KPMG Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Update 2011

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1 KPMG Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011

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3 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Vorwort 4 Zusammenfassung 6 1 Daten und Fakten der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland Datengrundlage und Vorgehensweise Status der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Formate der Kommunikation über Nachhaltigkeit Systematische Nachhaltigkeitsberichterstattung Motivation für Nachhaltigkeitsaktivitäten und die Berichterstattung darüber Die Wasserthematik in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Angaben zu Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette 1.3 Die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten 17 2 Fokusthemen Integrierte Berichterstattung Deutscher Nachhaltigkeitskodex Der Weg zur Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts Nachhaltigkeit am Kapitalmarkt 24 3 Fazit und Ausblick 27 Glossar 29

4 4 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Vorwort Nachhaltigkeit hat längst Einzug in die Management-Agenda der Unternehmen gefunden. Bereits bei 25 der DAX 30-Unternehmen ist ein Vorstandsressort mit diesem Bereich betraut. Große Unternehmen haben in der Regel Nachhaltigkeit in Vision und Strategie und einen entsprechenden Managementprozess zumindest auf der oberen Führungsebene verankert. Vor allem aber berichten diese Unternehmen nicht nur deutschland-, sondern weltweit über Nachhaltigkeit, und viele lassen diese Berichte zumindest in Teilen extern überprüfen. Stehen jetzt alle Zeichen auf vollständige Integration in das operative Management, in die Unternehmensberichterstattung und in die Prüfung? Zumindest besteht bei allem Fortschritt in den letzten Jahren noch immer erhebliches Entwicklungspotenzial. Für eine Einschätzung, wie sich der Trend fortsetzen wird, muss man die tatsächlichen Einflussgrößen unternehmerischen Handelns, das regula torische Umfeld und auch die Entwicklung des Umfangs der Nachhaltigkeit untersuchen. Letzteres meint die ständige Evolution und Neudefinition von Themen, die Nachhaltigkeit zuge ordnet werden. Inzwischen fasst man unter Nachhaltigkeit ein sehr breites Themenspektrum zusammen. Jedes von ihnen ist jedoch in unter schied li cher Weise und in verschiedenen Zeit räumen ergebniswirksam, sodass sie für das jeweilige Geschäftsmodell unterschiedliche Bedeutung haben. Hinzu kommt, dass die Themen auch hinsichtlich ihrer ökologischen, sozialen und ökonomischen Messbarkeit verschieden sind. Es ist zu erwarten, dass sich Unternehmen intensiver mit den ergebnisrelevanten Nachhaltigkeitsthemen befassen. Diese haben die besten Chancen auf operative Implementierung im Unternehmen, werden am ehesten in die Unternehmensberichterstattung integriert und sollen vorrangig über einen soliden Datengewinnungsprozess und eine externe Validierung mit größerer Prüfungstiefe abgesichert werden. Gleichzeitig sind auch diese Führungsgrößen prioritär für das Controlling. Nachhaltigkeit wird aber auch über die ökonomischen Interessen des Unternehmens hinaus von den Stakeholdern verlangt und muss nicht zuletzt zur Erhaltung unternehmenswertrelevanter Reputation beachtet werden. Hier geht es vor allem um solche externen Ansprüche, die in besonderer Weise mit dem Geschäftsmodell in Beziehung stehen, wie zum Beispiel unmittelbare Umweltauswirkungen bei einem Unternehmen aus der Chemiebranche. Das entsprechende Set an Kriterien wird im Unternehmensinteresse ebenfalls verstärkt beachtet, berichtet und integriert sowie auch einer Prüfung unterzogen.

5 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Darüber hinaus gilt es eine angemessene Transparenz zu weiteren Themen zu erfüllen, das heißt zu berichten, wo das Unternehmen steht oder gege benenfalls zu erklären, warum diese Themen eine geringere Relevanz für das Unternehmen haben. Ver ständlicher weise werden Unternehmen hierauf eine niedrigere Priorität für Management und Berichterstattung und damit auch Prüfung legen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Thema in einem allgemeinen Standard obligatorisch zu behandeln ist, aber für das Unternehmen selbst nicht ergebnisrelevant ist. Das Erfüllen eines Standards kann generell ein Aspekt im Reputationswettbewerb sein, wenn dieser allgemein anerkannt ist. Zu vermuten ist, dass deshalb eine zunehmende Zahl an Unternehmen mehr berichten werden und ausgehend von den ergebnis relevanten Themen ihre Berichterstattungsbemühungen und Validierungs intensität steigern werden. Dies wird auch im Rahmen von Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung erfolgen. Die jetzt von KPMG vorgelegte Studie zeigt, dass die hier beschriebenen Kräfte wirksam sind. Eine aber über den Business Case weit hinausgehende Transparenz so von der Gesellschaft gewünscht wird nur über gesetzliche Vorschriften zu erreichen und dauerhaft zu sichern sein. Deutschland droht hierdurch im internationalen Vergleich Anschluss zu verlieren. Die intensive Diskussion über die Frei willigkeit von Nach haltigkeits aktivitäten und -berichterstattung führt zu einer gewissen Zurückhaltung bei den Unternehmen, welche im Falle einer gesetzlichen Verpflichtung nicht gegeben wäre. Ebendiese Zurück haltung kann ebenfalls zu einem Einflussverlust auf internationaler Ebene bei der Mitwirkung an entsprechenden Standardisierungen und Regulierungen führen. Wie auch immer man dazu steht, sollte für eine even tuelle Regulierung sorg sam beachtet werden, dass für viele Kriterien der Reifegrad der Messung noch relativ gering ist und entsprechend hoher Aufwand auf die Unternehmung zukommt. Außerdem ist eine inter nationale Standardisierung, die hier bereits getrieben von supranationalen Organisationen vorangekommen ist, ein wertvolles, zu erhaltenes Gut. Prof. Dr. Jochen R. Pampel Partner, Head of Sustainability Services Simone Fischer Partner, Sustainability Assurance Services

