Entwicklung einer Dashboard Suite zur Visualisierung von CEP-Events am Beispiel von Solaranlagen

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1 Hochschule Hannover Fakultät IV Wirtschaft und Informatik Studiengang: Angewandte Informatik Entwicklung einer Dashboard Suite zur Visualisierung von CEP-Events am Beispiel von Solaranlagen Bachelorarbeit von Sebastian Sack Erstprüfer Prof. Dr. Ralf Bruns Zweitprüfer: Prof. Dr. Josef von Helden Matrikelnummer: Abgabedatum:

2 Selbständigkeitserklärung: Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die eingereichte Bachelorarbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die von mir angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und die den benutzten Werken wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Hannover, den (Sebastian Sack) 2

3 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung Motivation Ziel dieser Arbeit Aufbau dieser Arbeit Grundlagen Complex Event Processing (CEP) Was ist CEP? Events, Event Hierarchy und Event Stream Event Pattern und Rules Anwendungsbeispiel: Esper Business Activity Monitoring (BAM) Was ist BAM? Key Performance Indicators (KPIs) BAM Dashboards BAM - Stand der Dinge Die Dashboard Suite (DBS) für CEP-Events Anforderungsanalyse Funktionale Anforderungen Nicht funktionale Anforderungen Design und Entwurf Physische und logische Architektur Programmablauf Implementierung der Suite Die Bibliothek JFreeChart Die Packages de.dbs.eventmodel de.dbs.gui.components de.dbs.gui.controller Sonstige Packages Komplettbeispiel Fallbeispiel: Anbindung einer konkreten CEP-Anwendung Beschreibung der Anwendung Die Eventstruktur

4 5.1.2 Die Regeln Anbindung an die Suite Mapping der Events Entwurf des konkreten Dashboards Zusammenfassung und Ausblick Bewertung des Fallbeispiels Fazit Ausblick Abbildungsverzeichnis 46 Abkürzungsverzeichnis 47 Literaturverzeichnis 48 4

5 1 Einleitung 1.1 Motivation In der heutigen Zeit, dem Zeitalter der Computer und des Internets, nimmt die Vernetzung der Geräte untereinander rasant zu. Dabei bleibt es nicht aus, dass riesige Datenmengen anfallen. Um diese gezielt und zeitnah verarbeiten und auswerten zu können sind moderne Technologien und Algorithmen gefragt. Eine bewährte Technik hierfür ist Complex Event Processing (CEP). Mit diesem Verfahren lassen sich umfangreiche Datenströme aufgrund entsprechender Regeln zeitnah verarbeiten. Doch CEP alleine reicht oftmals nicht aus, um die Daten auszuwerten. Und genau an dieser Stelle kommt Business Activity Monitoring (BAM) ins Spiel. Hier werden die Daten mithilfe von verschiedenen Visualisierungsinstrumenten grafisch aufbereitet und in sogenannten Dashboards zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise wird eine Auswertung der Daten erleichtert. 1.2 Ziel dieser Arbeit Diese Arbeit befasst sich mit der Erstellung einer Suite in Java zur Erstellung von konkreten Dashboards für beliebige CEP-Anwendungen. Ziel soll es sein, die aus einer CEP-Engine resultierenden Ereignisse (Events) mithilfe verschiedener, individuell anpassbarer Komponenten visuell darzustellen. Solche Komponenten können z. B. für numerische Ereignisse Tachometer oder Charts und für nicht numerische Daten Tabellen oder einfache Listen sein. Hierbei soll die Suite möglichst generisch entworfen und implementiert werden, so dass sie für CEP-Anwendungen mit unterschiedlichen Domänenmodellen ohne viel Programmieraufwand genutzt werden kann. Um eine möglichst lose Kopplung zwischen Suite und CEP-Anwendung zu erreichen, soll die Suite im Rahmen einer verteilten Anwendung eingesetzt werden. Daher ist eine passende Middleware anzubinden. So können Events auch von entfernten CEP- Anwendungen an die Suite gesendet werden. Als konkretes Fallbeispiel wird eine CEP-Anwendung zur Überwachung von Solaranlagen über eine entsprechende Schnittstelle an die Suite angebunden und somit ein konkretes Dashboard zur Visualisierung dieser Daten erstellt. 5

