Total IT Risk Management Business as usual?

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1 Total IT Risk Management 1 Total IT Risk Management Business as usual? Michael Korden, Dipl.-Inform. Zusammenfassung Unternehmensinterne und externe Anforderungen aufgrund gestiegener Abhängigkeit zentraler Geschäftsprozesse von der IT und damit verbundenen Risiken erfordern in zunehmendem Maße klar definierte Prozesse zum IT Risikomanagement. Unabdingbar für eine erfolgreiche Einführung solcher Prozesse ist dabei eine geeignete Berücksichtigung der bestehenden Aufbau- und Ablauforganisation auf der Grundlage anerkannter Standards. Prämisse ist es dabei, IT-Sicherheit vom erschwerenden Randaspekt zu einem primären Qualitätsmerkmal der Geschäftstätigkeit und das IT-Sicherheitsmanagement zu einem Unternehmensprozess mit hoher Bedeutung aufzuwerten. Der Vortrag stellt ein bedarfsorientiertes Vorgehen zur Einführung eines Total IT Risk Managements in unterschiedliche Unternehmensstrukturen vor und beschreibt kritische Aspekte aus der Erfahrung entsprechender Einführungsprojekte. 1 Das Bedürfnis nach Sicherheit Die Entzauberung der Welt hat das Bedürfnis nach Sicherheit erhöht. Wolfgang Sofsky, Professor für Soziologie Medienberichte zu Risiken des IT-Einsatzes, Darstellungen von praxisbezogenen Fallbeispielen auf Informationsveranstaltungen sowie entsprechende Erfahrungen aus der eigenen Organisation führen häufig zu einem, i. allg. zunächst nicht weiter quantifizierten Bedürfnis nach Sicherheit für den IT-Betrieb bei den Verantwortlichen für Geschäfts- und IT-Prozesse im Hinblick auf eine optimierte und anforderungsgerechte Aufgabenerfüllung sowie Schadensminderung und vermeidung, bei den übrigen Mitarbeitern im Hinblick auf eine sichere Nutzung von IT- Anwendungen, bei Privat- und/oder Geschäftskunden im Hinblick auf zu erbringende Security Services und eine vertrauenswürdige Verarbeitung anvertrauter Informationen, in der Gesellschaft, vertreten durch den Gesetzgeber und andere Regulierungsinstitut i- onen, formuliert in KonTraG, BDSG, EGG, SigG, AktG, KWG, Basel II etc. Aufgrund dieser Situation ergibt sich die grundsätzliche Aufgabenstellung für die Unternehmensführung, das bestehende Bedürfnis nach Sicherheit - insbesondere auch für den Bereich der IT logisch/physisch zu lokalisieren (assets), zu quantifizieren (business impact), zu kommunizieren und transparent zu machen,

2 Total IT Risk Management 2 mit operationellen Maßnahmen angemessen zu befriedigen, zu überwachen und zu kontrollieren und damit erfolgreich zu managen. Dieser Prozess wird im folgenden unter dem Begriff Total_IT_Risk_Management zusammengefasst. 2 Die Risiken im Blick Aus der o. g. Aufgabenstellung heraus ergibt sich insbesondere die Notwendigkeit einer Risikoabschätzung aus Business-Sicht. Hierzu sind zunächst in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Prozessverantwortlichen und den entsprechenden Informationseignern (i. allg. Fachabteilungen) kritische Geschäftsprozesse, wie z. B. Beschaffung, Produktion, Dienstleistung, Marketing und Vertrieb, Logistik oder Management zu identifizieren. Das bedeutet im einzelnen für jeden Geschäftsprozess den Umfang der Abhängigkeiten von entsprechender IT-Unterstützung zu ermitteln, den Schutzbedarf unter Berücksichtigung potentieller Schadensszenarien zu bewerten (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Verbindlichkeit), relevante Bedrohungen und Schachstellen der IT-Unterstützung zu identifizieren, resultierende Risiken unter Berücksichtigung bestehender IT-Sicherheitsmaßnahmen zu analysieren, um damit ein jeweils aktuelles, Risiko-Controlling zu etablieren. Die bestimmenden Einflussfaktoren und ihre Zusammenhänge sind in nachfolgendem IT Risk Management Model dargestellt: Höhere Gewalt Men schliche Fehler Ausnutzen organisatorischer Mängel gliedern sich in Ereignisse & Aktionen Ausnutzen technologischer Mängel stellen dar Bedrohungen beeinflussen Eintrittswahrscheinlichkeit wirken gegen verringern IT-Sicherheitsmaßnahmen werden umgesetzt durch Ebene des IT-Betriebes beeinflusst bestimmt hat Geschäftsprozess Schutzbedarf Risiko gefährden führt zu IT-Sicherheitsanforderungen Business - Ebene beeinflusst bestimmt wirken auf unterstützt IT-Infrastruktur besitzt beeinflussen Schadenpotential verringern IT-Sicherheitsmaßnahmen werden umgesetzt durch Ebene des IT-Betriebes Infrastruktur besteht aus Technik Schwachstellen mindern Personal Organisation Abb. 1: IT Risk Management Model