6 6 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Zusammenfassung Das Update 2011 des Handbuchs zur Nachhaltigkeitsberichterstattung behandelt die Daten und Fakten unserer Analyse der Nachhaltigkeitsberichterstattung und -prüfung in Deutschland und im internationalen Vergleich auf Basis der 2011 veröffentlichten Berichte und Informationen. Darüber hinaus haben wir vier aktuelle Themen als Fokusthemen herausgestellt: Integrierte Berichterstattung Deutscher Nachhaltigkeitskodex Der Weg zur Prüfung des Nach haltigkeitsberichts Nachhaltigkeit am Kapitalmarkt. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick: Die Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaktivitäten ist bei deutschen Unternehmen inzwischen etabliert. Während der separate Nachhaltigkeitsbericht in PDF-Format weiterhin das am häufigsten verwendete Format ist, erfreuen sich interaktive Portale im Internet steigender Beliebtheit. Ausgewählte Angaben über Nachhaltigkeitsaktivitäten werden zunehmend auch in die Finanzberichterstattung einbezogen, was einen Trend zur freiwilligen integrierten Berichterstattung unterstreicht. Der GRI-G3-Leitfaden gilt als globaler De-facto -Standard für die Berichterstattung über Nachhaltigkeit. Neue Megatrends wie Wasserknappheit gewinnen in Deutschland und international zunehmend an Bedeutung und werden in der Berichterstattung entsprechend akzentuiert. Die meisten Unternehmen berichten über Aspekte ihrer Lieferketten; detaillierte quantitative Angaben oder die Einbeziehung der Lieferanten in die Datenerhebung sind noch die Ausnahme. Der Startschuss zu einer neuen Epoche der Unternehmensberichterstattung ist erfolgt. Mit der Veröffentlichung des Rahmenwerks für eine integrierte Berichterstattung hat das IIRC die erste Pilotphase eingeläutet unter anderem mit Teilnahme einiger deutscher Unternehmen. Das internationale Interesse an dieser Entwicklung erscheint im Vergleich größer. Der Deutsche Nachhaltigkeitsrat hat einen Nachhaltigkeitskodex für Deutschland entwickelt, der auf die Marktmechanismen vertraut. Eine Berichterstattung entsprechend GRI A+ oder EFFAS (Level III) erfüllt die Mindestanforderungen des Kodex. Der deutsche Nachhaltigkeitskodex soll der EU als Best Practice für eine mögliche Gesetzesvorlage vorgestellt werden. Die Anzahl der Prüfungen von Nachhaltigkeitsinformationen hat deutlich zugenommen. Hinsichtlich Tiefe und Umfang dieser Prüfungen besteht im internationalen Vergleich Aufholbedarf für deutsche Unternehmen. Der Kapitalmarkt hat das Thema Nachhaltigkeit erkannt; immer mehr Anleger achten auf Nachhaltigkeitsaspekte bei der Auswahl von Fonds und Aktien. Nachhaltigkeitsberichterstattung wird somit zu einem Anforderungskriterium für kapitalmarktorientierte Unternehmen.

7 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Daten und Fakten der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland Datengrundlage und Vorgehensweise Der vorliegende Daten- und Faktenteil führt das KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 2008/09 fort. Die hier verwendete Methodik zur Erhebung der aktualisierten Daten basiert auf derselben Vorgehensweise, die auch dem KPMG International Survey of Corporate Responsibility Reporting 2011 zugrunde liegt. So wird ein Vergleich der Ergebnisse der auf Deutschland fokussierten Untersuchung mit den Ergebnissen der internationalen Studie möglich. Analysiert wurden die Unternehmensinformationen mit Nachhaltigkeitsbezug, die bis zum 31. Juli 2011 veröffentlicht worden sind. Es wurden nur Leistungsangaben einbezogen, deren Bezugsjahr nicht länger als bis zum Jahr 2009 zurückliegt. Bei den berücksichtigten Quellen handelt es sich um Nachhaltigkeitsberichte in Druck- oder HTML-Format sowie um Inhalte auf Webseiten und in Geschäftsberichten. Die Ergebnisse der Untersuchungen beziehen sich auf die 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland (N 100 Deutschland) sowie die zum 30. Juni 2011 im DAX 30 notierten Unternehmen. In die N 100 Deutschland wurden die umsatzstärksten in Deutschland ansässigen Unternehmen unabhängig von den jeweiligen Eigentumsverhältnissen (börsennotiert, privat und öffentlich) und der Art der Geschäftstätigkeit (operativ beziehungsweise Holding-Gesellschaften) einbezogen. Ausgeschlossen wurden Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne, die zwar in Deutschland operativ tätig und aufgrund ihres Umsatzes theoretisch den N 100 zugehörig wären, deren Informationen zur Nachhaltigkeit aber im Wesentlichen durch die Mutter gesellschaften abgebildet werden. Bezogen auf die Eigentumsverhältnisse setzen sich die N 100 Deutschland des Jahres 2011 wie folgt zusammen: Abb. 1: Eigentumsverhältnisse der N 100 Deutschland Anzahl Börsennotiert In Familienbesitz Genossenschaften Betriebe der öffentlichen Hand Tochtergesellschaften In Stiftungsbesitz Im Besitz von institutionellen Anlegern Eigentumsverhältnisse unbekannt 28 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 100