6 1.3 Aufbau dieser Arbeit Dieser Abschnitt soll eine grobe Übersicht über die Strukturierung dieser Arbeit geben: Ziel von Kapitel 2 soll es sein, eine kurzen Einblick in Complex Event Processing und Business Activity Monitoring zu geben. Diese beiden Techniken bilden die Grundlage dieser Arbeit. Mit dem Entwurf der Dashboard Suite beschäftigt sich das Kapitel 3. Hier werden zunächst Anforderungen beschrieben, welche es umzusetzen gilt. Außerdem wird sowohl die physische als auch die logische Architektur erläutert. Die Realisierung der Suite steht im Mittelpunkt von Kapitel 4. Dort werden wichtige Implementierungsdetails genannt und anhand kurzer Codebeispiele und ggf. Grafiken veranschaulicht. In Kapitel 5 wird mithilfe der Suite ein konkretes Dashboard für eine Anwendung zusammengestellt. Auf diese Weise wird die Suite auf ihre Funktionalität überprüft. Eine Bewertung der Suite und des Fallbeispiels erfolgt in Kapitel 6. Hier werden außerdem Erweiterungsmöglichkeiten aufgezeigt. 6

7 2 Grundlagen Zusammenfassung: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den grundlegenden Themen, auf welchen diese Arbeit aufbauen soll: Complex Event Processing und Business Activity Monitoring. 2.1 Complex Event Processing (CEP) Was ist CEP? Complex Event Processing (CEP) ist ein Themenbereich aus der Informatik, welcher sich mit der Verarbeitung von Events (Ereignissen) in Echtzeit beschäftigt. Die folgenden Abschnitte sollen die wichtigsten Aspekte dieser Technik näher erläutern und somit ein generelles Grundwissen über Complex Event Processing schaffen Events, Event Hierarchy und Event Stream Events (Ereignisse) sind die Antriebskraft einer CEP-Anwendung. Hierbei handelt es sich um beliebige Vorkommnisse, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ereignen und in einem direkten Bezug zur fachlichen Domäne des Systems stehen [1]. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten von Events [2]: Physikalische bzw. Technische Events werden aufgrund von physikalen Vorkommnissen automatisch erzeugt. Sie beinhalten oft nur feingranulare Daten und müssen daher mit anderen Events in Zusammenhang gesetzt werden, um Rückschlüsse auf den aktuellen Zustand des Systems ziehen zu können. Beispiel: Ein Temperatursensor misst in regelmäßigen Abständen die Temperatur und leitet sie weiter. Nicht technische Events besitzen meist eine höhere Abstraktionsebene als technische Events. Sie spiegeln oft komplexe, fachliche Sachverhalte wieder und werden manuell (z. B.: durch Anwendungssoftware) erzeugt. Beispiel: Ein Kunde gibt über eine Homepage eine Bestellung auf. Darüber hinaus besitzen Events grundsätzlich zwei Arten von Daten: Die Metadaten geben Auskunft über die Eventquelle und die Umstände des Auftretens. Sie beinhalten z. B. die Uhrzeit des Auftretens oder die Sensor-ID. 7

8 Die Nutzdaten beinhalten die eigentlichen Daten bzw. Messwerte. Dies ist z. B. bei einem Temperatursensor die gemessene Temperatur. Damit Events überhaupt klassifiziert bzw. weiterverarbeitet werden können, werden sie in einer event hierarchy (Eventstruktur, Ereignisstruktur) beschrieben. Diese deklariert bzw. definiert alle Eventtypen, die in einer CEP-Anwendung auftreten können und bildet praktisch das Domänenmodell einer CEP-Engine. All diese Events fließen als kontinuierlicher event stream (Ereignisstrom) in die CEP- Anwendung Event Pattern und Rules Event pattern (Ereignismuster) sind Kernstück einer jeden CEP-basierten Anwendung. Sie beschreiben bestimmte Konstellationen von Events, welche es im event stream wiederzuerkennen gilt. Hierbei können alle Parameter der Events betrachtet und miteinander verglichen werden. Event rules (Ereignisregeln) bestehen immer aus zwei Teilen; einem Bedingungs- und einem Aktionsteil (auch Subscriber genannt). In dem Bedingungsteil steht das oben erwähnte Ereignismuster. Wird dieses Muster im Ereignisstrom wiedererkannt, so ist der Bedingungsteil der Regel erfüllt und der Aktionsteil wird ausgeführt. Man spricht hierbei vom feuern einer Regel. In den Subscribern einer Regel werden entweder Geschäftsprozesse angestoßen oder neue Events erzeugt, welche erneut in die Engine geschickt werden Anwendungsbeispiel: Esper Während sich die letzten Abschnitte mit den theoretischen Konzepten des Complex Event Processing beschäftigten, gibt dieser Abschnitt anhand einer OpenSource-Engine Einblicke in eine mögliche Realisierung von CEP. Hierbei handelt es sich um die freie Engine Esper [3]. Die Eventstruktur Einer der ersten Schritt zur Erstellung einer CEP-Anwendung ist immer die Konzeption einer Eventstruktur. In diesem Beispiel soll ein System zur automatisierten Lichtsteuerung für Gebäude entwickelt werden. Das folgende Klassendiagramm skizziert hierfür die Eventstruktur: 8

