Geplante bankaufsichtliche Neuerungen durch die MaRisk

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1 Geplante bankaufsichtliche Neuerungen durch die MaRisk Joachim Kretschmer (Sparkassen Informatik GmbH & Co. KG), Prof. Dr. Dirk Wohlert (1 PLUS i GmbH/ Fachhochschule Neu-Ulm) Inhalt Neue Anforderungen durch die MaRisk...1 Geänderte Prozessanforderungen im Bereich MaK/MaH...4 Fazit...6 Die deutsche Bankenaufsicht hat am 2. Februar 2005 einen Entwurf zu den MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) veröffentlicht. Die MaRisk modifizieren die bisherigen Mindestanforderungen an das Handelsgeschäft (MaH), an das Kreditgeschäft (MaK) und an die interne Revision (MaIR) und stellen neue qualitative Anforderungen insbesondere bezüglich Strategieformulierungen, Risikotragfähigkeitskonzepten, Zinsänderungs- und Liquiditätsrisiken sowie operationellen Risiken. Die Bankenaufsicht plant, sich durch umfangreiche Sonderprüfungen von der angemessenen Umsetzung dieser Anforderungen zu überzeugen. Im Folgenden werden auf Basis des Entwurfs der MaRisk wesentliche Neuerungen und zentralen Änderungen gegenüber den bisherigen Mindestanforderungen dargestellt. Im Fokus stehen dabei die Regelungen der MaH und MaK. (Die heute noch gültigen Anforderungen der MaK, MaH und MaIR werden im Folgenden als die bisherigen Regelungen bezeichnet.) Neue Anforderungen durch die MaRisk Erweiterter Anwendungsbereich Der neue Anwendungsbereich beinhaltet nicht nur Kreditinstitute, sondern bezieht auch Finanzdienstleistungsinstitute mit ein. Es wird jedoch explizit darauf hingewiesen, dass letztere von der Umsetzung einzelner Anforderungen absehen können, soweit diese vor dem Hintergrund des speziellen Geschäfts nicht sinnvoll sind. Trotzdem müssen sich insbesondere die Finanzdienstleistungsinstitute auf verstärkte Anforderungen einstellen. Während in den MaH noch keine Gruppensteuerung gefordert ist und die MaK diese lediglich für die Kreditinstitute der Gruppe verlangen, fordern die MaRisk in Umsetzung der Finanzkonglomeratrichtlinie vom 27. Dezember 2004 ( 25a Abs. 1a KWG) beim übergeordneten Unternehmen oder Finanzkonglomeratsunternehmen eine Gruppensteuerung bezogen auf Institutsgruppen, Finanzholdinggruppen und Finanzkonglomera-