8 8 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Die N 100 Deutschland decken insgesamt 15 Branchen ab. Der Großteil der Unternehmen ist in den Branchen Handel, Banken und Versicherungen, Automobil, Chemie, Versorgung und Maschinenbau/Metallverarbeitung tätig. Alle anderen Branchen sind mit einem Anteil von fünf Prozent oder weniger vertreten. In der Zusammensetzung der N 100 Deutschland gab es insgesamt neun Veränderungen im Vergleich zu unserer Erhebung von Für Vergleichszwecke haben wir, wo sinnvoll, folgende Gruppen in unsere Untersuchung einbezogen: die 250 weltweit größten Unternehmen (G 250) in Anlehnung an die Fortune 500-Liste des Forbes-Magazins aus dem Jahr 2010 und die N 100 International, die in konsistenter Weise zusammengestellt wurden um fassten die aggregierten Ergebnisse der N 100 Interna tional 22 Länder waren es bereits 34 Länder. Details zur Untersuchung des KPMG International Survey of Corporate Responsibility Reporting 2011 können Sie hier nachlesen: Survey-corporate-responsibilityreporting-2011.pdf. 1.2 Status der Nachhaltigkeitsbericht erstattung im Jahr Formate der Kommunikation über Nachhaltigkeit Die Kommunikation über Nachhaltigkeitsaktivitäten ist bei den meisten untersuchten Unternehmen heute selbstverständlich und unverzichtbarer Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Zwar ist sie weiterhin sehr heterogen ausgeprägt, dennoch stieg der Anteil an Unternehmen in den N 100 Deutschland, die Angaben über Nachhaltigkeitsaspekte unternehmerischen Handelns machen, von 83 Prozent im Jahr 2008 auf annähernd 90 Prozent im Jahr Nachhaltigkeitsthemen effektiv zu kommunizieren, bedeutet generell den Informationsbedürfnissen von Anlegern sowie denen aller interessierten Stakeholder gerecht zu werden. In der Praxis setzen Unternehmen hierfür auf verschiedene Kommunikationskanäle. Nachhaltigkeitsinformationen werden heute in Form separater Berichte, in Geschäfts- oder Lageberichten und internetbasiert kommuniziert, wobei nicht selten mehrere Formate gleichzeitig zum Einsatz kommen. Betrachtet man das primäre Format, also jenes mit den detailliertesten quantitativen und erläuternden Angaben, das in einem regelmäßigen Zyklus aktualisiert wird, ist die Berichterstattung als separates Print- und/oder PDF-Dokument weiterhin das populärste Format, auch wenn der Anteil im Vergleich zu 2008 von 41 Prozent auf 32 Prozent insgesamt leicht zurück geht. Web-Portale für Nachhaltigkeit haben gegenüber 2008 zugenommen und sind aktuell das zweithäufigste Format. Gegenüber dem Print- oder PDF-Format werden dem Leser interaktive Elemente geboten. Das Spektrum reicht von der individuellen Zusammenstellung eines maßgeschneiderten Berichts mit einer individuellen Auswahl an Informationen über Kommentierungsfunktionen bis zur Einbindung des Nutzers in die Bearbeitung von Nachhaltigkeitsthemen. Zwar nutzen gegenwärtig nur 14 Un ter nehmen der N 100 Deutschland den Geschäftsbericht als primäres Format für die Nachhaltigkeitskommunikation, dennoch zeichnet sich wie auch weltweit der Trend zur kontinuierlichen Zusammen führung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung ab. In 74 der 86 ausgewer teten Geschäftsberichte der N 100 Deutschland fanden sich um - fang reiche Angaben zu Nachhaltigkeits aktivitäten. Bei den DAX 30 sind

9 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Abb. 2a: Primäre Form der Nachhaltigkeitskommunikation bei den N 100 Deutschland Referenzbasis: N 100 Deutschland = Referenzbasis: DAX 30 = Separater PDF-Bericht Integrierter Bericht Kapitel im Geschäftsbericht Web-Portale für Nachhaltigkeit Allgemeine Informationen Keine Informationen Abb. 2b: Primäre Form der Nachhaltigkeitskommunikation bei den DAX 30 Kapitel oder Angaben im Lagebericht Separates Kapitel über Nachhaltigkeit außerhalb des Lageberichts Angaben zu Nachhaltigkeit im Geschäftsbericht und im Lagebericht Vollständig in den Geschäftsbericht integriert Separater PDF-Bericht Integrierter Bericht Kapitel im Geschäftsbericht Web-Portale für Nachhaltigkeit Allgemeine Informationen Keine Informationen Abb. 3: Nachhaltigkeitsinformationen im Geschäftsbericht dies 27 Unternehmen beziehungsweise 90 Prozent. Die restlichen DAX 30- Unternehmen verweisen auf ihre separaten Nachhaltigkeitsberichte und die dort gemachten Angaben. International berichtet etwa jedes vierte Unternehmen der G 250 über Nachhaltigkeitsaktivitäten in seinen Geschäftsberichten. 62 Prozent der G 250 stellen Nachhaltigkeitsinformationen dabei in separaten Kapiteln dar. Weitere zwölf Prozent der Unternehmen beziehen solche Informationen in den Director Report, was international dem Lagebericht entspricht, ein. Im Vergleich dazu berichten mit 67 Prozent die DAX 30 deutlich häufiger über Nachhaltigkeit innerhalb des Lageberichts. Hinsichtlich einer vollständig integrierten Berichterstattung, die in Deutschland bisher ein Unternehmen der N 100 umgesetzt hat, zeigen sich die Unternehmen weiterhin zurückhaltend, was auch im Fehlen eines allgemein akzeptierten Standards für integrierte Berichterstattung begründet ist. Die Häufigkeit, in welcher Nachhaltigkeitsinformationen in Geschäftsberichten dargestellt werden, zeigt allerdings, dass immer mehr Unternehmen inzwischen mit verschiedenen Varianten experimentieren. Meistens handelt es sich dabei um eine Kombination von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Wir betrachten dies als einen ersten Entwicklungsschritt auf dem Weg zur vollständig integrierten Berichterstattung. Diese sollte die wesentlichen Themen von Geschäftsmodellen in prägnanter Form transparent darstellen und dabei Finanz-, Unternehmensführungs- und Nachhaltigkeitsleistung zusammenhängend abbilden. N 100 Deutschland DAX Referenzbasis: N 100 Deutschland = 86; DAX 30 = 30 (Berichtende Unternehmen)

