der Daten sicherstellen. Für diese Zwecke ist bei der Ausgestaltung der IT- Systeme und der zugehörigen IT-Prozesse grundsätzlich auf gängige Standards abzustellen, soweit die Anforderungen der im Dezember 2012 veröffentlichten MaRisk-Novelle (AT 7.2) an die IT. Erster Schritt zur Ausrichtung der IT-Sicherheitsaspekte ist somit die Festlegung eines anzuwendenden IT-Sicherheitsstandards. IT-Sicherheitsnormen Als die zwei großen IT-Sicherheitsstandards sind der ISO 27001/27002 und der BSI- Grundschutz (BSI: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) zu nennen ersterer von internationaler, letzterer von nationaler Bedeutung. Die Sicherheitsnorm ISO ist eine generische Norm, die für Unternehmen aller Art und Größe anwendbar und auch innerhalb des Unternehmens skalierbar ist. In ihr sind die Maßgaben für die Gestaltung des IT-Sicherheitsmanagementprozesses dargelegt. Dabei ist die Art der Risikoanalyse und -einstufung jedem Unternehmen freigestellt, sie muss nur nachvollziehbar und reproduzierbar vorgenommen werden. Sicherheitsthemen, wie die Berechtigungsvergabe oder Passwortgestaltung konkret umgesetzt werden sollen, werden im Anhang der Norm ISO sowie in der ISO erläutert. Im Vergleich dazu sind in den BSI-Grundschutz-Standards bis genaue Vorgaben zum Aufbau des IT-Sicherheitsmanagements enthalten (siehe Abbildung 1), angefangen von der Bestandsaufnahme ( Modellierung des IT-Verbunds ) bis zur Vorgehensweise bei der ergänzenden Risikoanalyse. Mit den dazugehörigen 1

2 Grundschutzkatalogen werden übergreifende Aspekte der IT-Sicherheit, die Infrastruktur, die IT-Systeme, Netze sowie die IT-Anwendungen detailliert untersucht. Die jeweiligen Bausteine sind vernetzt, sodass Maßnahmen oder Gefährdungen, die in einem Baustein vorgestellt werden, auch für andere relevant sein können. Im Dezember 2012 waren weit über Einzelmaßnahmen Gegenstand der Grundschutzkataloge. In beiden IT-Sicherheitsstandards sind die Sicherheitsziele Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit gleichermaßen zu berücksichtigen. Das Sicherheitsziel der Authentizität ist daraus abgeleitet ebenfalls zu berücksichtigen. Im Umfeld der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der beiden Rechenzentralen haben sich außerdem eigene Vorgaben zur IT-Sicherheit etabliert: Die Ordnungsmäßigkeitshandbücher der Bankanwendung greifen speziell die im Rechenzentrumsumfeld anzuwendenden Kriterien auf. Damit soll den Genossenschaftsbanken eine Hilfestellung bei der Anwendung der relevanten Teilthemen unter Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen Rechenzentrale und Bank gegeben werden. Rechenzentralen und genossenschaftliche Prüfungsverbände haben neben der genannten Hilfestellung weitere umfangreiche Dokumente entwickelt. Sie stellen die Basis für eine gemeinsame Vorgehensweise sowie eine vergleichbare Risikoeinstufung und -behandlung zwischen Rechenzentrale und jeweiligen Primärinstitut dar. In den vergangenen zwei Jahren ist im genossenschaftlichen Umfeld eine besondere Art der Bedrohungseinstufung entstanden, die an Komplexität die Vorgehensweise im IT-Grundschutz bei Weitem übersteigt. Während der IT-Grundschutz immer generelle Gefährdungen unterstellt, sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rahmen der neuen Bedrohungseinstufung gehalten, die eigene Risikosituation neu zu bedenken sowie spezifische Bedrohungen Abb. 2: Risikomatrix 2

3 zu erkennen und zu quantifizieren. Infolgedessen sind Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe einzustufen (siehe Abbildung 2) und mit den von den Rechenzentralen gebotenen Schutzniveaus abzugleichen. Anders als in den BSI-Grundschutzstandards ist hier außerdem die Risikoanalyse für die Geschäftsprozesse der Bank und deren IT-Grundlage erforderlich. Bestandteile des IT-Sicherheitsmanagements Für die Etablierung des IT-Sicherheitsmanagements ist der Vorstand verantwortlich. Die operative Zuständigkeit für die Umsetzung des IT-Sicherheitsmanagements liegt in der Person eines IT-Sicherheitsbeauftragten oder bei einer kleinen Mitarbeitergruppe des IT- Sicherheitsmanagement-Teams. Insbesondere wenn nur eine Person Verantwortung für diesen Bereich hat, ist darauf zu achten, dass keine Überschneidung oder kein Interessenkonflikt zu den übrigen Aufgaben besteht. Wesentliche Bestandteile des IT-Sicherheitskonzepts sind neben der Risikoanalyse vor allem die Gegenüberstellung aller für die vorhandenen Systeme als notwendig 3

