Zukunftspanel Staat & Verwaltung

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1 Zukunftspanel Staat & Verwaltung Erste Trendergebnisse einer deutschlandweiten Studie im Vorfeld des Zukunftskongresses Staat & Verwaltung 2013 unter Schirmherrschaft des Bundesministers des Innern über die Leistungsfähigkeit und Entwicklungen der öffentlichen Verwaltung angesichts der Herausforderungen der Globalisierung, der europäischen Integration, der Finanz krise sowie des demographischen und des technologischen Wandels. Argonne National Laboratory Stand Juni Die vollständigen Ergebnisse sind ab September 2013 über bestellbar. Partner der Studie & Kontakt Wegweiser GmbH Berlin Research & Strategy Novalisstraße 7, Berlin Tel: 030 / Fax: 030 / Oliver Lorenz Geschäftsführer Hertie School of Governance Friedrichstraße Berlin Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid Tel.: 030 /

2 1 Vorbemerkungen 1.1 Ziele und Hintergrund der Studie Die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise richtet den Fokus wieder auf wirksame Konsolidierungsmaßnahmen und Aufgabenkritik. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von E-Government und weiterer Ansätze der Verwaltungsmodernisierung von großer Bedeutung, um bisher ungenutzte Leistungsverbesserungs- und Kostensenkungspotentiale zu erschließen. Vor diesem Hintergrund wurde im Vorfeld des Zukunftskongresses Staat & Verwaltung 2013, der unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Dr. Hans-Peter Friedrich steht, eine deutschlandweite Studie durchgeführt, um Fortschritte und Potentiale der technologiegestützten Modernisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland zu untersuchen. Der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städtetag hatten Ihren Mitglieder empfohlen, an dieser Studie teilzunehmen. Ziel dieser alle Verwaltungsebenen umfassenden Studie ist es, Status Quo, erzielte Erfolge und zukünftigen Handlungsbedarf systematisch zu erheben und damit fundierte Grundlagen für aktuelle Diskussionen und Entscheidungen zu liefern. Die Studie leistet eine einmalige Bestandsaufnahme und liefert vielfältige Anregungen zu folgenden vier zentralen Themenkomplexen der Verwaltungsmodernisierung: > Herausforderungen und Lösungsansätze zukunftsorientierten Regierungs- und Verwaltungshandelns > Strukturen, Prozesse, Technologien & Dienstleistungen > Öffentliche Finanzen, Effizienz & Transparenz > Führung, Personal & Kompetenzen 1.2 Vorgehen und Methode Die Studie basiert auf einer weitgehenden Vollerhebung der allgemeinen öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Es wurden die obersten Entscheidungsträger in sämtlichen Ministerien der Bundes- und Länderverwaltung, in ausgewählten nachgeordneten Dienststellen auf Bundesebene sowie auf der Kommunalebene in sämtlichen 295 Kreisverwaltungen der Landkreise und 666 Städten und Gemeinden mit mehr als Einwohnern angeschrieben. Ergänzend wurden auch weitere ausgewählte Entscheidungsträger mit besonderem Fokus auf E-Government und Verwaltungsmodernisierung per zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. Insgesamt wurden damit Behörden zu einer Teilnahme eingeladen und sowohl postalisch wie auch per kontaktiert. Die Grundgesamtheit deckt somit sämtliche Behörden der allgemeinen Verwaltung in Deutschland weitgehend ab. Sämtliche angeschriebenen Entscheidungsträger konnten ihre Antworten über das Unipark System von Questpark direkt online eingeben, wobei ein übermittelter Code sicherstellte, dass die Antworten den angeschriebenen Behörden klar zugeordnet werden konnten. Die große Mehrheit der an der Befragung teilnehmenden Behörden (70,8 %) machte von dieser Online-Möglichkeit