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2 Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, Google, Yahoo und eine Menge anderer internationaler IT-Unternehmen ändern gerade mit Riesentempo wie wir arbeiten, kommunizieren, Filme sehen, fernsehen, Musik hören und Bilder mit anderen teilen. Alle diese Dienste werden zunehmend nicht mehr am eigenen Gerät abgespeichert, sondern in der virtuellen Wolke, der sogenannten Cloud. Das Wachstum der Cloud ist überwältigend. Man erwartet, dass bis 2020 die Investitionen in diesem Sektor fast eine halbe Billion Dollar ausmachen und sich die Menge der digitalen Information verfünfzigfachen wird. Dieser Aufwand wird deshalb betrieben, um uns damit zu locken, dass wir vom Handy bis zum Computer mit allen Endgeräten immer und überall unbeschränkten Zugang zu Informationen haben können. Die Cloud wird von Rechenzentren angetrieben. Sie sind die Fabriken des Informationszeitalters und enthalten Tausende Computer, die unsere stetig wachsende Datensammlung speichern und verwalten, damit wir diese jederzeit abrufen können. Die Cloud-Rechenzentren sind teilweise so groß, dass man sie vom Weltall aus sehen kann und verbrauchen Unmengen Strom einige fast so viel wie USamerikanische oder europäische Haushalte. Rechenzentren stecken voller innovativer Geräte, die großes Potenzial zur Versorgung mit Erneuerbaren Energieträgern hätten. Doch die meisten IT-Unternehmen expandieren mit rasanter Geschwindigkeit, leider ohne zu bedenken, dass die Wahl der Energieversorgung ihrer Rechenzentren die Gesellschaft beeinflussen könnte. Nachdem zur Aufrechterhaltung der Cloud sehr viel Energie nötig ist, ist der Zugang zu entsprechend großen Mengen eines der Schlüsselkriterien bei der Entscheidung, wo Rechenzentren errichtet werden. Der Energieverbrauch ist auch wesentlich für die Kosten der Cloud-Anbieter. Daher wurde auch die Energieeffizienz der Rechenzentren und der darin befindlichen Computer schrittweise verbessert. Trotz der beträchtlichen

3 Einsparungen übertrifft das Wachstum bei Cloud Computing die eingesparte Menge durch Effizienz um ein Vielfaches. Unternehmen sollten daher auch beachten, wie der von ihnen verwendete Strom produziert wird. Der aktualisierte und erweiterte Report nimmt große und schnell wachsende IT- Unternehmen in Bezug auf Energie unter die Lupe. Welche Kraftwerke nötig sind, den Stromhunger diese Konzerne zu stillen ist für Konsumenten und Konsumentinnen völlig unsichtbar. Investitionen in die virtuelle Wolke haben jedoch bedeutende Auswirkungen auf die reale Welt. Anstelle, dass sich Unternehmen, die innovativen Technik entwickeln, Strom aus ebenfalls innovativen und gleichzeitig umweltfreundlichen Energieträgern entscheiden, beziehen viele der modernen Informationsfabriken Strom von Energieversorgern, die dafür bekannt sind, diesen bevorzugt mit rückschrittlichem sowie umweltbelastendender Atom- oder Kohlekraft zu produzieren. Im Gegensatz zu den IT-Unternehmen sind viele dieser Energieversorger in der Vergangenheit nicht durch Innovationen, sondern mit Fortschrittsverweigerung aufgefallen. Da sich IT-Unternehmen häufig in regionalen Clustern ansiedeln, haben die Investitionen dieser IT-Unternehmen in manchen Regionen der Welt, wie beispielsweise Indien, zu einem Boom von Kohle- und Atomkraft geführt. Zudem wurde die Nachfrage nach Diesel aufgrund von Generatoren, die sich vor Ort in den Rechenzentren befinden, gesteigert. Wenn IT-Unternehmen weiterhin umweltschädliche Energiequellen zur Energieversorgung nutzen, könnte die Cloud bald messbare negative Auswirkungen auf Umwelt und auf die Gesellschaft haben. Einige führende IT-Unternehmen haben sich jedoch umorientiert und decken das rasche Wachstum ihrer Online-Plattformen durch Strom aus Erneuerbaren Energieträgern ab. Diese grundsätzliche Ausrichtung hat großen Einfluss darauf, wo diese ihre Rechenzentren errichten, weil entsprechend große Mengen verfügbar sein müssen. Firmen wie Google tätigen überdies Investitionen in Erneuerbare Energieträger und unterzeichnen langfristige Verträge mit Energieversorgern, die bestehende Rechenzentren mit Strom aus Wind, Wasser und Sonne versorgen. Noch viel wesentlicher ist, dass einige IT-Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung erkennen. Sie sind in der Lage, von den jeweiligen regionalen Energieversorgern eine Umorientierung in Richtung Erneuerbare Energieträger zu fordern. Zudem können sie die jeweiligen politischen Verantwortlichen dazu motivieren, entsprechende politische Rahmenbedingungen zu setzen. Damit haben sie die Macht, den Energiemix der jeweiligen Region zu beeinflussen. Sie haben es in der Hand, den Anteil Erneuerbarer Energieträger zu erhöhen und Atom- sowie Kohlestrom zu reduzieren.