9 Abbildung 2.1: Eventstruktur: Automatisierte Lichtsteuerung Objekte des Typs DayLightEvent werden jede Sekunde von einem Lichtsensor erzeugt und in die Engine geschickt. Sie beinhalten jeweils den aktuellen Tageslichtwert in Lux. Ein MovementEvent wird von Bewegungssensoren erzeugt, sobald eine Bewegung in einem Raum wahrgenommen wurde. Ein Objekte des Typs DoorEvent wird erzeugt, sobald die Tür von einem Raum betätigt wurde. Event Query Language (EQL) Für die Formulierung entsprechender Regeln wird in Esper die Abfragesprache Event Query Language verwendet. Diese ähnelt der bekannten Structured Query Language (SQL) Datenbanken. Hierbei wird eine eine Abfrage immer nach folgendem Schema erzeugt: SELECT... from PATTERN [... ] WHERE... In der SELECT-Klausel werden die Attribute aufgeführt, welche in den Subscriber übergeben werden sollen Die PATTERN-Klausel definiert das eigentliche Muster. Optional lassen sich in der WHERE-Klausel weitere Bedingungen festlegen. Dabei steht die PATTERN-Klausel im Vordergrund. Mithilfe der folgenden Bezeichner können hier die entsprechenden Muster definiert werden: 9

10 Bezeichner EVERY A EVERY A(x >10) A AND B NOT A A ->B timer:interval(x sec) Beschreibung Wählt jedes auftretende Event eines Typs A aus. Wählt jedes auftretende Event eines Typs A aus, bei dem das Attribut x größer 10 ist. Events der Typen A und B müssen zusammen auftreten. Es darf kein Event des Typs A auftreten. Auf ein Event vom Typ A muss eins des Typs B folgen. Definiert ein Zeitintervall von X Sekunden Die Regeln Auf der Basis der erstellten Eventstruktur werden nun Regeln erzeugt. In diesem Beispiel werden nur zwei Regeln zu Demonstrationszwecken kreiert. Ziel der ersten Regel ist es, das Einsetzen der Dämmerung zu erkennen und daraufhin die Außenbeleuchtung einzuschalten. Diese wird geschrieben und anschließend über den DefaultProvider innerhalb der Engine registriert: S t r i n g stmt = " select * from pattern [ every d= DayLightEvent( lux <50) -> ( timer: interval (10 min)) AND NOT DayLightEvent( lux >d. lux)]" ; EPStatement easyepstmt = EPServiceProviderManager. g e t D e f a u l t P r o v i d e r ( ). getepadministrator ( ). createepl ( stmt ) ; Nun wird der entsprechende Subscriber der Regel hinzugefügt: easyepstmt. addlistener (new ExternalLightsOnSubscriber ( ) ) ; Subscriber-Klassen in Esper müssen das UpdateListener-Interface implementieren, welche die Methode update(...) zur Verfügung stellt. Aus dieser lassen sich über die Event- Bean-Parameter die in der Regel selektierten Attribute holen. In diesem Fall wird aber nur die Außenbeleuchtung p u b l i c void update ( EventBean [ ] arg0, EventBean [ ] arg1 ) { FacilityManager. turnonexternallights ( ) ; } Wird nun ein DayLightEvent mit einem lux-wert von unter 50 an die Runtime der Engine (des DefaultProviders) gesendet, dem innerhalb von zehn Minuten kein neueres mit einem höherem lux-wert folgt, so feuert die Regel und die Außenbeleuchtung wird eingeschaltet: EPServiceProviderManager. g e t D e f a u l t P r o v i d e r ( ). getepruntime ( ). sendevent (new DayLightEvent (40) ) ; 10