Gebrauch. Die Antworten konnten auch per Post übermittelt werden, wobei diese ebenfalls in das System eingegeben wurden. Die Antworten wurden von einem Forschungsteam der Hertie School of Governance unter der Leitung von Professor Dr. Gerhard Hammerschmid anonymisiert, bereinigt (berücksichtigt wurden lediglich mehrheitlich ausgefüllte Fragebögen; in Ausnahmefällen wurden auch zwei Antworten einer gleichen Verwaltungseinheit zugelassen) und mittels SPSS ausgewertet. Die Angaben werden streng vertraulich behandelt und es erfolgen keinerlei Auswertungen in Hinblick auf einzelne Behörden. 1.3 Rücklauf und Auswertungsgrundlage nach Behörden Nachfolgende Abbildung stellt die Grundgesamtheit sowie den Rücklauf nach Behörden differenziert für folgende vier Verwaltungsebenen dar: Grundgesamtheit Rücklauf Rücklauf- (angeschriebene Behörden) (antwortende Behörden) quote Bund 64 5,5 % 25 9,1 % 39,1 % Länder ,1 % 52 19,0 % 36,9 % Landkreise ,3 % 61 22,3 % 20,7 % Städte/Gemeinden ,1 % ,3 % 15,8 % anonym/nicht zuordnenbar: 31 11,3 % Gesamt % % 23,5 %

3 Aufgrund der Methodik kann kein voller Repräsentativitätsanspruch gestellt werden, die Daten ergeben aber aufgrund der zugrundeliegenden Vollerhebung und einer gesamthaften, für solche Arten der Erhebung sehr zufriedenstellende Rücklaufquote von 23,5 %, ein sehr aussagekräftiges und weitgehend repräsentatives Bild. Auch der Vergleich der relativen Anteile der Verwaltungsebenen bei den eingegangenen Antworten zeigt insgesamt eine gute Übereinstimmung mit dem Gesamtsample. Bei den Interpretationen ist zu berücksichtigen, dass aufgrund des deutlich höheren Anteils von Behörden auf der Kommunalebene die über 60 % des Gesamtsamples ausmachen diese das Gesamtergebnis wesentlich beeinflussen. 2 Herausforderungen und Lösungsansätze zukunftsorientierten Regierungs- und Verwaltungshandelns 2.1 Ergebnis 1: Demographischer Wandel und budgetärer Druck als zentrale Herausforderungen der Zukunft > Die befragten Behörden sehen den demografischen Wandel (62,1 %) sowie budgetären Druck und Einsparungen (59,2 %) klar als die größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren. Der erhöhte Druck in Richtung Transparenz durch Bürger, öffentliche Medien und soziale Netze (41,3 %), die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber (37,8 %) sowie die Stärkung des regionalen/nationalen Wirtschaftsstandortes (37,5 %) werden ebenfalls als wesentliche Herausforderungen erachtet. Interessant ist hingegen, dass die technologischen Veränderungen (25,9 %) oder die Erwartungen der Bürger und Unternehmen gegenüber der Verwaltung (25,4 %) in deutlich geringerem Ausmaß als Herausforderungen wahrgenommen werden. Frage: Worin liegen Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren? 2.2 Ergebnis 2: Bei den Lösungsansätzen setzen die Verwaltungen weiterhin primär auf Ansätze der Binnenmodernisierung > Erfolgsversprechende Lösungsansätze zukunftsorientierten Regierungs- und Verwaltungshandelns werden vor allem in der Digitalisierung und neuen vernetzten Informations- und Kommunikationstechnologien (47,6 %), einer verstärkten Zusammenarbeit und Vernetzung verschiedener Gebietskörperschaften (40,8 %), der Modernisierung des Personal- und des Budgetmanagements (31,3 % bzw. 28,3 %) sowie einer besseren Aufgabenverteilung im föderalen System (28,7 %) gesehen. Ansätze, die auf eine verstärkte Öffnung nach außen, etwa gegenüber Bürgern, der Wirtschaft oder dem Dritten Sektor, abzielen, werden deutlich skeptischer beurteilt. Die relativ kritische Beurteilung des IT-Planungsrates ist dem Übergewicht der Antworten der kommunalen Ebene zuzuschreiben und deutet auf Kommunikationsbedarf in dieser Richtung hin.