4 Die dritte Fassung des Reports wurde auf insgesamt 14 weltweit tätige Cloud Computing-Anbieter erweitert. Greenpeace hat auch einen Blick auf die wichtigen Regionen geworfen, wo signifikant viele Rechenzentren angesiedelt sind. Der Report untersucht auch die Herausforderungen und Möglichkeiten der IT-Unternehmen, eine konstruktive Rolle beim Ausbau Erneuerbarer Energieträger zu spielen. Tabelle mit Ergebnissen

5 Wie groß die Cloud ist Wieviel Energie ist nötig, um die stetig wachsende Online-Welt mit Strom zu versorgen? Wie hoch ist der Anteil des Informations- und Kommunikationstechnologie- Sektor an den weltweiten Treibhausgasemissionen? Genaue Antworten auf diese Fragen sind sehr schwierig. Dies ist einerseits auf das schnelle Wachstum des Sektors, der Vielzahl an Geräten und Energiequellen und der rasch ändernden Technologie und Geschäftsmodelle zurück zu führen. Die im Jahr 2008 veröffentlichte Branchenstudie SMART 2020 hat berechnet, dass der Sektor für 2% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist und im Wesentlichen drei große Bereiche umfasst: Rechenzentren, Telekommunikation und mobile Endgeräte sowie Computer Die fehlende Transparenz einiger führender IT-Unternehmen ist jedoch einer der wichtigsten Gründe für diese Ungenauigkeit. Diese Geheimnistuerei ist einerseits darauf zurück zu führen, dass die Unternehmen behaupten, dass ihre Mitbewerber durch zu viel Transparenz Vorteile erlangen könnten und andererseits wollen sie den schönen Schein der Branche wahren, die sich gerne gegenüber Öffentlichkeit und eigenen MitarbeiterInnen als "sauber" verkauft.