11 Die zweite Regel erkennt das Betreten eines Raumes bei schwachem Tageslicht. Anschließend soll das Licht in diesem Raum angeschaltet werden: S t r i n g stmt = " select d. roomnumber from pattern [ every d= DoorEvent -> ( timer: interval(1 sec)) AND MovementEvent( roomnumber = d. roomnumber) AND NOT DayLightEvent( lux >50)] " ; EPStatement easyepstmt = EPServiceProviderManager. g e t D e f a u l t P r o v i d e r ( ). getepadministrator ( ). createepl ( stmt ) ; easyepstmt. addlistener (new LightsOnSubscriber ( ) ) ; Der zugehörige Subscriber holt sich aus den Parametern die zuvor ausgewählte Raumnummer und schaltet in diesem Raum das Licht p u b l i c void update ( EventBean [ ] arg0, EventBean [ ] arg1 ) { i n t roomno = ( i n t ) arg0 [ 0 ]. get ( "d.roomnumber" ) ; FacilityManager. turnonlights (roomno) ; } Sourcecode zum weiteren Verständnis der Regeln befindet sich auf der beiliegenden CD im Projekt Esper_Example. 2.2 Business Activity Monitoring (BAM) Was ist BAM? Der Begriff BAM (Business Activity Monitoring) wurde erstmals im Jahr 2002 von dem amerikanischen Forschungsinstitut Gartner Inc. eingeführt [4]. Er steht für die Überwachung von (Geschäfts-)Prozessen und Ressourcen in Echtzeit. Hierbei steht vor allem die Kontinuität im Vordergrund. Prozesse und Ressourcen sollten nach Möglichkeit rund um die Uhr (24/7) kontrolliert und die Verantwortlichen auf dem Laufenden gehalten werden. So ist es möglich, auf Unregelmäßigkeiten in Betriebs- und Prozessabläufen schnell zu reagieren. Dies führt zur Minderung von Risiken. Wird auf Abweichungen zu spät oder gar nicht reagiert, kann das gerade für kleinere Unternehmen teilweise fatale Folgen haben Key Performance Indicators (KPIs) BAM arbeitet mit Schlüsselwerten, den so genannten KPI s (Key Performance Indicator). Sie aggregieren wichtige Kennzahlen und geben somit Auskunft über die aktuelle Lage bzw. den Erfolg eines Unternehmens [5]. 11

12 2.2.3 BAM Dashboards Dashboards (engl. für Armaturenbrett, Instrumententafel) sind eine Realisierungsform von BAM. Hierbei werden die KPI s in verschiedenen Visualisierungsinstrumenten grafisch in Echtzeit dargestellt. So zeigen beispielsweise Tachometer aktuelle Werte numerischer Daten oder Tortendiagramme Häufigkeitsverteilungen bestimmter Sachverhalte an. Auf diese Weise können Abweichungen in Abläufen oder Veränderungen von Ressourcen schneller erkannt werden. Dies ermöglicht ein zeitnahes Handeln in kritischen Situationen und steigert somit die Produktivität BAM - Stand der Dinge Heutzutage ist BAM fester Bestandteil von vielen service-orientierten Architekturen (SOA). Auf diese Weise lassen sich sämtliche Aktivitäten, die sich innerhalb der SOA ereignen, visualisieren. Somit haben die Verantwortlichen rund um die Uhr sämtliche Prozesse im Blick. Die folgenden Abschnitte sollen die Integration von BAM -Komponenten in SOA s anhand von Oracle BAM und WSO2 BAM näher erläutern: Oracle BAM Oracle BAM ist ein Modul der Oracle SOA Suite 1. Hierbei handelt es sich um ein Framework, mit dessen Hilfe man verschiedenen Arten von Services, wie z. B. Web Services, individuell orchestrieren und verwalten kann [6]. Mithilfe der BAM -Komponente lassen sich nun sämtliche Aktivitäten, welche innerhalb der Suite auftreten, visualisieren. Dies können z. B. Aufrufe der einzelnen Services sein. Hierbei wird jede zu visualisierende Aktivität innerhalb der Komponente deklariert. Anschließend können die deklarierten Ereignisse über den Bus der Oracle SOA Suite an die BAM -Komponente gesendet, wo sie in passend eingerichteten Dashboards in Echtzeit visualisiert werden. Hierbei werden die Boards innerhalb entsprechender Web- Oberflächen konfiguriert. Ein mit Oracle BAM erstelltes Dashboard könnte in etwa wie folgt aussehen: 1 12