4 Frage: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Chancen in den nächsten fünf Jahren? 2.3 Ergebnis 3: Die bisherige Verwaltungsmodernisierung in der Behörde wird tendenziell als erfolgreich erachtet, kämpft aber mit einer Vielzahl hemmender Faktoren, die eine Intensivierung sowie einen integrierten Ansatz erfordern > Die bisherige Verwaltungsmodernisierung in der eigenen Behörde wird von knapp 31,9 % der Befragten als erfolgreich und von lediglich 8,0 % der Befragten als erfolglos eingeschätzt. Tendenziell erachten die Befragten die bisherigen Reformen allerdings als nicht ausreichend (45,0 % eher zu wenig vs. 15,2 % eher zu viel) und nehmen vor allem hemmende Faktoren wahr. Als wesentliche hemmende Faktoren werden der Konsolidierungs-/Einsparungsdruck, das kameralistische Haushaltsrecht, das Dienstrecht sowie die bestehenden Verwaltungsstrukturen und die politische Logik bzw. politische Rahmenbedingungen gesehen. Interessant ist auch, dass Verwaltungsmodernisierung in den Behörden mehrheitlich nur mit geringer Einbindung der Öffentlichkeit stattfindet. 3 Strukturen, Prozesse, Technologien & Dienstleistungen 3.1 Ergebnis 4: Klare Technologietrends, aber auch noch erhebliche Informationsdefizite > Aus Sicht der Befragten zeichnen sich drei besonders wichtige Technologietrends ab: Sichere IT und Kommunikationsnetze/-anwendungen, Mobile Government und Zentralisierung/Konsolidierung. Andere Trends wie Cloud Computing, Open Data oder Big Data werden aus Sicht der Behörden noch deutlich zurückhaltender beurteilt. Die Antworten lassen aber auch erhebliche Informationsdefizite vermuten: Jeweils über 30 % der Befragten gaben etwa an, den Stellenwert von Trends wie Business Intelligence, Big Data und insbesondere das Enterprise Dropbox Angebot nicht beurteilen zu können. Frage: Welche Technologietrends werden Struktur und Governance der öffentlichen Verwaltung in den nächsten fünf Jahren beeinflussen?

5 > In Hinblick auf die Zweckmäßigkeit für eine erfolgreiche Verwaltungsmodernisierung werden neue IT-basierte Ansätze allerdings stark kritisch gesehen (nicht zweckmäßig: Videonetzwerke 65,9 %; Government Cloud 41,6 %; Kollaborationsplattformen 38,7 %) und sind bisher auch lediglich in etwa 3 % der befragten Behörden umgesetzt. 3.2 Ergebnis 5: Klare Umsetzungsdefizite und Handlungsbedarf in Richtung einer stärkeren Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen > In Hinblick auf eine stärkere Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im täglichen Verwaltungshandeln zeigen die Ergebnisse, dass vor allem traditionelle Ansätze als sehr zweckmäßig eingeschätzt werden: Bürgeramt (51,6 % sehr zweckmäßig), Beschwerdemanagement (32,6 %) und Kunden/Bürgerbefragungen (29,7 %). Auch das Bürgerserviceportal mit neuem Personalausweis wird sehr positiv eingeschätzt (37,3 % sehr zweckmäßig), während weitere E-Government-basierte Ansätze noch deutlich zurückhaltender beurteilt werden: Integration von Social Media oder der GovApp-Store werden von weniger als 13 % der Befragten als sehr zweckmäßig eingeschätzt. > Ein Vergleich mit der konkreten Umsetzung dieser Maßnahme in den Behörden zeigt erhebliche Umsetzungsdefizite bei den traditionellen, vor allem aber bei den E-Government-basierten Ansätzen. Während Bürgeramt, Beschwerdemanagement und Kunde-/Bürgerbefragungen von etwa 90 % der Befragten als zweckmäßig oder sehr zweckmäßig eingeschätzt werden, sind diese Ansätze