3 Total IT Risk Management 3 Ziel dieser Aktivitäten ist es, Bereiche mit hohem Risiko, in denen erforderliche Maßnahmen nicht oder nur unzureichend umgesetzt sind, Bereiche mit mittlerem Risiko, in denen erforderliche Maßnahmen unvollständig bzw. nicht ausreichend wirksam umgesetzt sind, Bereiche mit geringem Risiko, in denen erforderliche Maßnahmen nahezu vollständig und wirksam umgesetzt oder keine Maßnahmen erforderlich sind z. B. zusammengefasst in Form einer Management Traffic Light-Matrix mit Status rot, gelb oder grün zu dokumentieren. Eine solche Art der Darstellung umfasst eine inhärente Simplifizierung der tatsächlichen Risikosituation und kann daher primär nur einer wirkungsvollen Visualisierung der aktuellen Ausprägung bestehender Risiken dienen. Um so mehr erfordern die zugrunde liegenden Analysen aufgrund der Komplexität des Betrachtungsgegenstandes strukturierte, methodische, transparente, erprobte und akzeptierte Vorgehensweisen, die die im IT Risk Management Model dargestellten Einflussgrößen geeignet berücksichtigen. 3 Die Methoden & Standards Derzeit existieren zahlreiche, von unterschiedlichen Organisationen und Gremien entwickelte Standards und Prozessmodelle, wie z. B. IT Infrastructure Library (ITIL), (IT Service) Capability Maturity Modell (CMM), Control Objectives for Information and related Technology (CobiT), Standard of good Practice for Information Security des Information Security Forum (ISF), Code of Practice for Information Security Management (ISO 17799), Guidelines for the Management of IT Security (GMITS), IT-Grundschutzhandbuch / IT-Sicherheitshandbuch (BSI). Scope IT Service Support & Delivery Prozesse & Methoden des IT - Sicherheitsmanagements ITIL TR 13335(1-5) GMITS CMM The IT Service Capability Maturity Model IT - Sicherheits - handbuch funktionale Sicherheitsanforderungen ISO detaillierte (system- )spezifische Schutzmaßnahmen Abb. 2: Inhaltliche Ausrichtung bekannter Standards und Prozessmodelle

4 Total IT Risk Management 4 Diese können als Grundlage für die Einführung von IT-sicherheitsrelevanten Prozessen bzw. als konkrete Handlungsanweisungen zur Durchführung von Risikoanalysen und Herleitung von Mindestanforderungen zur IT-Sicherheit dienen und sollten in die konkrete Projektarbeit nach Bedarf einbezogen werden. Die genannten Standards und Prozessmodelle adressieren dabei Themenbereiche auf unterschiedlichen Ebenen, wie sich aus Abbildung 2 ergibt. Das Total_IT_Risk_Management kann daher mit ihnen in unterschiedlicher Form und Aufgabenstellung geeignet unterstützt werden. Sinnvoller Weise zu verwendende Standards sind unter Berücksichtigung unternehmensspezifischer Eigenheiten, insbesondere unter Berücksichtigung bereits eingeführter Prozessmodelle und verwendeter Standards, mit dem Ziel eines wirkungsvollen und effektiven Total_IT_Risk_Management jeweils festzulegen. 4 Das bedarfsorientierte Vorgehen Hinsichtlich der Einführung eines IT-bezogenen Risikomanagements sind grundsätzlich die folgenden Vorgehensweisen denkbar: top down-entwurf von Policies, Prozessen und entsprechenden Maßnahmen (IT- Sicherheitskonzept) - Ausgangspunkt sind die Anforderungen der Geschäftsprozesse - Nachteile: verbindliche Verordnung für alle Unternehmensbereiche (in dezentralen Strukturen oftmals so nicht umsetzbar), pauschalierte Risikobewertung für das Gesamtunternehmen bottom up-erhebung bestehender Risiken in einzelnen, ggf. eigenverantwortlichen Geschäftseinheiten eines Konzerns - Effekt der Sensibilisierung als Voraussetzung für die spätere Umsetzung erforderlicher Maßnahmen - Nachteil: kann zu uneinheitlichem IT-Sicherheitsniveau im Gesamtunternehmen führen Basierend auf den in den vorangegangenen Abschnitten beschriebenen Randbedingungen sowie aus der Erfahrung von Einführungsprojekten zum Total_IT_Risk_Management in unterschiedliche Unternehmensstrukturen ist aufgrund der oben beschriebenen Nachteile ein bedarfsorientiertes kombiniertes Vorgehen mit folgenden Eigenschaften zu empfehlen: 1. bottom up-ermittlung von Anforderungen sowie des aktuellen IT-Sicherheitsniveaus 2. top down-festlegung qualitativer Mindeststandards zur IT-Sicherheit und Definition zugehöriger Einführungsprozesse