6 Das Wachstum ist derart groß, dass ExpertInnen in den kommenden Jahren mit gigantischen Investitionen rechnen: Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise rechnen Branchen-ExpertInnen damit, dass jährlich für neue Rechenzentren 450 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden. Auch wenn der weltweite Stromverbrauch in den letzten drei Jahren annähernd gleich geblieben ist, rechnet man damit, dass pro Jahr 31 Gigawatt Strom für Rechenzentren benötigt werden. Allein im Jahr 2012 soll es einen Zuwachs von 19% geben. Man erwartet, dass der Stromverbrauch durch mobile Internetanwendungen im Jahr 2012 um 133% steigt. Das bedeutet pro Monat einen Datenverkehr mobiler Endgeräte von 597 Pentabyte (1 Pentabyte sind Gigabyte). Energie für mobil nutzbare IT-Anwendungen Der weltweite Telekommunikationssektor wächst rasant. Es wird erwartet, dass 86% der weltweiten Bevölkerung, also rund 6 Milliarden Menschen, im Jahr 2011 einen Mobilfunkvertrag haben werden und im Jahr 2012 soll die Anzahl der mobilen Endgeräte die Menge der Weltbevölkerung erstmals übertreffen. Die schnelle Verbreitung von Smartphones und mobilen Breitbandverbindungen hat zur Folge, dass der mobile Datenverkehr im Jahr 2011 acht Mal höher war als jener des gesamten Internets des Jahres Green IT = Energieeffizienz + Erneuerbare Energieträger In letzter Zeit schmücken sich immer mehr IT-Unternehmen mit dem Stichwort "Green IT" und meinen damit mehrheitlich Energieeinsparungen durch effizientere Technologien. Dahinter stecken in erster Linie wirtschaftliche Gründe, weil damit Kosten gespart werden können. Diese Einsparungen können jedoch das enorme Wachstum nicht wett machen. Um die Treibhausgasemissionen der Branche zu senken bedarf es tiefgreifenderer Maßnahmen. Die Unternehmen müssen mehr Transparenz über den von ihnen verursachten Energieverbrauch und den damit verbundenen Treibhausgasemissionen bieten. Es müssen bessere Methoden zur Berechnung der erwarteten Leistung, unter Berücksichtung der verwendeten Energieträger entwickelt werden. Die IT-Konzerne müssen sich von der Idee verabschieden, dass allein die Energieeffizienz eine geeignete Methode zur Berechnung der Umweltperformance ist. Daher wäre es

7 wichtig, wenn in die Berechnung der Umweltperformance Treibhausgas-Emissionen einbezogen werden. Der neu entwickelte CUE-Standard (Carbon Usage Effectiveness) zeigt die CO2-Emissionen pro verbrauchter Kilowattstunde Strom. Akamai ist das einzige der 14 im Report untersuchten Unternehmen, das seinen CUE veröffentlicht hat. Die virtuelle Wolke sauber machen Die meisten IT-Unternehmen entscheiden sich dafür, die für ihre Dienste nötige Elektrizität irgendwo zu einem möglichst günstigsten Preis einzukaufen. Daher war für die meisten Unternehmen der Energieverbrauch im Zentrum der Aufmerksamkeit. Man hat sich für größere Energieeffizienz bemüht und die viel wesentlichere Frage auf welche Weise der Strom produziert wird völlig außer Acht gelassen. Damit die Cloud in Zukunft umweltfreundlicher wird ist es wesentlich, dass die IT- Unternehmen nicht nur Strom aus Erneuerbaren Energieträgern beziehen, sondern auch in solche Unternehmen investieren sowie von PolitikerInnen und Energieversorgern einen politischen Wechsel weg von umwelt- und gesundheitsschädlicher hin zu sauberer und umweltfreundlicher Energieproduktion einfordern. Die IT-Unternehmen müssen sich für politische Rahmenbedingungen einsetzen, die Investitionen in Erneuerbare Energieträge sowie die Verwendung solcher beschleunigen. Der Weg zu einer umweltfreundlichen Cloud kann wie folgt aussehen: Stromnetze mit Erneuerbaren Energieträgern anzapfen: Rechenzentren können nur dort mit Erneuerbaren Energieträgern versorgt werden, wo diese von den lokalen Energieversorgern angeboten werden. Daher ist es notwendig, dass IT- Unternehmen eine Strategie zur Auswahl der Standorte für ihre Rechenzentren entwickeln. Eine solche könnte festlegen, dass Rechenzentren nur dort angesiedelt werden, wo eine ausreichende Versorgung mit Erneuerbaren Energieträgern möglich ist. Langfristige Verträge für Erneuerbare Energie abschließen: Zahlreiche Cloud Computing-Anbieter haben sich dazu entschlossen, mit einem bestimmten Energieversorger oder Errichter von Anlagen zur Produktion Erneuerbarer Energie langfristige Verträge abzuschließen, um den Ausbau Erneuerbarer Energie zu fördern. Erneuerbare Energie am Standort des Rechenzentrums: Immer mehr IT- Unternehmen installieren Anlangen zur Produktion Erneuerbarer Energie direkt