13 Abbildung 2.2: Oracle BAM Dashboard Beispiel [7] WSO2 BAM Im Gegensatz zu Oracle BAM handelt es sich hierbei um eine OpenSource Software der Firma WSO2 [8]. Der Server hierzu lässt sich gratis auf der Firmenhomepage herunterladen. Die Konfiguration erfolgt dabei ähnlich wie bei Oracle BAM in einem entsprechenden Webinterface oder wahlweise über die Konsole. Ein mit WSO2 BAM erstelltes Dashboard könnte in etwa wie folgt aussehen: Abbildung 2.3: WSO2 BAM Dashboard Beispiel [8] 13

14 3 Die Dashboard Suite (DBS) für CEP-Events Zusammenfassung: In diesem Kapitel wird die Dashboard Suite für CEP-Events konzipiert. Es werden sowohl funktionale als auch nicht funktionale Anforderungen beschrieben, welche es bei der Implementierung zu beachten gilt. Außerdem werden die Architektur und der Programmablauf näher erläutert. 3.1 Anforderungsanalyse Funktionale Anforderungen Engine- und Domänenunabhängigkeit Es soll eine Dashboard Suite entworfen werden, die von vielen verschiedenen CEP- Anwendungen mit unterschiedlichen Eventstrukturen zur Visualisierung ihrer Events verwendet werden kann. Folglich ist darauf zu achten, dass die Schnittstellen der Suite so generisch wie möglich gehalten werden. Einheitliche Eventstruktur Da jede CEP-Anwendung unterschiedliche Events (vgl. Abschnitt 2.1.2) aufweist, muss für die Suite eine einheitliche Eventstruktur geschaffen werden, mit der sie arbeiten kann. Sie bildet praktisch das Domänenmodell der Suite. Zusätzlich muss es für CEP-Anwendungen die Möglichkeit geben, eigene Events in Events dieser Struktur umzuwandeln. Hierbei handelt es sich praktisch um die KPI s im Sinne von BAM (vgl. Abschnitt 2.2.2) Verschiedene Visualisierungsinstrumente Die Suite soll verschiedene Visualisierungsinstumente (vgl. Abschnitt 2.2.3) für verschiedene Eventtypen (numerische, und nicht-numerische) anbieten. Wichtig ist hierbei auch, dass sich neue Instrumente ohne viel Aufwand in die Suite integrieren lassen. Konfiguration individueller Dashboards Es soll möglich sein, durch Auswahl der geeigneten Visualisierungsinstrumente mit möglichst wenig Programmieraufwand ein konkretes, domänenspezifisches Dashboard (vgl. Abschnitt 2.2.3) zu erstellen und individuell zu konfigurieren. 14