2 te. Zum Beispiel wäre die Allianz für eine Gruppensteuerung verantwortlich (u.a. unter Einbeziehung der Dresdner Bank). Beurteilung der Risikotragfähigkeit In Umsetzung der entsprechenden Vorgabe von Basel II (ICAAP) wird die Identifizierung aller wesentlichen Risiken (insbesondere Kredit- und Marktpreisrisiken sowie operationelle Risiken) nach internen Verfahren und die Abdeckung dieser Risiken durch ein Risikodeckungspotenzial gefordert. Jedem Risikobereich ist ein entsprechender Anteil des Risikodeckungspotenzials zuzuordnen. Explizite Strategien sind erforderlich In Verallgemeinerung und Erweiterung der Kreditrisikostrategie nach den MaK wird in den MaRisk die Formulierung einer Strategie für das gesamte Institut mit Aussagen zur angestrebten regulatorischen und bilanziellen Kapitalstruktur gefordert. Diese Strategie ist in Teilstrategien herunter zu brechen. Hier ist nach Ansicht der Autoren neben einer Kreditrisikostrategie insbesondere an Teilstrategien hinsichtlich des Handelsgeschäft, der Zinsbuchsteuerung, Beteiligungen und bezüglich des Passivgeschäfts zu denken. Auch dem Aufsichtsorgan ist die Strategie zuzuleiten und mit diesem zu erörtern. Ergänzend zur Strategie ist eine vierteljährliche Informationspflicht an das Aufsichtsorgan bezüglich der gesamten Risikosituation vorgeschrieben. Bisher gab es die Anforderung nur im Hinblick auf den Kreditrisikoreport. Geänderte Anforderungen an die Aufbauorganisation Während die bisherigen Anforderungen bezüglich der MaK bis auf die Formulierung einer Erleichterung für sehr kleine Institute bestehen bleiben, entfällt bei den MaH die bisher verlangte funktionale Trennung von Abwicklung/Kontrolle, Rechnungswesen und Überwachung. Die Anforderung nach organisatorischer Trennung vom Handel bis zur Geschäftsleitungsebene bleibt allerdings bis auf das Rechnungswesen bestehen. Ergänzt wurde allerdings eine weniger konkrete Vorschrift, dass miteinander unvereinbare Tätigkeiten durch unterschiedliche Personen durchgeführt werden müssen. Bezüglich des Rechnungswesens ist zwar weiterhin eine Trennung vom Handel erforderlich, diese muss jedoch nicht mehr bis auf Vorstandsebene vorhanden sein. Ergänzend wird explizit darauf hingewiesen, dass Händler keine Buchungen im Rechenwerk durchführen dürfen. Neu ist, dass die geforderte Trennung des Rechnungswesens auch bezüglich des Kreditbereichs Markt gilt. Im Bereich der MaH entfällt weiterhin die Anforderung, dass programmtechnische Vorgaben durch eine von den anderen Bereichen unabhängige Stelle vorzunehmen sind und wird durch die Forderung ersetzt, dass programmtechnische Vorgaben unter Beteiligung aller fachlich und technisch zuständigen Bereiche zu erfolgen haben. 1 PLUS i GmbH Version von 6

3 Neue generelle Anforderungen hinsichtlich der Funktionstrennung ergeben sich in zweierlei Beziehung: Erstens wird für alle Geschäftsbereiche die grundsätzliche Anforderung erhoben, dass steuernde Funktionen von den Funktionen, die der Überwachung und Kommunikation von Risiken dienen, aufbauorganisatorisch zu trennen sind. Zweitens wird im Zusammenhang mit der Einführung von neuen Produkten und neuen Märkten die neue Anforderung erhoben, dass bei der Entscheidung, ob es sich um ein neues Produkt oder einen neuen Markt handelt, ein vom Markt/Handel unabhängiger Bereich einzubinden ist. Aktivitäten in neuen Produkten oder auf neuen Märkten Dieser Prozess wurde für alle Geschäftsbereiche im Wesentlichen an die Standards der MaK angeglichen. Der Handel nimmt jedoch weiterhin dahingehend eine Sonderrolle ein, dass nur bei Handelsgeschäften Testphasen zwingend erforderlich sind. Die bisherige Erleichterungsmöglichkeit in den MaK ist für alle Geschäftsbereiche dadurch ersetzt worden, dass Erleichterungen möglich sind, wenn alle betroffenen Stellen das neue Produkt bzw. den neuen Markt handhaben können und dies schriftlich dokumentieren. Zinsänderungsrisiken Im Zusammenhang mit den Zinsänderungsrisiken auf Gesamtbankebene wird eine mindestens vierteljährliche Bewertung des Zinsänderungsrisikos mit entsprechendem Reporting an die Geschäftsleitung gefordert. Wichtig ist, dass neben den Auswirkungen von Zinsänderungen auf die Ertragslage auch Auswirkungen auf den Barwert des Instituts ermittelt werden oder - falls bei einem Institut noch kein Barwertansatz implementiert ist - bei ausschließlicher Berücksichtigung von Auswirkungen auf die Ertragslage zumindest eine angemessene Betrachtung über den Bilanzstichtag hinaus erfolgt. Operationelle Risiken Bezüglich der Operationellen Risiken werden eine mindestens jährliche Beurteilung dieser, eine unverzügliche Analyse bedeutender Schadensfälle und ein Reporting mit entsprechenden Maßnahmen gefordert. Außerdem sind im Rahmen der Notfallfallplanung Geschäftsfortführungspläne im Notfall, Wiederanlaufpläne zum Normalbetrieb und Simulationen von Notfällen erforderlich. Liquiditätsrisiken Bei den Liquiditätsrisiken wird über die Einhaltung des bankaufsichtlichen Grundsatzes II hinaus die Erstellung einer Liquiditätsübersicht verlangt, deren Fälligkeitsannahmen zu dokumentieren sind. Außerdem sind die möglichen Maßnahmen bei Liquiditätsengpäs- 1 PLUS i GmbH Version von 6