5 Total IT Risk Management Ermitteln des aktuellen IT-Sicherheitsniveaus Sofern nicht bereits im Vorfeld Erhebungen im Unternehmen zum aktuellen Status der IT- Sicherheit durchgeführt wurden, empfiehlt es sich, entsprechende Einführungsprojekte mit einer Risiko-Kurzanalyse zu initiieren. Diese sollte im allgemeinen die folgenden Teilschritte umfassen: Ermitteln des Schutzbedarfes von IT-Anwendungen und mit ihnen verarbeiteter Informationen, abgeleitet aus den durch diese Anwendungen unterstützten Geschäftsprozessen, mittels vordefinierter Bewertungsskalen, Identifizieren und Dokumentieren der bestehenden IT-Infrastruktur (z. B. Topologieplan gemäß nachfolgender Abbildung), Remote Maintenance Contractor A ISDN LAN Location 1 Win NT Domain Server SAP Application File Server Server Terminal Server Online- Banking Internet Switch Provider Backbone Location 4 Application Level Gateway with ACL Unternehmens- Backbone Location 2 Location 3 Clients Location 3 Hub Location 4 Location 2 Hub Hub Provider Internet Abb. 3: Dokumentation der IT-Infrastruktur (Beispiel) Identifizieren bestehender IT-Sicherheitsmaßnahmen (z. B. in Form von Audits, orientiert an ISO 17799: Interviews, Penetrations-Testing etc.), Erkennen und Priorisieren bestehender Risiken, basierend auf vordefinierten Bedrohungsszenarien, Zusammenfassung der Ergebnisse (Management Traffic Light Matrix). Eine solche Risiko-Kurzanalyse kann je nach Größe und Heterogenität des Unternehmens als detaillierte Risiko-Herleitung über transparente Kausalketten der in Abbildung 1 dargestellten Einflussfaktoren oder als Risiko-Kurzbewertung über die Bewertung des Umsetzungsgrades von IT-Sicherheitsmaßnahmen (z. B. anhand einer dreistufigen Skala) und deren Bedeutung für die IT-Sicherheit (vordefinierte dreistufige Skala) erfolgen. Über den Einsatz entspreche n- der Methoden ist je nach Projektzielen und zur Verfügung stehenden Ressourcen zu entsche i- den.