8 vor Ort, um selbst Strom zu produzieren (Beispiel: Photovoltaik-Anlage am Dach). Investitionen in Erneuerbare Energie: Auch wenn der Anteil und die Entwicklung Erneuerbarer Energieträger steigt, fehlt es in manchen Regionen immer noch an entsprechenden finanziellen Mitteln. IT-Unternehmen, die in Anlagen investieren, könnten später in diesen Regionen Rechenzentren ansiedeln. Investitionen in Negawatt: Unter Negawatt versteht man eingesparten Strom durch Nichtverbrauch. IT-Unternehmen könnten Programme finanziell unterstützen, die dabei helfen, den Stromverbrauch in den umliegenden Gemeinden zu reduzieren und die Bevölkerung zum Stromsparen zu motivieren. So könnte das Unternehmen etwa in staatliche oder regionale Programme investieren (z. B. in Programme zur Althaussanierung). Dieser Ansatz bedeutet zwar einen großen Eingriff in den bestehenden Bedarf für Grund- und Spitzenlasten eines Elektrizitätsnetzes vorzunehmen, aber für Gemeinden mit Rechenzentren ist eine derart tiefgreifende Veränderung jedoch sehr vorteilhaft, weil der zusätzliche Strombedarf, den das Rechenzentrum verursacht, in der Gemeinde selbst eingespart werden kann und nicht durch einen Zukauf von Strom aus Kohle- oder Atomkraft abgedeckt werden muss. Engagement für Erneuerbare Energieträger: Damit der Ausbau Erneuerbarer Energieträger mit der rasanten Wachstumsgeschwindigkeit von Cloud- Anwendungen mithalten kann, bedarf es öffentlicher Unterstützung für Erneuere Energieträger. Als Großverbraucher mit enormem Stromverkauf sind diese Unternehmen in der Lage, sich beim jeweiligen Energieversorger für einen Ausbau Erneuerbarer Energieträger stark zu machen. Zudem haben Sie die Macht, bei den regionalen politischen Verantwortlichen für entsprechende Rahmenbedingungen einzusetzen. Beispiele: o o o Anreize für den IT-Sektor zur Verbesserung der Energieeffizienz in Kombination mit der Verwendung Erneuerbarer Energieträger schaffen. Entwicklung von kostengünstigen, und an die Möglichkeiten der jeweiligen Region zur Versorgung von Rechenzentren angepassten, Energiequellen (z. B. Strom aus Sonnen-, Wind-, Gezeiten- und Wellenenergie). Investitionen in die Entwicklung und Versorgung mit Technologie zur Netz-Infrastruktur und Energiespeicherung, die einen höheren Anteil von Energiequellen mit schwankender Energieversorgung (z. B. Wind und Sonne) ermöglichen.

9 Es kommt auf den Standort an Es gibt viele Faktoren, die bei der Auswahl des Standortes von Bedeutung sind wie der Zugang zu leistbarer und in angemessener Menge verfügbarer Energie, das Vorhandensein von Datenleitungen und andere Telekommunikations-Infrastruktur, eventuelle Steuervorteile. Klimatische Verhältnisse sowie die Nähe zu Endkunden können weitere Entscheidungskriterien sein. Die Verfügbarkeit von Energie aus Erneuerbaren Energieträgern steht jedoch bei den meisten Unternehmen nicht an vorderster Stelle. Doch mit der Zunahme an Rechenzentren und dem damit verbundenen, steigenden Energieverbrauch muss die Verfügbarkeit Erneuerbarer Energieträger für die Branche zum Schlüsselkriterium werden. Zunehmend gewinnt auch der Temperaturbereich eines Standorts und die damit verbundene mögliche Energieeinsparung an Bedeutung. Ein Beispiel ist etwa die sogenannte freien Kühlung. Dabei wird die Außenluft anstelle von energieaufwändigen Klimaanlagen dazu verwendet, Computer vor Überhitzung zu bewahren. Einige Regionen eignen sich aufgrund des dort vorhandenen Energie-Mix sowie den Plänen der nationalen Regierungen zum Ausbau Erneuerbarer Energieträger besser als andere. Beispielsweise Schweden produziert bereits jetzt 60% seines Stroms aus Erneuerbaren Energieträgern. Irland hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil Erneuerbarer Energieträger bis 2020 auf 40% zu erhöhen.

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