10 10 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Systematische Nachhaltigkeitsberichterstattung Ein wesentlicher Aspekt der Berichterstattung ist die systematische Art und Weise, mit der Nachhaltigkeitsinformationen erhoben und kommuniziert werden. Ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal einer systematischen Berichterstattung gegenüber unsystematischen, allgemeinen Informationen über Nachhaltigkeitsaktivitäten ist die Anwendung etablierter externer Berichtsstandards, wie zum Beispiel dem G3-Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (GRI). Eine systematische Berichterstattung zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Auswahl der berichteten Themen durch das Unternehmen methodisch erfolgt ist und diese Methode im Bericht dargelegt wird. In systematischen Berichten werden außerdem für wesentliche Aspekte Managementansätze und Abb. 4: Unternehmen mit systematischer Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland und weltweit N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 100; DAX 30 = Leistungsindikatoren definiert und kontinuierlich die Fortschritte bezüglich formulierter Ziele dargestellt. Veröffentlichte Informationen zu Nachhaltigkeitsthemen von 62 Unternehmen der N 100 Deutschland entsprechen den oben dargelegten Merkmalen einer systematischen Berichterstattung über Nachhaltigkeit. Das entspricht einem Anstieg um fast zehn Prozent im Vergleich zu Weitere 26 Unternehmen kommunizieren unsystematische, allgemeine Informationen über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten. Ein geringer Anteil von zwölf Unternehmen verzichtet weiterhin auf eine Kommunikation zu Nachhaltigkeit. Bei den DAX 30 gehört eine systematische Berichterstattung heute bereits bei 28 von 30 Unternehmen zum festen Repertoire. Wie in Deutschland erreicht die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch weltweit neue Spitzenwerte: Im Vergleich zu 2002 hat sich der Anteil von berichtenden Unternehmen bei den G 250 mehr als verdoppelt, bei den N 100 fast verdreifacht. 1 Hinsichtlich einer Standardisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung bestätigen die Daten für 2011, dass sich der GRI-Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland und international als globaler Defacto -Standard etabliert hat. Zu den häufigsten unter Sonstige aufgeführten Standards zählen insbesondere das GHG Protocol, UN Global Compact, EMAS sowie die Indikatoren der DVFA/EFFAS. Explizite Hinweise, einschließlich der Offenlegung eigens entwickelter Berichterstattungskriterien, fanden sich insbesondere im Zusammenhang mit der Definition und Beschreibung von innovativen Leistungsindikatoren zur Berichterstattung 1 Bis 2002 wurden lediglich separate Berichte in den Erhebungen berücksichtigt. Aufgrund der zunehmenden Kombinationen von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung wurden seit 2005 auch Angaben in Geschäfts berichten in die Statistik einbezogen. 2 Der Wert von 53 Prozent Unternehmen der N 100 Deutschland für das Jahr 2008 wurde im Vergleich zu den Daten, die im KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 2008/09 veröffentlicht worden sind, ange passt, um die Eigenschaften einer systematischen Berichterstattung konsistent zu berücksichtigen.

11 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update über nachhaltige Produkte sowie über Umsatzanteile aus nachhaltigen Produkten. Der GRI-G3-Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ist so konzipiert, dass er Erstanwendern den Einstieg mit geringeren Anforderungen ermöglicht und zugleich den höheren Ansprüchen von Unternehmen mit Abb. 5: Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung im Vergleich GRI-Leitfaden Eigens entwickelte Berichterstattungskriterien Gesetzlich vorgeschriebene Standards Sonstige N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G Referenzbasis: N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen) 80 Abb. 6: Deklarierte GRI-G3-Anwendungsebenen der N 100 Deutschland und DAX 30 A und A+ B und B+ C und C N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 37; DAX 30 = 22 (Nach GRI berichtende Unternehmen, die eine Anwendungsebene deklariert haben) langjähriger Berichterstattungshistorie gerecht wird. Diese Flexibilität wird durch verschiedene Anwendungsebenen ermöglicht. Die niedrigste Ebene C erfordert nur einige Standardangaben sowie eine dem Unternehmen freistehende Auswahl von zehn Leistungsindikatoren zu ökonomischen, ökologischen und sozialen / gesellschaftlichen Bereichen. Im Gegensatz dazu erfordert die höchste Anwendungsebene A detaillierte Angaben zum Managementansatz, eine vollumfängliche Berichterstattung aller Standardangaben und 55 Kernindikatoren sowie gegebenenfalls die Umsetzung von Sector Supplements, welche zusätzlich branchenspezifische Themen und Indikatoren berücksichtigen. Eine mit + deklarierte Anwendungsebene kennzeichnet eine unabhängige Prüfung durch einen Dritten. Die Berichterstattung nach GRI G3 hat im Vergleich zu 2008 sowohl bei den N 100 Deutschland als auch den DAX 30 im Vergleich zu 2008 jeweils deutlich um 30 Prozent zugenommen. Weiterhin ergaben unsere Auswertungen, dass die DAX 30 und die N 100 Deutschland im Jahr 2011 auch durchschnittlich höhere Anwendungsebenen deklariert haben. Damit liegen die deutschen Unternehmen leicht über dem internationalen Vergleichsniveau. Die Deklarierung von GRI-G3-Anwendungsebenen ist ein guter Indikator für den Reifegrad der Berichterstattung. Zum einen deshalb, weil die Berichte systematisch erstellt worden sind sowie Angaben und Indikatoren zur Nachhaltigkeitsleistung auf Basis vergleichbarer Kriterien und Definitionen erhoben und berichtet werden. Zum anderen signalisieren die hohen deklarierten Anwendungsebenen, dass Umfang und Detail berichteter Nachhaltigkeitsinforma tionen zugenommen haben.