in gerade der Hälfte der Behörden umgesetzt. Besonders groß ist das Umsetzungsdefizit bei dem Bürgerserviceportal mit neuem Personalausweis, das von 91,3 % der Befragten als zweckmäßig eingeschätzt wird, bisher aber nur in 8,5 % der befragten Behörden umgesetzt ist. > Ansätze und Maßnahmen zur besseren Einbindung des Bürgers im politisch-parlamentarischen System wie Online-Diskussionsforen, Online-Petitionen, Bürgerhaushalt oder Podcasts werden überraschend kritisch beurteilt (max. 15 % sehen diese als sehr zweckmäßig an) und nicht überraschend in den Behörden der Befragten daher bisher auch kaum umgesetzt (max. 14 %). > In Hinblick auf Ansätze zur Verwaltungsmodernisierung auf Ebene der Behörden wird die stärkere Einbindung von Bürgern bei der Entwicklung von neuen Lösungen nur sehr zurückhaltend beurteilt (10,9 % sehr zweckmäßig vs. 26,9 % nicht zweckmäßig) und bisher auch nur in 1,3 % der befragten Behörden umgesetzt. 3.3 Ergebnis 6: Klare Notwendigkeit einer verstärkten und verbindlicheren Koordination und Zusammenarbeit über die Verwaltungsebenen hinweg > Die verstärkte Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen unterschiedlichen Gebietskörperschaften wird von den befragten Behörden als eine der größten Chancen der nächsten fünf Jahre gesehen (Zustimmung von 40,8 %). > 81,6 % der Befragten befürworten auch mehr Verbindlichkeit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden beim Einsatz gemeinsamer Standards und Infrastrukturkomponenten (lediglich 6,8 % lehnen dies ab). > Auch im Bereich der Haushaltsmodernisierung findet eine stärkere Abstimmung und Koordination über die Verwaltungsebenen große Zustimmung. Zwei Drittel der Befragten (66,6 %) sehen für die Haushaltsmodernisierung die Notwendigkeit einer stärkeren Konzertierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. 3.3 Ergebnis 7: Auf Behördenebene sollten Führungs-/Personalentwicklung, Modernisierung der IT-Landschaft und strategische Planung oberste Priorität haben > Auf die Frage nach den zweckmäßigsten Ansätzen zur Verwaltungsmodernisierung aus Sicht der Behörden werden Führungskräfte- und Personalentwicklung (75,3 % bzw. 69,2 % sehr zweckmäßig), Modernisierung der IT-Landschaft (72,7 %) sowie strategische Planung/Steuerung (70,0 %) klar am positivsten beurteilt. Weitere Ansätze, die ebenfalls sehr positiv eingeschätzt werden, sind Prozessorientierung/-optimierung (53,8 %), Projektmanagement (47,2 %), Bündelung von Fach- und Ressourcenverantwortung (47,6 %) sowie ergebnisorientierte Steuerung über Ziele und Leistungsmessung (44,2 %). > Leistungsvergleiche bzw. Benchmarking Verfahren werden trotz Verankerung in Art. 91d GG weiterhin sehr ambivalent eingeschätzt. Lediglich 20,1 % der Befragten sprechen sich klar für einen verstärkten Einsatz aus, während 12,9 % diesen klar ablehnen und sich die Mehrheit indifferent äußert.

6 4 Öffentliche Finanzen, Effizienz & Transparenz 4.1 Ergebnis 8: Sehr hoher Konsolidierungsdruck verlangt nach verstärkter Subsidiarität und intelligenten Einsparungsansätzen > Eine klare Mehrheit der Befragten sieht die Notwendigkeit, dass es im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise zu einer Neuordnung der Kompetenzen zwischen der EU und den Mitgliedstaaten mit eindeutigeren Verantwortlichkeiten im Sinne des Subsidiaritätsgedanken kommen soll. Für 50,6 % der Befragten ist dies wichtig bzw. sehr wichtig. > Konsolidierungsdruck und Einsparungen