6 Total IT Risk Management Erarbeiten einer Corporate IT Security Policy Ausgehend von den im ersten Projektschritt erhobenen Informationen sollte im zweiten Schritt eine übergreifende IT Security Policy für das Unternehmen erarbeitet (ggf. eine bestehende überarbeitet) werden. Eine solche Vorgabe umfasst Top-Level-Aussagen zur Bedeutung der IT-Sicherheit für das jeweilige Unternehmen, ggf. ergänzend durch Darstellungen potentieller Schadensszenarien ist eine durch das verantwortliche Management festgeschriebene Handlungsanweisung für das gesamte Unternehmen, entspricht einer Aussage der verantwortlichen Leitung zur Qualitätspolitik (z. B. gemäß ISO 9000, Quality Management vs. IT Risk Management), beschreibt grundlegende Anwendungsbereiche der IT-Sicherheit als Ausgangspunkt für weiter detaillierende Mindeststandards, enthält grundlegende Festlegungen zu Aufbau- und Ablauforganisation des IT- Sicherheits- und IT-Risikomanagements, ist der erste Schritt zu einem transparenten Total_IT_Risk_Management. 4.3 Erarbeiten von Rules & Guidelines Die in der Corporate IT Security Policy eines Unternehmens enthaltenen grundsätzlichen Vorgaben sind in einem dritten Projektschritt in den einzelnen Org-Einheiten zu operationalisieren. Aus der Projekterfahrung sollte dies durch Definition von Regeln (rules) und Verfahrensanweisungen zu ihrer Umsetzung (guidelines) erfolgen. Regeln können dabei ein spezifisch selbst gewähltes Mindestmaß an IT-Sicherheit definieren oder sich an gängigen Standards (wie z. B. IT-Grundschutz) orientieren. Eine mögliche, am IT Life Cycle orientierte thematische Gliederung solcher Rules & Guidelines ist nachfolgender Abbildung zu entnehmen. IT lifecycle Strategy Projects* Operation Revision Rules sets of rules for the treatment of specific objects /scenarios conform to enterprise -wide security requirements corporate IT security policy IT relevant aspects of business continuity outsourcing security awareness and training development of secure applications secure network design physical security requirements software management and distribution administration and operation of systems and applications client and end-user security internet security remote access usage network operation use of portable PC s audit requirements monitoring issues Guidelines supporting the application of rules by - processes, - methods, - tools. Establishment of an IT security management introduction and application of rules and guidelines security service level agreements guideline to risk assessment network security approach secure configuration of systems and applications validation and review internal standardization of architectures, products, etc. best practice approach incident -reporting application-guidelines for password, virus scanning, etc. management of access rights guidelines for backup guideline for self-audit Basic rulesets access control addressing general password policy technical aspects backup/restore logging of events storing data redundancy and HA content filtering virus protection authentication physical security software policy communication security *projects = conception and integration Abb. 4: Rules & Guidelines (thematische Gliederung)

7 Total IT Risk Management 7 Rules & Guidelines dokumentieren Vorgaben und Verfahren zur Nutzung von Sicherheitsmechanismen (z. B. genereller Umgang mit Passwörtern) oder beschreiben spezifische Aspekte der (Betriebs-)System- oder Netzsicherheit (z. B. Architektur der Absicherung von Netzübergängen), regeln den sicheren Einsatz der Informationstechnik in unterschiedlichen Anwendungsszenarien und infrastrukturen (wie z. B. dem Büro- oder Heimarbeitsplatz), spezifizieren die erforderliche Funktionalität und Wirksamkeit von Sicherheitsgrundfunktionen (z. B. Art und Stärke von Verschlüsselungsmechanismen) und deren Umsetzung in Informationstechnik und zugehörige Organisation (z. B. für den Betrieb einer Public Key Infrastructure (PKI)), beschreiben die Gestaltung von Prozessen in Realisierung und Betrieb (Administration) von Lösungen der IT-Sicherheit. 5 Der Return on Invest Das eingeführte Total_IT_Risk-Management schafft Management-Attention für das Thema IT-Sicherheit, gewährleistet ein selbst definiertes, bedarfsorientiertes Mindestmaß an IT-Sicherheit entsprechend den Anforderungen aus den Geschäftsprozessen in allen Phasen des IT Life Cycle / alternativ Nutzung von Standards (wie z. B. IT- Grundschutz),berücksichtigt ggf. spezifische Risiko-Szenarien einzelner Org- Einheiten, lässt in dezentralen Unternehmensstrukturen Freiraum für die Umsetzung höherer IT- Sicherheitsanforderungen in sensitiveren Geschäftsbereichen, schafft Voraussetzungen für eine Standardisierung von IT-Sicherheitslösungen (best practice) und damit für eine Begrenzung des vorzuhaltenden Fach-Know hows, schafft Rechtssicherheit für das verantwortliche Management im Hinblick auf die Erfüllung gesetzlicher und anderer externer Anforderungen, dokumentiert die Verantwortung jedes Mitarbeiters und gibt Hinweise zur sicheren Nutzung der IT, macht IT-Sicherheit vom erschwerenden Randaspekt zu einem primären Qualitätsmerkmal der Geschäftstätigkeit und das IT-Sicherheitsmanageme nt zu einem Unternehmensprozess mit hoher Bedeutung

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