12 12 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Abb. 7: Motivation für Nachhaltigkeitsaktivitäten und Nachhaltigkeitsberichterstattung Wirtschaftliche Motive Reputation der Marke Steigerung der Innovationskraft neuer Produkte und Dienstleistungen Erhöhte Mitarbeitermotivation Bessere Kapitalbeschaffung oder erhöhter Unternehmenswert Ethische Motive Risikomanagement oder Risikoreduktion Stärkung der Marktposition Stärkung von Lieferantenbeziehungen Verbesserte Beziehungen mit Behörden Kosteneinsparungen Motivation für Nachhaltigkeitsaktivitäten und die Nachhaltigkeitsberichterstattung Die Berichterstattung über Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung wurde anfangs als freiwillige Maßnahme zur positiven Außendarstellung und Positionierung des Unternehmens als verlässlicher Partner ( good citizen ) genutzt. Es zeigt sich jedoch, dass ein Großteil der berichtenden Unternehmen heute mit Nachhaltigkeit zunehmend wirtschaftliche Motive verbindet. So zielt zum Beispiel die Nennung von Aspekten wie Innovationskraft, Mitarbeitermotivation, Re putationssteigerung, Risikoreduzierung, oder die Verbesserung von Beziehungen zu Lieferanten oder Behörden auf die langfristige Sicherung erfolgreicher Geschäftsmodelle. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit für den Kapitalmarkt (siehe dazu auch unser Fokusthema Nachhaltigkeit am Kapitalmarkt ). Weitaus mehr Unternehmen als 2008 nennen 2011 die Notierung in nachhaltigkeits orientierten Indizes als Motiv für die Berichterstattung. Unternehmen in Deutschland erwarten aus dem aktiven Management von Umwelt- und Sozialthemen einen finanziellen Mehrwert. Insbesondere hinsichtlich Steigerungen der Energie- Effizienz werden monetäre Einsparungseffekte dargestellt. Annähernd die Hälfte der deutschen Unternehmen verbindet mit Nachhaltigkeit auch neue Absatzchancen durch die Erschließung neuer Märkte. Eine unmittelbare Steigerung des Unternehmenswerts und/oder des Aktienkurses führen bei den N 100 Deutschland insgesamt fünf, bei den DAX 30 zwei Unternehmen auf. Weitere Aspekte, wie sich Nachhaltigkeit finanziell auswirken kann, sind die Positionierung in neuen Märkten und Umsatzsteigerungen. N 100 Deutschland DAX Referenzbasis: 2011 N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen)

13 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Kosteneinsparungen Positionierung in neuen Märkten Umsatzsteigerungen Steigerungen des Marktwerts / Aktienpreises N 100 Deutschland DAX 30 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen) 21 Immer mehr Unternehmen versprechen sich verbesserte Absatzmöglichkeiten, indem sie soziale und ökologische Aspekte mit der Produktpolitik verknüpfen. Erstmalig 2011 erhoben, berichten 48 Unternehmen der N 100 Deutschland sowie 25 der DAX 30 über nachhaltige Produkte. Ein Produkt gilt dabei als nachhaltig, wenn es mit Eigenschaften wie Öko-Effizienz während der Nutzungsphase, Sozialverträglichkeit in der Lieferkette oder aus ökologischem Anbau stammend bezeichnet wird. Weiterhin berichten drei Unternehmen ihren mit nachhaltigen Produkten erzielten Umsatz. Im internationalen Vergleich berichten deutsche Unternehmen häufiger über ihr nachhaltiges Angebotsportfolio. Abb. 8: Angaben zum finanziellen Wert von Nachhaltigkeit Die Wasserthematik in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Bevölkerungswachstum und Klimawandel sowie die voranschreitende Industrialisierung in einer globalisierten Wirtschaft richten die Aufmerksamkeit verstärkt auf die nicht unendlich verfügbare Ressource Wasser. Unternehmen erheben zunehmend ihren Verbrauch an Wasser, beurteilen dessen Verfügbarkeit und schätzen die damit verbundenen Chancen und Risiken für ihre Geschäftstätigkeit ein. Eine deutliche Mehrheit der N 100 Deutschland (85 Prozent) und der DAX 30 (96 Prozent) adressiert heute die Thematik Wasser in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ungefähr die Hälfte der berichtenden Unternehmen in Deutschland und weltweit setzen sich strategisch mit diesem Thema aus einander. Dies umfasst erläuternde Angaben zu Wassermanagement, definierte Ziele oder Erläuterungen zu Chancen und Risiken. Detaillierte Ausprägungen sind in Abbildung 10 aufgeführt. Die Erhebung wasserbezogener Daten ist Voraussetzung für eine Identifizierung von Einsparpotenzialen und eine kontinuierliche Verbesserung der Nut zungsintensität. Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichtet über den Wasserverbrauch ihrer Aktivitäten oder zumindest über Teile davon. Abb. 9: Kommunikation über nachhaltige Produkte Nachhaltige Produkte N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen)