15 Nachweisbarkeit Zu Dokumentationszwecken soll die Möglichkeit bestehen, sowohl von den einzelnen Instrumenten als auch von dem gesamten Dashboard zu jeder Zeit Screenshots machen zu können. Diese sollen in einem vom Benutzer ausgewählten Verzeichnis mit entsprechender Beschriftung als jpg-datei automatisch abgespeichert werden. Ebenso soll es möglich sein, Screenshots von dem Board in vorgegebenen Zeitabständen automatisch erstellen zu lassen. Lose Kopplung Ein weiteres Ziel ist es, eine möglichst lose Kopplung zwischen Suite und CEP-Anwendung zu erreichen. Dazu soll als Middleware Java Messaging Service (JMS) eingesetzt werden, über den die CEP-Anwendungen Events an die Suite schicken sollen. Rücksetzmöglichkeiten Ferner soll man die Möglichkeit haben, das Dashboard im laufenden Betrieb zurück in seinen Ausgang- bzw. Startzustand zu setzen, ohne die Suite neu zu starten. Dies soll ebenfalls für einzelne Elemente möglich sein Nicht funktionale Anforderungen Erweiterbarkeit und Wartbarkeit Wie jedes andere Programm soll auch die Suite so entwickelt werden, dass sie leicht zu warten ist. Auch soll die Suite so gestaltet werden, dass sie jederzeit und ohne viel Aufwand erweitert werden kann. Hierfür werden alle implementierten Klassen und Methoden so generisch wie möglich gehalten. Fehlertoleranz Die Suite soll auf Fehlverhalten von Seiten des Benutzers entsprechend reagieren und ihn darüber informieren können. Aus diesem Grund wird eine eigene kleine Exceptionhierarchie für die Suite implementiert und ein provisorisches Exceptionhandling vorgenommen. 3.2 Design und Entwurf Physische und logische Architektur Die Dashboard Suite soll im Rahmen einer verteilten Anwendung laufen. Im Folgenden werden die einzelnen Komponenten näher erläutert. 15

16 Physische Architektur Eine CEP-Anwendung ist meistens so konzipiert, dass die eigentliche Engine auf einem zentralen Server läuft. Events aus den verschiedensten Quellen werden zu diesem geschickt, wo sie mithilfe der Regeln ausgewertet werden (vgl. Abschnitt 2.1). Um die aus der Anwendung resultierenden Events zu visualisieren, wird der Server um einen Client ergänzt, auf dem die Dashboard Suite, bzw. das konkrete, domänenspezifische Dashboard läuft. Diese beiden physikalischen Komponenten sollen über eine entsprechend eingerichtete Middleware kommunizieren, was zu einer losen Kopplung der beiden Komponenten führt (vgl. Abschnitt 3.1.1). Als Kommunikationsmechanismus wird hierfür der Nachrichtendienst JMS (Java Messaging Service) gewählt. Logische Architektur Logisch gesehen muss es auf dem Server neben der CEP-Engine und dem eigenen Eventmodel noch eine dritte Komponente geben; den SuiteConverter. Ihre Aufgabe besteht darin, die Events in Objekte des DBS Eventmodel umzuwandeln. Bei dieser Komponente handelt es sich um das Domänenmodell der Dashboard Suite (vgl. Abschnitt 3.1.1). Die Suite selbst, welche auf dem Client angesiedelt ist, soll über einen Controller gesteuert werden, der gleich zwei wichtige Aufgaben übernimmt: Zum einen wird über diesen ein konkretes Dashboard erzeugt. Hierfür fügt man beliebige Visualisierungsinstrumente (Components) hinzu und konfiguriert diese entsprechend. Zum anderen ist der Controller dafür da, die in einen EventConsumer via JMS eintreffende Objekte des DBS Eventmodel s entgegenzunehmen und an das konkrete Board weiterzuleiten. Die folgende Abbildung veranschaulicht sowohl die logische als auch die physische Architektur. Hierbei sind die grün eingefärbten Komponenten zu implementieren. Abbildung 3.1: Physische und logische Architektur der Suite 16

17 3.2.2 Programmablauf Um nun mithilfe der Dashboard Suite ein konkretes Board anzulegen, wird zunächst vom EventConsumer ein Objekt der Klasse Controller erzeugt. Über diesen lassen sich Visualisierungsinstrumente aus dem Package Components mit entsprechenden add(...)- Methoden verschiedene Instrumente dem Board hinzufügen. Hierbei wird für jedes Instrument eine id angegeben, über welche später die eingehende Events zugeordnet werden können. Der Controller initialisiert das entsprechende Instrument und speichert eine Referenz darauf in einer internen Liste ab. Nachdem das Board entsprechend konfiguriert und die gewünschten Instrumente hinzugefügt wurden, wird es durch einen Aufruf von start() gestartet. Nun ordnet der Controller durch den Aufruf der Methode setlayout() die ausgewählten Instrumente entsprechend an und das Board wird angezeigt. Geht nun ein CEP-Event aus der Engine hervor, welches es zu visualisieren gilt, wird dieses zuerst an den SuiteConverter geleitet. Hier erfolgt die Umwandlung in ein entsprechendes SuiteEvent mit einer entsprechenden id. Dieses kann per JMS an den Event- Consumer gesendet werden, welcher es mithilfe der Methode sendevent(...) an seinen Controller weiterleitet. Dieser gleicht die id des eintreffenden SuiteEvents mit den id s der Visualisierungsinstrumente in seiner Liste ab. Bei einer Übereinstimmung wird das SuiteEvent an über die Methode sendevent(...) an das Instrument gesendet. Dieses verarbeitet das empfangene Event entsprechend und ruft dann repaint() auf. Das folgende Sequenzdiagramm stellt die beiden Abläufe (Anlegen des Dashboards und Senden eines Events) noch einmal dar. Abbildung 3.2: Programmablauf 17