werden allgemein als eine der größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren erachtet (klare Zustimmung von 59,2 %). In Hinblick auf konkrete Einsparungsmaßnahmen in den Behörden scheint die Umsetzung bereits erheblich fortgeschritten: 34,0 % der Befragten stellen für die eigene Behörde sehr umfassende Maßnahmen fest, die eingeleitet wurden, um die Anforderungen zunehmend knapper personeller und finanzieller Ressourcen zu bewältigen. Lediglich 6,4 % der Befragten sehen in ihren Behörden keine solchen Maßnahmen. > Zukünftige Einsparungspotenziale werden vor allem von der Prozessoptimierung (58,8 %), einer Aufgabenkritik (47,2 %) sowie der Verflachung von Hierarchien (35,9 %) erwartet, aber auch von Shared Services für Interne Dienstleistungen (35,0 %). Klar abgelehnt und als nicht erfolgversprechend werden hingegen linearer Personalabbau (55,1 % geringer Nutzen) und Outsourcing (38,4 % geringer Nutzen) erachtet. 4.2 Ergebnis 9: Behördenleitungen sprechen sich für eine Modernisierung des Budgetmanagements und des Haushaltsrechts aus und beurteilen die Doppik klar positiv > 28,3 % der Befragten sehen in einer Modernisierung des Budgetmanagements eine der größten Chancen der Verwaltungsmodernisierung in den nächsten fünf Jahren. Das kameralistische Haushaltsrecht wird von rund einem Drittel (32,8 %) der Befragten als einer der hemmendsten Faktoren in Hinblick auf ein zukunftsorientiertes Regierungs- und Verwaltungshandeln erachtet (57,6 % sehen es als eher hemmend, 7,4 % als eher förderlich) und die Aussage, dass kamerale Daten für eine vernünftige Analyse und Planung öffentlicher Haushalte ausreichen, wird von einer Mehrheit (57,4 %) abgelehnt. > Doppik wird mittlerweile mehrheitlich als zweckmäßiger Ansatz der Verwaltungsmodernisierung gesehen (31,4 % sehr zweckmäßig und 40,7 % zweckmäßig, dagegen 27,9 % nicht zweckmäßig) und der Umsetzungsstand ist bereits gut vorangeschritten: in 55,7 % der befragten Behörden ist Doppik schon umgesetzt und in weiteren 14,8 % in Umsetzung. Der Umsetzungserfolg auf kommunaler Ebene wird sehr ambivalent beurteilt (jeweils gleicher Anteil positiver wie negativer Einschätzungen) und die Befragten sehen mehrheitlich bei der Anwendung der Doppik die Notwendigkeit von Vereinfachungen gegenüber den HGB. > Klar kritisch sehen die Befragten das unterschiedliche Modernisierungstempo bei Bund, Ländern und Gemeinden (44,3 % sehen hohen Handlungsbedarf) sowie die Risiken unterschiedlicher Haushaltssysteme und mangelnder Vergleichbarkeit (42,0 %). 5 Führung, Personal und Kompetenzen 5.1 Ergebnis 10: Klares Bekenntnis zu Maßnahmen, um die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber zu erhöhen > Die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber wird von etwas mehr als einem Drittel der Befragten (37,8%) als eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft erachtet. Hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen besteht relativ hohe Übereinstimmung. Mehrheitlich als gut geeignet befinden die Befragten eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit (73,4%) sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie deren Zertifizierung (57,8%). Auch dem Ausbau der Telearbeit und der Ausweitung berufsbegleitender Weiterbildungsangebote wird eine wichtige Rolle zugeschrieben. Marketingmaßnahmen und leistungsorientierte Entlohnung werden etwas skeptischer aber auch insgesamt positiv beurteilt.