14 14 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Abb. 10: Adressierung von Wasserthemen Pläne zur Reduzierung des Wasserverbrauchs Maßnahmen zur Wasseraufbereitung Anpassung an Veränderung der Wasserverfügbarkeit Auswirkungen von Wasserverfügbarkeit auf das Geschäftsmodell und/oder Stakeholder Bei der Erhebung eines Produkt- Wasser-Fußabdrucks müssen über die eigenen Aktivitäten hinaus auch Daten aus der Lieferkette berücksichtigt werden. Wie Abbildung 11 zeigt, stellt bislang kein Unternehmen in Deutschland wasserbezogene Daten aus der Lieferkette transparent in der eigenen Berichterstattung dar. Wasserbezogene Chancen und Risiken, insbesondere hinsichtlich dessen Verfügbarkeit und Knappheit, variieren je nach Region oder Standort stark Aus unserer Sicht können nur Analysen, die für Vorprodukte verwendetes Wasser sowie regionale Verfügbarkeitsaspekte berücksichtigen, zu einem umfassenden Verständnis über wasserbezogene Chancen und Risiken führen. Internationale Vorreiter im Bereich der Berichterstattung über Wasser sind Unternehmen aus wasserintensiven Branchen, wie Textil, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Bergbau. Führende Unternehmen berichten transparent über operative, auf Wasserverfügbarkeit bezogene Risiken und legen offen, welche regulatorischen, finanziellen und Reputationsrisiken im Hinblick auf die Ressource Wasser erwartet werden. Sie berichten außerdem über den Dialog mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und über die Kooperation mit Lieferanten zur gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen im Umgang mit Wasser. N 100 Deutschland N 100 International Referenzbasis: N 100 Deutschland = 62 (Systematisch berichtende Unternehmen) Abb. 11: Umfang des berichteten Wasser-Fußabdrucks Wasserbrauch wird für einen Teil des Unternehmens berichtet Wasserverbrauch wird für das gesamte Unternehmen berichtet Unternehmen berichtet über eigenen gesamten Wasserverbrauch und über (Teile der) Lieferkette Keine Angaben N 100 Deutschland DAX Referenzbasis: 2011 N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen)

15 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Nachhaltigkeit in der Lieferkette Wesentliche Merkmale der Globalisierung sind eine Zunahme des weltweiten und grenzüberschreitenden Handels von Waren und Dienstleistungen sowie die Verlagerung von Fertigungsprozessen in Entwicklungsoder Schwellenländer, vornehmlich, um Kosten einzusparen und die Präsenz in neuen Absatzmärkten zu etablieren. Dies erhöht die Komplexität des Lieferkettenmanagements und führt zu tiefgehenden Implikationen auf strategische und operative Ausrichtung von Unter nehmen. Neben Aspekten wie Preis, Qualität oder zeitgerechter Lieferung gewinnen Themen mit Umwelt- und Sozialbezug im Lieferkettenmanagement an Be - deutung. Unter dem Begriff grüne Lieferkette wird in Kooperation mit Lieferanten bereits versucht, Umweltauswirkungen (zum Beispiel Emissionen, Material einsatz oder Abfall) von Vorprodukten zu reduzieren und für eine umweltfreundliche Entsorgung auszugestalten. Relevante Sozialthemen umfassen insbesondere Arbeitsbedingungen bei Zulieferern (zum Beispiel Vermeidung von Zwangs- und Kinderarbeit, gerechte Bezahlung oder Arbeitsplatzsicherheit) und Maßnahmen zur Unterbindung von Korruption. Unternehmen legen nicht zuletzt immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette, da Missstände dort zu unmittelbaren Reputationsschäden führen können, weil sie in der Wahrnehmung von Kunden und der Öffentlichkeit den Unternehmen zugeschrieben werden. Die Berichtsgrenzen für Nachhaltigkeitsberichterstattung sind in diesem Zusammenhang weiter als in der Finanzberichterstattung. Dies gilt insbesondere für die Darstellung der Verantwortung in der Lieferkette. Dabei ist einerseits zu berücksichtigen, welche Nachhaltigkeitsauswirkungen Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette verursachen und andererseits, wie sie diese beeinflussen können. Je nach Branche und Geschäftsmodell sind verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte relevant und es bestehen unterschiedliche Chancen und Risiken entlang der Lieferkette. Nachhaltigkeitsbezogene Risiken bestehen insbesondere für Unternehmen, die einen Großteil ihrer Fertigung in Länder ausgelagert haben, in denen nationale Gesetzesanforderungen nicht den Bestimmungen internationaler Standards, wie zum Beispiel Kern arbeitsnormen der International Labour Organization (ILO), entsprechen. Reputationsrisiken ergeben sich, sobald Missstände offenkundig wer den und beispielsweise durch Menschenrechtsaktivisten angeprangert werden oder Boykottaufrufe gegen das Unternehmen laut werden. Derartige Missstände können darüber hinaus zu behördlichen Eingriffen führen, wie beispielsweise Schließungen von Fertigungsstandorten, die wiederum zu Lieferengpässen führen, wenn Unternehmen solche Themen nicht proaktiv managen. Unternehmen können jedoch durch Labels wie Bio oder Fair Trade gezielt ein wachsendes Segment ethisch bewusster Kon sumenten bedienen und so neue Absatzmärkte erschließen. 87 Prozent der berichtenden N 100 Deutschland und 100 Prozent der berichtenden DAX 30 publizieren nachhaltigkeitsbezogene Angaben über ihre Lieferkette. Mit acht Prozent bezieht allerdings nur ein sehr kleiner Teil der N 100-Unternehmen aus Deutschland alle aus unterschiedlichen Branchen von Lieferanten gemeldete Daten in die eigene Berichterstattung ein.

16 16 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Abb. 12: Anforderungen an Lieferanten Nachhaltigkeitskriterien sind Bestandteil der Lieferantenauswahl Nachhaltigkeitskriterien sind Bestandteil der Einkaufsbedingungen 29 Wie aber werden Nachhaltigkeitsaspekte konkret in das Lieferantenmanagement einbezogen? Die Mehrzahl der Unternehmen berichtet darüber, dass Nachhaltigkeitsaspekte Bestandteil der Auswahl von Lieferanten sind. Abbildung 12 zeigt, dass die N 100 Deutschland und DAX 30 im inter nationalen Vergleich häufiger Nach haltigkeitskriterien in die Lieferantenauswahl einbeziehen. Hinsichtlich der Häufigkeit, mit der Nachhaltigkeitskriterien Bestandteil von Einkaufs bedingungen sind, zeigt sich kein großer Unterschied zwischen deutschen und Unternehmen weltweit. Letztlich stellt sich die Frage, wie die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien bei Lieferanten geprüft wird. Rund die Hälfte der N 100 Deutschland sowie der DAX 30-Unternehmen geben an, Lieferantenaudits durchzuführen, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden. Allerdings gibt es beträchtliche Unterschiede in den Angaben zu Lieferantenaudits. Dies bezieht sich einerseits auf die Häufigkeit und die Intensität, andererseits auf die transparente Darstellung der Ergebnisse und Konsequenzen aus den Lieferanten audits. Durchführung von Lieferantenaudits auf Basis der Nachhaltigkeitskriterien N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 62; DAX 30 = 28 (Systematisch berichtende Unternehmen)