18 4 Implementierung der Suite Zusammenfassung: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der konkreten Realisierung bzw. Implementierung der Suite, welche in dem vorherigen Kapitel konzipiert wurde. Hierbei werden alle wichtigen Klassen näher erläutert und mit kurzen Codebeispielen und ggf. Grafiken ergänzt. 4.1 Die Bibliothek JFreeChart Um Visualisierungsinstrumente im Sinne von BAM (vgl. Abschnitt 2.2) zu realisieren, muss das Rad nicht neu erfunden werden. Hierfür existieren bereits zahlreiche Bibliotheken im Internet, sogenannte Java Chart Libraries, welche die entsprechenden Elemente beinhalten. Dazu zählen z. B. JFreeChart 1, charts4j 2 oder JasperReports 3. Die Entscheidung fiel aufgrund der guten Dokumentation [10] und zahlreicher Codebeispiele im Internet auf JFreeChart [9]. Hierbei handelt es sich eine OpenSource-Bibliothek, welche viele diverse Visualisierungselemente zur Verfügung stellt: Von einfachen Tachometern über Balken- und Tortendiagrammen bis hin zu komplexen Mischformen aus verschiedenen Diagrammtypen lässt sich mit dieser API sehr viel erstellen (vgl. Abbildung 4.1) Abbildung 4.1: JFreeChart Beispieldiagramme [9] 18

19 Dabei ist die Vorgehensweise immer ähnlich: Zuerst erstellt man sich ein Dataset, welches die ganzen Daten beinhalten wird, die es zu visualisieren gilt. Anschließend erzeugt man sich das gewünschte Diagramm mithilfe der Klasse ChartFactory, welche die entsprechenden statischen Methoden bereitstellt. Als Parameter wird hierbei unter anderem das erzeugte Dataset übergeben. Das Diagramm, welches man zurückbekommt, lässt sich noch vielseitig verändern. Die auf diese Weise erstellten Diagramme lassen sich leicht in Swing-Umgebungen einbinden, was JFreeChart außerdem als passende Bibliothek für die Suite auszeichnet. 4.2 Die Packages Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich mit den in Kapitel 3.2 vorgestellten Komponenten. Hierbei stehen die Packages de.dbs.eventmodel, de.dbs.gui.components sowie de.dbs.gui.controller im Vordergrund de.dbs.eventmodel Dieses Package beinhaltet die Eventstruktur mit welcher die Suite arbeiten kann. Es ist praktisch das Domänenmodell der Anwendung und befindet sich in einem separaten Java-Projekt. Die Suite und CEP-Anwendungen, welche ihre Events in der Suite anzeigen lassen wollen, verweisen auf dieses Projekt. Im Sinne von BAM handelt es sich hierbei um die Klassen, welche die KPI s (vgl. Abschnitt 2.2.2) repräsentieren. Hierbei erbt jeder Typ von der abstrakten Klasse SuiteEvent im Vordergrund. Sie bildet die Grundlage jeder weiteren Eventklasse und implementiert das Interface java. io.serializable, damit die Events auch mithilfe von JMS versendet werden können. Mithilfe des folgenden Konstruktors wird sie von jeder Unterklasse aus aufgerufen: p u b l i c SuiteEvent ( S t r i n g id, long timestamp ) {... } ; Der Parameter id ist sehr wichtig. Über diesen lassen sich die Events später den einzelnen Anzeigeelementen zuordnen. Ist dieser Parameter nicht gesetzt, so ist keine Zuordnung möglich. Natürlich benötigt auch jedes Event einen timestamp, der Auskunft über den Zeitpunkt des Auftretens gibt. Für den Zweck dieser Arbeit wurden folgende Eventtypen erstellt: Die Klasse SimpleNumericValueEvent enthält ein einfaches Schlüssel-Wert-Paar, welches durch einen String und ein double-wert repräsentiert wird. Gleich mehrere Schlüssel-Wert-Paare enthält die Klasse MultipleNumericEvent. Diese werden hierbei in einer Map<String, Double> gespeichert. 19