4 einzustufenden IT-Sicherheitsmaßnahmen mit den tatsächlich vorhandenen Maßnahmen sowie die Ableitung eines Handlungskatalogs. Dabei ist weniger die Form der Konzeptdokumentation relevant als vielmehr der richtige Umgang mit den ermittelten Risiken. Die Unternehmensleitung muss über Risiken, die eine bestimmte Größenordnung überschreiten, in Kenntnis gesetzt werden und entscheiden, wie damit umzugehen ist. Im IT-Sicherheitskonzept sind interne Regelungen die Tragpfeiler für dessen Umsetzung. Basis sind die IT-Strategie und daraus abgeleitet gegebenenfalls eine IT-Sicherheitsstrategie des Unternehmens. In einer IT-Strategie wird festgelegt, für welche Zwecke die im Unternehmen vorhandene IT im Rahmen der Unternehmensstrategie eingesetzt werden soll. Dabei geht es nicht um Details, sondern um die wesentlichen, vorausschauenden Aspekte. Die IT-Strategie kann sich bei einem IT-Einsatz, der sich weitgehend an den Vorgaben der Rechenzentralen orientiert, in großen Teilen an der im Juli 2012 vom DGRV veröffentlichten Musterstrategie ausrichten. Weitere Aussagen zum Umgang mit den IT- Risiken, die unmittelbar aus den Sicherheitsstandards (ISO und BSI-Grundschutz) abzuleiten sind, müssen in einer IT-Sicherheitsstrategie oder -leitlinie getroffen werden. Auch die Definition der IT-Sicherheitsorganisation findet hier einen Platz. Alle weiteren Regelungen zum IT-Einsatz angefangen von einer Anwenderrichtlinie über das Datensicherungskonzept bis hin zur Dokumentationen der Konfiguration von besonderen IT-Systemen sind Bestandteil des IT-Sicherheitskonzepts. Sie bilden in diesem Zusammenhang den zur Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen erlassenen internen Handlungsrahmen für Anwender und Administratoren ab. Der wesentliche Arbeitsaufwand für die Gestaltung des IT-Sicherheitsmanagements liegt in der Zuordnung und immer wieder vorzunehmenden Überprüfung der Wirksamkeit und Angemessenheit der IT-Sicherheitsmaßnahmen auf der operativen Ebene. Regelmäßige Kontrollen sind Aufgaben des IT-Sicherheitsbeauftragten. Das Benutzerberechtigungsmanagement ist nicht nur eine beliebige Sicherheitsmaßnahme unter vielen. Sie nimmt mit gutem Grund auch im Datenschutzmanagement einen herausgehobenen Platz ein. Als Sicherheitsmaßnahme besonderer Bedeutung wird in der MaRisk-Novelle AT Aufbau- und Ablauforganisation die regelmäßige und anlassbezogene Überprüfung von IT-Berechtigungen explizit benannt. Für kritische IT- Berechtigungen wird eine mindestens halbjährliche Überprüfung erwartet. 4

5 Überwachung der IT-Risiken Weil die Bank auch für ausgelagerte Prozesse verantwortlich ist, müssen diese in die Risikoüberwachung einbezogen werden. Insbesondere der Überwachung von wesentlichen IT-Outsourcing-Partnern ist bei der Steuerung der IT-Risiken eine besondere Bedeutung zuzumessen. Sicherheitsmängel werden schließlich der Bank, namentlich dem Vorstand, angerechnet. Bei neuen Auslagerungen ist eine Risikoanalyse die Basis für die Entscheidung, ob ausgelagert werden soll oder nicht. Vertragliche Vereinbarungen mit dem Outsourcing- Nehmer müssen so gestaltet sein, dass auch alle Belange des IT-Sicherheitsmanagements berücksichtigt werden. Die ausgelagerten Bereiche sind, soweit möglich, in das interne Kontrollsystem des Auslagerers einzubinden. Regelmäßige Risikoberichterstattungen sollen, genauso wie bei internen Systemen, dem Vorstand die Möglichkeit zur angemessenen Risikosteuerung geben. Zu diesem Zweck haben die Rechenzentralen eine vierteljährliche Berichterstattung an die Banken etabliert, die einen umfassenden Überblick über die risikorelevanten Themen ermöglicht. Diese Berichte sind durch die Banken zu würdigen. Häufig wird diese Aufgabe durch die (IT-)Innenrevision oder das IT-Sicherheitsmanagement wahrgenommen, sie kann aber auch im generellen Risikomanagement angesiedelt werden. Die Berichterstattung zum IT-Sicherheitsmanagement in Form von regelmäßigen Quartalsberichten, Ad-hoc-Berichten und Jahresberichten soll die Unternehmensleitung in die Lage versetzen, die Entwicklung der Risikolage zum IT-Einsatz im Unternehmen und auch die Wirksamkeit der eingesetzten Maßnahmen beurteilen zu können. Eine jährliche Überprüfung aller Bestandteile des IT-Sicherheitskonzepts gehört im Managementzyklus auch bei dieser Risikosteuerung dazu. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter im Umgang mit IT darf dabei nicht nur einmalig erfolgen, sondern sollte regelmäßig wiederholt werden. Trotz der formellen Etablierung des Steuerungsprozesses IT-Sicherheit kann nur dann funktionsfähig sein, wenn dies durch alle Mitarbeiter des Unternehmens mitgetragen und durch praktische Anwendung gelebt wird. 5

6 Zur Autorin Ulrike Seip ist Leiterin des Bereichs IT-Sicherheit & Datenschutz der GenoTec GmbH. 6

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