4 sen darzustellen und es wird ein regelmäßiges Reporting der Liquiditätssituation an die Geschäftsleitung gefordert. Geänderte Prozessanforderungen im Bereich MaK/MaH Die Prozessanforderungen in den MaRisk beziehen sich nur auf die Kredit- und Handelsprozesse und beinhalten somit die bisherigen MaK und MaH. Folgende wesentliche Neuerungen und Ergänzungen ergeben sich im Vergleich zu den MaK und MaH: Kreditgeschäft Da die MaK die vor den MaRisk neuesten Mindestanforderungen darstellen und die vollständige Umsetzung der MaK erst bis Ende 2005 erfolgen soll, finden sich in diesem Bereich nur wenige Veränderungen: Organisationsrichtlinien: Die Liste der Mindestinhalte der Organisationsrichtlinien wurde überarbeitet und etwas gekürzt. Allerdings finden sich Hinweise zur gesonderten Darstellung bestimmter Sachverhalte verstärkt im Text integriert. Stresstests: In den MaRisk findet sich die allgemeine Anforderung nach Stresstests, welche nach den heutigen MaK nicht verlangt werden. Berichtswesen: Bei den Mindestinhalten im mindestens vierteljährlichen Berichtswesen wurde die Forderung nach der Darstellung der Laufzeitstruktur gestrichen. Abgelehnte Kreditanträge: Die oft diskutierte Anforderung, dass abgelehnte Kreditanträge nach den MaK zu erfassen sind, die zu Problemen mit dem Datenschutz führt, taucht in den MaRisk nicht mehr auf. Handelsgeschäft Bei den MaH gibt es eine Reihe von Anpassungen. Mit den MaRisk werden z.t. Bagatellregelungen eingeführt, veraltete Anforderungen gestrichen und eine Angleichung an die generellen Anforderungen der MaRisk durchgeführt, wobei das Grundgerüst der MaH bestehen bleibt: Bagatellbereiche: Neu ist insbesondere die Öffnungsklausel, nach der bei Geschäften mit geringem Risikogehalt eine vereinfachte Umsetzung der organisatorischen Anforderungen in den Prozessen (Teil BTO 1 der MaRisk) möglich ist. Anwendungsbereich: Der Anwendungsbereich erweitert sich auf die Warengeschäfte, die neben den bisherigen Edelmetallgeschäften insbesondere auch Rohwaren sowie den Strom- und den CO2-Handel einschließen. Rahmenbedingungen: Auf die speziellen Rahmenbedingungen der Geschäftsleitung wird in den MaRisk verzichtet. Diese Rahmenbedingungen gehen in die allgemeinen Anforderungen an die Organisationsrichtlinien auf. 1 PLUS i GmbH Version von 6