20 Für eine Tabelle wurde die Klasse SimpleTableEvent erstellt, welche ein Array des Typs String enthält. Die Länge dieses Arrays sollte der Anzahl der Tabellenspalten gleichen. Für eine einfache Ausgabe, z. B.: in einer Liste, gibt es den Eventtyp Simple- StringEvent, der nur einen String enthält. Das Besondere an dieser Klasse ist die Methode tostring(); diese wurde implementiert, dass sie den timestamp in einem für den Menschen gut lesbaren Format ausgibt. Des weiteren beinhaltet das Package das Interface SuiteConverter, welches die folgende Methode zur Verfügung stellt: p u b l i c List <SuiteEvent> convert ( Object o ) ; Mithilfe dieses Interfaces können CEP-Projekte, welchen das Package de.dbs.events bekannt ist, Ereignisse aus ihrem eigenen Ereignismodell in entsprechende Objekte des Typs SuiteEvent umwandeln, so dass sie von den entsprechenden Elementen der Suite verarbeitet bzw. angezeigt werden können. Das folgende Klassendiagramm veranschaulicht noch einmal den Aufbau des Packages: Abbildung 4.2: Klassendiagram de.dbs.eventmodel de.dbs.gui.components Das Package de.dbs.gui.components beinhaltet alle Anzeigeelemente, die für ein konkretes Dashboard zur Verfügung stehen. 20

21 Hierbei steht die abstrakte Klasse SuitePanel im Vordergrund, welche von javax. swing.jpanel erbt. Alle anderen Elemente müssen von dieser Klasse ableiten und deren Konstruktor aufrufen: p u b l i c SuitePanel ( S t r i n g id, S t r i n g category, S t r i n g name) {... } ; Der Parameter id dient der Zuordnung der Events auf die verschiedenen Panels (vgl. Abschnitt 4.2.1). Mithilfe des Parameters category können Elemente, die den gleichen Kontext betreffen, später im Dashboard entsprechend gruppiert werden. Der Parameter name dient primär der Beschriftung der Panels, kann aber ebenfalls für die Anordnung im Dashboard verwendet werden. Darüber hinaus stellt die Klasse den konkreten Elementen zwei abstrakte Methoden zur Verfügung, welche von ihnen implementiert werden müssen: p u b l i c a b s t r a c t void sendevent ( SuiteEvent event ) ; p u b l i c a b s t r a c t void cleardata ( ) ; Mithilfe der Methode sendevent(...) können Objekte vom Typ SuiteEvent an das Panel gesendet werden. Diese werden dann entsprechend gecastet und visualisiert. Die Methode cleardata() löscht alle bereits eingetroffenen Events aus dem Panel und versetzt es so in seinen Ausgangszustand zurück. Des weiteren werden noch zwei Buttons in jedes Panel eingefügt; ein Button zum Erstellen eines Screenshots des aktuellen Panels und ein Button zum Löschen der Daten (cleardata() wird aufgerufen). Im Folgenden werden die konkreten Anzeigeelemente aufgezählt anhand kurzer Beispiele veranschaulicht. SuiteTacho Diese Klasse stellt einen einfachen Tachometer dar, welcher in keinem guten Dashboard fehlen darf. Er zeigt jeweils den aktuellen Wert eines einfachen numerischen Events an. Die Klasse SuiteTacho wird mithilfe des folgenden Konstruktors initialisiert: p u b l i c SuiteTacho ( S t r i n g id, S t r i n g category, S t r i n g name, Dimension d, S t r i n g unit, double min, double max, Color [ ] c o l o r s ) {... } ; Mit den Parametern id, category und name wird der Konstruktor der Superklasse SuitePanel aufgerufen. 21

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