17 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten Das allgemein wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit und das steigende Interesse an Nachhaltigkeit auf Investorenseite führen zu steigender Transparenz der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Unternehmen. Gleichzeitig drängen sich Fragen nach Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit dieser Darstellungen auf. Während es eine gesetzliche Verpflichtung zur Prüfung von Jahres- und Konzernabschlüssen in den meisten Abb. 13: Prozentualer Anteil von Nachhaltigkeitsberichten mit Prüfbescheinigung aufgeteilt nach Ländern Indien Südkorea Dänemark Spanien Italien Frankreich Großbritannien Australien Griechenland Portugal Taiwan Schweden Niederlande Brasilien China Chile Deutschland Ungarn Südafrika Finnland Israel Slowakei Schweiz Mexiko Japan Rumänien Kanada Bulgarien Ukraine Neuseeland Nigeria USA Russland Singapur N 100 Deutschland N 100 International Ländern der Welt gibt, besteht eine vergleichbare Verpflichtung für Nachhaltigkeitsinformationen noch nicht. Es zeichnet sich sowohl in Deutschland als auch international der Trend ab, Nachhaltigkeitsinformationen durch die externe Prüfung mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Insbesondere die Anzahl von Bescheinigungen unabhängiger Prüfer hat sowohl bei den N 100 Deutschland (von 15 auf 22) und den DAX 30 (von 11 auf 16) gegenüber 2008 deutlich zugenommen. 18 der insgesamt 22 Bescheinigungen entfallen dabei auf börsennotierte Unternehmen, was die zunehmende Bedeutung dieser Informationen für den Kapitalmarkt unterstreicht. Rund 38 Prozent aller Nachhaltigkeitsberichte weltweit enthalten heute eine externe Prüfbescheinigung, bei den G 250 ist der Vergleichswert mit 45 Prozent sogar etwas höher. Wie in Abbildung 13 verdeutlicht, erreichen deutsche Unternehmen mit 35 Prozent bei den N 100 (57 Prozent der DAX 30) einen soliden Rang im Mittelfeld. Die Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen wird ergänzt durch kritische Kommentierungen. Dabei handelt es sich um Stellungnahmen Dritter zu Nachhaltigkeitsaktivitäten des jeweiligen Unternehmens, die nicht die Verlässlichkeit getroffener Berichtsaussagen und Daten beinhalten, sondern die Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements im Unternehmen kommentieren. Von den N 100 Deutschland enthielten sechs Berichte kritische Kommentierungen, wobei drei davon zusätzlich eine Bescheinigung auf Daten und Berichtsaussagen durch unabhängige Prüfer enthielten. Im internationalen Vergleich enthalten Berichte deutscher Unternehmen mit 11 gegenüber 28 Prozent deutlich seltener kritische Kommentierungen. In der Regel stammen solche Kommentierungen von Wissenschaftlern,

18 18 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update 2011 Abb. 14: Wahl des Prüfers Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Zertifizierungsgesellschaft Technische Experten Spezialisierte Berater N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: 2011 N 100 Deutschland = 22; 2011 DAX 30 = 16 (Unternehmen mit formaler Bescheinigungen von einem unabhängigen Prüfer) Abb. 15: Anwendung einzelner Prüfungsstandards ISAE 3000 AA1000AS Sonstige Politikern oder zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Mehrzahl aller Prüfungen erfolgt in Deutschland und international durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, hauptsächlich unter Anwendung etablierter Standards des Berufsstands. Hierin liegt auch begründet, weshalb die Anwendung des ISAE 3000 weltweit überwiegt und im Vergleich zu 2008 weiter gestiegen ist N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G Der im Herbst 2008 neu erschienene AA1000AS wurde von deutschen Unternehmen moderat angenommen. Im Unterschied zu ISAE 3000 wurde der AA1000AS in einem Stakeholder- Dialog entwickelt und kann von verschiedenen Prüfgesellschaften und nicht nur Wirtschaftsprüfern angewendet werden. Die Prüfung nach AA1000AS ist prinzipienbasiert und geht insofern über die reine Verifizierung von Daten hinaus, als dass der Prüfer zusätzlich das Nachhaltigkeitsmanagement und Stakeholder- Engagement eines Unternehmens bezüglich der Prinzipien (Inklusivität, Wesentlichkeit und Reaktivität) beurteilt. Die Berichte von drei DAX 30-Unternehmen sowie eines weiteren der N 100 Deutschland weisen Bescheinigungen nach diesem Standard auf, in allen Fällen kombiniert mit der Prüfung nach dem ISAE International liegt die Anwendung des AA1000AS insgesamt mit rund einem Viertel etwas höher. Auch zeigen unsere Analysen, dass der AA1000AS überproportional häufig in den skandinavischen Ländern, Großbritannien, Spanien sowie Südkorea angewendet worden ist. Nachhaltigkeitsprüfungen unter Anwendung der in Abbildung 15 aufgeführten Standards unterscheiden sich hinsichtlich der Prüfungstiefe und des Prüfungsumfangs. Eine Prüfung mit hinreichender Sicherheit (Reasonable Level of Assurance) führt zu einer Positivaussage: Aufgrund der bei der Durchführung unserer Prüfung erlangten Erkenntnisse sind die geprüften Angaben in allen wesentlichen Belangen in Übereinstimmung mit den Berichtskriterien aufgestellt worden. Referenzbasis: 2011 N 100 Deutschland = 22; 2011 DAX 30 = 16 (Unternehmen mit formaler Bescheinigungen von einem unabhängigen Prüfer)