7 5.2 Ergebnis 11: Personal und Führung als zentraler Erfolgsfaktor der Verwaltungsmodernisierung > Führungskräfte- und Personalentwicklung werden insgesamt als zweckmäßigster Ansatz der Verwaltungsmodernisierung angesehen (jeweils über 98 % zweckmäßig). Gleichzeitig zeigen sich in diesen Bereichen noch erhebliche Umsetzungsdefizite. Beide Konzepte befinden sich in der Mehrheit der Einheiten erst in Umsetzung (61,0 % vs. 70,6 %) während lediglich 18,2 % bzw. 12,8 % der Befragten bereits eine volle Umsetzung in ihrer Behörde konstatieren. > In Hinblick auf Maßnahmen im Bereich Personalpolitik und -management sind Gesundheitsmanagement sowie eine langfristige Personalplanung bereits mehrheitlich umgesetzt bzw. befinden sich in Umsetzung (77,4 % bzw. 68,0 %). Die Entwicklung von Kompetenzprofilen und Strategien zur Fachkräftesicherung sind mittlerweile auch in der Mehrzahl der Behörden angedacht, vielfach allerdings erst in der Planungsphase (lediglich bei 8,8 % bzw. 6,3 % der Befragten umgesetzt). Stärker E-Government-orientierte Maßnahmen wie die Erarbeitung von Social Media- Guidelines, Konzepte zur Integration der Digital Natives oder die Erlaubnis für Beschäftigte, soziale Netzwerke während der Arbeitszeit zu nutzen, befinden sich hingegen noch im Anfangsstadium und sind bisher bei lediglich unter 12 % der Behörden umgesetzt. 6 Schlussfolgerungen und Ausblick Die vorliegenden ersten Ergebnisse des Zukunftspanels 2013 erlauben eine interessante und aktuelle Bestandsaufnahme der Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Nicht überraschend stehen demographischer Wandel und Haushaltskonsolidierung klar an erster Stelle der zukünftigen Herausforderungen. In Hinblick auf die erfolgreiche Bewältigung der kommenden Herausforderungen lassen sich aus der Studie wichtige Ansatzpunkte ableiten. Für eine Steigerung der Zukunfts- und Leistungsfähigkeit kommt nach Ansicht der befragten Behörden der technologiegestützten Modernisierung sowie einer verstärkten und verbindlicheren Zusammenarbeit und Kooperation der Gebietskörperschaften eine Schlüsselrolle zu. Die Studie zeigt aber auch gleichzeitig erhebliche Defizite in Hinblick auf die Akzeptanz und die Umsetzung der neuen Technologien. Technologietrends wie Open Data, Cloud Computing oder Big Data werden etwa noch sehr verhalten beurteilt und auch die Umsetzung vieler neuer technischer Lösungen befindet sich erst im Anfangsstadium und bedarf noch größerer Überzeugungsarbeit wie auch erheblicher Investitionen, da die Modernisierung der IT-Landschaft bisher nur in wenigen Behörden abgeschlossen werden konnte. Der Budget- und Konsolidierungsdruck wird auch in den nächsten Jahren sehr hoch sein und die meisten Behörden haben bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Erfolgversprechend erscheinen hier vor allem Ansätze der Prozessoptimierung, der Aufgabenkritik und hierarchischer Verflachungen, während linearer Personalabbau und Outsourcing mehrheitlich als nicht mehr ausreichend und erfolgversprechend erachtet werden. Auf Ebene der Behörde werden die bisherigen Reformanstrengungen als insgesamt zufriedenstellend, aber angesichts der vielfältigen Hemmnisse als noch nicht ausreichend beurteilt. Wichtige Ansatzpunkte werden sowohl im Bereich Budget-/Haushaltsmanagement insbesondere eine Abkehr vom kameralistischen Haushaltsrecht wie auch gerade bei einer verbesserten Führungskräfte- und Personalentwicklung sowie einer strategischen Planung und Steuerung gesehen. Auffallend ist auch, dass die stärkere Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger nur eine untergeordnete Rolle hat und entsprechende Maßnahmen vielfach erst ansatzweise umgesetzt wurden. Die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber wird zunehmend als wesentliche Herausforderung erkannt und erfordert nach Ansicht der Befragten eine Flexibilisierung von Arbeitszeiten, eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den Ausbau von Telearbeit sowie mehr berufsbegleitende Weiterbildungsangebote. Das Zukunftspanel 2013 lässt insgesamt eine relativ klare Reformagenda erkennen und es ist zu wünschen, dass diese in den nächsten Jahren auch von Politik und Verwaltungsführung auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene mit ausreichender Konsequenz angegangen und umgesetzt wird, um die Zukunfts- und Leistungsfähigkeit der deutschen Verwaltung auch angesichts der anstehenden Herausforderungen sicherzustellen. 1 Die Befragung enthielt noch einige weitere interessante Bereiche wie etwa eine offene Frage nach den wichtigsten Maßnahmen, um die Handlungsfähigkeit und den Erfolg der Behörden sicherzustellen. Diese, und weitere Ergebnisse aus anderen Fragen, sowie eine stärkere Differenzierung der Ergebnisse nach Verwaltungsebenen finden sich in einem ausführlicheren Bericht zum Zukunftspanel 2013, der im September 2013 erscheinen soll.

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