5 Funktionstrennung: Neu ist die Aufweichung der Funktionstrennung, die bereits dargestellt wurde. Zudem findet sich in den MaRisk noch eine weitergehende Erleichterung dahingehend, dass bei einem nicht als wesentlich einzustufenden Handelsgeschäft in seiner Gesamtheit Funktionstrennungen unterhalb der Geschäftsleitungsebene ausreichen. Kriterien, wann von einem nicht wesentlichen Handelsgeschäft auszugehen ist, finden sich in den Erläuterungen zu den MaRisk. Auch wurde in die MaRisk die Anforderung neu aufgenommen, dass bei Abschluss von Verträgen eine Rechtsprüfung durch eine vom Handel unabhängige Stelle, die allerdings auch unter dem für den Handel zuständigen Geschäftsleiter sein darf, erforderlich ist. Diese Anforderung ist zwar vom Wortlaut neu, ergab sich aber auch schon bisher aus der Prüfungspraxis der Aufsicht. Interne Geschäfte: In den Erläuterungen der MaRisk wurde klargestellt, dass auch interne Geschäfte auf Marktgerechtigkeit zu kontrollieren sind. Diese Anforderung war bisher nicht schriftlich fixiert, wurde in der Prüfungspraxis der Aufsicht jedoch bereits verlangt, da nicht marktgerechte interne Geschäfte zu Verschiebungen in der Profit-Center-Rechnung führen. Abstimmung der Termingeschäfte: Während die Revision nach den MaH zu einem Stichtag im Jahr sämtliche Termingeschäfte mit den Kontrahenten abstimmen musste, reicht diese Abstimmung jetzt stichprobenweise und ist auf die Termingeschäfte begrenzt, aus denen noch keine Zahlungen erfolgten. Außerdem ist diese Abstimmungsaufgabe nicht mehr unter den Aufgaben der Revision, sondern der Abwicklung/Kontrolle aufgeführt. Verlustobergrenze: Die explizit zu beschließende Verlustobergrenze für das Handelsgeschäft ist vom Wortlaut her entfallen. Sinngemäß spiegelt sich diese Anforderung jedoch in den beschriebenen Anforderungen zur Risikotragfähigkeit wieder. Zeitnähe des Reportings: Während nach dem Wortlaut der MaH der i.d.r. tägliche Risikoreport vor Handelsbeginn des nächsten Geschäftstages beim für die Überwachung zuständigen Geschäftsleiter sein muss, verlangen die MaRisk nur noch eine zeitnahe Vorlage am nächsten Geschäftstag. Mit dieser neuen Formulierung wurde der auch schon bisher praktizierten Prüfungspraxis der Aufsicht Rechnung getragen. Tägliches Reporting: Ein tägliches Reporting ist unter Beibehaltung der bisherigen Erleichterungsmöglichkeiten weiterhin erforderlich. Allerdings wurden die in den MaH fixierten Mindestgliederungspunkte auf die Punkte Risikopositionen und Ergebnisse reduziert und der Aufbau des Reports damit stärker in das Ermessen der einzelnen Institute gestellt. So entfällt z.b. die bisher zwingende Information über das Tagesergebnis sowie das kumulierte Monats- bzw. Jahresergebnis. Monatliches Reporting: Neben dem i.d.r. täglichen Report verlangen die bisherigen MaH eine monatliche Information der gesamten Geschäftsleitung durch den für die Überwachung zuständigen Geschäftsleiter. Diese Anforderung ist durch die Anforderung nach einem Monatsbericht ersetzt worden. Wie bereits in den MaK praktiziert, 1 PLUS i GmbH Version von 6

6 ist nach den MaRisk auch im Handelsgeschäft ein Verweis auf vorangehende Reports möglich, soweit sich keine relevanten Änderungen ergeben haben. Backtesting: Die regelmäßige Berichtspflicht an die Geschäftsleitung über die Backtestingergebnisse bei der Marktrisikoermittlung ist in den MaRisk nicht mehr explizit vorgeschrieben. Revision: Die sieben jährlichen Pflichtprüfungsfelder der Revision sind in den MaRisk nicht mehr aufgeführt. Dies steht im Einklang mit der generellen Anforderung einer aus Revisionssicht risikoorientierten Prüfungsplanung. Aufbewahrungsfrist: Die in den MaH fixierte Aufbewahrungsfrist für das laufende und das vergangene Jahr ist entfallen. In den MaRisk gilt die generelle Aufbewahrungsfrist gemäß 25 a (1) KWG von 6 Jahren. Fazit Die Umsetzung der MaRisk bedeutet für Kreditinstitute und auch Finanzdienstleistungsinstitute eine erhebliche Weiterentwicklung ihrer bisherigen Steuerungsmechanismen und Risikokontrolle. Hierbei kann einerseits auf bereits bestehende Erfahrungen aus MaH und MaK (bzw. auch MaIR) aufgebaut werden, anderseits ergeben sich neue Aspekte - wie die Anforderungen an die Sicherstellung der Risikotragfähigkeit und das Management von operationellen Risiken sowie Zins- und Liquiditätsrisiken. Durch Umsetzung angemessener Maßnahmen wird dadurch ein leistungsfähiges integriertes Risikomanagement geschaffen. 1 PLUS i GmbH Version von 6

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