19 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Abb. 16: Prüfungstiefe Begrenzte Sicherheit: negativ formulierte Prüfungsaussage Hinreichende Sicherheit: positiv formulierte Prüfungsaussage Kombination Sonstige oder unbekannt N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G Referenzbasis: N 100 Deutschland = 22; 2011 DAX 30 = 16 (Unternehmen mit formaler Bescheinigungen von einem unabhängigen Prüfer) Abb. 17: Prüfungsumfang Kombination aus ausgewählten Leistungsindikatoren und Berichtskapiteln Ausgewählte Berichtskapitel Ausgewählte Leistungsindikatoren Gesamter Bericht Eine Prüfungsaussage bei begrenzter Sicherheit (Limited Level of Assurance) wird negativ formuliert: Aufgrund der bei der Durchführung unserer Prüfung erlangten Erkenntnisse sind uns keine Sachverhalte bekannt geworden, dass die Angaben in allen wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit den Berichtskriterien aufgestellt sind. Die Erlangung einer höheren Prüfungssicherheit setzt in der Regel zuverlässige Systeme, Prozesse und effektive Kontrollen voraus. Ein Prüfer erlangt höhere Sicherheit durch das Testen dieser internen Abläufe und durch umfangreichere Stichproben. Im internationalen Vergleich entscheiden sich deutsche Unternehmen seltener zu einer Prüfung mit hinreichender Sicherheit beziehungsweise einer Kombination beider Prüfungs tiefen. Auch der Prüfungsumfang lässt sich bei Nachhaltigkeitsprüfungen variieren. So besteht die Möglichkeit, den gesamten Bericht oder aber ausgewählte Leistungsindikatoren oder Berichtskapitel zu prüfen. Wie Abbildung 17 zeigt, entscheiden sich deutsche Unternehmen am häufigsten, ausgewählte Berichtsangaben prüfen zu lassen. Im internationalen Vergleich umfassen die Prüfungen häufiger den gesamten Bericht. Die Möglichkeit, nur ausgewählte Be richtskapitel als Prüfungs gegenstand zu bestimmen, stellt in Deutschland wie auch international die Ausnahme dar N 100 Deutschland N 100 International DAX 30 G 250 Referenzbasis: N 100 Deutschland = 22; 2011 DAX 30 = 16 (Unternehmen mit formaler Bescheinigungen von einem unabhängigen Prüfer)

20 20 KPMG-Handbuch zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Update Fokusthemen 2.1 Integrierte Bericht erstattung Die aktuelle Unternehmensberichterstattung enthält eine Reihe von Informationen, die entweder auf Basis regulatorischer Anforderungen erstellt werden oder aber freiwillig erfolgen. Neben der klassischen Finanzberichterstattung ergänzen Nachhaltigkeitsberichte und/oder Berichte zur Corporate Governance die Berichterstattung deutscher Unternehmen. Vielfalt und Detaillierungsgrad dieser Berichterstattung haben zur Folge, dass der Adressatenkreis der einzelnen Informationen oftmals eingeschränkt ist und viele Unternehmen diverse Berichtsformate zur Informationsbedarfsdeckung der unterschiedlichen Adressaten herausbringen müssen. Im August 2010 wurde das International Integrated Reporting Committee (IIRC) mit dem Ziel der Entwicklung eines übergeordneten prinzipienbasierten Rahmenkonzepts für eine neue integrierte Unternehmensberichterstattung ( Integrated Reporting ) gegründet. Das Komitee ist mit Vertretern aus Wissenschaft, Unternehmen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und politisch-regulatorischen Organisationen (IASB, FASB, IOSCO, Weltbank), institutionellen Anlegern sowie Nichtregierungsorganisationen besetzt. Es verfolgt das Ziel, die Qualität der Berichterstattung durch eine stärkere Orientierung an den Informationsbedürfnissen der Berichtsadressaten (Stakeholder) zu steigern, wobei prinzipiell die Investorenperspektive im Fokus steht. Zur Erreichung dieses Ziels ist unter anderen ein neuer Blickwinkel auf Unternehmen notwendig. Im September 2011 hat das IIRC erste Vorschläge für eine integrierte Berichterstattung in Form eines Diskussionspapiers veröffentlicht und der interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ergänzend hat das IIRC im Herbst 2011 ein Pilot projekt gestartet, um Erfahrungen über die Praktikabilität des Konzepts in dessen Umsetzung zu gewinnen. Deutsche Unternehmen partizipieren derzeit noch eher zurückhaltend. Das Diskussionspapier sieht eine grundlegende Revision der heutigen, stark finanzorientierten Berichterstattung vor. Ein integrierter Bericht stellt das Geschäftsmodell und die Strategie des Unternehmens in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Hiervon ausgehend sollen einzelne Berichtsinhalte (Corporate Governance, Nachhaltigkeit, Vergütung, Lagebericht) sowie finanzielle und nicht finanzielle Informationen fokussiert dargestellt werden. Außerdem sollen die mittel- und langfristigen Wertbeiträge zu nachhaltiger Entwicklung des Unternehmens eine größere Bedeutung in der Berichterstattung einnehmen. Basierend auf einem weiter gefassten Verständnis der Kapitalformen eines Unternehmens sollen neben den bilanzierten Vermögenswerten (Finanzkapital) künftig auch das Humankapital, das intellektuelle Kapital sowie die natürlichen und sozialen Ressourcen dargestellt werden. Dies bietet die Chance, ein breiteres, mehrdimensionales Bild vom Wertgenerierungsprozess des

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